Fontblog Spaß

Die Ente vom Bindestrich

Als hätten die deut­schen Autofahrer nicht schon genug zu leiden, unter Staus, über­höhten Benzinpreisen und euro­päi­schen Autobahngebühren … Pünktlich zur Urlaubszeit werden sie auch noch mit Lügengeschichten verängs­tigt. Bereits im letzten Sommer setzte die Handwerkskammer Reutlingen ein solches Gerücht in die Welt, indem sie berich­tete, dass deut­sche Kraftfahrer mit Euro-Kennzeichen in Italien mit Bußgeldern belegt würden, wenn in der Zulassungsbescheinigung der auto­ma­ti­siert einge­druckte Bindestrich noch vorhanden sei, obwohl er auf den neuen Kennzeichen fehlt. Man empfahl die kosten­pflich­tige Änderung der Zulassungspapiere. BILD griff diese Empfehlung auf, uns schon wurde aus der Ente ein Sommerloch-Aufreger.

In der Saison 2013 nun werden die Abzocker in Luxemburg vermutet, so zitiert jeden­falls SPIEGEL Online den Leiter der Zulassungsstelle des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Erhard Hirschberg. Um die Autofahrer zu beru­higen, habe er bereits Infoblätter in seiner Behörde aushängen lassen. Geholfen habe es nicht. »Pro Tag kommen immer noch bis zu 30 Leute in die Zulassungsstelle. Sie ziehen eine Nummer und warten, bis sie an der Reihe sind und kostenlos neue Fahrzeugpapiere bekommen – ohne den Bindestrich.«

Prima, wäre für diesen Tag das Sommerloch wieder mal gefüllt (auch im Fontblog). Natürlich entbehren alle diese jeder Grundlage. Bereits im letzten Jahr stellte das Bundesverkehrsministerium in einer offi­zi­ellen Note klar, dass auch solche Fahrzeugscheine gültig sind, in denen der Bindestrich noch drin steht.


bukowskigutentag 9/13: Das IARN-Syndrom

Am 16. Juni 2013 platzte die Bombe. Eine über­re­gio­nale Zeitung brachte einen Beitrag mit diesem Aufmacher: »Im Juli soll in London das Kind von Prinz William und Herzogin Kate zur Welt kommen. Das öffent­liche Interesse am royalen Nachwuchs ist groß, …«

Zwar beherrschten zu dieser Zeit die Proteste in der Türkei und Brasilien oder auch die Prism-Enthüllungen die Schlagzeilen, aber das Publikum ließ sich davon zum Glück kaum in seiner Aufmerksamkeit für dieses hoch­bri­sante Thema ablenken. Weitere eigene Recherchen brachten das ganze Ausmaß einer bisher kaum diagnos­ti­zierten Pandemie zum Vorschein. Hier eine erschüt­ternde Fallbeschreibung und leider kein Einzelschicksal: Norbert H., 52, selbst­stän­diger Tischlermeister berichtet:

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Design-Trugbild: Teekessel mit Bart

Am Sonntag wurde das Foto zum ersten Mal über Reddit ins Netz gestellt, mit der amüsanten Erkenntnis: »Dieser Kessel sieht wie Hitler aus!« Als der briti­sche Schauspieler und Autor Stephen Fry kurz darauf das Bild zitierte und an seine 5,8 Millionen Follower twit­terte, gab es keinen Halt mehr. Seitdem reden alle über den Kessel, der wie eine Karikatur des deut­schen Diktators aussieht.


Angeboten wird das Küchengerät von der US-ameri­ka­ni­schen Einzelhandelskette J. C. Penney, die den Kessel auch online vertreibt. Er ist Teil einer gerade lancierten Exclusive Michael Graves Design Collection, die aus rund 300 Produkten besteht.

Der Architekt Michael Graves, geboren 1934 in Indianapolis, wurde zunächst für seine Entwürfe pracht­voller Privathäuser bekannt. Ende der 1980er Jahre vollzog Graves einen radi­kalen Stilwandel, indem er sich von der strengen und klaren Struktur seiner Gebäude verab­schie­dete und Tiergestalten als Gestaltungselemente einsetze. Auf ähnliche Weise entwarf er eine große Zahl von Alltagsgegenständen wie Gewürzmühlen, Geschirr, aber auch Sessel und Stühle, die weithin bekannt sind. Der italie­ni­sche Küchenausstatter Alessi machte den 1985 von Michael Graves entwor­fenen Kessel 9093 zum Designklassiker. Auffälligstes Merkmal ist eine Vogel-Figur am Ausguss, die bei kochendem Wasser den Pfeifton erzeugt. So was fand man witzig in den 1990er Jahren.

Der nun für J. C. Penney vom der Michael Graves Design Group entwor­fene »Bells and Whistles Stainless Steel Tea Kettle« (dt: rost­freier Schnickschnack-Teekessel) greift den Klassiker auf, um nicht zu sagen: er kopiert ihn … eine Eigenkopie, mit kleinen Änderungen. Nur blöd, wenn man, berauscht vom jahr­zehn­te­langen Erfolg, nicht mehr so genau hinsieht. Die über­ge­stülpten Änderungen verstoßen nicht nur gegen das Design-Grundprinzip »Form follows func­tion« (das wäre nicht weiter schäd­lich), sondern auch gegen den Grundsatz »Less is more«. Dummerweise ergab das Mehr in diesem Fall eine unglück­liche Assoziation, über die sich nun die ganze Welt lustig macht. Allen voran die briti­sche Boulevardpresse: Weltkriegsgebräu …

J. C. Penney kämpft seit längerem mit wirt­schaft­li­chen Problemen. Die Kunden lassen sich nicht mehr mit den ewig glei­chen Rabatt-Angeboten in die Filialen locken. Eine neue Strategie, zu der auch die Designprodukte von Michael Graves gehören, verprellte die Altkunden und sorgte für 25 % Umsatzeinbußen und Entlassungen. Der Rummel um den miss­ver­ständ­li­chen Kessel wird daran nicht viel ändern. Neue Kunden mit entspre­chender Weltanschauung wird er auch nicht bringen, denn für die echten Irren gibt es schon seit langem eine Teekanne im Steingut-Design …

 

 


bukowskigutentag 7/13: Autokorrektur

Neulich war ich einmal wieder im Einsatz bei der Agentur, für die ich ab und an als attrak­tive, junge Pressereferentin arbeite. Diesmal lag eine niveau­volle Aufgabe an. Für einen Kunden – und zwar einen der welt­weit großen Player im Schnullifatz-Segment – sollten wir neue, bisher unent­deckte Werbeformen und Kanäle finden.

»Schnullifatz? Wie schreibt man das eigent­lich?«, fragte einer aus unserer eigens gebil­deten SoKo »neue Werbeformate«. Eine berech­tigte Frage. Ich tippte den Begriff, also wie ich meinte, dass man ihn schreiben könnte, in mein Smartphone, dessen Autokorrektur das Wort »Schnullifatz« aber in »Syphilis« verwan­deln wollte.

Klar, kennt man ja. Die diversen Autokorrektursysteme in Computern und Smartphones werden nach Regeln program­miert, die kein Mensch je wird nach­voll­ziehen können und die in erster Linie zur Belustigung oder wahl­weise zum Ärger der Nutzer dienen; ganz sicher aber niemals als wirk­liche Hilfestellung, weil die Vorschläge dafür einfach zu bekloppt sind. Hier ein paar schöne, mit dem eigenen Smartphone erstellte Beispiele für Deutsch – Autokorrekturdeutsch:

  • nein – Bier
  • Tintenstrahldrucker – Tittenstrahlducker
  • Backstage – Backstube
  • Regierungskoalition – Himbeersorbet
  • Steuererklärung – fick­ööön!

Und so weiter, Sie kennen das. Aber! Damit hatten wir plötz­lich unbe­ab­sich­tigt eine Lösung für die uns gestellte Aufgabe gefunden. Könnte man die Autokorrektur-Systeme nicht so mani­pu­lieren, dass sie nicht mehr wie bisher quasi rando­mi­siert arbeiten, sondern ganz dezent, aber auffällig ein biss­chen »Naming« in Sachen unserer werbe­trei­benden Kunden betreiben? Na klar!

Als prak­ti­sches Beispiel, wie das im Ergebnis aussähe, konzep­tio­ni­zi­pi­fi­zierten wir gleich mal diesen fiktiven, aber wirksam auto­kor­rek­tur­ma­ni­pu­lierten Dialog via SMS, Chat oder sons­tigem Kurznachrichten-Kanal:

»Hallo, sehen wir UPS nächsten Samsung?«

»Hä?«

»Huch, sorry, ich meinte ›uns‹ und nächsten ›Samstag‹. Scheiß Autokorrektur mal wieder.«

»Ach so, Samsung, ähh, Samstag ist super. … Hab plötz­lich total Bock, mir ein Samsung-Produkt zu kaufen.«

»Hey, mach das. Am besten mit UPS liefern lassen!«

»Gute Idee, bis dann. hdgdl.«

»Bis dann, Deine Süßeschnecke69.«

Sehen Sie? Wirkt! Diesen Autokorrektur-Dialog haben wir mitsamt Konzept kürz­lich beim Kunden präsen­tiert und aktuell arbeiten wir an der Umsetzung.

Ich persön­lich schalte bei meinem Textverarbeitungsprogramm jetzt die Autokorrektur wieder ein. Und der Kuchen war übri­gens auf Anschieb so bekleis­tert, dass er uns mit reich­lich Gelb ausstat­tete, damit die Autokotfissur demnächst Rechtschreibvorschläge unter­breitet, die zwar nur bedingt sinn­stif­tend, dafür aber konsum­an­re­gend sind.

Erstaunlich übri­gens, dass ich vor etwa 318 Jahren ein Handy hatte, in dem ein lern­fä­higes T9-System einge­baut war. Diese Lernfähigkeit haben moderne Smartphones offen­sicht­lich im Laufe ihrer Evolution einge­büßt. Die Dinger mögen heute Cocktails mixen, Hegel verstehen oder den Abwasch machen können. Aber lernen, wie Herrchen oder Frauchen was zu schreiben geruhen, könnense nicht, die dummen Dinger. Ein tech­no­lo­gi­scher Atavismus, dessen Ursache mir schlei­er­haft ist. Vielleicht sogar ganz beru­hi­gend, dass nicht immer alles nur voran, sondern auch mal was rück­wärts geht.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.


Gruß zum Valentinstag

Unsere Kollegen bei FontShop San Francisco feiern wieder Valentype: Eine grafi­sche Liebeserklärung an ein Schrift reicht aus, um diese noch heute zu gewinnen … über 50 (!) Foundries machen mit. Die Aktion läuft seit 14 Tagen und nur noch heute, die bisher entstan­dene Galerie ist ein Augenschmaus.

Natürlich haben wir auch in Berlin den Valentinstag auf dem Radar, plus 11 weitere Fest- und Gedenktage für dieses Jahr. Zum Beispiel Muttertag, der Weltkatzentag, Ostern, der Tag der Geschwister und weitere. Passende gedruckte Grüße dazu liefert unser Grußkartenset Fontgrüße 2013, das wir gerne kostenlos zusenden.

Die oben gezeigte Karte als PDF laden und selbst drucken: einfach auf das Bild klicken.


bukowskigutentag 27/12: Lektüre für Leser

ach zwei Jahren Pause starten wir die Lektüre für Nichtleser bald neu; und zwar als eine Art Lektüre für Leser diesmal. In Arbeit befindet sich aktuell ein lesbares, quasi ein rich­tiges Buch. Es handelt sich um eine große (auf ne Art) Liebesgeschichte, die sich im Jahr 2013 in Berlin-Schöneberg ereignen wird. Abgesehen vom Liebeszeugs passieren aber auch andere Sachen. Hier schon mal ein Ausblick auf das nächste Jahr, wie es uns die Lektüre für Leser bescheren wird:

Während sich die Leute in Schöneberg mit ihren jeweils verschie­denen Angelegenheiten beschäf­tigten, schritt die Zeit unauf­haltsam voran. Das hatte sie so lange getan, bis sich ganz neue Zeichen der Zeit mani­fes­tierten; und zwar sogar hier in Schöneberg und zum Beispiel auch beim Bäcker um die Ecke.

Dort war Heinz gerade vorstellig geworden in der Absicht, ein belegtes Brötchen zu erwerben, um seinen Hunger zu stillen. Aber es sollte anders kommen, denn wie schon ange­deutet, schlugen die Zeichen der Zeit gnadenlos zu.

Als Heinz nämlich an der Reihe war, zeigte er auf ein belegtes Brötchen in der Verkaufstheke und sagte zur Verkäuferin: »Dieses da, bitte.«

»Ein Ciabatta?«, fragte die Verkäuferin zurück.

»Einfach dieses da, bitte«, wieder­holte Heinz.

»Das Ciabatta?«, fragte die Verkäuferin zurück.

Inzwischen wurden die anderen Leute in der Schlange hinter Heinz neugierig. Warum wollte der Mann nur nicht ›Ciabatta‹ sagen, fragten sich die Leute, wo es sich doch eindeutig um ein Ciabatta handelt, dem neuen Trend im Belegte-Brötchen-Segment mit dem so deli­ziös nach Olivenhainen und von Zedern umsäumten toska­ni­schen Landgütern duftenden Namen, der so idyl­lisch italie­nisch nach Tschakka-Tschakka mit einem Hauch von Tschingderassabumm klingt.

»Geben Sie mir das jetzt oder nicht?«, antwor­tete Heinz mit einem leicht verär­gerten Ton.

»Was denn? Das Ciabatta?«, fragte die Verkäuferin hart­nä­ckig zurück.

Inzwischen war die Schlange der hinter Heinz Wartenden länger geworden. Es wurde getu­schelt und geraunt.

»Warum will der Mann nicht Ciabatta sagen?«, flüs­terte ein Kind zu seiner Mutter.

»Ach, mein Spatz, hör nicht hin. Der Mann ist bestimmt sehr krank.«

Jetzt meldete sich aber Heinz wieder zu Wort: »Schauen Sie, Frau Verkäuferin, können wir diese Situation hier nicht so lösen, daß Sie mir dieses belegte Brötchen verkaufen, ohne daß ich dieses lächer­liche Italo-Wort ausspre­chen muss?«

Das Raunen in der Menge wich augen­blick­lich einer Totenstille. Die Leute waren glei­cher­maßen scho­ckiert wie schau­lustig über diesen uner­hörten Vorfall. Schlagartig war es so ruhig geworden in der Bäckerei, daß man eine Bombe hätte explo­dieren hören können.

»Du perverses Schwein!«, rief einer aus der Schlange plötz­lich laut.

»Was war das?«, fragte Heinz drohend zurück. »Will hier einer aufs Maul?«

Daraufhin gerieten die Ereignisse außer Kontrolle. Die Leute in der Warteschlange formierten sich zu einem wütenden Mob um Heinz herum; offen­sicht­lich entschlossen, dessen Blasphemie gegen­über den Zeichen der Zeit mittels Selbstjustiz im Sinne von Lynchmord zu bestrafen.

Heinz dagegen über­legte, was zu tun sei. Sollte er den Mob besänf­tigen, indem er das lächer­liche Wort ausspricht und dabei jegliche Selbstachtung verliert? Oder sollte er stand­haft bleiben und Zivilcourage beweisen? Er entschied sich für letz­teres und goss sogar zusätz­lich Öl ins Feuer, indem er mehr­mals laut »belegtes Brötchen« brüllte, während hinter ihm die Verkäuferin ein langes Brotmesser gezückt hatte und Anstalten machte, Heinz von hinten damit an die Kehle zu gehen, während er die wie irre geifernden Gesichter des Lynchmobs um sich sah. Manche hatten sogar Schaum vorm Mund.

Inzwischen war auch die noto­ri­sche Oma Krause ihrem sicheren Gespür für Ärger folgend einge­troffen. »Du kranke Sau«, schimpfte sie kräch­zend mit allem, was ihre vom andau­ernden Schimpfen malträ­tierten Stimmbänder hergaben. »Ich weiß zwar nicht, worum’s hier geht, aber eines weiß ich genau: Sowas hätte es unter … na … unter … wie hieß der noch? Hier, Dings, der Typ mit dem Weltkrieg … egal, hätte es unter dem jeden­falls nicht gegeben, Du asoziales Subjekt.«

»Genau, jetzt bist Du fällig, Du Kulturbolschewist«, bestä­tigte einer aus der Reihe Oma Krause.

Jetzt stand Heinz mit dem Rücken zur Theke. Die Verkäuferin zückte ihr Messer hinter ihm und machten Anstalten, ihm damit von hinten an die Kehle zu gehen. Derweil näherte sich die Meute bedroh­lich dem wider­spens­tigen Heinz. Inzwischen hatten sich die Leute – woher auch immer!? – mit Knüppeln, Heugabeln, Handgranaten und ähnli­chem bewaffnet, mit denen sie dem Übeltäter zu Leibe rücken wollten. Wahnsinn! (…)

Soweit zu unserer Vorschau, die natür­lich ganz beab­sich­tigt viele Fragen offen lässt: Wird Heinz das Scharmützel beim Bäcker über­leben? Wird es nächtes Jahr über­haupt noch Ciabatta geben? Wird dieses Buch über­haupt einen Verlag finden oder hat der Autor schon einen und wenn ja, will man das? Nun, man wird sehen …

Michael Bukowski


Unicode-Postkartenset, Verlosung

[Update] Die Aktion ist beendet. Das Postkartenset geht an #29 Daniela in Österreich.

Anderthalb Jahre nach dem Erscheinen hat Decodeunicode, das Buch mit allen 109.242 Schriftzeichen dieser Welt, mehr Awards und Anerkennung auf sich vereint als kein anderes Designbuch. Und so stellt der Schmidt-Verlag dem erfolg­rei­chen Blätterwerk ein nettes Postkartenset zur Seite: Die 30 schönsten Schriftzeichen aus aller Welt, auf leuch­tenden, doppelt gedruckten Neonfarben und hoch­wer­tigem Karton. Auf der Rückseite findet sich eine kurze Erläuterung zum abge­bil­deten Schriftzeichen.

Ich habe ein Ansichtsexemplar des Portkartensets hier zum Verlosen … immerhin ein Wert von 15 €, doch darum geht es gar nicht. Es geht um schöne Schriftzeichen. Und deshalb wünsche ich mir jetzt Kommentare, die aus nur einer einzigen Letter bestehen, nämlich eurem Lieblingsbuchstaben, egal ob latei­nisch, grie­chisch, kyril­lisch, Satzzeichen, Ligatur, Pfeil, Hieroglyphen, Keilschrift oder Dingbats. Morgen um 12:00 ziehe ich aus allen Kommentaren einen Gewinner.


Endlich bairische Blindtexte, dank bavaria​-ipsum​.de

Heute starten das 179. Oktoberfest und das 125. Zentral-Landwirtschaftsfest. Diesen Tag haben der Münchner Designer Michael Bundscherer und seine Agentur Aurum:Media zum Anlass genommen, einen neuen Blindtext-Generator in die Welt zu setzen. Bavaria ipsum liefert die bairi­sche Variante des Lorem-ipsum-Blindtextes.

Designbüros müssen häufig Layouts gestalten, bei denen die Texte noch nicht vorliegen. Dann springt meist das pseudo-latei­ni­sche Lorem-ipsum ein. »Als wir wieder mal auf der Suche nach einer Alternative zum Standard-Blindtext waren, bauten wir ein paar bairi­sche Schimpfworte ein. Bevor wir die Gestaltung dem Kunden gezeigt haben, mussten diese zwar wieder entfernt werden, aber die Idee war geboren: Warum keinen bairi­schen Blindtext nicht verwenden?« erin­nert sich Michael Bundscherer.

Das Schöne an der inter­ak­tiven Version: Sowohl die Länge des Textes als auch seine Bairischkeit lassen sich per Schieberegler indi­vi­duell anpassen. Das macht richtig Spaß. Kostprobe: 2 Absätze, 30 % bairisch:

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»Vom Worte verweht« … 152 min Buchstabengucken

Seit 2005 bereits zeigen Johannes Bergerhausen und Siri Poarangan am Ende ihrer Unicode-Schrift-Präsentation einen 10-minü­tigen Trailer zum hier einge­bet­teten Buchstabenfilms (zum Beispiel auf der TYPO Berlin 2011). Inzwischen ist ihr bemer­kens­wertes Buch Decodeunicode (FontShop-Link) erschienen (Fontblog-Rezension: Das Buch der Zechen ist da). Und so war endlich Zeit, den Hauptfilm zu schneiden, zu vertonen und in die Kinos (= Netz) zu bringen.

Der Director’s Cut zeigt in 2,5 Stunden nun alle Unicode-6.0-Schriftzeichen, das sind genau 109.242 Glyphen, zusam­men­ge­tragen aus 66 verschie­denen Fonts, macht 12 Zeichen/s. Darunter jede Menge Highlights, zum Beispiel die Keilschrift ab Sekunde 1:17:40 oder die ägyp­ti­schen Hieroglyphen ab 1:19:00.

Decodeunicode: The Movie
D, engl, 2012, 152 min, FSK 0
Besetzung: 109.242 Unicode-Schriftzeichen (12 Zeichen/s)
Regie: Johannes Bergerhausen
Design: Daniel A. Becker, Johannes Bergerhausen, Siri Poarangan, Wenzel S. Spingler, Mathias Wollin
Softwareentwicklung: Daniel A. Becker
Ton: Andreas Leo Meyer


bukowskigutentag 23/12: Geile Schüssel

m Jahr 2007 habe ich mir eine Luxus-Limousine mit abso­luter Premium-Ausstattung wie Sitzbezüge aus Kunstleder-Imitat, bril­lant­be­setzte Affenzahnfelgen, Außenklo, Abstandshalter auf 400 Euro Basis, ausfahr­barem Stinkefinger aus Froschfotzleder und so weiter und so weiter im Gesamtwert von 187.400 Euro nicht ange­schafft.

Das rentiert sich jetzt. Denn bekannt­lich heißt es heute: Kein Statussymbol ist das neue Statussymbol. Und dank meiner Luxus-Limousinen-Abstinenz zähle ich inzwi­schen zur Avantgarde der neuen Status-Verweigerer. (Praktischerweise habe ich dabei sogar noch satte 187.400 Euro gespart.)

Allerdings wächst die Bewegung rasant. Zum Beispiel verwei­gern sich fast alle Hartz-IV-Empfänger und Mini-Neben-Jobber konse­quent dem Konsum von mate­ri­ellen Luxusgütern aller Art. Aber es gibt natür­lich noch Anhänger der alten Schule wie zum Beispiel den Halter eines Fahrzeugs, das ich vor kurzem sah – kein Witz: einen tiefer­ge­legten Range Rover.

So, jetzt muss ich aber los, zum Termin in die Tuning-Werkstatt. Lasse mir nämlich mein Bobby-Car mit Monster-Truck-Pneus aufpimpen. Wir sehen uns beim Stechen an der Ampel, tiefer­ge­legter Range Rover-Mann!

Michael Bukowski