Fontblog Spaß

Heute schon eine Font-Bombe gezündet?

Der kana­di­sche Programmierer Philippe-Antoine Lehoux hat ein Bookmarklet gebas­telt, mit dessen Hilfe sich Texte auf jeder Website sprengen lassen. Er nennt das Tool schlicht Font-Bomb. Einmal akti­viert, lässt sich per Mausklick ein Ground Zero setzen, und nach 3 Sekunden fliegen die Buchstaben über den Bildschirm.



bukowskigutentag 20/12: Let’s do the GEMA-Dance!

anchmal wird es mit der Ironie so über­trieben, dass keiner mehr hinter­her­kommt. Hier zum Beispiel: Hätten Sie als Außenstehender den kleinen Unterschied zwischen den beiden Jungen glei­chen Vornamens bemerkt? Ohne diesen aufklä­renden Tweet keine Chance, darf man annehmen:

Wirklich befremd­lich wurde es neulich eines Abends, als wir einen Film genau 138 mal so schlecht fanden, dass wir ihn schon wieder gut fanden, dass wir ihn schon wieder schlecht fanden und so weiter, bis der Abend gelaufen und wir völlig hinüber waren. Danach lagen wir alle die nächsten Tage mit multi­plen Ironismen darnieder und meinten selbst das schon wieder nicht ernst. Nicht mehr auszu­halten!

Aber jetzt naht Abhilfe, und zwar in Form einer eigens konzi­pierten Ironie-App, die gerade in Programmierung befind­lich ist. Dank dieser App wird man sich solche Exzesse künftig sparen und den Ironisierungsgrad per einfa­chem Tipp aufs Smartphone auf einen Schlag lösen können. Das geht dann so:

Man gibt den gewünschten Begriff ein (Filmtitel, Band, Promi, Künstler o.ä.) und die App berechnet auto­ma­tisch den Ironiefaktor, der in der Einheit »dsw« wieder­ge­geben wird, wobei Anzahl »dsw« für die Anzahl an »dass schon wieder«-Schleifen steht. In Härtefällen, haben erste Tests mit der App ergeben, wird sogar ein Wert in kdsw, also kilo-dsw ausge­wiesen. (Als Testbegriff hatten wir die App mit »Scooter« gefüt­tert, woraufhin uns ein beein­dru­ckender Wert von 1.236 kdsw ange­zeigt wurde.)

Trotzdem hätte ich persön­lich mal Lust auf eine Ironiepause. Umso ärger­li­cher daher, dass in Berlin gerade eine neue und leider schwer ironi­sche Musikbewegung entsteht. Ähnlich wie das höchst alberne Easy Listening der 90er Jahre, nur mit dem Unterschied einer erzwun­genen Ironie; und zwar erzwungen von der GEMA, die derzeit ihre Gebühren für Clubs und Diskotheken angeb­lich so dras­tisch anzieht, dass sich kein Betreiber den Spaß mehr leisten kann. Von Steigerungen um immerhin bis zu 1.400 Prozent ist die Rede.

Die ersten Clubs* in Berlin schalten nun auf die bizarre, gruse­lige, pornöse Mucke um, die lizenz­frei oder sogar völlig gratis zu haben ist, woraus sich unmit­telbar die besagte neue Jugendbewegung entwi­ckelt. Man hört nämlich nicht nur zwangs­i­ro­nisch gemeinte Fahrstuhlmusik und was sonst noch an kosten­loser Beschallung erhält­lich ist, sondern kreiert auch gleich einen eigenen Tanzstil. »Come on ever­y­body, let’s do the GEMA!«, heißt es überall und der neue Stil steht auf dem Sprung, die ganze Welt zu erobern.

Ich persön­lich kann und will aus Altersgründen zwar nicht Teil einer Jugendbewegung sein, aber ich habe den Tanz zuhause selbst auspro­biert (mit beson­derer Betonung auf »ausproBIERt«, hahaha!). Einen Videomitschnitt davon habe ich bereits bei den Vereinten Nationen einge­reicht, die mir inzwi­schen bestä­tigt haben, dass mein GEMA-Dance-Video umge­hend auf den Index der unzu­läs­sigen, ironi­schen Verhör- und Foltermethoden gesetzt wurde, was mich ein klein wenig stolz macht (… is natür­lich ironisch gemeint, jetze).

So weit, so schön. Trotzdem möchte ich noch einmal die Idee einer Ironie-Pause anregen. Ich habe nämlich so eine Ahnung, das selbst diese Idee mit der Ironie-Pause schon wieder ironisch gemeint ist … Jetzt reicht’s aber!

Michael Bukowski

(*mein Wohnzimmer)


bukowskigutentag 17/12 – Frau Zwinker & Herr Grins

Streitschrift zur Wiederherstellung der Ehre der Emoticons

Selbstverständlich reden wir hier nicht von der Unzahl an plas­ti­schen Emoticons (siehe Abbildung des Grauens). Diese teil­weise sogar animierten Niederquerschnittsreifen unter den Bildmissbildungen bleiben selbst­ver­ständ­lich den Vodka-Gummibärchenwasser trin­kenden Techno-Fans aus Schnuftihausen bei Pfrimelbach, also den sowieso emoti­con­tional heraus­ge­for­derten Leutchen vorbe­halten und das möchte bitte auch so bleiben. Danke. Gerne.

Stattdessen packen wir jetzt einen bekannten Kaventsmann von intel­lek­tuell dickst mögli­cher Hose aus unserer Asservatenkammer und hauen uns den und vor allem den hier Gemeinten mal zünftig um die Öhrchen. Die Rede ist von folgender, viel zitierter Statusmeldung: Leute, die Emoticons benutzen, signa­li­sieren damit, dass sie den Empfänger für geistig zu tiefer­ge­legt halten, als dass der die Ironie oder den Witz der Wortmeldung verstehen könnte.

Ui! Haben Sie’s gemerkt? Das hat gesessen!

Ach nee, doch nicht. Und zwar aus folgendem Grund: Nicht nur ich, sondern auch viele mir bekannte und meiner Meinung nach keines­wegs durch den cere­b­ralen Festplattenfehler 404 auffäl­lige Zeitgenossen setzen in ihrer tägli­chen, digi­talen Kurz-Korrespondenz auf die Dienste von Frau Smiley :-) und Herr Grins ;-) – wahl­weise auch in zeichen­spa­render ;) Kurzform :)

Haben wir es hier mit einem klas­si­schen Anfall von Schwarmdemenz zu tun? Ist der Untergang des Abendlandes mit neuer, noch mal verbes­serter Diesmal-aber-wirk­lich-Wirkformel einge­leitet, weil beim Gebrauch von Zwinker und Grins irgendwo im Moment bei der Lektüre dieses Textes hier ein Deutschlehrer an Finalverbitterung gestorben ist?

Nö.

Digitale Wortmeldungen in Emails, SMSen, Chats, Foren und sonstwo haben sich als hoch­wirk­same Quellen für Missverständnisse und unge­wollte Peinlichkeiten ergeben. Ohne Smileys, meine Damen und Herren, gingen mehr Ehen und Karrieren den Bach runter, als dies Ehen und Karrieren möglich machen könnten. Ich möchte sogar behaupten, dass Smileys mehr für den Weltfrieden getan haben als Miss Universum ’93. Denn offen­sicht­lich reichen diese meist schnell aus der Hüfte geschos­senen, kurzen Texte nicht aus, um einen bei längeren Formaten gege­benen Zweitkanal zwischen den Zeilen zu trans­por­tieren.

Meint jemand ernst­haft, Sportskamerad Goethe oder Onkel Nietzsche hätten, wenn zu ihrer Zeit zum Beispiel Twitter vorrätig gewesen wäre, vorbild­lich ohne jedes Emoticon getextet? Meinen Sie etwa, good old Karl Kraus hätte es sich nehmen lassen, seinen Ausspruch »36 Hühner treten auf, gackern und treten wieder ab« in einer WhatsApp-Message zum Beispiel in ein zünf­tiges )-:< zu fassen oder so? (Ich weiß gerade nicht, ob das das rich­tige Zeichen für diesen Satz ist. Bei allem, was über :) und ;) hinaus­geht, brauche ich noch Nachhilfe, wofür ich mich gerade bei der Volkshochschule um die Ecke im Kiez ange­meldet habe.)

Aber selbst wenn es sich hier um ein »Millionen Deppen, eine Meinung«-Phänomen handeln sollte: Da mach ich mit! Und lassen Sie sich bitte auch kein schlechtes Gewissen einreden. Emoticons – in mode­rater Dosierung versteht sich – sind völlig legitim. (Wenn ich ehrlich sein darf, habe ich sogar neulich herz­lich gelacht über so einen gelben Quietsche-Smiley, der animiert war und mir mit einem Bier zupros­tete. Grins! Zwinker! Gacker!)

Michael Bukowski

P.S.: Hier noch abschlie­ßend meine Gebrauchsanweisung für einen guten Tweet; selbst­ver­ständ­lich mit Smiley. Funzt!

Aufmacherabbildung: freei​cons​down​load​.com


bukowskigutentag 15/12: total verrückt!

ürzlich war ich einmal wieder vor Ort bei der Agentur, für die ich ab und an als Performance-Darsteller arbeite. Gerade saßen wir zur Besprechung zusammen, als plötz­lich eine Mitarbeiterin in die Runde platzte.

»Hallo Leute, ich suche meine Kollegin, die Anne-Katrine? Hat die jemand gesehen?«

»Im Kühlschrank«, antwor­tete der Agentur-Chef beiläufig.

»Ah, danke!«, sagte die Mitarbeiterin und war schon fast wieder auf dem Flur, als sie sich noch einmal zu uns in den Besprechungsraum umdrehte. »Moment mal, meine Kollegin, die Anne-Katrine … im Kühlschrank!?«

»Was?«, antwor­tete der Agentur-Chef, »Ach so, die Anne-Katrine. Da habe ich mich wohl verhört. Ich dachte, Du meinst Margarine. Was für ein lustiger Verhörer!«

»Hahaha«, meinte ich, »habt Ihr das gehört, Leute? Der Chef hat sich verhört und meinte, Anne-Katrine sei im Kühlschrank. Dabei hatte er Margarine verstanden! Was für eine verrückte Geschichte!«

»Ich lach mich sche­ckig!«, meinte ein anderer aus der Runde. »So was Ausgeflipptes aber auch!«

»Wir sind schon ein echt durch­ge­knallter Haufen, nicht wahr, Leute!«, sagte der Chef.

»Aber echt«, meinte die Mitarbeiterin, die auf der Suche nach ihrer Kollegin war. »So herr­lich ausge­flippt, spontan und verrückt wie wir muss man erst mal sein!«

»Und kreativ nicht zu vergessen,« wandte ich ein.

»Das sowieso«, bestä­tigte mich die Kollegin.

»Außerdem muss man sich auf so hohem Niveau auch erst mal verhören können«, fügte ich begeis­tert hinzu.

»Aber echt«, sagte der Chef. »Wir haben zwar wirk­lich wich­tige Sachen zu bespre­chen, aber lasst uns das jetzt erst mal genießen. Mit der Besprechung machen wir später weiter. Also, weil’s so schön war, fasse ich noch mal die Ereignisse von eben zusammen. Wisst Ihr noch, wie eben die Kollegin vorbeikam und …«. … Was hatten wir Spaß!

An diese lustige Geschichte musste ich neulich wieder denken, als ich etwas las, das mir gar nicht gefiel. Da schrieb einer, ich zitiere: »Die banalsten Leute erkennt man am einfachsten daran, dass sie sich selbst als verrückt, durch­ge­knallt und flippig bezeichnen.« Das kann ich ja gar nicht leiden, wenn sich so ein verklemmter Zyniker als Spielverderber aufführt.

Viel lieber sind mir krea­tive Menschen. Zum Beispiel die Steuerberaterin, die mir kürz­lich bei Twitter folgte und in deren Profil zu lesen war: »Kreative Steuerberaterin«. Wenn die Assoziation zu »krea­tive Buchführung« gewollt ist, super! Wenn nicht: auch super! Weil in jedem Fall sehr kreativ! So gefällt mir das.

Abschließend loben möchte ich noch all die Leute, die sich in ihren Accounts, Profilen etc. auf das wesent­liche besinnen; nämlich auf das Menschsein. Das geht ganz einfach zum Beispiel so: »IT-Professional, Familienvater, Erfolgs-Coach, Mensch«. Oder »Autor, Redakteur, Erfolgs-Coach, Mensch«. Oder »Zahnarzthelferin, Erfolgs-Coach, Mensch, Schauspielerin«. Man weiß einfach gleich bescheid, dass dieser Account nicht von einem Staubsauger oder einem Zwergkaninchen betrieben wird, sondern von einem »Mensch«. Ich begrüße das!

Michael Bukowski


bukowskigutentag 12/12: Service-Hotline

n den letzten Monaten war ich oft mit der Bahn unter­wegs. Insbesondere zu Stoßzeiten wie während der Weihnachtstage ist da bekannt­lich recht viel los. Menschenmassen überall, nicht erst in den Zügen, sondern schon am Bahnhof.

Kurz vor Weihnachten zum Beispiel fanden im Hamburger Hauptbahnhof die Deutschen Meisterschaften im Im-Weg-Rumstehen statt, in die ich leider völlig unvor­be­reitet herein­ge­platzt bin. Hätte ich davon gewusst, hätte ich natür­lich vorher noch etwas trai­niert. So aber hatte ich keine Chance auf eine nennens­werte Platzierung.

Dafür habe ich mir aber fest vorge­nommen, für das nächste Weihnachtsfest zwei studen­ti­sche Mitarbeiter zu enga­gieren und die beiden mit reich­lich Gepäck wie über­großen Rollkoffern etc. auszu­statten. Zu dritt, mit viel Gepäck und im Team könnte ich dann den anderen Leuten unter­wegs satte 200 Prozent effek­tiver im Weg rumstehen und … aber zum Thema.

Durch das regel­mä­ßige Bahnfahren sammelten sich bei mir haufen­weise »Bonus-Meilen« und »Comfort-Punkte« an. Die wollte ich kürz­lich einlösen. Leider schei­terte das daran, dass ich mich bei bahn​.de nicht einloggen konnte. Also rief ich bei der Service-Hotline an:

– Guten Tag.

– Guten Tag.

– Ich möchte gerne meine Bonusmeilen einsehen. Da steht aber auf der Website, ich bräuchte eine PIN.

– Dann brau­chen Sie die wohl. Können Sie auf der Website bean­tragen.

– Wann verfallen denn meine Bonus-Punkte?

– Das weiß ich leider nicht.

– Hm. Steht aber sicher auf Ihrer Website, oder?

– Bestimmt.

– Dann lese ich das einfach da nach.

– Gute Idee.

– Und wie kommen zusätz­lich zu den Bonus- und den Comfort- diese soge­nannten Status-Punkte zustande?

– Hmmm …

– Ach, das steht sicher auch auf Ihrer Website.

– Bestimmt.

– Dann lese ich das da mal nach.

– Bestens.

– Warum rufe ich Sie eigent­lich an, wenn Sie nichts wissen, aber dafür alles auf Ihrer Website steht?

– Ja genau! Das macht doch gar keinen Sinn!

– Darf ich Sie kündigen?

– Würden Sie das für mich tun?

– Gern! Hiermit erkläre ich Ihnen die Kündigung.

– Vielen Dank!

– Nichts zu danken. Ich freu mich doch, wenn ich helfen kann.

Und – zack! – wieder ein Arbeitsplatz weniger. Aber dafür stelle ich ja demnächst zwei Studenten ein. Unterm Strich werde ich also einen Arbeitsplatz schaffen. Eine volks­wirt­schaft­lich zufrie­den­stel­lende Bilanz, finde ich.

Michael Bukowski


bukowskigutentag 7/12: Zeichen & Dschungel

nzäh­lige unent­deckte pflanz­liche Wirkstoffe harren im Amazonas-Dschungel ihrer Entdeckung und Nutzbarmachung. Die Erwartungen an die Pflanzen-Substanzen sind zu Recht groß. Denn wie viel besser ließe es sich im Alltag leben zum Beispiel mit Pillen, die eine wohl­tu­ende opto­akus­ti­sche Farbtonverschiebung beim Anblick eines Mitte-Hipsters erzeugen. Oder Tinkturen, die eine spon­tane Resistenz gegen Polit-Deutsch auslösen. Oder Drops, die gelutscht worden sein können. Oder spezi­elle Anglizismus-Exorzismus-Sprays, die aus einem »Brain Awareness Workshop« einen »Hier, Bewussthirnungs-Gruppen-Dings« machen. Und und und … was da nicht alles möglich wäre!

Um diese Angelegenheit genauer zu unter­su­chen, gab ich Anfang dieser Woche bei mir eine Studie in Auftrag, die ich auch umge­hend in Angriff nahm. Ziel der Studie ist die kriti­sche Prüfung, ob die immense Anzahl noch unent­deckter pflanz­li­cher Wirkstoffe im Amazonas-Dschungel für die Pharma-Industrie verwertbar sein könnte. Für meine Recherche zu dieser Studie bin ich spontan nicht nach Brasilien gereist, sondern zuhause sitzen geblieben. Da war ich aber nicht untätig. Im Gegenteil: Ich freue mich, Ihnen welt­ex­klusiv das Ergebnis präsen­tieren zu können.

Lesen Sie in folgendem Satz die Einleitung, die komplette Studie und das Ergebnis: »Gäbe es im Amazonas-Dschungel für die Pharma-Industrie brauch­bare Wirkstoffe, dann gäbe es den Amazonas-Dschungel noch.«

Eine über­zeu­gende Arbeit, wie ich finde. Allerdings etwas kurz geraten. Da mich die Arbeit nur zehn Minuten anstatt der ursprüng­lich avisierten sechs Wochen in Anspruch nahm, hatte ich plötz­lich sechs Wochen minus zehn Minuten Zeit zur freien Verfügung. Also schrieb ich mir noch schnell die Rechnung für die Studie und ging erst mal gassi mit mir ins Café um die Ecke.

Tja, hm … und nun?

Bisschen kurz, nech? Ach, sagte ich schon?

Hm. Also rund fünf­hun­dert Wörter sollte so ein Kolumnen-Beitrag schon umfassen. Sonst krieg ich womög­lich noch Schimpfe von Jürgen Siebert.

Bis zum letzten Satz waren es erst 284 Wörter. Jetzt sind’s insge­samt immerhin schon 300 Wörter.

Immer noch zu wenig …

Aber wo wir gerade beim Thema sind: Ich saß also kürz­lich im Café und erblickte neben mir am Nachbartisch eine, wie mir schien, recht attrak­tive Frau. Ich machte mir so meine Notizen und meinte, bei der Dame eine dezente Aufmerksamkeit konsta­tieren zu können.

Also notierte ich fleißig weiter; und zwar solches:

14.289
12.717
———-
27.006

Je mehr Zahlen und Additionen dieser Art ich notierte, desto stärker schien mir das Interesse der Frau. Immer öfter lugte sie zu mir und meinen Notizen herüber. Mittlerweile summierten sich meine Berechnungen auf einen Betrag von 123.348. Ich fasste mir ein Herz und sprach die Frau direkt an:

»Ich rechne gerade die Zeichenmengen aller Entwürfe und Textfragmente für mein aktu­elles Buch zusammen, wissen Sie. Mit 123.348 Zeichen inklu­sive Leerzeichen habe ich schon locker ein Viertel zusammen!«

Daraufhin nuschelte Sie irgendwas wie »Termin, drin­gend« oder so und ging.

»Euro! Ich meinte Euro! War nur’n Witz mit den Zeichenmengen …«, rief ich ihr hinterher, aber da war sie schon weg.

Na ja, was soll’s! Nach dem letzten Satz zähle ich 487 Wörter und 3.235 Zeichen. Passt für heute!

Michael Bukowski


bukowskigutentag 6/12: Green Bullshit

rüher kursierte der Witz, dass man irgend­welche minder­in­tel­li­genten Wortmeldungen »akus­ti­sche Umweltverschmutzung« nannte. Wie Sie sicher bemerkt haben, hält sich die Witzigkeit dieses Witzes in Grenzen. Ich hätte das auch längst vergessen, gäbe es nicht das Internet mit Social-Media, was dem Thema über­ra­schend neues Leben einhaucht.

Bekanntlich bietet Social-Media jedem Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit, sich in Kommentaren oder Postings nach Belieben auszu­toben. Neben konstruk­tiven Beiträgen läuft auch die Produktion von Bullshit auf Hochtouren. Das war früher anschei­nend nicht anders: Jeder kann sich auf dem Markplatz sein Plätzchen suchen und dort unge­zwungen seine ohne Zweifel die Geschicke der Menschheit voran­trei­bende Meinung coram publico kund tun.

Aber es gibt einen erheb­li­chen Unterschied zu vordi­gi­talen Zeiten. Vor ein paar Jahren nämlich tauchten Studien auf, die den Energieverbrauch von Suchabfragen bei Google analy­sierten. Im Schnitt verbraucht eine Google-Suche die Menge Energie, mit der man eine Glühbirne eine Stunde lang leuchten lassen kann. Das gilt natür­lich nicht nur für Suchabfragen, sondern ebenso für online einge­stellte Kommentare und Postings. Auch für Bullshit-Beiträge lässt sich also ein durch­schnitt­li­cher Energieverbrauch berechnen. Und da die Serverfarmen dieser Welt nicht voll­um­fäng­lich aus rege­ne­ra­tiven Energiequellen betrieben werden, kann auch jedem Bullshit-Beitrag ein eigener CO2-Fußabdruck zuge­wiesen werden. Da Tag für Tag auf der ganzen Welt circa drölf Zillionen Bullshit-Beiträge publi­ziert werden, kann man sich unge­fähr vorstellen, dass allein eine komplette Serverfarm unter Volldampf steht nur für die Verarbeitung von Bullshit-Beiträgen.

Damit haben Sie inzwi­schen sicher gemerkt, wohin diese Berechnung zielt: Der alte Witz mit »Blödsinn = Umweltverschmutzung« ist wahr geworden! Denn kaum ein Blogpost oder Facebook-Posting wird publi­ziert, ohne dass mindes­tens eine Leuchte mit einem Kommentar um die Ecke kommt, der so viel Energie verbraucht, dass man damit eine echte Leuchte, nämlich eine Glühbirne, eine Stunde lang hätte brennen lassen können.

Sicher denken Sie jetzt wie ich, dass man unter diesen Umständen das Internet besser wieder abschaltet. Aber warten Sie, es gibt noch eine andere Option!

Man entwickle einen Alogrithmus, der jeden Online-Kommentar unmit­telbar auf seinen Bullshit-Gehalt hin analy­siert. Jede Meldung wird dann auf einer Skala von 1 = »gar nicht blöd« über 5 = »Facepalm!« bis 10 = »final in die Petersilie geha­gelt« bewertet und kenn­zeichnet. (Stellt sich die Frage, wer die objek­tiven Kriterien für diese Bewertung fest­legt … joa, könnte ich machen …)

Der einer Meldung zuge­wie­sene Bullshit-Faktor fungiert dann ähnlich wie Punkte in Flensburg für Autofahrer. Er ist die Grundlage für eine sofor­tige Sanktionierung des Bullshittenden, der als Ausgleich für seine Bullshittung die Auflage zu erfüllen hat, seine nächsten Google-Suchen nicht mit Google, sondern mit Blackle durch­zu­führen; und zwar genau so oft, wie es sein Bullshit-Konto mit seinen gesam­melten Punkten ausweist.

Falls jemand Blackle nicht kennen sollte: Es handelt sich um eine Energiesparversion von Google mit inverser Farbgebung; also schwarzer Hintergrund mit weißer Schrift. Das spart Strom. Laut Blackle-Website mit Stand vom 20. Februar 2012 wurden bereits »2,959,893.374 Watt hours saved«. Mehr über grüne Suchmaschinen finden Sie hier in einem Bericht bei utopia​.de.

Der Bullshit-Algorithmus ist zwar noch nicht imple­men­tiert, aber Sie können diesen Beitrag gemäß der oben genannten Bullshit-Skala händisch bewerten. Verfassen Sie dazu einen Kommentar mit Ihrer Bewertung von 1 bis 10. Wir sammeln und addieren alle abge­ge­benen Bewertungen und der Autor wird dazu verdon­nert, genau diese Anzahl seiner nächsten Internet-Suchen mit einer grünen Suchmaschine zu tätigen.

Michael Bukowski


Comic des Tages

 
 
 
 
Für Leute, die du nicht ausstehen kannst: Lehre sie, wie man schlechtes Kerning erkennt.

 

(© http://​xkcd​.com/​1​0​15/; danke an Jörg für den Tipp)


bukowskigutentag 1/12: Kabel & Liebe

ensch, so eine span­nende Geschichte und ich finde den Link nicht mehr zu der Webseite, auf der ich das gelesen habe. Egal. Ich erzähle es Ihnen einfach:

Kürzlich haben ameri­ka­ni­sche Wissenschaftler ein Experiment mit denkbar simplen Mitteln, aber epochalem Ergebnis durch­ge­führt. Der Versuchsaufbau bestand aus nicht mehr als zwei handels­üb­li­chen Kabeln, wie man sie zum Beispiel für den Anschluss von Elektrogeräten aller Art nutzt. Diese beiden Kabel wurden nun in einem Laborraum parallel neben­ein­ander, also ohne Berührung mitein­ander auf einen Tisch gelegt und der Raum wurde danach verrie­gelt. Kein Mitarbeiter und schon gar kein Außenstehender hatte Zugang zum Versuchsraum. Einzig eine Kamera hielt fest, was im Inneren des Raums geschah.

Nach einer Woche, während der die Kamera unun­ter­bro­chen lief, wertete man die Aufnahmen aus. Dazu ließ man die Filme im Zeitraffer ablaufen. Das Ergebnis: Nach wenigen Tagen und ohne jegli­chen äußeren Einfluss begannen die beiden Kabel sich zunächst langsam aufein­ander zuzu­be­wegen und sich später dann heillos inein­ander zu verknoten, verstri­cken und verwirren. Sprich: ein klas­si­scher Kabelsalat war entstanden – ganz ohne mensch­li­ches Zutun. Was alle ahnten, wäre damit empi­risch bewiesen. Kabel neigen von Natur aus dazu, sich inein­ander zu verknäueln. Ist so.

An diese Geschichte musste ich denken, als ich neulich mal wieder in der Agentur war, für die ich ab und an als Senior-Trainee arbeite. Es stand gerade der Besuch eines wich­tigen Kunden an, als ich plötz­lich unter einem Schreibtisch den Texter und die Art Directorin entdeckte, die beide offen­sicht­lich schwer inein­ander verschlungen waren. »Kinder, der Kunde kommt gleich«, sagte ich, »wich­tiger Termin jetzt. Ihr könnte doch hier nicht unter dem Tisch rumliegen und Euch inein­ander verwurs­teln. Losloslos!« – »Ey, was’n?«, antwor­teten die Beiden, »Wir sind Kabel!« – »Ach so, verstehe«, sagte ich.

Da wir die Art Directorin und den Texter nicht mehr recht­zeitig entknäulen konnten, ließen wir die Beiden einfach unterm Tisch liegen und erklärten dem Kunden, dass die Mitarbeiter gerade ein Experiment durch­führen würden, von dem wir uns neue Kampagnen-Impulse für die kabel­her­stel­lende Industrie verspre­chen. Das kam gut an und der Termin verlief auch sonst erfolg­ver­spre­chend.

In meinem spezi­ellen Tagebuch, in dem ich Vorfälle notiere, die mit Kabeln und/oder Liebe zu tun haben, machte ich an diesem Tag noch folgenden Eintrag: »Wo die Liebe hinfällt, da stehen viele ja so schnell erst mal nicht wieder auf.«

 

Michael Bukowski