Fontblog Spaß

Kostenloser Color-Font: Brand New Roman

Das expe­ri­men­telle Designbüro Hello Velocity bietet seit einer Woche den Color-Font Brand New Roman zum »kosten­losen« Download an (Bezahlung mit Name und Mail-Adresse). Sein Zeichensatz setzt sich aus den Buchstaben-Logos welt­be­kannter Marken zusammen, von Amazon bis Zenith. Die Schöpfer schreiben dazu: »Wir haben sowohl eine farbige als auch eine Standard-Monochrom Version gebaut. Farbfonts sind noch relativ neu und nicht mit allen Browsern oder Programmen kompa­tibel. Colorfonts​.wtf hat einen voll­stän­digen Leitfaden zur Kompatibilität.« Wer die Download-Seite für den Font in Firefox aufruft, das Color-Fonts unter­stützt, kann dort umge­hend farbige Schriftmuster erstellen.

Mein abschlie­ßender Tipp: Ihr benutzt diesen Font nur für private Experimente, denn selbst­ver­ständ­lich genießt jeder »Buchstaben« welt­weiten Markenschutz. #brand­ne­w­roman


Start-up-Dokusoap »Unlimited Ltd.«, der Pilot

Alles redet von der Berliner Startup-Szene. Doch wie sieht es tatsäch­lich hinter den Kulissen aus? Der Fontblog-Humor-Agent Michael Bukowski hat sich unter die Nerds und IT-Strippenzieher in der Hauptstadt gemischt, um die unter­ka­pi­ta­li­sierte, über­per­for­mante Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Die Pilotfolge seiner gerade gestar­teten Dokutainment-Mockumentary-Reality-Fiction-Cameo-Venture-Capital-Serie »Unlimited Ltd.«, ausge­strahlt auf YouTube, liefert einen erster Eindruck.

Die Redaktion von Unlimited Ltd. lädt euch zum Feedback ein, auch Whistleblower und Product-Placement-Verkäufer sind herz­lich einge­laden mitzu­ma­chen … die im Film genannte e-Mail-Adresse funk­tio­niert wirk­lich und führt direkt in den Newsroom der Redaktion getunlimitedlimitedapphq23@gmail.com.


Haselnussbrotaufstrich mit eigenem Namen

Mir gefallen ja solche Aktionen, wie sie gerade von Nutella veran­staltet werden. Unter dem Motto »dein nutella« können Fans des süßen Brotaufstrichs auf nutella​.de ihr eigenes Etikett beschriften und sich zusenden lassen. Die Texteingabe wird von einer Vornamen-Datenbank über­wacht, so dass Firmennamen und Konkurrenzmarken nicht ange­nommen werden. Schade … nichts wäre skur­riler auf dem Frühstückstisch als ein Nutella-Glas, das sich Nudossi nennt.

nutella


Schlimmer geht’s immer: Fahrschule Edelweiss

edelweiss2014

Vor gut drei Jahren habe ich mir erlaubt, die Leuchtreklame der Fahrschule Edelweiss in Berlin Wilmersdorf ausein­ander zu nehmen: Schriftverbrecher. Einige Monate später hab’ ich noch mal »nach­ge­treten«: Ronald W. ist sauer auf uns Typografen. Fontblog-Leser reagierten vergrätzt darüber, dass ich mich verbal an kleinen Dienstleistern vergreife. Dabei wollte ich doch nur das Bewusstsein aller Beteiligten dafür schärfen, dass da noch was geht … quali­täts­mäßig.

Die Botschaft scheint ange­kommen. Seit einigen Wochen ist die Fahrschule Edelweiss eine neue Filiale der mega Qualitäts-Fahrschulen (»4 x in Berlin«). Die Beschilderung wurde komplett ausge­tauscht: Endlich keine gequetschte Bell-Centennial-Schrift mehr … dafür ganz toll viele Informationen in unser aller Lieblingsschrift Bauhaus. Besonders beein­dru­ckend sind die versteckten Botschaften in der Beschilderungsarchitektur, zum Beispiel das Argument preis­be­wusst. Während der Schildermacher damals zwei unter­schied­liche lange Transparente produ­zierte (auf Kosten der Schrift, die er einfach stauchte), ließ die mega Qualitäts-Fahrschule einen einzigen Entwurf anfer­tigen, der in zwei­fa­cher Ausführung gedruckt wurde. Das Duplikat sparte nicht nur Entwurfskosten, sondern verrin­gerte auch die Herstellungskosten dank Serienproduktion. Ganz zu schweigen vom zusätz­li­chen Lichtgewinn und dem gestei­gerten Werbeeffekt in den Abendstunden. Geht doch!

edelweiss3

Meine Lieblingsfahrschule in Berlin-Wilmersdorf


Versal-Eszett-Schnee von gestern [Update]

vorher_nachher_doof

Liebe Leute,

wir haben noch eine wich­tige Nachricht aus dem letzten Jahr nach­zu­tragen. Informierte Kreise sind viel­leicht über diesen Eintrag auf typo​grafie​.info gestol­pert: Font-Wiki – FF Quixo von Frank Grießhammer. In einem Community-Kommentar vom 9. Dezember 2013 hieß es dort: »Das große Eszett ist enthalten, wurde aber absicht­lich sabo­tiert. Das zeugt von wenig Respekt des Typedesigners gegen­über den Nutzern der Schrift.«*

Was war passiert? Oppositionelle hatten das Versal-Eszett in der Schrift Quixo geschändet. Auf den Sockel des Buchstabens waren die Lettern D O O F gesprüht, was angeb­lich »Deutsche Oben-Ohne-Front« heißen soll.

Der Herausgeber von FF Quixo hat sofort reagiert und das Graffiti entfernt. Bereits seit dem 23. Dezember 2013 liegen die berei­nigten Fontdateien auf dem Server von font​shop​.com. Die bishe­rigen 283 Käufer der Schrift FF Quixo wurden über die neuen Daten infor­miert und auto­ma­tisch mit Austauschdateien belie­fert. Ende des Schnees von gestern … wo bleibt der von morgen?

*[Update: Der zitierte Kommentar wurde nach Erscheinen dieses Beitrags entfernt]


Agentur Amateur baut sich eine Homepage

In der von arte Creativ TV portrai­tierten Agentur Amateur werden die krea­tiven Aufgaben von Amateuren über­nommen. Das von Maximilian Williams gegrün­dete Werbebüro will für »frischen Wind in der Branche« sorgen. In der aktu­ellen Folge steigt das Quintett ins Internet ein … und wäre fast geschei­tert, beim Versuch den ersten Tweet zu senden und ein Facebook-Profil zu erstellen. Ganz zu schweigen vom Bauen einer Homepage:


Arte-Creative-Serie: Amateure machen Werbung

AgenturAmateurDaumen

»Die Kreativebranche ist wie der Wilde Westen, da wird mit Ideen um sich geschossen …« verkündet Agenturchef Maximilian Williams zu Beginn der zweiten Folge von »Agentur Amateur«, eine Doku von Arte Creativ. Es soll ein Corporate Design entwi­ckelt werden. In der Agentur Amateur werden alle krea­tiven Aufgaben von Amateuren über­nommen, die für frischen Wind in der Werbebranche sorgen möchten. Die vier Neulinge jonglieren dabei mit Video, Foto, Logo, Web, Musik und Auftraggebern. Arte Creative doku­men­tierte die Anfangszeit der Agentur.

In der ersten Folge stellen sich die Amateure kurz vor. Der Geschäftsführer erklärt das Konzept der Agentur. Gemeinsam entwi­ckeln sie die Firmenphilosophie «Team, Kreativ, Freiheit, Erfolg«.

In Folge 2 (»Corporate Design«) brain­stormen die Amateure nach einem Slogan. Danach entwerfen sie ein Logo, zuerst auf Papier dann am Mac. Abschließend präsen­tieren die Amateure ihre Designs.

In der heute erschie­nenen Folge 3 geht es um die ENtwicklung eines Imagefilms. Dabei benutzen die Amateure zum ersten Mal eine Videokamera.

LogoPrototyp01-1a


bukowskigutentag 12/13: Prognose-Vorhersage

Heute möchte ich mich für den Wirtschaftsnobelpreis nomi­nieren. Oder mich zumin­dest ins Spiel bringen, falls man sich nicht selbst nomi­nieren darf. (Bestimmt ließe sich das in wenigen Minuten im Internet recher­chieren. Da bin ich absolut zuver­sicht­lich.) Aber zum Grund für mein Vorhaben: Es handelt sich um eine Forschungsarbeit im Bereich Prognose-Wissenschaft.

Ausgangspunkt meiner Forschung ist folgender Sachverhalt: Mit jeder Wirtschaftskrise findet sich ein Wirtschaftswissenschafter, der die Krise prognos­ti­ziert hatte. Dieser Wirtschaftswissenschaftler erhält dann vorher­sagbar den Wirtschaftsnobelpreis für seine Vorhersage. So weit, so bekannt. Aber jetzt komme ich mit einer, wie Sie gleich merken werden, bahn­bre­chenden Arbeit ins Spiel.

Tatsächlich prognos­ti­zieren täglich tausende Wirtschaftswissenschafter auf der ganzen Welt wirt­schaft­liche Entwicklungen. Es werden dadurch alle über­haupt mögli­chen Entwicklungen in Verknüpfung mit allen mögli­chen Zeitpunkten vorher­ge­sagt.

Aufgrund dieser statis­ti­schen Sachlage ist es ausge­schlossen, dass ein Ereignis eintreten kann, das niemand prognos­ti­ziert hat. Daher kann ich persön­lich prognos­ti­zieren, dass auch bei der nächsten Krise jemand mit dazu passender Prognose gefunden werden wird und man sich die Aufregung über den nur auf den ersten Blick erstaun­li­chen Treffer schlicht sparen kann.

So, ich wäre dann so weit. Wir können zur Preisverleihung schreiten.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.


Die Ente vom Bindestrich

Als hätten die deut­schen Autofahrer nicht schon genug zu leiden, unter Staus, über­höhten Benzinpreisen und euro­päi­schen Autobahngebühren … Pünktlich zur Urlaubszeit werden sie auch noch mit Lügengeschichten verängs­tigt. Bereits im letzten Sommer setzte die Handwerkskammer Reutlingen ein solches Gerücht in die Welt, indem sie berich­tete, dass deut­sche Kraftfahrer mit Euro-Kennzeichen in Italien mit Bußgeldern belegt würden, wenn in der Zulassungsbescheinigung der auto­ma­ti­siert einge­druckte Bindestrich noch vorhanden sei, obwohl er auf den neuen Kennzeichen fehlt. Man empfahl die kosten­pflich­tige Änderung der Zulassungspapiere. BILD griff diese Empfehlung auf, uns schon wurde aus der Ente ein Sommerloch-Aufreger.

In der Saison 2013 nun werden die Abzocker in Luxemburg vermutet, so zitiert jeden­falls SPIEGEL Online den Leiter der Zulassungsstelle des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Erhard Hirschberg. Um die Autofahrer zu beru­higen, habe er bereits Infoblätter in seiner Behörde aushängen lassen. Geholfen habe es nicht. »Pro Tag kommen immer noch bis zu 30 Leute in die Zulassungsstelle. Sie ziehen eine Nummer und warten, bis sie an der Reihe sind und kostenlos neue Fahrzeugpapiere bekommen – ohne den Bindestrich.«

Prima, wäre für diesen Tag das Sommerloch wieder mal gefüllt (auch im Fontblog). Natürlich entbehren alle diese jeder Grundlage. Bereits im letzten Jahr stellte das Bundesverkehrsministerium in einer offi­zi­ellen Note klar, dass auch solche Fahrzeugscheine gültig sind, in denen der Bindestrich noch drin steht.


bukowskigutentag 9/13: Das IARN-Syndrom

Am 16. Juni 2013 platzte die Bombe. Eine über­re­gio­nale Zeitung brachte einen Beitrag mit diesem Aufmacher: »Im Juli soll in London das Kind von Prinz William und Herzogin Kate zur Welt kommen. Das öffent­liche Interesse am royalen Nachwuchs ist groß, …«

Zwar beherrschten zu dieser Zeit die Proteste in der Türkei und Brasilien oder auch die Prism-Enthüllungen die Schlagzeilen, aber das Publikum ließ sich davon zum Glück kaum in seiner Aufmerksamkeit für dieses hoch­bri­sante Thema ablenken. Weitere eigene Recherchen brachten das ganze Ausmaß einer bisher kaum diagnos­ti­zierten Pandemie zum Vorschein. Hier eine erschüt­ternde Fallbeschreibung und leider kein Einzelschicksal: Norbert H., 52, selbst­stän­diger Tischlermeister berichtet:

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