Sprachverwirrung aufgelöst: Das Schriftsystem-Poster

Die vom Turmbau zu Babel herge­lei­tete Redewendung einer baby­lo­ni­schen Sprachverwirrung (latei­nisch: »confusio linguarum«) steht für maxi­male Konfusion. Theologen inter­pre­tieren das Bauvorhaben als den Versuch der Menschheit, Gott gleich­zu­kommen. Als Antwort auf diese Anmaßung brachte Gott den Turmbau unblutig zum Stillstand, indem er eine Sprachverwirrung entfachte, die alle Beteiligten wegen Verständnislosigkeit zur Aufgabe des Projektes zwang und – aus dem glei­chen Grunde – über die ganze Erde zerstreute.

Tatsächlich ist die Sprachvielfalt auf der Erde endlich, vor allem aber die Techniken, sie nieder­zu­schreiben. Experten gehen aktuell von 292 Schreibsystemen aus, wobei das latei­ni­sche eines davon ist, von denen genau die Hälfte erschlossen und doku­men­tiert ist. Dieser Prozess ist im Digitalzeitalter abge­schlossen, wenn das Unicode-Konsortium ein Zeichensystem in seinen ISO 10646 Standard aufge­nommen hat. Im Moment sind das 146, also genau die Hälfte der bekannten Schriftsysteme, was aktuell 137.374 Zeichen ergibt.

Bei den noch unko­dierten Schreibsystemen handelt es sich sowohl um die Zeichensätze ausge­stor­bener Sprachen, aber auch um Minderheitenschriften. Letztere werden immer noch in Teilen Süd- und Südostasiens, Afrikas und des Nahen Ostens verwendet. Unkodierte Skripte beinhalten Kpelle und Loma. Zu den Schriften von histo­ri­scher Bedeutung gehören Book Pahlavi, Large Khitan und Jurchen.

Das Projekt Missing Scripts (Vermisste Schriften) hat sich über einen Zeitraum von 18 Monate am Atelier National de Recherche Typographique (ANRT, Nancy) mit den »verges­senen« Schreibsystemen beschäf­tigt; Partner waren die Hochschule Mainz und das Department of Linguistics, in Berkeley, USA. Bereits 2002 wurde dort die Script Encoding Initiative (SEI) ins Leben gerufen, die sich intensiv um die Vorbereitung formaler Vorschläge für das Unicode-Konsortium kümmert.

Am Rande der umfang­rei­chen wissen­schaft­li­chen Recherchen nahm sich das Missing Scripts Projekt Zeit für eine visu­elle Spielerei, ein vier­far­biges Poster. Es stellt alle 292 lebenden und histo­ri­schen Schreibsysteme sowie codierte und noch nicht in Unicode codierte Schriftsysteme dar, jeweils reprä­sen­tiert durch ein Schriftzeichen: dunkel­blau, violett, rot, orange.

Seit Montag kann das Plakat nun – im 4-Farben-Siebdruck – auf desi­gnin­mainz zum attrak­tiven Preis von 24 € erworben werden: Format 80 × 120 cm, 1. Auflage 600 Exemplare.


Gerard Unger, 1942–2018

Foto: Marc Eckardt
Wenn man Gerard Unger häufiger begegnet ist und sich heute dieser Momente besinnt, dann blitzt, trotz des trau­rigen Anlasses, die Erinnerung an seinen anre­genden Humor durch. Man konnte und kann sich dessen nicht erwehren. Und ich will das auch jetzt nicht. Gerard war die perso­ni­fi­zierte gute Laune, stets herz­lich, gutmütig, zuvor­kom­mend, er konzen­trierte sich immer auf die Person(en) gegen­über. Und dann kam irgend­wann eine schräge Bemerkung über seine Lippen, ein Aperçu oder eine verrückte Geschichte, die er nüch­tern vortrug … bis sich, nach einem Schmunzeln in seinen Augen, die Gesprächspartner trauten, in Gelächter auszu­bre­chen. Gerard Unger ist heute im Alter von 76 Jahren in Bussum gestorben, 4 Monate nach seiner Frau Marjan Unger-De Boer (11. Feb 1946 – 27. Jun 2018) und 6 Jahre nach dem Tod seiner Tochter Flora Unger-Weisfelt (1983–2012).

Es war vor 28 Jahren, im Oktober 1990, als ich einge­hender mit Gerard Ungers Humors in Berührung kam. Als Chefredakteur von PAGE hatte ich ihn dazu über­redet, eine Weihnachtsgeschichte für das Dezember-Heft zu verfassen. Ihr Thema war die hollän­di­sche Tradition der Schokoladenbuchstaben (nieder­län­disch: choco­la­de­letter), die von Oktober bis Sinterklaas (5. Dezember) in den Geschäften seines Heimatlandes ange­boten werden. Unger hatte mir Wochen zuvor jede Menge Informationen und Abbildungen zu diesen Lettern ange­kün­digt, einige direkt aus den Werkstätten der Hersteller Droste, Baronie-De Heer, Verkade und Albert Heijn. Sein Vortrag auf der Fachkonferenz Type 90 über dieses Thema hatte mehr Popularität verdient.

In seiner PAGE-Geschichte verglich er die verschie­den­ar­tigen Gussformen der Süßigkeit mit den fundierten Kriterien der Schriftklassifikation (Egyptienne, Sans, Antiqua …), berech­nete das verzwickte Verhältnis von Schokoladen-Buchstaben-Breite mal -Höhe mal -Tiefe, die bei allen Lettern stets die konstante Masse an Schokolade von rund 80 g ergeben muss. Um das zu errei­chen, sind die schmalen Buchstaben flacher als die breiten, beson­ders volu­mi­nöse Glyphen sind tiefer gerif­felt oder aus leich­terer Schokolade gegossen. Er philo­so­phierte über die Geschmacksrichtungen Weiß, Milch und Bitter und betonte, dass es bei diesen Schriftzeichen weniger um Lesbarkeit als um Genießbarkeit ginge. Unger wusste auch Bescheid über die meist­ver­kauften Lettern: M für Mama/Moeder, P für Papa aber den »Zwarte Piet« (= Schwarzer Peter, vergleichbar mit unserem Knecht Ruprecht); am seltensten würden O und V verkauft. Zur Bebilderung lieferte er seltene Fotos aus seinem Archiv, zum Beispiel eine Digitalschrift aus Schokolade, Typ LCD aus den 1970er Jahren (»Die konnte man wunderbar brechen.«) und Experimente mit Kleinbuchstaben (»Das kleine i war ein Problem.«). Ich hatte noch nie so viel Spaß, ein Manuskript ins Deutsche zu über­tragen und freute mich riesig auf die mehr­sei­tige gedruckte Geschichte im Heft.

Gerard Unger wurde am 22. Januar 1942 in Arnheim geboren. Er studierte von 1963–67 an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam und star­tete sein Berufsleben bei Total Design, Prad und Joh. Enschedé. Im Jahr 1975 etablierte er sich als unab­hän­giger Schriftentwerfer, was damals ein ziem­lich seltener Berufsweg war.

In der Welt des Schriftdesign gilt Gerard Unger als der große Pragmatiker. Neue Technologien griff er mit Freude und Neugier auf, seien es die ersten Pixelschriften für den digi­talen Fotosatz, Anfang der 1970er Jahre bei der Dr. Ing Rudolf Hell GmbH in Kiel, danach die Ikarus-Vektorkurven-Technik von URW und Ende der 1980er Jahre schließ­lich die von Adobe entwi­ckelte PostScript-Technik. Sein Interesse für die Font-Technologie machte ihn nicht nur zu einem Langzeit-Star der inter­na­tio­nalen Schriftszene, sondern zum Vorbild und Lehrer für die Digital-natives der Type-Design-Szene: Man verstand sich über fast 3 Jahrzehnte auf allen Ebenen der Schrift-Design- und -Wertschöpfungskette.

Unger entwi­ckelte im Laufe der Jahre viele erfolg­reiche Schriften, zunächst exklu­sive Entwürfe wie Markeur (für Pantotype) und M.O.L. (U-Bahn Amsterdam), für ANWB (Niederländische Straßenschilder) und für Siemens. Die frei lizen­zier­baren Schriften entstanden in Kooperation mit den Herstellern von Setzmaschinen (Hell, Linotype), sowie unab­hän­gigen Foundries wie Bitstream. Wegen ihrer vorzüg­li­chen Lesbarkeit in klein gesetzten Texten wurden viele seiner Schriften von Zeitungen geschätzt, zum Beispiel Gulliver (1993), die sowohl bei USA Today als auch bei mehreren euro­päi­schen Zeitungen im Einsatz ist; Coranto ist die Hausschrift von The Scotsman und der brasi­lia­ni­sche Zeitung Valor. Ungers bekann­teste Schrift ist wahr­schein­lich Swift aus dem Jahr 1985, die er später noch mal als Swift 2.0 und Neue Swift in einer erwei­terten Form heraus­brachte. Ihr Name (Mauersegler) beschrieb auf poeti­sche Art das Typische an Ungers beschwingter Kurvenführung, sowie der koni­schen Horizontalen, groß­zü­gige Innenräume und die lese­freund­liche hori­zon­tale Betonung des Schriftbildes.

Original-FUSE-Plaket zur Schrift Decoder (links), beides entworfen von Gerard Unger im Herbst 1991: rechts: die popu­läre Schriftfamilie Swift (Abbildungen ©FSI FontShop International, Myfonts)

Wenn ich Gerard Unger auch nie für die Veröffentlichung einer Schrift in der FontFont-Bibliothek gewinnen konnte, trotz mehrere Versuche in den 1990er Jahren, so hatte ich 1991 wenigs­tens die Ehre, seine expe­ri­men­telle Decoder mit der FUSE-Ausgabe 2 zu publi­zieren. FUSE war eine Poster-Disketten-Publikation mit expe­ri­men­tellen Schriften, heraus­ge­geben von Neville Brody und FontShop International. Ungers Decoder bestand aus nur einem Dutzend abstrakter Zeichen, die das essen­zi­elle Baumaterial aller seiner Schriften in sich trugen. Jedes Zeichen für sich roch nach Unger, und wenn man mit diesen eigene Buchstaben zusam­men­baute, sahen sie erst recht nach Unger aus.

Der Großteil von Gerard Ungers klas­si­schen Schriften ist heute über die Linotype-Bibliothek und die Dutch Type Library erhält­lich; seine jüngsten Schöpfungen betreute Type Together. Ein PDF seines Gesamtwerkes findet sich hier bei Klingspor …

Neben der Arbeit als Schriftentwerfer war Gerard Unger jahr­zehn­te­lang im Bildungsbereich aktiv. Er lehrt rund 30 Jahre an der Gerrit Rietveld Academie, ab 1993 war er Gastprofessor in Reading (Department of Typography and Graphic Communication); von 2006 bis 2012 war er Dozent für Typografie am Department of Fine Arts der Universität Leiden. Auch bei seiner Lehrtätigkeit verpackte er gute Ratschläge gerne in Humor. Sein Schüler Dave Foster erin­nert sich an folgenden Ratschlag: »Dein kleines g ist ein Party-g, doch keiner der anderen Buchstaben weiß von der Party. Lade sie ein!«

Und Unger schrieb wegwei­sende Bücher. Sein bekann­testes ist »Terwijl je leest« (deutsch: »Wie man’s liest«; 1997), das in verschie­denen Sprachen und 2006 noch mal in einer über­ar­bei­teten Auflage erschien. Vor wenigen Wochen kam sein letztes Buch »Theory of Type Design« heraus, in dem er sich dem gesamten Feld der Schriftgestaltung widmet, von der Historie über Normen und Strukturen bis hin zu Lesbarkeit und Ausdruck.

Im Laufe seines Lebens wurde Unger mit vielen Preisen geehrt. 1984 erhielt er den H.-N.-Werkman-Preis, 1991 den Maurits-Enschedé-Preis für sein Gesamtwerk, 2009 den SOTA Typography Award und 2012 den Piet Zwart Lifetime Achievement Award.

Gerard: Vielen Dank für die tollen Schriften, die uns und Generationen nach uns lange an dich erin­nern werden. Vielen Dank auch, dass du dein Wissen an Hunderte junge Type-Designerinnen und -Designer weiter­ge­geben hast.

(Aufmacherfoto: ©2004 Marc Eckardt)


Ausstellung: 10 × 100 = 1000 Numbers

Martin Gnadt schreibt mir: »Am Samstag, den 1. 12. 2018 um 19 Uhr findet die Eröffnung meiner Ausstellung 10 × 100 = 1000 Numbers im CLB Berlin (Oranienstraße 142, Aufbau-Haus) statt. Dabei werde ich 1000 von mir gestal­tete verschie­dene Ziffern in gedruckter Form präsen­tieren.« Cool! Mehr dazu:

10 × 100 = 1000 Numbers — Martin Gnadt

Eröffnung: Samstag, 01. 12. 18, 19.00 Uhr.
Öffnungszeiten: Sonntag, 02. 12. 18, 11.00-18.00 Uhr.

Im Rahmen der Lehrtätigkeit von Martin Gnadt kommt es immer wieder zu visu­ellen Expeditionen, woraus auch das Projekt 10 × 100 = 1000 Numbers entstanden ist, die erste öffent­lich gezeigte Arbeit aus einer entste­henden Reihe. Auf der Suche nach neuen Formen für Buchstaben, setzte sich Gnadt mit einer Gruppe von Zeichen mit gemein­samem Gestaltsystem ausein­ander, und so entstanden 10 mal 100 Varianten für arabi­sche Ziffern. Diese dehnen Themen wie Lesbarkeit, Klarheit, Wiedererkennung und Wiederholung in verschie­denster Intensität. Die spie­le­risch entstan­dene Form-Matrix soll zu neuen Formideen anregen. Neben 1000 verschie­denen Zahlen, wird es auch zwei kleine limi­tierte Publikationen zu dem Projekt geben.

Martin Gnadt ist studierter Grafikdesigner. Nach kurzem Aufenthalt in New York bei Sagmeister Inc. widmete er sich Projekten in jegli­chem Kontext von Schrift. Seit 2013 unter­richtet er Typografie und animiertes Plakatdesign an der Design Akademie Berlin.


Digitally remastered: The BEATLES “White Album” Cover

Digitally remas­tered: JPG-Abbildung des »The BEATLES« Cover (White Album, 1968) mit Simulation der Prägung

Es ist mein abso­lutes Lieblingsalbum und ich habe es mir jetzt zum vierten Mal gekauft: Vinyl 1969, Musik-CD 1987, Remastered-CD 2009 … und nun der Remix-2018-Download, am vergan­genen Freitag zum 50. Jahrestag des Doppelalbums »The BEATLES« erschienen. Wie schon beim Remix von »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« hat Giles Martin, der Sohn des legen­dären Beatles-Produzenten George Martin, alle Titel im Abbey-Road-Studio von den Original-4- und 8-Spurtonbändern neu abge­mischt.

Die 30 Songs des weißen Albums klingen jetzt auf unseren digi­talen Abspielgeräten so, als wären sie gestern aufge­nommen worden. Peter Kemper von der FAZ beschreibt das in seinem Beitrag »Darf man an den Kronjuwelen der Popmusik feilen?« so: »Die Stimmen rücken jetzt näher an den Hörer heran, die Trennschärfe zwischen den Instrumenten ist größer, als hätte man eine Art akus­ti­sche Schutzhülle von den Aufnahmen gezogen. Neben der Dynamik hat sich auch die Räumlichkeit jedes einzelnen Songs vergrö­ßert.«

Was mir weniger an der »50th Anniversary Editions« gefällt – die ich mir weder als Triple-CD, noch als 6er-CD-Box-Set und erst recht nicht als Quadruple-Vinyl-LP zuge­legt habe, sondern einfach nur als digi­talen Download –, ist die Album-Cover-Art der Geburtstagsedition-Dateien. Dazu muss man wissen, dass die Gestaltung des weißen Albums an Minimalismus kaum zu über­bieten ist. Der briti­sche Künstler Richard Hamilton war für das Original-Design verant­wort­lich; im nach­fol­gend einge­bet­teten Video erzählt er ein paar Anekdoten dazu.

Es ist das einzige Cover der Beatles-Studio-Alben, das die vier Band-Mitglieder nicht auf der Vorderseite zeigt. Das Design stand in starkem Kontrast zu Peter Blakes aufwen­diger Arbeit für »Sergeant Pepper’s«, das ein Jahr zuvor erschienen war. Hamilton lieferte eine schlichte weiße Hülle, deren Vorderseite gar nicht bedruckt war. Stattdessen war der Titel »The BEATLES« erhaben geprägt; rechts unten war bei der Erstauflage eine Seriennummer einge­druckt, um »den ironi­schen Moment einer Limited-edition zu schaffen … bei einer tatsäch­li­chen Auflage von geschätzt 8 Millionen Exemplaren« (Hamilton); in manchen Ländern war die Seriennummer grau gedruckt, in Deutschland war sie blind­ge­prägt. Weitere Details zum Design des weißen Albums hier: thewhite​al​bum​pro​ject​.com

Die nun veröf­fent­lichte digi­tale Cover-Art steht im krassen Gegensatz zum Anspruch der Abbey-Road-Tontechniker: sie ist alles andere als trans­pa­rent, klar und räum­lich, sondern einfach nur flach. Derartige Lieblosigkeiten im Visuellen können mir so richtig die Vorfreude auf die Musik verderben. Also habe ich ruck-zuck in Photoshop das Original-Cover nach­ge­bas­telt (Abbildung ganz oben und unten). Es lässt sich nach Bedarf mit »Aufklebern« oder Schablonen ergänzen, zum Beispiel so:

 


Die neuen Emoji 2018 sind da

Mit dem heute veröf­fent­lichten Update 12.1 des mobilen Betriebssystems iOS hat Apple über 100 neue Emojis einge­führt. Neu im Bereich Smileys sind Sticker für kalt, warm, verkleiden und betrunken. Bei den Nahrungsmitteln kommen Mango, Spinat, Bagel, Cup-cake und Créme Caramel hinzu. Menschen mit roten, lockigen und gar keinen Haaren werden sich über neue, zu ihrer Frisur passende Emojis in allen Hautfarben freuen. Weitere Ergänzungen: Superhelden, Wanderschuhe, Skateboard, Seifenspender, Klopapier und die Flagge von St. Pauli.


Kennste, kennste, kennste … Parklets‽

Vor einem halben Jahr wurde die ersten zwei in der Bergmannstraße in Kreuzberg einge­weiht: Parklets. So nennt man jene Stadtmöbel-Inseln, die als Erweiterung der Fußgängerwege auf dem Parkstreifen der Straße instal­liert werden. Als Baumaterial dienen Metall und Holz, meist Komponenten ausran­gierter Paletten. Die Aufenthaltsflächen sollen den Menschen mehr öffent­li­chen Raum zur Verfügung stellen und das KFZ-Aufkommen redu­zieren.

»Parklets werden bald die ganze Bergmannstraße säumen«, verkün­dete Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) bei der Einweihung. Und tatsäch­lich: Anfang dieser Woche sind vier weitere Parklets hinzu­ge­kommen, direkt vor unserem Büro. Laut Wikipedia wurde das erste Parklet 2013 in San Francisco errichtet; hier­zu­lande feierten sie 2015 in Stuttgart Premiere.


Tilburg Sans macht die Runde

Gestern schrieb mir Benjamin Ritter, ein 32jähriger Steinmetz aus Nordhessen:

Hallo Herr Siebert,

vor nunmehr über einem Jahr habe ich, haupt­säch­lich aus persön­li­chem Interesse, die TYPO Berlin »Wanderlust« besucht, was eine Kette von Ereignissen nach sich zog und noch immer zieht, von denen ich Ihnen einfach mal berichten möchte.

Begonnen hat alles in einem eher klei­neren Saal im Haus der Kulturen der Welt (TYPO Show), auf dessen Bühne plötz­lich zwei Holländer auftauchten und ihre TilburgsAns präsen­tierten. Sie, lieber Herr Siebert, erin­nern sich mit Sicherheit, weil Sie dieses tolle T-Shirt von den beiden über­reicht bekamen. Ich war begeis­tert von dem Vortrag, insbe­son­dere der Idee, die TilburgsAns-Lettern zur Adoption frei zu geben.

Jürgen Siebert mit dem TilburgsAns-T-Shirt »She loves you yeah, yeah, yeah«

Zurück in der Heimat habe ich schnell mit Sander Neijnens Kontakt aufge­nommen und nach nur wenigen Mails war klar, dass ich den Buchstaben Å (= Aring) adop­tieren möchte. Sander und sein Kollege Ivo van Leeuwen wiederum fanden es aufre­gend, dass jemand, der 400 Kilometer von Tilburg entfernt lebt, Interesse an ihrer Schrift zeigt.

Also haben sie sich ein paar Tage später ins Auto gesetzt und mir den Buchstaben persön­lich vorbei gebracht. Kurze Führung durch die Steinmetzwerkstatt, zusammen Nudeln essen und schon waren die zwei wieder verschwunden. Ein kleines Video dieses Road-Trips ist ganz nebenbei auch noch entstanden:

Kurze Zeit später bat mich die Rockband meines Bruders – Grannys Garden – um den Entwurf eines Logos. Und weil mich der Charakter dieser Band sehr an den Charakter der Stadt Tilburg erin­nert hat, kam TilburgsAns zum ersten Mal komplett zum Einsatz (Erläuterungen zum Logo-Design, PDF). Das fanden wiederum Ivo und Sander so toll (»Wow, eine deut­sche Band mit unserer Schrift«), so dass Ivo uns mit seiner Familie zum jähr­li­chen Werkstattkonzert besuchte, auf dem die Band das erste Mal unter neuer Flagge auftrat.

Ivo versprach nach dem Konzert einen Auftritt für die Jungs in Tilburg zu orga­ni­sieren und so haben sie am 12. Oktober auf dem »Forgotten Hits«-Festival gespielt. Natürlich nicht ohne sich zuvor die Stadt von den TilburgsAns-Macher zeigen zu lassen, um endlich mal die ganzen Icons der Schrift im Original zu sehen.

Das Logo der nord­hes­si­schen Band Grannys Garden, inspi­riert von TilburgsSans

Nächstes Jahr wird dann Ivo mit seiner Band in unserer Werkstatt spielen. Bis dahin bin ich gespannt, was noch alles in TilburgsAns geschrieben werden wird. Einige Buchstaben habe ich in der Zwischenzeit auch schon in Stein gemei­ßelt. Hier eignet sich ganz wunderbar die Black-Version. Ob Steinhocker, Gartenskulptur oder sogar im Tiergrabmalbereich … die Schrift findet immer wieder ihre Berechtigung.

Viele Grüße aus Neukirchen und alles Gute für Sie,

Benjamin Ritter


Was ist Design? Eine Vortragsreihe.

Die Akademie Mode & Design (AMD) in der Pappelallee, Prenzlauer Berg, startet wieder eine Vortragsreihe, in der das Sprechen über Design neu justiert wird. Dabei sollen fest­ge­fah­rene Designmythen (z.B. „form follows func­tion“ oder: „freie Kunst“ vs. „unfreies Design“) hinter­fragt, begriff­liche Missverständnisse aufge­deckt und ein histo­ri­sie­render Blickwinkel einge­nommen werden, der für die Gegenwart und Zukunft des Designs bisweilen vernach­läs­sigt wird. Darüber hinaus werden aktu­elle Entwicklungen in der Design-Praxis beleuchtet, die für das Designverständnis und seine poli­ti­sche bzw. gesell­schaft­liche Relevanz neue Akzente setzen. 

Vorträge von Oktober bis Dezember 2018

Mo, 29. 10.
Prof. Alex Jordan
Grafik? Design?
Alex Jordan war nach dem Ende von Grapus 1993 bis zu seiner Emeritierung 2013 Professor für Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Der Fotograf und Grafiker wird im seinem Vortrag über poli­ti­sches Engagement gestern und heute spre­chen. Ausstellung im Bröhan-Museum (Berlin). Mehr zu Grapus und Nous travail­lons ensemble.

Di, 27. 11.
Prof. Dr. Ekkehart Baumgartner
Die krea­tive Revolte
In den kommenden Jahrzehnten fällt der Kreativwirtschaft eine entschei­dende Rolle zu, den Erfolg von Unternehmen sicher­zu­stellen und die Lebensbedingungen von Menschen zu verbes­sern. Voraussetzung wird aber sein, dass Designer zu unter­neh­me­ri­schen Entscheidern werden. Die Gründe dafür sind viel­schichtig. Interdisziplinäres und menschen­ver­ant­wort­li­ches Denken verdrängt die Philosophie des konven­tio­nellen Managements.

Di, 04.12.
Wer macht Mode?
Macht der Märkte vs. freie Gestaltung

Podiumsdiskussion (Leitung: Prof. Antje Drinkuth und Katharina Krawczyk)


Komfortabler Blindtext-Generator

Paola M. schrieb mir heute:

Hallo Jürgen,
ich benutze immer wieder den Lorem-Ipsum-Gereator, den du in diesem Fontblog-Beitrag vorge­stellt hattest: Endlich bairi­sche Blindtexte, dank bavaria​-ipsum​.de. Ich mag den, weil er so anders ist.
Vielleicht inter­es­siert dich (oder deine Leser) ein anders Tool, das den klas­si­schen Blindtext liefert, aber sehr flexibel und benut­zer­freund­li­cher als die meisten anderen ist. Du findest ihn hier: https://​www​.website​planet​.com/​d​e​/​w​e​b​t​o​o​l​s​/​l​o​r​e​m​-​i​p​sum.
Vielleicht konnte ich dir auf diese Art einen Gefallen tun.
Paola

Absolut. Der Lorem-Ipsum-Genrator von Website Planet spuckt auf Wunsch eine belie­bige Zahl von Absätzen, Sätzen oder Wörtern aus, wahl­weise als Rich Text oder HTML, er kann sogar Hebräisch (RTL = right to left). Danke, Paola.


Nächste Ausfahrt: Frankfurt Buchmesse (6)

Messetagebuch

Dritter Messetag, nur Fachbesucher: Immer noch schönes Wetter, etwas weniger Betrieb am morgen, weil die Besucher aus der Region Westerwald bis Köln verspätet eintrafen, wegen ICE-Brand auf der Strecke Köln–Frankfurt und Vollsperrung der parallel verlau­fenden Autobahn A3.

500 m² Grundfläche, 6,5 m Höhe und eine selbst­tra­gende Holzkonstruktion mit licht­durch­läs­siger Membran – das ist der »Frankfurt Pavilion«, das neue Wahrzeichen der Buchmesse. Es ist der Ort, an dem Diskussionen geführt, Wissen geteilt, Kontakte geknüpft und Trends geprägt werden. Die Architekten von Schneider+Schumacher standen bei der Planung des »Frankfurt Pavilion« vor der Herausforderung, eine tempo­räre, solide Konstruktion umzu­setzen, die leicht abge­baut und wieder aufge­baut werden kann. Um eine nach­hal­tige Nutzung des Gebäudes inner­halb des Messegeschehens über die nächsten Jahre zu gewähren, wurden bei der Positionierung des Pavilion auch die übrigen bauli­chen, szeni­schen und gewerb­li­chen Elemente auf der Agora berück­sich­tigt.

Paul Maar (81) ist einer der bedeu­tendsten deut­schen Kinderbuchautoren. Seit 1968 schreibt er Bücher, mehr als 120 sind es inzwi­schen, viele davon hat er selbst illus­triert. Berühmt wurde er 1973 mit dem Sams, einem respekt­losen, kind­li­chen Wesen mit roten Haaren, Rüsselnase und blauen Punkten im Gesicht. Das Sams hat viele Menschen beein­flusst, mögli­cher­weise auch die rothaa­rige  Journalistin Roswitha Budeus-Budde, die Paul Maar am Stand der Süddeutschen Zeitung in Halle 3 inter­viewte. Der brachte sein neustes Werk mit, »Snuffi Hartenstein und sein ziem­lich dicker Freund«, bebil­dert von der Berliner Illustratorin Sabine Büchner. Es geht um unsicht­bare Hunde und echte Freundschaft.

Maar verriet auch schon einige Details zu dem Buch, an dem er gerade arbeitet. Während einer Norwegen-Rundfahrt beschäf­tigte er sich mit den Trollen und den Geschichten, die um sie ranken. Das sei ein sehr span­nender und ergie­biger Stoff, so dass er sogar über eine Serie nach­denkt.

Kennt ihr Deutschlands erfolg­reichstes Krimi-Duo? Es heißt Klüpfel & Kobr, hat bisher 13 Bücher veröf­fent­licht und eine Gesamtauflage von über 5 Millionen Exemplare erzielt. Volker Klüpfel wuchs in Altusried im Allgäu auf, studierte Politikwissenschaft, Geschichte, Kommunikationswissenschaft und Journalistik und arbei­tete zunächst als Journalist. Seit 2012 ist er haupt­be­ruf­lich Autor. Zusammen mit Michael Kobr schrieb er den Überraschungserfolg »Milchgeld«, einen Kriminalroman, mit dem es das Duo in die Bestsellerlisten schaffte und der inzwi­schen über 750.000 Mal verkauft wurde. Die Hauptfigur des Buches ist der schrul­lige Kommissar Kluftinger. Der zweite Krimi mit Kommissar Kluftinger, »Erntedank«, belegte wochen­lang Platz fünf in der Focus-Bestsellerliste. Zur Buchmesse erscheint der 10. Band, den Klüpfel und Kobr am Sonntag um 16:00 Uhr im Pavilion vorstellen werden. Der Event wird hier live über­tragen …

Wer ist nicht schon mal drüber gestol­pert: »111 Orte in Brüssel, die man gesehen haben muss«, »111 Orte in Istanbul, die man gesehen haben muss«, »111 Orte in Lissabon, die man gesehen haben muss«, »111 Orte in Brüssel, die man gesehen haben muss«, »111 Orte in Wiesbaden, die man gesehen haben muss«, und so weiter. Hinter diesen syste­ma­ti­schen Publikationen steht der Emons Verlag aus Köln. Er wurde 1984 von Hejo Emons gegründet. Mit Christoph Gottwalds 1984 erschie­nenem Köln-Krimi »Tödlicher Klüngel« star­tete der Verlag seine erste Regionalkrimireihe und ist mit über vierzig regio­nalen Krimireihen inzwi­schen Marktführer.

Die Reihe »111 Orte in …« erscheint seit dem Jahr 2008 und ist Reise-, Abenteuer- und Entdeckungsführer in einem. Der Slogan der Reihe lautet »Verreisen war gestern – Entdecken ist heute«. Aufgrund des großen Erfolges sind mitt­ler­weile fast 300 Bände erschienen, wobei es inzwi­schen nicht mehr nur um Orte geht, sondern auch um »111 tödliche Pflanzen«, »111 deut­sche Weine«, »111 deut­sche Draft-Biere«, »111 Pferde« und so weiter.

Immer wieder eine Augenweide in Sachen Konstanz, Branding und Kundenorientierung: Reclam. Der vor allem als Herausgeber der Reclams Universal-Bibliothek bekannten Verlag wurde 1828 von Anton Philipp Reclam in Leipzig gegründet. Der west­deut­sche Zweig des Verlages entstand im September 1947 in Stuttgart und hat seit 1980 seinen Sitz im nahen Ditzingen. Das Stammhaus wurde unter dem Namen Reclam Leipzig bis zum 31. März 2006 in Leipzig fort­ge­führt. Der Verlag befindet sich seit seiner Gründung in Familienbesitz. (Halle 3.0 B153)

Tinte & Feder-Signierstunde bei Amazon Publishing, mit den Autorinnen Emily Ferguson (vorn), Astrid Töpfer (rechts), Stefanie Hohn (links), sowie Kristina Moninger, Nelly Fehrenbach und Anja Saskia Beyer (nicht im Bild).

Amazon Publishing ist ein Verlag, der zu Amazon​.com (Seattle) gehört und 2009 gegründet wurde. Zu Amazon Publishing gehören unter anderem die Marken (Imprints) AmazonEncore, AmazonCrossing, Montlake Romance, Thomas & Mercer, 47 North und Powered by Amazon. Im Februar 2018 kündigte Amazon Publishing die Schaffung eines 15. Imprints mit dem Namen Topple Books an, wo ab 2019 unter Kuration von Jill Soloway insbe­son­dere Genderthemen im Mittelpunkt stehen sollen,

Die deutsch­spra­chigen Verlagsimprint von Amazon Publishing heißen Tinte & Feder (zeit­ge­nös­si­sche und histo­ri­sche Romane deutsch­spra­chiger Autoren) und Edition M (Krimis & Thriller); auch Montlake Romance (Romantic) und 47North (Science-Fiction) veröf­fent­li­chen Werke deutsch­spra­chiger Autoren.

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