Fontblog verlost ein Typodarium 2016

Typodarium 2016

Auch für jeden Tag dieses Jahres haben Lars Harmsen und Raban Ruddigkeit typografische Display-Delikatessen und solide Brotschriften zum Lieblingskalender aller Fontfreunde zusammen getragen. Beim Verlag Hermann Schmidt Mainz ist es vergriffen: Das Typodarium 2016.

Die Fakten schnell zusammen gefasst:

The Daily Dose of Typography
Abreißkalender mit 366 Fonts
von 223 Designern aus 32 Ländern
und allen Feiertagen dieser Länder
384 farbige Tagesblätter, beidseitig bedruckt
Format 8,5 x 12 cm
Verpackt in einer soliden Schriftmuster-Sammelbox

Wir verlosen unseren Kalender unter allen Kommentierenden. Welches ist Euer Schriftthema 2016? Das kann etwas aus der Font-Technik sein, ein Format, die Erweiterung einer Fontfamilie, ein bestimmter Anwendungszweck für Schriften oder auch ein Schriftstil.

Einsendeschluss ist Mittwoch, der 13. Januar 2015, 12:00 Uhr.

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1. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 14 Jahren. Angestellte von Monotype und ihre Angehörigen sind von der Teilnahme ausgeschlossen. 2. Alle Personen, die sich mit einem Kommentar im Fontblog beteiligen, werden automatisch Teilnehmer am Gewinnspiel. 3. Der Gewinner wird durch Losentscheid ermittelt und per E-Mail am Ende des Gewinnspiels benachrichtigt. Der Gewinner erhält einen Typodarium-Kalender. Der Preis kann nicht umgetauscht oder in bar ausgezahlt werden. 4. Monotype behält sich das Recht vor, diese Teilnahmebedingungen jederzeit zu ändern oder das Gewinnspiel ganz oder teilweise vorzeitig zu beenden. 5. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Praktikum bei FontShop

FontShop, Berliner Niederlassung der Monotype GmbH, Herausgeber der FontFont-Bibliothek und der FontBook App, bietet Praktikums- bzw. Volontariats-Plätze an. Gesucht werden Studentinnen/Studenten oder Absolventinnen/Absolventen mit schriftgestalterischem und typografischem Interesse.

fontfont_office_panorama_2000Hier könnte für ein halbes Jahr Dein Arbeitsplatz sein: Im FontShop-Büro im Berliner Bergmannkiez

Wesentliche Schwerpunkte der Tätigkeit während eines Praktikums/Volontariats bei FontShop sind:

  • Testen von Fonts unter Windows und Mac OS, z. B. Ausdrucke anfertigen und auswerten, Funktion von OpenType Layout Features prüfen …
  • technische und visuelle Überprüfung von Fonts und Fontquelldateien
  • teilweise Outlinekorrekturen für Font-Updates
  • Hinting von PostScript-Outlines
  • Testdokumente weiterentwickeln
  • Kerning- und Sprachraumrecherche
  • Fontübersichten/Schriftmuster erstellen
  • Zuarbeiten bei Einreichungen für Wettbewerbe, Animationen/Illustrationen …
  • Einblick in die professionelle Fontproduktion von FontShop …

Praktikumsdauer: sechs Monate mit 40-Stundenwoche. Das Praktikum wird vergütet. Start ab 1. Februar 2016. Praktikumsort ist Berlin. Interessenten bewerben sich bitte bei:

Andreas Frohloff Manager CP Font Productionandreas.frohloff@monotype.com


OpenType Upgrade: Linotype, FontFont, Monotype & ITC

OpenType Font LogoAnfang 2007 verkündete Fontblog das Ende der PostScript-Type-1-Schriften. Fünf Jahre später entschied das Softwarehaus Adobe, auch die TrueType-Technologie nicht weiter zu entwickeln. Seit über 10 Jahren veröffentlichen die Bibliotheken von Linotype, FontFont und Monotype Schriften für den Druck als plattformübergreifende OpenType-Fonts. »Alte« PostScript- und TrueType-Fonts und OpenType-Standart-Schriften können jetzt auf OpenType-Pro-Fonts erweitert werden.

Nach ihrer Erstveröffentlichung wurden in den letzten Jahren viele OpenType-Schriften zusätzlich mit Spracherweiterungen ausgestattet. Die wenigsten Entwerfer belegen den üppigen Zeichenvorrat von vornherein (technisch möglich sind übrigens 65.536 Glyphen), sondern dem Standard-Zeichensatz-Umfang (OT Std) folgt – meist deutlich später– ein Upgrade (OT Pro, Pro CFF …), auch als Extension bezeichnet. Osteuropa-Zeichen-Karte Die Karte zeigt die geographischen Sprachräume in West- und Osteuropa. Ein Standard-OT-Font aus der FontFont- Bibliothek deckt die gelben Regionen ab. FF-Pro-Fonts unterstützen auch CE-Sprachen, einschließlich Türkisch, Rumänisch und die baltischen Sprachen (grün). Besonders gut ausgebaute FF-Pro-Fonts enthalten darüber hinaus griechische (lila) und/oder kyrillische Zeichen (rosa). Quelle: europafonts.de

OT-Pro-Fonts enthalten zusätzlich zu den westeuropäischen Zeichen auch Sonderzeichen für lateinische und/oder nicht-lateinische Fremdsprachen, wie osteuropäische Sprachen – häufig zusätzlich türkisch, griechisch oder kyrillisch. Viele enthalten zusätzliche Kapitälchen, Mediävalziffern, erweiterte Ligatur-Sets, Schwungbuchstaben und alternative Zeichen. Unser OpenType Upgrade Angebot umfasst:

  1. Das Upgrade eines PostScript-Type-1- oder eines TrueType-Fonts auf den entsprechenden OpenType-Pro-Font.
  2. Das Upgrade eines OpenType Fonts auf den entsprechenden Font im OpenType-Pro-Format.

Wir gewähren auf jedes Upgrade eines Standard-OpenType-Fonts, bzw. Postscript und Truetype Fonts 30% Rabatt. Voraussetzung: Der von Ihnen gezahlte Kaufpreis der Font-Familie lag bei über 200 € netto. Das Angebot gilt bis 31. Dezember 2015. 

Und so geht‘s: Den Kaufbeleg (von FontShop, Linotype oder Monotype), der Sie als Käufer bzw. Lizenznehmer ausweist, einfach an sales@fontshop.com mailen und Sie erhalten für Ihren »alten« Font ein unverbindliches Angebot mit 30% Rabatt für das Upgrade auf OpenType Pro.

Die Aktion gilt für alle Schriften aus der FontFont-Bibliothek, sowie aus den Bibliotheken von Linotype, Monotype und ITC.

OpenType-Pro-Fonts besitzen die gleichen technischen und ästhetischen Spezifikationen wie Opentype-Standard-Schriftarten. So kann ein OT-Font durch einen OT-Pro-Font ersetzt werden, ohne unerwünschte Veränderungen im Layout zu bewirken. Der Pro-Zusatz im Datei-Namen hilft Verwechslungen zu vermeiden.

FF-Dax-Language-Support2 Die FF Dax® enthält als OpenType-Pro-Font Zeichen für die Sprachunterstützung für 164 Sprachen, darunter von tschechisch, türkisch, griechisch und kyrillisch. Das Upgrade-Angebot ist besonders für Unternehmen interessant, die Drucksachen in der Hausschrift für neue Märkte erstellen möchte.

Ein Beispiel:

FF Dax 1 kostet in der Western-Language-Support-Std-Version  219 € (zzgl. USt.). In der Version mit erweitertem Lateinischen Zeichensatz kostet das FF Dax 1 Paket rabattiert 230,30 €  statt 329 € (zzgl. USt.). 

Die FF Dax enthält als OpenType-Pro-Font Zeichen zusätzlich die Sprachunterstützung für die lateinisch osteuropäischen Sprachen.

Werfen Sie eine Blick auf Ihre Schriftensammlung: Wenn Sie Font-Familien im PostScript-Type-1-Format (Dateiendung*.AFM, *.PFM, *.INF und *.PFB) finden oder im TrueType-Format (Dateiendung *TTF) können Sie jetzt günstig auf das aktuelle OpenType-Pro upgraden. 

Die Schriften aus der FontFont-Bibliothek und den Bibliotheken von Linotype, Monotype und ITC enthalten verbreitete Originalschriften, wie Helvetica®, Garamond, Frutiger®, Bodoni™, Futura®, Times®, Officina®,  FF DIN®, FF Meta, FF Netto®, FF Unit®, FF Clan®, ITC Avant Garde Gothic ® FF Fago®, Rockwell® oder Walbaum™.

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LINKS:

 OpenType-Technik: Detaillierte Informationen über OpenType-Fonts können in unserem FAQ-Bereich nachgelesen werden.

 OpenType-FontFonts: Eine umfangreiche Einführung* zu OpenType-FontFonts (PDF, 70 Seiten, 1,2 MB)

* Einzelne Schriften können von dieser Beschreibung abweichen.
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Dax ist eine Marke der Monotype GmbH, die beim Amerikanischen Patent- und Markenamt eingetragen ist und die die in bestimmten anderen Rechtsordnungen eingetragen sein kann. FF ist eine Marke der Monotype GmbH, die beim Amerikanischen Patent- und Markenamt eingetragen ist und die die in bestimmten anderen Rechtsordnungen eingetragen sein kann.


BLINK – Kalenderprojekt aus Berlin

BLINK2016_Kalender

Der BLINK-Fotokalender von Susanne Schwalbach und Etienne Girardet ist kein Themenkalender mit uniformem Stil. Im Gegenteil: der Kalender spricht seine eigene Sprache. Die Bilder begleiten durch jeden Tag des Jahres, inspirieren und erzählen Geschichten – jedes einzelne, viele auch als Teil einer Reihenfolge.

Mit der Verortung im Jahresgefüge machen die Fotos neugierig auf die nächsten – manchmal überraschend, oft im Kontext, immer aus einer besonderen fotografischen Sichtweise. So zeigt der Kalender Unerwartetes und Lustiges, Tiefgründiges und Trauriges, Vergangenes und Aktuelles.

Der Abreißkalender enthält Fotos von 40 Personen – von Amateurfotograf_innen bis zu Profis. Eine sehr spannende, stets unerwartete Mischung. Je nach Belieben auf dem Tisch stehend oder an der Wand hängend führt er im Format A6 mit 366 Momentaufnahmen durch das kommende Schaltjahr.

BLINK ist das perfekte Geschenk – fürs Herz, fürs Auge, für die Küche, fürs Wohnzimmer, für Freunde und Familie, für Fotoliebhaber_innen. Für 32,- Euro macht BLINK ein ganzes Jahr lang Freude.

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Etienne Girardet, Susanne Schwalbach
BLINK Fotokalender 2016
Format A6, fünf Zentimeter stark, 800 Gramm. Gedruckt im vierfarbigen Offsetdruck mit hochwertiger Klebebindung. Einsetzbar als  Tisch- oder Wandkalender.

→ Kalender bei den Herausgebern bestellen …

Unter allen Kommentierenden verlosen wir unser Rezensionsexemplar. Einsendeschluss ist Montag, der 26. September um 12:00 Uhr mittags.

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1. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 14 Jahren. Angestellte von Monotype und ihre Angehörigen sind von der Teilnahme ausgeschlossen. 2. Alle Personen, die sich mit einem Kommentar im Fontblog beteiligen, werden automatisch Teilnehmer am Gewinnspiel. 3. Der Gewinner wird durch Losentscheid ermittelt und per E-Mail am Ende des Gewinnspiels benachrichtigt. Der Gewinner erhält einen BLINK-Fotokalender. Der Preis kann nicht umgetauscht oder in bar ausgezahlt werden. 4. Monotype behält sich das Recht vor, diese Teilnahmebedingungen jederzeit zu ändern oder das Gewinnspiel ganz oder teilweise vorzeitig zu beenden. 5. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Fotos: © Etienne Girardet, www.pacificografik.de


Das TYPO Day Seminar besucht Wien

Wiener und alle Typografie-Profis aus der Alpenrepublik können sich am 23. Oktober im WestLicht auf den aktuellen Stand der Kommunikation mit Schrift bringen.

TYPO Day ist das Ein-Tages-Seminar für professionelle Designer, Markenbetreuer und Publishing-Experten und bringt die aktuellen Themen in der digitalen schriftlichen Kommunikation auf den Punkt.

Neben den Vorträgen sind die Begegnungen zwischendurch für viele Besucher der Hauptgrund für den TYPO-Besuch. Ein persönlicher Dialog unter Kolleginnen und Kollegen bringt oft mehr als Telefonate und E-Mails.

TYPO Day_Wien_Sketchnote-Nadine-Rossa

In kleiner Runde und im Detail zeigen hochkarätige Redner Wege wie beste Lesbarkeit und differenzierte typografische Ausdrucksmittel über alle Kanäle sichergestellt werden. Sketchnote: Nadine Roßa

Es sprechen: Erik Spiekermann (Video), Indra Kupferschmid, Atilla Korap, Johannes Bergerhausen, Henning Skibbe und Michael Hochleitner.

Diskussionen entwickeln Antworten auf alle Satz-Fragen: Wie wähle ich die richtige Schrift? Welche Anforderungen stellen E-Book und Screens? Was bedeutet Unicode? Brauche ich Emojis? Was muss ich beim Einsatz von Schriften in Zeitungen und Zeitschriften besonders beachten?

Noch bis 30. September können sich Teilnehmer zum Early-Bird-Preis von 198 Euro* anmelden (ab 1. Oktober 298 Euro*). Einen satten Rabatt gibt es für das 3er-Gruppenticket: 3 Personen für 447 Euro*. Hier zum TYPO Day Wien anmelden.

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 *Laut Kleinunternehmerregelung (§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG) enthalten die Tickets keine Umsatzsteuer. 


Adrian Frutiger, 1928–2015

Adrian Frutiger, Interlaken 2004, © Fontblog

Gestern wurde bekannt, dass der große Schweizer Schriftentwerfer Adrian Frutiger in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in seinem langjährigen Wohnort Bremgarten bei Bern verstorben ist. Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien, zum Leidwesen der Familie, die den Todesfall – auf ausdrücklichen Wunsch des Designers – nicht direkt der Öffentlichkeit preisgeben wollte. Es wird auch keine Trauerkarten und keine Todesanzeige geben.
Die Bescheidenheit Adrian Frutigers war legendär. Doch bei aller Zurückhaltung konnten er und seine Erben nicht verhindern, dass sich tausende Schriftbenutzer und zig Schriftentwerfer in den vergangenen 24 Stunden von Frutiger verabschiedeten sowie sich für sein einflussreiches Schaffen bedankten. Einige Beispiele:

Adrian Frutiger wurde am 24. Mai 1928 in Unterseen an der Aare, Kanton Bern, geboren. Nach einer Schriftsetzerlehre in Interlaken und einem Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich (1949–1951) bei Alfred Willimann und Walter Käch arbeitete Frutiger zunächst als Grafiker in Zürich. Ein Jahr später wurde er Mitarbeiter der Pariser Schriftgiesserei Deberny & Peignot. Im Sommer 1962 gründete er mit Bruno Pfäffli und André Gürtler sein eigenes Grafikatelier in Arcueil bei Paris.

Aufbau der Univers-Schriftfamilie bei Erscheinen 1954

Aufbau der Univers-Schriftfamilie bei Erscheinen 1954 (weitere Schnitte sind inzwischen hinzugekommen): die erste Ziffer steht für die Strichstärke, die zweite für die Buchstabenbreite, wobei gerade Ziffern »oblique« bedeuten

Die Schrift Univers, die Adrian Frutiger weltberühmt machte, geht auf Übungen zurück, die er bereits 1949 als 21jähriger an der Kunstgewerbeschule durchführte. Das eigentlich Neue an Univers war, dass eine Schriftfamilie erstmals als geschlossenes System entworfen und vermarktet wurde. Ausgangspunkt ist der Normalschnitt Univers 55, von dem aus sich alle weiteren herleiten. Der Kontrast ist so austariert, dass sich die Schrift auch für lange Texte eignet. Frutiger legte großen Wert auf die Abstimmung der Strichstärkenunterschiede zwischen Versalien und Gemeine. Für damalige Zeiten ist die Mittellänge ungewöhnlich hoch.

Univers brauchte 15 Jahre, bis sie überall bekannt und auf den unterschiedlichen Geräten (Blei und Fotosatz) verfügbar war. Dem Ende der 60 Jahre vorherrschenden rationalistischen Stil in der Typografie kam die kühle, systematisch entwickelte Familie entgegen. Sie entsprach dem Anspruch auf ›Total Design‹, wie Wim Crouwel und Ben Bos ihr Designbüro 1964 tauften. In Holland wurde Univers eine Art Nationalschrift, in den USA und Deutschland setzten die Grafiker eher auf Helvetica.

Der technische Wandel des Fotosatzes spornte Adrian Frutiger an: »Im Blei habe ich die Schrift und ihre Fähigkeit, mit immer denselben Lettern die ganze geistige Welt lesbar werden zu lassen, zuerst erlebt. Damit erwachte in mir das Bedürfnis, die bestmögliche Lesbarkeit zu entwickeln.« erinnert er sich rund 30 Jahre später in einer Biografie. »Schnell kam die Zeit, in der ein Text nicht mehr mit Bleibuchstaben, sondern durch einen Lichtstrahl gesetzt wurde. Die Aufgabe, die Schriften der alten Meister vom Hoch- in den Flachdruck umzudenken, war für mich die beste Schule. Als es jedoch um den Grotesk-Stil ging, hatte ich meine eigene Vorstellung: es enstand die Univers-Familie.«

1997 wurde Univers von Adrian Frutiger und Linotype komplett überarbeitet, auf 59 Schnitte erweitert und dreistellig nummeriert: Linotype Univers. 2004 erschien Univers Next mit weiteren Stilen (71 Schnitte), erweitertem Zeichensatz und systematischem Aufbau.

Schnittmuster fr das zweisprachige Flughafen-Leitsystem

Gesetzt aus aus Frutiger: Schnittmuster für das zweisprachige Leitsystem des »Aéroport Charles de Gaulle«, eröffnet im März 1974

Als der französische Ministerrat 1964 beschloss, auf dem dünn besiedelten Ackergelände nahe der Dorfschaft Roissy-en-France einen neuen Großflughafen zu errichten, wurde der junge Architekt Paul Andreu mit dem Entwurf betraut. Er veranstaltet er eine Serie von Workshops mit Architekten, Designern, Psychologen und Künstlern, darunter Adrian Frutiger, der mit seiner 1957 erschienenen Erfolgsschrift Univers die Beschilderung entwickeln sollte.

Doch Univers war ihm zu geometrisch und geschlossen für die schnelle Wahrnehmung auf Wegweisern. Also griff Frutiger auf einen 7 Jahre alten Sans-Serif Entwurf namens »Concorde« zurück, den er mit André Gürtler für das Satzunternehmen Sofratype gezeichnet hatte. Die Farbpsychologen legten für das Leitsystem einen gelben Hintergrund fest, die französischen Hinweise sollten in weiß, die englischen in schwarz aufgedruckt werden. Für die Präsentation griff Frutiger zu Letraset-Farbfolien. Das Wort ›Départ‹ schnitt er mit einer kräftigeren Concorde aus, das schwarze ›Departures‹ klebte er darunter auf. Die bessere Lesbarkeit gegenüber Univers überzeugte sofort alle. Und Paul Andreu war begeistert von der Idee einer eigenen ›Flughafenschrift‹.
Als der »Aéroport Charles de Gaulle« im März 1974 eingeweiht wurde, setzte auch das Leitsystem Maßstäbe. Typografen aus aller Welt wünschten sich die Schrift für Drucksachen. 1977 brachten die D. Stempel AG und Linotype Frutiger auf den Markt. Sie wird rasch zum Bestseller und mehrfach erweitert, zuletzt 1999 vom Schöpfer selbst.

Bis heute im Einsatz: Die Schrift Frutiger auf dem Flughafen Charles de Gaulle in Paris

Bis heute im Einsatz: Die Schrift Frutiger auf dem Flughafen Charles de Gaulle in Paris

Zwei Jahre nahm sich Adrian Frutiger Zeit für den »Relaunch« Frutiger Next. Alle Zeichen wurden neu digitalisiert, wobei die Grundformen nahezu unverändert blieben. Lediglich das ß und das et-Zeichens entstanden neu, s und t erfuhren ein dezentes Facelifting. Die Strichstärkenabstimmung ergab nun 6 statt 5 Stufen, und eine echte Kursive rundete Frutiger Next ab.

Univers und Frutiger sind nur zwei von über 20 Schriftfamilien, die Adrian Frutiger in rund 60 Jahren schuf. Dabei ist bemerkenswert, dass er in allen Schriftdesign-Stilen eine bahnbrechende Qualität schuf. Seine Avenir ist eine der besten geometrischen Sans-Schriften, Egyptienne F und Glypha werden von den Freunden der Slab-Serif-Schriften verehrt und seine Vectora ist immer noch einzigartig in der Klasse der Anglo-Grotesk-Schriften.

Alle diese Schriften tragen Adrian Frutigers Design-Philosophie in sich, nämlich dass »Lesbarkeit und Schönheit ganz nahe beieinander stehen und dass die Schriftgestalt in ihrer Zurückhaltung vom Leser nicht erkannt, sondern nur erfühlt werden darf. Die gute Schrift ist diejenige, die sich aus dem Bewußtsein des Lesers zurückzieht, um den Geist des Schreibenden und dem Verstehen des Lesenden alleiniges Werkzeug zu sein.« Mit anderen Worten: Die Qualität von Frutigers Schriften beruht nicht auf oberflächlichem bzw. formalen Kriterien, sondern einer strukturellen Leserlichkeit. Diese DNA in seinen Entwürfen zu entdecken bedarf eines geschulten Auges. So gesehen wäre es nicht überraschend, wenn auch die (noch) nicht so populären aber gleichermaßen vorzüglichen Schriften von Adrian Frutiger irgendwann den Durchbruch in der typografischen Welt schaffen.

Im Jahr 2007 führte der Berliner Filmemacher Sebastian Rohner ein langes Interview mit dem Schweizer Schriftentwerfer Adrian Frutiger. »Einer der größten Designer des 20. Jahrhunderts ist den meisten Menschen vollkommen unbekannt. Dieses Interview soll das ändern.« schrieb er in der Erläuterung des inzwischen auf YouTube freigegebenen Videos. Der aufschlussreiche Film wirft nicht nur ein Licht auf den bedeutenden Schriftentwerfer sondern auf eine Designdisziplin, die kaum exotischer sein könnte und doch alle (lesenden) Menschen berührt.


Frische Farben für das nächste Jahr

cmyk kalender 2016-1500

Das nächste Schuljahr hat in Berlin gerade begonnen. Begleitet von guten Vorsätzen für den Lernerfolg. Für die guten Farb-Vorsätze im kommenden Kalenderjahr bringt der Hermann Schmidt Verlag Mainz den C | M | Y | K Color Swatch Calendar 2016 heraus, ein schön gestalteter Kalender mit Farbinspiration für jeden Tag.

Peter von Freyhold gestaltete ein »Farb-Septett« pro Woche, das durch tägliches Abreißen eines Farbstreifens mit den darunter liegenden Farben in Dialog tritt. Jeder Farbstreifen zeigt die Wirkung seiner Farbe auf zweiseitigem Chromokarton (coated/uncoated) und verrät die exakten Prozentwerte von Cyan, Magenta, Yellow und Black.

cmyk kalender 2016 -1500pxMittels der im Kalenderkopf eingebauten Buchschraube lassen sich eigene Farbwelten zusammenstellen: beim Entwurfsprozess, im Kundenmeeting, während der Planungsphase. Und während die Kalenderblätter fallen, füllt sich das private Favoritenkästchen von Tag zu Tag. Selbstverständlich lassen sich die Farbstreifen auch als Lesezeichen, Notizzettel oder für analoge Short Messages verwenden.

cmyk kalender 2016-1500Peter von Freyhold:
CMYK-Farbfächer-Kalender 2016
, coated/uncoated, Wochenkalender mit 371 Tages-Farbstreifen zum Abreißen und Generieren täglich neuer Farbmischungen mit genauen CMYK-Werten in einer Box zum Archivieren der Farbstreifen, Format 11 x 24 cm.

→ Kalender beim Verlag bestellen …

Welche sind Eure persönlichen Farbtrends für diesen Herbst? Und warum? Unter allen Kommentierenden verlosen wir unser Rezensionsexemplar. Einsendeschluss ist übermorgen, Freitag, der 4. September um 12:00 Uhr mittags.

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Fotos: © Peter von Freyhold

 


Druckkunst und Typografie in Weimar

Walbaum-Workshop-Weimar

Ein Highlight der typografischen Veranstaltungen zum Sommerende beleuchtet die Rolle der Schriften im Bauhaus. Laszlo Moholy-Nagy erwähnt den Begriff der Neuen Typografie erstmals im Jahr 1923 in einem Beitrag zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar. Jan Tschichold greift die radikalen Thesen der Bauhaus-Künstler auf und verbreitet sie im Laufe der 1920er-Jahre unter dem Begriff der Elementaren Typografie.

In Weimar, dem Gründungsort der Bauhaus-Bewegung, betrachtet das Druckgrafische Museum am 12. bis 13. September in seinem 2. Wochenend-Seminar die Elementare Typografie in Vorträgen und Workshops.

Zum Programm gehören:

  • eine Führung im Bauhaus-Museum
  • Vorträge von Albert-Jan Pool und Ferdinand Ulrich
  • ein Bleisatz-Workshop in den Werkstätten der Pavillon-Presse

Die Anmeldung für das 2. Walbaum-Wochenende ist bis 16. August möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt 99,- Euro (für Studenten 45,- Euro). Die Teilnehmerzahl ist auf 35 Personen limitiert.

Die Walbaum-Wochenenden sind eine Veranstaltungsserie der Pavillon-Presse in Weimar. Sie verbinden die Vermittlung von theoretischem Fachwissen mit Workshops im Museum. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Juni findet im September das zweite Walbaum-Wochenende in Weimar statt.

Details und Anmeldung unter: http://walbaum-wochenende.de


Für Mikroverleger: #indiemagday in Hamburg

„Lasst uns die Vielfalt der unabhängigen Magazine feiern und ihre smarten und furchtlosen Mikroverleger“. Unter diesem Motto findet am Sonntag, den 30. August im Hamburger Oberhafen der erste #indiemagday statt. Die Veranstaltung soll Menschen zusammen bringen, die ohne großen Verlag im Rücken ein Magazin publizieren – und sie zeigt die Vielfalt ihres kreativen Schaffens. Die „Free Trade Zone for Printed Goods“ im Oberhafen ist von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Indiecon 2015: The independent Magazine Festival Conference: 28+29 Aug 2015 #indiemagDay: 30 Aug 2015 Hamburg, Germany Poster Serial for #indiemagday

© Malte-HM-Spindler-Die-Brueder-Indiecon-2015

Gemeinsam mit etwa 50 Magazin-Verlegern aus aller Welt wird im Hamburger Oberhafen die unabhängige Magazinkultur gefeiert. Mit dabei sind internationale Vertreter der unabhängigen Magazinkultur, Mikroverleger wie Ibrahim Nehme aus Beirut („The Outpost“), Kai Brach aus Melbourne („Offscreen“) und Ryan Fitzgibbon aus New York („Hello Mr.“). Die Veranstaltung bietet Raum für den Austausch, mit den Menschen hinter den Magazinen, um nach Raritäten zu stöbern und Indiemags aus unterschiedlichsten Sparten zu entdecken, zu kaufen oder zu tauschen.

Der #indiemagday ist Teil der Fachkonferenz Indiecon – The Independent Magazine Festival, das am 28. und 29. August für unabhängige Magazin-Verleger aus Kunst, Design, Fotografie und Illustration statt findet. Wann und wo? 30. August, 8:00 bis 18:00 Uhr, „Oberhafen“, Halle 4, Stockmeyerstr. 41, 20457 Hamburg.

Weitere Informationen zum #indiemagday → www.indiemagday.de und zur Indiecon → www.indieforever.de


Kunde Antragsteller: Nutzererlebnis Hartz IV Formular

Während Sign-Up Prozesse digitaler kommerzieller Unternehmen bis ins letzte Detail optimiert und auf das Nutzererlebnis ausgerichtet sind, sind Anträge von Bürgern an staatliche oder kommunale Institutionen für den Antragsteller oft schwer verständlich und von Design und Wording lediglich auf die Bedürfnisse der jeweiligen Institution ausgerichtet: Der Antragsstellende hat der leistungserbringenden Institution nachzuweisen, dass ein Anspruch auf Leistung besteht. Die Benutzerfreundlichkeit des Antrags ist zweitrangig.

Wie würden Prozesse, wie ein Hartz-4-Antrag aus der Position des Antragstellers aussehen? Und wenn eine webbasierte Form der Antragstellung den Antragsteller ermutigen und beim Ausfüllen unterstützen würde?

Auch wenn der sechsseitige Hauptantrag inzwischen als pdf-Dokument online auf dem Server der Arbeitsagentur zur Verfügung steht, kann er nicht ausgefüllt gesichert sondern nur ausgedruckt werden. Die Möglichkeiten des Mediums werden ignoriert. Ein großes Versäumnis, findet Thomas Weyres. Auf der diesjährigen Re:publica stellte er einen Antragsteller-freundlichen Ansatz für den Harz IV Antrag vor, der die Möglichkeiten des Web einsetzt.

Thomas Weyres Zentrale Intelligenz AgenturThomas Weyres ist Designer aus Berlin, hat für Marken wie MTV, Sony und Ableton gearbeitet, ist geschäftsführender Gesellschafter der Zentralen Intelligenz Agentur und Lehrbeauftragter am Fachbereich Kommunikationsdesign an der HTW Berlin. Von 2012 bis 2014 war er Mitgründer und Creative Director der Social Reading Plattform dotdotdot. 

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Sign up for Hartz IV

Wie der Hartz IV-Antrag aussehen könnte, wenn er vom Antragsteller aus gedacht werden würde.

von Thomas Weyres

Zusammenfassung der Session “Sign up for Hartz IV” auf der Re:publica 2015

Hartz IV, oder eigentlich Arbeitslosengeld II, wird in diesem Frühjahr (2015) von ca. 4,4 Millionen Menschen bezogen. 4,4 Millionen Menschen, deren Lebenssituation so individuell ist, wie wahrscheinlich die Gründe, warum sie Hartz VI beziehen. Eines haben alle 4,4 Millionen gemeinsam: Sie haben den Hartz IV Antrag bewältigt.

Der Antrag

Der Antrag, 2013 von Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit, mit Hilfe externer Experten, letztmalig überarbeitet, umfasst sechs Seiten und, je nach individueller Situation, bis zu 16, teilweise mehrseitige Anlagen.

Der Hauptantrag ist in neun Abschnitte unterteilt, die den Antragsteller durch Kapitel mit Aussagen zu seinen persönlichen Lebensumständen leiten. Nach der schriftlichen Angabe persönlicher Daten zu Namen, Nachnamen und Adresse, müssen Aussagen mit Ja oder Nein bestätigt oder dementiert werden. Zudem gibt es Bereiche, bei denen zu Aussagen eine Auswahl an Antworten ausgewählt werden kann.

Nach der Bestätigung einiger Aussagen bedarf es schriftlicher Nachweise, die dem Antrag hinzugefügt werden müssen. Zum Beispiel Bescheinigungen bzgl. der Krankenversicherung oder Nachweise über ein Ausbildungsverhältnis.

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Der Arbeitslosengeld II Hauptantrag: Der aktuelle Antrag umfasst 6 Seiten

Der Hauptantrag und die Anlagen zu diesem, können auf den Webseiten der Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit als PDF heruntergeladen werden. Dieses müssen in Adobe Acrobat ausgefüllt werden, dann ausgedruckt und unterschrieben an das zuständige Jobcenter per Post gesendet werden.

Der Antrag: Problem

Die große Schwäche des Antrages ist, dass dieser aufgrund seines statischen Charakters alle denkbaren Lebensumstände aller Antragsteller abbilden muss. Und diese jedoch in ihrer Vielfältigkeit nicht ihrer Gänze abbilden kann, sondern auf immer weitere Anlagen verweist und sich der Antrag immer weiter verschachtelt. Und für den Antragsteller mit jedem Fortschritt neue Aufgaben generiert.

Primär wird versucht, auf dem Antrag eine Lösung für zwei grundsätzlich unterschiedliche Anforderungen abzubilden:

1. Die verwaltungstechnischen Prozesse bei der Bearbeitung des Antrages. Auf dem Antrag abgebildet durch die Spalte rechts, auf der der Bearbeiter auf Seiten des zuständigen Jobcenters Vermerke bzgl. eingereichter Anlagen, etc. unterbringen kann.

2. Die technischen Anforderungen bei der Weiterverarbeitung des Antrages. Anträge, und Formulare allgemein, werden oft mit der Software erstellt, die diese auch weiterverarbeiten kann. Das bedeutet, dass Formulare mit der Scan-Software, die die Formulare einliest, gestaltet werden — mit all den Limitationen die diese ggf. mit sich bringt.

Erst sekundär wird auf die Nutzererfahrung des Antragstellers eingegangen — und auf den Kontext, aus dem heraus der Antrag gestellt wird.

Überlegungen

Wie könnte, bzw. sollte ein Antrag aufgebaut und gestaltet sein, der die Bedürfnisse des Antragstellers nach Orientierung, Verständlichkeit und Zeit- und Kosteneffizienz bei der Bearbeitung ernst nimmt – und der den Kontext, aus dem der Antrag gestellt wird, ernst nimmt?

Der Antragsteller befindet sich auf Arbeitssuche, dies bedeutet, dass sich dieser in vielen Fällen in einer sensiblen emotionalen, und in den meisten Fällen keiner positiven finanziellen Situation befindet — und diese Situation oftmals nicht selber verschuldet hat. Menschen interagieren mit staatlichen Stellen wenn sie dazu gezwungen sind — dies ist jedoch kein Grund, diese Interaktion auf Basis mangelnder gestalterischer Empathie aufzubauen.

Die Komplexität des Antrages ist nicht angenehm, und sie kann es auch nicht sein, es gibt jedoch Wege, die Komplexität für den Nutzer im Prozess der Antragstellung zu reduzieren:

1. Aufgabe folgt Aufgabe!
Anträge, die darauf basieren, möglichst viele Aufgaben, die der Antragstellende zu bearbeiten hat, auf möglichst wenig Platz unterzubringen, sind fehleranfällig und für den Antragsteller oftmals schwer zu erfassen. Aufgaben lassen sich besser lösen, wenn diese einzeln bearbeitet werden können und aufeinander folgen:

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2. Aufgaben kontextabhängig und dynamisch generieren!
Beim Bearbeiten der aktuellen Anträge muss der Antragsteller durch eine große Anzahl an Aussagen navigieren, die für ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht relevant sind. Eine dynamische Gestaltung des Antrages würde es erlauben, durch die Bestätigung oder Ablehnung einer Aussage, Aussagen im weiteren Verlauf des Antrages auszuschliessen und dem Antragsteller nicht anzeigen zu müssen.

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3. Aufgaben generieren Handlungsanweisungen:
Aus Angaben zu Aussagen müssen für den Antragsteller klare Handlungsanweisungen generiert werden. Das bedeutet, dass für den Antragsteller klar werden muss, welche Unterlagen er für die weitere Bearbeitung des Antrages benötigt, wie diese aussehen und wo er diese findet.

4. Fokus auf erledigte Aufgaben — nicht auf noch zu lösende:
Für den Antragsteller ist die Bearbeitung des Antrages oftmals belastend und arbeitsaufwendig. Ein Feedback bzgl. des Fortschrittes, den der Antragsteller schon gemacht hat, sollte motivierend sein und diesem zudem Orientierung vermitteln.

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5. Keine Aufgaben stellen — sondern Dialoge führen:
Der Antrag sollte dialogisch gestaltet werden. Mit dem Ziel, dem Antragsteller das Gefühl zu vermitteln, ernst genommen zu werden. Der Antrag sollte nicht wie ein Verhör aufgebaut sein — er soll im besten Falle Empathie zeigen und Konversation auf Augenhöhe ermöglichen.
Ein gedruckter Antrag ist nicht dazu geeignet, dynamische Prozesse abzubilden — wie könnte also ein digitaler Antrag aussehen?

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Prototyping

Der bisherige Antrag weisst, wie oben erwähnt, bei 16 Aussagen auf teilweise mehrseitige Anlagen. Um einen individuellen, auf die Lebenssituation des Antragstellers zugeschnitten Antrag zu generieren, macht es Sinn, den Prozess der Antragstellung in zwei Teile aufzuteilen:

a) Einen Fragenkatalog, der primär darauf abzielt, besondere Lebensumstände des Antragstellers abzufragen, um

b) im zweiten Teil auf diese Lebensumstände individuell eingehen zu können.

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Das bedeutet, dass im ersten Teil alle Fragen gestellt werden, die im alten Antrag zu möglichen Anlagen geführt hätten, und im zweiten Teil auf die für den Antragsteller relevanten Fragen eingegangen wird.

Dies verkürzt den Prozess der Antragstellung immens und ermöglicht zudem, dem Antragsteller nach Abschluss der Bearbeitung des ersten Teils eine To-Do-Liste mit allen Unterlagen zu generieren, die er braucht, um den zweiten Teil bearbeiten zu können.

In einem Prototyp, könnte der erste Teil des Antrages so aussehen:

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Karten, als Designpattern, eignen sich hervorragend, den Antragsteller einzelne Aufgaben fokussiert bearbeiten zu lassen. Zudem ermöglicht eine gestapelte Anordnung der Karten, dem Antragsteller Orientierung über die noch zu erledigenden Aufgaben zu geben.

Anstatt Aussagen, die der Antragsteller bestätigen oder dementieren muss, werden ihm Fragen gestellt — dies ermöglicht eine freundlichere Ansprache und führt aufgrund der dialogischen Form der Interaktionen zu weniger Anspannung während der Bearbeitung des Antrages.

Am Ende des ersten Teiles des Antrages, erwartet den Antragsteller eine Übersicht über die für den zweiten Teil benötigten Unterlagen — er kann sich Informationen zu diesen Unterlagen anzeigen lassen. Zudem ist jede Unterlage mit einem Bild ausgezeichnet:

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Der zweite Teil, generiert aus den Antworten aus dem ersten Teil, geht nun auf die detaillierten Lebensumstände des Antragstellers, möglicher weiterer Personen in seiner Bedarfsgemeinschaft und deren Vermögensverhältnisse ein:

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Am Ende des zweiten Teils des Antrages druckt der Antragsteller die Zusammenfassung seiner Antworten aus, unterschreibt diese und sendet sie an das zuständige Jobcenter. Die Zusammenfassung sollte, je nach individueller Sachlage um 80% kürzer sein, als der heutige Hauptantrag mit zusätzlichen Anlagen. Dies spart Papier, Druckkosten und Bearbeitungsressourcen. Alternativ übermittelt der Antragsteller seine Daten direkt, ohne für Antragsteller und Verwaltung arbeitsaufwendigen Medienbruch, digital.

One more thing

Unterschreibt ein Antragsteller auf einem Formular, bevor er dieses ausfüllt, steigt die Wahrscheinlichkeit dieses wahrheitsgemäß auszufüllen, signifikant an. Personalisiert man den digitalen Antrag, und positioniert den Namen des Antragstellers prominent während der Prozesses der Antragsstellung, sollte dies zusätzlich dazu führen, die Abbruchrate der Bearbeitung massiv zu verringern — denn: Personalisierte Prozesse führen zu höherer Identifikation mit einer Aufgabestellung.

… and one more thing

URLs sind eine tolle Möglichkeit mit dem Antragsteller zu kommunizieren — in motivierender, positiver Tonalität:
… und nun?

Einkaufserlebnisse sind bis ins letzte Detail optimiert, Teams von hoch ausgebildeten Experten arbeiten täglich daran, diese noch effizienter auf die Bedürfnisse des Nutzers auszurichten. Designer verbringen viele Stunden, Tage und Wochen damit, Seiten so zu optimieren, dass der Nutzer möglichst viel Zeit auf einer Seite verbringt — mit dem Wissen, dass die Inhalte oft austauschbar sind, und die nächste Ablenkung nur einen Click entfernt ist.

Ausgerechnet Services und Leistungen für Menschen in einer unglücklichen und katastrophalen Lebenssituation werden vernachlässigt. Lasst uns das ändern!