— Schriftgeschichten —


Sport und Typografie

Wenn ich in den folgenden Absätzen von Sport spreche, wird es nicht um Spiele, Kampf, Tore, Punkte, Sieg oder Niederlage gehen. Ich betrachte den Sport (leider nur) als Produkt, und dies – soweit es mir möglich ist – wertfrei. Gerne würde ich über Fragen diskutieren wie »Darf man die Namen von Fußballstadien verkaufen?«, »Muss Wimbledon werbefrei werden?« oder »Warum sieht man beim Handball vor lauter Firmenlogos das Spielfeld nicht mehr?« Das sind Themen für Fans und Funktionäre. Designer helfen gerne dabei, neue ethische Werte visuell umzusetzen. Im Moment stecken viel zu viele Sportarten bis zur Unkenntlichkeit in den Klauen des Kommerzes. Meine Meinung. Ende.

Warum ist der Sport ein mächtiger Wirtschaftsfaktor? Drei Gründe sind hierfür verantwortlich:

  • die breiten, teils gefilterten Zielgruppen,
  • die hohe mediale Präsenz und
  • das positive Image von Sportlichkeit.

Hieraus ergibt sich ein großes Potential für den Einsatz von Sport im Rahmen einer Marketingkommunikation. Trotzdem eignet sich Sport nicht für jede Marke oder jedes Produkt als Werbefundament. Das Profitieren von seiner Aufmerksamkeit ist verlockend, doch Zielgruppen, Image, Etats, Medien und Gestaltungsdimensionen wollen wohl untersucht sein.

Typografie begegnet uns im Sport auf zwei Ebenen:

  • bei der (zweckdienlichen) Ausstattung des Sportes selbst, also beispielsweise in Form von Rückennummern, Anzeigetafeln, Leitsystemen, Merchandising und dergleichen
  • bei der Selbst- und Fremdvermarktung, zum Beispiel beim Sponsoring, der klassischen Werbung, im Event -Maketing, auf Messen, in der Direktkommunikation und vielem mehr.

Wer durch eine deutsche Fußgängerzone schlendert, wird sich kaum der Kommunikation mit und über den Sport entziehen können. Junge Fußballfans tragen die Trikots mit dem Namen ihrer Helden, Gutverdiener zieren sich mit Golf- und Segelsport-Accessoires, auf Basecaps  begegnen wir den Logos der Formel-1-Sponsoren … von den jährlich wechselnden Schuhmoden der Sporthersteller ganz zu schweigen. Auch Lebensmitteln haftet das Etikett sportlich an, selbst wenn sie nicht auf dem Ernährungsplan eines Athleten stehen, wie zum Beispiel Alkoholika, Süßwaren oder Zigaretten. Sport ist überall.

Aus diesem Grund ist die Frage von gestern durchaus berechtigt: Gibt es sportliche Schriften? Freilich kann man im Prinzip fast jede Schrift für die Sportkommunikation einsetzen … es geschieht aber nicht. Ganz im Gegenteil. Als gäbe es eine geheime Absprache unter den Artdirektoren in den Werbemetropolen dieser Welt … ihre Schriftwahl scheint einem gemeinsamen Beuteschema zu folgen: geometrisch, fett, eng, schräg gestellt – die 4 typischen Eigenschaften einer sporttauglichen Schrift.

Würde man den Sport alleine aus der Sicht eines Typografen beurteilen, müsste die Quintessenz lauten: extrem rückständige Angelegenheit. Sicherlich hat der Sport eine stark konservative Komponente, wenn man an die teils hunderte Jahre alten Spielregeln denkt, die Struktur der nationalen Ligen oder die Tradition der stetig wiederkehrenden jährlichen, zweijährlichen oder vierjährlichen Turniere. Dagegen sprechen sich wandelnde Trainingsmethoden, neue Materialien und Geräte, atemberaubend gestaltete neue Sportstätten und der Hunger nach Vermarktung – mit allen damit verbundenen Ideen, Kampagnen, Stars und Sternchen.

Sportbegeisterte Typografen leiden wie Hunde, wenn sie ihre Nationalmannschaft mit dilettantisch entworfenen Schriften aufs Spielfeld einlaufen sehen. Einer von ihnen ist der holländische Designer Sander Neijnens (Letterbeeld). Bereits vor der WM 2006 beklagte er sich hier im Fontblog über die furchtbaren Ziffern auf den Trikots der Oranjes: Rote Karte für die WM-Trikot-Ziffern. Er schrieb sogar einen Kommentar zu dem Thema (Die Angst des Schrägstrichs beim Elfmeter), in dem er die Ziffern auf dem Rücken der Nationalspieler als »Klopapier«-Gestaltung brandmarkte. Ein Jahr später legte er seinen Unmut über die schlechte Sporttypografie in einem TYPO-Vortrag dar und richtete die Website www.shirtnumbers.nl ein. Es half alles nichts: Auch in diesem Jahr bei der WM in Südafrika traten die Holländer mit den gleichen naiven Rückennummern an.

Vielleicht sind manche Sportberater, Modedesigner und Beschrifter tatsächlich der Auffassung, eine geometrische, technoide Schrift sei sowohl sportlich, als auch zeitgemäß. Drohen Aufträge, sollten Designer diese Auffassung nicht gleich widersprechen. Doch neben manierierten, unlesbaren Techno-Monstern (siehe Abb. oben links) gäbe es zeitgemäße Alternativem (siehe Abb. oben rechts), die sich aufgrund ihrer gestalterischen Qualität bei den Fans nicht nur tiefer einprägen würden, sondern auch noch besser lesbar wären. Auch die Merchandising-Crew würde sich angesichts einer bezaubernden Fanshirt-Beschriftung vor Freude in die Arme fallen …

Dies sind FontShops Schriftvorschläge für eine ansehnliche, nicht-exklusive Sporttypografie – ablösefrei, geringe Transfergebühr:

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Fotos: Fontblog (2), adidas (1); Schriftmuster: Fontblog

Technik, Design und Erotik der FF-DIN-Rundschrift

Bevor sich Fontblog am kommenden Freitag für zwei Wochen in den Urlaub verabschiedet, möchte ich noch eine etwas ausführlichere Schriftgeschichte erzählen, die mir am Herzen liegt – als Naturwissenschaftler und Typograf. Dabei versuche ich die Sachverhalte so exakt wir nötig und so unterhaltsam wie möglich darzulegen, denn es geht um eine der schönsten Sachen der Welt … um Rundungen. Motorradfahrer assoziieren etwas anderes mit ihnen als Schriftentwerfer, verliebte Menschen wiederum widmen sich ihnen auf andere Art als Straßenbauer. Und doch geht die Faszination aller auf eine gemeinsam Eigenschaft jener weichen Kurven zurück, der ich heute auf den Grund gehen möchte.

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Die unglaubliche Reise des Mister K.

Julia Sysmäläinen ist genial. Ich muss das mal so simpel formulieren, auch auf die Gefahr hin, dass es als Floskel abgetan wird. Doch anders kann ich mir die Signale nicht mehr erklären, sie sie in den letzten Monaten aussendet. Und wenn man einen Menschen plötzlich nicht mehr versteht, aber fasziniert ist von dem was er tut … kann es einen unstrittigeren Beweis für Genialität geben?

Wer ist Julia Sysmäläinen? Eine sympathische finnische Designerin, die vor einigen Jahren nach Deutschland kam und bei Edenspiekermann arbeitet. Fontblog-Leser werden sie als Schöpferin der Schrift FF Mister K kennen, eine digitalisierte Schreibschrift mit OpenType-Zaubereien, inspiriert von der Handschrift Franz Kafkas, erschienen im Oktober 2008 (siehe typografie.info). Eigentlich hätte die Verbindung zu dem rätselhaften Schriftsteller, dessen Texte eine sirenenhafte Faszination ausüben, bereits eine Vorwarnung sein sollen.

Seit kurzem lässt  Sysmäläinen ihre Schrift unter der Identität @ffmisterk twittern. Als Kurzbiografie ist dort vermerkt: »Multilingual Talking Typeface. CAUTION: Not always polite.« In einer Art typografischen Kunstsprache macht ffmisterk seit Wochen Branchenvertreter oder Prominente von der Seite an. Das liest sich zum Beispiel so:

@stewf K-EHDOTUS: More INFORMATION-DENSE depiction for discussed topic !  http://twitpic.com/1wtnlf

oder so:

@BarackObama FULLY understand! When things become НЕУДОБНО later on — use:  http://twitpic.com/1vyn2u

Oder die Schrift spricht mit ihrer Entwerferin, wie vor einer Stunde:

@juliasys ME & cookbook ?! Just cut spicy ASCENDERS – best PERPETUALS + mix in СЛАДКИЕ ОСТАТКИ after CLOSING T http://twitpic.com/22w31h

Vor drei Wochen erhielt ich eine E-Mail von Julia zu einer Ausstellung im finnischen Lathi mit dem Titel »Travelling Letters – Letters in Art Tour« (18. Juni – 5. September 2010). Ich verstand zunächst nur Bahnhof. Nach stundenlangem Klicken durch finnische Kunst-Websites bat ich sie um eine verständliche Erläuterung, was dort genau geschehe. Sie schrieb: »Travelling Letters ist eine Serie von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und Design mit wechselnden Standorten in Nordost Europa. Kontinuierliches Rahmenthema ist das Verhältnis von Text, Schrift, Design und visueller Kunst. Die erste Ausstellung fand 2008 in St. Petersburg statt, gefolgt von Vilnius 2009 und Lahti 2010. Initiiert wurde das Projekt von der Vilnius Academy of Fine Arts zusammen mit dem Lahti Institute of Design.«

Die hier verlinkte Seite enthält eine Liste der 41 teilnehmenden Künstler, darunter der Schriftentwerfer Sami Kortemäki (Underware), die uns durch TYPO-Konferenzauftritte bekannten Philippe Apeloig, Ken Barber (House Industries) und Stefan Sagmeister sowie das Duo Jürgen Sanides & Julia Sysmäläinen mit ihrem Werk »Mister K: Means of Transport (yksityiskohta)«.

Das Exponat von Sanides/Sysmäläinen basiert auf der durch Kafkas Handschrift inspirierten »FF Mister K«, als Bestandteil einer Installation. Diese besteht aus Drucken, dreidimensionalen Wandtexten und einer Fahrrad-Typoplastik. Sysmäläinen über ihr Werk: »Es versinnbildlicht die Wiederbelebung des literarischen ›K‹ Franz Kafkas als digitalisierte Schreibschrift, die begonnen hat, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.«

Vollkommen ratlos aber fasziniert möchte ich zum Schluss dieses Beitrags mit den Lesern einen Blick auf ein Blatt werfen, das mir Julia als PDF sendet: »The Real Travels of Mister K«:

Abschließend noch eine Abbildung aus der Ausstellung und meine dringende Empfehlung, @ffmisterk zu folgen um in den Genuss einer wunderbar surrealen Twitter-Freundschaft zu kommen.

Stefan George und die Schrift

Der deutsche Schriftsteller Stefan George (1868 – 1933) zählt zu den bedeutendsten Lyrikern des Symbolismus und der späteren Neuromantik. Häufig trat er, im priesterlichen Gewand gekleidet, vor ausgesuchten Hörern zu Lesungen auf. Anschließend empfing er einzelne Zuhörer zu Audienzen in einem Nebenzimmer.

Georges Bücher waren außergewöhnlich gestaltet und zunächst nur in intellektuellen Kreisen gefragt. Auffallend war das Schriftbild seiner Bücher. Die Texte waren in gemäßigter Kleinschreibung gesetzt, also Versalien nur für Versanfänge, Eigennamen und Betonungen. Ab 1904 erschienen Georges Drucke in einer eigenen Schrifttype, der St.-G.-Schrift, die angeblich auf seiner eigenen Handschrift basierte. Sie war serifenlos mit optisch gleichbleibender Strichstärke.

Seit 2003 gibt es eine digitalisierte Version der George-Schrift. Als Vorlage diente eine Schriftmuster-Sammlung des Berliner Verlags Otto von Holten von 1907. Die St.-G.-Schrift, wie sie dort abgekürzt bezeichnet wurde, gab es damals in insgesamt vier Schnitten. Das Schriftmusterbuch blieb durch einen glücklichen Zufall erhalten (Berliner Stadtbibliothek), Verlag und Druckerei wurden Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört.

Alle kühnen Eigentümlichkeiten dieser Muster wie das Hochkomma und die fremdartigen Anführungszeichen wurden in die digitale Schrift übernommen. Zugleich nimmt der überarbeitete Zeichensatz die für die Gesamtausgabe von 1927ff. charakteristischen Buchstaben wie die neuen versalen A, L, V, T auf und ergänzt den Zeichensatz durch fehlende bzw. alternative Zeichen (&, @, l, langes s, …).

Auf der Seite www.textkritik.de kann die digitalisierte George-Schrift zum Preis von 25 € bestellt werden.

Diese Geschichte dient allerdings nur der Einleitung zu einigen Zitaten, die mir heute unterbreitet wurden und meines Wissens in der Welt der Typografne und Schriftentwerfer noch nicht angekommen sind. Sie stammen vom Bildhauer Frank Mehnert, der in Georges drei letzten Lebensjahren dessen ständiger Begleiter war. Mehnert gründet Mitte der 1930er Jahre mit dem Germanisten Rudolf Fahrner und dessen Freundin Gemma Wolters den Delfin-Verlag, der später Texte von Freunden Georges publiziert.

Besonders viel Energie steckte Mehnert in die Neuauflage einer Stefan-George-Drucktype. Sie sollte erneut aus Georges Handschrift geschöpft werden und die in allen Bänden gebräuchliche »Delfinletter«, die Schrift des Delfin-Verlags, ablösen. Sorgfältig wählte Mehnert die schönsten Lettern aus Georges Handschrift aus, vermaß ihre Längen und Breiten, ihre Strichstärken, Zwischenräume und Wortabstände, versuchte Schriftbreite und Verslänge des Georgeschen Werks aufeinander abzustimmen. Von einigen Handschriften Georges lässt er Vergrößerungen anfertigen, um aus den Buchstaben Lettern für den Druck zu gewinnen. Sogar als Soldat im Feld setzt er diese Arbeit fort. »Ich glaube ja immer mehr«, schreibt er mit der Feldpost aus Russland, »dass die schrift auch einer jener hebel ist die ganz unabsehbar viel in bewegung setzen können.«

Die Leiterin des George-Archivs in Stuttgart Ute Oelmann (»Fürs schönheit verlangende Auge«, Sonderausstellung im Rahmen der 3. Stuttgarter Antiquariatsmesse 2009) zitiert Mehnert wie folgt: »Die größten Revolutionen des Menschengeistes gehen auf Letternfüßen einher. Kein anderer Künstler nähert sich der Welt in so subversiver Absicht wie der Erfinder einer neuen Schrift. Indem er die Träger der Transmission zu seinem primären Material macht, greift er ins Räderwerk der intellektuellen Konventionen. Als metallische Glieder eines geschmeidigen Körpers sind die Lettern minimale Konstanten endloser Variation – caractères, wie die Franzosen sagen: Atome, Gene und Merkzeichen des Intellekts. Nirgends zeigt sich dieser unverhüllter, nirgends verbirgt er sich besser als unter den zwei, drei Dutzend schwarzer Kiesel, über die der lesende Geist springt, wenn er das Flussbett der materiellen Welt durchquert.«

Klaus Mehnert fällt, bevor sein Werk einer neuen StG-Schrift vollendet ist. »Die geplante Auferstehung des Meisters in der Schrift findet nicht statt.« (Oelmann)

(Abb 1: »Das Jahr der Seele«, Titelblatt, Quelle Wikipedia; Abb 2: St.-G.-Schriftmuster, Quelle www.textkritik.de; Textquelle: Ulrich Raulff, Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben, 2. Aufl., München 2010, S. 200 f.)

Der Hadopi-Krimi, ungekürzt und in Deutsch

Vor einer Woche sprach ich eine dringende Leseempfehlung aus: die Recherche unseres Kollegen Yves Peters im FontFeed über den Einsatz einer geklauten Schrift im Corporate Design der französischen Anti-Piracy-Organisation Hadopi. Ich bedauerte, den Beitrag nicht in übersetzter Form hier im Fontblog veröffentlichen zu können. Unser Leser Alexander Ihle sprang sofort ein und sendete mir wenige Stunden später den deutschen Text.

Vielen Dank Alexander, dass wir die Geschichte nun alle schnell und verständlich lesen können. Als Dankeschön geht noch heute der unbezahlbare Kalender Carte Blanche an dich raus, konzipiert und mit 10 Druckfarben gestaltet von Wehr & Weissweiler. Den gibt es nirgendwo zu kaufen, er ist inzwischen vergriffen … 5 Exemplare allerdings liegen auf meinem Schreibtisch, ein Geschenk von W&W für verdiente Fontblog-Aktivisten. Danke an Euch beide.

Jürgen Siebert

Es ist eher selten, dass typografische Themen in den Abendnachrichten landen. Ein Beispiel ist Peter Verheuls eigens für die niederländische Regierung angepasste Schriftfamilie Rijksoverheid, die Gegenstand der nationalen Fernsehnachrichten war. Keine breite Öffentlichkeit bekamen die heftigen Reaktion der Designerszene auf den Wechsel Ikeas zur Allerweltsschrift Verdana oder die Entrüstung der Typogemeinde über den Einsatz der abgedroschenen Papyrus in James Camerons Blockbuster Avatar (mehr darüber in der nächsten Ausgabe von ScreenFonts).

Beide Fälle waren nur Insidern bekannt. Der jüngste Fall eines Font-Fails Mitte Januar verbreitete sich jedoch wie ein Lauffeuer im französischen Internet, wurde von den großen Nachrichtenmedien aufgegriffen und bekommt mittlerweile sogar internationale Aufmerksamkeit. Warum? Weil sich mit Sicherheit sagen lässt, dass die Geschichte um das Hadopi-Logo in die Kategorie »epic Fail« einzuordnen ist – dieser Ausdruck steht im Internet-Slang für die amüsante Kombination aus Versagen aufgrund mangelnder Kompetenz (oder gesundem Menschenverstand) auf der einen Seite und bittersüßer Ironie auf der anderen. Die vielfältigen Ebenen des Versagens machen den Hadopi-Fall zu einer besonders tragische Geschichte.

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Schriften sind Schauspieler des geschriebenen Wortes

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Nicht immer fällt es Experten leicht, ihr Tun einem Laien zu erläutern. Kann sein, dass es Handwerkern eher gelingt als Dienstleistern, doch ganz sicher ist das Feld Design für Außenstehende ein unsagbar abstrakter Kosmos, vor allem die Sparte Kommunikationsdesign und Typografie.

Manchmal helfen Analogien aus vertrauten Branchen weiter. Die aktuelle Imagekampagne Was uns antreibt der Volks- und Raiffeisenbanken (VR) regt mich zur Brücke an, Schriften als Schauspieler zu betrachten. Während die menschlichen Darsteller das gesprochene Wort auf die Bühne (oder ins Hörbuch) bringen, inszenieren Schriften das geschriebene Wort.

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Es gibt männliche und weibliche Schauspieler. Schriften haben kein Geschlecht, aber eine Ausstrahlung, der man durchaus das Etikett männlich oder weiblich anheften möchte (vgl.: »Die neue FF Yoga: eine Schrift für Mädchen?«). Manche Schriften verkleiden sich, andere wollen allen gefallen und geben sich gerne geschlechtslos (vgl.: »Helvetica … die Schrift ohne Eigenschaften.«).

Spricht eine Schrift laut, ist sie groß gesetzt. Flüstert sie, können wir den Text kaum lesen, so klein ist er gedruckt. Die einen sind stark geschminkt, die anderen verrückt angezogen. Es gibt sexy Schriften, unauffällige, extrovertierte, falsch besetzte und eingebildete Schriften. Zum Glück brauchen sich die Leser (Zuschauer) keine Gedanken um die Besetzung oder die Qualität eines Schriftschauspiels zu machen: Wenn es gefällt, geben sie Applaus und empfehlen die Aufführung weiter.

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Um so bedauerlicher ist es – und da unterscheiden sich die Designer und ihre Auftraggeber ein wenig von den Regisseuren und Theatermachern –, dass viele »Experten« die Rolle der Schrift nicht kennen oder schlicht missachten. Ihnen ist es egal, welcher Schauspieler die mit Mühe und Sorgfalt geschriebenen Worte in Szene setzt. Man heuert den nächstbesten Darsteller an, egal ob er sich für die Rolle eignet oder seine Ausstrahlung dem Stil des Hauses entspricht.

Viel zu oft passt in der kommerziellen Typografie nicht zusammen was zusammen geschnürt wird. Manche Provinzbühne gibt sich mehr Mühe bei der Besetzung einer Komödie als ein Großunternehmen bei der Wahl seiner Haus- oder Kampagnensschrift. Konsequenz: Die Zuschauer schauen weg, bzw. blenden misslungene typografische Inszenierungen einfach aus. Diese Abkehr lässt sich leider viel schwerer messen als ein unausgelastetes Theater.

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Die Imagekampagne der Volks- und Raiffeisenbanken wurde von der Berliner Agentur Heimat im Mai 2009 auf die Schienen gesetzt (kreative Leitung: Matthias von Bechtolsheim und Guido Heffels). Inzwischen existieren über 80 Bild/Schrift-Motive, wobei sich die Zahl stets ändert, weil die regionalen Banken – das sind 1200 eigenständige Institute – selbst eigene Motive nach dem Layoutrahmen der Agentur mixen. Um typografische Beliebigkeit zu vermeiden, sehen die CD-Richtlinien für eigenproduzierte Motive als Fallback die hauseigene Frutiger VR vor.

Die inzwischen mehrfach preisgekrönte Kampagne (Horizont, New Business, ADC)  ist ein verständliches Beispiel dafür, wie Schrift schauspielt. Selbstverständlich darf sie nicht als Empfehlung missverstanden werden, eine Serie von Anzeigenmotiven mit 3 Dutzend verschiedener Schriften aufzusetzen. Es ist Teil des Konzepts der VR-Kampagne, diesen Weg zu beschreiten … kopieren zwecklos!

In dem ein oder anderem Fall hätte ich mir eine weniger naheliegende dafür aber raffiniertere Schriftwahl gewünscht (nicht immer Veronica Ferres oder Heino Ferch), auch auf die Anführungszeichen hätte ich verzichtet … doch das sind Peanuts, um mal im Bankenjargon zu bleiben. Die Kampagne hat hohe Qualität.

Die neue FF Yoga: eine Schrift für Mädchen? Interview!

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Interview mit dem Schriftentwerfer Xavier Dupré

Die neue Schriftfamilie FF Yoga von Xavier Dupré wurde schon bejubelt, bevor sie erschienen war. Einige vorab veröffentlichte Buchstaben und Mustersätze reichten aus, um Schriftexpert(inn)en in Entzücken zu versetzen. Zum Beispiel Indra Kupferschmid: »Heute habe ich meine neue typografische Liebe gefunden – eine Schrift für Mädchen?«.

FF Yoga ist eine Schriftsippe, bestehend aus je 4 Schnitten Sans und 4 analogen Schnitten Serif. Interessant ist ihre Entstehungsgeschichte. Während vergleichbare Konzepte meist mit einer fertigen Serif-Familie beginnen, aus der eine Sans abgeleitet wird (z. B. FF Scala, FF Quadraat, …), entwickelte Dupré beide Varianten parallel. Warum diese Vorgehensweise für ihn besser funktioniert und wieso das Endergebnis anders wird, erklärte mir Xavier Dupré in einem Interview, das ich für das Magazin Design Made in Germany führt. Dort liegt das Interview auch in gestalteter Form als PDF (10 S., 1,5 MB) laden, natürlich gesezt aus FF Yoga.
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„Der Körper eines Buchstabens ist mit dem eines Menschens vergleichbar — und beide interessieren mich brennend.“ (Xavier Dupré)

yoga_spannungFontblog: Wann und mit welcher Intention hast du die Schrift Yoga entworfen?

Xavier Dupré: Meine Arbeit an Yoga begann vor rund zwei Jahren mit dem Ziel, eine nüchterne und vielseitige Schriftfamilie zu entwerfen, die Originalität und Balance verbindet. Sie sollte noch besser für Mengentexte geeignet sein als meine Malaga, jedoch gleichermaßen ausdrucksstark, dank kräftiger Serifen und raffiniertem Kontrast.

Was inspirierte dich zu Yoga?

Mein gesamtes Schaffen ist vom humanistischen Stil beeinflusst, also vor allem vom holländischen und zeitgenössischen amerikanischen Typedesign. Und natürlich schwingt immer meine Leidenschaft für die Kalligrafie mit. Bei FF Yoga haben mich wahrscheinlich Gerard Ungers und Fred Smeijers’ Arbeiten am meisten beeinflusst.

Was bedeutet es, eine Sans und eine Serif parallel zu entwickeln?

Für mich ist es einfacher und interessanter, beide gemeinsam zu entwerfen, weil ich ständig umschalten kann zwischen Sans und Serif. Wenn ein Baustein im einen oder anderen Fall nicht funktioniert, kann ich ihn gleich über Bord werfen. So habe ich immer einen Überblick über das gesamte Werk.

Worin siehst du die Stärke der FF-Yoga-Familie?

Die Stärke der Familie ist ihre ausgezeichnete Lesbarkeit, gepaart mit kuriosen Details, die ihr Persönlichkeit geben. Die Sans hat ein recht lineares Design, vergleichbar einer Gill Sans. Doch in Kombination mit der Serif ergibt sich ein Spannungsbogen zwischen neutral und persönlich. Die kräftigen Serifen helfen beim Lesen kleinerer Texte und verleihen dem Schriftbild einen Bleisatzeffekt.

Planst du Erweiterungen für die Sippe?

Ja. Meine ursprüngliche Idee war die Ent- wicklung eines Schriftsystems für alle Anfor- derungen. Ich habe bereits mit dem Entwerfen optischer Größenvarianten für die Yoga Serif begonnen und mit Display-Fassungen der Yoga Sans. Aber ich brauche noch Zeit. Außer- dem arbeite ich parallel an zu vielen anderen Schriftfamilien.

Warum hast du die Schrift Yoga genannt?

Ich kam auf den Namen, weil ich vor einem Jahr das Yoga in Indien kennengelernt habe und es noch heute jeden Morgen nach dem Aufstehen praktiziere. Yoga hilft, dem Körper Elastizität, Balance und Spannung zu geben, Eigenschaften, die ich auch beim Schriftdesign als wichtig erachte. Der Körper eines Buchstabens ist durchaus mit dem eines Menschens vergleichbar – und beide interessieren mich brennend.

Vielen Dank.

FF Yoga Pro auf fontshop.de …

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Der Yoga-Steckbrief (PDF; klicken zur Vergrößerung): Schriftmuster, Familienübersicht, OpenType-Feature-Übersicht und Klassifizierung

SW-Foto: Matthieu Spohn (© PhotoAlto)

Bestenlisten 2009 von Fontwerk und Typefacts

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Die renommierten Font-Experten Ivo Gabrowitsch (Fontwerk) und Christoph Koeberlin (Typefacts) haben vor wenigen Minuten zeitgleich ihre beiden Schrift-Bestenlisten 2009 veröffentlicht. Obwohl die zwei im richtigen (Arbeits-)Leben eng zusammenarbeiten, gibt es kaum Überschneidungen, denn die LIsten entstanden natürlich in ihrer Freizeit.

Ivo hat mir verraten, dass er über die Feiertage fast 2 Wochen in die Recherche und die Bebilderung seines Rankings gesteckt hat. Er ließ sich alle nominierten Fonts im Original zustellen und untersuchte sie mit der Akribie eines Warentesters. Am Ende entschied er sich für 10 Gewinner, darunter Schriften von den Typejockeys, Büro Dunst, Primetype, Typotheque und Phospho. Sehr anregend!

Christoph Koeberlin steckte ebenfalls eine Menge in die Präsentation seiner 12 Siegerschriften. Alle Abbildungen lassen sich mit der Flash-Lupe detektivisch genau untersuchen. Die Wahl fiel ihm nicht leicht, denn es war seiner Ansicht nach »ein sehr ergiebiges Jahr mit sehr vielen wunderbaren Schriften!« Am Ende entschied er sich unter anderem für Schönheiten von Bold Monday, Linotype, Optimo, Enschedé, Restalten, Re-Type und HVD-Fonts. Tolle Entdeckungen!

Mein unbedingter Lesetipp für diese Woche:
Die besten Schriften 2009 von Fontwerk
Die besten Fonts 2009 von Typefacts:

Aus der Zeitungsspalte ins Fontmenü: FF Dagny

Dagens Nyheter p 1 Sep. 17th 2009

Der 4. Teil und letzte unserer FontFont-Neuvorstellungen* widmet sich FF Dagny, die ursprünglich für die größte Schwedische Morgenzeitung Dagens Nyheter (»Nachrichten des Tages«) entwickelt wurde. Wie sie entstand, warum sie heute anders aussieht und wo es den kostenlosen OpenType-Probierfont FF Dagny Thin gibt … alles in diesem Beitrag.
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Wie die neue Unit-Slab-Schriftfamilie entstand

Achtung, dies ist nur ein raffiniertes Unit-Slab-Schriftmuster im Schablonen-Look (klicken zum Vergrößern), entworfen von Alexander Roth bei FSI, … tatsächlich ist eine echte Unit Slab Stencil weder lieferbar, noch entworfen

Gestern erschien die neue Spiekermann/Schwartz/Sowersby-Schriftfamilie FF Unit Slab im FontShop. Zur schnellen Orientierung stelle ich einfach mal die Frage: Wie ist sie einzuordnen? Ihre Entwerfer formulieren die Verwandtschaft so: »Wenn FF Unit die große Schwester von FF Meta ist, dann sind Unit Slab und Meta Serif Großcousinen.« Während Meta Serif die spleenigen Windungen des Sans-Originals aufgreift, sind die Endstriche der Unit Slab kraftvoll und selbstbewusst angelegt. Das stabile, nüchterne Auftreten der Grundform ruft nach einem massiven Serifenmodell. Zum Teil erinnert das Ergebnis an Schreibmaschinentypen der 50er und 60er Jahre, speziell jene Formen, deren linke Serifenhälfte aus Platzmangel amputiert wurde.

Ihre Vorpremiere feierte Unit Slab bereits im Frühjahr 2009, als Hausschrift des frisch gegründeten Designunternehmens Edenspiekermann (Startseite, mit Unit Slab im Einsatz). Doch die Entwicklung der Schriftfamilie begann bereits vor mehr als 2 Jahren.

Als Erik Spiekermann und Christian Schwartz mit dem Entwurf von Meta Serif begannen, spielten sie bereits mit Ideen für eine Unit Slab, die entweder parallel oder kurz nach der Veröffentlichung von Meta Serif begonnen werden sollte. Weil FF Meta und FF Unit so viele Gemeinsamkeiten haben, lag es nämlich nahe, die beiden Serif-Versionen der Basisschriften so anzulegen, das sie sowohl mit der einen als auch der anderen Sans harmonieren könnten.

Meta, die starke humanistische Züge aufweist, musste zu einer traditionellen Antiqua führen, während Unit die perfekte Ausgangsbasis für eine Egyptienne (Slab Serif) in sich trägt, zumal das i und das j mit ihren Halbserifen bereits die Anlagen in sich trugen. Mit diesem Background machten sich Kris Sowersby und Christian Schwartz daran, die ersten Serif-Testwörter für beide Schriftsippen parallel auszuarbeiten. Unit Slab war bereits halbfertig, als Meta Serif im November 2007 herauskam. Dann begann die Feinarbeit.

Der folgende Protokollausschnitt vermittelt eine Vorstellung des Abstimmungsprozesses zur kursive Version der Unit Slab:

1. Sogar das f scheint bei dieser Strichstärke etwas zu ›schwer‹ am Kopf.
2. Bogenform: siehe Sans Italic.
3. Größerer Winkel bei Thin, Black, Ultra oder weniger bei Regular. Ich bevorzuge Black & Ultra, glaube aber, dass sie etwas extrem sind. Lass sie etwas überhängen und verringere den Winkel an diesem Zeichen – oder mach etwas, was für dich am besten aussieht.
4. Etwas weicher und am Ende ein bisschen mehr hochziehen. Ich möchte den Winkel eher auf dieser Seite der Innenform spüren.
5. Schau Dir die Alternates in den .vfb-Dateien an und wende es auf alle Strichstärken an. Und: Wenn du in der Roman keinen Schnabel hast, warum in der Italic?
6. Siehe Sans Italic.
7. Den Bogen etwas tiefer? Siehe Sans Italic.

Und so sehen die Testwörter heute aus, gesetzt aus Unit Slab Light Italic und Unit Slab Regular Italic (klicken zum Vergrößern):

Die Arbeit an Unit-Slab dauerte schließlich fast 3 Jahre, nicht zuletzt, weil sie – neben ihren 7 Strichstärken (Thin, Light, Regular, Medium, Bold, Black, Ultra) plus 7 Kursive plus 7 Small Caps – zu einem exquisiten OpenType-Familie ausgebaut wurde, mit breiter Sprachunterstützung (OT Pro) und Features wie: Ligaturen, historische Formen, Kapitälchen, Kapitälchen aus Versalien, kontextbedingte Varianten, Versalspationierung, Versalziffern, Proportionalziffern, Tabellenziffern, Brüche, Zähler, Nenner, Ordnungszahlen, wissenschaftliche Tiefstellung, Hochstellung, Tiefstellung sowie einem Dutzend stilistischer Varianten.

Das gesamte Leistungsspektrum der Schrift sowie ihre Entstehungsgeschichte, dazu ungezählte Schriftmuster und Hintergrundinfos liefert das von FSI konzipierte und gestaltete 28-seitige Schriftmuster-PDF FF Unit Slab (PDF, 28 S, 4,5 MB).

Die Korrekturen und Diskussionen über das Aussehen der Schrift sind auf 4 Seiten dokumentiert. Eine Doppelseite widmet sich ausführlich den Kombinationsmöglichkeiten von Unit Slab mit der Meta- und der Unit-Sippe. Fazit: Unit Slab wirkt überzeugend stark in Headlines (Präsentationen, Corporate Design, Editorial, Packaging, …) und eignet sich bestens als Auszeichnungsschrift in Texten gesetzt aus FF Meta, FF Unit und sogar FF Meta Serif (hier zum Beispiel als kontrastreiche, robuste Kursive). Auf weiteren 3 Seiten kommen die OpenType-Features der Schrift zur Sprache, dargestellt mit anschaulichen Beispielen. Den Abschluss der Broschüre bilden Informationen über den Sprachausbau, von Afrikaans bis Yiddish.

Die Flexibilität der FF Unit Slab drückt sich auch in der Vielfalt der Produkte im FontShop aus: 21 Pakete bieten sich an, schon heute – fast maßgeschneidert – typografische Kommunikationsaufgaben zu lösen. Einzelschnitte gibt es ab 46,– €. Zur FF Unit Slab im FontShop …

FF Dingbats 2.0: »weltbewegte« PDF-Broschüre

Mit FF Dingbats erschien 1993 erstmals eine ästhetisch durchkomponierte Sammlung von Symbolen für die digitale visuelle Kommunikation, entworfen von Johannes Erler und Factor Design. Vor wenigen Wochen stellte FontFont die komplett überarbeitete FF Dingbats 2.0 vor (Fontblog berichtete). Aus 8 Fonts wurden durch die Aufnahme von mehreren hundert neuer Zeichen 12 Fonts. Alle Figuren wurden überarbeitet, Sortierung und Namensgebung verständlicher gelöst. Im Zeichensatz »Strong Forms« sind gebräuchliche Symbole etwas kräftiger gezeichnet. Eine OpenType-Funktionen erlaubt farbige Binnenräume.

Wer sich ausführlicher über FF Dingbats 2.0 informieren möchte, besuche die eigens eingerichtete Internetseite FF Dingbats Font.com [engl.], die unsere Kollegen bei FontShop USA gestaltet haben. Teilnehmer der TYPO Berlin 2009 erhielten mit der Konferenztasche eine von Factor Design konzipierte und gestaltete limitierte Dingbats-2.0-Broschüre. FontFont-Herausgeber FSI hat diese Broschüre nun übernommen, leicht überarbeitet und ins Englische übersetzt, um sie demnächst auf der Dingbats-Site als PDF zum Download anzubieten.

Die wunderbare Titelseite gestaltete Alexander Roth bei FSI, der sich von der goldenen Platte der Pioneer-Weltraum-Mission inspirieren ließ. Die Tafel wurden 1972 in der Hoffnung entworfen, etwaige intelligente, außerirdische Lebensformen könnten dadurch von der Menschheit und ihrer Position im Universum erfahren, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering sei.

Die deutsche Version gibt es schon heute, hier im Fontblog: FF-Fingbats-2.0-Broschüre (PDF, 1,8 MB, 29 S)

Joos – eine Schrift, die man sich merken muss

Im Moment besteht sie nur aus einem Schnitt, die aufrechte Italic Joos, entworfen von Laurent Bourcellier, erschienen bei typographies.fr …. doch sie hätte Zuwachs verdient. Joos basiert auf einer Vorlage des belgischen Druckers Joos Lambrecht aus dem 16. Jahrhundert. Er lebte und arbeitete in Gent und galt als einer der wichtigsten Drucker in dieser Zeit. Über Jahre versuchte er die Frakturschrift durch die Antiqua abzulösen. Mit Erfolg. Er schnitt einige bemerkenswerte Antiquas, darunter die aufrechte Kursive, die als Vorlage für Joos diente. Die digitalisierte Version fühlt sich den kursiven Formen eines Francesco Griffo verpflichtet, erfreut jedoch mit zeitgenössischen Details, wie sie bei vielen holländischen Schriften zu finden sind. Weitere Informationen in einem ausführlichen PDF.