Nationaler Designpreis in neuen Händen

Seit Jahren Thema im Fontblog und heftig disku­tiert: Der Design-»Preis der Preise« ist. Ins Rollen gebracht wurde die Debatte vor fünf Jahren mit einem offenen Brief von Juli Gudehus an den dama­ligen Wirtschaftsminister Michael Glos, den sie hier im Fontblog veröf­fent­lichte: Offener Brief von Juli Gudehus. Nach PAGE, Süddeutsche und FAZ griff das ARD-Wirtchaftsmagazin WiSo das Thema auf, Jury-Mitglieder legten ihr Amt nieder (»Preis schadet dem Ansehen des deut­schen Designs …«), ange­se­hene Designer – zum Beispiel Mirko Borsche – distan­zierten sich öffent­lich von dem Preis.

Nun endlich wird der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland refor­miert. Die vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie gestif­tete und seit 1969 jähr­lich für Spitzenleistungen in den Kategorien Produkt- und Kommunikationsdesign verge­bene Auszeichnung wird in neuem Gewand ausge­lobt. Die Eckpunkte des Preises werden neu ausge­richtet, sein Erscheinungsbild wird geschärft und seine Wahrnehmbarkeit erhöht.

Der Parlamentarische Staatssekretät beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Hans-Joachim Otto, erläu­terte heute in Berlin gegen­über der Presse: »Gutes Design ist ein Alleinstellungsmerkmal und stei­gert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Dies unter­streicht auch der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, der die Besten für ihre Design-Spitzenleistungen auszeichnet. Es ist wichtig, dass wir – so wie unsere Designer – auch bei der Ausgestaltung von Auszeichnungen mit der Zeit gehen. Deshalb begrüße ich, dass der Designpreis in Organisation, Inhalt und Außendarstellung moder­ni­siert wurde. Mit einer Kombination aus Bewährtem und Neuem werden wir dafür sorgen, dass der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland seine Spitzenstellung als ›Preis der Preise‹ weiter festigt.«

Zu den Neuerungen des Designpreises:

  • Ausschreibung, Prämierung der Arbeiten und die Preisverleihung werden im selben Kalenderjahr statt­finden. Dieser neue zeit­liche Ablauf unter Vermeidung von Jahreswechseln beugt Mißverständnissen vor, macht die Organisation kompakter und und den Preis verständ­li­cher.
  • Die Vergabe wird zukünftig in Berlin statt­finden. Die Durchführung der Preisverleihung als gesell­schaft­li­ches Ereignis jeweils im Herbst eines Jahres soll die Ehrung aufwerten und brei­teres Besucher- und Medieninteresse schaffen.
  • Mit der Einführung der zusätz­li­chen Kategorie Ökologisches Design wird dem Aspekt der Ressourcenschonung Rechnung getragen.

In einer erst­malig durch­ge­führten Ausschreibung wurde das Team von DMY Berlin als Ausrichter des Designpreises für das Jahr 2012 ausge­wählt. DMY verfügt über Erfahrung in der Ausrichtung von Designveranstaltungen und führt das Wettbewerbsverfahren als Dienstleistungskonzessionnehmer auf eigenes wirt­schaft­li­ches Risiko durch. Über die in der Vergangenheit kriti­sierten Kosten und Gebühren für die Teilnehmer wurden heute noch keine Details veröf­fent­licht.


23 Kommentare

  1. Christian Büning

    Endlich ein öffent­li­ches Einlenken nach mehr als unter­ir­di­schen Zuständen.
    Die Wettbewerbsbedingungen sind schon online (http://​static​.dmy​-berlin​.com/​2​0​1​2​/​b​u​n​d​e​s​d​e​s​i​g​n​p​r​e​i​s​/​f​a​c​t​s​h​e​e​t​_​b​u​n​d​e​s​d​e​s​i​g​n​p​r​e​i​s​_​2​0​1​2​.​pdf):
    Die Anmeldung wird mit 350 € netto veran­schlagt, weitere Gebühren fallen nicht an. Die Kosten für die Annahme der Nominierung (ein Schmankerl der Öffentlichkeitsarbeit) sind eben­falls getilgt. Ebenfalls neu ist die offene Anmeldung. Bisher musste man einen der natio­nalen oder inter­na­tio­nalen soge­nannten Wettbewerbe gewonnen haben.

    Es bleiben Fragen offen: Warum gibt es weiterhin keine Dotierung? Warum diese Fokussierung auf Produktdesign?

    Fazit:
    Unterirdisch ist der Bundesdesignpreis so in der Tat nicht mehr, aber leider noch nicht die Auszeichnung, die für den Designstandort Deutschland passend wäre.

  2. Florian Pfeffer

    erwäh­nens­wert an dieser stelle: der rat für form­ge­bung führt weiterhin einen wett­be­werb durch mit dem titel „german design award“. das logo dieses wett­be­werbes ist das selbe, das in der vergan­gen­heit für den „design­preis der bundes­re­pu­blik deutsch­land“ verwendet wurde (nämlich das zeichen des rat für form­ge­bung). welcher von beiden ist denn nun der premium-preis-der-preise-oskar-der-design­branche?

    siehe: german design award des rat für form­ge­bung

    abge­sehen davon: eine kate­gorie „ökolo­gi­sches design“ in einem design­wett­be­werb dürfte es gar nicht geben. es sollten nur produkte einen design­preis gewinnen können, die ressourcen schonen oder noch besser: ressourcen schaffen. das ist ein bestand­teil guter gestal­tung. es gibt doch auch keine eigene kate­gorie für „ästhetik“.

    mir wird immer klarer, warum wir seit 4 jahren an keinen design-wett­be­werben mehr teil­ge­nommen haben.

  3. erik spiekermann

    Leider steht in der Ausschreibung nicht, wer in der Jury ist. Ohne Nennung der Jury kann man sich kein Bild von einem Wettbewerb machen. Deshalb empfiehlt u.a. der BDG an einem Wettbewerb nur teil­zu­nehmen, wenn die Jury in der Ausschreibung genannt wird. Wenn da nur Leute aus dem Ministerium sitzen oder Designfunktionäre, wird das Niveau entspre­chend sein. Mit meinem Urteil halte ich mich deshalb zurück und gehe wieder zur Preisverleihung des nun German Design Award genannten Wettbewerbes des Rats für Formgebung am 10.2. in Frankfurt.

  4. Florian Pfeffer

    ups, sorry, korrektur meines beitrages #2: der design­preis der bundes­re­pu­blik deutsch­land hat in der vergan­gen­heit nicht das logo des rat für form­ge­bung getragen, sondern ein eigenes (das er nun auch noch weiter trägt mit neuen veran­stal­tern) … die verwechs­lungs­ge­fahr ist aber dennoch da.

  5. Juli Gudehus

    Leider handelt es sich nicht nur um alten Wein in neuen Schläuchen, sondern außerdem um Augenwischerei: gerechnet mit meinen alten Zahlen von 2006 (mehr als 800 Nominierten und 25 Sieger) verdient das Wirtschaftsministerium (oder DMY?) nach der jetzigen »Reform« nicht 240.000 Euro, sondern 280.000 Euro, denn die Teilnahme kostet jetzt nicht mehr 210 Euro plus 2.900 Euro von jedem Gewinner, sondern einmalig 350 Euro.

  6. erik spiekermann

    Juli hat recht. Ist ja auch klar, denn jeder Veranstalter muss damit Geld machen. Das Ministerium hat sich nur dem Druck gebeugt, den andere Institutionen ausgeübt haben, die dem Rat für Formgebung das Privileg des bedeu­tendsten deut­schen Designpreises nie gegönnt hatten. Es kann durchaus sein, dass der Preis nächstes Jahr von IF oder Red Dot durch­ge­führt werden wird. Damit ist das Ganze quasi-markt­wirt­schaft­lich geworden, denn das muss ein FDP Ministerium doch fordern. Und da es keine Subventionen mehr geben soll (die braucht ja die arme Autoindustrie für die Erfindung des Elektroautos, die sie verschlafen hat), muss jeder Veranstalter mit den glei­chen Umständen kämpfen wie der Rat bislang. Umsonst gibt es nichts mehr für unsere Szene, weil die Steuern anderswo gebraucht werden.

  7. Mick

    »Umsonst gibt es nichts mehr für unsere Szene, weil die Steuern anderswo gebraucht werden.«

    Das tut mir wirk­lich leid. Als Außenstehender finde ich das ziem­lich pervers, einen Preis auszu­loben für den man selbst bezahlen muss und dass das Ministerium ein Geschäft damit macht (oder es ausla­gert), statt drauf zu zahlen. Traurig! Bei allen anderen Preisen und Auslobungen gönnt man dem Nominierten und Gewinnern ja auch noch ein Hotel. Man ist froh, die Stars der jewei­ligen Szene über­haupt zu bekommen. Am besten kollek­tiver Boykott der Veranstaltung statt Selbstausbeutung bis alle ihre Lektion gelernt haben. So eine Veranstaltung kann es ja auch nur geben weil Menschen/Designer das mitma­chen.

  8. Christian Büning

    Das Wirtschaftsministerium scheint nicht allzu viel von Kommunikationsdesign zu halten. Wirklich schade, dabei müsste auch ein ernst gemeinter Wettbewerb nicht einmal groß­ar­tige Kosten produ­zieren. Förderung sieht leider anders aus.

  9. koni

    @christian:

    Kategorien
    Mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland werden Spitzenleistungen auf dem Gebiet des Produktdesigns (Serienerzeugnisse aller Branchen), des Kommunikationsdesigns (analoge und digi­tale Medien sowie 3D- und Livekommunikation) und heraus­ra­gende Arbeiten aus dem Bereich ökolo­gi­sches Design ausge­zeichnet.

    Zitiert aus Deinem Link oben.

    So ganz nebenbei: wenn sich mit den Eitelkeiten von Gestaltern Geld verdienen läßt, warum nicht? Steuergelder da aber rein­ge­steckt hielte ich dann doch für unan­ge­messen. Die sind sinn­voller in die Ausbildung inves­tiert.

  10. Florian

    11 Jahre alt, trifft aber immer noch den Nagel auf den Kopf:
    http://​www​.award​win​nin​ga​ward​.com/

  11. Mick

    »So ganz nebenbei: wenn sich mit den Eitelkeiten von Gestaltern Geld verdienen läßt, warum nicht? Steuergelder da aber rein­ge­steckt hielte ich dann doch für unan­ge­messen. Die sind sinn­voller in die Ausbildung inves­tiert.«

    Na ja, das Ministerium schmückt sich damit Preise auszu­loben und Initiator dieses zu sein, die TN dafür zahlen zu lassen finde ich schon ziem­lich dreist. Außerdem–das sage ich als Nicht-Designer–dient das Design der Gesellschaft an allen Ecken und Enden und das fängt ja beim Logo des Bundesministeriums etc an, wieso sollten dann also nicht auch Steuergelder für Auszeichnungen für heraus­ra­gendes Design verwendet werden? Ich finde diese Kritik völlig unsinnig. Ob jemand eitel ist oder nicht ist erst mal eine Unterstellung und selbst wenn jemand eitel ist und seine Arbeit dient der Gesellschaft, wieso sollte er nicht auch einen Preis von Steuergeldern bekommen? Das Bundesministerium feiert SICH als Preisgeber, es feiert die Designer als DEUTSCHE Leistungsträger die Deutschland mit ihrer Kunst und Handwerk schmü­cken und Designer sollen dafür bezahlen. Das kapier ich nicht. Das Argument mit der Ausbildung ist ein Scheinargument/Totschlagargument, natür­lich ist Ausbildung wichtig, aber auch Anerkennung von Leistung ist wichtig, die ja erst Mehrwert schafft mit dem Ausbildung wieder finan­ziert werden kann.

    Allerdings, so lange Designer das mitma­chen, wird sich das wohl auch nicht ändern. Es bedarf immer mindes­tens zwei Parteien für so eine Schräglage.

  12. Raban Ruddigkeit

    Verallgemeinerungen führen selten zum Ziel. Awards sind – wenn sie ordendlich gemacht sind – hilf­reich und in ihrer Sportlichkeit durchaus ziel­füh­rend, was Innovationspotentiale angeht. Ein gutes Beispiel; der European Design Award. Mehrere Faktoren sorgen dafür, daß man sich dort ganz gut aufge­hoben fühlt.

    1. Kosten; Je Arbeit (egal wieviel Charts, Erklärungen etc.) sind 120 Euro fällig. Ein Kostenpunkt, der nach­voll­ziehbar und machbar ist.

    2. Jury; Chefredakteure aller euro­päi­schen Designzeitschriften, womit nicht nur für Qualität, sondern auch für ordent­lich PR gesorgt ist.

    3. Publikation; Zur Preisverleihung, die ein Quartal nach Einreichung statt­findet, erhält man das gedruckte Buch, das einen wunder­baren Überblick über die verschie­densten Kategorien darstellt. Kostenlos, wohl­ge­merkt.

    Der Wettbewerb ist noch relativ jung, aber zumin­dest für mich ein Model, wie man so etwas privat­wirt­schaft­lich aufstellen kann und dennoch alle Beteiligten Nutznießer sind. Eine wahre Win-win-Situation, an der sich insbe­son­dere deut­sche Veranstalter ein Beispiel nehmen könnten.

    Darüber hinaus glaube ich, dass es sich mal wieder lohnen würde, gemeinsam eine Award-Auswahl zu treffen, die dann für Rankings (Page etc.) Gültigkeit besitzen. Das haben die Werber mal gemacht, weil es irgend­wann einfach zuviel wurde. Im Designbereich geht es gerade in diese Richtung …

    LG R

  13. koni

    @ Mick

    Allerdings, so lange Designer das mitma­chen, wird sich das wohl auch nicht ändern. Es bedarf immer mindes­tens zwei Parteien für so eine Schräglage.

    Eben! Und ganz nebenbei leben wir in einer kapi­ta­lis­tisch-orga­ni­sierten Gesellschaft in der der Wert auch einer Designleistung vom Auftrageber vergütet wird. Ich nehm mal an, daß preis­wür­dige Arbeiten so übel nicht vergütet wurden/werden. Eh schon Privilegierte also auch noch aus klammen öffent­li­chen Kassen zu subven­tio­nieren halte ich dann für über­trieben. Aus anderen Quellen (z. B. Teilnehmergebühren) resul­tie­rende Beträge als Preisgelder ausge­lobt hielte ich dann schon für sinn­voll.

    Ob jemand eitel ist oder nicht ist erst mal eine Unterstellung und selbst wenn jemand eitel ist und seine Arbeit dient der Gesellschaft, wieso sollte er nicht auch einen Preis von Steuergeldern bekommen?

    Wenn wir aus dem Steuertopf hono­rieren wollten nach Maßgabe „was der Gesellschaft dient“ ob dann in Anbetracht explo­die­render Staatsschulden für Designpreise noch was übrig bliebe?

  14. Robert Paulmann

    Die Diskussion gärt ja schon eine ganze Weile. Im Wintersemester 2010/11 haben wir deshalb an der Fachhochschule Mainz eine Untersuchung zu Wettbewerben im Bereich Kommunikationsdesign durch­ge­führt. In diesem Rahmen wurde auch ein Ranking erstellt. Momentan sind wir dabei, die Daten zu aktua­li­sieren, um sie dann im Februar auf http://​www​.ci​-in​.de zu veröf­fent­li­chen.

  15. Christian Büning

    Mick sagte:

    Außerdem–das sage ich als Nicht-Designer–dient das Design der Gesellschaft an allen Ecken und Enden und das fängt ja beim Logo des Bundesministeriums etc an, wieso sollten dann also nicht auch Steuergelder für Auszeichnungen für heraus­ra­gendes Design verwendet werden?

    Vollkommen richtig: Kommunikationsdesign spielt in gesät­tigten Märkten eine essen­ti­elle Rolle. Wir gene­rieren Wahrnehmung. Marketininstrumente, die sich als Designwettbewerbe ausgeben, sind auch keines­wegs verwerf­lich, sondern ein legi­times Mittel der bezahlten Eigenwerbung.
    Was hier aufstößt, ist die geringe Fallhöhe, die dieser Preis erzeugt. Der Designpreis der BRD steht nun in einer Reihe mit Red Dot, IF oder anderen kommer­zi­ellen Anbietern. Hebt sich eine öffent­liche Bewertung von Kommunikationsdesign durch nichts ab von einer kommer­zi­ellen? Das kommt mir etwas dürftig vor.

  16. Klaus

    Es gibt so viele Preise, Förderungen und Stipendien im Bereich der bildenden Kunst bei welchen kein Teilnehmer etwas zahlen muss – viel­mehr sie können was gewinnen!!!

    Wenn man einem Künstler erzählt die Teilnahme an einem Designpreis kostet mehrere hundert Euro – sollte man ausge­zeichnet werden, dann können die nur mit dem Kopf schüt­teln. Natürlich ist bildende Kunst etwas anderes als Design, aber jeder kennt doch das Gefühl das die Arbeit des Designer in Deutschland nicht aner­kannt bzw. respek­tiert wird. Würde man auf dieser Ebene etwas ändern könnte das auch posi­tive Auswirkungen in die Gesellschaft haben.

  17. Florian Pfeffer

    # raban ruddig­keit

    dass ordent­lich gemachte design­wett­be­werbe inno­va­ti­ons­po­ten­tiale sichtbar machen würden, ist so nicht haltbar. man muss sich nur mal das jahr­buch des red dot award anschauen … main­stream auf höchstem niveau. das ist aber das gegen­teil von inno­va­tion. es handelt sich viel­mehr um die fest­schrei­bung des status quo. design­wett­be­werbe beschreiben für gewöhn­lich genau die qualität, auf die sich eine szene (deli­giert an eine jury) einigen kann. das ist ja auch alles ok – aber nicht inno­vativ.

    ein wett­be­werb, der (nütz­liche) inno­va­tionen provo­zieren würde, eine breite debatte in der öffent­lich­keit über design anstossen würde, talente fördern würde, lernen ermög­li­chen würde … das wäre mal eine ansage.

    john thackara hat einen inter­es­santen artikel über das rede­sign von design­wett­be­werben geschrieben, indem er 10 probleme und 10 lösungs­an­sätze für gute design­wett­be­werbe beschreibt … ich finde das (gerade als jemand der selber einen wett­be­werb – :output – verant­wortet) ziem­lich inter­es­sant und man müsste viel­leicht mal darüber debat­tieren, wie wett­be­werbe selber eigent­lich in der substanz über­holt werden müssten.

    john thackara: ten ways to rede­sign design compe­ti­tions

  18. Raban Ruddigkeit

    Worauf ich hinaus­wollte ist, daß es an der Zeit ist, sich mal wieder mit diesem Thema zu beschäf­tigen (was ja hier ausführ­lich geschieht). Dabei fällt auf, dass es struk­tu­relle und inhalt­liche Unterschiede gibt im – und ich sage das bewußt, weil das jedem klar sein muß – Awardbusiness.

    Strukturell finde ich es auch absurd, dass Wettbewerbe von Staates Gnaden teurer sind als private oder gemein­nüt­zige Initiativen. Dazu zitiere ich gern Otl Aicher, der das ebenso klar wie wahr­haftig beschrieben hat; »nichts ist so verschwen­de­risch, so teuer, so unmensch­lich, so unor­ga­ni­siert, wie die einrich­tung, die alles diri­gieren will. … die wert­hier­ar­chie, die der Staat einge­führt hat, lehne ich ab.«

    Inhaltlich gibt es grob betrachtet drei Kategorien. Erstens die Spezialwettbewerbe wie 100 Beste Plakate, Beste Bücher oder – ganz aktuell – einen Award für Haptik. Zweitens die über­grei­fenden Grafikdesignwettbewerbe, die in verschieden Grafik-Kategorien (Plakat, Logo, Weinetikett etc.) auszeichnen und zumin­dest in meinen Augen die besten Überblicke (auch für Kunden) vermit­teln. Zuletzt noch die inter­dis­zi­pli­nären Wettbewerbe wie ADC, reddot und IF, die es tatsäch­lich noch immer nicht schaffen, aus der über­grei­fenden Betrachtung von Design wirk­liche Kraft zu schöpfen und das auch gesell­schaft­lich zu vermit­teln.

    Nun beginnen neue Anbieter aufzu­tau­chen, die die Inhalte poin­tierter und rele­vanter darstellen wollen. Vom Bundespreis Ecodesign bis zum ADC-Fieldwork-Programm sind hier mögli­cher­weise Podien für tatsäch­liche Innovationen vorhanden. Hier scheint es auch struk­tu­rell zu stimmen.

    Dennoch wird es einfach immer mehr und solchen Situationen reagieren die Angesprochenen (Designer, Wirtschaft, Medien, Publikum) erfah­rungs­gemäß – immer weniger. Das ist schade, vor allem wenn man die eigent­lich wich­tigste Frage noch immer nicht beant­wortet zu haben scheint. Welches Design ist mehr wert, als das Papier auf dem es gedruckt wird?

  19. Klaus

    Eigentlich sollte man in solchen Wettbewerben auch die Leistung hono­rieren wenn ein Designbüro seinen Kunden von einem unge­wöhn­li­chen (nicht Branchenüblichen) Design über­zeugen und reali­sieren kann – mit unter der schwie­rigste Teil der Aufgabe.

  20. Jan

    Solange es keine allge­mein­gül­tigen Maßstäbe für „gutes Design” gibt, finde ich es etwas fehl am Platz zu behaupten bei Wettbewerben wie dem Red Dot ginge es um Mainstream-Geschmack und „viel­mehr um die fest­schrei­bung des status quo.”

    Wählte man drei allge­mein hoch ange­se­hene Büros aus, sie alle würden eine Aufgabe anders lösen, und je nach „Tagesform“ auch im Vergleich zu ihren jeweils eigenen Arbeiten in unter­schied­li­cher Qualität.

    Wir werden uns mit Jurys und ihren Konsensentscheidungen zufrieden geben müssen. Sie dazu aufzu­rufen Innovation stärker zu hono­rieren finde ich aller­dings nach­voll­ziehbar und unter­stüt­zens­wert.

    Es bleibt nur die Wettbewerbsbedingungen möglichst fair zu gestalten und auf die Zusammensetzung der Jury zu achten.

    @Florian Pfeffer: ich stimme zu, dass eine Verwechslungsgefahr beim „Designpreis Deutschland” und einem „German Design Award” besteht. Es ist auch eigent­lich sehr lächer­lich, dass sich gerade im Design, was zumeist Differenzierung zwischen Wettbewerbern herstellen soll, zwei Designpreise nicht deut­lich genug vonein­ander unter­scheiden bzw. fast denselben Namen tragen. Die Flut an neuen Preisen ist eben­falls verstö­rend – ich freue mich auf ein Ranking/eine Preisauswahl, wie von Ruddigkeit und Paulmann vorge­schlagen.

    Das Bezahlen für Awards finde ich merk­würdig und die erstaunten Gesichter von Nicht-Gestaltern bei Erwähnung dieses Vorgangs sollten der „Szene” viel­leicht zu denken geben – es scheint ja bei Preisverleihungen in anderen Tätigkeitsfeldern durchaus anders zu laufen.

    Nun ja. Anderswo gibt es ja auch gere­gelte Arbeitszeiten, was inter­es­siert das alles die Gestalter ;-)

  21. Anderer Jürgen

    Ups, falscherThread! Aber wenn ich schon hier bin: Eine Staatliche Auszeichnung sollte meiner Meinung nach auf keinen Fall Kosten für die Teilnehmer verur­sa­chen, ganz grund­sätz­lich fragt man sich ob es der rich­tige Weg ist, die Teilnahme und Auswertung der gewerb­li­chen Awardindustrie zu über­nehmen – ich finds affig!

  22. carlos

    Schade, dass der Rat für Formgebung auch in diesem Jahr keinen Kommunikationsdesigner mit dem Nachwuchspreis ausge­zeichnet hat. Hoffentlich wird das beim Preis der BRD anders… 

  23. Jürgen Kolopka

    Wenn ich mir die derzei­tige Vergabe“regeln“ dieses und vor allem auch des red dot awards anschaue, so frage ich mich, warum hier über­haupt noch Klage ausge­spro­chen wird. Es scheint doch schon zum allge­meinen Standard zu gehören, Preise zu einem bestimmten Preis zu vergeben, Auszeichnungen mit all zu absurden Details zu begründen und Teilnehmern ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Beim Einreichen, beim Erhalt des Preises und im Nachhinein auch noch beim Behalten.
    Schön darge­stellt finde ich das ganz hier: http://​www​.red​-dot​-design​-award​.com
    Ist doch nichts Anderes als der natio­nale Designpreis hier. Nur eben skru­pel­loser.

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