London 2012 will doch nur spielen

Ein olym­pi­sches Logo zu gestalten ist eine tolle Herausforderung und gleich­zeitig die Hölle. Verfolgt man die Debatte zum gestern vorge­stellten Signet für London 2012, liegt der Schluss nahe: Als Designer kannst Du nur verlieren. Die einen wollen Pinselstriche, die anderen etwas Geometrisches, mal mehr Farbe, mal weniger Farbe, Sportsymbole ja und nein, keine Heraldik, nichts Theatralisches … es muss auf T-Shirts gut aussehen, und Plüschtier-kompa­tibel sein.

Experten sind der Meinung, es habe in der Geschichte der Olympischen Spiele – wenn über­haupt – nur vier akzep­table Grafiklösungen gegeben. Sie teilen sich in zwei Gruppen: die ausge­klü­gelten, über Jahre entwi­ckelten Systeme (Tokyo 1964, München 1972) oder die spontan-modi­schen Entwürfe, die bei Beginn der Spiele meist schon wieder out-of-date sind (Mexico 1968, Los Angeles 1984).

Wolff-Olins, die Entwerfer des umstrit­tenen London-Logos, haben eine neue, dritte Methode ins Spiel gebracht: liefere ein paar vitale Bausteine und lasse die Benutzer das System weiter­ent­wi­ckeln. Ich halte diesen Ansatz für glei­cher­maßen sensa­tio­nell wie span­nend.

Das Büro hat sorg­fältig recher­chiert, bevor es seinen Entwurf – besser: sein Konzept – präsen­tierte. Auf der Wolff-Olins-Seite kann man die Neudefinition der Markenwelt 2.0 nach­lesen: »Die neue Markenwelt besteht nicht mehr aus selbst­be­zo­genen Kathedralen, ist kein Kraftfeld, das andere Marken verdrängen will. Neue Marken umarmen … Neue erfolg­reiche Marken sind weniger im Besitz eines Unternehmens, sondern Banner einer Bewegung, ihr Besitzanspruch wird lockerer. Das Logo wird zum Gegenstand, den andere Organisationen und Individuen borgen und verän­dern können.« Brands = Themen, Logos = Links.

Vielleicht fällt es mir leichter, hinter dem London-Logo eine unbän­dige Kraft heraus­zu­lesen. Ich bin mit einem varia­blen Logo groß geworden, denn seit seiner Gründung 1989 spielt das FontShop-Logo mit Schrift und Form … zuletzt in der TYPOhall 2007, wo die gelbe und die schwarze Fläche – aus Platzgründen – gekippt über­ein­ander lagen anstatt neben­ein­ander. Die Identität der Marke FontShop basiert auf einem schwim­menden Logo, das wech­selnden Aufgaben, Strategien und Designstilen folgt.

Ich bin enttäuscht über die gedan­ken­lose Auseinandersetzung mit dem London-2012-Logo: Hier in den Kommentaren und in der Blogosphäre über­haupt. Die Aufregung erin­nert mich an die Reaktion der Medien auf die hollän­di­sche Spendernierenshow in der letzten Woche: Als Journalisten getarnte Bedenkenträger plus­tern sich wie auf Kommando auf, anstatt ihre Arbeit zu tun und die Sendung – noch vor ihrer Ausstrahlung – als Spiel zu enttarnen. Thomas Knüwer (Handelsblatt) hält seiner Gilde sprach­ge­wandt den Spiegel vor. Auch das London-2012-Logo ist ein Spiel, durch­dacht insze­niert mit inte­griertem Skandalpotenzial.

Von profes­sio­nellen Designern erwarte ich eine tiefere Form der Debatte. Allein der beson­nene Armin Vit (TYPO-2005-Sprecher) hat sich auf Speak-up ernst­haft mit dem radi­kalen Logo-Experiment ausein­ander gesetzt. Auf seiner Seite findet man erhel­lende Erkenntnisse inkl. frucht­barer Diskussion.


64 Kommentare

  1. Frank

    Danke für die tref­fenden Worte – die waren mal wieder mehr als drin­gend nötig.

  2. Christian Speelmanns

    Wie man auf der Website der Spiele lesen kann, hat das Logo seine Wurzeln in den Achtzigern – die impuls­ge­benden Referenzen werden ja auch offen gezeigt. In den Achtzigern – und selbst in Athen noch – orien­tierten sich die Designs der Spiele teil­weise immer noch an München. Die gestal­te­ri­sche Strenge von München war damals eine echte Innovation und führte zu Ihrer Unverwechselbarkeit (trotzdem ließen die Regeln Spielraum, wie Otl Aicher immer betonte). Doch bei den folgenden Spiele wirkte dies oft ausge­brannt.

    Im Werbetrailler für das neue Logo kann man schön die Intentionen des Corporate-Designs sehen, da ziehen die knall­bunten, zackigen Streifen durchs Bild und infi­zieren die ganze Stadt. Sie illus­trieren sehr schön die Dynamik des Sports, gerade dann, wenn’s beim Ballspiel mal kracht, oder wenn Marathonläufer über die Brücke rennen. Das verleiht den Spielen die oft gewünschte Leichtigkeit, die sich dann auch in den spie­le­risch, lockeren Designregeln wider­spie­geln: eben jeder ist einge­laden, mitzu­ma­chen. Das scheint mir eine bessere Strategie zu ein, als das Logo mit stachel­draht­um­zäunten Schutzzonen zu versehen. Das ist auch der Grund, weshalb so viele Designer dem Logo eine nega­tive Kritik geben.

    Vielleicht ist es gewöh­nungs­be­dürftig, aber das Design öffnet sich. In den Schulen werden Kinder tatsäch­lich bald aus bunten Papieren Schnitzel schneiden. Das macht Spaß! So kommen die Spiele auch dort an. Kann man sich als Veranstalter etwas Besseres wünschen? Sicherlich kann man noch an der Lesbarkeit arbeiten, aber das nach­träg­liche Verändern erlauben die lockeren Regeln ja. Da ist das neue Logo von London doch eine Innovation und allemal besser als das lang­wei­lige Logo zur Bewerbung.

  3. Gerrit

    Leider erfor­dern Logosysteme wie dieses eine intel­lek­tu­elle Leistung vom Betrachter, die wir nicht gewohnt sind. Es ist leicht, das Logo anzu­sehen, es (zurecht) häss­lich zu finden, und sich darüber aufzu­regen. Es ist schwerer, sich ein wenig mit der Idee zu beschäf­tigen, um aus der ober­fläch­lich häss­li­chen Form ein cooles, flexi­bles und prägnantes System heraus­zu­lesen. Man kann die meisten Leute für so etwas nur schwer­lich begeis­tern!

    Jetzt bleibt die Frage, ob eine Massenveranstaltung wie die »Olympischen Spiele®™« der rich­tige Ort für ein expe­ri­men­telles und intel­lek­tu­elles Logosystem ist! Ich denke, dass die Masse noch nicht soweit ist. Andererseits haben wir ja noch 5 Jahre Zeit, uns damit vertraut zu machen :-)

  4. till

    Vielleicht sind gerade die Olympischen Spiele genau der rich­tige Ort für solch ein Touch-the-logo-Konzept. Schließlich gehts bei diesen um das freund­schaft­liche Miteinander-Messen zwischen den Völkern der Welt – und „touch the logo“ vermit­telt, dass es nicht um eine elitäre oder erha­bene, sondern um eine gemein­schaft­liche Veranstaltung geht.

  5. robertmichael

    die olym­pi­schen spiele sind mit sicher­heit der beste ort um ein expe­ri­men­telles logo zu erschaffen.

  6. Christian Speelmanns

    Tatsächlich kenne ich keine Studien zum Thema, wie die „Masse“ oder die „normalen Leute“ Marken und Ihre Logos wahr­nehmen und ob sie das so genau tun. Manchmal habe ich das Gefühl, Designer kennen diese auch nicht (wenn es über­haupt welche gibt), und stellen einfach eine Behauptung auf. Meine Erfahrung zeigt mir aber, daß eher Farben, Proportionen und Formen (in der Reihenfolge) wahr­ge­nommen werden, und das eben mit einer Art unscharfen Brille. Den geschulten Blick, wie wir Designer ihn haben, besitzt die „Masse“ nicht.

    Bei den Spielen in München sind einige Firmen, Hersteller etc. auf den Zug des Offiziellen Designs als Trittbrettfahrer ausge­sprungen und haben versucht, es zu kopieren. So auch das NOK der Bundesrepublik oder einige Sponsoren. Die Prägnanz des offi­zi­ellen Designs haben Sie aber trotzdem nicht erreicht. Das ist natür­lich schwierig, wenn man dabei den Urheber- und Markenrechtlichen Aspekt einbe­zieht, gerade dann, wenn es darum geht, offi­zi­elle Produkte von nicht­of­fi­zi­ellen zu unter­scheiden. Aber dazu gibt es ja dann die (wenn auch weichen) CD-Regeln, und ich bin mir sicher, die Macher des Designs haben es vorge­sehen und werden es auch schaffen! Und so wird es auch 2012 offi­zi­elle Dinge geben, und solche, die in ihren Farben und Formen einfach die Atmosphäre der Spiele wider­spie­geln, und so das Event unter­stützen. In Ihrer ersten Wirkung (unscharf betrachtet, aus dem Augenwinkel) werden die Metamorphosen so aussehen, wie die offi­zi­ellen Dinge, aber auf den zweiten Blick werden sie sich gut unter­scheiden lassen.

    Mit den spie­le­ri­schen Events, bei denen das Logo verän­dert werden darf und soll, wird aber die breite „Masse“ mit einbe­zogen, was für eine starke Verbreitung des Events und ein bestimmt posi­tives Image sorgt (auch dieses müsste natür­lich zur eindeu­tigen Feststellung mit Studien belegt werden). Wirtschaftliche Interessen sind bei Olympischen Spielen bestimmt nicht unwichtig, schließ­lich sorgen die Sponsoren für die Finanzierung, die die Durchführung erst möglich machen. Aber wie till vor mir schon geschrieben hat, sollte der Wirtschaftliche Aspekt nicht im Vordergrund stehen, sondern der gemein­schaft­liche.

  7. jamie

    Das ist mir bei der vorhe­rigen Diskussion lusti­ger­weise auch aufge­fallen, noch bevor ich diesen Text gesehen habe. Warum muss man immer alles nieder­ma­chen?

    Im Illustrationsbereich ist man viel lockerer, dort lässt ein Auftraggeber auch mal eine Idee gewähren, gibt viel­leicht mal eine kostruk­tiven Rat, lässt aber andere Umsetzungen und Ideologien zu, auch wenn man viel­leicht anderer Ansicht ist.

    Bei abstrakten Designumsetzungen wie bei dem London-2012-Logo, erwe­cken die Kommentaren oft den Anschein von Missgunst … das spie­gelt wohl die eigene Unsicherheit wider im Bezug zur eigenen krea­tiven Arbeit. Das ist doch schade. Die Welt hat doch Platz für ein weiteres Olympia-Logo. Auch wenns so »strange« ist wie dieses.

  8. jamie

    mit anderer Ansicht (Ende zweiter Abschnitt) meint ich die tief ideo­lo­gi­sche.

  9. Cem Basman

    Spannend wird natür­lich sein wie das Olympische Kommitee seine Rechte bei einem so varia­blen Logo schützen will … Und wie rigoros das OK mit den Rechten umgeht, haben wir ja alle zu genüge in den letzten Jahren erfahren.

  10. thomas

    soviel flexi­bi­lität hätte würde der FIFA auch gut zu gesicht stehen.
    ansonsten kann man sich doch freuen, wenn aus einem logo heraus ein spiel entstehen kann und es nicht nur x einheiten von links und y einheiten von oben einge­setzt werden darf ohne dass jemand einen herz­in­farkt bekommt.

    wieso werden die farben bekrit­telt? die sind doch schon seit jahren beson­ders bei jungen desgi­nern total hipp.

  11. hef

    Trendsetting at its best in einer gest­rigen Welt: Warum reden wir denn nicht über Perspektiven für Gestaltung, sondern schon wieder über Handhabung von Rechten, Restriktionen und dass Farben zu bunt sind?
    Wo ist nur der Mut geblieben, hundert Blumen blühen lassen zu wollen?

  12. Ralf

    Spannendes Thema! Da ist es Wert eine Meinung kund zu tun.

    Ich selbst lebe in London und arbeite in einer Branding Agentur. Die öffent­liche Diskussion über das Logo ist hier auf der Insel sehr präsent. Die Partizipation am Erscheinungsbild sieht leider nicht so aus wie von Wolff Olins gedacht – statt dessen gibt es bei BBC und verschie­denen Tageszeitungen Wettbewerbe für alter­na­tive 2012 Logos. Sehr pole­misch. Sehr schlecht für das Ansehen von Grafik Designern.

    Meine Meinung zu dem Logo und dem dazu­ge­hö­rigen Konzept:
    Die gestal­te­ri­sche Referenz auf die 80er Jahre kann ich absolut nicht nach­voll­ziehen. Wolff Olins stellt das Konzept als visio­näre Zukunft des Brandings dar. Wie passt das mit einem so prägnanten Bezug auf längst Vergangenes zusammen. Ich denke, dass hier ledig­lich versucht wird einen visu­ellen Trend aufzu­schnappen – New Wave, New Rave, 80er – der in London gerade an die Haustür des Mainstreams klopft. Leider, und da bin ich mir ziem­lich sicher, wird dieser bis 2012 längst durch den Hinterausgang verschwunden sein.

    Das Konzept, das hinter der Marke 2012 steht, über­rascht mich positiv. Ein varia­bles Logo , das modi­fi­ziert und frei verwendet werden darf, klingt sehr span­nend. Mit welchen Mitteln das geschehen soll, kann ich gerade zwar nicht nicht erkennen aber dafür bleibt sicher genug Zeit.
    Ein Problem sehe ich jedoch wenn es um die Partizipation der Masse geht. Das Ergebnis könnte im Mittelmaß versinken – oder sogar weit darunter liegen. Wenn es um gute (visio­näre) Gestaltung und mutige Entscheidungen geht ist der Durchschnitt als teilnehmende/treibende Kraft nicht das Richtige.

  13. HCL

    Also moment, das kann ange­wendet werden wie man will?

    Oh oh, wie sollen die Menschen denn jetzt erkennen, ob sie offi­ziell lizen­sierte Artikel kaufen oder nicht? Oder wie können Lizenzhüter Verstösse erkennen? Du meine Güte!
    Und das IOC spielt da mit?

  14. Jürgen

    Die geschützten Begriffe und Zeichen des IOC sind von den Machern des Lodon-2012-Logos in einem PDF zusam­men­ge­fasst: The Protected Games’ Marks. Das IOC hat keinerlei Rechte an dem London-2012-Logo.

  15. jamie oliver

    Früher war alles besser ;-)

    Ein Link mit vielen vielen Fotos von alten Olympia Design-Erzeugnissen von Otl Aicher.

    http://​www​.flickr​.com/​s​e​a​r​c​h​/​?​q​=​a​i​c​h​e​r​&​z=t

  16. Marc

    Da das Wolff-Olins Konzept sich hier an das krea­tive Beteiligungspotenzial der Masse richtet, verstehe ich jetzt auch den Graffiti-Charakter des Logos. Vielleicht ist es wirk­lich die rich­tige Veranstaltung für solch ein Experiment. Die Gefahr dabei ist aber, das es nicht funk­tio­niert, z.B. aus Desinteresse, dafür muss Wolff-Olins natür­lich mit den bekannten Corporate Design Guides aufwarten und die etablierten Massenmedien bespielen. Wie z.B. MetaDesign es für die aktu­elle MoMA-Ausstellung in Berlin betreibt. Es ist der Versuch eine etablierte Veranstaltung zu einer Massenbewegung auf der Straße zu machen und parallel die Kanäle der Massenmedien zu bestü­cken. Das kann eigent­lich nur über ein offenes System gehen. Ich vermute das die Irritation und Diskussion darin liegt das dieser Versuch nicht genü­gend klar kommu­ni­ziert wurde.

  17. Jens

    also die neue Konzeption, die hinter dem Logo steht, ist durch­dacht und inno­vativ — gut das sich da mal jemand aufmacht, die Gegenwart auf neue Sichtweisen abzu­klopfen.

    Profisport ist immer eine Herausforderung die hart am Limit der mensch­li­chen Leistungskraft liegt und kann daher bild­lich durchaus archa­isch, wild oder explosiv darge­stellt werden. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch die ganze Eleganz des Menschen, über die sich der Mensch gerade im Sport defi­niert.

    Warum daher der Logodesigner, nach der gedank­li­chen Auseinandersetzung mit dem Wesen des Logos in der heutigen Zeit, ausge­rechnet auf das grafi­sche Vokabular der 80er Jahre zurück­greift, verstehe ich nicht ganz.

    Neu ist die Philosophie die hinter dem Logo steht. Die hand­werk­liche Ausführung zitiert nur und das finde ich eigent­lich schade. Da wäre nämlich mehr drin gewesen … :)

  18. Rulf Neigenfind

    Dieses Un-Logo sieht genau so aus, wie Altherren-Grafiker und MBA-geschä­digte Marketing-Futzis sich »jung« vorstellen. Zu allem gestal­te­ri­schen Übel [man betrachte nur mal, wie das Wort »london« da rein­ge­pfrie­melt wurde…] hat sich nun auch noch heraus­ge­stellt, dass es gesund­heits­schäd­lich ist: in der animierten [und einzig eini­ger­massen inter­es­santen] Form, so die briti­sche Ärztevereinigung, kann es epilep­ti­sche Anfälle auslösen. Nachdem die Anti-Petition in den ersten 24 Stunden bereits auf 33.000 Unterschriften kam, setzen nun auch die Bookmaker darauf, dass dieser Anschlag auf das moderne Design letzten Endes doch noch verhin­dert wird. Wenn ich aller­dings an die Lachnummer der letzten Fussball-WM denke …

    Das Barcelona-Logo fehlt übri­gens in der Liste der »akzep­ta­blen« Logos (es war sogar so gut, dass Jung v. Matt es für die »Du bist Deutschland«-Kampagne geklaut haben).

  19. Georg

    Ich bin etwas enttäuscht – nicht von dem neuen Olympia-Logo (das ist wie es ist und wird für sein Aussehen kriti­siert oder seinen konzep­tio­nellen Ansatz gelobt) – sondern vom Fontblog.

    Ich habe mir die vorher­ge­hende Diskussion nach der harschen Kritik noch mal durch­ge­lesen und finde sie (abge­sehen von einigen emotio­nalen Beiträgen) fast span­nender als die aktu­elle. Es wird zum Teil sehr spie­le­risch über das Erscheinungsbild sinniert – und damit auf verbale Art und Weise das gemacht, was mit dem Konzept des Logos beab­sich­tigt war: mitma­chen. Die Kritik ist meiner Meinung nach deswegen völlig unan­ge­messen – oder besser: die Kritik an den Kritikern ist vergleichbar mit einem extrem starren CD-Manual ;)

    Spannend finde ich (ebenso wie Rulf Neigenfind) auch den Vergleich zu der Hysterie unter den deut­schen Designern bei der Vorstellung des Logos für die Fussballweltmeisterschaft 2006. Auch hier wurde heftig pole­mi­siert und von verschie­denen Seiten Gegenvorschläge ausge­lobt, entwi­ckelt und publi­ziert. Leider waren diese Vorschläge (meiner Meinung nach) bis auf wenige Ausnahmen auch nicht recht über­zeu­gend – ich bin gespannt, was die Kollegen auf der Insel fabri­zieren – und ich bin gespannt, wie sich das Logo »entwi­ckelt« … wenn es denn wirk­lich die Möglichkeiten und den nötigen »Auslauf« dafür hat.

    Mir ist (trotz Abarbeitung aller Links, Texte, Bilder, Filme und Konzepte) nämlich nicht ganz klar ist – wo denn eigent­lich das sensa­tio­nell Interaktive bei dem Logo sein wird? Wird es sich in den nächsten fünf Jahren durch die Mitgestaltung der Massen wirk­lich verän­dern oder gibt es nur eine Reihe von Mitmach-Bastelbögen? Ich suche mal weiter und warte ab, was sich alles so verän­dern wird – viel­leicht werden die Ecken ja noch rund …

  20. Harki

    Ein recht anstän­diger Kommentar zu diesem ganz abscheu­li­chen Signet findet sich im Feuilleton der Frankfurter von morgen. Daraus:

    Und während die olym­pi­schen Planer die Jugend der Welt als T-Shirt-Käufer fest im Blick halten, dürfen sich die Älteren, die nicht gemeint sind, im Internet, in Zeitungen, im Fernsehen mokieren und empören.

    So ist es.

  21. Jürgen

    viel­leicht werden die Ecken ja noch rund …

    Das musst Du schon selbst machen.

  22. robertmichael

    @ Rulf Neigenfind, wie stellst du dir denn jung vor? mit lustigen smileys ala fuss­ball-wm 2006?

    ich finde das neue logo hat was von »jung«. etwas graf­fiti, etwas stree­tart und grelle farben. dass die jüngere genera­tion ange­spro­chen werden will (siehe: mitma­chen – sebst­ge­stalten) ist eindeutig. in wieweit dies fair gegen­über der älteren genera­tion ist, sei mal dahin­ge­stellt. ich denke die schauen sich die olym­pi­schen spiele eh an, egal mit welchen erschei­nungs­bild. aber gerade für jüngere muss so eine veran­stal­tung ›hip und trendy‹ daher­kommen.

  23. Paul

    Weil es immer wieder aufge­worfen wird: Der Vergleich zum WM06-Logo hinkt stark. Bei unserem Knutschi-Logo fehlte imo eine anstän­dige Konzeption.

    Aber what the f*** dachte man sich bei den Farben? Würde mich echt mal inter­es­sieren, gibts da drüber irgendwo weitere Infos?

  24. Martin

    Momentmomomentmoment: Wenn man einen Prozess in Gang setzen möchte, warum präsen­tiert man dann ein Logo? Man kann nicht ein paar zackige Formen zeichen, die Flächen bunt einfärben um Variablität anzu­deuten und sagen: jetzt seid ihr dran, alles ist offen.
    Dekonstruktivismus ist kein Schulfach.
    Wer solche Ideen nicht klug kommu­ni­zieren kann, hat eben nur einen Teil seiner Arbeit gut gemacht.
    Warum präsen­tiert man ein Logo auf der Website und keine Applikation, mit der man das Logo erst erzeugen muss?!

  25. Jürgen

    Das mit den Farben ist einfach zu erklären: Jeder soll das Logo nutzen und verän­dern dürfen. Die sichersten Farben für Laien sind die Grundfarben, also Cyan, Yellow und Magenta. Das Rot und Grün kann man sich leicht aus den anderen mischen. Eine Logo für alle verträgte kein PMS-Farbklima. Und so robust wie die Farbwahl, sind auch die Grundformen. Merkt Ihr was: alles banal und trotzdem durch­dacht.

  26. Jürgen W.

    So visionär wie es scheinen mag, ist der Entwurf von Wolff Olins gar nicht. Vor etwa 15 Jahren präsen­tierte Uwe Loesch der Stadt Leipzig ein Erscheinungsbild (zu sehen in der Zeitschrift Form, Heft 142 von 1993, Seite 38 ff), das weder auf einer Typographie noch auf einem Logo basierte, sondern auf nur zwei Farbflächen, gelb und blau, die frei mit Typographie, Zeichnungen oder Photos belegt werden konnten. Diesen Entwurf fand ich damals äußerst radikal und inno­vativ. Er gelang in die Endausscheidung zusammen mit einem Entwurf des Ateliers Stankowski + Duschek, bei dem ich damals tätig war. Von dort kam der Vorschlag eines stati­schen, (quadra­ti­schen) und prak­ti­schen Logos. Leipzig konnte sich nicht entscheiden und man spürte, dass die Stadt für das radi­kale Konzept von Loesch noch nicht bereit war. Letztendlich wurde keiner der Entwürfe umge­setzt.

    Der Ansatz von Wolff Olins erin­nert an dieses Konzept, viel­leicht mag es 15 Jahre (+5 inklu­sive bis zum Event Olympia) später gelingen ein solches ein- und umzu­setzen. Woran es schei­tern mag, ist, dass es graphisch (und musi­ka­lisch in dem Video-Clip) jetzt einem Trend hinter­her­rennt, der 2012 wahr­schein­lich ausge­lutscht ist. Abgesehen davon scheint es nicht nur mir so zu gehen, dass die Form des Logos London 2012, sowie Typographie und Farben, von einer großen Mehrheit als abgrund­häss­lich empfunden werden. Das scheinen keine güns­tigen Voraussetzungen für eine Identität auf dieser Konzeptbasis zu sein. Da war der Entwurf von Uwe Loesch anno 1993 ein radi­ka­lerer (weil er auf eigenen Beinen stehen konnte und zeitlos war) und er wäre leichter umzu­setzen gewesen, weil er nicht so pola­ri­sierte. Die Zeit war nur nicht reif dafür.

    Mit dieser Diskussion sind wir endlich mal wieder zu den Grundprinzipien vorge­stoßen, was Gestaltung zu leisten vermag. Damit Gestaltung auch positiv ange­nommen wird, darf man wohl trotz allem die Ästhetik nicht eine Nebensache sein lassen. Ich denke nicht, dass die Intentionen hinter dem Entwurf von Wolff Olins auch nur annä­hernd aufgehen. Vielleicht wurde da irgendwo zu kurz gedacht (also nicht visionär genug). Schade eigent­lich.

  27. robertmichael

    ich weiss nicht was man sich zu den farben gedacht hat, aber das ist doch auch voll­kommen egal. farb­lich kann man es eh keinem recht machen. stell dir doch das logo mal in den farben von tokyo 1964 vor, das fänd ich weniger anspre­chend. viel­leicht soll es einfach nur frisch, frech, jung, und anders aussehen? ich finde das ist hervor­ra­gend gelungen. otl aicher hats doch vorge­macht: bunt, bunter, am buntesten. ok, aicher selbst hat mit seinem olympia-cd das »über­de­sign« schlechthin geschaffen. dafür ließ dies aller­dings keinen spiel­raum offen.
    das leute wirk­lich »epilepsie-anfälle« bekommen haben kann ich irgendwie nicht richtig verstehen. es ging dabei ja auch nicht um das logo selbst, sondern um die video­ani­ma­tion. ich bin kein arzt, aber was machen diese leute bei klin­gel­ton­wer­bung, musik­vi­deos oder japa­ni­schen zeichen­trick­filmen?

    von wem stammt eigent­lich der corpo­rate font? er ernin­nert mich an die »scriptek italic« von david quay.

  28. hef

    Weiß jemand, wo man evtl. das epilep­sie­ge­fähr­dende Teil noch sehen kann?
    Aber ein Logo wie ein Päckchen Zigaretten, mit dem Vermerk: „Dieses Logo kann tödlich sein!“ – Ich kann mir nicht helfen, das hat was!

  29. Jürgen

    Warum präsen­tiert man ein Logo auf der Website und keine Applikation, mit der man das Logo erst erzeugen muss?!

    Das (vermeint­lich amtliche) Logo wurde der Boulevard-Presse und dem ewig-nörgelnden Design-Pöbel zum Fraß vorge­worfen, damit sie sich publi­kums­wirksam austoben kann. Wer sich etwas ausführ­li­cher mit dem Konzept beschäf­tigt (siehe mein Beitrag von gestern), findet ein Basteltemplate sowie Beispiel-Anwendungen in der Galerie und im Video.

  30. robertmichael

    ahh, gut das du leipzig erwähnst. das bewer­bungs­logo von leipzig kennt ihr alle, oder:

    die jahres­zahl 2012 + OL für Olympia. das schräge L soll sicher­lich das »spiel mit uns« rüber­bringen. das londoner logo basiert ja fast auf der glei­chen­idee. die 12 hatte ich von anfang an als LO gelesen. L für london, O für Olympia.

  31. Jürgen

    Das Olympia-Bewerbungs-Logo von Leipzig ist aufschluss­reich, Robert. Betrachten wir es mal isoliert, was sicher unfair ist: Wirkt es nicht gera­dezu provin­ziell im Vergleich zum Londoner Baukasten-Logo.

    Übrigens freue ich mich total über unser beider Verteidigungsrolle, die nicht abge­spro­chen war. Dein ganz früh entwi­ckeltes Alphabet wird in die Geschichte der London-2012-Logo-Diskussion eingehen, denn es ist wahr­schein­lich der erste Beleg dafür, wie man den Baukasten verwenden kann (die Galerie der offi­zi­ellen Seite enthielt ein Dutzend vorpro­du­zierter Dummies):

    Du kannst Gift drauf nehmen, dass vergleich­bare Alphabete wie Pilze aus den Computern sprießen werden.

  32. robertmichael

    das L steht sicher für leipzig. naja ihr versteht mich schon.
    im übrigen ist die idee mit den farbigen flächen in dem video nicht wirk­lich neu. es hat mich stark an das kraft­werk tour-de-france-video erin­nert:
    http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​s​Q​z​-​C​Z​v​k​Y8k
    das neue olympia-video ist nun online. schade, das die idee mit den farbigen und eckigen flächen verloren gegangen ist.

    @ Jürgen W.
    kannst du den alten loesch-entwurf mal auskramen?

  33. robertmichael

    wenn ich ehrlich bin habe ich das leip­ziger-bewer­bungs­logo nie gemocht. ich habe es regel­recht verteu­felt. viel­leicht eher weil ich die idee dahinter (die große olympia kommt nach LE) für total welt­fern gehalten habe. mit abstand betrachtet gefällt mir die idee die von dem logo ausgeht, sie ist aller­dings sehr mager umge­setzt. provin­ziell ist schon das rich­tige wort dafür.

  34. Jürgen

    Ich finde es auch sehr bedau­er­lich, dass die Logo-Animation vom Netz genommen wurde. Kannste mal sehen, wie stark die Epilepsie-Lobby in England ist ;-)

  35. Paul

    @29 Jürgen
    Danke, dass hilft zum Verständnis.

    Wenn man die Farbwahl frei­gibt ist es doch vorpro­gram­miert, dass viele abscheu­li­chen Farbkombinationen entstehen werden (s. allge­gen­wär­tige PPT-Präsentationen) und dass dadurch der Ruf des gesamten CD (negativ) beein­flusst wird.
    Professionell arran­giert (http://​www​.london2012​.com/​i​m​g​/​f​e​n​c​i​n​g​.​jpg ) hat das Logo auf mich einen großen Reiz.

    Aber warum sollte es dem Logo anders gehen als manch groß­ar­tigem Song, der vom Radio mit allen mögli­chen Sendereinspielungen (HitRadio Antenne 1), als Werbesong, als Klingelton … perma­nent läuft und man ihn dadurch nicht mehr hören kann?

  36. robertmichael

    ohhh ja. gutes beispiel. mitt­ler­weile kann ich »paint it black« von den stones nicht mehr hören. argh! T-com, bitte tut mir das nicht an …

  37. Jürgen

    Eben kommen­tiert der Design-Observer die Sun-Schlagzeile: »Olympische Logo löste Epilepsie aus« mit der Gegen-Schlagzeile: »Das Olympia-2012-Logo hat meinen Hamster gegessen.«

  38. Jens Kutilek

    Das hier soll die anfall­aus­lö­sende Original-Animation sein:

    http://​youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​d​6​v​u​c​c​m​c​bCM

    Bitte auf eigene Gefahr anschauen …

  39. Martin

    Sowas mit eckigen Formen hätte das Konzept rüber­ge­bracht. Der Bastelbogen auf der Website ist ein Witz.

  40. Jürgen

    @Martin: Danke für den Link … tolle Ergebnisse in 2 Minuten ;-)

  41. Stephan

    @Jürgen
    Der Epilepsie-Verdacht kann durchaus berech­tigt sein, da photo­sen­sible Epilepsiepatienten bei flackernden Bildwiederholungen ein erhötes Risiko einer Anfallsauslösung tragen. Epilepsiewarnungen finden sich z.B. auch auf diversen Videospielen. Ich denke, dass es sich im Londener Fall eher um Vorsicht und Verantwortung seitens der Designer handelt als um Lobbyarbeit von Logo-Gegnern.

  42. Jens Kutilek

    Daß durch flackernde Bilder epilep­ti­sche Anfälle ausge­löst werden können, hat ja niemand bestritten.

    Die Kritik war, daß die Anfälle durch das Logo ausge­löst werden, tatsäch­lich aber durch die Animation. Kleiner aber feiner Unterschied.

  43. Frank

    Warum das Logo nicht funk­tio­niert:

    – Es ist nur an einen Teil der Zielgruppe addres­siert
    – Es sagt nicht aus über die Art des Events, Werte etc
    – Es ist zu trend-orientiert..wahrscheinlich wird das Logo in 2012 so anti­quiert wirken wie Bodoni heut­zu­tage.

    Mit anderen Worten:

    Dieses Logo verstösst so gut wie gegen alle Logo 1×1 Regeln.

    Klar kann es manchmal gut sein gegen genau diese Regeln zu verstossen, aber nicht jeder Regelverstoss bedeutet auto­ma­tisch eine Verbesserung.Vor allem dann nicht, wenn gegen die Regeln so dermassen verstossen wird, dass das Logo als solches nicht mehr FUNKTIONIERT, sondern höchs­tens als Kunst.

    Aber ein Logo ist in erster Linie eben genau das nicht (Kunst) sondern hat eine defi­nierte Aufgabe, defi­nierte Auftraggeber, Produkte, Zielgruppen.

    Es scheint, als hätten Wolff Olins sich nur um den Look und die Implementierbarkeit in ein Identity-System geküm­mert – nicht aber um die AUFGABE eines Logos.

    Insofern schei­tert das Logo schon an formalen Kriterien.

  44. Frank

    Coudal war von Anfang an ein Befürworter dieses Logos..

  45. Stephan

    Be as crea­tive as you can within the lines. Viel krea­tiver Spielraum ist da nicht. Die Templates auf http://​www​.london2012​.com finde ich wenig span­nend und etwas steif. Die Galerie spricht Bände. Der Tangram-Ansatz ist für mich die bessere Wahl. Bin schon ganz gespannt darauf, wann die ersten Logo-Spiele auflo­dert. Die krea­tiven Spiele haben jeden­falls begonnen.

    Sicherlich nicht erwünscht ist die Interpretation, es könne sich bei dem vorge­stellten Logo um Lisa Simpson handlen …

    Aber auch mit diesen nega­tiven Umsetzungen muss sich dann London bis 2012 herum­schlagen.

  46. ber

    Der Wunsch zur Interaktion durch den Zuschauer wird von Gestaltern oft über­schätzt. Das Medium CD-Rom ist so gut wie tot, auf inter­ak­tiven Installationen in Museen wird meist nur drauf­ge­tapst und weiter­ge­gangen. Warum also sollte jemand den Rechner anschalten, auf eine Webseite gehen, ein PDF runter­laden, (es evl. ausdru­cken) und dann damit auch noch etwas krea­tives anstellen? Soviel Zeit und Muße haben doch besten­falls Design-Studenten.

  47. Jürgen

    Lass doch die Menschen spielen … die Galerie verblüfft mich auf eine ganz andere Art und Weise: Ich hätte nie vermutet, dass so viele Laien das Bedürfnis haben, sich aktiv einer Grafikdesign-Debatte zu betei­ligen.
    Interessant wird die London-Logo-Geschichte für mich, wenn sich die ersten Profis des Logos bzw. seiner visu­ellen Sprache annehmen. Noch inter­es­santer wird es dann, wenn kommer­zi­elle Produkte entstehen und die Grenze zu den offi­zi­ellen Lizenznehmern und Sponsoren gezogen werden muss. Ein Experiment mit offenem Ausgang …

  48. Schnapsi

    FÄLLT keinem auf, dass das Logo ausein­an­der­ge­nommen ZION bedeutet??

Kommentarfunktion ist deaktiviert.

<em>kursiv</em>   <strong>fett</strong>   <blockquote>Zitat</blockquote>
<a href="http://www…">Link</a>   <img src="http://bildadresse.jpg">