EU sucht neues Biologo per Wettbewerb

Frisch einge­troffen, passend zum Thema: Die Europäische Kommission ruft Studenten und Jungdesigner in 27 Mitgliedsstaaten per Wettbewerb dazu auf, bei der Schaffung eines euro­pa­weiten Bio-Logos mitzu­wirken. Dem Gewinner winken 6000 €.
Hintergrund 1: Im März 2008 wurde bereits ein Logo vorge­stellt, dass jedoch dem Aldi-Bio-Logo zu ähnlich sah (Fontblog berich­tete). Hintergrund 2: Erik Spiekermann ist EU-Kreativbotschafter.


74 Kommentare

  1. Vroni

    1. Noch mehr und noch mehr neue Biologos verwirren den Verbraucher. Welche EU-Blasen sitzen da im Marketing?

    2. Contest selber: Ich kann jedem Jung-Grafikdesigner, der nicht auf Hartz4 landen will, nur raten: Kapriziere dich nicht auf Logos oder Plakate. Denn das ist genau das, was man durch Massen-Contests im Moment zeit­geistig brutal entwertet. Spezialisiere dich auf etwas, das in Crowd-Contest nicht abge­fragt wird oder werden kann, weil es denen zu kompli­ziert ist.

    Also was in einem Crowd-Contest NICHT oder nur sehr schwer funk­tio­niert (und wovon sie dann abge­schreckt sind, ist ja Arbeit…): Zeitschriften, Anzeigenkampagnen, Webkampagnen, also längere Entwicklungen.

    Alles andere wird in unseren Gesellschaften immer mehr zum Kaugummiautomaten degra­diert: Oben ein Zehnerl rein, unten ein Logerl raus.

  2. HD Schellnack

    Viel span­nender die Frage: Wer hat die Anzeige gestaltet?

  3. Jürgen

    Ein Biologo zu entwerfen, dass in 27 Staaten funk­tio­nieren soll, halte ich für eine ausge­spro­chene Profiarbeit. Allein die Recherche bestehender Schutzrechte kostet ein paar Tausender. Will die Europäische Kommission wieder in die gleiche Falle tappen, wie beim ersten Versuch? Oder glaubt sie, dass sich im Rahmen eines Wettbewerbs die Gefahr einer Ähnlichkeit von selbst regu­liert?

  4. Vroni

    Noch viel span­nender ist die Frage. Wer berät eigent­lich diese Eu-Leute?

  5. thomas junold

    wir wurden im studium noch und nöcher mit so einem unsinn gequält.
    das kann doch nichts von bestand werden. wie auch? jürgen hat recht.

  6. robertmichael

    @ hd, nix anzeige. webseite!
    ich glaube leider das selbst erik hier den hahn nicht zudrehen kann, selbst wenn ich es mir wünschen würde. anscheind ist crowd­sour­cing momentan einfach mode. in paar jahren werden die leute merken das soetwas nicht funk­tio­nieren kann.
    ich vermisse hier übri­gens auch klare stel­lung seitens der fach­presse. page, novum, w&v, form und co. wo seit ihr? aber wenn sogar die page solche sachen unter­stützt fühlt man sich als grafiker leicht verarscht.

  7. robertmichael

    was war eigent­lich an dem alten logo verkehrt, also an dem sechs­eckigen?
    brüssel hat anscheind nichts besseres zu tun oder einfach zuviele gelder die unter die leute gebracht werden müssen. fein, bringt ja auch arbeits­plätze. schon allein die einsen­dungen auswerten sollte einige zeit dauern, damit sind sicher ne hand­voll sekrä­te­rinnen ne weile beschäf­tigt. oder dürfen die user wieder abstimmen? ich freu mich schon jetzt was dabei heraus­kommt. notfalls wirds von meta­de­sign nochmal über­ar­beitet.

  8. Ole Schäfer

    … das «aktu­elle» Logo ist ein deut­sches (und wahr­schein­lich gibt es einen Rechtinhaber) sowetwas kann die EU nicht einfach über­nehmen ;·)

    … die Rechterecherche kostet dann noch eher mehre Zehntausende, ausser die Rechtseintragungsfähigkeit muss vom Entwerfer ganan­tiert werden; soweit habe ich mir die Unterlagen nicht durch­ge­lesen, sollte dies so sein, könnte man sein Studium als Gewinner beenden und auf Jura umsat­teln ;-(

  9. HD Schellnack

    Ach so – gab auch ne Anzeige in der Page, deshalb kam ich auf Anzeige. Sieht aus wie für 1000-Schriften-à-99-Euro-Werbung.

  10. erik spiekermann

    Noch viel span­nender ist die Frage. Wer berät eigent­lich diese Eu-Leute?

    Das versuche ich heraus­zu­be­kommen. Bisher habe ich nur PR agen­turen getroffen, die viel geld verbraten und unge­heuer ahnungslos sind, was design betrifft. Aber die haben die büros in Brüssel und die kontakte.

  11. Vroni

    Ich tippe mal auf PR-Schwätzer.

  12. Juliane

    Eine sport­liche Idee, sich als Designstudent im Denk- und Assoziationsumfeld mit Kommillitonen aus Europa zu chal­lengen. Das rockt und ist mit dem rich­tigen Prof. und Designteam eine feine Referenz in der Portfolio-Tasche.

    Greift die Finanz- und Wirtschaftskrise wirk­lich so tief, dass die gewünschte Lösung eher an Hochschulen – wie in diesem Wettbewerb – plat­ziert ist?

    Das hat Jürgen #3 bereits erkannt: heraus­zu­finden, wie 27 unter­schied­liche Kulturen ticken und welches Bedürfnis sie vereint für den kultur­über­grei­fenden Design-Konses ist beson­ders in der Analysephase kosten­in­tensiv. Kompromiss ist das Wort der Stunde. Ich dachte, Design macht keine Kompromisse, sondern pola­ri­siert? Oder verwechsel ich das mit Kunst?

    @ erik #10
    Welches Design-Verständnis erwar­test Du von PR Seite bzw. welches setzt Du voraus?

  13. Vroni

    „chal­lengen und rocken“
    Juliane, dann man ran ans Logo!

    Dein Fan von der Titanic

  14. jamie oliver

    Gähn! 100 mal die glei­chen lang­wei­ligen Kommentare gegen Crowd contest. Sogar ich habe inzwi­schen das Gefühl das muss böse sein. Aber ehrlich wers mag macht mit, die anderen lassens. Das Phänomen wird von alleine verschwinden und wenn nicht kann man so eh nichts dran ändern.

  15. Ole Schäfer

    … also gut: Wettbewerbe dieser Art sind toll. Alle die mitma­chen dürfen, mitma­chen! Überschwemmt sie mit dem Besten, was wir je gesehen haben.

    Alle die niemanden mit Kommentaren lang­weilen wollen, sind dazu aufge­rufen «design­kri­ti­sche Texte» zu schreiben und dafür prämiert zu werden:

    http://​www​.bf​-preis​.de/​s​t​a​r​t​/​i​n​d​e​x​.​php

  16. Jürgen

    Was es nicht alles gibt. Ich finde, der Wilhelm-Tell-Preis für design­kri­ti­sche Texte gebührt den Fontblog-Kommentatorinnen und -Kommentatoren.

  17. erik

    Welches Design-Verständnis erwar­test Du von PR Seite bzw. welches setzt Du voraus?
    Wie ich schon schrieb: sie sind ahnungslos. Und das ist eine nette formu­lie­rung.

  18. Sascha

    Faszinierend.
    Bei uns an der FH ist das eines der Topthemen Fast 1/3 des ganzen Kurses will an diesem Wettbewerb mitma­chen. Ob dabei jetzt wirk­lich gutes raus­kommt sei mal dahin gestellt, aber auf studen­ti­scher Ebene werden diese öffent­li­chen Wettbewerbe sehr gerne ange­nommen.

  19. fhuber

    Da kann nur der Super-Erik aus der »form« uns retten! :)
    Ich möchte ein poli­ti­sches Gegenargument zu Bedenken geben. Bei der EU knarzt es derzeit etwas im Getriebe, da die (längst über­fäl­lige) Verfassung auch im wieder­holten Anlauf immer noch nicht verab­schiedet ist.
    Da auch das dt. Bundesverfassungsgericht sich der Frage stellen musste, inwie­weit die EU über­haupt noch mehr Staatskompetenzen über­nehmen darf, gibt es aktuell einige Stimmen in Europa, die für eine Verschlankung der EU sind.
    Der Rechtsruck in Österreich ist u.a. solch ein Zeichen.
    Die EU will natür­lich keine reali­täts­ferne zusätz­liche Verwaltung sein (Stichwort: Bananenkrummheitsverordnung), sondern den euro­päi­schen Bürgern „nahe“ stehen.
    Ein offener Wettbewerb verdeut­licht dies natür­lich mehr, als eine Agentur zu beauf­tragen.
    So, und jetzt wo ich die Vergütung mir anschauen wollte, lässt mich die Wettbewerbsseite im Stich…
    Nunja, ein schönes Osterwochenende euch noch alle!

  20. robertmichael

    toll das man sich bei der TU auch schon bei solchen wett­be­werben betei­ligt. später wundern sich die studenten dann wieso sie als selbst­stän­diger grafiker nicht auf ihr geld kommen. dann doch lieber hierhin: http://​www​.chris​tian​bu​e​ning​.de/​b​l​o​g​/​?​p​=36

    ich hoffe die studenten kicken wenigs­tens eine gute idee nach der anderen heraus, damit der EU die entschei­dung noch schwie­riger fällt.

  21. Vroni

    EU versus lokal, apropos Bürgernähe:

    Auch nicht schlecht, was sich g’standene Gemeinderäte unter einer ange­mes­senen Preishöhe für ihren aktu­ellen Logowettbewerb vorstellen: 1. Preis 300 Euro. Gesehen auf: http://​www​.poing​.de/​w​i​l​l​k​o​m​m​e​n​/​p​o​r​t​a​l​/​d​e​t​a​i​l​s​/​b​a​c​k​/​1​5​4​/​p​s​/​1​2​3​8​8​2​0​7​4​8​/​a​r​t​i​c​l​e​/​1​1​5​0​-​j​a​h​r​-​f​e​i​e​r​-​d​e​r​-​g​e​m​e​i​n​d​e​-​p​o​i​n​g​-​l​o​g​o​-​w​e​t​t​b​e​w​e​r​b​.​h​tml

    Info: Poing liegt nicht im armen Meck-Pom, nein im Landkreis Ebersberg bei München. Quasi im Speckgürtel. Schlecht geht es der Gemeinde nicht, auch wenn man es von der Preishöhe her denken könnte…

  22. Kevin

    Vielleicht sieht die Anzeige/Website ja auch nur so „billig“ aus, um der Bitte nach einem durch­dachten Entwurf eine beson­dere Gewichtung zu geben?
    Nein, so naiv bin ich nicht wirk­lich.

  23. ole

    … dann inves­tieren wir doch alle 5 Minuten für 0815poing, Beratung würde ich bei dem Etat aller­dings ausschliessen …

  24. Indra

    Gute Idee, Olé,
    Ich habe jetzt mal mitge­macht (12 Minuten inkl. email)

  25. Benjamin Hickethier

    Im Grunde genommen finde ich die Verbindung dieser Aufgabenstellung und von Studierendenprojekten gar nicht so verkehrt, im Gegenteil, gera­dezu geeignet – die Problematik entsteht viel­leicht aus der Formulierung ‹Wettbewerb› a.k.a. Cloudsurfing oder der Fokussierung darauf hier (sprich: schril­lenden Alarmglocken). Wäre es ebenso falsch aus Sicht der vehe­menten Crowdsourcing-Bekämpfer hier, wenn diese Aufgabe (von Recherche über grafi­sches-Symbol-Dissektion bis zu Idee-Konzept-Ausarbeitung) in geord­netem Rahmen als Semesterprojekte an ausge­wählten euro­päi­schen Hochschulen durch­ge­führt würde? Und even­tuell sogar ohne 6000 € Prämie?

  26. Indra

    Sehr guter Punkt, Benjamin. Mit solchen Anfragen werden die Hochschulen nämlich bombar­diert. (Wahrscheinlich von Institutionen und Firmen, die noch nicht auf die öffent­liche Ausschreibung gekommen sind).
    Und das ist es für mich: eine unbe­schränkte öffent­liche Ausschreibung, bei der man mitma­chen kann oder auch nicht. Mit einem ordent­li­chen Preisgeld.
    Fragt mal Architekten nach ihren Erfahrungen. Da gibt es Generationen von jungen Büros, die nichts anderes als Wettbewerbe »schrubben«, heisst das dann, und viel arbeits­auf­wen­diger, als in unserem Fall, denn es ist fast die einzige Möglichkeit, an einen Auftrag zu kommen. Die Architekten jedoch haben eine einklag­bare Wettbewerbsrichtlinie, passiert auch oft genug, dass jemand gegen das Verfahren klagt.

  27. Indra

    Ich sollte nicht vor dem ersten Kaffee font­blog schreiben …

    Der wieder­holte Vergleich mit den Architekten ist hier natür­lich nicht ange­bracht. Bei ihren Ausschreibungen/Wettbewerben dürfen nur Architekten mitma­chen und sie haben dieses K-Dings (wovon ich hier jetzt nicht wieder anfangen will), das prüft, wer da drunter fällt. Aber abge­sehen davon regelt ihre Ordnung Dinge, die auch für Designwettbewerbe nütz­lich wären:
    z.B. müssen in Juries ein bestimmter Anteil Fachleute sein, da Laien nicht immer entscheiden können, was ein guter Entwurf ist und Politiker evt. andere Interessen verfolgen. Das hängt aber natür­lich auch mit den Auftragssummen zusammen, um die es sich da dreht und ist beson­ders wichtig bei Vorhaben, die aus öffent­li­chen Mitteln bezahlt werden (die Allgemeinheit, die bezahlt, hat das Recht, den best­mög­li­chen Entwurf zu bekommen). Die Wettbewerbsrichtlinien sind in diesem Punkt gerade auf Drängen der EU gelo­ckert worden.

    Des Weiteren regeln die Richtlinien, dass keine kosten­freien Wettbewerbe veran­staltet werden dürfen. Viel mehr ist fest­ge­legt, dass mindes­tens die Summe bezahlt werden muss, die diese Planungsphase, also z.B. der Entwurf, bei der direkten Beauftragung gekostet hätte (früher war bis 3 x höher möglich). In der Honorarordnung, die eigent­lich alle Architekten hassen, ist nämlich prozen­tual von der Bausumme genau gere­gelt, was welcher Schritt zu kosten hat. Bau-, bzw. Realisierungssummen kann man leider auch nicht auf Designer über­tragen, aber man könnte sich an den vorge­schla­genen Honoraren des BDG oder AGD orien­tieren (was prak­tisch auch oft geschieht).
    Eine inter­es­sante Sache: es gibt auch Auslober anderer Bereiche, die sich explizit an den Wettbewerbsrichtlinien der Architekten orien­tieren, z.B. Münzwettbewerbe. Wer das nicht alle Tage macht und sich mit der Rechtslage auskennt, ist mitunter dankbar, Hilfe für »korrekte« Ausschreibungsbedingungen an die Hand zu bekommen.

    Vielleicht könnten wir zur Diskussion auf der Typo auch jemanden von der Architektenkammer einladen, der sich mit Wettbewerbsrecht auskennt?

    ((und wahr­schein­lich ist das alles schon mehr­fach geschrieben worden, aber die langen, m.U. pole­mi­schen postings – unter die ich mich nun leider unbe­ab­sich­tigt auch gereiht habe – kann kein Mensch mehr verfolgen))

  28. robertmichael

    @ benjamin. nur solange es ein fall­bei­spiel bleibt, alles andere ist pure ausbeu­tung. lernen kann man auch an auser­dachten beispielen. wieso sollte ein student im studium ein logo for free gestalten wenn er es ein semester später richtig berechnen könnte? die geschichte mit dem nike-swosh kennen wir ja alle.

  29. Vroni

    Zum Thema Logos beauf­tragen durch die EU.

    De EU kann sehr wohl auch teuer:
    „216.000 Euro für deut­sche EU- und G8-Logos?“

    Auszug:

    „…das G8-Logo nach Informationen aus Regierungskreisen 116 000 Euro gekostet und das EU-Signet rund 100 000 Euro. Die Logos seien von der Agentur MetaDesign geschaffen worden, die in der Vergangenheit bereits mehrere ähnliche Aufträge für die Bundesregierung abge­wi­ckelt habe, heißt es in dem Bericht weiter. Mit dem Preis würden den Angaben zufolge die „Kreativleistung“, die Sicherstellung der elek­tro­ni­schen Verwertung und die welt­weiten Rechte an den Signets abge­golten.

    Artikel aufrufbar unter:
    http://​www​.rp​-online​.de/​p​u​b​l​i​c​/​a​r​t​i​c​l​e​/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​4​0​8​7​6​8​/​2​1​6​0​0​0​-​E​u​r​o​-​f​u​e​r​-​d​e​u​t​s​c​h​e​-​E​U​-​u​n​d​-​G​8​-​L​o​g​o​s​.​h​tml

    Ich frage mich:
    Ein Zwischending zwischen derar­tigen Preisen und dem Biologo-Billigwettbewerb* war wohl nicht drin? Was geht ab?

  30. ole

    … die teuren Logos wurden unter deut­schen Ratspräsidentschaft beauf­tragt, das sind staat­liche Repräsentationszwecke – es wurde ja auch für ein Foto ein Riesenstrandkorb gebaut. Biologos sind Verbraucherschutz, das ist die unterste Position in der Kategorie Repräsentation, dafür gibt man kein Geld aus …

  31. Benjamin Hickethier

    robert­mi­chael (28.): »wieso sollte ein student im studium ein logo for free gestalten«. Es ist ja nicht gesagt, dass nicht auch ein Semesterprojekt, das parallel an verschie­denen euro­päi­schen Hochschulen durch­ge­führt wird (am Besten in einem vernetzten Austausch, was das ganze noch lehr­rei­cher und span­nender machen würde), mit einer Prämie für den letzt­end­lich ausge­wählten Entwurf belohnt wird – wobei hier dann auch zu über­legen wäre ob das Geld sinn­vol­ler­weise an die gesamte Studierendenprojektgruppe geht, oder sogar an die Hochschule. Aber wieso eigent­lich nicht? Wenn es um eine span­nende Aufgabenstellung geht, ein lehr­rei­ches Projekt oder ein enga­gie­rendes Thema (wie viel Designarbeit ›for free‹, z.B. für soziale oder kultu­relle Initiativen, leistet man als Designer nicht auch nach dem Studium!).

    »lernen kann man auch an auser­dachten beispielen.« Ich empfinde es als großes Glück, während meines Studiums (in Weißensee, anders in Austauschsemestern am LCP und an der KABK in DH), eher weniger an ›auser­dachten‹ Beispielaufgaben gear­beitet haben zu müssen. In Weißensee sind die ProfessorInnen sehr an Projekten ›aus der Wildbahn‹ (wie es dort heißt) inter­es­siert, d.h. an konkreten Zusammenarbeiten mit und Aufträgen von realen Auftraggebern. Die Lerneffekte sind ein Vielfaches. Ob meine Arbeit während des Semesters für ein reales Projekt anschlies­send ›entspre­chend‹ vergütet wurde oder nicht, hat zumin­dest nicht meine Motivation beein­flusst (aller­dings hatte ich auch das Glück, während des Studiums quasi keine Studiengebühren bezahlen zu müssen).

    Das ist alles natür­lich weit von der Crowdsourcing-Debatte entfernt. Oder? Ich weiß es nicht.

  32. Fjord

    @ Benjamin (31)

    Das ist gar nicht so weit von der Crowdsourcing-Debatte entfernt. Keine Sorge.

    Mich persön­lich ärgern die enorme Schwarzmalerei, Angsthaserei (passend zu Ostern) und Panikmache in „Crowdsourcing vs Designbüro: Ein Interview“ sehr. Beispielsweise HD (# 22):„Da wird viel Mittelbau unter­gehen – aber was am Ende übrig­bleibt, wird besser sein. Wie in anderen Branchen – Buch, Film, Musik – ja auch.“ Oder Vroni (# 25): „Und den kleinen Grafikbüros bricht in der Zeit exakt ihre Kundschaft weg. Das ist, das war ihre Kundschaft, wech isse. Und zwar mindes­tens so lange, wie es reicht, um pleite zu gehen.“ Und auch hier ist es nicht besser, wenn Vroni unter # 29 „De EU kann sehr wohl auch teuer: 216.000 Euro für deut­sche EU- und G8-Logos?“ ein Projekt der Bundesregierung als EU-Projekt verkauft. Was Ole (# 30) erst mal grade­ziehen muss, weil inhalt­lich falsch. Und was zudem irgendwie nach Neiddebatte riecht. (Nein, Vroni, ich bin weder verwandt, noch verschwä­gert mit MetaDesign. ;-)

    Mich hat irgend­wann einmal ein ehema­liger Studienkollege um Rat gebeten, als er kurz davor stand, sich selb­ständig zu machen. Was mir wichtig war, ihn zu fragen, war ganz simpel: Ob er davon über­zeugt war, dass es funk­tio­nieren würde, dass er gute Arbeit leisten würde. Das ist die einzige Frage, die zählt. Die nach der Motivation. Denn in dem Zusammenhang sind wir tatsäch­lich Unternehmer. Und kein Unternehmer kniet sich in etwas rein, wovon er denkt, es muss zwangs­läufig in die Hose gehen. (Und kein ernst­zu­neh­mender Unternehmer enga­giert sich in 1:1000 Wettbewerben, seien wir ehrlich. Das ist wirk­lich reine Zeitverschwendung und Beschäftigungstherapie. Und vor den Amateuren, die es trotzdem tun, braucht hier niemand Panik zu haben. Die hat es nämlich auch schon immer gegeben, und wir leben und gestalten trotzdem noch.)

    Fatalismus, Defätismus und Bangemachen in HD’scher oder Vroni’scher Tonlage (sorry, Ihr beiden, es gab auch andere Stimmen aber Ihr wart leider stets am lautesten) bringt rein gar nichts. Weil nämlich niemand von uns hier wissen kann, wie die Zukunft tatsäch­lich aussehen wird. Alles nur Mutmaßungen. Nichts weiter. Und damit gewinnt man weder einen Blumentopf, noch über­zeugt man damit einen Kunden. Ganz im Gegenteil: Man macht sich klein und- sorry – irgendwie jämmer­lich. Und mit solchen Dienstleistern will natür­lich niemand arbeiten, oder?

    Ich war auch lange ange­stellt. Sogar selbst CD in einer mittel­großen Agentur damals. Und die Bloss-keine-Widerrede-dem-Kunden-gegen­über-Denke wurde mir auch einge­impft. Die habe ich mir, so bald ich selb­ständig war, Stück für Stück wieder abge­wöhnt. Und es funk­tio­niert heute gerade deshalb mit meinen Kunden. Weil sie nämlich genau diese selbst­be­wusste Haltung gepaart mit gestal­te­ri­scher Raffinesse schätzen.

    Unbezahlte Pitches habe ich noch nie mitge­macht. Und werde es auch nie tun. Massenwettbewerbe inter­es­sieren mich schlichtweg nicht die Bohne. Und warum? Weil es tausendmal sinn­vol­lere Dinge zu tun gibt! (Als hätten wir zu viel Zeit im Leben, als dass wir sie in total sinn­lose Crowdsourcing-Aktivitäten inves­tieren könnten, echt, Leute!)

    Ein biss­chen mehr Gestalterstolz, wenn ich bitten darf! Ist ja schon fast pein­lich. ;-)

  33. Fjord

    Meine #32 gehört wohl irgendwo zwischen die beiden Artikel „Crowdsourcing vs Designbüro: Ein Interview“ und diesen hier. Also nicht wundern. ;-)

  34. Vroni

    Ich liebe Leute, die mit dem Killerargument Neiddebatte kommen. Ich liebe auch die ganz beson­ders, die immer sagen, also MIR geht es gut, was habt IHR denn…

    Solche kannte ich bereits seit dem Studium: das waren die „sich selbst in die Tasche Lüger“ und bei Grafikdesigner beson­ders stark verbreitet, wie mir schien. Diese brau­chen mich eignet­lich gar nicht aufregen, könnten mir eigent­lich wurscht sein, jedoch sie verzerren eine wich­tige Designer-Debatte in einer Weise, die ad hominem geht statt ad rem (auf Deutsch: kommt sach­lich daher, greift jedoch in seiner Hauptstrategie die „Gegenseite“ als ängst­lich und wenig selbst­be­wusst an.

    Der soge­nannte „Gestalterstolz“, den braucht man ausge­rechnet mir nicht abspre­chen. Leider führt er dazu, dass die Kunden zuneh­mend die (ange­mes­senen und keines­wegs über­trie­benen) Preise (deut­lich unter AGD-Niveau, aber immer noch nicht recht) nicht zahlen wollen, von Nutzungsrechten gar nichts mehr wissen wollen, regel­recht dabei ausflippen, wenn man Nutzungsrechte nur erwähnt (dann ist man bereits längst „draußen“ während man noch nett auf die Bedürfnisse des Kunden eingeht und sich „gut verkauft“) und die sich auch nicht auf den „Designprozess“ einlassen.

    Das habe ich nicht meinem schlechten Selbstbewusstsein zu verdanken (mein Mann sagt, ich hab zuviel) oder meiner Unfähigkeit zu verdanken, nicht erklären zu können, sondern ausge­rechnet den lieben Grafiker-Kollegen, die alles für 3 Mark fuff­zich billiger machen.

    Was ich in den letzten beiden Jahren auf dem soge­nannten Grafikermarkt erlebt hatte, reicht für ein Aufklärungsbuch der beson­deren Art. „Hauptschuldige“ in den meisten Akten sind nicht die Kunden, sondern: Grafikdesigner-Kollegen, die sich für kein Dumping zu schad sind, nur um den Auftrag zu kriegen. Ich lebe nicht in einer Krisenzone, sondern ausge­rechnet im reichen München. Und weiß einiges über die Situation von Grafikern dort. Und weiß langsam, wo „meine Feinde“ sitzen: längst in den eigenen Reihen.

  35. Fjord

    Wenn Dein Arbeitsalltag bereits von Frontendenken geprägt ist („Gegenseite“, „Hauptschuldige“, „meine Feinde“ – die von Dir gesetzten Anführungszeichen machen die Begriffe auch nicht weicher, sorry), würde mich inter­es­sieren, warum Du eigent­lich noch Grafikdesign machst? (Mir ging es in #32 wesent­lich um Motivation.)

    Und eine Ergänzung: Ich denke, es kann hier im Fontblog nicht darum gehen, dass sich Designer öffent­lich zu Jammerkaspern und Panikaffen machen und auf Kunden wie Kollegen glei­cher­maßen losgehen. Das löst keine Probleme. Ganz im Gegenteil: es verstärkt die bereits vorhan­denen. Nämlich die Außenwahrnehmung der Mitglieder unseres Berufsstandes als zickige, selbst­ver­liebte und geschäfts­un­tüch­tige Dekorateure (hörst Du die Betriebswirte nicht laut lachen da draußen?). Kein Wunder, dass wir die Retourkutsche in Form nicht akzep­tierter Honorarforderungen einfahren. Damit, liebe Vroni, erweisen Du und Andere uns einen wahren Bärendienst. Danke.

    Man muss die Situation nicht toll finden. Bestimmt kann sie besser sein. Da sind wir uns einig. Aber im Wesentlichen geht es doch darum, dass wir als Designer ernst genommen werden wollen. Die Frage der entspre­chenden Vergütung ist dem nach­ge­ordnet: Ein Honorar ist immer auch eine Frage des Respekts und der Wertschätzung einer profes­sio­nell erbrachten Leistung. Aber augen­schein­lich sorgen wir alle – und zwar die Billigheimer und wir andere dafür, dass sich der Wert unserer Mühen Außenstehenden nicht erschließt. Das ist das Problem, das es zu lösen gilt. Und da kommt es viel­leicht tatsäch­lich auf die indi­vi­du­elle Überzeugungsarbeit im konkreten Projekt an.

    Vielleicht können wir uns darauf einigen?

  36. Vroni

    Motivation ist was schönes, ich bin den ganzen Tag über moti­viert.

    „Und da kommt es viel­leicht tatsäch­lich auf die indi­vi­du­elle Überzeugungsarbeit im konkreten Projekt an.“

    Eben nicht, das hatte ich auch 7 Jahre lang geglaubt:-) Ich bin ein hoffn­ungloser Optimist, der immer zuerst an Kompetenz, Persönlichkeit und Überzeugungsarbeit glaubt.

    Das Projekt muss man auch erstmal HABEN, bevor man mit Kompetenz glänzen kann, das ist ein zusätz­li­cher Kasus Knacktus. Und ein Denkfehler.

    Die Wahrheit der Akquise draußen ist daher eine andere (und Wirtschaftler aller mögli­chen Branchen und Dienstleistungen geben mir da Recht, siehe auch Produktzyklen der Boston Consulting Group):

    Wenn die Dienstleistung oder das Produkt im Übermaß produ­ziert wird und/oder der Kunde nicht weiß, wo er Unterscheidungskriterien anlegen soll, weil sich diese zu sehr ähneln oder er sich nicht auskennt, dann wird er auf das einzige Entscheidungskriterium zurück­greifen, das er feste und ganz sicher hat: den Preis. Der steht in seiner Entscheidung VOR allem. Was er jedoch gerne leugnet.

    Alle anderen Entscheidungskriterien sind ihm zu weich und zu ähnlich für eine entschei­dende Differenzierung in seiner Auswahl (Kriterien wie: Wertschätzung, Kompetenz, Persönlichkeit, bera­tend, geduldig, koope­rativ, Service) oder er kennt sich in ihnen einfach nicht aus (Kriterien wie: Web 2.0, CTP, Leitsystem, Drucktechniken, Branding).

    „Die Frage der entspre­chenden Vergütung ist dem nach­ge­ordnet.“

    Nein, vorge­ordnet. Qu.e.d.

    Große Werbeagentur-Pitches z. B. gehen schon lange so vor, dass die Entscheidungsrunden in zwei Phasen aufge­teilt sind. 1. Finanzrunde, dann nach­ge­ordnet: 2. Runde Designleistung, krea­tive Ideen. Erst wenn die Finanzrunde durch ist und das Preis-Angebot der Werbebagentur im (güns­tigen) Rahmen lag, dann wird sie in die 2. Runde, zum Kreativ-Pitch einge­laden. Praxis seit mind 20 Jahren.

    Das ist für mich auch ein wesent­li­cher Fakt, der mich dazu bringt, z. B. Akquisiionscoachings, die behaupten, nur auf die Persönlichkeit, Kompetenz und die Wertschätzung käme es an, dann sei auch jedwedes Honorar kein Problem, als absurd zu empfinden.

    So jetzt konstruk­tiver Vorschlag

    Mehr denn je zählt es daher, sich nicht nur über­haupt zu posi­tio­nieren, sondern sich als Designer dermaßen deut­lich über harte Fakten zu posi­tio­nieren wie nur irgend möglich. Als nur über weiche Faktoren wie Wertschätzung, koppe­rativ etc. Letztere sind in der Vor-Entscheidung des Kunden für ein Projekt den und nicht den Grafiker zu nehmen nicht rele­vant, da in diesem Stadium nicht beweisbar. Das zeigt sich erst in Vorgesprächen und nicht einmal diese können verhin­dern, dass alle „gleich nett“ und „gleich kompe­tent wirkten“ (auch evtl. über die Gefahr von „Overberating“ und Beratungsabzocke) und dann doch wieder der Preis den wahren Ausschlag gibt.

  37. Vroni

    Auch ganz schöne Entwertung:
    „….dass sich Designer öffent­lich zu Jammerkaspern und Panikaffen machen und auf Kunden wie Kollegen glei­cher­maßen losgehen.“

    Wie das?

    Wenn man will, kann man diesen feinen Satz als ein ganz schönes Losgehen bezeichnen, das das Kritisierte locker in den Schatten stellt, mein Bester.

    Weder ist HD ein Panikaffe, noch sind Leute wie ich Jammerkasper. Wir weisen auf reale Probleme hin, wir begründen und sortieren differn­ziert. Meinereiner wird nicht müde zu betonen, dass Designer kalku­lieren lernen sollten, sonst wird der BWLer in der Tat lachen. (ich bin überi­gens ein halber BWler, ich lache da mit…)

    Wer mir bei den Hinweisen auf Probleme und Verwerfungen in den Rücken fällt und diese offene diskur­sive Haltung als Jammerei und Schlechtmachen von Kunden und Kollegen diffa­miert, den bezeichne ich aber weiterhin gern als „meinen Feind“ und habe gar kein Problem mit.

  38. Marc

    @Vroni: Die Kunden haben jedes Recht der Welt, haupt­säch­lich nach dem Preis zu gehen. Wenn ihr keine anderen „harten“ Kriterien finden und darstellen könnt, dann ist das prak­tisch das einzig sinn­volle Vorgehen der Kunden.

    Es zahlt in meinem Bereich (Softwareentwicklung) auch kein Kunde einen Mehrpreis, weil der Code so schön struk­tu­riert ist. Weil die Einrückungen alle aus vier Leerzeichen bestehen. Oder weil der unheim­lich nette Kollege ihn geschrieben hat.

    Er will knall­hart wissen, was er wann zu welchem Preis bekommt. Und wählt danach aus.

    Außerdem gibts immer Kunden, die „das Bessere“ wünschen. Um die kloppen sich halt offenbar viel zu viele Gestalter.

    So what? Werden ein paar Gestalter eben zu Briefträgern, Professoren, Softwareentwicklern oder Bankräubern.

    Es gibt kein Grundrecht darauf, eine eigent­lich nicht vorhan­dene Nachfrage gestellt und deren Befriedigung dann fürst­lich entlohnt zu bekommen.

  39. Fjord

    Na, dann haben wir es uns ja jetzt beide tüchtig gegeben. ;-)

    Bin kein „Feind“. Echt nicht. Hab im Gegenteil ähnliche Probleme (wer nicht?). War aller­dings zwei Jahre mit einem „Jammerkasper“ in einer Bürogemeinschaft Tisch an Tisch. Und kann das Jammernpanikmachendauerklagenmäkeln deshalb einfach nicht mehr ab. Bin eigent­lich ein Sonnenscheinchen. Aber der Kollege damals war eine echte Prüfung. … Und jetzt bin ich eben aller­gisch dagegen. ;-)

    Aber zu Deinem konstruk­tiven Vorschlag aus #36: Klare Positionierung? Prima! Sind wir uns schon einig. Und anfangen würde ich beim Angebot: Weg mit den „Ich kann alles“-Bauchläden. Das wäre mal ein Schritt in die rich­tige Richtung.

    Wenn ich es mir genau über­lege, dann muss ich aller­dings sagen, dass bei mir die meisten Jobs über Empfehlungen rein­kommen. Irgendwie kommt es wohl doch auch auf die in älteren Projekten geleis­tete Überzeugungsarbeit an. ;-)

  40. Fjord

    Achja, die #39: @ Vroni ;-)

  41. Verena

    Ihr Lieben,

    Ich glaube, das was Ihr hier treibt nennt man »Äpfel mit Birnen…«
    Zu Designleistungen zählen noch jede Menge Orga- und Betreuungsaufgaben. Es geht nicht immer nur um »schön« sondern auch um »reibungslos«. Und dass das kostet wissen gute Kunden.

  42. Vroni

    Marc,
    hat jetzt irgendwer von einem Grundrecht gespro­chen?
    Was ist das für ein Strohmann-Argument? (straw man fallacy http://​de​.wiki​pedia​.org/​w​i​k​i​/​S​t​r​o​h​m​a​n​n​-​A​r​g​u​m​ent).

    Aber zumin­dest gibst du zu, dass Aufträge nicht über den schönen Code oder die Nettigkeit kommen (das sind zu weiche Faktoren).

    Fjord
    Ja, über Empfehlung Aufträge zu bekommen ist was sehr Schönes. Diese reichen in weiten Bereichen des Grafikdesigns jedoch nicht mehr aus, die Auftragsbücher voll zu bekommen.

    Um den Bogen zurück zu den Wettbewerben zu bekommen: – Sind diese eine Empfehlung?
    – Oder sind sie nicht anonym wie sonst nur was?

    Geld

    Und das Pricing dieser Wettbewerbe, von 8000 für Cottbus bis 6000 für ein 27(!)-EU-Länderwerk und 300 für ein Jubiläumslogo-Wettbewerb wird mir nicht (niemandem) klar, wie Designleistung in der Öffentlichkeit bewertet, geschätzt wird (außer mit reiner Willkür). Daran kann auch nicht jedesmal der kleine Grafiker schuld sein, dass drau0en keiner weiß, was das kosten darf. Ich frage mich, weshalb ADG und BDG ihre Honorarempfehlungen so über den Berg halten. Warum sind sie für jeden, auch für Nichtmitglieder, nicht sofort einsehbar?

    Warum steht nicht sofort sichtbar auf den ersten Seiten dieser Verbände zum Runterladen, was alles in einem Logo-Wettbewerb drin stehen muss, damit er recht­lich sicher und o.k. ist. Warum ist dieses Spiel so furchtbar geheim und intrans­pa­rent, warum muss jeder Infowillige für die Honorarempfehlungen zahlen?
    (Der CC Etat-Klakulator das gleiche).

    Als BWLer käme mir den Eindruck versnobter Chaos-Club auf. Ich denke, dass die Designer-Verbände da ihre Haltung über­denken sollten. Deren geheimes Getue wirkt kontra­pro­duk­tiver als jeder kleine Designer, der sagt, was nicht passt.

    Wettbwerbs-Pricing und Regel-Auslobung scheint mir zudem ebenso will­kür­lich wie das, was Grafiker als Angebot abgeben. (Um Christian Brüning zu zitieren: „Ich weiß nicht, 50 Euro? http://​www​.chris​tian​bu​e​ning​.de/​b​l​o​g​/​?​p​=36

  43. Vroni

    @ Verena
    „Es geht nicht immer nur um »schön« sondern auch um »reibungslos«. Und dass das kostet wissen gute Kunden.“

    Das Versprechen „reibungslos“ kann eben­falls nicht im Vorfeld bewiesen werden. Es ist eine Erfahrung, die der Kunde erst gemacht_haben_muss, erst hinterher weiß er es. Daher als Akquise-Untermauerung der ersten Stunde was das Pricing betrifft genauso unge­eignet „schnell“, „koope­rativ“.
    Ich habe noch zig Threads aus einem Frauen-BusinessForum im Gedächtnis, wo eben diese geld­werte Qualität guter Dienstleister (IT, Design) von Kunden über Gebühr und unbe­zahlt stra­pa­ziert wird. Einen Teil der „Schuld“ gebe ich sicher dem schlechten Sichverkaufen der Designdamen, aber es ist schon arg einge­rissen in der Praxis, dass „reibungslos“ als Selbstverständlichkeit dazu genommen wird, ohne es beson­ders zu hono­rieren.

  44. Benjamin Hickethier

    Mein lieber Herr Gesangsverein, was hier an Energie an den Tag gelegt wird! Respekt. Ich schlage vor, – bei aller Liebe zur Typo – außer dem geplanten, in der mutmaß­li­chen Langzeitwirkung doch recht ephe­meren Schlagabtausch slash Podiumsdiskussion – um ein vorbe­rei­tendes, beglei­tendes, ergän­zendes, weiter­füh­rendes gemein­sames Dokument bzw. mehrere (am aller­besten wohl ein Wiki) zu erwei­tern, aus dem ›Logowettbewerbsrichtlinien‹, ›Pricingtabellen‹, ›Umgang unter KollegInnen‹ undso­weiter und so fort abge­leitet werden können, nein, im Idealfall kollektiv fertig formu­liert werden. Und bei 5800 Fblog-LeserInnen und einigen betei­ligten Koryphäen sowie dem aner­kannten Status des Fontblog könnte so ein Manifest einige Aufmerksamkeit/inspirierende Rolle bekommen. Es sollte natür­lich weitest­mög­lichst zugäng­lich gemacht werden (vgl. Vronis Kritik an den Verbandsseiten). Besser als hier so viel Schießpulver gegen­seitig zu verbrau­chen, oder?

    In so einem Rahmen könnte man viel­leicht auch mal so grund­le­gende Begriffe wie Design/Kunst, Kommunikationsdesign, Qualitätskriterien*, Designarbeit klären ausführ­lich disku­tieren (ohne dass ein thread nach ein paar aktu­el­leren posts versiegt, zB.).

    *a propos, Marc (38.), scheint ja drin­gend notwendig: Ich möchte doch noch mal ausdrück­lich darauf hinweisen, dass Dein (wohl nicht ernst gemeinter) Vergleich völlig an den Realitäten vorbei­geht: »Weil die Einrückungen alle aus vier Leerzeichen bestehen.« ist wohl ebenso wenig ein Kriterium für bessere Software, wie es über­tragbar wäre auf den Unterschied zwischen gutem, sinn­vollem, verant­wor­tungs­vollem Design, und schlechtem Handwerk, schlechter Recherche, fehlenden Erfahrungen und schlechter Ausführung.

  45. Marc

    Ich will keine hundert­pro­zentig passenden Vergleiche finden, ich will nur aufzeigen, daß diese Haltung „der Kunde ist doof, der Kunde versteht nicht, was er will, der Kunde kann nichtmal gescheit auswählen“ schwach­sinnig ist.

    Der Kunde weiß im allge­meinen viel besser als sonst jemand, was er will.

    Daß Vronis erträumte „Hochpreisinsel der drei­ein­halb Gestalter“ nicht mit der Realität „tausende Gestalter, die sich gegen­seitig unter­bieten müssen“ zusam­men­paßt, scheint sie zwar mitt­ler­weile gemerkt zu haben, nur spielt sie halt die drei Affen und hofft, daß eine Kammer, ein Berufsethos oder ein bißchen Zauberstaub die Wirklichkeit hinweg­fegen.

  46. Marc

    @44: Wenn der Kunde das, was du für „gutes Design“ oder „gutes Handwerk“ hältst. nicht (an)erkennen mag, dann kann es zwar sein, daß er nur zu dumm ist zu begreifen, was er braucht.

    Vielleicht hat er für sein Geschäft aber auch einfach recht.

    Merke: Man sollte nie a priori davon ausgehen, daß das, was der Kunde will, blöd­sinnig ist. (eigent­lich Merkregel für den Ingenieur, aber hier auch anwendbar)

  47. Vroni

    Also Marc, der du nicht einmal mit offenem Visier spielst, was soll das.

    Ich bin jetzt raus.
    Und zwar wegen anonymer Nicks hier.
    Tschüß Jürgen.

  48. Marc

    @Vroni: Adele!

    Wer nicht disku­tieren mag, hat halt schon…

  49. Jürgen

    Ich kann – zum Glück – nicht viel sagen, weil: Ich bin für 1 Woche verreist und habe meine Tasche (incl. MacBook) vergessen. Kommentare daher nur mit dem iPhone Mäuseklavier möglich. Doch in der Beschränkung liegt oft auch ein Glück.
    War hier etwas unkon­trol­liert heiß gelaufen?

  50. ole

    … mal abge­sehen davon, dass ich finde, dass die Diskussion hier etwas aus der Schiene gesprungen ist, würde ich mich nicht grämen Vroni, Blogspammer gibt es immer wieder: Ignorieren. Thema hier geschlossen.

  51. Vroni

    Nein, ich gräme mich nicht.
    Verbringe meine Zeit in Zukunft lieber mit nutz­vol­leren und krea­ti­veren Gesprächen, ob im Netz oder offline egal. Tschüß denn mal ihr Lieben, habe die Nase von Spackos mit herun­ter­ge­klapptem Visier gestri­chen voll.

  52. Vroni

    Marc,
    auf mein Blog wirst du keinen Kommentar ablai­chen können, bist gelöscht.

  53. jamie oliver

    Ein trau­riger Abgang. Ich scheine irgendwas verpasst zu haben. Ich hoffe nur, das bleibt nicht so, sondern es wird bald wieder hart aber fair disku­tiert. Aber viel­leicht haben sich die alpha disku­tier Tierchen schon aufein­ander einge­schossen? Wäre schade.

  54. Anderer Jürgen

    @Vroni: Türenknallen ist fast immer der denkbar schlech­teste Ausstieg aus einer hitzigen Diskussion – Deine Klage ob der anony­mität finde ich eben­falls etwas unpas­send – immerhin bewegst du dich hier im Internet, „Echte“ Menschen trifft man im Biergarten, im virtu­ellen raum muss man sich eben mit gesichts­losen Meinungen zufrie­den­geben.

    Auch wenn ich deine Argumentation, vor allem die Anklage an die Dumping-Grafiker-Kollegen, nur zu gern unter­stütze so kann ich die Aussage Marcs eben­falls nur zugut nach­voll­ziehen – Sich über die Schlechtigkeit der Welt aufzu­regen ist zuweilen reine Energieverschwendung – man wird sie niemals ändern können, zumin­dest nicht wenn man mit seiner Klage zu einer feinen aber eben kleinen Minderheit gehört.

    Aufgrund der neuen Vermarktungsmöglichkeiten die das Netz bietet werden den „anspruchs­vollen“ Designern Beschäftigungsfelder an die weniger anspruchs­vollen wegbre­chen – das wird sich nicht mehr umkehren lassen.
    Ich persön­lich illus­triere neben meiner Pixelschubserei so dies und jenes – ich habe z.B. ein Engagement im Kinderbuchbereich schon ganz lang abge­hakt – hier ist Dumping Realität, und das aus vermut­lich denselben Gründen die Plattformen wie Jovoto so erfolg­reich machen: Das Malen macht Spass und viel zu viele sind auf das Geld nicht ange­wiesen oder zu dumm um den Wert ihrer Arbeit zu reali­sieren, insge­samt gibt es mangels Qualitätsanspruch ein über­bor­dendes Angebot.

    Das Problem ist haus­ge­macht, von jedem einzelnen der in dem Spiel mitspielt – auch ein starker Verband könnte hier nichts ändern, der Konsens, bzw. die Bereitschaft auf Anbieterseite für (m.M.n. zu) wenig Geld fast alles zu tun ist einfach zu domi­nant, und der Qualitätsanspruch auf Kundenseite (Sowohl in den Verlagen wie auch in den Läden) ist unter aller Kanone.
    So ähnlich wird sich dank Crowdsourcing und dem damit verbun­denen Preisverfall evtl. auch der Corporate Design Bereich entwi­ckeln – für einige wenige Ausnahmen wird es weiter­gehen wie bisher: hohe Honorare, anspruchs­volle Kunden und Projekte – der „anspruchs­volle“ Kuchen wird insge­samt aber ein Gutteil kleiner werden.

    Das gute ist das einem die Entwicklung klare Richtungen vorgibt wo und wie man sich posi­tio­nieren will – nur der Kampf sich in der jewei­ligen Nische zu behaupten wird vermut­lich unge­müt­li­cher.

  55. HD Schellnack

    Okay, es ist Mittwoch und ich darf wieder was sagen und mich freuen, dass die Abwesenheit einen echten Quantensprung der Diskursqualität gebracht hat.

    Anderer Jürgen, die Klage über Leute, die aus der Anonymität des Internet rumbratzen, ist IMMER passend. Und kommt entspre­chend immer. Vroni, ich, zig andere Leute stehen hinter dem, was sie sagen mit ihrem Namen – und machen sich damit über­prüfbar, greifbar, auch angreifbar, was auch nur richtig so ist. Wer das nicht tut, sorry, hat einfach keine Meinung zu haben oder zumin­dest nicht zu äußern. Ist eine Basissache im Gespräch, das man ehrlich und offen mitein­ander umgeht. Ich hasse Trolls, die aus Nick-Schießscharten ihren Müll schleu­dern und kann verstehen, wenn Vroni leider keine Lust hat, damit ihre Zeit zu vergeuden. Das ist kein Türenschlagen, sondern Energiesparmaßnahme :-D.

    >Sich über die Schlechtigkeit der Welt aufzu­regen ist >zuweilen reine Energieverschwendung
    Nein. Auch wenn die sich beschwe­renden Leute manchmal anst­re­gend wirken – mich ärgern eher die behä­bigen Mitschwimmer, die es uncool finden, eine Position zu beziehen (oder diese gar zu über­denken und zu wech­seln), die in der post­mo­dernen Beliebigkeitssuppe alles gut und richtig finden und jeden noch so blöden Kram irgendwie dufte finden. Man kann die Welt ändern, man MUSS die Welt ändern und Leute, die das aufge­geben haben, haben sich aufge­geben.

    Dem letzten Statement von dir kann ich voll zustimmen – Entwicklungen wie Crowdsourcing sind über­fällig, unsere Branche war lang genug im Sonnenschutzbereich und das ändert sich, wie sich alles irgend­wann ändert. Es gibt in unserer Branche bizarre Sachen – was ja nicht viel anders ist als in zig anderen Bereichen,wo man ja auch nie nach­voll­ziehen kann, warum bei glei­cher Leistung der eine Millionen und der andere nur ein paar Hunderter verdient -, und da ist das nur ein Detail. Es wird sich nicht lösen lassen, wenn man nicht zugleich viel aufgeben will, was die Designbranche so frei, schil­lernd und einzig­artig macht. Ich glaube nicht, dass wir jemals verbind­liche Rules of Conduct für die Designwelt hinkriegen werden, und seien es auch nur 5 oder 10 :-D. Was schade ist, aber irgendwie auch cool.

    WAS aber schade ist… viel­leicht… ist, wie unglaub­lich uner­fahren und dumm wir eben manchmal sind. Wieviele Studenten keine Ahnung haben von Preisen, von Vermarktungschancen, von Lizenzen, von Akquise. Wie wenig Ahnung wir alle – ich gern als erster vorweg – also wie wenig Ahnung ICH vom Business habe, wie unsmart man eigent­lich ist. Weil man ja aus einer anderen Richtung kommt.

    Das Ding ist: Design wird erwachsen. Die (tollen!!!!) Kinderjahre eines Aicher, die Teenage-Angst-Jahre von Cranbrook und HardWerken sind (zumin­dest größ­ten­teils) etwas vorbei. Der Markt wird enger, und es WIRD eben ein Markt. Nur okay, wenn man dann auch über (Infra-)Strukturen und Organisation nach­denkt. Einfach aufhören will, dumm und naiv zu sein als Branche im Vergleich zu anderen vergleich­baren Wirtschaftszweigen. Das ist erst einmal nicht doof, sondern ein Reifeprozess (bei dem man aller­dings nicht brav und bere­chenbar werden darf).

    Ich denke, Design wird sich im weiteren Sinne in Zukunft nicht mehr so sehr in Bereiche wie Produktdesign/Innenarchitektur/Grafik usw unter­scheiden, sondern eher nach ange­wandtes, prag­ma­ti­sches (und ergo bezahltes) Design, in speku­la­tives, explo­ra­tives und gesell­schaft­lich wirk­lich extrem wich­tiges Science-Fiction-Design und in freie Arbeit/Kunst mit den Mitteln der Designer, aber mit anderer Zielsetzung.

    Beim Bereich des rein ange­wandten Designs – das also einen Auftraggeber hat – ist es WAHNSINNIG wichtig, dass wir aufhören dumme Indianer zu sein, die sich unter Wert verkaufen für ein paar Glasperlen. Die Leistung von Design für Produkte, Kommunikation und den Markt ist unfassbar wichtig, zu wichtig, um sie Laien zu über­lassen. Was wir tun, ist Mehrwertschaffung pur, Unternehmensberatung in bester Qualität und es kann sich mittel­fristig BRUTAL auf den Umsatz auswirken. Wir Designer sind – absolut und ohne jeden Zweifel – Erfolgsmacher, auch wenn die Qualität nicht immer für den Controller messbar ist. Aber sie ist da. Entsprechend ist der Bereich der bezahlten Designleistung durchaus gut beraten, sich zusam­men­zu­rotten, Regeln zu finden, Strukturen zu schaffen und profes­sio­nell aufzu­treten und sich samt der eigenen Leistungen zu kommu­ni­zieren. Das ist absolut richtig und einfach eine weitere Stufe in einem Reifeprozess einer jungen Branche. Das hat auch ganz wenig mit Krisenangst oder so zu tun – oder mit dem Internet. Das wäre so oder so gekommen, n Jahr eher oder später, who cares.

    Die beiden anderen Bereiche, KunstDesign und FutureDesign brau­chen hingegen keine Regeln, keine Normen, keine Ordnung. Hier wird speku­lativ gear­beitet, ohne Geld, wie im Kunstsegment eben auch, man wird SAUreich oder man geht zum Sozialamt – aber man hat verdammt noch mal Spaß dabei und macht persön­lich wich­tige Dinge. Die drei bereiche über­lappen sich, je nach Projekt, je nach lebens­phase, je nach sozialen Umständen – aber sie haben auch klare Trennungen.

    Denn, mach dir nix vor: Ein Logo zu bauen ist NICHT Spaß. Das ist profes­sio­nelle Arbeit. Wer Lust auf Grafik-Design hat, Jesus, der möge doch bitte was machen, was mit ihm persön­lich zu tun hat, oder die Welt schöner macht… freie, geile, rockende Projekte, die nach vorn gehen. Nicht ein Logo für einen Kanzlerkandidaten, der hier mit seiner gut bezahlten Agentur auf euren Schultern doch nur einen (unwich­tigen) Mediaevent zaubert, um modern und vorwärts­ge­wandt zu WIRKEN. Das bringt doch nicht, als EIN Logo unter … was… 5000?… an der Wand zu hängen als Trophäe eines Events, bei dem du nur Masse bist, nicht Individuum.

    In der Zeit hätte man auch an einem Magazin mitwirken können oder eine ganz freie, schöne Arbeit bloggen oder sowas. Wer sich einredet, gratis kommer­zi­elle Arbeiten abzu­lie­fern, weil es ja soviel Spaß macht, der hat – sorry – nen Knall. Du gehst doch auch nicht umsonst bei McD Fritten braten, weil das so toll ist. Ganz im Gegenteil: Wer gratis als Frittenbrater anheuert, weil er im Falle, dass er die tollsten Fritten Deutschlands frit­tiert, viel­leicht 3000 Euro gewinnen kann, der braucht sich nicht wundern, wenn er vom Schichtführer Nullrespekt kriegt, oder? Nachvollziehbar, finde ich.

    Worum es also geht, ist zu begreifen, dass es – wie in jedem krea­tiven Bereich – subtil abge­stufte Segmente gibt, die profes­sio­nellen Charakter aufweisen und auch freien. Die, die profes­sio­nell sind/sein sollen, sollten sich profes­sio­na­li­sieren und mal sehen, dass man den Bullshit der Branche berei­nigt. Das tut keinem weh und das wird niemanden in der Kreativität einengen, aber es würde uns aus einer eska­lie­renden Situation gegen­über den Kunden heraus­helfen – die eben immer Partner sind, aber in Ausschreibungssituationen aus der eigenen Not heraus nach und nach unsere Leistung entwerten MÜSSEN und Designer in die Selbstausbeutung treiben, was natür­lich auf die Qualität kommer­zi­ellen Designs geht, unwei­ger­lich. Das ist nur in unserem Sinne. Und das hat nur mit Austausch, Information, Stärke und Respekt vor der eigenen Leistung/Arbeit zu tun. Mit breiten Schultern. Mit, böses Wort, aber da läuft es drauf hinaus: Mit Stolz.

    Die anderen Bereiche, ArtDesign und SFDesign, betrifft das nicht. Aber man darf das nicht vermi­schen. Wenn ich gratis 10 Seiten Bildstrecke für ein Goodwill-Mag mache, weil ich da total Lust drauf habe, ist das eine GANZ andere Sache als ein Logo für eine Versicherung oder die EU zu bauen. Auch in der Kommunikation mit dem Auftraggeber, richtig?

    Ein biss­chen mehr Liebe zu dem, was wir tun, was wir sind, für wen wir es tun und für dass, was am Ende heraus­kommen soll, sollten wir uns SELBST gönnen.

  56. HD Schellnack

    Aus der Rubrik: Posts, die SO lang sind, dass garan­tiert ist, dass nur 10% gelesen wird und irgend­eine Hupe es falsch versteht und aggressiv reagiert und mich «Panikmacher» nennt. Was ich übri­gens hoch­lustig fand, Leute. Polemisch always – aber Panik? Wofür? Hab ich nicht – nicht vergessen, ich bin der Onkel, der immer sagt, dass wir gar keine Wirtschaftskrise haben (bis alle dran glauben, dass wir eine haben, dann ist sie magi­scher­weise da.)

  57. Anderer Jürgen

    @HD:
    Danke für die Ausführliche Replik:
    Über die Anonymität im internet habe ich eine komplett andere Meinung und könnte dir da entgegen halten das es doch in erster Linie auf den Inhalt der Beiträge ankommt und nicht auf den Verfasser – Müll bleibt Müll, egal ob man nun mit vollem Namen unter­schreibt oder nicht – genauso wie rich­tige Gedanken oder nicht ganz neben dem kern der Sache liegende Provokationen nicht unwahrer werden nur weil man den Worten keinen Namen zuordnen kann. Das wäre aber alles viel zu offtopic…

    Freilich sollte man immer daran arbeiten Mißstände aus der Welt zu schaffen – nur sollte man dabei eben aufpassen sich nicht an Windmühlen abzu­ar­beiten.
    Der Versuch alle Kreativ-schaf­fenden, vom 14-jährigen der an Papas PC Photoshop auspro­biert, über den umge­schulten Zimmermann bis zum studierten Rollkragendesigner auf einen Nenner zu bringen muss schei­tern. Im Gegensatz zu deiner Frittenbraterei macht „Design“ leider doch einer Menge Leute soviel Spass dass Sie das auch völlig umsonst und in ihrer Freizeit machen wollen.

    Selbst wenn es über­haupt keinen Spass machen würde wäre sich das Niedriglohnsegment immer noch fröh­lich ausbreiten: Man muss sich nur mal über­legen warum der gesetz­liche Mindestlohn im Reinigungsgewerbe faktisch nicht einge­halten wird, das klappt nur weil der Großteil der Arbeitnehmer da eifrig kopf­ni­ckend mitspielt.
    Im Designbereich hast du es mit einer Unmenge von Leuten zu tun die aus reiner Freude, aus Langeweile oder auch Auftragsflaute ihre Arbeit (na, ihr „Hobby“) für völlig umsonst unter die Leute streuen. Das hat deshalb so viel Erfolg weil das Gros der Designkonsumenten Designqualität nicht beur­teilen kann (oder will).

    Auf dieser Seite anzu­setzen erscheint mir viel erfolg­ver­spre­chender als ständig auf die sog. Kollegen zu schimpfen (In Wahrheit sind die „umsonst“ Arbeiter ja keine ernst­haften Kollegen, da ihnen die nötige Professionalität fehlt).

    Ich bin also zum Teil ganz deiner Meinung, eine Organisation oder Lobby die Einfluss auf die ästhe­ti­sche Bildung der Bevölkerung nehmen oder zumin­dest den Stellenwert von Gestaltung etwas erhöhen könnte wäre durchaus sinn- und wert­voll. Wir leben leider in einem Land in dem Gestaltung aus Konsumentensicht weitaus weniger Wert hat als die durch­schnitt­liche Aldi Salatgurke – das bezieht sich leider auf alle Bereiche (Die Automobilbranche viel­leicht ausge­nommen): Architektur, Grafik, Film, Mode.

    In meiner Wahrnehmung sieht das ganze übri­gens viel weniger düster aus: Ich habe mich noch nie mit „Billigheimern“ vergli­chen, ebenso ist mir ein gewisser Berufsethos sowie auch damit verbun­dener „Stolz“ nicht unbe­kannt – ich weiß das es da draussen noch Kunden gibt die Design-, Dienstleistung und Qualität wert­schätzen – diese Kunden werden von der Massen/Crowd-Konkurrenz niemals adäquat bedient werden können. Da gibt es einfach Grenzen die auch neue Technologien nicht so einfach hinweg­fegen können…

  58. HD Schellnack

    >Über die Anonymität im internet habe ich eine komplett >andere Meinung
    Was völlig okay ist. Nur nehme ich anonyme Beiträge im Zweifelsfall nicht ernst, weil es keinen Autor gibt. Ist der Beitrag gut und inhalt­lich super, fein. Aber während ich bei Leuten, die «echt» sind einen harschen Ton völlig super finde, gehen anonyme Schreiber bei mir sofort in die Trollschublade. Ich hab selbst ein Blog und hab den Scheiss hinter mir. Ich hab keine Zeit für Leute, die aus ihrem Keller schreiben und keinen Namen haben. Anonymität ist so feige. Aber die Debatte hatten wir schon.

    >Der Versuch alle Kreativ-schaf­fenden, vom 14-jährigen >der an Papas PC Photoshop auspro­biert, über den >umge­schulten Zimmermann bis zum studierten >Rollkragendesigner auf einen Nenner zu bringen muss >schei­tern
    Wer will das? Ich sicher nicht. Ich bin selbst Quereinsteiger. Es läge mir fern, diese wunderbar quer­ge­rührte Branche gleich­schalten zu wollen.
    Transparenz und Ehrlichkeit, Fair Play und Rules of Conduct ist etwas anderes als Gleichschaltung. Im Gegenteil :-D.

    >Im Designbereich hast du es mit einer Unmenge von >Leuten zu tun die aus reiner Freude, aus Langeweile >oder auch Auftragsflaute ihre Arbeit völlig umsonst unter die Leute streuen.
    Super – auch wenn ich es nicht verstehe. Siehe mein Frittenbrater-Vergleich. Design ist, richtig gemacht, harte Arbeit. Wer als Hobby ernst­haft ein Logo für Steinmeier machen mag, hat zumin­dest ein selt­sames Hobby, ich würde das als Profi nur gegen ordent­lich Geld machen, zumal in der Form.
    Ich find aber gut, wenn es da Amateure gibt, die das aus Spaß an der Freude machen. Man muss nur mal sehen, ob wir das dann noch DESIGN nennen wollen, oder? Da sind wir dann nämlich bei dem Modell Cottbus, wo irgend­welche umge­schulten Leute aus Daffke mal ein Logo zaubern und ihre gesamte Stadt blamieren.
    Mal im Ernst… gibt es in Deutschland Hobby-Autobauer? Würde die SPD sich ihre Parteizentrale per MyHammer-de von einem Elektriker entwerfen lassen, der einen Abendkurs AUTOCAD besucht hat? Not really…
    Und ich bin TOTAL für Quereinstieg, ich bin ziem­lich gegen bornierte FH-Studiums-Sachen. Aicher war kein studierter, Erik nicht, Carson nicht, Rudolph nicht… zig Leute, deren Arbeit ich extrem wichtig finde, haben die Uni erst als Dozent von innen gesehen :-D. Auffällig viele Designer, die wirk­lich was bewegen, haben nicht studiert. Es ist doch GEIL, dass man ohne Studium rein­kann. Da bin ich 300% für zu haben.

    >Wir leben leider in einem Land in dem Gestaltung aus >Konsumentensicht weitaus weniger Wert hat als die >durch­schnitt­liche Aldi Salatgurke
    Amen.

    Das bezieht sich leider auf alle Bereiche: Architektur, Grafik, Film, Mode.
    Das ist leider (oder für die Bereiche ja Gottseidank) nicht so. Mode ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor und wird welt­weit so behan­delt. Architekten wie Foster oder Ingenhoven geben Spiegelinterviews zu Fragen der Moral – wann hast du da mal was von Hickmann gelesen?
    Film wird staat­lich fast todsub­ven­tio­niert – wann hast du als Designer das letz­temal ein paar Mille gekriegt, um ein Projekt zu starten? Eben. Der tag, an dem du als Designer den Stellenwert eines Regisseurs hast bei glei­chem Erfolg – der ist noch weit entfernt. Nicht mal Theater greift (durch­sub­ven­tio­niert). DAS ist der Punkt – woran liegts, wie ändert man das erfolg­reich in den nächsten 10 Jahren. Wenn man laut sagt, dass Design einen schlechten Stellenwert genießt, schreien alle «Ohhh, Selbstzerfleischung.», aber das ist doch Bullshit. It’s a fact.

    >sieht das ganze übri­gens viel weniger düster aus
    ich sehe gar nichts düster. Ich bin – gemessen an manchen Kollegen, die durchaus begründet der Branche die Zukunft von Belichtungsstudios und Kurierdiensten vorher­sagen und eine Epoche der billigen Arbeit, der Selbstausbeutung sehen – ganz opti­mis­tisch. Gerade dass es der Branche in den nächsten Jahren sehr sehr mies gehen wird, wird ihr guttun. Wir werden uns diffe­ren­zieren, wir werden uns spezia­li­sieren, wir werden uns profes­sio­na­li­sieren und wir werden uns besser kommu­ni­zieren, sei es als ange­wandter Designer (wie wir bei node­sign, wir machen keine Kunst), oder sei es als Designer-Slash-Artist, die es in Zukunft verstärkt geben wird (mangels Jobs ;-D, aber auch weil es einfach die Zeit dafür ist, das Kunst und Design verschmelzen in bestimmten Segmenten). ich bin keine Sekunde pessi­mis­tisch.

    Aber ich hab auch wenig Respekt vor Leuten, die die Finger in die Ohren stecken und ein Liedchen pfeifen, weil der Wald schattig wird. Das Ding ist: Am Ende hatte Tim Renner recht, nicht das Universal-Management, das ihn raus­ge­worfen hat. Man sollte ein paar Fakten also schon ins Gesicht sehen können.

    Muss der Buchhandel, muss die Presse, muss der Musikmarkt ja auch. Muss auch der Fontshop, wo das Web ja auch ganze erfolg­reiche Vertriebskonzepte wahr­schein­lich in Frage stellt. Crowdsourcing ist für uns, mitunter, das, was Torrent für Musik/Video/Buch und andere digi­ta­lier­bare Inhalte ist. Das leicht­zu­nehmen wäre ein Fehler :-D. Darüber zu verzwei­feln aber sicher auch.

  59. Anderer Jürgen

    >Super – auch wenn ich es nicht verstehe. Siehe mein Frittenbrater-Vergleich. Design ist, richtig gemacht, harte Arbeit. Wer als Hobby ernst­haft ein Logo für Steinmeier machen mag, hat zumin­dest ein selt­sames Hobby, ich würde das als Profi nur gegen ordent­lich Geld machen, zumal in der Form.zum Stellenwert von Mode, Architektur, etc…
    Du sprichst mit deinen Beispielen die Spitzen an, die gibt es beim Design doch nachwie vor auch? Wie war das? Meta nimmt mal eben 100k für irgend so ein Euro-Emblem? Damit schaffen die es auch in die Zeitung.
    Entscheidend ist doch die breite Masse, das was auf der Strasse davon ankommt: thema Mode. Sieh dir doch mal die MTV unifor­mierten Konsum-Jünger auf der Straße an? Wer zwischen 12 und 25 hat keinen Eastpack Rucksack umge­schnallt? (Nicht das die so schlecht wären, die Massenhafte Verbreitung erschreckt mich…). Oder wirf mal einen prüfenden Blick auf deut­sche Vorstadtarchitektur, sowohl die private als auch die öffent­liche. Ein exzen­tri­sches Foster Bauwerk kann die hunderte in Beton gegos­senen gebrauchs­be­hält­nisse in meinen Augen nicht ausglei­chen – öffent­liche Räume werden heute nach der Breite der Reinigungsfahrzeuge gestaltet, nicht nach ästhe­ti­schen Gesichtspunkten.

    Ich würde da nicht so bran­chen­spe­zi­fisch denken: Gute Gestaltung und deren Wertschätzung findet in allen Bereichen statt (oder eben nicht). 2D, 3D, Bewegtbild, virtuell oder real. und ich meine eben das die Wertschätzung in allen diesen Bereichen zu gering ausfällt, von mir aus auch mit einem beson­deren Tief beim Grafik-Design.

    Wie ist dieser Zustand zu ändern? Puh, keine Ahnung, als Langfristige Strategie würde ich versu­chen den Kunstunterricht in den Schulen gründ­lich zu refor­mieren und vor allem auszu­weiten. Aber erzähl das mal einem Vertreter der Wirtschaft der junge und „quali­fi­zierte“ Schulabgänger haben will…

  60. Anderer Jürgen

    Hui, da ist beim kopieren ein Absatz verloren gegangen: Also nach deinem zitat sollte es so weiter gehen:

    [… ich würde das als Profi nur gegen ordent­lich Geld machen, zumal in der Form.zum Stellenwert von Mode, Architektur, etc…]… du sprichst mit…..

  61. Anderer Jürgen

    Hä? gibts hier eine Art Sinngehaltszensur? Es gelingt mir nicht den fehlenden Absatz zu kopieren? Noch ein Versuch:

    „…Form.“ Aber Genau um die Form geht es ja, frei­lich wissen wir das Design harte Arbeit sein kann, wenn man es denn richtig machen will – der entschei­dende Punkt ist das viele Kunden diesen feinen Unterschied nicht erkennen und vor allem nicht bezahlen wollen – die Formen die ihnen die billigen Crowdsourcer bieten reichen dem Großteil der Designkonsumenten zum Glück völlig aus.

  62. HD Schellnack

    Mein Problem bei Hobbygestaltung ist ja, dass es um GESCHMACK geht. Und das größere Problem, dass Kunden das auch noch glauben – man hat 200 Logos vor sich und sucht selbst nach Daffke das schickste aus. DAS ist mein Problem. Es geht ja nicht drum, ob ich oder sonstwer nun das Steinmeier-Logo macht, oder ob meins nun dicker wäre oder nicht :-D. Wärs nicht. Ich würd das gar nicht machen, ehrlich gesagt.

    Aber die Grundhaltung – Design ist, dass der Kunde aus einer Flut von diffu­sesten Vorschlägen nach seinem eigenen Geschmack auswählt – oh my fucking god, wie falsch ist diese Botschaft. Das ist nicht Design, das ist Grocery Shopping. Die, die es machen machen einen lustigen Pissing-in-the-Dark-Wettbewerb, und am Ende entscheidet jemand, der von Design gar keine Ahnung hat, nach Stimmungslage. In der Architektur ist das FAST genauso – und genauso falsch – aber immerhin gibt es da der Form halber Fachjurys. Ich hab das letzt­lich beim ICC ansatz­weise mitge­kriegt und war zumin­dest angetan, dass die Jury sehr poin­tierte, wache und rich­tige Fragen zurückgab. Und: Bei den Architekten gibt es wenigs­tens einen Foster – bei aller Kritik an dem Geschäftsmodell und nichts anderes ist es ja noch, wenn man dahinter blickt. Im Design würde ich mir träumen, wir hätten nur einen oder zwei Leute mit der Präsenz in Alltagsmedien. Nur einen oder zwei. Aber wenn auch nur ein Designer mal was bekannter wird und ins Fernsehen glitcht, dann ist es ja nicht so, dass wir uns freuen, wenn unsere Branche mal publik wird, ne… es kommen sofort absurde Neideffekte. Als ob du oder ich nen Kunden verlieren, nur weil Fons oder Erik ein TV-Interview geben :-D. Das ist schon ungut – wir BRAUCHEN Stars, also sollten wir auch deren Entstehung zu lassen und fördern.

    Bei der Mode ist es übri­gens so, dass der Streetlook von heute der Avantgarde-Look von vor 10 Jahren ist, denn dann irgend ein MTV-Star populär gemacht hat. Designermode WIRD Street – so ist das ja auch Carson gegangen, hm… von dem Highend-Outsider-Design zu Pepsi und Nike und zum kopierten Massengrungelook, der Carson nicht verstanden hat, sondern nur ober­fläch­lich gekup­fert ;D.

    Also: Wir sind da ja – ich denke alle – auf einer Linie. Es ist auch kein Gejammer, wenn wir sagen, Oh, wir armen Designer werden nicht wahr­ge­nommen. Das gleiche können zig andere Leute auch sagen (Klempner, Bäcker…). Es ist erst einmal eine Bestandsaufnahme. Das ist doch super – und dann kann man ja mal über­legen, wie man da langsam ein zwei Räder bewegt, um intern, beim Kunden und in der Gesellschaft klarer posi­tio­niert zu sein.

    Würden wir unseren Kunden so doch auch empfehlen, oder?

  63. HD Schellnack

    SO, ich domi­nier schon wieder – bin schon wieder still :-D
    Sorry.

  64. Marc

    Wieso bin ich anonym? Da oben steht mein Name. Genauso, nicht mehr und nicht weniger als bei „Vroni“. Wobei letz­teres vermut­lich auch eine Abkürzung oder Koseform ist?

  65. Ivo

    Vroni linkt auf ihre Website und hebt ihre Anonymität dadurch auf …

  66. Marc

    Stimmt, das hatte ich gar nicht gesehen.

  67. Anderer Jürgen

    @Dominator: Ja, das mit dem geschmack kann ich nach­voll­ziehen, die oft zur Schau getra­gene Geisteshaltung dahinter nervt mich auch immer wieder: Jemand bezahlt mir teuer Geld (Leider nur selten) da ich ein sog. Fachmann bin – im Endeffekt wird aber versucht soviel wie möglich selbst zu entscheiden bzw. zu kreieren (Das typi­sche „wir nehmen eine Mischung aus 1+3 mit der Farbe von 2“) Da frage ich mich immer wofür das Geld denn eigent­lich bezahlt wird wenn mein Urteil völlig igno­riert, Argumente nicht gehört und am Ende fast alles selbst gemacht wird..

    Ich habe aber auf die Frage wie man den Stellenwert von Design in der öffent­li­chen Wahrnehmung verbes­sern nicht wirk­lich schlag­kräf­tige Antworten.

  68. HD Schellnack

    Ich schon wieder :-D
    Ich war auf diesem Design-Plattform-Ding aus dem anderen Thread, auf das jemand am Ende verwies – und da gab es eine Visitenkarte, die gemacht wurde, wo in so eienr Art Blog-Thread-Dialog (öffent­lich!) der Kunde aus dem Nichts aus einer Klappkarte eine normale haben wollte und dann viel­leicht auch mal alles in Blau/Silber will. Ohne Argumente, ohne Begründung, nur so als Order. Mach mal. Sind wir denn Friseure?

    Ich bin der Erste, der eine Änderung gerne macht. Meine Ideen sind so heilig und visionär nicht, dass der Kunde nicht rein­fum­meln darf. Aber bitte doch mit einem Gespräch, einem Argument und auf Augenhöhe. Wer die besseren Argumente hat gewinnt. Wenn ich die habe, dann oft, weil ich gründ­lich über das nach­ge­dacht habe, was ich da mache – und wenn der Kunde sie hat, dann oft, weil er seinen Markt besser kennt. In diesem Diskurs, das ist das tolle, lernt man sich kennen, lernt man das Tätigkeitsfeld des Kunden kennen und kann nach und nach proak­tiver, klüger reagieren, man wächst. Das geht nur mit Austausch, nicht per anonymer Kommandostruktur.

    Mal im Ernst: wer sich da verheizt, hat alles recht der Welt dazu, ich hab da niemandem von abzu­raten. Aber ein biss­chen würdelos ist das schon, finde ich.

    Und Würde, egal was du machst, ob als Designer oder als Bänker oder als Lehrer oder als Flaschensammler, Würde ist immer ein ganz wich­tiger Faktor.

    Ich werd das Gefühl nicht los, dass die Leute auf diese Portalen und teil­weise auf dem Markt den aufrechten Gang verlernen. Das wäre doch schade, wenn man bedenkt, das die guten Leute unserer Zunft immer verdammt dick­schä­de­lige, stolze, mutige Jungs und Ladys (zuwenig Damen, leider, aber das ändert sich ja gewaltig) waren.

    Den Stellenwert verbes­sern? Konsens schaffen über bestimmte no-gos. Einfach nicht mehr für jeden Euro nach vorn bücken, ist schon der Anfang. Weg vom Straßenstrich. Härtere Qualifikationen, härteres Studium (und weg mit dem Bachelor,prettypleasewithsugarontop). Ich heul doch, wenn jemand mit 36 Seiten Kinderbuch nen FH-Abschluss kriegt, bei allem Respekt vor der indi­vi­du­ellen Leistung, das ist nicht genug. Preislimits unter­ein­ander klären – weißte, es gibt ja MINDESTLOHN bei den Friseusen und so weiter, nur beim Design nicht? Strange, oder? Websites für 250 Euro, das gehört eben irgendwie öffent­lich gedisst und zwar mit Effet. Unfaire Wettbewerbe, Sachen wie Cottbus… Sachen, die hier ja langsam (thankgod) Gestalt annehmen. Gestalt in dem Sinne, dass 5000 Leser am Tag das Gefühl nicht loswerden: Ne, geht so nicht.
    Dann: Pressearbeit, gebün­delt. Lobbyarbeit. Die Bauern sind da besser aufge­stellt als wir – und unser Job IST Imageverbesserung. Ist doch lustig, oder?
    Die ganzen Sachen, konse­quent, 10 Jahre. Als Branche zusam­men­wachsen, Einfluss auf FHs nehmen, Öffentlichkeit schaffen, publik sein. Und nicht gleich neid­pi­ckend sein,wenn ein Hickmann, Spiekermann (lauter -männer) oder eine Juli Gudehus (yeah!) öffent­lich sind. Das sind gute Sachen.
    Lieben, was man macht – und diese Liebe nach außen tragen

  69. Thomas

    Ich habe die Diskussion gerade erst nach­ge­lesen, und ich finde #68 fasst ganz schön zusammen, was getan werden müsste und sollte.

  70. jamie oliver

    Was mich an diesen Diskussionen, und ich muss sagen ich habe schon viele auf dem Fontblog gelesen, immer wieder stört sind diese entweder oder Aussagen. Dieses Gejammer. Dieses Absolute. Sowas nervt.
    Ich muss den Leuten die immer wieder ellen­lange Kommentare schreiben (die ich gewis­sen­haft über­fliege) sagen: Es gibt keine Wahrheit da draussen. Und Jammern hilft nichts. Es kommt wie es kommen muss. Es wird immer wieder die geben die geizig nichts berappen wollen und immer wieder wirds Kreative geben die darauf eingehen. Und es sind nicht immer die dümmsten Kunden und nicht immer die schlech­testen Gestalter.

    Ich kann nur allen sagen geht raus sammelt Erfahrung, bestimmt selber in welcher Nische ihr arbeiten wollt, seid authen­tisch, lasst euch nicht von anderen sagen was gut und schlecht ist macht euer eigenes Bild. Es hat viel mehr Platz das draussen als einige hier euch glauben wollen.

    Ich respek­tiere alles was hier gesagt wird und mag auch vieles davon, aber mir geht dieser „Gut Designer“ der hier immer wieder zele­briert wird auf den Wecker. Zum Glück gibts mehr als nur einen Weg! Und hey ein wenig mehr „leben lassen“ täte uns allen gut.

  71. HD Schellnack

    jamie, da du dich ja auf mich beziehst.
    Wenn du es nicht liest – kannst du es nicht kommen­tieren, ja? Wer ein Buch nicht liest, kann es nicht rezen­sieren.
    Wäre also lieb, wenn du mir eine Jammerhaltung kurz nach­weisen könn­test. Die hab ich keine Spur. ich bin grund­op­ti­mis­tisch, was unsere Branche angeht. Aber dazu gehört halt, dass ich die gene­relle Krise für den Nachwuchs gene­rell eher als Befreiung betrachte: http://​www​.hdschell​nack​.de/​?​p​=​2​972

    Du sagst doch im Grunde das gleiche wie ich – nur kürzer, was natür­lich geil ist.

  72. jamie oliver

    Lieber HD, ich ähm beziehe mich nur z.T auf dich ausserdem habs ich wiedermal falsch hinge­schrieben wollte sagen ich lese alle lange Kommentare gewis­sen­haft quer. Sobald was Neues drin­steht lese ich es auch ausführ­lich. Sonst wäre es wirk­lich ein wenig unfair.

    Wie du ja weisst bin ich ein grosser Fan von deinen Texten (auch den verlinkten) und man kann dir ein Jammerhaltung grund­sätz­lich sicher nicht vorwerfen. Das ist ja gerade das schwie­rige an kurzen Kommentaren, nämlich genau auf den Punkt zu bringen was einem stört. Vielleicht habe ich in deinem Kommentar 68 gegen Schluss „Website für 250 euro, usw“ ein wenig Jammern gehört. Hab das Gefühl gehabt gedacht du hättest langsam die Geduld verloren – aber dein letzter Satz sagt ja was anderes. Von dem her um so besser wenn wir uns in einigen Punkten einig sind! Ich denke darum schreibe ich sowenig Kommentare. Kaum geschrieben schon muss man Punkte daraus revi­dieren.

  73. HD Schellnack

    Ach, ich jammer doch nicht, wenn jemand sich für 250 Euro eine HP machen lässt – da wünsch ich beiden Beteiligten viel Glück. Wir haben schon Sites für 2500 gemacht und für 45.000 Euro – aber 250 Euro ist doch Quatsch. Das berührt mich nicht – mit der Schiene vergleiche ich mich nicht und Kunden, die das wollen, würden nie nie nie bei uns klopfen. Und das ist auch gut so.

    Ich gräme mich eher ein wenig, wenn Leute sich für viel Geld ein CD machen lassen, dass ich preis­werter, enga­gierter und im Ende besser gemacht hätte – aber eher aus Prinzip, nicht wegen des Geldes, sondern weil mich schlechtes Design einfach nervt, ebenso wie mich tolles Design (egal zu welchem Preis und egal ob aus Crowdsource oder von Meisterdesignern mund­ge­blasen) immer freut. Und: wir haben ja auch so genug zu tun (holz­klopf)

  74. Anderer Jürgen

    Aus aktu­ellem Anlass noch ein Beleg für die Präsenz des Grafik-Designs in den medien: Das jähr­liche „Design“ Sonderheft des Süddeutschen Magazins igno­riert (wie immer) die Disziplin Grafik, statt­dessen wird (wie immer) über Architektur und Industriedesign berichtet (Flankiert von einem Minibeitrag der irgendwas mit Mode streift)…

    Tja, so ist das eben…

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