Grüße aus der Vergangenheit

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Ich entrüm­pele – wieder mal – den Dachboden meines (Urgroß-)Elternhauses. Heute bin ich auf eine Kladde meines Urgroßvaters (1877–1954) gestoßen, in der er Briefe, Ansichtskarten und Fotografien sammelte, in einem ausran­gierten Klassenbuch von 1899.

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Dokumente zum Lehrerseminar meine Urgroßvaters (1926–1928), Neujahrskarte, Liedtexte, Ansichtskarten, und mehr …

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Gruppenfotos von Lehrerkollegien, Ansichtskarten aus Detroit (USA) und Kanada.

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Ansichtskarte Detroit, 1925: »Laß mich nicht zu lange auf Antwort warten …« (Reinhard Frey)

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Quellette Avenue, Windsor, Ontario, Kanada … Detroit am Horizont; Ansichtskarte von Reinhard Frey an meinen Urgroßvater, vom September 1926.

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Mein Urgroßvater Friedrich Heil (ganz links) im Kreise von Kollegen bei der Lehrerausbildung in Usingen 1898 – Bude 23. (Foto: August Weininger, Usingen)

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Mein Urgroßvater (links) mit einer Schulklasse im Taunus (Foto: W. Joost, Wiesbaden)

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Weihnachtskarte aus den USA an meine Urgroßvater, gesendet von Reinhard Frey im Jahr 1932 (Motiv der baye­ri­schen Gemeinde). Notiz auf dem Kuvert: »Freys letzter Gruß!«

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Welch ein Zufall.

Als ich heute durch das Nachbardorf Walsdorf fuhr, um mit meiner Familie den histo­ri­schen Hutturm in der Mittagssonne zu besu­chen, erzählte ich davon, dass die Familie meine Großvaters von hier stamme. Sie heißt Fritz mit Nachname, und in der Tat stand der Familienname gleich an drei Haustürklingeln in der Straße, die man vom fahrenden Auto aus lesen konnte, denn der Weg zum Hutturm ist wirk­lich sehr eng.

Beim Weiterfahren stellte ich die Frage, wie sich mein Großvater und meine Großmutter wohl kennen gelernt haben. Mein Oma Gertrud war die Tochter des oben zitierten Friedrich Heil. Ich kam zu der Erkenntnis, dass solche Momente – also der Augenblick der ersten Begegnung –, wenn keiner der Partner ein Tagebuch schreibt, nur selten weiter­erzählt werden. Ich habe meine Eltern jeden­falls zu solchen Themen nie befragt, genauso wie ich nie der Sache auf den Grund gegangen bin, warum ich ein Einzelkind bin … (das fragte sie irgend­wann einmal eine neugie­rige Freundin von mir).

Als wir heute Abend nach Hause kamen und die Kladde durch­blät­terten, fand ich einen Brief von meinem Uropa, auf dem das oben gezeigte Foto aufge­klebt ist. Den Brief kann ich wegen der Sütterlinschrift nicht lesen (ich werde ihn morgen von meiner Mutter vorlesen lassen), aber das Foto habe ich sofort dechif­friert: In der Bildmitte stoßen meine Oma (1904–1986) und mein Opa (1904–1960) an. Wir schreiben das Jahr 1928, meine Mutter kam 1930 als erstes von 6 Kindern zur Welt, ganz links ist mein Uropa zu erkennen, ganz rechts seine Gattin, meine Uroma Elise.

Das Foto zeigt sicher nicht den Moment des Kennenlernens, aber einen Moment ganz kurz danach.

Ich habe dieses Foto noch nie zuvor gesehen. Dazu muss ich sagen, dass in unserer Familie viel foto­gra­fiert wurde und es jede Menge gut erhal­tener Alben gibt. Die Qualität dieser alten Aufnahmen ist unglaub­lich gut und beständig. Daran müssen sich neuere Techniken messen lassen.


17 Kommentare

  1. Steven P. Carnarius

    Ich wirk­lich toller „Schatz“… Gratulation und weiterhin viel Spaß damit.

  2. Christina

    Das ist so schön! Richtige Fotos zum Anfassen, echte Handschriften, alles so schön HAPTISCH. Welcher Urenkel wird wohl unsere Festplatten und andere Datenträger betrachten?! Jedenfalls hüte ich deshalb jetzt schon die gezeich­neten Bilder meiner Kinder – die, die noch so richtig mit Bunstiften gemalt sind ;-)

  3. Nadine

    Wunderschön! Nicht nur die Fotos, auch die Geschichten und Mutmaßungen dazu! Danke, dass du das mit uns geteilt hast :-)

  4. Da Stefan

    Warum hat man früher auf Fotos eigent­lich nie gelä­chelt? War das Leben wirk­lich so hart? Auch wenn man mit Bier in der Hand posiert hat? ;)

  5. Viktor

    Ich hab gestern Abend den Film „Das weiße Band” gesehen. Fotos und Zeit erin­nern mich daran. Ist sehr zu empfehlen, wenn man mal in die Welt der Urgroßväter und -mütter eintau­chen will. Und der Untertitel ist auch in Sütterlin …

    http://​www​.dasweis​se​band​.​x​-verleih​.de/

  6. robertmichael

    toll, vorallem das motiv mit den bier­krügen. mehr davon! :)

  7. Sepp

    Das bier­kurg­motiv ist der Knaller. Super. Gerade weil keiner Lacht ist es so gut. Schon intres­sant das auf den meisten älteren Fotos keiner lacht. Aber heute lacht jeder hinterste und letzte.

  8. Tom

    Ich habe auch neulich mal gestör­bert. Es ist tatsäch­lich erstaun­lich wie gut die Qualität der alten Fotos ist. Gestochen scharf und kaum Korn. Sowohl bei Schwarz/weiß als auch bei Farbaufnahmen. Die Fotos aus den 70er oder 80er Jahren, die in unseren Alben kleben können da nicht mithalten.

    Interessant finde ich, dass die Biertrinker kaum älter aussehen als die Schüler auf dem Klassenfoto drunter.

  9. Tanja

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich erstaunt bin, dass du kein Sütterlin lesen kannst.
    Alte Fotos und Briefe sind das schönste.

  10. Freako

    Bemerkenswert was an Schriftstücken sogar noch erhalten ist. Besonders die Postkarten geben einen guten Eindruck von der Zeit. Zudem bewun­derns­wert, dass es mal solch große Klassen gab.

  11. ryan

    Das auf den Bildern keiner lacht hat glaub ich mit der langen Belichtungszeit zu tun, bis sich das Bild auf den Träger einge­brannt hat. Bis zu zehn Minuten waren da schon drin und da is es einfa­cher „normal“ bzw. ernst zu schauen. Es gab sogar Halterungen für die Menschen bei Portrait Fotos, dass es nicht zu unbe­quem wurde, jedoch schaute man da dann eher verkrampft.

  12. Simon Wehr

    Warum lernen wir heute eigent­lich kein Sütterlin mehr? Meine Großeltern haben das in der Schule noch geschrieben, mein Vater kann es immerhin entzif­fern. Frakturschriften lernen wir doch auch zu lesen, warum nicht Sütterlin??
    Schon beein­dru­ckend, dass das Lesen einer Schrift, (bzw. die komplette Schrift) inner­halb von einer Generation komplett verschwinden kann! Ich finde, da kann man mal drüber nach­denken …

  13. max

    @Simon Wehr: Weil es die Lehrer dann wahr­schein­lich zum größten Teil auch lernen müssten, oder die Schüler, die Sütterlin schreiben wollten, schlechte Noten in Kauf nehmen müssen, weil’s der Lehrer nicht lesen kann. Mach’s doch wie ich und bringe es Dir inter­es­se­halber selbst bei.

  14. Tom

    Zum Lachen war einem zu dieser Zeit auch nicht so oft zu Mute. Die Leute hatten andere Probleme als sich über die Farbauswahl beim Ipod-Kauf den Kopf zu zerbre­chen…

  15. ole

    … Retojunkys.

  16. Ein Staunender

    Eine ›reine‹ Sütterlinſchrift iſt das aller­dings auch nicht – das große W iſt beiſpiels­weiſe ganz klar aus der Antiqua über­nommen, und das Schriftbild ſieht mir auch mehr nach einer typiſchen Kurrent- als der (Schulausgangs-)Sütterlin-ſchrift aus.

    Aber ich finde dieſe Schriftprobe insgeſamt geſehen ſehr ſchön – und auch problemlos lesbar (aber ich ſchreibe auch meine Einkaufszettel in Sütterlin und bin damit wohl eher nicht repräſen­tativ).

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