»Welt aus Schrift« öffnet morgen

Morgen um 19 Uhr öffnet die große Ausstellung Welt aus Schrift im Berliner Kulturforum ihr Pforten, Untertitel: »Das 20. Jahrhundert in Europa und den USA«. Keine andere Epoche hat einen solchen Reichtum von Schriftformen hervor­ge­bracht, und noch nie war Schrift in einer vergleichbar medialen Vielfalt präsent: im Internet, in Informations-, Werbe- und Buchmedien, im öffent­li­chen Raum, in der Mode, in Fotografie, Film und Kunst. In chro­no­lo­gi­schen Schritten wirft die Ausstellung ihre Schlaglichter auf die typo­gra­fi­schen Revolutionen des 20. Jahrhunderts, die Interaktion von Schrift und Bild und die viel­fäl­tigen Wechselwirkungen zwischen freier und ange­wandter Kunst.

Für die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin ist die „Welt aus Schrift“ seit mehr als einem Jahrhundert ein zentraler Sammlungsschwerpunkt. Ihre Bestände zur Schriftgeschichte der letzten hundert Jahre reichen von den Pressendrucken der engli­schen Buchkunstbewegung im ausge­henden 19. Jahrhundert, den Schriftkreationen des Jugendstils über die frühe Moderne, den Dadaismus und die Propagandamedien der 30er und 40er Jahre bis hin zu Pop, Fluxus, Concept Art und Digital Art. Neben ange­wandten Arbeiten der freien Kunst gilt das Sammelinteresse vor allem den Entwicklungen des Grafikdesign in den Alltagsmedien wie Zeitschrift, Buch, Zeitung, Plattencover, Inserat und Plakat und darüber hinaus den Beispielen des modernen Kommunikationsdesigns.

Zum breiten Spektrum grafi­scher Gestaltungen gehören auch solche, die eine Wiederentdeckung verdient haben wie jene, die heute bereits als Klassiker gefeiert werden. Meisterwerke wie das Monumentalplakat zur Fritz Langs »Metropolis« von 1927 sind Unikate von Weltrang. In der Ausstellung »Welt aus Schrift« wird dieses univer­sale Medienarchiv erst­mals in seinem ganzen Umfang für die Öffentlichkeit erlebbar.

Die Ausstellung in den Hallen am Kulturforum (Potsdamer Platz) beschreibt auf über 1000 qm mit fast 600 Exponaten eine Reise durch die Zeit in Etappen, die jeweils zwanzig Jahre umfassen: den Aufbruch in neue Gestaltungen als Reaktion auf den drohenden Qualitätsverlust im Zeitalter indus­tri­eller Druckherstellung (1890 – 1909), die typo­gra­fi­schen Innovationen der Moderne (1910 – 1929), Einflüsse des Art Déco und die Instrumentalisierung der Schrift als poli­ti­sche Botschaft (1930 – 1949), die Nachkriegsmoderne zwischen swiss style und new bauhaus; die Auflösung der Grenzen zwischen Schrift und Bildender Kunst in Pop Art, Konkreter und Visueller Poesie (1950 – 1969), die Dekonstruktion der Schrift zwischen Konzeptkunst und Postmoderne (1970 – 1989) und schließ­lich die digi­tale Renaissance der Schrift als Universalmedium einer globa­li­sierten Welt (1990 – 2009).

Die Ausstellung erstreckt sich über 3 Etagen, die durch ein Treppenhaus mit 6 Treppen verbunden sind. Auf Vorschlag der Kuratorin Dr. Anita Kühnel und des Ausstellungsgestalters Bernard Stein durfte FontShop die verbin­denden Treppen mt einer typo­gra­fi­schen Installation zur Ausstellungsfläche umfunk­tio­nieren. Mehr als 60 Stufen erzählen eine Geschichte der Schriftvielfalt, die von unten nach oben zu lesen ist. Jeder der 6 Treppen widmet sich einer Schriftklasse, so wie sie aus FontBook und FontShuffle bekannt sind: Sans, Serif, Slab, Script, Display und Blackletter. Die obige Abbildung zeigt die Beschriftung der ersten beiden Treppen, die gerade im Kulturforum beklebt werden (Produktion: Heyer Grafische Dienstleistungen). Morgen veröf­fent­liche ich hier im Fontblog die gesamte Treppengeschichte, erzählt mit 60 Schriften, als PDF.


7 Kommentare

  1. ikke

    kurzer Zwischenruf:
    Ist hier vom 20. Jahrhundert in Verbindung mit dem Internet die Rede?

    Oder wird das 21. Jahrhundert gemeint sein?!

  2. Jürgen Siebert

    Die Ausstellung widmet sich der Schriftkultur des 20. Jahrhunderts (mit wenigen Exponaten jünger als 1999), aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts.

  3. ikke

    Dann will ich mal nichts gesagt haben ;)

  4. Philipp

    Hach, wäre ich doch in Berlin. Schade das es solche Ausstellungen nicht im Süden Deutschlands gibt. :(

  5. Pop Art

    wieso habe ich denn in kaum einer zeitung davon gelesen? was für ein glück das ich in berlin wohne. ich werde mir die ausstel­lung mal anschauen. soll ich euch dann noch ein paar bilder posten?

  6. Philipp

    @Pop Art: Gerne würde ich Bilder sehen. Wenn man schon nicht hinkommt wäre das eine nette Alternative.

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