Kein Logo für die Documenta 13

Die Kasseler Documenta kündigt an, dass das Mailänder Designbüro Leftloft in den kommenden Jahren die visu­elle Identität der Kunstausstellung entwi­ckeln wird. Seit 1955 hat sich jede Documenta, die im 5-Jahres-Rhythmus statt­findet, durch das Engagement der Organisatoren und der Öffentlichkeit neu defi­niert. »Die Künstlerische Leiterin der Documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, hat mit Leftloft einen konge­nialen Partner gefunden, um die Anwendung einer Design-Sprache zu entwi­ckeln, die offen, flexibel, spie­le­risch, einfach und funk­tional ist und zugleich die Geschichte der Documenta zu würdigen weiß.« heißt es in einer heute veröf­fent­lichten Pressemitteilung.

»Die wahre Identität der Documenta« ergänzt Leftloft »kann als die Summe vieler unter­schied­li­chen Zeichen und Bedeutungen beschrieben werden, eher als ein Prozess denn eine fest­ge­schrie­bene Wirklichkeit. Wir glauben, dass dieser Gesamtzusammenhang nicht auf ein spezi­fi­sches Grafikdesign redu­ziert werden sollte.« Daher haben sich die Italiener dazu entschlossen, eine »flexible visu­elle Sprache« zu defi­nieren, die dem Wesen der Documenta Rechnung trage und sie nicht fest­schreibe. Ihr Ziel sei eine durch­gän­gige und effek­tive »Nicht-Identität« zu errei­chen, die nicht auf der Wiederholung eines einzigen grafi­schen Elements aufbauen werde.

Daher werde die 13te Ausgabe der Documenta kein tradi­tio­nelles Logo mitführen. Stattdessen gebe es eine Regel für die Schreibweise des Wortes. Es werde am Anfang immer mit kleinen d geschrieben, die folgenden Buchstaben in Versalien, gefolgt von der in Klammern gesetzten Zahl 13. Die Regel soll besagen, »dass die Lehren dieser 13. Documenta (das latei­ni­sche ›docu­mentum‹, von dem das Pluralwort ›docu­menta‹ stammt, bedeutet ›Lehre‹ und gele­gent­lich bezeichnet es auch eine ›Ermahnung‹) nicht pedan­tisch sein werden. Wir setzen viel­mehr eine leben­dige, plura­lis­ti­sche, ideen­reiche und stetig zuneh­mende Entwicklung in Gang. Viele, auch die Öffentlichkeit, werden in den kommenden Jahren in diesen Prozess invol­viert werden. Der Höhepunkt, im Jahr 2012, stellt nur einen Moment einer viel längeren Reise dar, durch die Klammern um die drei­zehn wird das deut­lich.«

Die visu­elle Sprache der kommenden Documenta werde im Laufe der Zeit durch den Einsatz einer stei­genden Anzahl von Schriften unver­wech­selbar. Jede Schrift sei einem bestimmten Objekttyp zuge­ordnet, heißt es in der heutigen Verlautbarun. Die Typografie des Namens solle in jeder ihrer Anwendungen vari­ieren, von der Pressemitteilung bis zur Webseite, vom Briefkopf bis zu den Künstler- und Notizbüchern. Es wird also eine Reihe von dOCUMENTA-(13)-Logos zum Einsatz kommen, die sich zwar unter­scheiden, doch durch die gleiche Syntax einen gemein­samen Charakter ergeben.

»Die docu­menta hat seit ihrem Beginn in den 1950er Jahren in den meisten Fällen ein kleines d anstatt eines großen D’s verwendet«, kommen­tiert Christov-Bakargiev die Wortmarke der Veranstaltung. »Während dies in ihren Anfängen eine radi­kale demo­kra­ti­sche Geste und eine Entscheidung des Designs war, ist heute die Nicht-Großschreibung von Wörtern ein Beispiel für eine von vielen unbe­ab­sich­tigten Gesten der digi­talen Welt, die Nachrichten über Netzwerke und rund um den Globus schickt. Die normalen Schreibregeln umzu­drehen, indem man das rest­liche Wort in Großbuchstaben schreibt, erfor­dert aktives Engagement, Aufmerksamkeit und einen gewissen Mehraufwand an der Tastatur. Leftlofts Entwicklung ist inter­es­sant und bringt in ihrer Verbindung zum frühen modernen Grafikdesign des zwan­zigsten Jahrhunderts symbo­li­sche Bedeutung mit sich.«


47 Kommentare

  1. Shumweight

    »Die visu­elle Sprache der kommenden Documenta werde im Laufe der Zeit durch den Einsatz einer stei­genden Anzahl von Schriften unver­wech­selbar.« q. e. d.

  2. erik spiekermann

    Prima konzept. Uneitel. Erst nach­ge­dacht und dann gestaltet.

  3. mbo

    da wird einem ja ganz künst­le­risch um’s herz – bei diesen vielen worten … so mag es der kunst­in­ter­es­sierte. und die projekt­be­tei­ligten e-mail-schreiber haben endlich mal ein konzept, dass sich auch von ihnen problemlos umsetzen lässt.

    ich bin schon auf die kunst gepannt.

  4. Norbert Herwig

    Das wird bestimmt gut aussehen und zu einer passenden Identität der Documenta beitragen. Aber wer sich davon eine durch­gän­gige Nicht-Identität erhofft, der irrt. Denn mitnichten bringt sich die dOCUMENTA dadurch zum Verschwinden.

  5. Alexander

    Bravo!

  6. Hans

    Ich will hier niemanden belei­digen, aber ich habe hier öfter den Eindruck, dass ihr sogar noch das Bild eines Kothaufens beju­beln würdet, wenn es nur mit genü­gend blumigen Worten bedacht wäre.

  7. hensel

    Ein erfri­schendes Corporate Design Konzept. Sehr gut!

  8. Jürgen Siebert

    @Hans: Wenn er von Piero Manzoni wäre … selbst­ver­ständ­lich!

  9. Jürgen Siebert

    Sch…, Jens war einige Sekunden schneller ;)

  10. Murphy

    Sorry, aber ich kann damit grade über­haupt nichts anfangen. Begeisterung empfinde ich nicht. Ein wenig pseudo-retro, ein wenig proga­miertes Chaos und viele blumige Worte – ich glaube das ist mir zu „künst­le­risch“.
    Aber viel­leicht bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe…

  11. Björn

    Ich finde das Konzept prima. Besonders da ich finde, dass immer mehr ein Logo als Heilsbringer voll­kommen über­schätzt wird.
    Allerdings denke ich, dass bei einem nicht vorhan­denen Logo die (typo-)grafischen Ausführungen um so sorg­fäl­tiger sein sollten und so stört mich an der oben zu sehenden Ausführung, dass die Versalien gesperrt sind, das kleine „d“ aber nicht oder kaum gesperrt zu sein scheint. Blöd.

  12. phillip

    können wir uns darauf einigen, dass bei (wenn über­haupt) leicht erhöhter lauf­weite keine rede von »sperren« sein kann und das ein einzelner buch­stabe auch nicht »gesperrt« sein kann, weil spatio­nie­rung stets verhältnis von buch­staben _zueinander_ ist?

  13. reiner

    björn hat recht; das ›d‹ braucht mehr luft. eben­falls das versale ›a‹ sowie das ›o‹. dann sitzen die klam­mern noch beide zu tief. daher wenn schon eine redu­zie­rung bis knapp unter der wahr­neh­mungs­grenze, dann bitte pingelig-genau spar­tio­nieren.

    vom mark­ting-bla abge­sehen abge­sehen wird das konzept sicher aufgehen. oder anders gesagt: kann man nicht viel falsch machen. hat bestand.

  14. sharif

    Das erin­nert mich an die Olympiade von 1992 in Barcelona. Javier Mariscal hatte damals für den Schriftzug „Barcelona ’92” die Schrift Helvetica oder Times vorge­schrieben. Kein großes Theater, die hat jeder auf seinem Computer und damit hat es sich. Ich fand/finde das genial. Die Zeichen stehen für sich, egal aus welcher Schrift gesetzt.

    Das dazu­ge­hö­rige Maskottchen (Logo) „Cobi“ war natür­lich schon sehr eigen­ständig.

  15. CL

    Ich finde, daß durch den stän­digen Wechsel der Typo sich das Design viel zu stark in den Vordergrund spielt und selbst versucht ein Kunstwerk zu sein – oder eine Form von Konzeptdesign. Ist irgendwie recht albern.
    Ein Künstler vertritt (meis­tens) einen festen Standpunkt / eine Position, warum nicht auch das Design? Da spricht nichts dagegen!

  16. Wilhelm Opatz

    dIE doku­menta ist eine beson­dere Kunstveranstaltung und fordert ein radikales/neues/ungesehenes/disskusionswürdiges … Designkontept gera­dezu heraus, daher ist der Ansatz sehr, sehr span­nend.

    (Leider hat der geniale Pressetext versäumt die unglaub­lich wich­tige Bedeutung der zu engen Laufweite zwischen d und O fest­zu­halten. Bedauerlich. Sollte schleu­nigst nach­ge­holt werden. Ironischer Morgengruß aus Ffm zu 12/13/14)

  17. Bas

    Das Wort ‚Logos‘ kommt aus dem grie­chi­schen Wort ὁ λογος –was kann über­setzt werden als ‚Wort‘ und ist ein Zeichen von Buchstaben, die ein Wort oder eine Wortkombination symbo­li­siert.

    destil­liert aus Wikipedia and Google Translate ;-)

  18. Fabian

    Der Abstand des »d« ist genau richtig. Aber das kann man nicht mit Typo-Nerd-Regeln erklären – das muss man sehen und verstehen.

  19. bernie

    Was ist denn an diesem Design „erfri­schend“? Es ist lang­weilig, verkopft und ästhe­tisch betrachtet eine Rauhfasertapete. „Oh, das D ist klein und der Rest ist groß.“ Meine Güte. Kriegt man davon heute schon einen Abgang? Wie oft wurde irgendwo ein Logo klein/groß/etc. geschrieben, ohne dass mas sich darüber so künst­lich begeis­tert? „Erst nach­ge­dacht, dann gestaltet“. Ja genau, Herr Spiekermann, genauso ist das. Und wo liegt darin die Weisheit? Seit tausenden von Jahren gestalten Menschen irgendwas, und denken VORHER darüber nach. Doch das hier ist lang nicht so inspi­rie­rend wie eine Malerei von da Vinci oder eine Statue von Michelangelo. Es ist banal, abge­lutscht und lang­weilig. Und zudem ist dieses Logo bzw. Nichtlogo fürch­ter­lich austa­riert. Das hat nichts mit „Nerdtum“ zu tun sondern mit fehlender Kompetenz. Aber dafür ist die Docum … pardon … dOCUMANTA ja berüch­tigt.

  20. erik spiekermann

    @bernie:
    Im wett­be­werb der logos für diese art von veran­stal­tungen finde ich es erfri­schend, dass mal nicht versucht wird, der mate­ri­al­schlacht mit zuckenden impulsen, komplexen kombi­na­tionen und multi­me­dialen mani­pu­la­tionen weiteren wett­be­werb zu bescheren. Handwerklich kann man darüber disku­tieren, sollte man aber nicht, denn das ding hat jetzt einfach einen namen, der sich etwas unge­wöhn­lich schreibt. So einfach ist das, da inter­es­sieren mich endlich mal kein kerning und keine rein­zeich­nungs­de­tails.

    Allerdings wäre es hilf­reich, wenn gerade kritiker doku­menta bzw. dOKUMENTA richtig schreiben könnten. Es kommt eben auf jeden buch­staben an.

  21. Marian

    @erik spie­ker­mann (21)
    Verstehe ich nicht, docu­menta schreibt sich doch mit c?

  22. bernie

    Herr Spiekermann.
    Da haben Sie recht. Die Richtigschreibung machts. Nun bin aber verwirrt.
    Ist es jetzt Dokumenta – mit K, wie Sie schreiben – oder Documanta mit C, wie oben stehend?

    In meinen Augen ist das Kernproblem dieser Kunstausstellungen, dass sie kein Design haben möchten, dass sie sozu­sagen »kunstlos« Kunst darstellen. Man hat Angst davor. Man will sich zwang­haft davon distan­zieren – von etwas, was man scheinbar selbst nicht mehr richtig versteht. Es führt zu einer Verkopfung, Versteifung und damit auch zu so einer Lösung (Enstpannung).

    An sich finde ich die Lösung gut durch­dacht, richtig. Ein Logo dessen Typografie flexibel an die jewei­ligen Subthemen ange­passt wird. OK. Solange die Schreibweise konstant bleibt, wird man sicher­lich nicht in Verlegenheit kommen, die Ausstellung als solche nicht mehr zu erkennen.

    Aber wann hören allge­mein gesehen diese Mätzchen eigent­lich auf? Kann eine Ausstellung nicht einfach mal eine ganz normale Ausstellung sein? Muß es immer irgendwie abge­hoben, verschoben, verhoben wirken? Es hat nichts gemeinsam mit einer Begegnung zwischen Menschen und Kunst sondern eher wie eine Sendung von Gott.

  23. bernie

    Hinzugefügt: Wenn man ein Logo absicht­lich unaus­ge­goren lässt, um damit eine Spannung zu erzeugen, heisst das nicht im Umkehrschluss, dass man seinem eigenen Werk doch nicht über den Weg traut bzw. keinerlei Spannung vorhanden ist?

    Vier5 mussten sich auch in die Antithese flüchten, weil deren grafi­sches Repertoire weit unter dem ästh­ti­schen Empfinden eines unbe­fangen zeich­nenden Kindes herum­hinkt, mit dem Resultat, dass deren Leitsystem für die docu­menta 12 jeden halb­wegs normalen Menschen vor Scham erröten ließ.

    Wofür desi­gnen wir eigent­lich? Wofür entwi­ckeln wir den goldenen Schnitt, lutschen jedwede Rundung eines Buchstaben zur Perfektion? Damit jemand anderes es mit Selbstgefälligkeit igno­riert? Und dafür von den Meistern auch noch Applaus erhält?

    So macht sich der Applaudator zum Papst, jedwedes Werk, das seiner selbst Genüge tut, seinen Segen zu erteilen, in der Hoffnung, am Ende des Tages auf der rich­tigen Seite gestanden zu haben.

    Somit kann ich dieses Gebaren nurnoch als Selbstzweck ansehen, nicht als das, für was es eigent­lich gedacht sein soll: Als Dienstleistung.

    Das ist nunmal das, was solche Kreationen lang­fristig erwirken.

  24. Philipp

    Naja, es heißt eben weder »dOCUMANTA« (bernie), noch »dOKUMENTA« (erik).

    Ich finde das Konzept gut. Bin gespannt auf die tatsäch­liche Umsetzung, die schnell in die Hose gehen kann, wenn dann nicht detail­reich genug gear­beitet wird.

    @bernie: Ich finde das Ganze nicht zu aufge­laden. Gerade weil es eine Kunstaustellung ist, darf sich das CD wohl­tuend von anderen Kunstaustellungen abheben. Und das tut sie mit diesem Konzept, ohne zu über­treiben.

  25. bernie

    Philipp, ich meinte eher das C.I., wenn man diesen Begriff über­haupt wählen kann (dann eben­so­wenig C.D.), denn es ist keine Unternehmenskultur, die hier entworfen wird sondern eine Kunstausstellung, die als hervor­ra­gendes Merkmal die Begegnung Mensch-Kunst und nicht die von Designer-Mensch haben sollte.

  26. Bas

    Mit K ist auch shön: In das klas­si­schen latei­ni­sche Alphabet den Buchstaben J, K, U, W, Y und Z verpassen.
    Time is going ffwd, the letter K is part of our alphabet for a long time now. Let’s try next DoKumenta.

    Warum ist hier jeder deutsch, ist die Documenta keine inter­na­tio­nale Angelegenheit?

  27. Philipp

    @Bernie

    Da versteh ich das Konzept schon. Im Prinzip geht es doch um die Darstellung von viel­sei­tiger Kunst unter einem Namen, was die Darstellung super zum Ausdruck bringt. Ein Konzept ist immer irgendwo Kommunikationsdesign und nicht immer resul­tiert das meiner Meinung nach in Designer-Mensch Beziehungen, sondern, wenn es gut gemacht ist, in (hier) Ausstellung-Mensch Beziehungen.

    Heißt das für Dich, das Design muss sich bei Austellungen zurück­ziehen, weil es sich vor die Kunst stellt? Vielleicht passt es sich ja, eben gerade durch die typo­gra­phi­sche Variation, der Kunst an und verstärkt die Kunst-Mensch Beziehung nur.

  28. bernie

    Oh ich sehe gerade – Documanta statt -menta. Ein Schreibfehler.
    War das so unof­fen­sicht­lich, Herr Spiekermann?

    Was machen eigent­lich die Umstrukturierungsmaßnahmen?

  29. erik spiekermann

    Nirgendwo habe ich geschrieben, das konzept für die docu­menta (sic) sei genial, wegbe­rei­tend oder preis­ver­dächtig. Es ist einfach einfach. Ob es das unver­mögen der gestalter ist, eine wahr­haft umwer­fende visua­li­sie­rung zustande zu bringen oder der pseudo-intel­lek­tu­elle versuch, einen ästhe­ti­schen mehr­wert zu postu­lieren anstatt diesen selber herzu­stellen ist am ende egal. Wir werden daran gemessen, was zu sehen ist – Helmuth Kohl hat das noch einfa­cher formu­liert.

    Ich spüre im übrigen keine verpflich­tung, als älterer kollege gewis­ser­maßen mahnend den zeige­finger zu heben und auf mangelnde hand­werk­liche fähig­keiten hinzu­weisen. Ich kenne mein typo­gra­fi­sches hand­werk und meine rolle als dienst­leister. Aber ich bin es auch müde, bei jedem entwurf gleich an klei­nig­keiten zu meckern. Die einfache idee, durch eine banale (jawohl!) ände­rung der schreib­ge­wohn­heit einem bekannten begriff neue aufmerk­sam­keit zu schaffen, ist mehr wert als alle ebenen in Photoshop zusammen.

  30. erik spiekermann

    Lieber unbe­kannter bernie,
    was soll eigent­lich diese gehäs­sig­keit? Neid und miss­gunst sind schlechte ratgeber, nehmen viel energie und wirken auch auf andere leute wenig anzie­hend. Und nebu­löse andeu­tungen ohne konkrete inhalte wirken nicht inter­es­sant, sondern dumm. Wer unter seinem vollen namen schreibt, kann sich solch einen ton nicht leisten. Das kann nur der anonyme feig­ling.

  31. bernie

    Herr Spiekermann. Anonymität ist nicht feige sondern ein Ausdruck von Freiheit. Würde ich mit meinem Echtnamen schreiben, täte ich mich Ihrer Dominanz aussetzen, weil viele hier Ihnen folgen und Ihre Meinung blind nach­plap­pern. Somit kommt keine Diskussions- und Streitkultur zustande. Dem entziehe ich mich.

    Sicherlich sind Sie ein famoser Designer. Sie erin­nern mich in Ihrer Akribie an meinen Lehrer, der eben­falls dieses hohe Maß an Perfektion und Handwerksgüte in seine Arbeit bzw. Lehre mitein­fließen ließ. Das heisst: Ich sehe mir Ihre Sachen sehr gerne an, weil sie meine Arbeitsweise fast 100%ig wieder­spie­gelt.

    Sie haben mir jedoch in Ihrer ersten Antwort eine Fehlschreibung vorge­worfen und dabei gleich­zeitig den Wertigkeitsgehalt meiner Aussage in Misskredit gezogen, zumal dieser Hinweis aus Ihrem Mund genauso klingt, wie Sie es selbst­sa­gend abstreiten: Wie ein Tadel. Darauf muss ich nunmal eine Antwort geben. Und die ist ggf. etwas gehässig. Das haben Sie sich aber meiner Meinung nach so ausge­sucht.

    Wir können uns gerne über Design streiten, das möchte ich auch, aber dann nicht mehr auf diesem Niveau, sonst höre ich wieder auf.

  32. erik spiekermann

    Wir können uns gerne über Design streiten

    Gerne. Aber was hat das mit „umstruk­tu­rie­rung“ zu tun? Ich hatte das thema nicht gewech­selt…

  33. bernie

    Ach, belassen wir es doch dabei. Wir beide haben es ja offen­sicht­lich gere­gelt.
    Mit bestem Gruß. Bernie.

  34. romas

    wer an einem solchen konzept die spatio­nie­rung kriti­siert, hat
    zum einen die idee meiner meinung nach nicht verstanden (bzw.
    steht ihr boshaftig kritisch gegen­über) oder zeichnet
    sich durch vermes­sene arro­ganz und fehlende beob­ach­tungs­gabe
    aus. left­loft versteht durchaus mit typo­grafie umzu­gehen, wie
    man ihrer webseite entnehmen kann. dies zeigt, dass es sich um
    eine bewusste und fähige entschei­dung handelt.

    für das docu­menta konzept scheint zu gelten: jede schrift gehört
    dazu und jeder beteil­ligte wird anteil am design haben: das logo entsteht,
    indem man es ledig­lich schreibt und die schriften werden so verwendet,
    wie sie gestaltet worden sind.
    es ist also vorrangig eine syntak­ti­sche und zweit­rangig eine visu­elle idee.
    ganz gewiss ist es aber eine idee (und darüber hinaus auch noch eine effi­zient
    iden­ti­täts­ge­bende), und nicht nur hand­werk­li­ches geschick.

  35. reiner

    »wer an einem solchen konzept die spatio­nie­rung kriti­siert, hat
    zum einen die idee meiner meinung nach nicht verstanden (bzw.
    steht ihr boshaftig kritisch gegen­über) oder zeichnet
    sich durch vermes­sene arro­ganz und fehlende beob­ach­tungs­gabe
    aus.«

    romas, sie glauben allem ernstes, eine ›grot­ten­schlechte‹ spatio­nie­rung gehört zum konzept? entschul­digen sie bitte, aber das ist doch völlig absurd. erklären sie mir doch bitte einmal das konzept: ›grot­ten­schlechte‹ spatio­nie­rung!

    anmer­kung: meine kritik möchte ich nicht als boshaft kritisch ansehen. viel­mehr wundert es mich, wie selbst­ver­ständ­lich über hand­werk­li­ches untun (die spatio­nie­rung wenigs­tens auf optisch umzu­stellen wäre ein klick entfernt) hinweg philo­so­phiert wird! typo­grafie ist herzens­an­ge­le­gen­heit; das erwarte ich von left­loft und das möchte ich bitte auch sehen.

  36. bernie

    Ich verstehe auch nicht, wie eine schlechte Spationierung zum Konzept gehören soll, ist doch das Non-Logo so ausge­legt, dass es in verschie­denen Schriftschnitte darge­stellt werden soll. Und das man das kriti­siert, ist wirk­lich nicht boshaftig gemeint, denn wenn es schön gezeichnet wäre, hätte ich gar nichts dagegen.

    Aber die Documenta mag es so, war in den 80ern nicht anders, als mit Schreibmachine auf Papier getippt wurde. Null Ästhetik, Null Formempfinden, Null Geschmack. Von meiner Seite aus gesehen. Für andere ist der Gipfel der Kunst.
    Bitteschön.

    Ich hätte es mehr ausge­ar­beitet – die Schrift verpi­xelt bzw. mehr geras­tert, wenn man schon in diese Lowbudgetregion vortreten will. Faxkopiererstyle revi­sited. Und mehr gesperrt!

    Man sollte Paul Snowden an die Documenta lassen. Das wäre was, was ich goutieren könnte, denn er ist unan­ge­fochten der ‚Master of Black and White‘. Hat ja auch das beste Berlinaleposter aller Zeiten gemacht.

  37. romas

    das ist doch konstruk­tive seitens bernie. und dem kann ich mich sogar voll
    anschließen: ein eigenes urteil habe ich übri­gens auch nicht gefällt bezüg­lich der umset­zung, bzw. zu den veröf­fent­lichten skizzen.
    mit dieser idee als ausgangs­punkt hätte vermut­lich jeder von uns etwas komplett
    anderes entwi­ckelt.
    es ging mir ledig­lich darum, dass es vorrangig das hand­werk ist, welches kriti­siert
    wird und dies macht nunmal auch nur den teil des konzepts aus, welcher nach der ideen­fin­dung folgt. vorallem, wenn es, wie hier um eine pure idee geht und nicht um ein endre­sultat.
    und deswei­teren habe ich mich dafür ausge­spro­chen, dass es mir nach einer bewussten entschei­dung aussieht und in diesem moment würde ich niemanden ‚verbes­sern‘ wollen — vorallem wäre dies völlig irrele­vant.
    in jeder ecke geis­tert diese art der kritik umher: das verbale nach­bes­sern an anderer leute entwürfen — es ist doch viel span­nender das denken, was dahinter steckt mit einzu­be­ziehen. und der vorsicht halber, möchte ich auch betonen, dass ich ihnen diese kritik garnicht unter­stellen möchte, reiner.
    es ist eine allge­meine beob­ach­tung und das docu­menta beispiel illus­triert dieses phänomen gerade wunderbar.
    wenn left­loft sich vorstellt, dass diese brutalen abstände die verwei­ge­rung eines
    klas­si­schen CDs visua­li­siert, finde ich dies zumin­dest nach­voll­ziehbar. es sieht
    dann eben ‚weniger‘ gestaltet aus, bekommt eine geplante, dilet­tan­ti­sche nuance.
    ob ich das nun ästhe­tisch finde oder es meinem ermessen nach für akkurat umge­setzt halte, ist dabei genau­ge­nommen ziem­lich egal. (und beur­teilen lässt es sich so, als entwurf auch nur sehr einge­schränkt)

  38. Richard Radermacher

    ich habe die bishe­rigen kommen­tare nur grob über­flogen und schnappte vorallem state­ments in rich­tung typo­grafie & hand­werk auf … gerechnet hatte ich mit „diskus­sionen“ in in sachen wieder­erken­nungs­wert …

    sollte die schreib­weise als einzige konstante genügen?
    in welchem kontext dritt die dOCUMENTA (13) auf, der dies zulassen könnte?
    bereits auf der start­seite ( http://​www​.docu​men​ta12​.de/ ) wird mit der schreib­weise und in klam­mern gesetzten 13 gebro­chen …

    die pres­se­mit­tei­lung seitens dOCUMENTA (13) trägt den titel: „dOCUMENTA (13) Visuelle Identität“ – ich sehe in diesem konzept keine iden­tität … keine die auf wieder­erken­nung setzt.

    Ein funk­tio­nales Corporate Design erzeugt Aufmerksamkeit, hat einen hohen Wiedererkennungswert, ist prägnant, ausbau­fähig, zeit­gemäß und spricht emotional an. [Beyrow, M. (2007). Corporate Identity & Corporate Design: Neues Kompendium , S.18]

    Im Kontrast steht im Falle der dOCUMENTA (13) die Zielsetzung des CDs die die ‚visu­elle iden­tität‘ leitet:
    Ziel ist die visu­elle Vermittlung der Einzigartigkeit einer Identität und ihrer Werte sowie Sichtbarmachung dessen, worin sich das ‚Unternehmen‘ am Markt abhebt. [vgl. Manss, T. (2007). Humor ist nichts zum Lachen; Corporate Identity & Corporate Design: Neues Kompendium , S.22)

    jedoch darf bei einem so geringen wieder­erken­nungs­wert über­haupt von visu­eller iden­tität die rede sein? die frage finde ich wesent­lich inter­es­santer. wieder­erken­nung beruht auf konstanten – im fall dOCUMENTA (13) = ausschließ­lich schreib­weise.

    Jede Schrift sei einem bestimmten Objekttyp zuge­ordnet […] & Die Typografie des Namens solle in jeder ihrer Anwendungen vari­ieren […]

    okay, bevor ich dieses system erkennen und verstehen kann muss ich die ‚gebran­deten objekte‘ zu aller­erst mit dem absender in verbin­dung bringen können …. erst wenn das passiert kann ich diese varia­tionen als merkmal/wert der iden­tity wahr­nehmen.

    ich stehe diesem visu­ellen konzept sehr kritisch gegen­über und bin gespannt ob diese „bran­ding stra­tegie“ die nach­fol­genden docu­mentas begleiten wird.

  39. René Wynands

    Erik Spiekermann schreibt:

    wir werden gemessen an dem, was zu sehen ist

    Da hat er voll­kommen Recht. Aber das ist bei dOKUMENTA ja das Problem: Es sieht nicht gut aus. Das dahinter stehende gedank­liche Konzept ist wich­tiger als das visu­elle Ergebnis (zumin­dest so weit es bis jetzt zu sehen ist) – was zwar typisch für moderne Kunst sein mag, aber keines­wegs auto­ma­tisch gutes Design bedeutet.

  40. bernie

    Tja, Hans. Solltest auch besser von Slanted hierher umziehen. Dort komme ich nicht „zum Schuß“, aber ansonsten läuft dort auch nichts mehr. Doch daran sind sie ja selbst schuld.

    Zur Diskussion. Das Logo ist imgrunde voll­kommen durch­ge­fallen. Man kann es sich zwar auf intel­lek­tu­ellem Wege noch­mals schön­hüb­schen, doch ansonsten lang­weilt es .

    Da brauch Erik Spiekermann nicht meinen, eine Anstarthilfe geben zu müssen – ich meine, imgrunde war das ja eine ziem­liche fette Werbung, nicht wahr? („Erst nach­ge­dacht, dann gestaltet“) – eine Adligung, Auszeichnung, Deutscher Designpreis, und so weiter. Meine Güte, wenn er meine Arbeiten so auszeichnen würden – die Leute würden mir die Bude einrennen. Sowas gäbe ich nicht umsonst her.

    Die Dokumenta, oder Documenta, ist lang­weilig, immer­noch verkopft, und das Logo mit Sicherheit in stun­den­langen Diskussionen von mit Hornbrille und 5-Tagesbart bewehrten Theologiestudenten nebst ökoschlap­pen­tra­genden 8-Monatsmuttis ausbal­do­wert worden. Dass die zumin­dest keine Ahnung von Typografie ausweisen, ist ersicht­lich, denn man kann zwar ein Infosystem mit mehreren Schriftschnitten aussta­fieren, doch sollte man merken, daß man darin eine Hierarchie braucht, sodass man die Dinge auch als Gruppe erkennen kann. Wieviel Schriften wollte die Dokumenta für Ihr Outfit aufwenden? 20? 30? Meine Güte: Wo war die Abteilung mit der Helvetica nochmal? Wo muss ich abbiegen um zur Times New Roman Installation zu gelangen? Ach, am Microsoft Drive. Alles klar.

    Und dann ist ja so, dass die meisten die Schriften garnicht kennen, infol­ge­dessen voll­kommen desin­ter­es­siert auf die Fontänderungen reagieren. Oder verwirrt. Oder beides. Oder auch garnicht. Weil es viel­leicht über­haupt nicht auffällt.

    Aber mit ein paar fingierten Pressemeldungen biegt man das wieder hin.

    Genauso letzt wieder bei Vier5, die eines ihrer „Schriftschnitte“ zu Kauf anboten und sich im dabei­lie­genden Pressetext nicht nehmen ließen, sich als Gott, Superstar und Megaheld abzu­feiern. Flo von Slanted konnte natür­lich nichts anderes, als aufmerk­sam­keits­hei­schend hinter­her­zu­sab­bern („Ja kann man mit ihrer Schrift Plakate gestalten?“) Nein, Flo, kann man nicht. Und wenn ich es nicht vorher schon verneint hätte, wärst Du eh nie drauf­ge­kommen.

  41. Hans Schumacher

    Tja, wie kommu­ni­ziert man mit dem nötigen Respekt für alle Beteiligten – las neulich »in unserer Familie zählt nur eins: respek­tiere mich – hör mir zu« (aus dem aktu­ellen ‚uptown strut‘ Magazin). Weise Worte, wenn es denn so einfach wäre. Zum Logo wär ja dann wohl alles gesagt, mir fiel nur noch folgendes auf:

    sondern eher wie eine Sendung von Gott.

    Gott sendet nicht mehr. – Gott hat sich erschossen, ein Dachgeschoss wird ausge­baut (Blixa Bargeld, Einstürzende Neubauten, Ende der 80er, Anfang 90er unge­fähr) – das Oberstübchen ist daher schon eine Weile vakant, und das Gerangel bleibt gleich­blei­bend hoch.

    Da die Sehnsucht nach einer höheren Instanz und einem allge­meinen Konsens aber geblieben ist, vertraut man vermehrt einem Algorithmus als kleinstem gemein­samen Nenner, oder auf eine Schreibanweisung.
    Das bringt mögli­cher­weise eine sinn­liche Verödung mit sich, aber da »die Kunst« eine relativ abstrakte, geistig wie mediale, Sache geworden ist, ist das viel­leicht einfach nur folge­richtig. Das kann man zwar bedauern oder »8-Monatsmuttis« verant­worten lassen, ist aber eigent­lich auch nur Dienstleistung at its best.

    Das docu­menta Leitsystem von vier5 fand ich übri­gens gerade aus dem Umstand gut, weil es aussah, als sei es vom Himmel gefallen – und ohne Seitenblicke auf irgend­etwas vorhan­denes reali­siert. CHR15 hatte das ja auf den Punkt gebracht mit ‚machen ihr Ding‘ – die Kanonisierung in einem Schriftfont für alle ist wieder etwas anderes, stösst aber nur auf weil im eigenen Manifest wider­sprüch­lich. Ob man damit Plakate machen kann oder nicht – hmm, der eine kann, der andere nicht.

    Hat ja auch das beste Berlinaleposter aller Zeiten gemacht.

    ähem, nichts gegen den Mann. Aber: das Eierkopp-Orchester? Die »Alle-Neune« spon­sored by Volkswagen (wenns so gewesen wäre, wärs witzig aka gut gewesen) Kegelnummer? Das »der block­buster schaut zurück« Poster? Ich weiss nicht, also immer mit dem Panzer durch den Vorgarten … aber auf vier5 schimpfen. Kein schlechtes Plakat, anyway, Standpunkt ist Standpunkt, beste Grüsse

  42. bernie

    Ja verdammt Hans. Bei Slanted sind wir noch durch Mareen Fischingers Popcornkino gesprungen … und was lese ich hier? Keine Ahnung! Was schreibst Du hier?

    Kritisierst Du mich? Druggst Du Dich vor einer klaren Aussage? Was soll das? Ich schimpfe auf Vier5 so lang ich will und möchte. Ob die ihr Ding machen oder daran rumspielen mir echt egal. Das weisst Du doch. Was geht, Baby? Bei Fontblog herr­schen andere rules, was? The iErik looking down, because he’s right next door? Woohoo.

    Er hatte schon recht: Nur die Anonymen können schreiben was sie wollen. War wohl eine Spur von Neid zu erahnen.

    Und ehrlich, mein lieber Hans, die Aussage dieses Surrogatgrafikers Chr15, der sich nichtmal einen anstän­digen Namen geben kann, über Vier5 (Sechs7?) zu sagen, Sie machen Ihr Ding, ist genauso doof, als wenn ich sagen würde, ich greif mir in den Schritt und mach den Michael Jackson. Es gibt immer welche, die diesen Schrott kaufen, brau­chen und sich damit sonnen. Ob das auch »GUT« ist, steht woan­ders, aber nicht mehr im Kapitel Grafik-Design, denn da regiert der fast nur noch der pure Idiotismus.

    Und beim Berliiiiiiiiinale-Poster ging um die Besuchermenge.

    Hey sogar in Schreibform erkennt man’s.

  43. bernie

    Zudem: Ich kann mit den Schriften von Vier5 Plakate machen. Sogar sehr gute. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass sie für Kenner trotzdem als Vier5-Plakate erkennt­lich wären, dass sie mit deren Schrift gemacht wurden, und inso­fern dessen wieder auf den Urheber der Schrift zurück­spie­geln, somit keinerlei Individualismus aufweisen, also: Sans Individualité, was natür­lich wirk­lich im Widerspruch zu Vier5s Leistung als Designer steht, die ja auf diesem Prinzip aufbauen. Aber ich habe es bei Slanted eindeutig defi­niert: Vier5s Selbstbild ist ein Spiegel, der sich in einem Spiegel spie­gelt. Ihr C.D. für Cac ist ihr C.D. Es wird insich wieder­holt. Die können da nicht mehr raus. Und somit machen die auch nicht mehr „ihr Ding“. Ob die nun den Mut aufweisen, einen Stein zu werfen, wag ich zu bezwei­feln. Aber mutig wäre es.

    Die dOCUMENTA (13) und ihr Logo ist eine Bankrotterklärung des Verstandes über die Magie, denn diese hat sich in andere Sphären verzogen, unauf­findbar, und nicht mehr wieder­findbar. Kunst ist eine Ausdrucksform unserer Menschlichkeit, unserer Seele, unserer Rezeption des Gesehenen und Verstandenen – des Verständnisses von Schönheit in einer Welt, einem Universum, das imgrunde nur aus Atomen, Protonen, Elektronen besteht. Deren Zusammenspiel ist Magie. Es gebiert sogar Leben. Vielfältig, unbe­re­chenbar, so unglaub­lich bril­liant.

    Wir machen aber nichts daraus. Ausser krit­zeln, schmieren und toller als der andere sein wollend. Damit wir die Frau kriegen. Das ist die Crux unserer Existenz. Deswegen ist die dOCUMENTA (13) in seinem Design so kopf­lastig strin­gent banal. Das hat garnichts mit Kunst zu tun. Es ist ein Abgesang. Es ist ein Parteitag der kommu­nis­ti­schen Partei vor der drohenden Auflösung. Denn auch die hatten keinen Sinn für Schönheit. Es musste ja auf Parteilinie getrimmt sein. Andernfalls wird die Lüge entlarvt. So auch in der Hierarchie des Kunstestablishments. Imgrunde eine Partei – eine Lüge an sich selbst gerichtet.

    B.

  44. Hans Schumacher

    Chapeau. Kann der Mann schreiben, wenn man ihn lässt. Ich glaube die Neubauten LP mit dem Bargeld Zitat hiess Haus der Lüge, seufz. Danke fürs Plädoyer, ich muss erst mal meinen hangover kurieren bis ich wieder halb­wegs was vernünf­tiges formu­lieren kann (… hab Familie, die z.T. noch nicht durch­schläft, feier selbst zuviel, wenn sie mal schläft). Rücksichten, ja. Ausserdem mag ich Chris‘ Sachen, trotz der ‚machen ihr Ding‘ Aussagen, die Mareen, ja, das war was …
    Das Poster ist ja tatsäch­lich spon­sored by Volkswagen, bald fang ich noch an, das Ding zu mögen. Bis die Tage …

  45. Geerdes

    Apropos schlau schreiben mit blumigen Worten … wenn Ihr mal bitte hier schauen wollt ;-) unter 1.2 :
    schrift­ge­wohnte Leseblickrichtung

  46. Florian Schommertz

    Brillant. Schlechter geht’s nicht.

    Die Last mit der ein »Dokumenta CD« auf einen Designer drückt ist sicher exor­bi­tant. Man kann es nicht jedem recht machen. Aber aus meiner Sicht …

    Ich beginne mit einem Zitat:
    »Die normalen Schreibregeln umzu­drehen, indem man das rest­liche Wort in Großbuchstaben schreibt, erfor­dert aktives Engagement, Aufmerksamkeit und einen gewissen Mehraufwand an der Tastatur.«

    Gleich hier schießen sie den Vogel mit dieser schlechten Begründung ab.

    Übersetzt steht hier:
    »Brecht welche Regel auch immer, wenn Sie anders ist und/oder „aktives Engagement“ erfor­dert ist sie … irgendwie bestimmt toll oder gut, oder so etwas, ehrlich wahr!«

    Angeblich ist es offi­ziell kein Logo.
    Dann ist es aber doch wieder »eine Wortmarke«. Dies würde erreicht durch eine (alte) halb-gare Idee (es war ja öfter schon einmal so).

    So erzeugt man also eine tolle nicht Identität. Also »kein Logo« aber eine Wortmarke.

    Wow! – Ich bin baff.

    Schauen wir auf Sagmeisters CD für die Casa da Música von Porto.
    Das ist ein wandelndes Erscheinungsbild. Hier wird gespielt, expe­ri­men­tiert und ein super modu­lares, weiches Identitätsbild geschaffen welches jeder Veranstlatung die dort statt­findet gerecht werden kann.

    Wenn ich nur die Umsetzungen bild­lich vergleiche dann viel­leicht so:
    Ich sehe ein Blatt Papier mit einem Knick auf der einen Seite und ein funk­tional gefal­tenes Stück Origami in abso­luter Präzision auf der anderen.

    Viel Spaß also mit den halb­garen Eselsohr in Kassel.

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