Weihnachtsmann vs. Nikolaus

Ich habe den Nikolaus gesehen. Gestern, im KaDeWe (Foto). Es war eine beein­dru­ckende Begegnung, denn seit meiner Kindheit ist mir kein Niklaus mehr über den Weg gelaufen. Er trug ein fest­li­ches Gewand, wallende Haare, einen echten Bart, siber­far­bene Lederstiefel und eine Zaubereule auf seiner Pelzmütze.

Der Nikolaus stirbt aus, gerade in den Einkaufswelt. An seiner Stelle ist eine Witzfigur getreten, mit langem Wattebart, roter Kutte, Geschenkesack und Rute: der Weihnachtsmann. Er ist eine Entwicklung von Coca Cola und wahr­schein­lich der erfolg­reichste Marketing-Coup des letzten Jahrhunderts, »eine Symbolfigur des weih­nacht­li­chen Schenkens« schreibt Wikipedia ganz richtig. Mit dem Nikolaus hat er nichts zu tun.

Der echte Nikolaus von Myra war ein Bischof im 4. Jahrhundert. Unter anderem wird er als Schutzpatron der Kinder verehrt. Ihm zu Ehren wurden schon im Mittelalter Kinder an seinem Namenstag beschenkt, dem 6. Dezember. Dieses Datum war früher auch der eigent­liche Bescherungstag, der erst im Laufe der Reformation und deren Ablehnung der Heiligenverehrung in vielen Ländern auf den 24. bzw. 25. Dezember rückte. Martin Luther ersetzte den Nikolaus durch den »Heiligen Christ«, aus dem über die Jahre das engel­ar­tige Christkind wurde. Vor allem in Süddeutschland schreiben Kinder vor Weihnachten dem Christkind einen Brief mit ihren Wünschen.


39 Kommentare

  1. pH

    Bei uns zu Haus war es auch immer der Nikolaus und niemals der Weihnachtsmann. Den guten Herren auf dem Bild da oben finde ich tausendmal sympa­thi­scher als die ganzen grellen Weihnachtsmannen.

  2. Sepp

    Zaubereule? Na, die hat aber beim Nikolaus nichts verloren – vermut­lich ein getarnter Weihnachtsmann:-)

  3. Lars

    hat aufje­den­fall viel mehr stil, als die ganze ollen weih­nachts­männer.

    aber das fünk­chen mehr stil, hat das kadewe ja schon immer bewiesen :P

  4. Nathanael

    Auch wenn du insge­samt Recht hast, hat Coca-Cola den Weihnachtsmann weder erfunden noch ihm die rot-weiße Tracht verliehen. Lediglich für die welt­weite Verbreitung der Figur ist der Konzern verant­wort­lich. Steht auch in der Wikipedia.

  5. timeout

    Noch lange, lange bevor das Christentum Weihnachten erfand, später den Nikolaus und schließ­lich den Wehnachtsmann, zog ODIN in den kalten Rauhnächten ab dem Julfeste zur Wintersonnenwende des nachts wenn der Nordstern am höchsten stand in mensch­li­cher Gestalt durch die Wälder und Gassen.

  6. Eckhard

    Wisst Ihr wie schwer es ist, in Deutschland echte und bezahl­bare Nikoläuse aus Schokolade zu bekommen? Es gibt Kindergärten die legen Wert auf den Unterschied. Deshalb haben sich Kirchengemeinden und Kindergärten zusam­men­getan und bestellen die Bischhofsfiguren palet­ten­weise in Holland oder Österreich. Hergestellt werden sie von den selben Herstellern, die in Deutschland nur Weihnachtsmänner vertreiben.

  7. Christian Speelmanns

    Ein echter Nikolaus hätte eine Bischofsmütze (Mitra) mit Kreuz darauf und einen Bischofsstab. Das dort auf dem Foto ist also kein Nikolaus! Das ist ein Weihnachtsmann, dem das KaDeWe einfach farb­lich etwas ange­passt hat. Der Bart und das Gewand – auch kein Bischhöfliches – sehen eher nach Russland aus.

  8. Jürgen

    @ Christian Speelmanns: Stilistisch und histo­risch hast Du voll­kommen recht. Dann würde aber der Nikolaus wie ein Bischof aussehen und nicht wie eine »Weihnachtsfigur« ;-)

  9. noribori

    Eben, eigent­lich müsste es Christkind vs. Hl. Nikolaus heißen – Evangelen vs. Katholen durften sich kloppen, wer das bessere Fest hat. Der Weihnachtsmann ist die welt­liche Konsensfigur, frei von konfes­sio­nellem Dünkel, entstanden im Einwanderungsland, das für solche Kleingeisterei keinen Platz hat und sich lieber eine nicht ganz so ernst gemeinte Popkultur erfindet.

  10. Sebastian Nagel

    Ich mag den Nikolaus auch viel lieber. Nikolaus betritt das Haus, kommt zur Stube rein, stößt sich am Türstock den Bischofshut ab (an dem auch der Bart dran­hängt), Onkel Peter ist enttarnt und dann gibt es Lebkuchen und Nüsse.

  11. Sepp

    Keine Ahnung wie das bei den Evangelen ist, aber bei den Katholen sieht der Niklaus aus wie ein Bischof und er kommt am 6. Dezember. Das Christkind kommt am 24. Dezember und man sieht es meins­tens gar nicht.

  12. Ralf Herrmann

    Er ist eine Entwicklung von Coca Cola und wahr­schein­lich der erfolg­reichste Marketing-Coup des letzten Jahrhunderts,

    Neeeien!
    Und das sagt auch Wikipedia: »dass dieses Aussehen des Weihnachtsmannes fälsch­li­cher­weise Coca-Cola zuge­schrieben wird«

  13. L.E.

    Die Menschen brau­chen Gott, und nicht Weihnachtsmann oder Nikolaus. Aber schade, dass du heute keine Zeit mehr fur Gott hast, aber es ist immer Zeit fur ein neue Movie, neue Font oder eine andere website…

  14. Danyo

    Aus Kindertagen erin­nere ich mich noch bestens an dieses kleine „Streitlied“ zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus von Rolf Zuckowski:

    http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​b​6​Q​M​g​b​4​1​xjA

  15. amica

    @ L.E.
    was ist das denn für ein Stuss?

  16. Joël

    In Luxemburg gibt es eigent­lich nur den Nikolaus. Der taucht vor dem 6. Dezember auch in vielen Kaufhäusern auf, hat aller­dings (anders wie dein Bild) eine starre Bischhofskappe (Mytra) auf und wird vom luxem­bur­gi­schen Pendant zu Knecht Ruprecht, dem „Housecker“ begleitet.

  17. jamie oliver

    das ist wiedermal ein totale sinn­lose Diskussion. Erwachsene argu­men­tieren was ein „echter“ rich­tiger Nikolaus ist und was nicht. Hehehe. Zu schön!

  18. Sepp

    Was ist denn ein echter Jamie Oliver?

  19. noribori

    In dem Artikel, der auch von der Wikipedia als Quelle genannt wird:
    http://​www​.zeit​.de/​s​t​i​m​m​t​s​/​1​9​9​9​/​1​9​9​9​5​2​_​s​t​i​m​m​t​s​_​c​o​l​a​_​wei
    erfährt man, dass der Weihnachtsmann im ursprüng­li­chen Gedicht von 1821 nur Elfengröße hatte – das macht auch Sinn, wie sollte er sonst durch den Schornstein kommen!

    Es gibt eine sehr schöne Carl Barks-Geschichte von 1949, Letter to Santa, in der Donald und Dagobert als falsche Weihnachtsmänner drauf und dran sind, den drei Neffen Weihnachten zu verderben. Als der echte Weihnachtsmann erscheint, ist sofort klar, dass es der echte ist: Er schrumpft auf Elfengröße und fliegt durch den Schornstein, um danach wieder seine impo­sante normale Gestalt anzu­nehmen.
    Daran kann man den echten Weihnachtsmann leicht erkennen.

  20. jamie oliver

    @ sepp
    lies z.b kommentar 8, ich selber finde alle kitsch aber scheinbar gibts eben doch echte und nicht echte….

  21. ryan

    Also um mal hier aufzu­klären:
    Weihnachtsmann ist was ameri­ka­ni­sches.
    Nikolaus ist ein Heiliger und heilige gibt es nur im katho­li­schen Glauben. Sein Fest ist am 6.Dez. und hat mit dem Weihnachtsfest nichts zu tun.
    Und jeder Katholik hat seinen Namenspatron und manchmal wird dieser Tag auch mit einer kleinen Aufmerksamkeit gefeiert.
    Übrigens gibt es noch eine bekannte Frau die im Dezember gefeiert wird. Quizfrage: wer ist sie? (tipp: ihre zweige blühen dann am hl.Abend)
    Und Weihnachten und Geschenke soll uns daran erin­nern, dass Gott uns seine Liebe in Jesus Christus schenkt, der in der Nacht am 24.12 vor mehr als 2000 Jahren geboren wurde … (>Lk 2,1-20)
    Und der Typ auf dem Bild ist entweder von Harry Potter oder aus irgend­einem anderen Fantasie-Abenteuer entsprungen …
    Schönen Abend noch und ein geseg­netes Weihnachtsfest!

  22. Sepp

    Da noch niemand ryans Quizfrage beant­wortet hat, hier ein kleiner Tipp:
    Fängt mit B an:-)

  23. jamie oliver

    Heheh. In der Schweiz heisst der Nikolaus übri­gens Samichlaus und hat noch einen dunklen Gesellen zur Hand den Schmutzli. Der protes­tan­ti­sche Samichlaus hat keinen Bischofstab und Bischofsmütze und lebt tief tief im Wald. Je nach Region natür­lich woan­ders. Der Basler Samichlaus lebt im Schwarzwald. Unsere Kinder können recht gut unter­scheiden zwischen dem Weihnachtsmann der vom Nordpol kommt und am 24. Geschenke bringt und dem Samichlaus der am 6. Dezember Nüssli und Mandarinen bringt. Von dem her können der Nikolaus und der Weihnachtsmann gut neben­ein­ander leben.

  24. erik spiekermann

    wird vom luxem­bur­gi­schen Pendant zu Knecht Ruprecht, dem “Housecker�? begleitet
    In der DDR hieß der Honecker und war aus dem Saarland, gleich neben Luxemburg.

  25. Till Westermayer

    Das da oben ist eindeutig eine Figur aus a. dem Tolkien-Kanon oder b. dem Harry-Potter-Kanon. Nur welche, fällt mir gerade nicht ein. Aus den hier darge­stellten Kommentaren käme dann tatsäch­lich Odin oder „Väterchen Frost“ dem noch am nächsten.

  26. woyfe

    @ ryan:

    das ist fast richtig. die geschenke haben ursprüng­lich nichts mit weih­nachten sondern tatsäch­lich mit dem heiligen niko­laus zu tun. vor 150 jahren haben die kinder ihre geschenke noch am 6. dezember und nicht an weih­nachten bekommen. die geschenke sind nicht zur erin­ne­rung an christi geburt, sondern daran, dass der heilige niko­laus an die armen seiner gemeinde gedacht hat und sie mit geschenken immer unter­stützt hat.

  27. woyfe

    die andere berühmte heilige im dezember mit ihren noch berühm­teren zweigen ist natür­lich die barbara…

  28. ryan

    @woyfe: Barbara ist richtig!

    Nochmal zu den Geschenken:
    woyfe hat schon recht, aber wer ist Schuld?
    Martin Luther!
    Wie gesagt, am 24. ist die Geburt Jesu Christi.
    Die Geschenke gehen auf ML zurück. Bis ins Jahr 1535 brachte nämlich der Bischof Nikolaus am 6. Dez die Gaben. ML, der heilige ablehnte, nahm dem Nikolaus diese Funktion. Luther führte den Herrn Christ ein, der später zum Christkind wurde. Seither gibts Geschenke am 24.12
    Frohes Fest !!!

  29. HUNDERTMARK Blog

    die sache mit der heiligen barabara kenne ich auch. an weih­nachten blüht ein kirsch­baum den man am 4. Dezember in wasser stellt.
    Jemand unter euch der an das Christkind glaubt?
    Als Kind wurde mir was vom Christkind erzählt und nicht vom Weihnachtsmann.

  30. Simone Wolf

    Wenn das Christkind von Martin Luther ins Leben gerufen wurde, also protes­tan­ti­schen Ursprungs ist, warum schreiben ihm dann viele Kinder in Sueddeutschland, Hochburg der deut­schen Katholiken? Muss ich das verstehen? Was ist aus der guten Reli-Stunde in der Grundschule geworden? Hier gibt’s uebri­gens nur Babbo Natale ;-)

  31. ryan

    @wolf

    Das hängt damit zusammen, das ML die Bibel als erster ins Deutsche über­setzt hat und für viele Begriffe die in der Bibel stehen gab es bis dato noch keine deut­schen Wörter: Neologismus war an der Tagesordnung
    und das Christkind ist ja gleich bedeu­tend mit Jesus

  32. Alex

    „Er ist eine Entwicklung von Coca Cola ..“

    Sehr sehr richtig!!! Manchmal bekomme ich wütend wegen solchen kommer­zi­ellen Tricks! Wo bleiben die deut­sche Wertbräuche?!

  33. MH

    Warum soll man eigent­lich nicht ans Christkind (=Christuskind) glauben, das ist ebenso wie der Hl Nikolaus eine histo­ri­sche Persönlichkeit. Beide sind mir daher weitaus sympa­thi­scher als ein Väterchen Frost oder der Weihnachtsmann der mit Weihnachten nur den Namen gemeinsam hat.

    Wer ein Fest des Kommerzes feiern will bitte, aber nennt es nicht Weihnachten!

  34. προσκλητηρια μαστορας

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