Was mir an der Bionade-Quitte-Werbung gefällt

Sie macht sich über Verkaufspsychologie lustig, zeigt der Marktforschung einen Stinkefinger und bestä­tigt, dass ein Unternehmer selbst­be­wusst zu entscheiden hat. Großes Kino (via):


19 Kommentare

  1. Wolferl

    Noch besser macht es eigent­lich nur noch Club Mate. Die verzichten sogar auf Youtube. Professionell gesehen zwar schlecht – aber wahn­sinnig glaub­haft.

  2. van holland (amica)

    „tja, ääh, wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann esse ich die auch …“

    Unglaublich wie naiv und unbe­küm­mert manche über ihre „Kurzsichtigkeit“ plau­dern können.

  3. aljas

    Besonders schön sind die Kommentare nach dem Claim. Da musste ich bei beiden Spots laut lachen.

  4. rob

    also die werbung gefällt mir.
    aber zum thema markt­for­schung: wenn ein kakao­her­steller seinen prob­anten rohe kakao­bohnen hinge­stellt hätte, hätten diese vermut­lich ähnlich reagiert… deshalb finde ich: im ersten moment ist es lustig, aber wenn man darüber nach­denkt doch etwas unrea­lis­tisch.

  5. Andreas

    @ wolferl: was macht denn club mate da besser? keine werbung? ah, keine werbung = besser? ein wenig komi­sche sicht­weise.

    loscher (club mate) und bionade sind wirt­schafts­un­ter­nehmen mit jeweils eigener haltung zu ihren produkten. ob loscher nicht groß­artig wirbt, weil sie nicht wollen, weil sie werbung doof finden, weil sie die kapa­zi­täten für eine größere produk­tion nicht haben oder weil ihnen der umsatz genügt macht sie per se nicht glaub­hafter als bionade – eher unbe­kannter.

    kurzum: bionade hat sich entschieden mehr menschen mit ihren getränken beglü­cken zu wollen und gehen den weg der werbung (den dann auch noch sehr klug). loscher begnügt sich mit dem status quo und freut sich sicher trotzdem über stei­genden absatz. also besser machen sie es nicht, anders – oder eben gar nicht.

    man kann es nämlich auch so sehen: bionade macht kampagne, stei­gert den absatz, stellt leute ein und kauft mehr zutaten bei seinen liefe­ranten, die dadurch auch wachsen können. loscher bleibt beim status quo. na wer hat denn nun den schwarzen peter? schon biss­chen doof, oder?

    zu den spots: ich habe die radio­spots gehört und finde die deut­lich besser. diese spots erscheinen mir etwas zu lang und träge – dennoch: geschickt, mutig und wieder mal eine kampagne über die man reden kann :)

  6. macplanet

    @Wolferl:
    Club Mate wirbt unter anderem mit dem Slogan „Club Mate — man gewöhnt sich dran“ (das steht u.a. auf den LKWs der Loscher-Brauerei), was ich ziem­lich witzig finde. Allerdings ist die Club Mate, die Du kennst (nämlich das Getränk, das sich seit einigen Jahren als cooles Szene-Getränk etabliert hat) schon um Größenordnungen kommer­zi­eller als das Club Mate, das ich schon seit 20 Jahren kenne (nämlich ein Getränk, das eine kleine Brauerei hier in der Gegend unter dem Namen „Bronte“ verkauft hat.) Nach dem Verkauf an eine größere kleiner Brauerei kam der Name „Club Mate“ und ein paar Jahre später leider auch das heutige Indio-Logo und vermut­lich auch der kommer­zi­ellen Erfolg. Vorher konnte man Club Mate an der ausge­spro­chen stil­si­cheren Gestaltung mit dem oran­genen Etikett mit den braunen Punkten erkennen.

  7. Suzu

    Tja, die Quitte gehört eben (wie z. B. auch die Papaya, oder auf den ersten Blick schlechte Bildvorlagen ;-) zu den Dingen, die ihre Reize nur dem einfühl­samen Kenner enthüllen: es kommt drauf an, was man mit ihr macht, und vor allem, wie.
    Ich liebe das welt­beste Quittengelee, das meine Schwester macht! Die Quitten-Bionade bestelle ich das nächst mal sofort – ich finde es super, dass hier auf heimi­sche (heim­liche?) Ressourcen zurück­ge­griffen wird, anstelle immer auf Aloe…

  8. Andreas

    @rob: sie ist auch im zweiten, dritten und späteren moment gut. vergiss nicht: auf der flasche steht »quitte«. was der bauer nicht kennt, das frisst er nicht.

    das problem der markt­for­schungs­pro­dukte ist die entwick­lung von höchst massen­kom­pa­ti­blen produkten. produkte für einen klei­neren, dennoch lukra­tiven markt fallen da gern durch das raster.
    die kampagne macht ja das genau zum thema, hättest du vor ein paar jahren holun­der­brause getrunken? gaaanz ehrlich: viel­leicht! die meisten leute aber nicht. warum haben die großen hersteller solche produkte nicht in ihrem sorti­ment? weil sie durch das raster fallen, kleine, mehr oder weniger unab­hän­gige, greifen diese durch­ge­fal­lenen produkte auf und sehen den markt.

    coca cola kann solche produkte aller­dings auch kaum anbieten. das unter­nehmen kenn­zeichnet sich durch allge­meine verfüg­bar­keit der produkte (länder­spe­zi­fi­sche ausnahmen mal wegge­dacht). bieten sie also plötz­lich auch holunder an, dann muss das überall zu haben sein. die konsu­men­ten­gruppen sind aber zu klein, bzw. haben was gegen coca cola, also ist der absatz zu gering als das es was bringt.

  9. dave

    Ich denke nicht, dass Bionade der Marktforschung wirk­lich den Stinkefinger zeigt, sondern eher der Erkenntnis folgt, dass die gegen­wär­tige Gesellschaft aus Menschen besteht, die sich alle gerne als beson­dere Individuen sehen. Außerdem zeigt die Werbung nicht wirk­lich die Charakter, denen man eine Geschmacksfrage blind über­lässt.

    Und da ich ja selbst zu dieser Gesellschaft gehöre, muss ich sagen, dass die Werbung auf jeden Fall meine Neugier geweckt hat und mir durch seine einfache, unge­schminkte Art gefällt.

  10. Wolferl

    @macplanet: Find ich ja lustig, dass Du auch aus der Gegend stammst… ich trink das Zeug auch schon seit der Schulzeit und der slogan ist natür­lich nur lustig, wenn man sich an seine erste Bronde (ja Lokalkolorit hier sind d und t eins) erin­nert. Ich kenne das Etikett aber orange und nicht braun.

    @andreas: Wie schon gesagt aus profes­sio­neller Sicht ist das natür­lich schade aber Underdogs bekommen von mir verdiente Sympathiepunkte. Brauchst mir deswegen nicht unbe­dingt erklären, wie die Welt funk­tio­niert. Aber danke! ;)

  11. rob

    @ andreas

    ich will sie ja auch gar nicht schlecht reden, aber ich finde dennoch dass es eben (nicht ganz realis­ti­sche) werbung ist.

    und ich finde sehr wohl, dass der bauer auch sachen frisst, die er nicht kennt, solange bei ihm durch werbung, oder auch durch die produkt­prä­sen­ta­tion (aufma­chung der verpa­ckung etc.) eine emotion geweckt wird. gab es nicht mal eine fanta cran­berry? ich glaube die wenigsten deut­schen werden genau wissen was das ist, aber solang es anps­re­chend klingt oder aussieht, trinken sie es trotzdem. auch die ganzen kosme­tik­ar­ti­kel­her­steller werben mit den kurio­sesten begriffen, die man als normal­sterb­li­cher nie gehört hat…

  12. Simon Wehr

    Die Marktforschung zum Thema Feuer und Rad von Stone and Stone waren hier glaube ich schon mal erwähnt, gell?
    Aber ich denke, dass Bionade die ganze Nummer doch eher insze­niert hat. Die werden sehr wohl Marktforschung betreiben, nur viel­leicht nicht ganz so in der Art, wie sie es darstellen.

  13. Simon Wehr

    Ach, aber: Ich bin sehr gespannt auf Quitte. Ich liebe eben­falls Quittengelee!

  14. Vroni

    Ist unge­fähr die Haltung „Wir stecken jede Mark in die Schokolade, nicht in die Werbung!“
    (aka MaFo, Marktforschung)
    Kommt bei Deutschen anschei­nend immer wieder gut an. Hat sowas Subversives.

  15. timeout

    Die Frage ist ja, wie bekommt man den Kunden dazu, dass er ein Produkt auspro­biert. Und ich denke das funk­tio­niert mit dieser Werbung.

  16. Christian

    Bionade hat die Preiserhöhung damit begründet, dass der Marktführer auch der teuerste Anbieter sein muss. Ein rein stra­te­gi­sches Argument, keine Produktverbesserung, keine größeren Flaschen – nichts derglei­chen. Ich finde die Strategie sehr gelungen, die sonst unsicht­baren Prozesse – wie hier die Marktforschung – zu benennen und damit zu spielen. Das perfekte Marketing für urbane Multiplikatoren.

  17. ollsen

    und diese werbung für „diamond“ shred­dies ist auch genauso toll und älter.
    http://​www​.diamondshred​dies​.com/​v​i​d​e​o​s​.​php

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