Wally Olins, 1930 – 2014

@ Marc Eckardt

Wally Olins, einer der großen Markenmacher -und -desi­gner unserer Zeit, Commander of the Most Excellent Order of the British Empire (CBE), starb am gest­rigen Montag nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren (Quelle: The Guardian). Seine bekann­testen Projekte sind die Entwicklung der Dachmarke VAG für die Volkswagen-Gruppe Ende der 1970er Jahre, das Rebranding der Britischen Telecom zu BT, sowie die Markenführung von Akzo Nobel, Fujitsu und Repsol. 1968 empfahl Olins den Beatles, ihre frisch gegrün­dete Plattenfirma Apple Records zu taufen, 25 Jahre später verlieh er Hutchison Telecom den Namen Orange. Olins defi­nierte Corporate Identity als »Unternehmensstrategie sichtbar gemacht«.

Auf unserer Konferenz TYPO Berlin 2007, wo das obige Foto entstand, stellte Wally Olins seine jüngste und letzte Initiative vor, Nationen und Städte eine Identität nach dem Muster von Marken zu geben. London, Mauritius, Nordirland, Polen, Portugal, Litauen und andere Regionen wurden seitdem seine Auftraggeber. Seinen Vortrag von damals haben wir ins Netz gestellt, hier ist er zu sehen …

Wally Olins wurde 19. Dezember 1930 geboren. Nachdem er am St. Peter’s College in Oxford Geschichte studiert hatte, zog es ihn nach London und dort in die Werbung. Sein erster großer Job war die Geschäftsführung eines jungen Unternehmens, das später Ogilvy und Mather Bombay wurde, wo er 5 Jahre lebte. Anschließend kehrte Olins nach London zurück, um mit seinem Partner Michael Wolff das auf Markenberatung spezia­li­sierte Unternehmen Wolff Olins zu gründen. In den darauf­fol­genden Jahren expan­dierte das Unternehmen mit weiteren Standorten in Hamburg, Paris, San Francisco, Madrid und Lissabon, die heute nicht mehr exis­tieren; 1998 eröff­nete Wolff Olins ein Büro in New York, 10 Jahre später ein weiters in Dubai.

1989 veröf­fent­lichte Wally Olins das Standardwerk »Corporate Identity – Strategie und Gestaltung«, das ihn zum Pionier der Branche machte. Nachdem Michael Wolff bereits 1983 aus seiner Firma ausge­stiegen war, folgte Wally Olins 2001, um mit seinem Kollegen Jacob Benbunan ein neues Unternehmen zu gründen. Sie mieteten eine schicke Altbauwohnung in London, stri­chen die Wände gelb an, kauften gelbe Teppiche und nannten sich Saffron, zu deutsch: Safran. Denn ein gutes Corporate Design kann Wunder wirken: Eine Messerspitze genügt, und alles färbt sich ein. Saffron spezia­li­sierte sich darauf, Stadtmarken zu entwi­ckeln und Nationen zu positionieren.

Erst gegen Ende seiner Laufbahn merkte Wally Olins, dass er sich selbst nie richtig vermarktet hatte. In einem Interview äußerte er 2001: “I have not consciously branded myself at all. It is true that I wear a bow tie and funny specta­cles but it is not conscious bran­ding”. Zumindest entstand auf der Basis von Brille und Fliege ein eigenes Logo, das er auf seiner Website einsetzt.

Wally Olins’ Sohn Rufus Olins, eines von vier Kindern, erklärte heute gegen­über dem Guardian: »Er wollte zuletzt nur noch sein Buch ›Brand New‹ fertig bekommen, das letzte Woche erschien*. Seine Krankheit war kurz, und er arbei­tete bis zuletzt, getreu seinem Motto ›Lasst uns weiter­ma­chen‹. Bis vor zwei Monaten reiste er noch ins Ausland. Er wollte nie in Rente gehen, und genau so kam es auch.« Bis zuletzt war Olins Aufsichtsratvorsitzender bei Saffron Brand Consultants. (Foto: @ Marc Eckardt)

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*Rezension im Economist: Brand Old Man; die offi­zi­elle Premiere für das Buch findet erst am 13. Mai 2014 im Victoria und Albert Museum statt. Im nach­fol­genden Video spricht Wally Olins über sein letztes Buch »Brand New. The Shape of Brands to Come«.


Ein Kommentar

  1. Sebastian Keitel

    Dieser Mann hatte Stil, Karat und Esprit. So etwas gibt es heute viel zu wenig in der Branche.

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