Sind wir jetzt alle etwas klüger?

Es ist 14:45, als ich am Samstag mit meiner Familie den Bebelplatz betrete. Bereits seit 9:00 Uhr sitzen hier 112 kluge Köpfe aus aller Welt, um die »100 wich­tigsten Fragen der Menschheit« zu beant­worten. Drei Minuten haben sie jeweils Zeit. Alle antworten gleich­zeitig, in ihrer Landessprache, in eine Videokamera hinein. Einige sind in Decken gehüllt … es scheint zwar die Sonne, aber auf dem Platz weht ein kühles Septemberlüftchen.

Moderator Willem Dafoe verliest gerade Frage 53: »What if all Chinese people want a car?«. Es ist kurz still, dann breitet sich ein bizarres Gemurmel über dem Platz aus. Am Informationstisch der Veranstalter wird auch viel gefragt, aller­dings immer dasselbe: ›Was ist hier los?‹ ›Warum werden die Fragen in Englisch verlesen?‹ ›Warum können wir die Antworten nicht hören?‹ Auf den Hinweis, dass man die Fragen und Antworten im Internet findet, reagiert ein älterer Passant unwirsch: »Internet, hab’ ich nicht … was für ein Blödsinn.« Andere setzen sich auf die Stühle, die für Zuschauer bereit stehen, lauschen den Fragen und der Stille dazwi­sche
Der deutsche Regisseur Wim Wenders war einer der 112 klugen Köpfe.

Wim Wenders (klicken zum Zoomen) war einer der 112 klugen Köpfe.

Der Show-Effekt dieser ersten Dropping Knowledge-Veranstaltung ist eher gering. Das enttäuscht einen kleinen Teil der Menschheit, der zwischen Mittagessen und Kaffee und Kuchen mal in Berlins Mitte vorbei­schaut. Ob die Internet-Seite die Erwartungen des Rests der Welt erfüllen kann, wird sich in den nächsten Wochen weisen.

In der Zwischenzeit versuche ich eine Antwort auf Frage 57 zu finden: »Why is it easier to get a cold can of Coca-Cola than a fresh glass of water?« ›Was für eine pole­mi­sche Frage‹ brummle ich vor mich hin: ›Und das Glas Wasser soll dann bitte schön auch noch umsonst sein, oder?!‹ Womit fest­steht: Ich wäre für eine solche Fragerunde absolut unge­eignet, weil unsach­lich und nicht weise genug … west­lich indok­tri­niert.

Als Willem Dafoe um kurz nach 18:00 Uhr verkündet: »Die nächste Frage ist die letzte«, bricht Jubel am runden Tisch aus. Die Berliner Zeitung schreibt über das Ende der veran­stal­tung: »Die ersten wollen schon gehen, da bittet Organisator Schmerberg sie noch um einen Moment mehr Zeit. Für Frage 101: ›Was ist Ihre Frage?‹« Meine steht über diesem Beitrag … ich kann sie nicht beant­worten.

Dieses wunder­schöne Quicktime-Panorama vermit­telt einen räum­li­chen Eindruck von der Veranstaltung (ein Tipp vom Hauptstadtblog).


2 Kommentare

  1. Simone

    Eigentlich schade, hätte ja wirkich eine tolle Veranstaltung sein können… Ich dachte, die machen mehr draus. Fähige Organisatoren gibt’s doch!

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