Schuld und Bühne, oder …

Warum die Eitelkeit mancher Designer uns allen dient

von Johannes Erler (Factor Design; Foto: Bruno Passigatti)

Ich bekenne mich schuldig! Schuldig, der Eitelkeit, der Vetternwirtschaft, der Angeberei und des Neids. Denn ich nehme an Wettbewerben teil, gewinne jede Menge Preise und werbe dann auch noch für unser Büro damit! Ich bin auch in ganz vielen Jurys … und so kommt dann, man weiß das ja genau, eins zum anderen. Und wenn ich gefragt werde, etwas zu sagen oder zu schreiben, dann mach ich das auch gleich, weil es gut für mich ist. Ich bin ein ›selbst­ver­liebter Designerarsch‹, tuschelt man hinter vorge­hal­tener Hand, aber das ist mir wurscht, Hauptsache der Laden brummt und ich werde zu Preisverleihungen einge­laden.

Kollege Hickmann ist auch so ein Gockel, eine rich­tige Rampensau! Und Spiekermann ist der Allerschlimmste, der hat zu allem was zu sagen, auch wenn niemand das wissen will. Oder, hier: Sagmeister … oh Gott, der lässt nun wirk­lich kein Podium aus. Obwohl … der ist auch richtig gut, der darf das. Wie Brody, der Flüsterer, das soziale Gewissen des Grafikdesign. Schon mal darüber nach­ge­dacht, dass der Mann eine perfekte PR-Maschine ist? Wofür ich ihm übri­gens verdammt dankbar bin, denn kaum ein anderer hat unseren Beruf im öffent­li­chen Ansehen der letzten 20 Jahre mehr gestärkt.

Wo wird da nun die Grenze gezogen? Wann hat man einen Preis verdient und wann nicht? Wann ist man eitel und wann dient man der Sache? Können wir uns nicht auch mal bei denen Bedanken, die die Qualität besitzen und die Courage haben, das, was uns wichtig ist – nämlich gutes Kommunikationsdesign – in die Öffentlichkeit zu tragen? Wann hilft man allen, wann nur sich selbst?

Meine Antwort kommt aus dem Bauch. Parameter für richtig oder falsch gibt es nicht. Und damit wohl auch kein Ende der Diskussion. Irgendwie hat man im Gefühl, dass da jemand zu weit geht und dann sagt man ihm das, kurz und knapp. Kann mal passieren (die meisten sind übri­gens eher dankbar für so einen Hinweis). Klar gibt es Wiederholungstäter, Profilneurotiker, Egomanen, aber die entlarven sich doch über kurz oder lang von ganz allein. Und schaut mal bitte genau hin: viele von denen, die beson­ders gern gedisst werden, liefern in der Regel richtig gute Arbeit ab. Und zwar konti­nu­ier­lich. Besteht da ein Zusammenhang? Ist es doch nur Neid?

Das deut­sche Wettbewerbswesen ist krank – OK, eine ganz andere Diskussion. Trotzdem bleibt es einer der wenigen Kanäle, über die man über­haupt auf sich aufmerksam machen kann. Und es funk­tio­niert. Mein Büro ist das beste Beispiel. PR in eigener Sache ist schwierig in der Branche. Zu viele Schaumschläger beschä­digen konti­nu­ier­lich das Ansehen unseres Berufes. Jeder ist ein Designer. Design ist austauschbar, ist Oberfläche, ist Verzierung, braucht eigent­lich niemand. Das ist natür­lich Quatsch, aber es ist so mühsam, Deutschland und die Welt vom Gegenteil zu über­zeugen. Nur: Dafür muss man manchmal ein biss­chen mehr Wind machen, denn von nix kommt nix.

Ich gratu­liere also jetzt schon dem Designer, der unserem Bundespräsidenten als erster die Hand schüt­teln darf. Und sage voraus, dass genau dieser Designer fortan ein echtes Imageproblem in der Branche haben wird. Wetten?!

PS: wir haben mit Factor Design gerade wieder vier Auszeichnungen beim Deutschen Preis für Corporate Design gewonnen. Super, oder?


64 Kommentare

  1. Malte

    Bravo!
    Nachdem hier so auf Hickmann rumge­hackt wurde, Spiekermann hier aber der Größte ist, ist das doch eine wunder­bare Reflektion!

  2. thomas | BFA

    herz­li­chen glück­wunsch zu den auszeich­nungn herr erler.
    war noch was? achja. sie haben recht, aber das nur am rande.
    aber so sind wir deut­schen nunmal, da ist es wurscht ob der neid­arsch einem desi­gner gehört oder dem müll­mann, der sich unter­be­zahlt fühlt und »die da oben« sind eh schuld.

    unsere »die da oben« machen in der tat oftmals sehr gute arbeit. und erik menschelt doch auch total. diese ewig­liche klop­perei mit dem weide­mann. können die nicht mal ihren keks teilen wie zwei erwach­sene?

  3. Daniel

    Und jetzt?

    Ist ja toll, und die ganzen Werber werden jetzt wieder nicken und sagen «sag ich doch immer» oder «musste mal laut gesagt werden»
    Aber im Kern ist das schon wieder so ein stumpf­sin­niger Text, bei dem man entweder dafür oder dagegen ist. Und um das zu unter­mauern werden die folgenden Kommentare immer aus eigener Erfahrung spre­chen: «Richtig, das ist wie bei uns…» blibla­blub.
    Ich zieh mir lieber bild​.de rein, denn da weiss man wenigs­tens, wie auf hohem Niveau geschaum­schlä­gert wird. Dieser Text ist ein Witz, klopf dir zweimal auf die Schulter Herr Erler, hier hast du erfolg­reich jede menge poli­tisch korrektes aus der design­welt zu einem herz­haften Pork Pie geba­cken.

  4. Bernd

    Ein beru­hi­gendes Gefühl ist es, wenn hier kein Wort über Designer wie z.B. Peter Saville geschrieben wird …

  5. Stavros

    Daniel, du sprichst mir aus der Seele, vielen Dank…

  6. HD Schellnack

    Amtlich.

    Was uns fehlt, nebenbei, ist so etwas wie die Architektenkammer. Irgendwas, was Ordnung in Pitches bringt und auch in die Wettbewerbe. (Architekten kriegen Geld für Pitches und zahlen {meist} keins für Wettbewerbspublikationen, nicht anders herum wie bei uns ;-)).

    Ansonsten ist jeder öffent­lich erfolg­reiche Designer – ob mit Profilneurose oder ohne (viel­leicht gehört die ja dazu, irgendwie) – eine gute Sache.

  7. lvgwinner

    Wunderbar… dieser Frontalangriff auf die ganzen verknif­fenen Tuscheltypen die es nur so schwer ertragen können nicht im Mittelpunkt zu stehen.

  8. Jürgen

    Aber im Kern ist das schon wieder so ein stumpf­sin­niger Text, bei dem man entweder dafür oder dagegen ist.

    Das beste Kompliment, das man einem Blogbeitrag machen kann. Leider haste nix draus gemacht, Daniel. Stattdessen ergreifst Du die Flucht …

  9. Bernd

    … ist doch schön, dass auch einfach gestrickte Menschen Erfolg haben können ;-)

  10. Jussi Steudle

    Ich finde gerade etwas schwierig, dass »Design-Celebrities« und das (deut­sche) Designwettbewerbswesen zusam­men­ge­schmissen werden.

    Was ist also eigent­liche das Problem?

    1) Die bekannten Designer?
    Die, die über einen langen Zeitraum in der Öffentlichkeit stehen, haben meis­tens ja auch Substanz. Natürlich pola­ri­sieren und pole­mi­sieren sie oft, aber bei den wenigsten von ihnen fußt das auf heißer Luft als Grundlage. Darüber hinaus haben sie einfach meist einen sehr hohen Unterhaltungswert. Natürlich werden sie deshalb häufig von Veranstaltern von Designveranstaltungen ange­fragt. Da hat man rela­tive Planungssicherheit. Verständlich.

    2) Die Wettbewerbe?
    Klar gibt man mit Preisen an, wenn man welche bekommen hat. Das macht doch jeder. Und Auftraggeber oder Arbeitgeber inter­es­sieren sich ja meis­tens doch sehr dafür. Leider können sich derzeit die wenigsten eine Teilnahme an den »führenden« Wettbewerben leisten. Und der Vergleich von Juryzusammensetzung und ausge­zeich­neten Arbeiten riecht manchmal etwas streng. Hier könnte die Fachpresse ruhig mal eine etwas kriti­schere Berichterstattung prak­ti­zieren, häufig liest es sich ja eher wie der Pressetext des Veranstalters.

  11. fjord

    Klappern gehört zum Handwerk. Und das wissen wir alle. Ob wir nun das deut­sche Designpreisunwesen unter­stützen, bunte Agenturbücher unters Volk bringen, Banalitäten als Lebensweisheiten verkünden oder schlicht Blumen oder Pralinen schi­cken. Wer letzt­end­lich wie auf sich aufmerksam macht, das ist eine Charakter- und Strategiefrage. Und gilt für schlichtweg alle Branchen. Inklusive der allseits als Referenzbiotop so beliebten bildenden Kunst. Da brau­chen wir gar keinen Design-Sonderkarton aufma­chen. Es geht uns wie allen anderen armen Würstchen, die davon leben, dass sie etwas verkaufen. Und, so sagt der Chinese, wer einen Laden aufma­chen will, der muss ein freund­li­ches Gesicht machen können.

    Das ist der Grund, warum ich diesen Artikel so lang­weilig finde. Man braucht nicht disku­tieren, was selbst­ver­ständ­lich ist. Und über Geschmackssachen (wer, wie, wie laut, wie bunt, wie exal­tiert, etc.) kann man nicht disku­tieren. Wer keinen Stil hat, der hat eben keinen. Und wer wen nicht mag, der mag ihn oder sie eben nicht.
    (Es gab übri­gens in einer älteren de•bug einen ganz inter­es­santen Verriss des JungvonMatt-Büchleins. Ich schaue mal, ob ich sie zu Hause finde und demnächst einmal hier zitiere. Nur so zum Thema, wie Designerselbstbeweihräucherung draußen ankommt.)

  12. shoan_aus_D.

    es gibt unter desi­gnern den ein oder anderen der sehr gute qualität ablie­fert. wenn er damit dann werbung machen will, legitim. eine möglich­keit der werbung ist die stän­dige teil­nahme am wett­be­werbszirkus, auch in ordnung. wenn in diesem zirkus das ein oder andere proze­dere nicht ganz den allge­meinen vorstel­lungen entspricht, nicht ok. wenn aber nur geme­ckert wird und die herren stern­chen nicht wirk­lich aufge­halten werden, immer noch nicht in ordnung. das beschä­digt den stand der desi­gner. wenn es auch genug schafe gibt die diesen leit­ham­meln hinter­her­laufen, weil diese für ihre arbeit doch so wichtig, und natür­lich ach so inspi­rie­rend sind, schade. hier die über­set­zung: määähhhh mä määäh määähhhh määähhhh määäh määähhhh mää määähhhh määäh määähhhh määäh määähhhh mää määähhhh määähhhh mää

  13. leviathan

    erler & co., nehmt ihr euch nicht alle ein wenig zu wichtig? zählen nicht längst ganz andere quali­täten? hat euer hintern nicht auch nur zwei hälften? aber wenigs­tens arsch.

  14. thomas | BFA

    welche quali­täten zählen denn?

  15. fjord

    Hi Thomas, lass mich noch folgendes hinzu­fügen:

    Lieber Leviathan, warum nimmst Du „erler & co.“ so wichtig?

  16. shoan aus d

    ich kann euch nicht wie ich mich gerade über mich selber ärgere, was bin ich doch für Schaf. blööck. es schreit der hammel und ich blööcke im auch noch zurück. LASST EUCH NICHT BLENDEN, ER IST EIN WOLF!

  17. leviathan

    @ thomas
    wie wär’s mit gerech­tig­keit, soli­da­rität, wert­schät­zung, verant­wor­tung, respekt, nach­hal­tig­keit, beschei­den­heit, spar­sam­keit, … viel­leicht trifft das auch nur auf menschen zu, die nicht so sehr in dieses schein­hei­lige system inte­griert sind oder sich inte­grieren lassen, was auf besagte personen sicher nicht zutrifft.

    @ fjord
    tu ich nicht. es macht mich nur nach­denk­lich, wenn menschen nicht erkennen, dass ihre situa­tion ein lebens­pri­vileg ist.

  18. Der Sven

    „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Leider.

  19. Marcus

    Ich find dieses Gejammere hier toll … so typisch deutsch! Statt uns über den Erfolg anderer zu freuen, treten wir mit dem Fuß auf wie Rumpelstilzchen.
    Was ist das Schlimme daran, wenn man Preise und Auszeichnungen gewinnt? Reckt nicht jeder, der was gewinnt stolz seine Arme nach oben und zeigt die Trophäe? Ich kann mich nicht erin­nern, daß jemand Raphael Nadal ange­griffen hat, weil er den Wimbledon Pokal hoch­ge­halten hat (naja, hat wohl kaum einer gesehen, war ja schon etwas dunkler)!

    Wie heisst es bei ABBA so toll »The winner takes it all, the looser stan­ding small!«

  20. thomas | BFA

    bei manchen der kommen­ta­toren hier wundert es mich doch deut­lich, wie sie in der kommu­ni­ka­ti­ons­branche so über die runden kommen …

  21. Jürgen

    Sicherlich sind sie nicht in der Kommunikationsbranche tätig. Die meisten sind auch noch soooo bescheiden, dass sie ihre Identität hinter einem Pseudonym verste­cken. Darum sollten wir uns auf die posi­tiven, konstruk­tiven Kommentare konzen­trieren …

  22. thomas | BFA

    ärger­lich ist die vermehrte sinn­freie rumt­rol­lerei trotzdem.

  23. leviathan

    @ thomas
    beziehst du dich da auf mich? ich kann dich beru­higen, es gibt menschen die nicht in der kommu­ni­ka­ti­ons­branche arbeiten aber trotzdem über die runden kommen. ich gehöre zu den kriti­schen und denkenden leben­digen. die, die immer nur meckern, neidisch sind, niemandem den erfolg gönnen, …
    mahl­zeit und einen schönen feier­abend!

  24. leviathan

    @jürgen
    weils einfa­cher ist. ;-)

  25. Jürgen

    Tschüss, mach’s gut …

  26. Markus

    Ich finde es, unab­hängig von der Branche, einfach affig, infantil, unglaub­lich albern und lächer­lich, wenn man sich so abfeiert, sich auf seinen Status, seine Position in einer Branche, einen runter­holt, sich immer mal wieder selbst feiert und stetig (gegen­seitig) beweih­räu­chert.
    Ich erbringe eine Dienstleistung (rein wirt­schaft­lich gesehen), mache dabei einen Job der mir sehr viel Spaß macht. Ich freu mich, wenn jemand sagt »Hey, sehr schöne Arbeit.« (der jemand muss nicht in einer Jury sitzen).
    Ich habe noch nie einen Schreiner, Maurer, Maler etc. gesehen (oder eben einen ganzen hand­werk­li­chen Berufszweig), der sich selbst so einzig­artig, so uner­setz­lich findet, sein Dasein für sooo wichtig hält.
    Alle mal auf den Boden zurück, die sich zu geil für diese Welt finden! Wir kloppen (im posi­tivsten Sinne) »nur« Buchstaben, Bilder, Illus etc. zusammen, am Besten mit einer guten Idee im Rücken. Wir gestalten Kommunikation. Nicht mehr und nicht weniger.
    Außerhalb unseres kleinen Designer-Mikrokosmos kennt uns kein Schwanz. Aber oft wird sich so benommen, als ob jeder­mann welt­weit die Stars und Starlets aus der Designbranche kennt.
    Meine Mutter kennt euch nicht. Mein Bruder auch nicht. Und mein Nachbar eben­falls nicht.
    Macht einfach nen guten Job und wenns mal ein Lob oder einen Schulterklopfer gibt – kurz grinsen, lachen, freuen, ein paar Endorphine frei­setzen und weiter gehts.

  27. thomas | BFA

    Außerhalb unseres kleinen Designer-Mikrokosmos kennt uns kein Schwanz.

    nach deiner defin­tion wird uns auch weiterhin niemand kennen, uns gar nicht kennen­lernen wollen. und DAS wäre nicht gut, denn wie sollen wir kommu­ni­ka­tion verkaufen, wenn wir selber nicht kommu­ni­zieren? das geht nicht recht, wie ich finde.

    und JA ich persön­lich möchte weit mehr, als eine reine dienst­leis­tung erbringen, ich möchte dem kunden etwas gutes tun auf einer etwas anderen ebene, als schnöder mammon.

    hast du ein port­folio? auch das ist auch eine form von selbst­be­weih­räu­che­rung. wo ziehst du die grenze? da, wo dein neid­faktor beginnt zu wirken, wenn du andere arbeiten siehst, die besser sind, tref­fender, mutiger etc. pp.?

  28. ber

    Es mag naiv klingen, aber bekommen Designbueros durch Preise wirk­lich neue Auftraege? Ist das nicht eher eine Sache die (fast nur) inner­halb der Designbranche regis­triert wird?

  29. Bernd

    @ Markus

    Besser hätte ich es nicht beschreiben können … nur das ich mich wieder im Ton vergriffen hätte ;-)

  30. Markus

    Das ist klar, Thomas. Natürlich muss ich mich selber kommu­ni­zieren bzw. mein Angebot und das was ich kann, bevor ich die Kommunikationsmittel eines anderen gestalte. Aber alles in Maßen und vorallem nicht mit dieser Überheblichkeit und Selbstverliebtheit.
    Das ist reine Definitionssache – »Einen Dienst leisten« heißt nicht 0-8-15, heißt nicht »husch husch«, heißt nicht stan­dard – heißt einfach nur (nach meiner Definition und egal in welcher Branche) einen guten, indi­vi­du­ellen, auf den Kunden maßge­schnei­derten Dienst zu erbringen. Nicht als Bittsteller sondern als gleich­be­rech­tigter Partner in einem Projekt. Merke: »Dienstleistung« nicht gleich »schnöder mammon«.
    Ja, habe ich. Nein, ist es nicht. es ist ledig­lich ein Kommunikationsmittel um (poten­zi­ellen) Kunden zu zeigen »Bitte schön, das sind meine Referenzen. Das ist das, was ich kann.« Damit der Herr, die Dame, die Firma, nicht die Katze im Sack kauft, vorab ein Bild bekommt.

  31. thomas | BFA

    aber passend hierzu kommt ja jetzt auch 39.90 ins kino. :-)

  32. Ailine

    in jeder wahr­heit steckt doch auch immer ein guter teil ironie.

    oder wars anders­herum?

    danke für die erhei­te­rung an diesem doch nicht wirk­lich sonnig werden wollenden tag.

  33. HD Schellnack

    Markus, dass Designer außer­halb der eigenen Branche weit­ge­hend unbe­kannt sind (was Künstlern, Comiczeichnern, Drehbuchautoren uswpp übri­gens meist auch so geht) ist ja der Kern von Johannes‘ Text, oder? Will man das ändern – BRAUCHT man Stars, fertig. Die sind gut, für die gesamte Branche.

    Ganz nebenbei saß ich aber auch bei der letzten Typo und meinte, wie lustig es wohl sei, wenn solche Konferenzen auch für Bäcker vorhanden seien, wo dann Bäcker XYZ aus Los Angeles seine Besten Brötchen zeigt oder erzählt, wie blöd die Kundschaft ist, die nicht erkennt, dass sein neuestes Dinkel-Mohn-Bötchen über­haupt der Geniestreich sei.

    Aber Design ist nicht Brotbacken.

  34. basjac

    Gerade über Erli habe ich noch _nie_ etwas schlechtes gehört. Nur Lob, entweder für Factor, für ihn als Mensch oder beides. Irgendwie schafft er es als Rampensau in dieser Branche nicht anzu­ecken. Hicki und Spicki schaffen das nicht, Sagi sehr wohl und Brodymaus auch. Stellt sich mir die Frage: Was machen Erli, Sagi und Brody richig und was machen Hicki und Spicki falsch?

    Vermutlich haben Hicki und Spicki irgend­wann die kriti­sche PR-Masse über­schritten, wobei das zumin­dest für Sagi dann auch zu gelten hat, immerhin haben irgendwie gefühlte 85% seiner Arbeit ein Motiv: ihn selbst.

    Das passt schon alles. Ein paar Rampensäue profi­lieren sich zurecht oder zu unrecht (völlig neben­säch­lich), die Designbranche profi­tiert davon und letzt­end­lich auch die, die Design leben anstatt davon zu reden und deshalb in wirk­lich­keit die wahren Helden sind.

  35. Jürgen

    Meine Mutter kennt euch nicht. Mein Bruder auch nicht. Und mein Nachbar eben­falls nicht. Macht einfach nen guten Job und wenns mal ein Lob oder einen Schulterklopfer gibt …

    Deine Mutter kennt aber Lagerfeld, dein Bruder weiß wer die Apple-Rechner gestaltet hat und Dein Nachbar fährt einen Audi TT, weil der gut aussieht (Design: Peter Schreyer). Diesen Beispielen ist gemein, dass ihr Wirken von jeder­mann geschätzt wird … und dass Industrie wie auch Verbraucher gerne für die Designleistung bzw. ihre Wertschöpfung zahlen.

    Die Grafikdesigner leiden darunter – und dies wurde hier schon oft disku­tiert – dass sie auf keinen grünen Zweig kommen, weil man ihre Arbeit kaum versteht und nur ungerne einen ange­mes­senen Preis dafür zahlt. Unter diesem Aspekt kann ich Deine Bemerkung »holt euch ein Lob oder einen Schulterklopfer ab« nur als zyni­schen Scherz einstufen. Es geht um Geld, und um nichts anderes …

    Und jetzt kommt’s ganz dicke: Nach einer Untersuchung von kultur​wirt​schaft​.de beträgt der Anteil des Kommunikationsdesign am gesamten Designumsatzkuchen 3/4, während sich Mode- und Produktdesign das rest­liche Viertel teilen.

    Nun wird mancher sagen: Hinter Produkt- und Modedesign stehen weitaus größere Industrien als hinter dem Kommunikationsdesign. Hier fehlen exakte Zahlen, aber ich wage dieser These zu wider­spre­chen. Die Gestalter der IKEA-Webseite und -Werbung haben mindes­tens so viel Anteil an dem Erfolg des schwe­di­schen Konzerns wie deren Möbeldesigner – eher mehr!

    So lange aber ein Interface-Designer in einem Radiointerview (Radio 1, Berlin) den Hörern nicht erklären kann, mit was er sein Geld verdient (die Stichwörter Handy und iPod hätten genügt), so lange darf sich dieser Designzweig nicht wundern, dass seine Protagonisten wie Käfighühner gehalten und ausge­quetscht werden (ich nenne jetzt mal nicht den berühmten Klingelton-Verlag aus Berlin).

    Fazit: Die Kommunikationsdesignbranche braucht Stars wie Erik Spiekermann, Johannes Erler und auch Fons Hickmann … wobei ich letz­terem höchs­tens vorwerfe, dass er zu viel Werbung in eigener Sache macht anstatt die Branche gleich mit ins Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken.

  36. Thomas

    Ich denke auch, dass diese ganzen Spielereien (Wettbewerbe) nicht zwin­gend zur Eigenkommunikation notwendig sind. Marketing-Menschen haben schon im Studium gelernt sich nicht auf Wettbewerbe zu verlassen. Viele schlagen wahr­schein­lich einfach nur die Gelben Seiten auf und laden dann die Größten zum Pitch ein. Was die machen sieht man ja dann – ist ja meist für sie kostenlos.

    Für die kleinen Büros gilt: Mundpropaganda und Empfehlungsmarketing ist wich­tiger denn je.

    Wozu also die ganzen Preise/Wettbewerbe/Auszeichnungen?!
    Ganz einfach: Sie erhöhen die Argumentationskraft der Büros beim Kunden, und damit die Honorare!

    Also wo bitte ist das Problem?
    Und gemau­schelt (Juroren und Ausgezeichnete) wird in anderen Branchen schließ­lich auch …

  37. robertmichael

    ist doch ganz einfach: der ton macht die musik. entweder rampensau oder halt nicht. was ist das gegen­teil von rampensau? es gibt viele desi­gner, die habens einfach drauf, bekommen preise etc. müssen das aber nicht jedem unter die nase reiben. jeden­falls nicht so pene­trant wie andere.
    das ist wie bei den soge­nannten promis. von einer sarah corner oder einem boris becker weisst du so ziem­lich alles aus seinem privat­leben, aber von einem stefan raab halt nicht. will sagen: man muss nicht jeden scheiss mitma­chen. und ähnlich ist das bei desi­gner. etwas mehr zurück­hal­tung fände ich bei manchen nicht schlecht. ich muss nicht in jedem buch sein, in jeder jury oder auf jedem event. weniger ist mehr – vorallem dann, wenn der laden eh läuft.

  38. robertmichael

    ist die interne korrek­tur­hilfe schon wieder deak­ti­viert? it’s friday. ;)

  39. Jussi Steudle

    Im übrigen hat sicher jede Branche ihre Selbstdarsteller und Rampensäue. Und die werden nicht weniger umstritten sein, in den eigenen Reihen. Und von außen werden eben nur die wahr­ge­nommen.

    Wie viele Physiker kennt man denn beispiels­weise so aus dem Stehgreif? Stephen Hawking und … öh … und …

    Und da gibt’s sogar Nobelpreisträger. ;-)

  40. robertmichael

    und dann wären da noch ‚kerner-köche‘ die werden mir alle von sendung zu sendung unsym­pa­ti­scher, nein – sie sinds schon. da ist mir dieser koch-punk auf dem dritten lieber, der kocht und hält einfach die klappe. er kocht alleine und das wars. den namen habe ich nur deshalb vergessen weil ich es erst zweimal gesehen habe ;)

  41. Thomas

    Wie viele Physiker kennt man denn beispiels­weise so aus dem Stehgreif? Stephen Hawking und … öh … und …

    … und unsere Kandesbunzlerin Angie Merkel ;-)

  42. Jussi Steudle

    Und DIE ist ’ne Rampensau! :-)

  43. basjac

    Marie Curie fällt mir dazu noch ein, aber nur weil ich im Moment mal wieder alte Kraftwerk-Platten raus­ge­kramt habe.

  44. Ivo

    … und unsere Kandesbunzlerin Angie Merkel ;-)

    … auch so’ne Rampensau …

  45. Der Sven

    Sollen Artikel wie dieser hier dazu beitragen, dass unsere Tätigkeit in der Gesellschaft mehr Akzeptanz bekommt und wir „auf einen grünen Zweig“ kommen? Allein der Titel ist eine Farce. Unsere Branche krankt daran, dass wir uns um uns selbst drehen. Wo sind die wirk­lich guten Ansätze, die uns aus der Misere führen? Eitelkeit und Selbstbeweihräucherung? Das kann nicht euer Ernst sein.

  46. Daniel ( aber nicht der da oben ;))

    Einerseits muss ich Herrn Erler recht geben, ande­rer­seits auch nicht.

    Ich finde es gibt auch groß­ar­tige (und große) Agenturen, die nicht (oder nicht mehr) an Wettbewerben teil­nehmen, aber dennoch einen sehr guten Ruf besitzen. Wenn man es ersteinmal geschafft hat bekannt zu sein, dann habe ich den Eindruck, ist es manchmal sogar egal, was du für Gestaltung ablie­ferst. Die Leute die nicht selber in der Branche tätig sind, glauben dir einfach was du ihnen erzählst. Es kommt immer drauf an wie man seine Arbeit verkauft.

    Klar machen die vielen großen und bekannten Agenturen, die in den Rankings stehen, echt gute Werbung wo man denkt wow. Aber sie produ­zieren teil­weise auch viel mist.

    Nur weil man eine große Agentur im Rücken hat, heißt es nicht, dass man der krea­tivste schlechthin ist. Es gibt auch kleine Agenturen, die auch gute Arbeiten ablie­fern, haben aber im Gegensatz zu den Großen viel­leicht nicht das Geld an so vielen Wettbewerben dran teil zu nehmen. Da wären wir wieder bei dem Problem. Eigentlich brau­chen wir die Wettbewerbe, weil es für die Gestalter keine oder kaum andere Möglichkeiten gibt sich zu profi­lieren.

    Manchmal glaube ich sogar die schieben sich gegen­seitig die Preise zu. Selbst wenn eine kleine Agentur mit einer super Idee da mitma­chen würde, hätte sie meiner Ansicht nach keine Chance, weil die anderen viel BEKANNTER sind. Kann sein das ich mich da irre, wenn ja bitte ich um Aufklärung.

  47. Henning

    Hm, kann ich nicht sehen, dass die Branche daran krankt, »dass wir uns um uns selbst drehen« (Der Sven @ 44). Das im Gegenteil in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass die Branche eine ausge­prägte Binnenwirtschaft besitzt und damit aus wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Sicht »erwachsen« ist. Kleine, subal­terne Branchen fokus­sieren nämlich zur Gänze auf ihre Auftraggeber und haben eher wenig bis kein »Standesgefühl«.

    Die Designwirtschaft ist jedoch ein Dickschiff in der deut­schen Wirtschaft, da ist es ganz normal, dass es Stars und Selbstdarsteller gibt. Bei 117.000 in der Designwirtschaft beschäf­tigten Menschen wäre alles andere wirk­lich erstaun­lich (Zahl aus 2006).

    Auch andere Wirtschaftszweige haben ihre Gallionsfiguren – und es braucht sie auch! Man stelle sich die Genetiker ohne Herrn Venter vor, die Kosmologen ohne Herrn Hawking, die deut­schen Philosophen ohne Herrn Sloterdijk.

    Und die Stars von heute waren mal unbe­kannt. Wenn es so wäre, dass kleine Agenturen »keine Chance« (Daniel @ 45) hätten, woher kommen dann regel­mässig die neuen Stars?

    Ich kann auch grund­sätz­lich keine Misere erkennen, aus der wir geführt werden müssten (Sven @ 44). Die Branche wächst zwei­stellig, Jahr für Jahr. Es gibt ein – lösbares – Vermittlungsproblem.

    Damit unsere Tätigkeit »in der Gesellschaft mehr Akzeptanz« bekommt – gutes Ziel, völlig d’accord –, müssen wir Designer etwas dafür tun! Jammern halte ich hier für eine wenig trag­fä­hige Strategie. Verkammerung ist auch keine Lösung (HD @ 6): Ob eine gesetz­liche Zwangsmitgliedschaft qua Kammer besser wäre? Insbesondere: gibt es dann weniger Nepotismus? Egal, der poli­ti­sche Wind weht eh in die entge­gen­ge­setzte Richtung. Kammer ist mal gar nicht.

    Vor diesem Hintergrund möchte ich (mal wieder) darauf verweisen, dass lach­hafte 5 % der Designer Deutschlands es für nötig befinden, in einem Berufsverband Mitglied zu sein. Auch das trägt dazu bei, dass beispiels­weise die vergleichbar große Energiewirtschaft (die auch nicht verkam­mert ist) eine deut­lich bessere Lobby hat.

    Gruß, Henning

  48. thomas | BFA

    hmm ich finde den vergleich mit der ener­gie­wirt­schaft nicht so gelungen, wenn mir die kritik erlaubt ist. wer strom braucht ist immer noch auf zulie­ferer desselben ange­wiesen. das stram­peln auf dem rad oder die solar­zellen auf dem dach können das nicht komplett decken.

    ohne desi­gner kommt man aber recht gut zurecht. ob das auf dauer gut geht, wenn der chef alles selber macht, sei dahin gestellt, aber es klappt. ganz im gegen­teil, die möglich­keiten für ihn werden dank preis­werter presets für alle gele­gen­heiten immer einfa­cher und schneller und besser verfügbar. apple ist da recht gut drinn zucker unters volk zu blasen.

    ich würde auch eine kammer gefühl­ter­massen nicht mit einem berufs­ver­band gleich­setzen, egal ob das der BDG oder der AGD ist. oder eben nur eine einzige. aber es gibt ja schon wieder zwei große verbände. welcher ist denn nun der rich­tige?

    wo zuckt der poten­ti­elle kunde nicht mit dem augenlid, wenn er den namen eines der beiden hört?

  49. Henning

    Klar ist Dir die Kritik erlaubt. Ich empfinde den Vergleich aller­dings höchst gelungen, gerade weil er so verblüfft. Die Energiewirtschaft steckt nämlich ganz erheb­liche Beträge in ihr Lobbying, selbst die alter­na­tive Energiewirtschaft tut das. Nur die Designer glauben ohne auszu­kommen. Für angeb­lich konzep­tio­nell an Kommunikationsstrategien arbei­tende Berufgruppe wirk­lich verblüf­fend. Sind wir am Ende viel­leicht doch nur Dekorateure der Apokalyse?

    Und so pauschal kann ich auch dem Argument „ohne desi­gner kommt man aber recht gut zurecht“ nicht folgen. Wie Hugo Boss, Porsche oder MetaDesign ohne Designer auskommen wollten, will sich mir nicht erschließen.

    Zuletzt freut mich, dass Dir aufge­fallen ist, dass zwischen einer Kammer und einem nicht verkam­merten Berufsverband Unterschiede bestehen. Ich möchte ein paar benennen. Beispielsweise dürfen Kammern Honorarordnungen erlassen und Berufszulassungen ausspre­chen bzw. entziehen. Im Gegenzug sind Kammern ihrer­seits einer staat­li­chen Aufsicht unter­worfen. Doch von diesen Unterschieden abge­sehen sind Kammern natür­lich ebenso Interessenverbände – wie es die berufs­stän­di­schen Interessenvertretungen BDG, VDID und VDMD sind (Der AGD ist demge­gen­über ein Spezialfall: er betrachtet sich selbst als rein berufs­wirt­schaft­liche Vertretung). Um diesen Punkt ging es mir – wir haben es bei der Designwirtschaft mit einem wirk­lich nicht kleinen Berufsstand zu tun, dessen Teilnehmer sich den Luxus leisten, rein nichts für ihre Aussendarstellung tun zu wollen. Will mir nicht in den Kopf.

    Das Starbashing passt da gut ins Bild.

  50. fjord

    Henning, danke! Prima geschrieben. Aber Dekoratuere der Apokalypse? Eher nein. Krähen, die sich gegen­seitig die Augen … Kann man hier stünd­lich erleben! Hereinspaziert!
    Beinahne kommt es mir so vor, als sei Narzissmus die wohl stärkste Triebfeder im Designerleben. Und der belieb­teste zur Verfügung stehende Mechanismus der Selbstvergewisserung sei das Schlechtreden der Anderen (in der beliebten Trias: Kollegen-Kunden-Menschheit). Was weder für ein ausge­prägtes, noch für ein starkes erwach­se­nens Selbstbewusstsein spricht. Eher für gekränkte Eitelkeit und Dauerpubertät. Schade eigent­lich!, wie meine Professorin zu sagen pflegte. Denn der (Kommunikations-) Designer sitzt an den Hebeln der Macht. Mittendrin in der Kommunikationsmaschine. Aber er hat leider gar nichts zu sagen. (Weil er die anderen Kinder doof findet? Weil er sich unver­standen fühlt? Weil er sich als Dienstleister begreift und sich das Denken abge­wöhnt hat? Ein leeres Zen-Gefäß? Jederzeit befeu­erbar mit Fremdgedanken?) Jedenfalls nichts von Wert. Keine Strategie. Kein Wunder.

    Nur weil Johannes Erler in seinem Intro auf die für alle gewinn­brin­gende mediale Außenwirkung der Branchen-Stars zu spre­chen kam, hier der Verriss des Jung-von-Matt-Büchleins Stimmen aus dem Aquarium von Anton Waldt in der de•bug, #123, Juni 08, Seite 65. Oder: Wie die Anderen „uns“ bzw. „die Kommunikationsbranche“ wahr­nehmen:

    Zitat: Zynismus Zuschlag. Die Chefs der Werbeagentur Jung von Matt bringen das Klugscheißen auf ein unge­kanntes Niveau der Rotzschnäuzigkeit. Den fidelen Werbern reicht es nämlich nicht, ihre Angestellten bis 22 Uhr im Büro schmoren zu lassen, in dieser Firma gibt es jeden Montag auch noch einen fetten Zuschlag Zynismus auf die Mütze. Zum Wochenanfang verkünden Jung und Matt per Rundmail, wie der Binsenhase läuft und was sie nicht wieder alles mit Löffeln gefressen haben. Kreativität zum Beispiel oder Mut zur selben. Tolle Hechte, diese Chefs, und weil sie genau darauf als erste gekommen sind, halten sie sich nicht zurück und publi­zieren ausge­wählte Montags-Rundmails auch noch als Bilderbuch. Junge Menschen, die Werbeagenturen für einen duften Arbeitsplatz halten, seinen diese Stimmen aus dem Aquarium hiermit beson­ders ans Herz gelegt, wenigs­tens können sie nachher nicht mehr sagen, dass sie nichts geahnt hätten.“ Zitat Ende.

  51. Jürgen

    Irgendwie habe ich auch Verständnis für diese »Schlachtreden«, obwohl die natür­lich nichts bringen. Vielleicht wird auf JvM einge­prü­gelt, weil es kein ehrlich und offen kommu­ni­zie­rendes Unternehmen ist. Instenierte Selbstdarstellungen festigen dieses Image nur.

    Nur: Wo ist der Beitrag (die Steuer) für die Branche, für die Industrie? Es nützt ihrem Ansehen bei Industrie oder Verbrauchern kein biss­chen, wenn Designer und Werber Monat für Monat ihr Pokale in die Vitrine stellen. Weil: Das machen sie ja vor allem, um sich gegen­über den Kollegen (dem Wettbewerb) zu erheben.

    Eine klare PR-Aufgabe. Ich halte ja nicht vie von PR. Doch wenn es ihr gelingen solte, die Bedeutung von Design ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, werde ich mein Weltbild korri­gieren.

  52. thomas | BFA

    wir hatten letzten mit ein paar kollegen eine dame der WAZ da, die ein wenig mit uns reden wollte (wir hatten vorher ange­rufen). da kam dann auch die frage, in welche rubrik das denn rein sollte. also entweder »mensche tiere sensa­tionen« oder eben »wirt­schaft«. hmm. da hab ich mich auch kurz gefragt, was wir eigent­lich machen, wenn nicht mal jour­na­listen wissen, was wir tun, und DIE sollten es doch zumin­dest vom hören­sagen wissen.

  53. Jürgen

    Tatsächlich lassen sich Morde, Weltrekorde, eine Theater-Initiative oder ein neu vorge­stelltes Auto-Modell einfa­cher in die Rubriken einer Tageszeitung einordnen als ein Artikel über das neue Leitsystem eines Flughafens.

  54. Christian

    Es gibt doch die Kampagne „print wirkt“. ich kann mir eine Verlängerung vorstellen: Z.B. „Ohne Gestalter wär es nur ein Schrank.“

    @Thomas: Es gibt Unternehmen, die ohne Gestalter arbeiten, die haben aber meines Wissens selten eine geplante Kommunikation. Es geht ohne Gestalter, aber es geht nicht lange und es geht nicht gut.

  55. fjord

    @ Thomas & Jürgen

    Ihr habt Recht.
    Noch absurder: Bedenkt man, dass die Bevölkerung in den Industrienationen mitt­ler­weile in komplett durch­ge­stal­teten Welten lebt. – Niemand lebt unbe­haust und natür­lich-wild und nackt im Wald. – Und obwohl in jedem Augenblick rund­herum und unmit­telbar mit Händen zu greifen, hat Gestaltung/Design dieses Erklärungs- und Rechtfertigungsproblem.

  56. erik

    Es geht ohne Gestalter, aber es geht nicht lange und es geht nicht gut.

    Gestaltung wirkt aber umso besser, je weniger man sie bemerkt. Werbung leider auch. Und beson­ders gilt das für typo­grafie: sie wird nicht bewusst wahr­ge­nommen – nicht, weil sie nicht funk­tio­niert, sondern genau deshalb! Wenn alle über typo­grafie reden würden, müssten wir uns sorgen machen.

    Auch über luft reden wir nur, wenn sie schlecht ist. Bemerken soll sie niemand, obwohl (weil?) sie lebens­not­wendig ist.
    Auftraggeber hingegen sollen gestalter bemerken, weil wir sonst keine aufträge hätten. Und gewisse promis (ich wurde ja erwähnt) haben durchaus der ganzen branche genutzt. Mit 12 mitar­bei­tern waren wir bei MetaDesign mitte der 80er jahre eines der größten büros im lande, aber es gab kaum kollegen, die fest ange­stellt waren in einem design­büro, höchs­tens in werbe­agen­turen mit allen folgen für selbst­wert und entwick­lungs­fä­hig­keit, die das mit sich bringt. Erst nachdem wir mitte der 90er jahre dann mehr als 40 leute wurden, bekamen wir allmäh­lich konkur­renz. Wenn heute etliche tausend kollegen in design­büros ange­stellt und enga­giert sind, ist das auch meinem lauten auftreten zu verdanken. Jede eigen­wer­bung ist immer auch werbung für die ganze branche. Und kollegen wie Johannes Erler und Henning Krause wissen, wieviel zeit wir mit berufs­ver­bänden zubringen, in jurys, bei vorträgen, an den hoch­schulen. Und das meiste davon ohne honorar, ohne reise­kosten. Natürlich hat mich das auch bekannt gemacht, aber welche aufträge kriege ich, weil mich viele kollegen im lande kennen? Welche auftrag­geber sitzen im publikum, wenn ich – wie letzten monat – zwei vorträge in München halte? Jedesmal ein tag vorbe­rei­tung, ein tag reise, eine nacht im hotel. Und wenn’s hoch kommt, gibt es einen kosten­zu­schuss.

    Deshalb dürft ihr es hier als erste wissen:
    nächstes jahr mache ich keinen vortrag! 2009 wird ein spie­ker­mann­freies jahr! (ab 5000 honorar werde ich aller­dings bestech­lich)

  57. Jürgen

    Oha. Aber als Gast möchte ich Dich schon gerne auf der TYPO sehen.

    Ich finde, es ist an der Zeit, das endlich mal ein Kommunikationsdesigner Gast in einer Talkshow wird: NDR, 3 nach 9, Riverboat. Erst wenn das geschehen ist, dann ist der Beruf/die Branche/die Industrie bei Otto-Normalverbraucher ange­kommen. Und da fällt mir eigent­lich nur eine Person ein, die das verdient hätte und den Zuschauern launi­sche 15 Minuten bescheren kann (die sie auch verstehen): Du, Erik!

    Der beste Beweis war der Polylux-Beitrag zur TYPO, den ich eben­falls als einen ange­nehmen, popu­lären Schritt zur Basis in Erinnerung habe.

    Meine Empfehlung daher: keine Vorträge mehr auf Branchen-Veranstaltungen, dafür Interviews geben für FAZ, Zeit, Stern und TV-Kulturmagazine.

  58. Jan M.

    Warum nicht Rampensau Rampensau sein lassen? Ohne Boris und Steffi wäre Tennis in Deutschland wahr­schein­lich nicht so populär geworden. Sie waren gut, auch wenn Boris heute, wie schon gesagt wurde, sich gerne in den Mittelpunkt stellen lässt. Wir denken deshalb nicht von allen Tennisspielern, dass sie gerne einen Ausflug in die Besenkammer unter­nehmen.
    Was ich sagen will, ist, dass wir fähige Leute brau­chen um den Bekanntheitsgrad zu stei­gern. Das Beispiel mit Boris hinkt viel­leicht ein biss­chen, weil seine stark extro­ver­tierte Zeit nach den sport­li­chen Erfolgen kam. Aber es zeigt doch, dass wir irgend­wann eine Grenze zwischen Person und Kompetenz ziehen.

    Wir sollten einfach ehrlich sein. Ehrlich mit uns selbst und anderen und ihnen zu Erfolgen bei Wettbewerben gratu­lieren. Wenn wir von diesem Wettbewerb nichts halten und meinen, dass es nur Selbstbeweihräucherung ist, dann müssen wir uns auch nicht darum scheren und solche Menschen verur­teilen.

    Aber warum Wettbewerbe nicht auch von einem anderen Standpunkt sehen? Wenn ich immer nur für Unternehmen meine Dienstleistung erbringe, bekomme ich in den meisten Fällen nur Feedback von diesen, meinen Kollegen und viel­leicht, in den wenigsten Fällen, von verein­zelten Außenstehenden. Aber viel­leicht sehnen sich Designer auch mal nach Bestätigung a la „Wo stehe ich und wie gut bin ich eigent­lich?“ Manche Menschen brau­chen das weniger, manche mehr und viele der ersteren werden jetzt laut rufen: Selbstbeweihräucherung!
    Ihr braucht es nicht, seid doch froh und schimpft nicht auf die anderen, ihr erspart euch Arbeit und Geld.

    In wie fern Gestalter und Designer bekannt sein sollten, lasse ich dahin­ge­stellt, da ich mit erik über­ein­stimme und meine, dass man in der breiten Öffentlichkeit keine allzu­große Aufmerksamkeit braucht. Meine Mutter, mein Nachbar, mein Bruder muss nicht Wissen, wer den Ipod oder den AudiTT entworfen hat. Wem würde es wirk­lich etwas nützen? Viele Physiker, wie wir erfahren haben, kennen wir auch nicht. Die einzige Anerkennung, die ich für notwendig halte, ist die von Fachleuten aus dem Gewerbe, denn nur diese ist „fundiert“. (Ehrliche) Wettbewerbe und Fachleute, die in die Öffentlichkeit treten und ihre Meinung preis­geben, helfen uns dann doch, ob sie uns verreissen oder hoch­loben. Wir können beides als Chance betrachten.

    Wer das nicht tut, sollte sich nicht darum scheren, denn es berührt ihn ja nicht.

  59. Daniel

    @ jürgen

    da muss ich dir recht geben, so etwas hätte seinen reiz und es würde mehr licht in die dunkle desi­gner­welt bringen. die leute müssen endlich erfahren was desi­gner genau leisten und das am besten so verständ­lich wie möglich rüber bringen. somit hätten die schwarzen schafe der branche, die sich als desi­gner bezeichnen nur weil sie ein clip­artz auf die seite setzen können, keine chance mehr aufträge zu bekommen.

    hier bei mir auf dem »dorf« gibt es auch werbe­agen­turen, aber wenn ich von denen ein neues logo sehe könnte ich das kotzen bekommen. entschul­di­gung das sagen zu müssen, aber von typo­grafie haben die meiner meinung nach noch nichts gehört. auch von farb­wahl oder sonst irgendwas. würde ja als beispiel zu gerne mal ein neues logo zeigen, aber ich weiß nicht ob ich dann ärger bekommen würde ;).

    viel­leicht setze ich die ansprüche einfach auch zu hoch. versuche selber immer alles so genau und perfekt wie möglich machen zu wollen. kann sein, dass ich später im beruf gar nicht mehr die zeit dafür habe, so genau wie möglich zu arbeiten, weil einem der zeit­druck im nacken ist. keine ahnung.

    @ erik

    das wäre aber schade, wenn desi­gner keine vorträge mehr an hoch­schulen oder fhs halten wollen. wir die stun­denten wollen gerne dazu lernen. dafür eignen sich diese vorträge ganz gut. work­shops wären zwar noch besser, aber man kann ja nicht alles haben. würde sehr gerne mal einen work­shop bei uns in der fh orga­ni­sieren und dich dazu einladen ;). ich halte nämlich eine menge von guter typo­grafie.

    achso, und das desi­gner oft kein geld bekommen für ihre vorträge kann ich nicht ganz nach­voll­ziehen. im ersten semester hatte ich nämlich von der fh die aufgabe bekommen mich orga­ni­sa­to­risch und gestal­te­risch um den ablauf eines foto­sym­po­siums zu kümmern. da habe ich unteran­derem mitbe­kommen, das KEIN desi­gner UMSONST seinen vortrag gehalten hat. viel­leicht war es auch nur eine ausnahme, keine ahnung.

  60. thomas | BFA

    naja. nrw​.tv ist aber mal sowas von piefig. da dürfen sogar die beiden compu­ter­club-vete­ranen weiterhin ihre alten bastel­er­leb­nisse präsen­tieren.

    das ist wie »menschen, tieren, sensa­tionen«, nett aber unnütz.

  61. Johannes Gehrke

    Ich bin der Meinung, dass wir auch die Fähigkeiten die wir auf Projekte/Produkte anwenden auch auf uns selber anwenden sollten um den Wert von Design wieder bewusst zu machen. Dazu ghört halt auch das es „Rampensäue“ gibt die die Regeln des „Product/Placement/Price/Promotion“ nutzen. Ich finds nicht schlecht.

    Habe dazu auch was in meinen Blog geschrieben: Self-Marketing für Designer

    mfg

    Johannes Gehrke

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