Musicbon: die umständlichste Art Musik zu kaufen

Das Musiklabel Sony BMG und die Schweizer 234 AG haben heute den Musicbon einge­führt. Was die Herausgeber als »völlig neue Art des Musikkonsums« bezeichnen, ist in meinen Augen der wahn­witzig kompli­zierte Versuch, das Tonträgergeschäft in Form eines Phantoms neu zu beleben.

Ich soll also zu einer Saturn-Filiale fahren und dort – statt der Leona-Lewis-CD – für 9,99 € einen kredit­kar­ten­großen Leona-Lewis-Musicbon mit einer 3-stel­ligen Prüfziffer kaufen. Beim Bezahlen erhalte ich einen Kassenbeleg mit einem 12-stel­ligen Code. Damit fahre ich nach Hause, setze mich an meinen Rechner, suche www​.musi​cbon​.de auf und gebe Code plus Prüfziffer ein, um mir anschlie­ßend die 13 Titel des Leona-Lewis-Albums auf die Festplatte zu laden. Diese kann ich dann auf eine CD-ROM brennen, die exakt in die maßge­schnei­derte Musicbon-Hülle passt. Nie war Musikkaufen mühsamer.

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35 Kommentare

  1. thomas

    erstaun­lich, wer alles noch an 9,99 verdienen kann. ob sich das geschäft für saturn noch lohnt?

    ich kauf weiter beim bekannten online-shop, das ist billiger, näher drann und das ding hat 24h offen.

    so ein unfug mal wieder. vor allem diese einheits­pseu­do­brand­cover.

  2. Eric Eggert

    Na das größte Kaufargument ist doch die unschlagbar große Auswahl an 24 ganzen Alben!!! (Wird nicht funk­tio­nieren…)

  3. Martin Lange

    Ich muss sagen, dass ist weder orgi­nell, noch prak­tisch oder revo­lu­tionär. Um es mal so auszu­drü­cken, das ist einfach über­flüssig. Da kaufe ich lieber die CD im Onlinestore, muss nichtmal aus dem Haus dafür und hab zwei Tage eine schöne, komplette CD in den Händen.

  4. DanU

    …naja, für „selbst­käufer“ wie unser­eins blanker quatsch, aber für tante gerda und den philipp ist das schon was – so kann sie ihm was ins kärt­s­chen legen. bevor geburts­tage nur noch virtuell bestehen. freut euch für philipp! ;)

  5. Oliver

    Geil! Na dann kündige ich meinen iTunes Account gleich! Obwohl, Moment, gibt’s ja noch gar nicht in Österreich. Muss ich wohl warten, bis ich mir mein Udo Jürgens Album zulegen kann.

  6. Janek

    Sinnvoll wäre, das Prozedere umzu­kehren: Wenn ich eine CD online kaufe, sollte ich gleich noch einen Link bekommen, über den ich die MP3s für diese CD herun­ter­laden kann. Damit könnte ich die Zeit über­brü­cken, bis die CD gelie­fert ist.

  7. Benjamin

    Man spürt förm­lich, wie viel Mühe und Überlegungen, ja Liebe, die Musikindustrie in die Anwendung der Erkenntnis steckt, dass ein physi­scher Tonträger in einer aufwendig und gut gestal­teten Verpackung ein reales Argument gegen den Download von Musik (unbe­zahlt oder bezahlt) ist. Dass die Majors hier ihre Chance sehen und sich mal so richtig ins Zeug legen um auf den König Kunde zuzu­gehen. »Hey! Wir können mit den Preisen sogar runter­gehen!« und »Hey! Hier haben Kommunikationsdesigner ihr Herzblut fliessen lassen – auf unsere Kosten!«
    Großartige Sache das. Ich bin mir sicher, Sony BMG und 234 AG werden nicht nur die unauf­halt­same Implosion der Kulturindustrie aufhalten, sondern bei der Gelegenheit auch noch die aktu­elle Weltwirtschaftskrise.

  8. Sebastian Nagel

    Kann ich mir dann „was physi­sches“ an die Wand tackern oder was mach ich mit der Karte und meiner häss­li­chen gebrannten CD?

  9. tobias

    warum lässt man die cd nicht einfach sterben und verkauft nur noch schall­platten, die sich nun wirk­lich als besser heraus­ge­stellt haben in verbin­dung mit gutschein­codes für gratis-down­loads der als lp gekaufen musik?
    in zeiten, in denen man musik eh nur noch auf pc/mac bzw. iPod hört, braucht man keine cd’s mehr, um aber ein hapti­sches erlebnis zu haben sind schall­platten wohl das ulti­ma­tive. wären da nicht die vielen cd-sammler – mich einge­schlossen!

  10. Carl

    @tobias: Das kann ich nur unter­schreiben. Hab vor kurzem beschlossen, in Zukunft auf LPs zu setzen. Kein Kopierschutz mit dem man sich rumplagen muss, geniale Covers (Die Ärzte und Foo Fighters) und über­haupt schön große Cover-Arts und im Vergleich zu CDs ewige Haltbarkeit.
    @topic: Diese Aktion ist wohl das Lächerlichste, was ich in den letzten Monaten so gelesen und gehört habe.

  11. Nico

    Das blöde an den Schallplatten ist nur, dass es für die meisten Autos keine Schallplattenspieler gibt. Und wer will auf den Weg in den Frankreich-Urlaub die ganze Zeit fran­zö­si­sche Chansons aus dem Radio träl­lern haben?

  12. Markus

    Na, Jürgen. Da hast du uns aber schön an der Nase herum geführt. Das ist doch eine Satire, oder? ;-)

  13. ochi

    das ist so hahne­bü­chen, dass es nur eine satire sein kann. oder? doch nicht? bitte, lass es eine satire sein.
    ;-)

  14. Bernd

    Sinnvoll wäre, das Prozedere umzu­kehren: Wenn ich eine CD online kaufe, sollte ich gleich noch einen Link bekommen, über den ich die MP3s für diese CD herun­ter­laden kann. Damit könnte ich die Zeit über­brü­cken, bis die CD gelie­fert ist.

    I think so! Wann werden die Labels das endlich verstehen ..?

  15. Walter

    Gut gemeint ist der Tod von gut gemacht!
    Die Fahrt zum nächst­ge­le­genen Saturn kommt mir teurer als der Tonträger selber. Selten hab ich so etwas umständ­li­ches gehört und gelesen.

  16. Benjamin

    > Bernd:

    Was bereits statt­findet, ist ja: Beim Kauf einer Vinyl-Platte liegt im sleeve ein ›Musicbon‹, d.h. Zettel mit Code zum Download der entspre­chenden mp3s.
    Natürlich findet man dies gerade nicht bei den Majors (die es sich ›leisten könnten‹) sondern bei ›kleinen‹, ›Indie‹labels.

  17. Max

    Also man kann auch sinn­lose Dinge herstellen.
    Sowas braucht einfach kein Mensch.

  18. Oliver Adam

    Das rich­tige Geschäft kann Amazon machen mit ihrem Amazon MP3: Die Positionierung ist richtig: »for any media player«.

    Beispiel: Das komplette Album von Dave Gahan (Depeche Mode) »Hourglass« kostet 7,99 $ (also umge­rechnet 5,50 €). Die CD bei Amazon Deutschland 14,95 €, das Album bei iTunes 9,99 €, wobei es natür­lich nicht »for any media player« ist.

    Nachteil: Noch ist Amazon MP3 nicht in Deutschland erhält­lich. Wer aber Bekannte oder Verwandte in den USA hat …

  19. pascal

    habt ihr schon mal daran gedacht das ihr nicht das ziel­pu­blikum seit? sondern genau die teenies die keine kredit­karte o.ä. haben und sich nicht so einfach im internet musik down­loaden können? dafür ist das hier eine gute alter­na­tive. und was ist daran schlecht mal vom computer auf zu stehen und an die frische luft zu gehen? für euch stuben­ho­cker ist das sicher­lich viel zu aufwändig.

    also hört doch mal auf immer zu klug­scheis­se­risch alles schlecht zu machen wovon ihr aber auch wirk­lich keine ahnung habt!

    @Walter: dann liest du aber ziem­lich wenig

  20. Sebastian Nagel

    „also hört doch mal auf immer zu klug­scheis­se­risch alles schlecht zu machen wovon ihr aber auch wirk­lich keine ahnung habt!

    Wir sind die Konsumenten, wir sind Experten in Sachen Konsum. Und wir mögen die Idee nicht, dass man was physi­sches kaufen soll, um dann was virtu­elles beziehen zu können. Wenn ich was Physisches kaufen will, dann soll das was ich da kaufe nicht nur ein Platzhalter für das eigent­liche Konsumgut sein.
    Keine Kreditkarte –> Amazon.

  21. Ralf

    Was für ein erneuter hilf­loser Versuch, Musik wieder zu verge­gen­ständ­li­chen. Normierte Größe und Umfang der Verpackung, kein Spielraum für ein extra­va­gantes Design. Da ist ja sogar die CD weit vorne.

    @tobias: Genauso mache ich es seit längerem – Wenn verfügbar, Vinyl kaufen und ggf. gleich­zeitig bei iTunes oder Beatport down­loaden. Allerdings die kost­spie­ligste Art, Musik zu kaufen.

    @pascal: Das ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Teenies ihre eigenen KK besitzen (mit Rihanna-Motiv viel­leicht?). Aktuell müssen sie noch Papas oder Mamas Karte benutzen, geht ja auch.

  22. Thorbjörn

    @pascal: Der Ton muß doch nicht sein. Wovon genau hätten wir Klugscheisser denn Ahnung haben müssen, um dieses vorzüg­liche Produkt als solches zu erkennen. Wie Sebastian schon tref­fend zu sagen wußte: Wir sind die Konsumenten. Wer weiß es denn besser als wir?
    Ich glaube, die »Teenies« sind sehr wohl in der Lage Musik im Netz zu kaufen. Und da gibt es auch Möglichkeiten ohne CC. Oder mit den Eltern.
    Wenn ich also sowie so zum Saturn gehe, kann ich auch drei Euro mehr drauf­pa­cken und habe das Album auf einer bedruckten CD mit Booklet. Oder ich kaufe diesen völlig miss­lun­genen Versuch, Leute zum Musikkauf zu bewegen, und bezahle zwei EUR für einen Rohling, den ich dann hand­be­schriftet in diese sagen­haft hübsche Hülle tue. Grandiose Idee, echt. Ich bezwei­fele stark, daß Jugendliche darauf rein­fallen.

  23. Hermann

    @carl und tobias

    LPs? Hoert mir mit diesem neumo­di­schen Kram auf!
    Jeder weiss doch, dass Wachszylinder das letzte Wort in Sachen Haptik und „Waerme“ sind.

  24. Paul

    Wenn die Anschaffungskosten für Plattenspieler, Verstärker und Boxen für mich armen Studenten nicht so exor­bi­tant wären, würde so ein Teil schon in meinem Zimmer stehen.

    Jedes mal wenn ich an unserem Second Hand Recods in Stuttgart vorbei­laufe packt es mich die 5-10 Euro in gute, dafür ältere LPs zu inves­tieren und jedes mal führt mein Bauch gegen meinen Verstand Krieg der meint das die Platten ohne Abspielgerät sinnlos sind ;-)

    Aber zum Thema:
    An wen richtet sich das Produkt? An Teenies? Will man die ernst­haft damit von den Tauschbörsen weglo­cken? An Otto-Normalo? Oder will man ein Stückchen Kuchen vom Onlinemarkt abhaben? Ich kenn keine einzige Zielgruppe die da in Frage kommt.

    Und zum Thema Jugendliche und Kreditkarte:
    Ich hab mit 16 schon ein iTunes Account gehabt, über click­andbuy und dort hab ich via ec bezahlt.
    Und wenn Eltern für ihre Kids schon massen­weise über­teu­erte Handy-Verträge abschließen, dann wird die Kreditkarte für einen legalen Musikdownload wohl nicht das Problem sein. Die Kids legen sich ihre Titel in den Einkaufswagen und die Eltern geben dann kurz ihr Passwort zum Kauf ein – volle Kontrolle.

  25. cyana

    In der totalen Verzweiflung fallen dir Dinge ein, wo du dich Jahre später noch fragst, welche Sau dich da geritten hat. Nehmen wir diesen bizarren Hirnrülpser mit Amusement zur Kenntnis und gehen wir wohl­wol­lend davon aus, dass der Filius irgend­eines Generaldirektors eine unglaub­lich tolle Idee zur Rettung der Musikbranche und des Universums hatte, die sein Dad dann stolz bei der Aufsichtsratsversammlung präsen­tierte. Ja, mit Flashplayer und Powerpoint. Cool eben.

  26. r3lite

    Sony war schon immer ein Garant für Realsatire, was „inno­va­tive“ Erfindungen angeht. Einfach groß­artig. Ganz großes Kino :D.

  27. Max

    habt ihr schon mal daran gedacht das ihr nicht das ziel­pu­blikum seit? sondern genau die teenies die keine kredit­karte o.ä. haben und sich nicht so einfach im internet musik down­loaden können?

    Dann müsste ich doch einer dieser Zielgruppe sein. Ich bin 16 und somit wohl doch ein Teenie, oder?
    Und in der Tat, ich besitze keine Kreditkarte. Aber jetzt kläre mich doch mal bitte darüber auf, wo hier der Vorteil liegen könnte. Wenn ich schonmal im Saturn stehe, warum dann nicht gleich die CD kaufen? Da habe ich die Musik dann auch wirk­lich in den Händen, eine schö­nere CD und auf den PC/Mp3 Player gezogen sind sie auch schnell.

  28. Theresa

    Auch ich bin 16 und besitze nur noch ein CD Laufwerk im meinen Computer. Ich finde die ganzen CD’s sind nur noch reiner Sondermüll weil ich eh nur noch Mp3 höre und somit finde ich es super mal ein cover Artwork zu meinen Mp3 Alben haben zu können. Ohne mein ganzes Zimmer mit CD Hüllen voll zustellen, die ich nur einmal zum rippen benutzt habe. Ausserdem ist es viel güns­tiger. Ich finde es eine super Alternative.

  29. Chris

    Wahnsinn, das ist ja noch orgi­neller wie Coladeckel sammeln… Nein, ich kann der Logik dahinter nicht ganz folgen.

    Hält die Industrie den normalen Musikkonsumenten wirk­lich für den, der sich schlechte Coverversionen im Abo als Klingelton bestellt?
    Liebe Eigentümer der Vertriebsrechte, gebt doch mal etwas stich­hal­ti­gere Studien über uns in Auftrag.

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