Fontblog verlost ein Typodarium 2016

Typodarium 2016

Auch für jeden Tag dieses Jahres haben Lars Harmsen und Raban Ruddigkeit typo­gra­fi­sche Display-Delikatessen und solide Brotschriften zum Lieblingskalender aller Fontfreunde zusammen getragen. Beim Verlag Hermann Schmidt Mainz ist es vergriffen: Das Typodarium 2016.

Die Fakten schnell zusammen gefasst:

The Daily Dose of Typography
Abreißkalender mit 366 Fonts
von 223 Designern aus 32 Ländern
und allen Feiertagen dieser Länder
384 farbige Tagesblätter, beid­seitig bedruckt
Format 8,5 x 12 cm
Verpackt in einer soliden Schriftmuster-Sammelbox

Wir verlosen unseren Kalender unter allen Kommentierenden. Welches ist Euer Schriftthema 2016? Das kann etwas aus der Font-Technik sein, ein Format, die Erweiterung einer Fontfamilie, ein bestimmter Anwendungszweck für Schriften oder auch ein Schriftstil.

Einsendeschluss ist Mittwoch, der 13. Januar 2015, 12:00 Uhr.

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1. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 14 Jahren. Angestellte von Monotype und ihre Angehörigen sind von der Teilnahme ausge­schlossen. 2. Alle Personen, die sich mit einem Kommentar im Fontblog betei­ligen, werden auto­ma­tisch Teilnehmer am Gewinnspiel. 3. Der Gewinner wird durch Losentscheid ermit­telt und per E-Mail am Ende des Gewinnspiels benach­rich­tigt. Der Gewinner erhält einen Typodarium-Kalender. Der Preis kann nicht umge­tauscht oder in bar ausge­zahlt werden. 4. Monotype behält sich das Recht vor, diese Teilnahmebedingungen jeder­zeit zu ändern oder das Gewinnspiel ganz oder teil­weise vorzeitig zu beenden. 5. Der Rechtsweg ist ausge­schlossen.


Praktikum bei FontShop

FontShop, Berliner Niederlassung der Monotype GmbH, Herausgeber der FontFont-Bibliothek und der FontBook App, bietet Praktikums- bzw. Volontariats-Plätze an. Gesucht werden Studentinnen/Studenten oder Absolventinnen/Absolventen mit schrift­ge­stal­te­ri­schem und typo­gra­fi­schem Interesse.

fontfont_office_panorama_2000Hier könnte für ein halbes Jahr Dein Arbeitsplatz sein: Im FontShop-Büro im Berliner Bergmannkiez

Wesentliche Schwerpunkte der Tätigkeit während eines Praktikums/Volontariats bei FontShop sind:

  • Testen von Fonts unter Windows und Mac OS, z. B. Ausdrucke anfer­tigen und auswerten, Funktion von OpenType Layout Features prüfen …
  • tech­ni­sche und visu­elle Überprüfung von Fonts und Fontquelldateien
  • teil­weise Outlinekorrekturen für Font-Updates
  • Hinting von PostScript-Outlines
  • Testdokumente weiter­ent­wi­ckeln
  • Kerning- und Sprachraumrecherche
  • Fontübersichten/Schriftmuster erstellen
  • Zuarbeiten bei Einreichungen für Wettbewerbe, Animationen/Illustrationen …
  • Einblick in die profes­sio­nelle Fontproduktion von FontShop …

Praktikumsdauer: sechs Monate mit 40-Stundenwoche. Das Praktikum wird vergütet. Start ab 1. Februar 2016. Praktikumsort ist Berlin. Interessenten bewerben sich bitte bei:

Andreas Frohloff Manager CP Font Productionandreas.frohloff@monotype.com


OpenType Upgrade: Linotype, FontFont, Monotype & ITC

OpenType Font LogoAnfang 2007 verkün­dete Fontblog das Ende der PostScript-Type-1-Schriften. Fünf Jahre später entschied das Softwarehaus Adobe, auch die TrueType-Technologie nicht weiter zu entwi­ckeln. Seit über 10 Jahren veröf­fent­li­chen die Bibliotheken von Linotype, FontFont und Monotype Schriften für den Druck als platt­form­über­grei­fende OpenType-Fonts. »Alte« PostScript- und TrueType-Fonts und OpenType-Standart-Schriften können jetzt auf OpenType-Pro-Fonts erwei­tert werden.

Nach ihrer Erstveröffentlichung wurden in den letzten Jahren viele OpenType-Schriften zusätz­lich mit Spracherweiterungen ausge­stattet. Die wenigsten Entwerfer belegen den üppigen Zeichenvorrat von vorn­herein (tech­nisch möglich sind übri­gens 65.536 Glyphen), sondern dem Standard-Zeichensatz-Umfang (OT Std) folgt – meist deut­lich später– ein Upgrade (OT Pro, Pro CFF …), auch als Extension bezeichnet. Osteuropa-Zeichen-Karte Die Karte zeigt die geogra­phi­schen Sprachräume in West- und Osteuropa. Ein Standard-OT-Font aus der FontFont- Bibliothek deckt die gelben Regionen ab. FF-Pro-Fonts unter­stützen auch CE-Sprachen, einschließ­lich Türkisch, Rumänisch und die balti­schen Sprachen (grün). Besonders gut ausge­baute FF-Pro-Fonts enthalten darüber hinaus grie­chi­sche (lila) und/oder kyril­li­sche Zeichen (rosa). Quelle: euro​pa​fonts​.de

OT-Pro-Fonts enthalten zusätz­lich zu den west­eu­ro­päi­schen Zeichen auch Sonderzeichen für latei­ni­sche und/oder nicht-latei­ni­sche Fremdsprachen, wie osteu­ro­päi­sche Sprachen – häufig zusätz­lich türkisch, grie­chisch oder kyril­lisch. Viele enthalten zusätz­liche Kapitälchen, Mediävalziffern, erwei­terte Ligatur-Sets, Schwungbuchstaben und alter­na­tive Zeichen. Unser OpenType Upgrade Angebot umfasst:

  1. Das Upgrade eines PostScript-Type-1- oder eines TrueType-Fonts auf den entspre­chenden OpenType-Pro-Font.
  2. Das Upgrade eines OpenType Fonts auf den entspre­chenden Font im OpenType-Pro-Format.

Wir gewähren auf jedes Upgrade eines Standard-OpenType-Fonts, bzw. Postscript und Truetype Fonts 30% Rabatt. Voraussetzung: Der von Ihnen gezahlte Kaufpreis der Font-Familie lag bei über 200 € netto. Das Angebot gilt bis 31. Dezember 2015. 

Und so geht‘s: Den Kaufbeleg (von FontShop, Linotype oder Monotype), der Sie als Käufer bzw. Lizenznehmer ausweist, einfach an sales@fontshop.com mailen und Sie erhalten für Ihren »alten« Font ein unver­bind­li­ches Angebot mit 30% Rabatt für das Upgrade auf OpenType Pro.

Die Aktion gilt für alle Schriften aus der FontFont-Bibliothek, sowie aus den Bibliotheken von Linotype, Monotype und ITC.

OpenType-Pro-Fonts besitzen die glei­chen tech­ni­schen und ästhe­ti­schen Spezifikationen wie Opentype-Standard-Schriftarten. So kann ein OT-Font durch einen OT-Pro-Font ersetzt werden, ohne uner­wünschte Veränderungen im Layout zu bewirken. Der Pro-Zusatz im Datei-Namen hilft Verwechslungen zu vermeiden.

FF-Dax-Language-Support2 Die FF Dax® enthält als OpenType-Pro-Font Zeichen für die Sprachunterstützung für 164 Sprachen, darunter von tsche­chisch, türkisch, grie­chisch und kyril­lisch. Das Upgrade-Angebot ist beson­ders für Unternehmen inter­es­sant, die Drucksachen in der Hausschrift für neue Märkte erstellen möchte.

Ein Beispiel:

FF Dax 1 kostet in der Western-Language-Support-Std-Version  219 € (zzgl. USt.). In der Version mit erwei­tertem Lateinischen Zeichensatz kostet das FF Dax 1 Paket rabat­tiert 230,30 €  statt 329 € (zzgl. USt.). 

Die FF Dax enthält als OpenType-Pro-Font Zeichen zusätz­lich die Sprachunterstützung für die latei­nisch osteu­ro­päi­schen Sprachen.

Werfen Sie eine Blick auf Ihre Schriftensammlung: Wenn Sie Font-Familien im PostScript-Type-1-Format (Dateiendung*.AFM, *.PFM, *.INF und *.PFB) finden oder im TrueType-Format (Dateiendung *TTF) können Sie jetzt günstig auf das aktu­elle OpenType-Pro upgraden. 

Die Schriften aus der FontFont-Bibliothek und den Bibliotheken von Linotype, Monotype und ITC enthalten verbrei­tete Originalschriften, wie Helvetica®, Garamond, Frutiger®, Bodoni™, Futura®, Times®, Officina®,  FF DIN®, FF Meta, FF Netto®, FF Unit®, FF Clan®, ITC Avant Garde Gothic ® FF Fago®, Rockwell® oder Walbaum™.

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LINKS:

 OpenType-Technik: Detaillierte Informationen über OpenType-Fonts können in unserem FAQ-Bereich nach­ge­lesen werden.

 OpenType-FontFonts: Eine umfang­reiche Einführung* zu OpenType-FontFonts (PDF, 70 Seiten, 1,2 MB)

* Einzelne Schriften können von dieser Beschreibung abwei­chen.
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Dax ist eine Marke der Monotype GmbH, die beim Amerikanischen Patent- und Markenamt einge­tragen ist und die die in bestimmten anderen Rechtsordnungen einge­tragen sein kann. FF ist eine Marke der Monotype GmbH, die beim Amerikanischen Patent- und Markenamt einge­tragen ist und die die in bestimmten anderen Rechtsordnungen einge­tragen sein kann.


BLINK – Kalenderprojekt aus Berlin

BLINK2016_Kalender

Der BLINK-Fotokalender von Susanne Schwalbach und Etienne Girardet ist kein Themenkalender mit uniformem Stil. Im Gegenteil: der Kalender spricht seine eigene Sprache. Die Bilder begleiten durch jeden Tag des Jahres, inspi­rieren und erzählen Geschichten – jedes einzelne, viele auch als Teil einer Reihenfolge.

Mit der Verortung im Jahresgefüge machen die Fotos neugierig auf die nächsten – manchmal überraschend, oft im Kontext, immer aus einer beson­deren foto­gra­fi­schen Sichtweise. So zeigt der Kalender Unerwartetes und Lustiges, Tiefgründiges und Trauriges, Vergangenes und Aktuelles.

Der Abreißkalender enthält Fotos von 40 Personen – von Amateurfotograf_innen bis zu Profis. Eine sehr span­nende, stets uner­war­tete Mischung. Je nach Belieben auf dem Tisch stehend oder an der Wand hängend führt er im Format A6 mit 366 Momentaufnahmen durch das kommende Schaltjahr.

BLINK ist das perfekte Geschenk – fürs Herz, fürs Auge, für die Küche, fürs Wohnzimmer, für Freunde und Familie, für Fotoliebhaber_innen. Für 32,- Euro macht BLINK ein ganzes Jahr lang Freude.

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Etienne Girardet, Susanne Schwalbach
BLINK Fotokalender 2016
Format A6, fünf Zentimeter stark, 800 Gramm. Gedruckt im vier­far­bigen Offsetdruck mit hoch­wer­tiger Klebebindung. Einsetzbar als  Tisch- oder Wandkalender.

→ Kalender bei den Herausgebern bestellen …

Unter allen Kommentierenden verlosen wir unser Rezensionsexemplar. Einsendeschluss ist Montag, der 26. September um 12:00 Uhr mittags.

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1. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 14 Jahren. Angestellte von Monotype und ihre Angehörigen sind von der Teilnahme ausge­schlossen. 2. Alle Personen, die sich mit einem Kommentar im Fontblog betei­ligen, werden auto­ma­tisch Teilnehmer am Gewinnspiel. 3. Der Gewinner wird durch Losentscheid ermit­telt und per E-Mail am Ende des Gewinnspiels benach­rich­tigt. Der Gewinner erhält einen BLINK-Fotokalender. Der Preis kann nicht umge­tauscht oder in bar ausge­zahlt werden. 4. Monotype behält sich das Recht vor, diese Teilnahmebedingungen jeder­zeit zu ändern oder das Gewinnspiel ganz oder teil­weise vorzeitig zu beenden. 5. Der Rechtsweg ist ausge­schlossen.

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Fotos: © Etienne Girardet, www​.paci​fi​co​grafik​.de


Das TYPO Day Seminar besucht Wien

Wiener und alle Typografie-Profis aus der Alpenrepublik können sich am 23. Oktober im WestLicht auf den aktu­ellen Stand der Kommunikation mit Schrift bringen.

TYPO Day ist das Ein-Tages-Seminar für profes­sio­nelle Designer, Markenbetreuer und Publishing-Experten und bringt die aktu­ellen Themen in der digi­talen schrift­li­chen Kommunikation auf den Punkt.

Neben den Vorträgen sind die Begegnungen zwischen­durch für viele Besucher der Hauptgrund für den TYPO-Besuch. Ein persön­li­cher Dialog unter Kolleginnen und Kollegen bringt oft mehr als Telefonate und E-Mails.

TYPO Day_Wien_Sketchnote-Nadine-Rossa

In kleiner Runde und im Detail zeigen hoch­ka­rä­tige Redner Wege wie beste Lesbarkeit und diffe­ren­zierte typo­gra­fi­sche Ausdrucksmittel über alle Kanäle sicher­ge­stellt werden. Sketchnote: Nadine Roßa

Es spre­chen: Erik Spiekermann (Video), Indra Kupferschmid, Atilla Korap, Johannes Bergerhausen, Henning Skibbe und Michael Hochleitner.

Diskussionen entwi­ckeln Antworten auf alle Satz-Fragen: Wie wähle ich die rich­tige Schrift? Welche Anforderungen stellen E-Book und Screens? Was bedeutet Unicode? Brauche ich Emojis? Was muss ich beim Einsatz von Schriften in Zeitungen und Zeitschriften beson­ders beachten?

Noch bis 30. September können sich Teilnehmer zum Early-Bird-Preis von 198 Euro* anmelden (ab 1. Oktober 298 Euro*). Einen satten Rabatt gibt es für das 3er-Gruppenticket: 3 Personen für 447 Euro*. Hier zum TYPO Day Wien anmelden.

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 *Laut Kleinunternehmerregelung (§ 6 Abs. 1 Z 27 UStG) enthalten die Tickets keine Umsatzsteuer. 


Adrian Frutiger, 1928–2015

Adrian Frutiger, Interlaken 2004, © Fontblog

Gestern wurde bekannt, dass der große Schweizer Schriftentwerfer Adrian Frutiger in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in seinem lang­jäh­rigen Wohnort Bremgarten bei Bern verstorben ist. Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien, zum Leidwesen der Familie, die den Todesfall – auf ausdrück­li­chen Wunsch des Designers – nicht direkt der Öffentlichkeit preis­geben wollte. Es wird auch keine Trauerkarten und keine Todesanzeige geben.
Die Bescheidenheit Adrian Frutigers war legendär. Doch bei aller Zurückhaltung konnten er und seine Erben nicht verhin­dern, dass sich tausende Schriftbenutzer und zig Schriftentwerfer in den vergan­genen 24 Stunden von Frutiger verab­schie­deten sowie sich für sein einfluss­rei­ches Schaffen bedankten. Einige Beispiele:

Adrian Frutiger wurde am 24. Mai 1928 in Unterseen an der Aare, Kanton Bern, geboren. Nach einer Schriftsetzerlehre in Interlaken und einem Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich (1949–1951) bei Alfred Willimann und Walter Käch arbei­tete Frutiger zunächst als Grafiker in Zürich. Ein Jahr später wurde er Mitarbeiter der Pariser Schriftgiesserei Deberny & Peignot. Im Sommer 1962 grün­dete er mit Bruno Pfäffli und André Gürtler sein eigenes Grafikatelier in Arcueil bei Paris.

Aufbau der Univers-Schriftfamilie bei Erscheinen 1954

Aufbau der Univers-Schriftfamilie bei Erscheinen 1954 (weitere Schnitte sind inzwi­schen hinzu­ge­kommen): die erste Ziffer steht für die Strichstärke, die zweite für die Buchstabenbreite, wobei gerade Ziffern »oblique« bedeuten

Die Schrift Univers, die Adrian Frutiger welt­be­rühmt machte, geht auf Übungen zurück, die er bereits 1949 als 21jähriger an der Kunstgewerbeschule durch­führte. Das eigent­lich Neue an Univers war, dass eine Schriftfamilie erst­mals als geschlos­senes System entworfen und vermarktet wurde. Ausgangspunkt ist der Normalschnitt Univers 55, von dem aus sich alle weiteren herleiten. Der Kontrast ist so austa­riert, dass sich die Schrift auch für lange Texte eignet. Frutiger legte großen Wert auf die Abstimmung der Strichstärkenunterschiede zwischen Versalien und Gemeine. Für dama­lige Zeiten ist die Mittellänge unge­wöhn­lich hoch.

Univers brauchte 15 Jahre, bis sie überall bekannt und auf den unter­schied­li­chen Geräten (Blei und Fotosatz) verfügbar war. Dem Ende der 60 Jahre vorherr­schenden ratio­na­lis­ti­schen Stil in der Typografie kam die kühle, syste­ma­tisch entwi­ckelte Familie entgegen. Sie entsprach dem Anspruch auf ›Total Design‹, wie Wim Crouwel und Ben Bos ihr Designbüro 1964 tauften. In Holland wurde Univers eine Art Nationalschrift, in den USA und Deutschland setzten die Grafiker eher auf Helvetica.

Der tech­ni­sche Wandel des Fotosatzes spornte Adrian Frutiger an: »Im Blei habe ich die Schrift und ihre Fähigkeit, mit immer denselben Lettern die ganze geis­tige Welt lesbar werden zu lassen, zuerst erlebt. Damit erwachte in mir das Bedürfnis, die best­mög­liche Lesbarkeit zu entwi­ckeln.« erin­nert er sich rund 30 Jahre später in einer Biografie. »Schnell kam die Zeit, in der ein Text nicht mehr mit Bleibuchstaben, sondern durch einen Lichtstrahl gesetzt wurde. Die Aufgabe, die Schriften der alten Meister vom Hoch- in den Flachdruck umzu­denken, war für mich die beste Schule. Als es jedoch um den Grotesk-Stil ging, hatte ich meine eigene Vorstellung: es enstand die Univers-Familie.«

1997 wurde Univers von Adrian Frutiger und Linotype komplett über­ar­beitet, auf 59 Schnitte erwei­tert und drei­stellig numme­riert: Linotype Univers. 2004 erschien Univers Next mit weiteren Stilen (71 Schnitte), erwei­tertem Zeichensatz und syste­ma­ti­schem Aufbau.

Schnittmuster fr das zweisprachige Flughafen-Leitsystem

Gesetzt aus aus Frutiger: Schnittmuster für das zwei­spra­chige Leitsystem des »Aéroport Charles de Gaulle«, eröffnet im März 1974

Als der fran­zö­si­sche Ministerrat 1964 beschloss, auf dem dünn besie­delten Ackergelände nahe der Dorfschaft Roissy-en-France einen neuen Großflughafen zu errichten, wurde der junge Architekt Paul Andreu mit dem Entwurf betraut. Er veran­staltet er eine Serie von Workshops mit Architekten, Designern, Psychologen und Künstlern, darunter Adrian Frutiger, der mit seiner 1957 erschie­nenen Erfolgsschrift Univers die Beschilderung entwi­ckeln sollte.

Doch Univers war ihm zu geome­trisch und geschlossen für die schnelle Wahrnehmung auf Wegweisern. Also griff Frutiger auf einen 7 Jahre alten Sans-Serif Entwurf namens »Concorde« zurück, den er mit André Gürtler für das Satzunternehmen Sofratype gezeichnet hatte. Die Farbpsychologen legten für das Leitsystem einen gelben Hintergrund fest, die fran­zö­si­schen Hinweise sollten in weiß, die engli­schen in schwarz aufge­druckt werden. Für die Präsentation griff Frutiger zu Letraset-Farbfolien. Das Wort ›Départ‹ schnitt er mit einer kräf­ti­geren Concorde aus, das schwarze ›Departures‹ klebte er darunter auf. Die bessere Lesbarkeit gegen­über Univers über­zeugte sofort alle. Und Paul Andreu war begeis­tert von der Idee einer eigenen ›Flughafenschrift‹.
Als der »Aéroport Charles de Gaulle« im März 1974 einge­weiht wurde, setzte auch das Leitsystem Maßstäbe. Typografen aus aller Welt wünschten sich die Schrift für Drucksachen. 1977 brachten die D. Stempel AG und Linotype Frutiger auf den Markt. Sie wird rasch zum Bestseller und mehr­fach erwei­tert, zuletzt 1999 vom Schöpfer selbst.

Bis heute im Einsatz: Die Schrift Frutiger auf dem Flughafen Charles de Gaulle in Paris

Bis heute im Einsatz: Die Schrift Frutiger auf dem Flughafen Charles de Gaulle in Paris

Zwei Jahre nahm sich Adrian Frutiger Zeit für den »Relaunch« Frutiger Next. Alle Zeichen wurden neu digi­ta­li­siert, wobei die Grundformen nahezu unver­än­dert blieben. Lediglich das ß und das et-Zeichens entstanden neu, s und t erfuhren ein dezentes Facelifting. Die Strichstärkenabstimmung ergab nun 6 statt 5 Stufen, und eine echte Kursive rundete Frutiger Next ab.

Univers und Frutiger sind nur zwei von über 20 Schriftfamilien, die Adrian Frutiger in rund 60 Jahren schuf. Dabei ist bemer­kens­wert, dass er in allen Schriftdesign-Stilen eine bahn­bre­chende Qualität schuf. Seine Avenir ist eine der besten geome­tri­schen Sans-Schriften, Egyptienne F und Glypha werden von den Freunden der Slab-Serif-Schriften verehrt und seine Vectora ist immer noch einzig­artig in der Klasse der Anglo-Grotesk-Schriften.

Alle diese Schriften tragen Adrian Frutigers Design-Philosophie in sich, nämlich dass »Lesbarkeit und Schönheit ganz nahe beiein­ander stehen und dass die Schriftgestalt in ihrer Zurückhaltung vom Leser nicht erkannt, sondern nur erfühlt werden darf. Die gute Schrift ist dieje­nige, die sich aus dem Bewußtsein des Lesers zurück­zieht, um den Geist des Schreibenden und dem Verstehen des Lesenden allei­niges Werkzeug zu sein.« Mit anderen Worten: Die Qualität von Frutigers Schriften beruht nicht auf ober­fläch­li­chem bzw. formalen Kriterien, sondern einer struk­tu­rellen Leserlichkeit. Diese DNA in seinen Entwürfen zu entde­cken bedarf eines geschulten Auges. So gesehen wäre es nicht über­ra­schend, wenn auch die (noch) nicht so popu­lären aber glei­cher­maßen vorzüg­li­chen Schriften von Adrian Frutiger irgend­wann den Durchbruch in der typo­gra­fi­schen Welt schaffen.

Im Jahr 2007 führte der Berliner Filmemacher Sebastian Rohner ein langes Interview mit dem Schweizer Schriftentwerfer Adrian Frutiger. »Einer der größten Designer des 20. Jahrhunderts ist den meisten Menschen voll­kommen unbe­kannt. Dieses Interview soll das ändern.« schrieb er in der Erläuterung des inzwi­schen auf YouTube frei­ge­ge­benen Videos. Der aufschluss­reiche Film wirft nicht nur ein Licht auf den bedeu­tenden Schriftentwerfer sondern auf eine Designdisziplin, die kaum exoti­scher sein könnte und doch alle (lesenden) Menschen berührt.


Frische Farben für das nächste Jahr

cmyk kalender 2016-1500

Das nächste Schuljahr hat in Berlin gerade begonnen. Begleitet von guten Vorsätzen für den Lernerfolg. Für die guten Farb-Vorsätze im kommenden Kalenderjahr bringt der Hermann Schmidt Verlag Mainz den C | M | Y | K Color Swatch Calendar 2016 heraus, ein schön gestal­teter Kalender mit Farbinspiration für jeden Tag.

Peter von Freyhold gestal­tete ein »Farb-Septett« pro Woche, das durch tägli­ches Abreißen eines Farbstreifens mit den darunter liegenden Farben in Dialog tritt. Jeder Farbstreifen zeigt die Wirkung seiner Farbe auf zwei­sei­tigem Chromokarton (coated/uncoated) und verrät die exakten Prozentwerte von Cyan, Magenta, Yellow und Black.

cmyk kalender 2016 -1500pxMittels der im Kalenderkopf einge­bauten Buchschraube lassen sich eigene Farbwelten zusam­men­stellen: beim Entwurfsprozess, im Kundenmeeting, während der Planungsphase. Und während die Kalenderblätter fallen, füllt sich das private Favoritenkästchen von Tag zu Tag. Selbstverständlich lassen sich die Farbstreifen auch als Lesezeichen, Notizzettel oder für analoge Short Messages verwenden.

cmyk kalender 2016-1500Peter von Freyhold:
CMYK-Farbfächer-Kalender 2016
, coated/uncoated, Wochenkalender mit 371 Tages-Farbstreifen zum Abreißen und Generieren täglich neuer Farbmischungen mit genauen CMYK-Werten in einer Box zum Archivieren der Farbstreifen, Format 11 x 24 cm.

→ Kalender beim Verlag bestellen …

Welche sind Eure persön­li­chen Farbtrends für diesen Herbst? Und warum? Unter allen Kommentierenden verlosen wir unser Rezensionsexemplar. Einsendeschluss ist über­morgen, Freitag, der 4. September um 12:00 Uhr mittags.

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Fotos: © Peter von Freyhold

 


Druckkunst und Typografie in Weimar

Walbaum-Workshop-Weimar

Ein Highlight der typo­gra­fi­schen Veranstaltungen zum Sommerende beleuchtet die Rolle der Schriften im Bauhaus. Laszlo Moholy-Nagy erwähnt den Begriff der Neuen Typografie erst­mals im Jahr 1923 in einem Beitrag zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar. Jan Tschichold greift die radi­kalen Thesen der Bauhaus-Künstler auf und verbreitet sie im Laufe der 1920er-Jahre unter dem Begriff der Elementaren Typografie.

In Weimar, dem Gründungsort der Bauhaus-Bewegung, betrachtet das Druckgrafische Museum am 12. bis 13. September in seinem 2. Wochenend-Seminar die Elementare Typografie in Vorträgen und Workshops.

Zum Programm gehören:

  • eine Führung im Bauhaus-Museum
  • Vorträge von Albert-Jan Pool und Ferdinand Ulrich
  • ein Bleisatz-Workshop in den Werkstätten der Pavillon-Presse

Die Anmeldung für das 2. Walbaum-Wochenende ist bis 16. August möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt 99,- Euro (für Studenten 45,- Euro). Die Teilnehmerzahl ist auf 35 Personen limi­tiert.

Die Walbaum-Wochenenden sind eine Veranstaltungsserie der Pavillon-Presse in Weimar. Sie verbinden die Vermittlung von theo­re­ti­schem Fachwissen mit Workshops im Museum. Nach dem erfolg­rei­chen Auftakt im Juni findet im September das zweite Walbaum-Wochenende in Weimar statt.

Details und Anmeldung unter: http://​walbaum​-wochen​ende​.de


Für Mikroverleger: #indiemagday in Hamburg

„Lasst uns die Vielfalt der unab­hän­gigen Magazine feiern und ihre smarten und furcht­losen Mikroverleger“. Unter diesem Motto findet am Sonntag, den 30. August im Hamburger Oberhafen der erste #indie­magday statt. Die Veranstaltung soll Menschen zusammen bringen, die ohne großen Verlag im Rücken ein Magazin publi­zieren – und sie zeigt die Vielfalt ihres krea­tiven Schaffens. Die „Free Trade Zone for Printed Goods“ im Oberhafen ist von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Indiecon 2015: The independent Magazine Festival Conference: 28+29 Aug 2015 #indiemagDay: 30 Aug 2015 Hamburg, Germany Poster Serial for #indiemagday

© Malte-HM-Spindler-Die-Brueder-Indiecon-2015

Gemeinsam mit etwa 50 Magazin-Verlegern aus aller Welt wird im Hamburger Oberhafen die unab­hän­gige Magazinkultur gefeiert. Mit dabei sind inter­na­tio­nale Vertreter der unab­hän­gigen Magazinkultur, Mikroverleger wie Ibrahim Nehme aus Beirut („The Outpost“), Kai Brach aus Melbourne („Offscreen“) und Ryan Fitzgibbon aus New York („Hello Mr.“). Die Veranstaltung bietet Raum für den Austausch, mit den Menschen hinter den Magazinen, um nach Raritäten zu stöbern und Indiemags aus unter­schied­lichsten Sparten zu entde­cken, zu kaufen oder zu tauschen.

Der #indie­magday ist Teil der Fachkonferenz Indiecon – The Independent Magazine Festival, das am 28. und 29. August für unab­hän­gige Magazin-Verleger aus Kunst, Design, Fotografie und Illustration statt findet. Wann und wo? 30. August, 8:00 bis 18:00 Uhr, „Oberhafen“, Halle 4, Stockmeyerstr. 41, 20457 Hamburg.

Weitere Informationen zum #indie­magday → www​.indie​magday​.de und zur Indiecon → www​.indie​fo​rever​.de


Kunde Antragsteller: Nutzererlebnis Hartz IV Formular

Während Sign-Up Prozesse digi­taler kommer­zi­eller Unternehmen bis ins letzte Detail opti­miert und auf das Nutzererlebnis ausge­richtet sind, sind Anträge von Bürgern an staat­liche oder kommu­nale Institutionen für den Antragsteller oft schwer verständ­lich und von Design und Wording ledig­lich auf die Bedürfnisse der jewei­ligen Institution ausge­richtet: Der Antragsstellende hat der leis­tungs­er­brin­genden Institution nach­zu­weisen, dass ein Anspruch auf Leistung besteht. Die Benutzerfreundlichkeit des Antrags ist zweit­rangig.

Wie würden Prozesse, wie ein Hartz-4-Antrag aus der Position des Antragstellers aussehen? Und wenn eine webba­sierte Form der Antragstellung den Antragsteller ermu­tigen und beim Ausfüllen unter­stützen würde?

Auch wenn der sechs­sei­tige Hauptantrag inzwi­schen als pdf-Dokument online auf dem Server der Arbeitsagentur zur Verfügung steht, kann er nicht ausge­füllt gesi­chert sondern nur ausge­druckt werden. Die Möglichkeiten des Mediums werden igno­riert. Ein großes Versäumnis, findet Thomas Weyres. Auf der dies­jäh­rigen Re:publica stellte er einen Antragsteller-freund­li­chen Ansatz für den Harz IV Antrag vor, der die Möglichkeiten des Web einsetzt.

Thomas Weyres Zentrale Intelligenz AgenturThomas Weyres ist Designer aus Berlin, hat für Marken wie MTV, Sony und Ableton gear­beitet, ist geschäfts­füh­render Gesellschafter der Zentralen Intelligenz Agentur und Lehrbeauftragter am Fachbereich Kommunikationsdesign an der HTW Berlin. Von 2012 bis 2014 war er Mitgründer und Creative Director der Social Reading Plattform dotdotdot. 

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Sign up for Hartz IV

Wie der Hartz IV-Antrag aussehen könnte, wenn er vom Antragsteller aus gedacht werden würde.

von Thomas Weyres

Zusammenfassung der Session “Sign up for Hartz IV” auf der Re:publica 2015

Hartz IV, oder eigent­lich Arbeitslosengeld II, wird in diesem Frühjahr (2015) von ca. 4,4 Millionen Menschen bezogen. 4,4 Millionen Menschen, deren Lebenssituation so indi­vi­duell ist, wie wahr­schein­lich die Gründe, warum sie Hartz VI beziehen. Eines haben alle 4,4 Millionen gemeinsam: Sie haben den Hartz IV Antrag bewäl­tigt.

Der Antrag

Der Antrag, 2013 von Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit, mit Hilfe externer Experten, letzt­malig über­ar­beitet, umfasst sechs Seiten und, je nach indi­vi­du­eller Situation, bis zu 16, teil­weise mehr­sei­tige Anlagen.

Der Hauptantrag ist in neun Abschnitte unter­teilt, die den Antragsteller durch Kapitel mit Aussagen zu seinen persön­li­chen Lebensumständen leiten. Nach der schrift­li­chen Angabe persön­li­cher Daten zu Namen, Nachnamen und Adresse, müssen Aussagen mit Ja oder Nein bestä­tigt oder demen­tiert werden. Zudem gibt es Bereiche, bei denen zu Aussagen eine Auswahl an Antworten ausge­wählt werden kann.

Nach der Bestätigung einiger Aussagen bedarf es schrift­li­cher Nachweise, die dem Antrag hinzu­ge­fügt werden müssen. Zum Beispiel Bescheinigungen bzgl. der Krankenversicherung oder Nachweise über ein Ausbildungsverhältnis.

1-Harz-4-Anträge
Der Arbeitslosengeld II Hauptantrag: Der aktu­elle Antrag umfasst 6 Seiten

Der Hauptantrag und die Anlagen zu diesem, können auf den Webseiten der Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit als PDF herun­ter­ge­laden werden. Dieses müssen in Adobe Acrobat ausge­füllt werden, dann ausge­druckt und unter­schrieben an das zustän­dige Jobcenter per Post gesendet werden.

Der Antrag: Problem

Die große Schwäche des Antrages ist, dass dieser aufgrund seines stati­schen Charakters alle denk­baren Lebensumstände aller Antragsteller abbilden muss. Und diese jedoch in ihrer Vielfältigkeit nicht ihrer Gänze abbilden kann, sondern auf immer weitere Anlagen verweist und sich der Antrag immer weiter verschach­telt. Und für den Antragsteller mit jedem Fortschritt neue Aufgaben gene­riert.

Primär wird versucht, auf dem Antrag eine Lösung für zwei grund­sätz­lich unter­schied­liche Anforderungen abzu­bilden:

1. Die verwal­tungs­tech­ni­schen Prozesse bei der Bearbeitung des Antrages. Auf dem Antrag abge­bildet durch die Spalte rechts, auf der der Bearbeiter auf Seiten des zustän­digen Jobcenters Vermerke bzgl. einge­reichter Anlagen, etc. unter­bringen kann.

2. Die tech­ni­schen Anforderungen bei der Weiterverarbeitung des Antrages. Anträge, und Formulare allge­mein, werden oft mit der Software erstellt, die diese auch weiter­ver­ar­beiten kann. Das bedeutet, dass Formulare mit der Scan-Software, die die Formulare einliest, gestaltet werden — mit all den Limitationen die diese ggf. mit sich bringt.

Erst sekundär wird auf die Nutzererfahrung des Antragstellers einge­gangen — und auf den Kontext, aus dem heraus der Antrag gestellt wird.

Überlegungen

Wie könnte, bzw. sollte ein Antrag aufge­baut und gestaltet sein, der die Bedürfnisse des Antragstellers nach Orientierung, Verständlichkeit und Zeit- und Kosteneffizienz bei der Bearbeitung ernst nimmt – und der den Kontext, aus dem der Antrag gestellt wird, ernst nimmt?

Der Antragsteller befindet sich auf Arbeitssuche, dies bedeutet, dass sich dieser in vielen Fällen in einer sensi­blen emotio­nalen, und in den meisten Fällen keiner posi­tiven finan­zi­ellen Situation befindet — und diese Situation oftmals nicht selber verschuldet hat. Menschen inter­agieren mit staat­li­chen Stellen wenn sie dazu gezwungen sind — dies ist jedoch kein Grund, diese Interaktion auf Basis mangelnder gestal­te­ri­scher Empathie aufzu­bauen.

Die Komplexität des Antrages ist nicht ange­nehm, und sie kann es auch nicht sein, es gibt jedoch Wege, die Komplexität für den Nutzer im Prozess der Antragstellung zu redu­zieren:

1. Aufgabe folgt Aufgabe!
Anträge, die darauf basieren, möglichst viele Aufgaben, die der Antragstellende zu bear­beiten hat, auf möglichst wenig Platz unter­zu­bringen, sind fehler­an­fällig und für den Antragsteller oftmals schwer zu erfassen. Aufgaben lassen sich besser lösen, wenn diese einzeln bear­beitet werden können und aufein­ander folgen:

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2. Aufgaben kontext­ab­hängig und dyna­misch gene­rieren!
Beim Bearbeiten der aktu­ellen Anträge muss der Antragsteller durch eine große Anzahl an Aussagen navi­gieren, die für ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht rele­vant sind. Eine dyna­mi­sche Gestaltung des Antrages würde es erlauben, durch die Bestätigung oder Ablehnung einer Aussage, Aussagen im weiteren Verlauf des Antrages auszu­schliessen und dem Antragsteller nicht anzeigen zu müssen.

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3. Aufgaben gene­rieren Handlungsanweisungen:
Aus Angaben zu Aussagen müssen für den Antragsteller klare Handlungsanweisungen gene­riert werden. Das bedeutet, dass für den Antragsteller klar werden muss, welche Unterlagen er für die weitere Bearbeitung des Antrages benö­tigt, wie diese aussehen und wo er diese findet.

4. Fokus auf erle­digte Aufgaben — nicht auf noch zu lösende:
Für den Antragsteller ist die Bearbeitung des Antrages oftmals belas­tend und arbeits­auf­wendig. Ein Feedback bzgl. des Fortschrittes, den der Antragsteller schon gemacht hat, sollte moti­vie­rend sein und diesem zudem Orientierung vermit­teln.

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5. Keine Aufgaben stellen — sondern Dialoge führen:
Der Antrag sollte dialo­gisch gestaltet werden. Mit dem Ziel, dem Antragsteller das Gefühl zu vermit­teln, ernst genommen zu werden. Der Antrag sollte nicht wie ein Verhör aufge­baut sein — er soll im besten Falle Empathie zeigen und Konversation auf Augenhöhe ermög­li­chen.
Ein gedruckter Antrag ist nicht dazu geeignet, dyna­mi­sche Prozesse abzu­bilden — wie könnte also ein digi­taler Antrag aussehen?

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Prototyping

Der bishe­rige Antrag weisst, wie oben erwähnt, bei 16 Aussagen auf teil­weise mehr­sei­tige Anlagen. Um einen indi­vi­du­ellen, auf die Lebenssituation des Antragstellers zuge­schnitten Antrag zu gene­rieren, macht es Sinn, den Prozess der Antragstellung in zwei Teile aufzu­teilen:

a) Einen Fragenkatalog, der primär darauf abzielt, beson­dere Lebensumstände des Antragstellers abzu­fragen, um

b) im zweiten Teil auf diese Lebensumstände indi­vi­duell eingehen zu können.

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Das bedeutet, dass im ersten Teil alle Fragen gestellt werden, die im alten Antrag zu mögli­chen Anlagen geführt hätten, und im zweiten Teil auf die für den Antragsteller rele­vanten Fragen einge­gangen wird.

Dies verkürzt den Prozess der Antragstellung immens und ermög­licht zudem, dem Antragsteller nach Abschluss der Bearbeitung des ersten Teils eine To-Do-Liste mit allen Unterlagen zu gene­rieren, die er braucht, um den zweiten Teil bear­beiten zu können.

In einem Prototyp, könnte der erste Teil des Antrages so aussehen:

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Karten, als Designpattern, eignen sich hervor­ra­gend, den Antragsteller einzelne Aufgaben fokus­siert bear­beiten zu lassen. Zudem ermög­licht eine gesta­pelte Anordnung der Karten, dem Antragsteller Orientierung über die noch zu erle­di­genden Aufgaben zu geben.

Anstatt Aussagen, die der Antragsteller bestä­tigen oder demen­tieren muss, werden ihm Fragen gestellt — dies ermög­licht eine freund­li­chere Ansprache und führt aufgrund der dialo­gi­schen Form der Interaktionen zu weniger Anspannung während der Bearbeitung des Antrages.

Am Ende des ersten Teiles des Antrages, erwartet den Antragsteller eine Übersicht über die für den zweiten Teil benö­tigten Unterlagen — er kann sich Informationen zu diesen Unterlagen anzeigen lassen. Zudem ist jede Unterlage mit einem Bild ausge­zeichnet:

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Der zweite Teil, gene­riert aus den Antworten aus dem ersten Teil, geht nun auf die detail­lierten Lebensumstände des Antragstellers, mögli­cher weiterer Personen in seiner Bedarfsgemeinschaft und deren Vermögensverhältnisse ein:

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Am Ende des zweiten Teils des Antrages druckt der Antragsteller die Zusammenfassung seiner Antworten aus, unter­schreibt diese und sendet sie an das zustän­dige Jobcenter. Die Zusammenfassung sollte, je nach indi­vi­du­eller Sachlage um 80% kürzer sein, als der heutige Hauptantrag mit zusätz­li­chen Anlagen. Dies spart Papier, Druckkosten und Bearbeitungsressourcen. Alternativ über­mit­telt der Antragsteller seine Daten direkt, ohne für Antragsteller und Verwaltung arbeits­auf­wen­digen Medienbruch, digital.

One more thing

Unterschreibt ein Antragsteller auf einem Formular, bevor er dieses ausfüllt, steigt die Wahrscheinlichkeit dieses wahr­heits­gemäß auszu­füllen, signi­fi­kant an. Personalisiert man den digi­talen Antrag, und posi­tio­niert den Namen des Antragstellers promi­nent während der Prozesses der Antragsstellung, sollte dies zusätz­lich dazu führen, die Abbruchrate der Bearbeitung massiv zu verrin­gern — denn: Personalisierte Prozesse führen zu höherer Identifikation mit einer Aufgabestellung.

… and one more thing

URLs sind eine tolle Möglichkeit mit dem Antragsteller zu kommu­ni­zieren — in moti­vie­render, posi­tiver Tonalität:
… und nun?

Einkaufserlebnisse sind bis ins letzte Detail opti­miert, Teams von hoch ausge­bil­deten Experten arbeiten täglich daran, diese noch effi­zi­enter auf die Bedürfnisse des Nutzers auszu­richten. Designer verbringen viele Stunden, Tage und Wochen damit, Seiten so zu opti­mieren, dass der Nutzer möglichst viel Zeit auf einer Seite verbringt — mit dem Wissen, dass die Inhalte oft austauschbar sind, und die nächste Ablenkung nur einen Click entfernt ist.

Ausgerechnet Services und Leistungen für Menschen in einer unglück­li­chen und kata­stro­phalen Lebenssituation werden vernach­läs­sigt. Lasst uns das ändern!