Muss man den 20. Geburtstag von Arial feiern?

Eine Gruppe von Studenten in einem Kurs von Sven Voelker an der Kunst- und Designhochschule Burg Giebichenstein in Halle war der Ansicht, man sollte die synthe­ti­sche Arial in die analoge Welt holen. Sie grün­deten »The Arial Press«. Hölzerne Lettern treffen auf den öligen Geruch frischer, etwas zu dick aufge­tra­gener Druckfarbe. Zu ihrem 20. Geburtstag wurde die Arial liebe­voll in Holz geschnitten und hunderte Plakate von Hand gedruckt. Anna Ditscherlein und Claude Gerber machten einen kleinen Film dazu:

Die Arial wurde von Robin Nicholas und Patricia Saunders zwar schon 1982 für Monotype geschaffen, aber erst 8 Jahre später als True Type Font in die Schriftenwelt entlassen. Die Schrift, deren Name frei erfunden ist, ihre Form jedoch nicht, ist heute omni­prä­sent. Trotzdem wird sie kaum geliebt, ganz im Gegenteil: Viele Typografen hassen und tragen T-Shirts mit der Aufschrift »Arial is not my type«.


14 Kommentare

  1. Johannes Erler

    Ich habe im Zuge der Jurysitzung zum Designpreis der Bundesrepublik Deutschland neulich tatsäch­lich zum ersten Mal ein richtig GUTES Erscheinungsbild, das komplett aus der Arial herge­stellt war, gesehen.
    Anschließend lagen dann die Vorteile auf der Hand (Delta Hinting, alle Systeme, keine Lizenzkosten etc.).
    Trotzdem natür­lich keine Lösung, weil die Schrift ansich schlecht ist und bleibt.

  2. Johannes Erler

    PS: schöner Film! Bringt ja Spaß, so was.

  3. Dan Reynolds

    Ach, das kann man schon feiern, oder? Inzwischen kann man die Arial Fonts auch überall erwerben… auch bei FontShop​.de! Wenn es meine Vorlesung, wäre, gäbe es viel­leicht mehr (kriti­sche) Auseinandersetzung der Arial mit anderen Grotesk-Schriften, so Akzidenz-Grotesk, Monotype Grotesque, Helvetica, FF Dagny usw. Trotzdem habe ich mich über das Filmlein gefreut. Ist doch nicht ein »normale« Studi-Projekt…

  4. Balthier9999

    Ich finde schon, dass man den Geburtstag der Arial feiern kann. Schließlich erfüllt sie ihren Job als Schrift für Monitore doch ganz gut – deswegen wurde sie ja entwi­ckelt. Ihren schlechten Ruf hat sie doch eher, weil sie von Amateuren ausge­druckt wird und das nicht zu wenig.

  5. Timm

    Die ange­spro­chenen T-Shirts gibt es übri­gens hier – falls jemand noch nicht weiß, was man zur Geburtstagfeier tragen soll ;-)
    not​-my​-type​.com

  6. densen

    Wichtig ist doch erklären zu können, warum man den Einsatz der Arial u Umst abglehnt. Von Feiern spricht eigent­lich niemand. Aber Feiern schadet selten. Auch dem Diskurs nicht.
    Dass man sich anläss­lich des zwan­zigsten Geburtstages der Arial als TTF mit der Schrift beschäf­tigt begrüsse ich. So kann ein schönes Projekt entstehen. Props nach Halle!

  7. Uwe Borchert

    Hallo,

    das ist vmtl. aber nicht das erste mal dass die Arial in Holz geschnitten und gedruckt wurde. So habe ich vor einigen Jahren (2008?) bei einer Kalenderausstellung in Karlsruhe einen IIRC (nach Angaben im Kalender) im Holzschnitt gedruckten Kalender mit der Arial gesehen. Ich war damals entsetzt, aber das Grauen hat kein Ende. *HUAHUA*

    MfG

  8. Plamen Tanovski

    Diese abstrakte Kreativität über Arial mag zwar amüsant sein, aber man braucht nur „richt­li­nien arial fakultät“ in der Websuchmaschine einzu­geben, um den Ausmaß der Verseuchung zu erkennen. Damit erscheint wiederum die Tatsache in ein besseres Licht, dass es keine nennens­werte Universitätsverlage in Deutschland gibt. Man stelle sich nur die ganzen Buchreihen in Arial vor.

  9. Felix

    Ihren Tod zu feiern, fände ich besser…

  10. Max

    »… wurde die Arial liebe­voll in Holz geschnitten …«

    Mit einem Laser? Kann der das?

  11. Ralf Hasford sfo

    Nieder die Schriftenunterdrücker, Gleichmacher und Gesichtslosen. Ohne mich, feiert Eure Knechtschaft doch selbst.

    Arial heisst Gestalten in Word und Powerpoint und zwar für Alle die eine Maus schubsen können. Arial ist der Begriff der das disku­tieren mit dem Kunden erst zu einem Erlebnis werden lässt. Arial denn wer will schon für Schriften zahlen, wenn es die schöne umsonst gibt! Arial für alle – feiert nur mit dem Buchhalter der Eure Löhne kürzen will.

    Also stoßt an und bene­belt Eure Hirne mit süßem Sekt aus der Schraubverschluss-Plastikflasche und die schöne neue Demokratie beju­belt sie neben MacGeizRechnern stehend. Macht das Gestalter-Leben dann wesent­lich einfa­cher.

    Ich kämpfe weiter gegen Schriften-Opportunismus.

  12. gromek

    „richt­li­nien arial fakultät“ bei Google… auf die idee wäre ich gar nicht gekommen!

    und das ergebnis ist ja wahr­haft nieder­schmet­ternd! nicht genug, dass man oft genug mit der gedan­ken­lose wahl dieser schrift durch den/die verfasser leben(?) muss – nein: sie wird gar höchst­of­fi­ziell vorge­schrieben! arghh!

    passt aber doch irgendwie wieder dazu, wie hoch­schul­mä­ßiges tun und lassen sich hier­zu­lande gegen­wärtig in nivel­lie­rend forma­lis­ti­schen „schema f“ proze­duren zu verlieren droht…

  13. dominik

    Jeder Grafikdesigner sollte mit der Arial gestalten können.

  14. Sloyment

    Ein in Arial unter Windows gesetzter Text sieht aus wie mit Abreibebuchstaben zusam­men­ge­fum­melt. Arial ist ausserdem proprie­tärer Müll, den es nur unter Windows gibt. Unter GNU/Linux gibt es zu Arial auch kein direktes Pongdong; Helvetica ist ein biss­chen breiter, so dass, wenn Winword-Dateien unter Linux geladen werden, im Normalfall die Formatierung zerschred­dert wird. In LaTeX gibt es hingegen nur schöne Schriftarten.

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