Großbeschriftung durch Illusionstypografie

Parkhaus

Axel Peemöller hat für das Eureka-Tower-Parkhaus in Melbourne ein Leitsystem entwi­ckelt, dass sich von der klas­si­schen Beschilderung löst. Um Botschaften wie »Aufwärts«, »Ausfahrt« oder »Abfahrt« möglichst groß darzu­stellen, nutzt er die Wände des Gebäudes. Da diese gerade in Parkhäusern selten eben sind, spielt das System mit Projektion und Perspektive, um Säulen, Ecken und Schächte zu über­winden. Aus scheinbar unko­or­di­nierten gelben Balken und Kurven entsteht so im entschei­denden Moment das Wort »Down«, und der Fahrer weiß, das er gerade richtig fährt. (Via)

Ähnliche Projekte: Cardiff Bay Illusion, 3D Room Paint Optical Illusions, ABC der Menschheit.


24 Kommentare

  1. microboy

    Über Varini gibt es ein sehr schönes Buch vom Verlag Lars Müller. »Felice Varini: Points de Vue – Points of View« war, soweit ich mich erin­nere, vor einigen Jahren mit unter den schönsten Büchern der Schweiz …

  2. christoph_z

    als park­haus­be­schrif­tung wurde genau das auch schon vor längerer zeit in zürich gemacht. das melbourne-park­haus ist klar ein plagiat.

  3. MiSc

    soge­nannte anamor­phosen sind das. sehr span­nend. aber wann ist der “entschei­dende Moment”?

  4. fabian

    Das Parkhaus aus Zürich kenne ich auch. Tatsächlich ist eine Anamorphose aber weder etwas »neues«, noch funk­tio­niert das ganze als Leitsystem sonder­lich gut: Das Problem ist, dass es eben nur einen Punkt gibt, an dem der Effekt richtig funk­tio­niert…

  5. Sebastian Nagel

    Geht es nur mir so oder kann das auch irri­tieren?
    Da fährt man vorsichtig wie mit einem Uboot durch ein Minenfeld, und plötz­lich springt einen ein Wort an, das irgendwie im Raum schwebt und nicht sofort loka­li­sierbar ist. Reflexartig mach ich doch da was unkon­trol­liertes oder lasse mich zumin­dest ablenken?

    In einem Gebäude wo man zu Fuß unter­wegs ist find ich so eine Beschriftung ja sehr reiz­voll, aber wo es um Straßenverkehr oder ähnli­ches geht?
    Gibt es da Statistiken dazu ob bzw. wie sich die Zahl der Schadensfälle da verän­dert?

  6. fabian

    Das Wort »springt« dich ja nicht an, da du es ja schon von weitem unge­fähr erkennen kannst.

    Ablenkend ist es aber sicher­lich. Und einfach unfunk­tional…

  7. daniel

    Also ganz nett anzu­sehen ist das Ganze ja, aber mit räum­li­cher Orientierung hat das nicht mehr viel zu tun, wenn ich erst von einem gewissen Punkt aus die notwen­dige Information erkennen kann. Design um des Design Willens …

  8. Wilhelm

    >J.M. hm, die Väter, ich dachte immer das wäre der franz. Künstler Georgess Rousse *1947 http://​www​.geor​ges​rousse​.com/

  9. Jürgen

    Ich habe schon in vielen Parkhäusern eine Ehrenrunde gedreht, weil das »Ausfahrt«-Schild in einer belie­bigen Farbe und einer belie­bigen Größe an einer belie­bigen Stelle an der Decke über der Fahrbahn hing.

    wann ist der “entschei­dende Moment�?

    Der lässt sich in einem solchen Gebäude, wo sich Fahrzeuge bere­chenbar im Schritttempo fort­be­wegen, ziem­lich genau ermit­teln, denke ich.

  10. Christian

    in einem Parkhaus muss dieser Wegweiser meist nur von einem Punkt aus funk­tio­nieren. Man kommt mit dem Auto um eine Ecke und sieht zwei Ausfahrten. Beide Beschilderungen sind auf diese Perspektive zuge­schnitten. Das finde ich voll­kommen in Ordnung.
    Ich habe aber eben­falls Zweifel, ob diese grafisch sehr schöne Lösung nicht zu weit von gelernten Mustern weg ist. Wie funk­tio­nieren diese Wegweiser in der Dunkelheit? Bei Feuer und Panik? Oder gibt es zusätz­liche »Sicherheits«-Systeme, die klas­sisch alle Türen und die Fluchtwege kenn­zeichnen?

    Mich würde auch inter­es­sieren, ob die Wirkung der Schriften in real so verblüf­fend ist wie auf dem Foto. Eine Linse kann man austricksen, aber zwei Augen, die sich leicht bewegen, nicht so gut.

  11. microboy

    @ Wilhelm

    Wie kommst du darauf? Rousse und Varini sind quasi eine Generation aber meiner Meinung nach ist Varini ein paar Jahre länger dabei …

  12. fabian

    @Jürgen

    Das Problem ist aber, dass es nicht nur auf den zeit­li­chen Moment, sondern auch auf korrekten Standpunkt ankommt. Da Smart, BMW Z4 und Mercedes Jeep schon extrem durch die Höhe der Sitzposition unter­scheiden, glaube ich nicht, dass das wirk­lich funk­tio­niert.

    Klar, irgendwie wird man es schon lesen können – aber es gibt keine Grund, warum man nicht einfach normale Typo nimmt, denn die kann man immer lesen.

  13. Wilhelm

    @microboy

    aus Unwissenheit/Halbbildung, denn leider kannte ich Varini nicht

  14. formschub

    Auch Varini war bei weitem nicht der Erste. Es gibt z.B. ein Gemälde von Hans Holbein d. J. aus dem Jahre 1533 (!), „Die Gesandten�?, wo auf dem Fußboden ein verzerrter Totenschädel zu sehen ist, der nur aus einem bestimmten Blickwinkel perspek­ti­visch korrekt sichtbar wird. An solchen „Trompe l’oeils�? haben sich Künstler versucht, seit die Grundlagen der Perspektive entdeckt wurden. Aber warum sollte man das Prinzip nicht aus dem Museum in ein Parkhaus trans­fe­rieren? Hauptsache, die Autofahrer fahren vor lauter Faszination nicht gegen Wände und Poller. ;-)

  15. Wilhelm

    oh stimmt, das Bild habe ich in London gesehen

  16. fritz

    dito, das ganze ist nicht neu, aber immer noch cool wie sau. aller­dings finde ich, dass man sich, wenn man sich eines solch alten prin­zips bedient, mehr gedanken über die konkrete gestalt der formen machen sollte.

    varinis arbeiten bestechen auch über die konkrete gestal­tung, nicht nur über das opti­sche prinzip. die hier gezeigte typo­ap­pli­ka­tion bleibt dagegen kilo­meter zurück, was natür­lich auch dem zweck “leit­system” geschuldet ist.

    und als park­haus leit”system” finde ichs ehrlich gesagt auch ziem­lich bescheuert, aus den bereits genannten gründen.

    unterm strich von mir also leider keine begeis­te­rungs­punkte. weder inhalt­lich gut ausge­sucht noch formal beein­dru­ckend umge­setzt.

  17. erik

    Trompe l’oeils

    Der toten­schädel bei Holbein ist kein solcher „augen­täu­scher�?, sondern eine anamor­pho­ti­sche verzer­rung, die bewirkt, dass man den gegen­stand nur von einem blick­punkt aus „richtig�? sehen kann. Mit „Trompe l’oeils�? will man eine drei­di­men­sional wirkung darstellen auf einer fläche. Also eine tür so an die wand malen, mit schatten der zarge und allem anderen, dass man meint, sie wäre echt, anstatt nur gemalt.

    Anamorphotisch gemalt sind fast alle decken­ge­mälde, weil man ja nie ganz gerade nach oben schaut. Aber auch die pikto­gramme von radfah­rern oder die pfeile auf der fahr­bahn sind anamor­pho­tisch darge­stellt – hier in der bewe­gungs­rich­tung verlän­gert –, damit sie beim schnellen darüber­fahren richtig aussehen.

    Holbein wollte mit seinem toten­schädel natür­lich eine symbo­li­sche aussage treffen (alles ist vergäng­lich), aber auch ein wenig angeben mit seinen perspek­ti­vi­schen fähig­keiten als maler.

  18. formschub

    Danke für die Klarstellung, Erik. Ich dachte, solche Anamorphosen wären eine Unterart der Trompe l’oeils, das sie ja – z.B. bei 3D-Pflastermalerei – durchaus auch das Auge täuschen und Türen, Schächte, Löcher sugge­rieren, wenn auch nur aus einer bestimmten Position.
    Und wenn Holbeins Bild nach über 470 Jahren uns im Zeitalter der Computer immer noch beein­druckt, hat er damals zu Recht ange­geben, finde ich.

  19. LeSpocky

    Wie funk­tio­nieren diese Wegweiser in der Dunkelheit?

    Welche Dunkelheit? Die Parkhäuser sind doch innen sowieso nur durch Kunstlicht beleuchtet. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht dürfte da kaum auffallen.

  20. Nina

    Ist das gerade Mode mit diesen »in den Raum proji­zierten« Schriftzügen? Jetzt hatten wir doch eben Viktoria Kirjuchina mit ihrem so gemalten Schriftzug (http://​www​.lili​.udk​-berlin​.de/​l​i​l​i​_​6​/​l​i​l​i​_​6​_​k​i​r​j​u​c​h​i​n​a​.​h​tml).
    Ich persön­lich finds als Kunstprojekt auch sinniger denn als Leitsystem für Parkhäuser … aber span­nend allemal.

  21. Axel Peemoeller

    Hallo.

    Ich finde es ja sehr inter­es­sant wie ihr euch alle mit meinem Projekt ausein­ander setzten, und es freut mich zu sehen wie sich Diskussionen hier­durch ergeben.
    Falls jemand Fragen an mich haben sollte stehe ich dem gerne Rede und Antwort.
    Lieben Gruss
    Axel

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