Online-Gesinnungstest »Brauner Peter«

Seit einigen Tagen soll jeder seine Gesinnung mit der Webseite www​.brau​ner​peter​.de testen können. Im Stimmtest kann man natio­na­lis­ti­schen, auslän­der­feind­li­chen oder anti­se­mi­ti­schen Aussagen zustimmen bzw. sie ablehnen. Im Sehtest prüft der Bürger, ob er in der Lage ist, Neonazis anhand ihrer Bekleidung oder an Symbolen zu erkennen. Der Braune Peter wurde im Jahr 2007 im Fachbereich Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universtität Weimar im Rahmen einer Diplomarbeit gestaltet, getextet und program­miert. Betreut wird die Website vom Verein Cultures Interactive.

»Rechtsextremismus ist ein Problem in der Mitte der Gesellschaft. So stimmen z. B. 40 % der Bevölkerung der Aussage zu, Deutschland sei durch die vielen Ausländer in einem gefähr­li­chen Maße über­fremdet«, erklärt Peer Wiechmann, Projektleiter von Cultures Interactive. »Es reicht aber nicht aus, Vorurteile zu bekämpfen und für ein welt­of­fenes Deutschland zu werben. Wichtig ist auch, Mitglieder rechter Jugendkulturen zu erkennen, die geben sich heut­zu­tage nämlich eher unauf­fällig. Hier hilft dann der Sehtest«. Einerseits rüste die Website gegen Vorurteile und dumpfe Parolen, ande­rer­seits proble­ma­ti­siere sie rechts­ex­treme Einstellungen.


23 Kommentare

  1. Nathanael

    Gefällt mir nicht. Die Slogans, denen man zustimmen soll oder nicht, sind zu sehr schwarz-weiß gezeichnet.
    Wenn ich nun prin­zi­piell finde, dass Frauen durchaus dazu in der Lage sind, Kinder zu erziehen (und das besser können als Männer und das bestimmt besser können als Kindererziehungsstätten), dann heißt das noch lange nicht, dass ich ein alttes­ta­ment­li­ches Familienbild habe und die Frau vom Mann unter­drückt sein muss und niemals selbst arbeiten darf.
    Und wenn ich gegen ein NPD-Verbot bin, heißt das noch lange nicht, dass ich für NPD-Mitglieder bin.
    Meines Erachtens ist dieser Test also viel zu undif­fe­ren­ziert und ich bin ganz sicher nicht, wie behauptet „auf dem rechten Weg“ und nur nicht konse­quent genug.

    Wär ich rechts und auslän­der­feind­lich, würd ich ja am Sonntag auf Koch wählen. Mach ich aber nicht.

  2. Johannes Brückner

    Ich find die Arbeit trotz undif­fe­ren­zierter Antworten sehr gut und drin­gend nötig. Meiner Meinung nach, ist der Stimmtest ja absicht­lich etwas über­zogen. Beim Sehtest waren für mich auch rechte Symbole/Codes dabei, die ich vorher nicht kannte.
    Außerdem denke ich, dass es auf jeden Fall hono­riert werden sollte, wenn sich Designer mit gesellschaftlichen/kritischen Themen ausein­an­der­setzen.
    Mit der Aussage

    Rechtsextremismus ist ein Problem in der Mitte der Gesellschaft.

    bin ich aber nicht einver­standen. Die großen Proteste und Bündnisse gegen Nazis zeigen doch, dass sie über­große Mehrheit über­haupt nicht rechts ist. Die 175000 gesam­melten Unterschriften für ein NPD Verbot sind auch nicht ohne.
    @Nathanael: Warum sollten Frauen besser Kinder erziehen können als Männer?

  3. Sebastian Nagel

    Ist xeno­phob gleich nationalistisch/rechtsradikal?
    Ist tradi­tio­nell gleich nationalistisch/rechtsradikal?

    Selbst wenn ich selbst im links­li­be­ralen Eck stehe: die Seite ist mir dann doch etwas zu platt. Es ist nicht alles rechts was rechts von links steht.

  4. Harki

    Das Ganze ist natür­lich selbst­re­fe­ren­zi­eller Unfug.

    Wie hat man sich jemanden vorzu­stellen, der so einen Fragebogen ernst­haft ausfüllt, also nicht nur, um ihn zu kriti­sieren oder um fest­stellen zu können, daß solche Sites „drin­gend nötig“ seien? Als einen Neonazi? Oder als einen, der unbe­dingt erfahren möchte, daß er einer ist, obwohl er das bis dato nicht gewußt hat? Da werden dann frei­lich die Beschimpfungen bei falschen Antworten weiter­helfen…

    Die „Aussagen“ sind so unsäg­lich primitiv formu­liert, daß sogleich klar wird: Hier geht’s um gegen­sei­tiges Schulterklopfen der Anständigen. Und dann die Sprache! Furchtbar. Gequält witzig, immer wieder ins Obszöne abglei­tend.

    Bezeichnend auch, daß ganz zentrale Elemente des Weltbildes der NPDist über­haupt nicht vorkommen: Antiamerikanismus, „Kapitalismuskritik“, als Israelkritik maskierter Antisemitismus, Querfront-Gedanken. Klar, das sind hat Schnittmengen zum Linksextremismus, und da möchte man sich’s besser mit niemandem verscherzen.

    Wie üblich bei solchen Sites ist ihr Anliegen nicht, etwas gegen den Rechtsextremismus zu tun, sondern Staatsknete für weitere „Projekte“ zu akqui­rieren – also von ihrer eigenen Wichtigkeit zu über­zeugen. Die Frage mit den Müttern wurde in diesem Sinne einge­baut, weil der betreu­ende Verein („Cultures Interactive“) von Karnickel-Ursels Erziehungs-Verstaatlichungs-Ministerium ausge­halten wird.

    Gebe nun die rest­li­chen Codes ein, soweit möglich:

    ^^

  5. Daniel

    Was soll denn dieser Schwachsinn bewirken? Hat nicht Johannes B. Kerner schon mit einem Satz erle­digt, was diese dumpfe Webseite vermit­telt. Ist es jetzt korrekt, dass man die Hetz umkehrt?
    Ich als Jude stimme in Hinsicht auf Israelische Politik dem Statement »Juden arbeiten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks, um zu errei­chen, was sie wollen« zu, aber nicht dass es etwas gene­tisch in jedem Jude vorhan­denes ist.
    Und so funk­tio­niert wohl auch diese Seite, wenn man nicht, in guter alberner RTL manier sagt »Die Deutschen sind solche Vorgartennazis« ist man sofort selber der übelste Stiefelnazi.
    SO etwas treibt man den Rechtsextremismus nur an. Stoppen kann man ihn nur mit gezieltem persi­flieren, wenn sich alle ein Springerstiefel anziehen und mit dem Hitlergruss durch die Stadt marschieren. So wird er entwertet.

    Bis dahin lassen sich solche unnö­tigen Vereine wie dieser CULTURES INTERACTIVE durch RTL und ihre Eva Hermann und DJ Tomekk Schreckgespenster ihre Kunden in die poli­tisch korekkten Arme treiben.

    Nazis raus!

  6. Daniel

    Achja, ich wurde als Tapferer Teutone bewertet. Wobei diese Faschos wohl noch nie geschaut haben, wer die Teutonen über­haupt waren. Das haben sie immerhin schon mit dem System Blocher gemein, der die Deutschen in der Deutsch-Schweiz auch gerne als Teutonen bezeichnet.

    So schließt sich wohl der Kreis, die Rechten gehen hand in hand gegen die Globalisierung und dieser korekkte Verein geht Hand in Hand mit den Schweiznationalen gegen ausge­stor­bene Völker des Nordens.
    Eine durchweg lohnender Feldzug, oder etwa nicht?

  7. Daniel

    So schließt sich wohl der Kreis, die Rechten gehen hand in hand mit den Linken […]

  8. Nathanael

    @Johannes: Falsch ausge­drückt. Ich halte bei der Kindererziehung Vater und Mutter für wichtig, aber die Mutter ist für das Kleinkind unent­behr­li­cher.

  9. alican

    Ein frei denkender Mensch stellt sich nicht an eine Entweder-Oder, Links-Rechts oder andere flachär­schige Position. Die Welt ist etwas komplexer geworden, um sie einfach mit Positionsangaben zu unter­teilen.

  10. poms

    Das Wort »dumpf« beschreibt die Plattitüden gut. Hätte inter­es­sant sein können, wenn etwas ausge­feilter nach­ge­dacht worden wäre, aber so …

    BTW
    Der »Ich wache«-Schäferhund mit der Peignot darunter ist aber nett, hehe

  11. nils

    Der allseits gepre­digte und staat­lich verord­nete Antifaschismus der DDR funk­tio­nierte übri­gens genauso.

    Ach, wäre die Welt nur so einfach!

  12. der macher

    Der Braune Peter ist auf meinem Mist gewachsen, und ich freue mich über die hier geäu­ßerte Kritik. Ein paar Dinge zur Entstehung der Website vorab, weil hier unter­stellt wurde, die Website oder der Verein Cultures Interactive würden versu­chen, „Staatsknete für weitere Projekte�? zu erschei­schen.

    Das ist nicht der Fall, vom Verein C-I wusste ich noch nichts, als die Arbeit beendet war. Ich war nach meinem Diplom auf der Suche nach einem Träger, und so ergab sich diese Symbiose. Der Verein hat inhalt­lich nichts verän­dert, inso­fern ist Unterstellung, die „Frage mit den Müttern“ sei einge­baut worden, um dem Familienministerium zu gefallen, unbe­gründet.

    Motivation war und ist in der Tat, etwas gegen Rechtsextremismus zu tun. Und dass rechts­ex­treme Versatzstücke in der sog. Mitte der Gesellschaft ange­kommen sind, belegen nicht nur diverse Studien, dazu muss ich nur mal genau hinhören (und ich zähle mich zur sog. Mitte).

    Dass die Aussagen mancher Testperson platt erscheinen, ist völlig klar. Aber der Test ist vor Allem an dieje­nigen gerichtet, die diese Aussagen bejahen. Und denen mag das gar nicht so platt vorkommen, was dort steht.

    Ich kann die Kritik also gut nach­voll­ziehen, schließ­lich wird die Zielgruppe nicht klar benannt. Die Frage ist, ob die Seite ihre Ziele erreicht: Den sog. „Gutmenschen“ infor­mieren und gegen Vorurteile wappnen, und den braven Bürger, der sich seiner z. B. natio­na­lis­ti­schen, auslän­der­feind­li­chen Meinung nicht bewusst ist, zum Nachdenken bewegen (Stimmtest) sowie den Blick nach rechts zu schärfen (Sehtest).

    Diese Website kommt nicht mit dem erho­benen Zeigefinger daher, wie sonst üblich. Dieses Projekt ist ein Experiment – zumin­dest weiß ich nichts von ähnli­chen Versuchen, eine breite Masse mit einem Selbsttest zu diesem Thema zu errei­chen. Es ist ein anderer Weg als der übliche pädago­gi­sche – ob’s funk­tio­nert, wird sich hoffent­lich zeigen.

  13. Jui Jürgen

    Gute und bessere Seite zum Thema »Lifestyle, Symbole und Codes von neona­zis­ti­schen und extrem rechten Gruppen«: http://​www​.dasver​steck​spiel​.de/​B​r​o​s​c​h​u​e​r​e​.​h​tml

    Da mal durch die Broschüre klicken.

    Interessanterweise steht da glaube ich nichts über die von den Neonazis so geliebten Frakturschriften drin. Stichwort »Schrifterlass« durch Martin Bormann.

  14. Christian

    Allein schon zu glauben, dass irgend­je­mand mit (gefähr­lich) rechtem Hintergrund eine dera­tige Seite aufsucht, um sich zu testen, ist daneben. Und das Nebeneinander von plumpen, plaka­tiven Thesen für die weniger Hellen und dann aber ironisch-spöt­ti­schen Texten als „Auswertung“…

    @der macher
    Du hast entweder gelogen oder versagt.

  15. Kolhaas

    Wie pein­lich ist das denn? Aber das inte­lek­tu­elle Niveau bei den Nazi-Erkennern scheint eh nicht über die Kellertür hinaus­zu­kommen. So liest man auf cultures​-inter​ac​tive​.de über den „Projektleiter“ Wiechmann, dass er einen

    „Ruf“ nach Potsdam folgte, wo er als wissen­schaft­li­cher Mitarbeiter an der Fachhochschule in Sachen „Kulturarbeit“ Forschungen betrieb.

    Ein Ruf als wissen­schaft­li­cher Mitarbeiter, hahaha.

    Wiechmann ist übri­gens der Überzeugung,

    dass so ziem­lich jede Musik und Szene inter­es­santer ist, als die der blöden und unkrea­tiven Nazis, „denen nix heilig ist und die kultu­rell alles klauen, was nicht niet- und nagel­fest ist!

    Logisch, denn:

    In einem offenen, tole­ranten Deutschland geht’s lustig zu.
    (Pressemitteilung zum „Braunen Peter“ / pdf)

  16. Christian

    Ich finde den Test gut, dass er plakativ ist, ist ja nicht allzu schwer zu erkennen. Ich bin aller­dings von so mancher hier deut­lich gewor­denen poli­ti­schen Meinung etwas geschockt. (Juden = Israel = üble Tricks?????????; xeno­phobie = nicht rechts??????, Gesinnungstest = DDR-Antifaschismus????). Da lässt sich aber schön darüber disku­tieren.

  17. Onkel Ernst

    Die Menschheit stumpft vom Affen ab … das beweist dieser Test mal wieder!

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