Flaggenalphabet: Bunter WM-Free-Font FF Copa

mail_mit_copa

Pünktlich zum Start der FIFA WM Brasilien 2014™: FF Copa down­loaden, ein kosten­loser Multicolor-Font (.ttf, .woff) von FontFont, der die Flaggen der teil­neh­menden Nationen enthält. Moment mal: Ein Font mit mehr­far­bigen Bildzeichen? So wie die Emoji auf dem Smartphone oder in Windows 8.1? Yes, the next big thing!

Tatsächlich beschäf­tigen sich zur Zeit mehrere Entwickler fieber­haft mit dem Thema Farbschriften, darunter Google, MicrosoftTypopixoSymbolset und auch das Tech-Team von FontFont. Bis zuletzt musste man digi­talen Schriftzeichen die Farbigkeit irgendwie von außen zuführen, zum Beispiel über eine Stilvorgabe (CSS), eine OpenType-Programmierung (mit geras­terten Alternativzeichen), oder – wenn’s richtig bunt werden soll –, mittels Multi-Layer-Fonts (Ebenenschriften), wie zum Beispiel bei der Federal von Letterror und jeder Menge FontFonts (vgl: What Can Layer FontFonts Do?). ›Echte‹ Farbschriften dagegen enthalten  fix und fertig einge­färbte Pixelgrafiken (wie die Apple Emoji), oder vekto­ri­sierte Konturebenen mit inte­grierten Farbtabellen (Segoe UI Emoji, Windows 8.1).

Die ersten Versuche mit farbigen Schriftzeichen kommen aus Japan, genauer aus der mobilen Kommunikation seiner Bürger. Auf der TYPO 2002 »Information« gab uns Jan Chipchase einen ersten Einblick in die bunte Zukunft der digi­talen schrift­li­chen Mitteilungen. Er führte verschie­dene Mobiltelefone vor, auf denen es munter blinkte, darunter auch eines des größten japa­ni­schen Mobilfunkbetreibers DoCoMo. Dieses nutzte den mobilen Portaldienstes i-Mode, der www-ähnliche Seiten darstellen konnte und wegen seine Grafik bei Millionen Japanern immer beliebter wurde. Für i-Mode entwi­ckelte der Ingenieur Shigetaka Kurita Ende der 1990er Jahre (teils animierte) Bildzeichen. Und so gilt Kurita heute als der Vater der Emoji.

Jan Chipchase führt i-Mode auf der TYPO Berlin 2002 vor

Der Kommunikationsforscher Jan Chipchase auf der TYPO Berlin 2002 mit einem der ersten i-Mode-Handys, in denen Emoji zu Einsatz kamen (Foto: kass​ner​foto​.de)

Der heute erst­mals vorge­stellte Flaggenfont FF Copa wurde im FontShop-Tech-Team entwi­ckelt und versteht sich als Technologie-Demo für eine platt­form­über­grei­fende Lösung. Noch hat sich kein Standard für mehr­far­bige Fonts durch­ge­setzt, den wir uns jedoch alle wünschen. Daher ist es im Moment auch nicht möglich, mit FF Copa einen Tweet oder eine Facebook-Nachricht abzu­setzen. Aber Mails (siehe Abbildung oben) und mehr …

In der aktu­ellen Ausführung läuft FF Copa auf dem Mac mit allen Programmen, die auf die System-Textengine zurück­greifen, z. B. Word, TextEdit und auch Mail … wobei natür­lich auch der E-Mail-Empfänger den kosten­losen Font instal­lieren muss, um eine Flaggennachricht korrekt zu empfangen. Mit den Programmen, in denen FF Copa funk­tio­niert, lassen sich auch PDFs und Grafiken erstellen. Programm mit eigener Textengine (z. B. Adobe CS) können nichts mit FF Copa anfangen. Leider auch viele Browser nicht, außer Firefox, der den Webfont mit SVG-Glyphen auf allen Plattformen darstellen kann, und Internet Explorer 11 auf Windows 8.1.

ff-copa-glyph-window

Schnappschuss von der Arbeit an der brasi­lia­ni­schen Flagge in Robofont, mit dem Plugin RoboChrome

Um FF Copa zu bauen haben die FontFont-Techniker zunächst das Format der Apple-Farbfonts entschlüs­selt. Anschließend hat Jens Kutilek das RoboFont-Plugin RoboChrome geschrieben, das demnächst als OpenSource erscheinen soll. Bei der Entwicklung des Fonts wirkte die FontFont-Praktikantin Inga Plönnigs mit, die das Reinzeichnen der Flaggen und die Programmierung der Farbebenen über­nahm.

Das Downloadpaket von FF Copa umfasst einen Web-Font (.woff) und zwei TrueType-Fonts (.ttf-Standard und .ttf-Mac-opti­miert), sowie EULAs und die unten abge­bil­dete HTML-Datei.

flagge_html

Der FF Copa-Webfont im Einsatz (Firefox); diese html-Site gehört zum Download-Paket

Zumindest für das Anreichern von Tweets mit Flaggen bietet Twitter eine (proprie­täre) Lösung an, die zumin­dest in den eigenen Clients funk­tio­niert. Während der Fußball-WM hängen die Server des Unternehmens an jeden amtli­chen Nationen-Hashtag eine Flagge dran. Das sieht dann so aus:

Twitter schaltet zur WM, wie vor 4 Jahren, wieder seine Hashflags ein (Achtung Tippfehler: statt #IRN hatte ich #IRA geschrieben, und deshalb lieferte Twitter auch keine Flagge dazu)

Hier noch eine Großdarstellung der FF Copa-Flaggen, wie sie sich im Font-Verwaltungsprogramm Fontcase (Mac) darstellen:

FontFont_copa_aussch

Und ganz zum Schluss, passend zur FF Copa und zur WM: »Ich habe eine Fahne«, Deichkind feat. Das Bo:


6 Kommentare

  1. Wäre

    nur noch inter­es­sant zu wissen, in welchen Ordner man die Fonts zu legen habe, sodass sie auch funk­tio­nieren. Das sollte man eigent­lich immer dazu schreiben, gibt schließ­lich nicht nur eine Möglichkeit.

    Macintosh HD_Benutzer_Home_Library_Fonts
    Macintosh HD_Library_Application Support_Apple_Fonts_iWork
    Macintosh HD_Library_Fonts
    Macintosh HD_Library_Fonts_Microsoft

    etc.

    Diese oben beschrie­benen Pfade haben alle nicht genützt. Was ist das Problem?

  2. Jürgen Siebert

    Das Problem ist viel­leicht, dass du zuviel über die mögli­chen Orte für Fonts unter MAC OS X weißt ;-)
    Ich mache einfach das, was Apple vorgibt: Doppelklick auf die Fontdatei (FFCopa-Mac.ttf), Schriftsammlung öffnet sich, den Button »Installieren« ankli­cken. Fertig.

  3. Bertrand Gachot

    http://​www​.font​shop​.com/​f​o​n​t​s​/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​l​a​t​i​n​o​t​y​p​e​/​n​e​w​s​l​a​b​_​t​h​i​n​_​ot/ – Hier gibt es einen Fehler beim „S“!

    Wenn man einfach doppel­klickt, landen die Fonts ja auch am Ende des Pfades „Macintosh HD_Benutzer_Home_Library_Fonts“. Nur eben alle ohne Ordnung, weswegen ich die Fonts verschie­dener Hersteller auch an dieser Stelle in Ordnern sammle. Sie funk­tio­nieren trotzdem.

    Aber der Ordner „ff-copa“ funk­tio­niert eben nicht. Auch nicht mit der von Apple vorge­schla­genen Methode. Die Glyphen der Datei „FFCopa-Mac.ttf“ werden in der Schriftsammlung von Apple auch gar nicht ange­zeigt, die der „FFCopa.ttf“ zwar sche­men­haft in schwarz-weiß, aber auch sie funk­tio­nieren nicht in Word. In der CS von Adobe sowieso nicht, aber das haben Sie im Text oben ja auch ange­geben.

  4. Jürgen Siebert

    Schwupp, klappt, mit der von Apple empfoh­lenen Methode:

    schriftsammlung

  5. Bei

    mir leider nicht. Keine der Methoden. Werde es einmal am iMac versu­chen. Aber das Programm ist ja auch dort dasselbe wie am MacBook Pro. Beide auf OS X 10.6.8 Snow Leopard. Aber: danke für die Antwort!

    Am 10.8.5er-System könnte ich’s auch mal probieren, moderner zu sein, habe ich mich noch nicht getraut. Gibt ja komi­scher­weise so viele Probleme auch mit Apple; man mag es nicht glauben!

  6. So, bin zurück,

    um zu bestä­tigen, dass es auf OS X Mountain Lion funk­tio­niert, auf Snow Leopard leider nicht.

    Leider, weil alle 17″igen und 27″igen Bildschirme bei mir eben noch auf SL sind und nur das 15″ige MacBook Pro auf ML. Fazit: Auf diesem Gerät arbeite ich kaum, weil ich Kleinformate hasse. Aber auch Apple lebt eben nur von Gewinnmaximierung. Fazit: Es wird kein Apple-Lapptop mehr geben. Da steigt man gerne um. Ach, wie günstig die Zukunft wird.

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