FF Mister K. Station 2014: OpenType Webfont

Seit Kafka sie schrieb und seit ihrer Veröffentlichung als FontFont im Dezember 2008, reist die FF Mister K Familie der finni­schen Schriftgestalterin und Philologin Julia Sysmäläinen umher

Ihr Ursprung: Die Prager Tagebücher des Schriftstellers Franz Kafka (1883–1924) ab 1914. Als die Nationalsozialisten 1939 in Prag einmar­schieren, rettet Max Brod Kafkas lite­ra­ri­sche Aufzeichnungen und mit ihnen Kafkas Handschrift, Station:  Tel Aviv. 55 Jahre später werden Kafkas Tage- und Notizbücher, ihrem Format nach auch Quarthefte genannt, in Frankfurt erst­mals digi­ta­li­siert. 2004 beginnt eine neue Digitalisierung, 2007 die Umwandlung in in Outlines, Station: Berlin. 2010 reist FF Mister K. mit der Ausstellung Travelling Letters nach Lahti, Finnland.FF-Mister-K-Web-OT-Feat-Screen_DEEndlich auf dem Bildschirm wie im Druck verfügbar: FontFont veröf­fent­licht die FF Mister K. Familie von Julia Sysmäläinen als Webfont mit umfang­rei­chen OpenType-Features

Formal gehört FF Mister K. zur Gruppe der Schreibschriften oder Script-Fonts. Wie Kafkas Handschrift kenn­zeichnet Sysmäläinens Mister K. die eigen­stän­dige und viel­fäl­tige, aber gleich­zeitig gut lesbare Formensprache. Der Name Mister K. nimmt die Namen der Hauptfiguren der Romane Der Prozess und Das Schloß auf.

Die aktu­elle Station auf der Reise von Mister K. ist das Web. Erst seit Kurzem ist es möglich Script-Fonts mit komplexen OpenType-Features auch als Webfont einzu­setzen. Alle Browser (ausser Safari) unter­stützen jetzt zum Beispiel Contextual Alternates, wie den Einsatz des „langen S“. Die OpenType Features von FF Mister K. können auf FontShop​.com betrachtet werden.

FF Mister K. Sheep_spread

Die Originalhandschrift aus einem Quartheft von Franz Kafka und Julia Sysmäläinens digi­ta­li­sierte Form. Aus Stop Stealing Sheep, 3. Auflage (2013), Erik Spiekermann, Adobe Press.

Wie die OpenType Layout Features bei Web FontFonts aussehen und welches Kommando welches Feature akti­viert, zeigt die Web FontFont Microsite. Wie der Printer-Font, besteht auch der Webfont aus inzwi­schen sieben Mister-K.-Schriftschnitten Splendid Light, Dingbats, Splendid, Regular, Onstage, Informal, Crossout und Dingbats UI.

Während der Regular Font den Fluss einer weit­ge­hend verbun­denen Handschrift digital simu­liert weist Onstage verstärkt kalli­gra­phi­sche Züge mit über­wie­gend allein stehenden Zeichen auf. Crossout schließ­lich enthält den gesamten Zeichensatz in nach Kafkascher Manier akri­bisch durch­ge­stri­chener Form. Die Schriftschnitte werden durch Mister K Dingbats ergänzt, einem Satz von 600 Piktogrammen, in der Form dem Regular-Font ange­passt.

FF Mister K bei FScom

Direkt auf den Bildschirm kann der FF Mister K. Webfont auspro­biert werden und wandelt sich, je nach geschrie­benem Zeichen in den passenden Anschlussbuchstaben um

Die FF Mister K. OpenType Features ermög­li­chen viel­fäl­tige kontext­be­zo­gene Substitutionen und hauchen dem Zeichenfluss varia­ti­ons­rei­ches Leben ein, indem im Wort- und Satzbild Formwiederholungen vermieden werden. Diese Features sorgen für authen­ti­sches Handschrift-Verhalten:

Standard Ligatures: Substituieren Zeichenfolgen durch zwei, drei oder vier Zeichen verbin­dende Ligaturen und erzeugen verbun­dene Worteinheiten mittels alter­na­tiver Zeichen für hohe, mitt­lere und tiefe Verbindungen

Contextual Alternates: sorgen für Unterstreich- und Durchstreichoptionen, sowie deko­ra­tive Endformen

Stylistic Sets: gene­rieren verein­fachte, nicht verbun­dene Zeichensätze für Abkürzungen, Akronyme und Formeln

Discretionary Ligatures: ersetzen Wörter mit zuge­ord­neten Piktogrammen.

Für FF Mister K. empfing Julia Sysmäläinen ein Certificate of Excellence in Type Design bei der inter­na­tional Modern Cyrillic 09 Competition in Moskau und einen Premier Award der International Society of TypoGrafikdesign Competition in London.


13 Kommentare

  1. K.

    Es gibt Streit unter meinen 600 Dingbats, weil nur 250 von ihnen erwähnt wurden. Bitte auch noch die anderen 350 erwähnen.

    http://​ffmis​terk​.com/​t​y​p​e​f​a​c​e​/​d​i​n​g​b​a​t​s​.​php

  2. Sabine Gruppe

    Beleidigte Dingbats, ganz schlecht. Ist korri­giert.

    • hundekosmos

      Hallo Sabine Gruppe,

      ich wußte gar nicht, dass Sie jetzt font­blog (redak­tio­nell, öffent­lich) betreuen?
      Ich bin einige Blog-Einträge zurück gegangen um zu schauen, ob es eine Art Vorstellung zu Ihrer Person gibt. Bisher war ich Herrn Siebert als Beitragsgeber zu diesem Blog gewohnt. Vielleicht habe ich auch was über­sehen?

      Grüße

    • Kurt

      Kosmopolitisch gesehen ist das Blog wenigs­tens in keinem Fall auf den Hund gekommen: sind beide gute Schreiberlinge.

  3. Humberto

    Spannend. Muss ich mal direkt auspro­bieren.

  4. Johannes

    Klasse, ist ’ne Webseite gleich Literatur, hat ja Kafka geschrieben!
    Nee, ehrlich, ich habe den Sinn von Handschriften anderer Leute auf dem Computer noch nie verstanden.
    Wenn man Kafkas Handschrift wirk­lich kennen lernen möchte, benö­tigt man schon die Ausgabe aus dem Stroemfeld Verlag, nicht nur eine einzelne Seite (wie oben gezeigt). Oder wenigs­tens das entspre­chende Marbacher Magazin.

  5. Sabine Gruppe

    @ Hundekosmos: Du müss­test etwas weiter zurück­blät­tern: Juni 2011, Blogverstärkung bei FontShop.

    @ Kurt: Danke sehr :)

    • Sehr geehrte

      Frau Gruppe,

      können Sie uns viel­leicht sagen, ob das Kerning bezüg­lich der Anführungszeichen der Ropa Soft schon verbes­sert worden ist, oder zahlt es sich nicht aus, erneut herunter zu laden?

  6. Kurt

    Früher hat es mir immer gefallen, wenn ein Kommentarbereich die Postings der Kommentatoren unter den Hauptartikeln ange­zeigt hat. Ob das verfehlter Stolz gewesen sein mag, die eigenen Texte dort zu sehen?

    Nun ändert man sich mit zuneh­mendem Alter offen­sicht­lich und ich sehe dies als Verunstaltung der Hauptartikel, was mich auf die Idee bringt vorzu­schlagen, dass man nur noch den Artikel sieht, dann eine optisch gut gestal­tete Trennung mit dem Hinweis „zu den Kommentaren“ darauf, sodass diese mit einem einfa­chen Klick sofort aufge­rollt werden, wobei auch bei einge­klapptem Bereich das Kommentieren-Feld unter der opti­schen Trennung schön zu sehen ist. Na, wär das ’ne gute Idee?

    Ganz nach dem Motto: Haltet mir die Artikel rein! Und natür­lich dadurch über­sicht­li­cher: Artikel, dann viel­leicht ein gelber Streifen (Balken) über die Indexbreite mit dem Hinweis „Kommentare“ oder „Zu den Kommentaren“ nach dem Vorbild (gestal­te­risch, nur eben breiter!) des Feldes »Kommentar absenden«, und schließ­lich das übliche Eingabefeld, welches schließ­lich keine Verunstaltung darstellt.

    • Kurt

      Aha! Ja, auch so könnte der Text gestaltet bleiben: 12 Kommentare; nur eben grafisch sauber abge­trennt.

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