Die hohe Kunst des SPIEGEL-Titels

SPIEGEL 7/2007

Kein anderes deut­sches Magazin beherrscht die Kunst der Titelgestaltung so bril­lant wie der SPIEGEL. »Das Titelbild ist die wöchent­lich aktu­elle Visitkarte des ›SPIEGEL‹«, so formu­liert Chefredakteur Stefan Aust den Anspruch der ersten Seite. Sie wird norma­ler­weise als Gebrauchsgrafik rezi­piert und verschwindet nach einer Woche von der Bildfläche. Ist sie gelungen, bleibt sie lange im Gedächtnis haften.

Zur hohen Qualität der SPIEGEL-Titel gehört die vorzüg­liche Typografie. Das aktu­elle Heft widmet sich dem Thema »Verheizte Energie«, der Verschwendung, von Öl, Diesel und Benzin in Deutschland. Welche Schrift würde sich da eher anbieten, als die des Leitsystems eines Flughafens, eine Schrift, die für Reisende gemacht wurde, für das Lesen aus der schnellen, ener­gie­ver­zeh­renden Bewegung: FF Info, Display von Erik Spiekermann …


12 Kommentare

  1. Markus Wulftange

    Immer diese subtilen Botschaften.

  2. Jürgen

    Ich freue mich (1) über gute Qualität und (2) natür­lich auch darüber, wenn FontFonts bril­lant einge­setzt werden. Seit 1991 darf ich als FontFont-Typeboard-Mitglied an der Entwicklung dieser Schriftenbibliothek mitwirken.

  3. Marco Witte

    Herausragend wäre der Titel geworden, hätte der Spiegel nur die Fotomontage und die Headline »Verheizte Energie« einge­setzt. Wozu die zusätz­li­chen Textteile? Ich würde sogar soweit gehen, dass nur die bren­nende Glühbirne die Aussage ausrei­chend trans­por­tiert.

  4. Jürgen

    Ich kann mich an keinen Spiegel-Titel erin­nern, der komplett ohne Worte auftrat. Hielte ich auch für etwas über­zogen … der Titel muss verkaufen, in der aktu­ellen Ausgabe zum Beispiel eine Serie.

  5. Marco Witte

    »Ich kann mich an keinen Spiegel-Titel erin­nern, der komplett ohne Worte auftrat. Hielte ich auch für etwas über­zogen …«

    Da hast du recht, für eine Wochenzeitschrift wie den Spiegel wäre sicher zu gewagt. Aber dem Titel wäre trotzdem mehr in seiner gestal­te­ri­schen Qualität geholfen, hätte die Titelredaktion die merk­wür­dige Unterzeile wegge­lassen. Die ist leider nicht von einer *vorzüg­li­chen Typografie*. Ich verstehen nicht wie ein an sich sehr gute Idee drei mal erklärt werden muss.

  6. Simone

    Ich finde das super recher­chiert von Dir, Jürgen – Danke. Wer macht sich denn sonst die Mühe? Und die fundierten Hintergrund-Infos machen das Bild komplett. So muss ein Sonntag sein (abge­sehnvon lange ausschlafen und Zeit zum Kochen, Essen und Freunde treffen und so…)

  7. typolover

    Ich würde aber bei den deut­schen Magazinen in Sachen Aussagekraft und Originalität des Titels die „brand eins“ dem Spiegel noch vorziehen… was dessen Qualität aber nicht mindern soll. Die Cover sind fast immer extrem gelungen. Ich erin­nere mich noch an den Ägypten-Titel vor ein paar Wochen an dessen Headline-Schrift ich mich die ganze Woche lang erfreute.

  8. Jürgen

    brand eins ist groß­artig: monat­liche Lektüre im FontShop. Im Vergleich zum Spiegel ist es (noch) egozen­tri­scher (was ich als Stärke empfinde und letzt­lich für Qualität und Überleben sorgt). Die Titel des Spiegel sind gesell­schaft­lich rele­vanter und inter­na­tio­naler.

  9. Heinrich

    wie die subline »DAS MEGA-KRAFTWERK ZU HAUSE: SPAREN« da posi­tio­niert ist würde ich ich nicht von einer »vorzüg­li­chen Typografie« reden.

  10. Alex

    Ja das ist wirk­lich eine nette Visualisierung.

    @ Jürgen: Das Argument der guten Schriftwahl finde ich übri­gens sehr inter­es­sant. Man könnte umge­kehrt auch sagen: „Die FF Info ist sehr ener­gie­spa­rend zu lesen, denn Sie wurde dazu konzi­piert, um am Flughafen usw…“

    Somit würde Sie also über­haupt nicht zum Kontext passen.^^
    Oder will einen starken Kontrast setzen.
    Es liegt wie immer alles in der Macht des Sprechers.

  11. Alexander Hahn

    Hm, die Unterzeile ist echt daneben, ansonsten stimme ich voll und ganz zu, das die Titel immer wunderbar sind!

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