Bücher frisch ausgepackt (6): »Atlas der abgelegenen Inseln«

Atlas_der_abgelegenen_InselnJudith Schalansky hat wieder ein Buch gemacht. Wir erin­nern uns: Fraktur  mon Amour begleitet seit 2006 das Revival der gebro­chenen Schriften (Fontblog berich­tete: »… das ist Typo-Sex, was Du hier machst«). Seit über einem Jahr widmet sich Schalansky einem ganz anderen Thema, nämlich »Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde«.

Dass es noch Orte gibt, die schwer zu errei­chen sind, erscheint uns heute kaum vorstellbar. Doch Judith hat sie gesam­melt: 50 entle­gene Inseln in den Ozeanen der Welt. Aus histo­ri­schen Begebenheiten und Berichten spinnt sie zu jeder Insel eine Prosaminiatur, absurd-abgrün­dige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszu­denken vermag, wenn sie mit wenigen Quadratkilometern im Nirgendwo auskommen muss. Sie handeln von seltenen Tieren und selt­samen Menschen, von gestran­deten Sklaven, einsamen Naturforschern, Entdeckern, Sträflingen, meuternden Matrosen und einsamen Leuchtturmwärtern.

doppel_osterinsel

Und selbst­ver­ständ­lich hat es sich die Autorin und Designerin nicht nehmen lassen, das Buch als (typo)grafischen Augenweide zu insze­nieren. Kunstvoll illus­triert und durch­ge­hend in fünf Sonderfarben gedruckt, zeigt er nach Ozeanen geordnet alle Inseln im jeweils iden­ti­schen Maßstab illus­triert. Verwendete Schrift: MVB Sirenne. Eine wunder­bare Mixtur aus Lesebuch, Atlas und Wunschzettel.
Hinweis in eigener Sache: Den »Atlas der abge­le­genen Inseln« gibt es nicht im FontShop.

Weitere Informationen: Die Webseite zum Buch … und eine Leseprobe (PDF, 1.1 MB).


19 Kommentare

  1. Christian Thomas

    Wunderbar – Gratulation!

  2. Rainer

    Sieht gelungen aus, Gratulation. Frage zur MVB Sirenne: Sind die Nullen in den OSF-Version bewusst so dünn ange­legt? Sieht für mich nicht ausge­wogen aus, eher wie ein Fehler. (Vgl. das Impressum, S. 7 in der PDF-Vorschaudatei)

  3. Pascal

    Schönes Buch! Geile Idee!

  4. stefano picco

    Da sind bestimmt auch einige, noch exis­tente, Steuerparadiese bei :P

    Die Gestaltung der Doppelseite sieht sehr schön aus.

  5. thomas junold

    wunderbar diese frei­heit in der gestal­tung haben zu dürfen. :)

  6. Jürgen Siebert

    Sind die Nullen in den OSF-Version bewusst so dünn ange­legt?

    Die geome­tri­sche, kreis­runde Null stammt aus der Renaissance und ist kein Fehler. Sie sollte sich klar vom gemeinen o unter­scheiden und das »Nichts« deut­lich machen. Du findest sie unter anderem auch in den folgenden Schriften: Adobe Garamond, FF Celeste, FF Seria (mit Kontrast), Arlt, Kennerley, u. a.

  7. Hartwig

    Ich habe mir dass Buch vor einigen Tagen gekauft. Hervorragend!

  8. Simon Wehr

    Seit fast über einem Jahr …

    Das ist ja dann also quasi so unge­fähr etwas in der Art wie ein Jahr, oder?

    Das Buch ist schön gemacht. Gedruckt ists übri­gens in Mainz bei der Universitätsdruckerei, wie die Schmidt-Bücher.

  9. robertmichael

    mich persön­lich würde mal inter­es­sieren, wie gestaltet man solche illus­tra­tionen wie die der inseln?

  10. timeout

    Mich würde eher der prak­ti­sche Nutzen des Buches inter­es­sieren. Wo gibt es ein ganz­jährig ange­nehmes Klima, genü­gend Süßwasser und welche Früchte und Pflanzen wachsen dort? Und gibt es genü­gend Holz und Lehm für den Bau von Hütten und Booten? Mit welchen Schwierigkeiten muss man rechnen? Vulkane, Erdbeben, Haie, Giftschlangen, Echsen und frem­den­feind­liche Eingeborene.

  11. Sebastian Nagel

    gekauft …
    Mal sehen ob die Diomedes-Inseln* mit dabei sind (der Punkt wird auf der Webseite leider halb verdeckt).

    http://​en​.wiki​pedia​.org/​w​i​k​i​/​D​i​o​m​e​d​e​_​I​s​l​a​nds
    (vor allem das vierte Bild finde ich sehr toll :)

  12. Anja Leidel

    Nach dem Zeit-Magazin-Artikel musste ich das Buch sofort kaufen. Schick! Spannend! Auch ich wünschte mir diese Freiheit in Gestaltungsprojekten. Tja, Schmidt-Verlag, sei Dank.

  13. Sebastian Nagel

    Mare Verlag (sorry fürs Besser-Wissen)

  14. Jürgen Siebert

    Seit fast über einem Jahr …

    @Simon Wehr: Du weißt doch, wie das ist, Simon, wenn man sich selbst redi­gieren muss (weil es im Digitalzeitalter keine Schlussredaktion mehr gibt). Erst stand da »Seit fast 2 Jahren …«, ein Zeitraum, den ich nach dem Lesen von Judiths Biografie verkürzen musste, wobei ich vergaß, das »fast« zu löschen. Das mache ich jetzt nach­träg­lich …

  15. Jürgen Siebert

    @ Sebastian Nagel: Das Stichwort Diomedes habe ich (leider) nicht im Stichwortregister gefunden.

  16. Simon Wehr

    @ Jürgen: Oooch, ich fands ganz char­mant ;-)

  17. Paul

    Das Layout finde ich optisch gelungen. Es macht einen stim­migen gerad­li­nigen Eindruck der den Inhalt unter­malt.

  18. Sebastian Nagel

    So, es ist ange­kommen. Was soll man sagen: selten so schön sinnlos 35 Euro inves­tiert :)

    Wunderbare Haptik, schlichte, konse­quente und trotzdem liebe­volle Gestaltung ohne Schnickschnack, ein gelun­gener Begleittext, der das „warum“ nach­voll­ziehbar macht, und eine feine Sammlung an Inseln, auf denen ich niemals sein werde.

    Meine Nachkommen werden sich wundern, wenn sie das Buch irgend­wann im Keller finden werden.

  19. Karin

    Ein zauber­haftes, sehr phan­ta­sie­volles Büchlein und auch mit
    sorg­fältig recher­chierter Datensammlung. Geschmackvolle
    Farbwahl, feines Layout und dies Judith vor allem, aber sicher auch
    dem Herman Schmidt – Verlag zuzu­ordnen ist. Wie sollte das nicht
    erfolg­reich sein, nach dem Renner *“Fraktur mon Amour“.
    Auf diesen Titel *habe ich eine Homage gestaltet in meiner Profession.
    Hängt jetzt in einem einzig­ar­tigen, neuen Papier- u. Buchkunst-
    Museum in einem Nicht-EU -Land.

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