Berlin-Plakatwettbewerb Code: Die 3 Sieger

Die 3 Sieger bei Code 2009

Auf dem ersten gemein­samen Sommerfest von Create Berlin und dem Internationalen Design Zentrum IDZ, das gerade in den Hallen des Bauhaus-Archivs/Museum für Gestaltung statt­findet, wurden soeben die 3 Sieger des Code-Plakatwettbewerbs bekannt gegeben (siehe unten) – aus 567 Beiträgen und 20 Nominierungen.

Was bisher dahin geschah, beim größten Plakatwettbewerb Berlins, ist in diesen drei Beiträgen aus dem Fontblog-Archiv nach­zu­lesen:
Der Code-Plakatwettbewerb ist gestartet | Code Plakatwettbewerb … Restart| 1000 × Berlin: die Code-Plakate hängen

Die 3 Siegerarbeiten und die Begründungen der Jury

Platz 3: Ett la Benn/Moritz Grund »Tempelhof«

Die Meinung der Jury zu »Tempelhof«: »Im Wettbewerb ging es um das Aufspüren von Codes, die der Stadt Berlin zu Grunde liegen, die Sie beschreiben. Flughäfen sind welt­weit häufig ein Wahrzeichen für Städte. Aus der Historie heraus oder aufgrund der schieren Größe. Auch der einst größte Verkehrsflughafen der Welt, Berlin-Tempelhof, ist in vielerlei Hinsicht ein großes Symbol für die Stadt Berlin.
Sehr präsent in den Köpfen aller Berliner Bürger seit seiner zuletzt voll­zo­genen und bis zum Ende sehr umstrit­tenen Schließung. Bis heute ist nicht endgültig über eine Nachnutzung aller zur Verfügung stehenden Flächen entschieden worden. Auch die Designer von ett la Benn, Danilo Dürer und Oliver Bischoff sowie Moritz Grund, waren an einem Wettbewerb betei­ligt. Dabei hatten Sie die groß­ar­tige Chance, kurz vor der Schließung noch dieses einma­lige Foto zu machen. Den Künstlern gelingt es, in einem einzigen Bild einen Blick auf die Vergangenheit und die Zukunft dieser Stadt zu werfen. Die Kraft, die ein einziges Foto dabei entwi­ckeln kann, ist enorm. Die Vergänglichkeit eines bedeut­samen Infrastruktursymbols, die Berücksichtigung der unter­schied­li­chen Wetterstimmungen und letzt­lich die nicht weiter ausge­führte, sondern für sich selbst spre­chende Codierung/De-Codierung mit Hilfe der bereits vorhan­denen Rollbahnmarkierungen ist bemer­kens­wert. Die Jury hatte keine Schwierigkeiten, dieser Fotoarbeit den ihr gebüh­renden dritten Platz im Plakatwettbewerb zu geben.“

Platz 2: Sara o’Dea »DNA«
codemeta_platz02

Die Meinung der Jury zu »DNA«: »Dieses Motiv hat das Thema Code getroffen und auf wunder­bare Weise visua­li­siert. Es geht um Berlin bei Nacht. Das Poster stellt den Nahverkehrsplan Berlins, die Spinne, als Sternenhimmel dar. Das ist eine phan­ta­sie­volle Interpretation, die wiederum an die Phantasie appel­liert. Was kenn­zeichnet den Berliner Nacht-Code, der über die Grenzen der Stadt geschätzt wird: dezen­tra­li­siertes Entertainment, umwelt­be­wusstes Party-Hopping, Kommunikation, Mobilität.
Es gab unter­schied­liche Meinungen in der Jury, ob das Wörtchen Berlin über­haupt dort stehe müsse. Ja, muss es, denn das Plakat soll natür­lich nicht nur für die Besitzer einer BVG-Monatskarte verständ­lich sein. Es soll und muss auch außer­halb der Stadt funk­tio­nieren. Und das auf den ersten Blick. Ein Code, der sich nicht gleich entschlüs­selt, hat beim Betrachter verloren, er wendet sich ab, ohne ihn aufzu­lösen. Dieses Plakat spielt mit dem zweiten Blick. Als erstes lese ich Berlin und denke: Aha, inter­es­sant. Eigentlich inter­es­siert mich Berlin, aber wo ist es versteckt. Der Betrachter deco­diert nun, und bald wird er die Lösung gefunden haben.«

Platz 1: Martina Wember »B_Parks«

codemeta_platz02

Die Meinung der Jury zu »B_Parks«: »Als die Berliner Illustratorin Martina Wember den Aufruf zum CODE-Wettbewerb erhielt, war sie gerade in Paris. Dort versuchte sie vergeb­lich, mit ihrem Hund im Park spazieren zu gehen, was dort, wie in vielen anderen euro­päi­schen Städten, mitt­ler­weile verboten ist. Und so stand ihr Thema relativ schnell fest – Berlin und seine Parks. Die Metropole gilt als grünes Paradies, was Martina Wember in einem Schau- und Suchbild darge­stellt hat. Handgezeichnet und kolo­riert. Eine ebenso einfache wie über­ra­schende Argumentation für Berlin. Und damit ein über­zeu­gender Sieger, den die Jury einstimmig gewählt hat.«

Die 3 Plakate – in der Wettbewerbsausstattung – als PDFs:
Martina Wember »B_Parks« (0,8 MB)
Sara o’Dea »DNA« (0,6 MB)
Ett la Benn/Moritz Grund »Tempelhof« (1,4 MB)


42 Kommentare

  1. nicht mit mir

    Erstmal Glückwunsch an die Gewinner…
    Ich war gestern abend vor Ort, und war einer der 20 nomi­nierten. Mir ist klar, dass der Plakatwettbewerb nur ein Teil des Sommerfestes war, und ich habe auch ganz bestimmt keinen EINEN Getränkebon („Sie müssen aber noch einen dazu­kaufen, für einen Bon gibt es nur das Postkartenset“) von den Veranstaltern bekommen hat, dass die Plakate (Und es waren nur 20… nicht wie beim ADC viel mehr) unglaub­lich schlecht aufge­zogen waren, war wirk­lich pein­lich!
    Die ganzen Diskussionen und Zweifel im Vorfeld dieses Wettbewerbs – alles hat sich bestä­tigt.
    Ich schäme mich vor mir selber, bei diesem Wettbewerb mitge­macht zu haben, wirk­lich.

  2. yep

    btw. platz 2 ist von meta­de­sign, einem der haupt­ak­teure bei create berlin – riecht irgendwie alles verbrannt…

  3. Jürgen Siebert

    @nicht mit mir: Warum hast du nicht mit mir, mit uns (der Jury) oder den Veranstaltern gespro­chen? Vielleicht waren die 20 nomi­nierten Plakate nicht perfekt aufge­zogen … dafür gab es die 3 Siegerplakate in Originalgröße für alle 1200 Besucher als Geschenk zum Mitnehmen. Vielleicht war das Bonsystem mäßig orga­ni­siert … was aber direkt auf die Preise umge­rechnet wurde mit mäßigen 2 € für Wein/Bier/Postkarten-Set ….
    Leider schreibst du nicht, was Dir am Wettbewerb nicht gefallen hat. Ein in deinen Augen miss­lun­genes Sommerfest kann doch nicht der Grund dafür sein, sich dafür zu schämen, mitge­macht zu haben.

  4. Jürgen Siebert

    @yep: Wenn jemand ein waches Auge für schlechte Gerüche bei Wettbewerben hat, dann ist es Fontblog. Ich war in der Jury und kann deshalb folgendes berichten:
    Die 3 Siegermotive wurden ohne Kenntnis der Urheber, also anonym, bewertet. Die anschlie­ßende Offenlegung der Identitäten und die »ethi­sche Prüfung« ergab, dass Platz 2 von einer Praktikantin namens Sara o’Dea in den Büros von MetaDesign entworfen wurde. Sara ist nicht mehr bei MetaDesign, sie ist wahr­schein­lich gar nicht mehr im Land, denn gestern erschien sie leider nicht auf der Bühne zur Preisverleihung.
    Fazit: Wunderbar, dass eine junge Praktikantin den mit 1250 € dotierten 2. Preis gewonnen hat. Wunderbar, dass MetaDesign für diesen Zweck Arbeitsplatz und Zeit zur Verfügung gestellt hat. Selbstverständlich war MetaDesign mit Beiträgen fest­an­ge­stellter Mitarbeiter nicht im Rennen.

  5. BigWhoop

    Schöne Arbeiten und ein verdienter Gewinn auch wenn man ihn eher symbo­lisch betrachten kann. Für die Stadt Berlin und CB wird es nach­hal­tiger sein als für die Designer. CB hätte einen besseren Eindruck hinter­lassen, wenn es sich von Anfang an profes­sio­neller, trans­pa­renter und achtungs­voller präsen­tiert hätte.
    @Raban: Du kannst deinen Golfplatz und deine Yacht behalten. Auf Wunsch sende ich Dir meine Birkenstocks.

  6. frank

    Es war doch klar das bei diesem city­mar­ke­ting Wettbewerb ausser den Veranstaltern keine Gewinner geben wird. Wer als Designer bei solch einem Standortwerbewettbewerb mitmacht muss sich danach nicht wundern das die Ergebnisse etwas pein­lich ausfallen. (Die Logowüste auf den Plakaten spricht für sich). Und auch frag­lich ob Berlin bei dem aktu­ellen inter­na­tio­nalen Berlinhype über­haupt so etwas braucht.

    Die 3 Gewinnerplakate sind ja nett und schön. Aber zu Tempelhof wäre ja doch mehr zu sagen als so ein roman­ti­sches verklä­rendes abstraktes Foto was offen für jegliche Interpretation ist. Und nebenbei: die Schliessung von Tempelhof war nur „umstritten“ weil es eine Kampange von der alten Kalterkriegsdiepgenlandowskiverbrecherfraktion der CDU gab – der Bürgerentscheid war ja wohl eindeutig. Wie auch der Niedergang dieser Fraktion. Interessanter jetzt ist doch viel­mehr was mit dem Gelände passiert, bzw. warum es so wenig Bürgerbeteiligung gibt. Die sozialen Folgen für Teile Neukoellns werden nicht gering sein – so wie auch schon jetzt die Mieten in den Hip-Stadtteilen über­pro­por­tional gestiegen sind. Was wiederum ein komi­sches Licht auf das Sternenhimmel-Berlin Plakat wirft: „dezen­trales party­hop­ping“? Ich sehe da nur 3-4 Stadtteile die Nachts erleutet sind. Und diese sind eben die, die grade von Touristen über­schwemmt werden und sich so zu urbanen Entertainmentparks gene­rieren. Schon klar das die Stadtvermarkter von „CreateBerlin“ diese Entwicklung als positiv ansehen. Für einen grossen Teil der Bevölkerung hat diese Entwicklung jedoch verhe­rende Folgen.

    Das Plakat mit den Parks hat mir ganz gut gefallen. Nur die Geschichte mit dem Hund ist nicht zuende erzählt. Also wie es von dem Problem dann zu dieser affi­ma­tiven Lösung gekommen ist?

    Nun ja – der „jungen Praktikantin“ („wunderbar“ pater­na­lis­tisch Jürgen) sei es gegönnt. Die kann das Geld sicher gut gebrau­chen. Erst recht nach einem Praktikum bei Metadesign (…). Für die Veranstalter – die eigent­li­chen Gewinner – war es eine billig zu habene Kampange, auf die wie leider so oft einige Designer rein­ge­fallen sind. Corporate culture marke­ting und Standortmarketing at its best. Wer seine Nase so tief drin­ste­cken hat – der wird sicher nichts riechen.

  7. hank

    haha­haha! berlin! grünes paradis!
    in eurer begrün­dung zum ersten platz meint ihr wohl münchen.

  8. verena

    @hank
    Wieso? Ist doch richtig: Die Hunde (-besitzer) lieben die Berliner Parks. Und jetzt kommt da noch ein toller zum Zukacken dazu: der Flughafen Tempelhof.

  9. schokoriegel

    Je größer die Schrift, desto weniger Bindestriche gibt es …

  10. Norman

    Tolle Arbeiten!
    Mit der Erklärung finde ich das Foto auch sehr passend. Ohne Erklärung hätte ich aber nichts davon erkannt.

    Zum Thema Parks in Berlin: Macht immer wieder Freude sich zwischen den Tretminen ein paar Zentimeter Sitzfläche zu suchen. Vor allem wenns warm ist kommt einem der Geruch als beson­ders ange­nehm vor. Und wenn man keine Zentimeter Platz findet, sitzt man immerhin weich. Hunde sind einfach eine große Bereicherung. Danke Berlin, dass du sie überall erlaubst.

    Die Illustration ist aber trotzdem nett!

  11. klaus

    bin schon entäuscht von dem wett­be­werb.
    super, man kann die ersten drei plätze mitnehmen, dafür ist der rest mieserabel aufge­zogen… was für eine begrün­dung…

    der dritte platz ist leider nicht selbst­er­klä­rend.
    visu­elle kommu­ni­ka­tion muss selbst­er­klä­rend funk­tio­nieren, vorallem ein plakat!

    kriterum war, das nach wenigen sekunden ein blei­bender eindruck ensteht. wo ist dieser eindruck, hinter den inter­pre­tierten worten über das tempelhof-drama ?

  12. markus

    Ich frage mal was ganz anderes in die Runde, etwas inhalt­li­ches.
    Mal sehen, ob es auch anderen wie mir geht?:
    Platz 2 heißt ja »DNA« und wenn man mal das PDF öffnet, dann sind die »Sterne« auch farbig. Ist das nicht etwas eigen­artig? Hat da die jury gar nicht richtig hinge­schaut oder hat sie es nicht verstanden oder bin ich es, der auf dem abend­li­chen Schlauch steht?

  13. nico

    dann ist es halt ne berlin-galaxie made from meta design.

  14. Anja

    Tut mir leid, mir ist die Platzierung nicht ersicht­lich, klingt nach altge­ba­ckener Designpolitik aus eigenen Reihen. Die Leute die direkt in irgend­einer Form zur Organisation stehen, werden nicht nur größer Aufgezogen und Präsentiert, sondern gewinnen auch noch die ersten Platzierungen. Schöner neben­ef­fekt von den bezahlten Einsendungen des „Desgin-Fuß-Volks“, das nicht direkt zur Organisation steht, ist die Werbung zu Create Berlin selbst. Vorallem kleben die selbst bezahlten Plakate irgendwo an Litfasssäulen, wo keiner sagen kann, wo die hinge­tackert worden sind, während die „coolen“ aus euren Reihen gleich die Besten präsen­ta­ti­ons­flä­chen bekommen. Solche Wettbewerbe sollten schärfer unter die Lupe genommen werden.
    Schöne Grüße.

  15. ole

    @ 12 makus
    … Abstraktion des S+U Plans.

    @ 8 verena
    … immer diese Hundebesitzervorurteilspflege.

  16. tom

    Ich finde die Aussage des ersten Preises recht dünn. Statt eines grünen Paradisses, erkenne ich eine in ein Raster gezwängte Ansammlung von grün. Zur Qualität und Vernetzung fehlt jede Aussage. Und ja grade die Vernetzungen sind ja die Qualitäten eines grünen Paradieses. Der Bezug zu der Lage in der Stadt fehlt eben­falls, da braucht man auch keinen Nordpfeil, der das ganze ja irgendwie nach einem Plan aussehen lässt.
    Meiner Ansicht nach ist der Code zu stark verschlüs­selt, außer­halb von Berlin erkennt man viel­leicht den Tiergarten. Mehr nicht.

    Aber ich bin auch kein Designer, viel­leicht sehe ich das Thema nicht abstrakt genug.

  17. verena

    Ole@
    Na Du läufst ja zum Glück auch immer mit nem Tütchen hinter Minea her, gell? Das finde ich vorbild­lich und es verdient Anerkennung.
    Zum eigent­li­chen Thema habe ich nichts zu schreiben. Ist halt so.

  18. christoph

    wie sollen gute plakate dabei raus­kommen, wenn das untere drittel bereits sehr schlecht gestaltet worden ist? indi­vi­du­elle ideen können so kaum zur geltung gebracht werden. man hätte auf die plakate nur einen kleinen hinweis machen und zusätz­liche plakate mit spon­soren und hinter­grund­infos aufhängen sollen.

  19. Christian

    Bei allem Für und Wider, dieser Wettbewerb macht mir keinen Spaß. Vom Begriff »Postercontest« schon abge­schreckt, ist mir die Zielsetzung nie klar geworden, und die Teilnahmebedingungen haben mir nicht zuge­sagt. Seltsame Nummer.

  20. Oliver Adam

    Ich hätte mich gerne vom Gegenteil über­zeugen lassen, vor allem nach der Diskussion hier, der Aufforderung von Mario #24 hier, nicht immer so negativ zu urteilen und weil ich, ohne mich anzu­bie­dern, Teile der Jury einfach wirk­lich mag.

    Dennoch finde ich die Ergebnisse nicht über­zeu­gend, schon gar nicht gran­dios:

    Der äußere Grund

    Ich finde, Norman #10 hat Recht: » Ohne Erklärung hätte ich aber nichts davon erkannt«. Ich auch nicht. Die Ideen finde ich schön, aber beim kurzen Vorbeischauen sehe ich die Plakate erst gar nicht. Und Plakate sind nun mal, Thema »Verdichtung«, keine Suchbilder. Zumal auch die starre Subline, wie man es erwarten würde, das Motiv nicht »auflöst«.

    Der wahre Grund

    Der wahre, fast schon ewige Grund für mich ist, dass hier Design wieder mal auf Kunst machen , sich vermeint­lich größer machen will, als es ist. Das geht fast immer in die Binsen. Kein Briefing, kein Ziel, keine Antwort auf die Frage, was wem verkauft werden soll. Ich fand ja schon immer, dass durch immer noch nicht voll­zo­gene Abgrenzung zur Kunst der Wert des Kommunikationsdesigns von Auftraggebern nicht richtig einge­schätzt wird (»Ruf doch mal die Künstler an«) – mit der Folge von Dumping-Honoraren und Billig-Krautsoßing. Mal ne Frage: Ihr wollt in Kunst machen; wollt Ihr auch leben wie die meisten (Hunger-) Künstler?!

    Wir hatten die ewige Kunst-Design-Debatte schon recht anspruchs­voll disku­tiert hier im Fontblog, jedoch, leider wie immer, ohne echtes Ergebnis.

    Ausblick

    Gäbe es die echte Trennung Design-Kunst, hätte es den Plakat-Contest als Designcontest nicht gegeben – als Kunstprojekt: warum nicht? Für mich ist Kommunikationsdesign ein Experten-Hilfsmittel im Dienste von Auftraggebern, denen es hilft, etwas zu verkaufen: Ideen, Produkte, Services etc. Da das der Auftraggeber selbst nicht kann, will ich 1) gut entlohnt werden, weil ich 2) beweisen kann, dass Design im Allgemeinen das Geforderte kommer­ziell leisten kann (hallo Henning, Designstudie!) und 3) ich im Speziellen als Experte für diese Aufgabe der Richtige bin.

    Was jedoch nimmt der Auftraggeber wahr? Alle sind Designer, denn alle können am Wettbewerb teil­nehmen. Alle sind Designer, denn alle können bei Jovoto und Konsorten als Designer auftreten. Nur: Was alle – angeb­lich – können, ist nix Wert …

    Daher frufe ich Euch zu: Haltet Euch (beruf­lich) von allem fern, was nach »Kunst« riecht. Konzentriert Euch auf die Wirkung von Kommunikationsdesign im Sinne Eures Auftraggebers. Versucht, diese Wirkungen empi­risch zu belegen. Ihr seid im gewissen Sinne Psychotherapeuten ähnlich, indem Ihr gezielt mit Euren Mitteln Einstellungen verän­dert oder Verhalten auslöst im Sinne Eures Auftraggebers (etwas kaufen, bestellen, beitreten, mitma­chen, wählen etc.). Bunte Bilder in Galerien oder Pseudo-Kunst-Poster im öffent­li­chen Raum gehören für mich nicht dazu …

  21. HD Schellnack.

    Oliver, wir sind ja nicht immer einer Meinung, aber: Toll.

    Wobei ich sagen muss, dass du Design auf etwas verengst, was ich als einen von drei oder vier denk­baren «design»-Bereichen denke.

    Nämlich auf ANGEWANDTES Design (im Auftrage, klare Zielgebung uswpp, siehe Argumente von Leuten wie Otl Aicher oder Erik… alles ja bekannt, Design ist keine Kunst).

    Aber ich denke es gibt zwei Bereiche, in denen Design – oder Kunst, die sich als Design verkleidet/Design, das sich als Kunst verkleidet – nicht so greifbar ist und diese Bereiche sind trotzdem DA und sie sind wichtig. Ich bezeichne die ja bekann­ter­maßen immer so:

    Design als Science Fiction.
    Design als Revolte.

    Beides exis­tiert. Beides ist mit dem ange­wandten Begriff nicht fassbar, beides ist aber auch keine Kunst, sondern so in einer (ja an sich eben auch tollen) Grauzone.

    Ich selbst gebe dir sehr weit­ge­hend recht, weil ich mich ganz klar als ange­wandter Designer sehe (die psycho­lo­gi­sche Metapher ist ja so falsch nicht – wir sind Berater). Aber es gibt eben auch einen Bereich, in dem Design eher so etwas ist wie Autorenschaft oder Musikmachen. Das muss eben auch sein dürfen – nicht zuletzt, weil hieraus gesell­schaft­liche Impulse aber auch Erneuerungskräfte für die Designszene an sich hervor­gehen. Design auf Briefbögen und Geschäftsberichte zu verdichten ist halt auch zu kurz gesprungen :-D.

  22. christoph

    »gezielt einstel­lungen zu ändern und verhalten auszu­lösen« ist als anspruch vermessen. menschen lassen sich nicht durch plakate fern­steuern, grafik­de­si­gner sind keine götter. viel­leicht über­zeugst du denje­nigen, der dein plakat anguckt, von deinem anliegen – vieleicht aber auch nicht. menschen sind gott­sei­dank komplex.

  23. Oliver Adam

    @ Christoph #22

    Du benutzt einen retho­ri­schen Trick: Du verzerrst meine Argumente ins Extreme und baust darauf Deine Antwort auf: durch­schaut ;-):

    menschen lassen sich nicht durch plakate fern­steuern

    »Fernsteuern« – das hat keiner behauptet. Dennoch dienen Plakate und sons­tige von Designern gestal­tete Kommunikationssachen zwei­fellos dazu, Einstellungen zu ändern und Verhalten auszu­lösen. Um hier nicht auszu­schweifen, Beispiele: Obamas Kampagne. Lidls Prospekte. Apollos (Brillen) Gutscheine. Sex-Hotline-Anzeigen. Alle Dialogmarketing-Kampagnen. Etc.

    grafik­de­si­gner sind keine götter

    Stimmt. Nur Götter sind Götter.

    viel­leicht über­zeugst du denje­nigen, der dein plakat anguckt, von deinem anliegen – vieleicht aber auch nicht

    Aha! Du räumst also die Möglichkeit ein. Gut! Die Aufgabe des Designers ist es nun, den Anteil der Vielleicht-Leute zu verrin­gern.

    menschen sind gott­sei­dank komplex.

    Ja. Und doch ohne irgend­einen Zweifel bein­flussbar im oben skiz­zierten Sinne.

  24. Oliver Adam

    @HD # 21

    Ich denke, das zentrale Thema ist:

    Emanzipation

    Denk mal an Psychologie. Vor 150 Jahren gab es das Fach gar nicht. Die Inhalte waren versteckt in der Medizin, der Physiologie, in der Philosophie. Und heute? Ein Spezialistenfach mit hoher Relevanz. Vollkommen eman­zi­piert. Und entgegen der land­läu­figen Meinung befasst sich das Fach mit 75% Statistik und Methodik. Warum? Weil es seine Ergebnisse absi­chern möchte.

    Deine Anmerkung:

    zwei Bereiche, in denen Design – oder Kunst, die sich als Design verkleidet/Design, das sich als Kunst verkleidet

    macht das Dilemma deut­lich. Design ist eben noch nicht von der Kunst eman­zi­piert. Mit Kommunikationsdesign meine ich, was Du mit ange­wandtem Design meinst. Doch was ist das andere? Nenn es anders. Grenz es ab von unserer »Butter-und-Brot-Profession«. Grenzt Kommunikationsdesign deut­lich ab von allem, was mit Kunst zu tun hat.

    Lernt doch von der Markentechnik, dem »Branding«: Claims abste­cken und vertei­digen. Abgrenzen. Eigenständig sein. Divergent sein. Nicht vermi­schen. Keine Wettbewerbe »zwischen den Stühlen«. Nicht konver­gent sein.

    Noch vor wenigen Jahrzehnten glaubte man, Einstellungen seien nicht messbar. Und heute? Heute glaubt man, Designwirkung sei nicht messbar.

    Und morgen?

  25. Oliver Adam

    Design auf Briefbögen und Geschäftsberichte zu verdichten ist halt auch zu kurz gesprungen :-D.

    Ja, aber auch der chris­toph-Trick ;-) . Wer Obamas Kampagne machte, hat sich was dabei gedacht jenseits von Briefbogen und Geschäftsbericht. Wer Lidls Prospekte macht, denkt sich was dabei jenseits von Briefbogen und Geschäftsbericht. Wer Apollos (Brillen) Gutscheine macht, denkt sich was dabei jenseits von Briefbogen und Geschäftsbericht. Sex-Hotline-Anzeigen? Muss man erst mal machen, jenseits von Briefbogen und Geschäftsbericht. Alle Dialogmarketing-Kampagnen: im Ernst nur »Briefbogen und Geschäftsberichte«?

  26. Raban Ruddigkeit

    hallo, nachdem ich die gedanken hier verfolgt habe, bin ich über­rascht, dass es auch am ende dieser diskus­sion um eine ganz andere frage geht, als um das eigent­liche thema. scheint mir die psycho­logie des blog­gens zu sein. bereits beim letzten mal habe ich versucht zu erläu­tern, dass der plakat­wett­be­werb und die öffent­liche wahr­neh­mung von grafik zwei schuhe sind, die viel­leicht an einen körper gehören, aber dennoch jeder an einen anderen fuss.

    wir werden uns bei create berlin mit diesem thema (wert von kommu­ni­ka­ti­ons­de­sign) sehr intensiv ausein­an­der­setzen, auch weil das wortun­ge­heuer »crea­tive class« momentan gerade politik und medien sehr beschäf­tigt. jeder der daran teil­nehmen möchte ist herz­lich einge­laden. denn create berlin gehört – den krea­tiven.

    mein persön­li­cher eindruck dazu ist, dass wir uns da erst am anfang eines verän­de­rungs­pro­zesses befinden, der unser aller arbeit tief­ge­hend verän­dern wird (stich­punkt copy­rights, stich­punkt mobi­lität). und dem man sich stellen muß. und die argu­men­ta­tion profi vs.laie greift da ebenso kurz wie teuer vs. billig. einer demo­kra­ti­sie­rung von berufs­bil­dern werden wir nicht aus dem wege gehen können.

    ob man das als vor- oder nach­teil sieht entscheidet darüber, was es ist.

    p.s.: apropos demo­kratie; noch nicht mal die götter sind götter.

  27. christoph

    dass die macher sich nichts dabei gedacht haben hat ja auch niemand behauptet (a propos rhetorik-trick…).

    aller­dings wäre die derzei­tige krise der werbe­in­dus­trie ja doch eine schöne gele­gen­heit, abschied von alter selbst­über­schät­zung zu nehmen und sich einzu­ge­stehen, dass wirkung nicht in letzter konse­quenz planbar ist (und auch selten messbar). denn alles andere ist sowieso nicht glaub­würdig – die marke­ting-seifen­blasen der 80er und 90er-jahre sind doch längst geplatzt.

    obamas erfolg hat klare zeit­ge­schicht­liche ursa­chen – so zu tun, als sei der erfolg beweis für die kraft von werbung und design ist bloße behaup­tung. und das beispiel lidl führt doch vor allem vor augen, dass die komm­mu­ni­ka­ti­ons­be­mü­hungen des unter­neh­mens nur bedingt wirkungs­mächtig sind – das image von lidl ist kata­stro­phal.

    über die möglich­keit der empi­ri­schen nach­weis­bar­keit braucht man ja aber auch gar nicht zu streiten – da braucht man ja nur den empi­ri­schen nach­weis vorzu­legen.

  28. christoph

    beitrag 27 bezieht sich auf 24 und 25 (oliver adam)

  29. Hans Schumacher

    @O A #20 … hmm, NevilleBrody & fetish records, Klaus Staeck Plakate, Designers Republic … (fallen in HD Schellnacks Kategorie A oder B bzw. in beide)

    Bei aller Kritik am Briefing, an der „Kommunikation“ des Wettbewerbs, an den schlecht aufge­zo­genen Plakaten – mit einem von zwanzig nomi­nierten Entwürfen (billiger Trick, funk­tio­niert aber) dabei lauf ich jetzt erst mal mindes­tens eine Woche mit einem breiten Grinsen durch den öffent­li­chen Raum & viel­leicht versuch ichs auch noch mit einer Wasserfläche (Berlin hat davon ja eine ganze Menge) dann kriegt das Xing-Profil einen neuen Eintrag, basta. Manöverkritik hätte/hab ich auch, ich bin aber Lokalpatriot, daher letzte Impressionen:

    Sommerfest: Das Bauhaus-Archiv muss sich mitt­ler­weile gegen die CDU-Zentrale, eine Reihe Botschaftsgebäude und gele­gent­liche Ausflugsdampfer behaupten, macht das aber mithilfe der vertrackten und nach innen verlegten Eingangssituation ganz gut. Hayn/Willemeit haben höchst­per­sön­lich Wein aus ihren red dot prämierten Verpackungen ausge­schenkt, die drei Siegermotive (also die Kategorie Plakat führt etwas in die Irre: create Berlin hätten es sich einfa­cher machen können, wenn sie zur Motivsuche aufge­rufen hätten, schließ­lich gibt es die zwanzig auch als Postkarten, für einen Bon, sprich zwei Euro) waren recht einfach zu erkennen, wenn man die drei Stapel Plakate ausge­macht hatte. Wär gern länger geblieben, aber mit zwei Kindern im Schlepptau (Mama krank, Oma in Kur) und einer verrutschten Windel war es leider nicht zu machen. Später im Fernsehn noch 24hBerlin geguckt, mit Ricardo Villalobos im Studio, dem Schlaflabor der Charité, Telefonseelsorge und Wowereit im Treppenhaus in Charlottenburg – viel Berlin-Hype, aber man ist ja auch nicht so oft Unesco City of Design … also, gerne wieder und beste Grüsse.

  30. HD Schellnack.

    >Design ist eben noch nicht von der Kunst eman­zi­piert.
    Naja, doch. Angewandtes Design – also der Otl-Zug – ist doch recht klar differn­ziert, die Argumente stehen seit langem. Ich krieg das immer schön mit, wenn Studenten in der Praxis hier die Krise kriegen. Deadlines? Zielgruppen? Funktionalität? Wo ist denn da das Kreative. Wo ich nur sagen kann: Das IST das Kreative.

    Aber dessen unge­achtet gibt es sowas wie Design-for-Design, sowas wir Artrock nur eben im grafi­schen :-D. Und das Ding hat seine Berechtigung.

    Aber du hast Recht, man müsste sehen, wie man Design/Kunst und Designkunst stärker vonein­ander abgrenzt. Das Ding ist nur, dass man viel­leicht aber ande­rer­seits gerade solche Mauern und Schubladendenke eher komplett abschaffen sollte, oder?

  31. norman

    @ 26 / Raban: „…denn create berlin gehört – den krea­tiven.“

    das ich nicht lache – als ob du das selber glaubst… oder viel­leicht grade doch?

    „CREATE BERLIN e.V. wird aus Bundes- und Landesmitteln aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regio­nalen Wirtschaftsstruktur geför­dert.

    CREATE BERLIN e.V. wird unter­stützt von dem Premium Partner Berliner Bank.“

    eigent­lich reicht das schon um fest­zu­stellen das dieses eben nicht den „krea­tiven“ sondern anderen inter­essen dient. ein weiterer blick auf das kura­to­rium, den vorstand etc. macht deut­lich das ihr ein wirt­schafts­för­der­verein seid. hört auf wirt­schaft (crea­tive indus­tries) und krea­tive gleich­zu­setzen!

    das du nach soviel kritik an eurem wett­be­werb an dieser stelle das behaup­test ist echt etwas igno­rant bzw. anmas­send. das mindeste was von euch zu erwarten ist das ihr solch einen wett­be­werb sauber durch­fuehrt, wenn ihr euch schon anmasst fuer das sog. krea­tive berin zu spre­chen!

  32. yep

    „denn create berlin gehört – den krea­tiven.“ pfft, sorry, aber die „krea­tiven“, also zumin­dest die, die ausge­stellt wurden, waren create berlin am samstag bei der eröff­nung ganz bestimmt nicht wichtig. create berlin ist für mich, als berliner büro­in­haber und hoch­schul­leh­render längst verbrannt. no respekt.

  33. christoph

    grafik­de­sign ist ja immer so ehrlich, wenn auch oft unfrei­willig. was hier wichtig war sieht man an dem aufge­plus­terten bran­ding-quatsch im unteren drittel.

  34. eva

    dieser wett­be­werb ist an vielen stellen so leer und nicht­sa­gend, wie eigent­lich nur werbung sein kann.sehr selten entdecke ich eine ernst­hafte reflek­tion des wesens der stadt, die nicht nur auf ober­fläch­li­chem trend basiert – zumin­dest ein kleiner licht­blick. wie man an diesem schlechten beispiel sieht, ist es zwin­gend notwendig kunst und werbung, vor allem inhalt­lich, zu trennen.

  35. Oliver Adam

    @ HD #30

    Aber du hast Recht, man müsste sehen, wie man Design/Kunst und Designkunst stärker vonein­ander abgrenzt.

    Ja. Mehr unten.

    Das Ding ist nur, dass man viel­leicht aber ande­rer­seits gerade solche Mauern und Schubladendenke eher komplett abschaffen sollte, oder?

    So arbeitet nur der mensch­liche Geist nicht. Wir denken in Schubladen. Immer. Das Beste, was mir machen können, ist, die Schubladen mit dem rich­tigen Namen zu versehen und deren Inhalte nicht zu vermi­schen. Die rich­tigen Labels liegen ja vor:

    Das von Dir so genannte ange­wandte Design, sprich das Kommunikationsdesign, ist für mich kommer­ziell und unter­ge­ordnet, also im Dienste eines Auftraggebers.

    Diesem Wettbewerb fehlen diese Kriterien. Daher ist es für mich kein Designwettbewerb, sondern eher ein Wettbewerb im Rahmen der Angewandten Kunst bzw. der Gebrauchskunst, zu der ja auch die Gebrauchsgrafik als Teil der Angewandten Kunst zählt. Denn bei diesem Wettbewerb ist richtig: »Der Künstler macht, was er will« (Weidemann).

    Ist das nun Korinthenkackerei oder »Branding-Quatsch«? Nicht für mich! Wir beschä­tigen uns mit Wahrnehmung und Wirkung. Ich möchte nicht als Künstler mit den dazu abruf­baren Konnotationen wahr­ge­nommen und bezahlt werden. Sondern als Kommunikationsdesigner mit marke­ting­tech­ni­schen Know-how, was für mich zwin­gend dazu­ge­hört. Wenn es also richtig ist, das Grafikdesign + Marketing = Kommunikationsdesign, dann ist das Fach so umfang­reich, dass der Rückgriff auf Kunst schlicht nicht mehr nötig ist.

    So gesehen, weist die Emanzipation der Psychologie aus Medizin, Physiologie und Philosophie schöne Parallelen auf zur Emanzipation des Kommunikationsdesign aus der Kunst auf.

    @ Hans Schuhmacher #29

    @O A #20 … hmm, … Klaus Staeck Plakate …

    Ein schönes Beispiel. Für mich ist der Präsident der Akademie der Künste kein Kommunikationsdesigner, sondern Gebrauchsgrafiker im Sinne eines »Angewandten Künstlers«. Seine Plakate sind ja meist eben nicht im Auftrag einer kommer­ziell tätigen Organisation entstanden. Er brauchte kein Marketingwissen und konnte im Weidemannschen Sinne »machen, was er wollte«.

  36. HD Schellnack.

    >Wir denken in Schubladen.
    Och, nicht unbe­dingt. Die besten Filme und Bücher sind genre­tran­szen­die­rend. Gutes Design ist oft auch nicht in Schubladen fassbar. Ist Saville nun Kunst oder doch nur Plattenhüllenaufhübscher? Schwer zu sagen – und muss man viel­leicht auch gar nicht bestimmen. Nicht alles muss rational atomi­sierbar sein.

    Aber du hast natür­lich recht – es hilft absolut, klarer zu bestimmen, was was ist. Ich glaube das ist ein natür­li­cher Prozess des Erwachsenwerdens einer Branche. In der Architektur gibt es eine Unterscheidung zwischen «visio­nary» und «applied» – und manchmal liefert ein Büro auch beides. Die Grenzen sind nicht ganz fest­zu­ma­chen, weil ja auch verschie­dene Projekte verschie­dene Lösungen bedingen, mal dreht man den künst­le­ri­schen Hahn weit auf, mal sind eher funk­tio­nale Lösungen bei aller Banalität eben das, was der rich­tige Weg ist.

    Aber du hast Recht – zwischen Factor und Troxler, zwischen Cahan und Carson gibt es gravie­rende Unterschiede, und es schadet sicher nicht, an Vokabeln zu arbeiten, um diese greifbar zu machen. Man sollte solche Schubladen aller­dings nicht dazu nutzen, Bereiche vonein­ander abzu­grenzen – denn auch ein Kunstdesigner wie Carson hat erfolg­reich kommer­ziell gear­beitet und auch ein «applied» Designer wie Cahan macht mal Sachen, die ich enorm kunst­affin finde. Design sieht aber meist so oder so nur nach Kunst aus – den meisten Sachen fehlt die Radikalität, die komplette Freiheit von sozialen Sinnkontexten, um wirk­lich indi­vi­du­elle «Kunst» zu sein. Es bleibt irgendwie dabei: Kunst will Fragen stellen (verwirren), Design will Antworten geben (orien­tieren).

  37. Oliver Adam

    Na, das bekommen wir doch nun zusammen, denn Du hast die Personen-, ich die Disziplinperspektive:

    Die Schubladen, also die Disziplinen, sind getrennt: Kommunikationsdesign auf der einen, Gebrauchskunst/ -grafik und (Bildende) Kunst auf der anderen Seite.

    Was die Personen machen, ist ja eine andere Sache. Hier könnte man nach Schwerpunkten gehen: So wäre etwa HD schwer­punkt­mäßig ein Kommunikationsdesigner mit gele­gent­li­chen (?) Ausflügen in die Gebrauchskunst.

    Fakt aber bleibt, dass der Code-Wettbewerb eigent­lich unter falschen Vorzeichen lief: Es war kein Kommunikationsdesign-Wettbewerb, sondern ein (Gebrauchs-) Kunstwettbewerb, der bei rich­tiger Positionierung ganz andere Teilnehmer, nämlich Künstler, gebraucht hätte.

  38. Guru

    oh, die ergeb­nisse stehen fest.
    meine favo­riten wären schon andere.

    finde es sind schon teil­weise kräf­ti­gere arbeiten
    entstanden…

    man darf auch den wert gestal­tung nicht unbe­dingt
    nur auf eine bestimmte jury fest­legen.
    da kann es defi­nitiv himmel­weite unter­schiede geben in der beur­tei­lung geben.

    nicht umsonst habe ich schon komplett andere meinungen zwischen entwürfen bezüg­lich unter­schied­li­cher profes­soren erlebt.

    so ein wett­be­werb ist auch eine form von persön­li­chem geschmack, der haltung zu einem thema auch wenn man muss es zugeben eine gewisse sache des „namens“, sowie des gewohntem und unge­wohntem und dessen stel­lungs­nahme dazu.

    wenn jemand gewohn­ter­weise seinen namen kommer­ziel öfters aufge­tragen hat, wird dieser auch eher wie ein
    bran­ding in die beur­tei­lung einfallen. auch wenn er mal schlechtes produ­ziert.

    aber da die jury sich davon abwendet, ist es jetzt keine unter­stel­lung.

    was mir persön­lich auf anhieb nicht zusagt ist der dritte platz sowie dieser haufen an gestal­tung mit dem thema der feka­lien, die es dreimal sogar unter die top 20 geschafft haben. persön­lich find ich es eher geschmackslos, vorallem in der anzahl unter den top 20.
    da gibt es genug andere arbeiten die es eher verdient haben.

  39. HD Schellnack.

    >Ausflügen in die Gebrauchskunst
    Machen wir nicht. node­sign macht strai­ghte Kommunikationsdesign-Sachen, fast eher mit Schwerpunkt auf Beratung (ich komm ja aus der Kommunikationswissenschaft/Psychologie/Soziologie/BWL-Schiene und find Design eher Mittel zum Zweck). Muss aber zugeben, als Dozent fand ich immer auch toll, wenn Studenten einfach nur gerockt haben und nicht über Briefings brüten :-D

  40. Oliver Adam

    Machen wir nicht.

    War auch nur als fiktives Beispiel gemeint ;-)

  41. helen sturm

    die auslober des wett­be­werbs haben es versäumt die einge­reichten und angeb­lich gedruckten und plaka­tierten poster zu doku­men­tieren. so haben hunderte von teil­neh­mern garnicht den beweis dass ihre palakte auch produ­ziert wurden und sind daher versta­end­li­cher­weise nicht bereit die kosten zu über­nehmen. bei den drucke­reien häufen sich schon die rech­nungs­re­kla­ma­tionen. verant­wort­lich für diese kosten ist create berlin. hier haette besser dafür gesorgt werden muessen, dass eine umfas­sende photo­gra­fi­sche doku­men­ta­tion entsteht.

  42. Etienne

    zur kritik am wett­be­werb bleibt wenig zuzu­fügen.

    und noch dazu war es ein gänz­lich unfest­li­ches ereignis – dieses sommer­fest! zumin­dest am frühen abend – ich weiß nicht, wie heiß die nacht noch wurde. so sollten gestaler/innen nicht feiern müssen. wieso hängt sich das IDZ dabei eigent­lich an create-berlin dran?

    am selben abend bei UNTER DEM MOTTO. One Day Self Publishing Fair dann die quir­lige, leben­dige, krea­tive, nicht-insti­tu­tio­nelle welt der „under­dogs“ als gegen­bild zum „sommer­fest“. was hier nicht lebendig werden wollte, ist spru­delt dort.

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