Bemerkenswertes neues Bowie-Album-Cover [Update]

Am 11. März 2013 wird der briti­sche Musiker, Produzent, Maler und Schauspieler David Bowie sein neues Studio-Album The Next Day veröf­fent­li­chen, das erste seit »Reality«, erschienen vor zehn Jahren. Heute, an seinem 66. Geburtstag, kam als Vorgeschmack die Single Where Are We Now (iTunes-Link) heraus. Das Video (YouTube-Link; Regie:  Tony Oursler) dazu blickt zurück auf Bowies Zeit in Berlin in den 1970er Jahren. Produziert wurden die 14 neuen Songs in New York von Tony Visconti, mit dem Bowie unter anderem auf »Young Americans« und »Scary Monsters (and Super Creeps)« zusammen arbei­tete. Das Cover des Albums gestal­tete der Londoner Designer Jonathan Barnbrook, mehr­fach Sprecher auf TYPO-Konferenzen in Berlin und London.

Das Artwork des neuen Bowie-Albums basiert auf dem Original-Schwarzweiß-Cover der 1977 erschienen LP »Heroes«. Es war das 12. Studio-Album von Bowie, Folge 2 der »Berliner Trilogie«, die in Zusammenarbeit mit Brian Eno in den Hansa-Studios an der Mauer entstand. Das Coverfoto von Masayoshi Sukita war angeb­lich inspi­riert von einem Gemälde des deut­schen Expressionisten Erich Heckel mit dem Titel »Roquairol«, das Iggy Pop im selben Jahr bereits als Vorlage für das Cover seines eigenen Post-Punk-Albums »The Idiot« verwen­dete.

In seinem Weblog verrät Barnbrook mehr über die Hintergründe der auf den ersten Blick rätsel­haften Verfremdung des klas­si­schen Heroes-Covers. »Wir wollten etwas komplett anderes machen, in einer Zeit, wo alles schon mal da war. Normalerweise greift man zu alten Bildern, wenn Alben wieder­ver­öf­fent­licht oder Best-of-Zusammenstellungen erscheinen. Wir aber beziehen uns auf den Titel ›The Next Day‹.« schreibt Jonathan Barnbrook. Das Heroes-Cover, verdeckt mit dem weißen Quadrat, verweise auf die Kraft groß­ar­tiger Pop-Musik, die sich von der Zeit löse bezie­hungs­weise ihre Vergangenheit vergesse.

Man habe sich für das Heroes-Cover als Basis entschieden, weil dieses am meisten verehrt werde und das schwarz­weiße Motiv gut zur verson­nenen Musik des neuen Albums passe. Auf die Frage »Warum ein weißes Quadrat?« antwortet Barnbrook: »Wir haben Hunderte verschie­dene Methoden auspro­biert, das Originalmotiv zu verschleiern. Am Ende war das einfachste am stärksten. Es musste etwas sein, was einen direkten Kontrast zum darunter liegenden Foto bildet ohne geküns­telt zu wirken.« Die verwen­dete Schrift ist ein Eigenentwurf von Jonathan Barnbrook mit dem Arbeitstitel »Doctrine«, die in den nächsten Wochen bei VirusFonts erscheinen wird; auf dem Bowie-Cover feiert sie ihren ersten öffent­li­chen Auftritt.

[Update] Siehe auch »The Guardian«: Why David Bowie’s new album cover is a master­stroke


24 Kommentare

  1. andi kissel

    ja, das cover und die idee gefallen mir. den vorab veröf­fent­lichten song finde ich aller­dings nur durch­schnitt­lich.

  2. _Sven

    Ist das ein großer Wurf? Dieser Bowie Song? Ich kenn ihn nicht in gänze, aber das Lied ist eher zum abge­wöhnen. Und das Video sieht aus, als ob er es selbst gemacht hat. Schlimm.

  3. gerhard

    Gibt’s nicht Wichtiges?
    Über sowas redet man? Nee danke font­blog und tschüss…

  4. Jürgen Siebert

    Das Thema schlägt Wellen. Nun gibt es die ersten Imitationen, erstellt mit dem David-Bowie-Album-Cover-Generator …

  5. Theo

    Cover? Einfach und groß­artig!
    Lied? Bowie ist wirk­lich wieder da!

  6. Thomas

    Danke Gerhard!

  7. Tobi

    Bemerkenswert einfallslos. Und mehr fällt mir dazu auch nicht ein.

  8. Janik

    Wunderbares Cover, in dieser Form persön­lich unge­sehen.
    Ach und danke Gerhard.

  9. Christian

    Konzeptionell bril­liant und unge­sehen. Der Song ist leider weniger inno­vativ.

  10. review

    Stellen wir uns doch mal alle ganz dumm und tun so als ob uns der Name Barnbrook über­haupt nichts sagt. Gäbe es dann immer noch Lobhudeleien oder Häme?

  11. gerhard

    Nach dem Schock. Eine Nacht drüber geschlafen. Es ist natür­lich ganz okay, über derlei zu berichten. Deshalb danke, Jürgen, auch Sachen zu bloggen, die eine kontro­verse Diskussion auslösen. Schließlich wollen wir ja keinen gestal­te­ri­schen Einheitsbrei. Und manchmal bedeutet das wohl, dass man einfach einen kleinen bewussten Akzent setzt, der wohl­über­legt aber auch spontan sein kann…

  12. merz

    So genial einfach, dass ich das Gefühl habe so eine nahe­lie­gende Lösung schon 1000fach gesehen zu haben. Nach einer kurzen Recherche im Internet musste ich aber fest­stellen, dass es noch kein Cover dieser Art gibt. Die Typo stört mich aller­dings. Irgendwie wirkt sie von ihrer Art, ihrer Größe und ihrer Anordnung so gewöhn­lich. Aber viel­leicht war es ja so gewollt – krasses Quadrat, gewöhn­liche Typo …

  13. Jürgen Siebert

    Stellen wir uns doch mal alle ganz dumm und tun so als ob uns der Name Barnbrook über­haupt nichts sagt. Gäbe es dann immer noch Lobhudeleien oder Häme?

    Ein großer Name (und die damit verbun­dene Erfahrung) sind Voraussetzung dafür, eine solche Lösung zu wagen und gegen­über dem Künstler und seinem Label (gerne auch MIT ihnen) durch­zu­setzen. Einem Nobody kauft man das nicht ab.

  14. martin

    kritik­punkt wäre für mich, dass der alte album­titel einfach schwarz durch­ge­stri­chen wurde… soviel konse­quenz hätte auch noch platz gehabt, das stehen zu lassen.

  15. review

    @ J. Siebert:

    Genau, einem Nobody würde man das nicht abkaufen.

    Mich stört, dass in der Design- und Kunstwelt oft Arbeiten aufgrund ihrer Herkunft schon geadelt werden. Eine kriti­sche Auseinandersetzung findet meist nicht mehr statt. Denn was von Designgröße XY kommt, kann ja nicht schlecht sein.

    Leider lieben viele Designmedien den Starkult mehr als eine sach­liche Disskusion.

  16. Jürgen Siebert

    Mich stört, dass in der Design- und Kunstwelt oft Arbeiten aufgrund ihrer Herkunft schon geadelt werden. Eine kriti­sche Auseinandersetzung findet meist nicht mehr statt. Denn was von Designgröße XY kommt, kann ja nicht schlecht sein.

    Halte ich für einen ganz »normalen« Zustand bzw. für einen Status, den sich jeder profes­sio­nelle Mensch nach einigen Jahren Berufserfahrung verdient hat. Das hat viel weniger mit Starkult zu tun, als mit einer gereiften Persönlichkeit. Quod licet iovi non licet bovi … Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen (noch lange) nicht erlaubt.

  17. Mick

    »Mich stört, dass in der Design- und Kunstwelt oft Arbeiten aufgrund ihrer Herkunft schon geadelt werden. Eine kriti­sche Auseinandersetzung findet meist nicht mehr statt. Denn was von Designgröße XY kommt, kann ja nicht schlecht sein.«

    Ja, nun wurden hier in den Kommentaren aber auch keine großen oder gar klugen inhalt­li­chen Auseinandersetzungen gegen das Cover abge­geben, oder?

  18. Stefan

    Die Doctrine ist mir eindeutig zu „euro­sti­lesk“.

  19. review

    @ Mick: Mein Kommentar bezog sich nicht auf die Aussagen anderer Leser.

    @J. Siebert: Ich finde eine kriti­sche Diskussion ist immer ange­bracht – egal von wem eine Arbeit stammt. Mildernde Umstände für die Senioren der Branche halte ich für verkehrt. Mittelmaß bleibt Mittelmaß.

  20. Fränk

    Wow, ist hier eine Marketingstrategie aufge­gangen?!

  21. Rainer

    @21: Eine kriti­sche Auseinandersetzung mit Arbeiten von Fontshop’s Freunden wirst du hier sicher nicht finden … wodurch sich Kommentar @18 meiner Meinung nach völlig disqua­li­fi­ziert.

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