BDG warnt erneut vor Design-Wettbewerb

»Webdesigner, Grafiker und Pixeljongleure« sind bis zum 08.09.2007 aufge­rufen, an einem Wettbewerb teil­zu­nehmen, in dem ein neues »Maskottchen« für den deut­schen Social-Bookmarking-Dienst mister​-wong​.com gefunden werden soll. Als Preisgeld winken $ 12.000, verteilt auf die ersten drei Gewinner.

Der Bund Deutscher Grafik-Designer (BDG) ist der Ansicht, dass die Regeln und Bestimmungen dieses »Crowdsourcing-Wettbewerbs« nicht akzep­tabel seien. »Bereits bei der Einreichung der Arbeiten soll der Teilnehmer bestä­tigen, dass er im Falle des Gewinns einen von Mr.Wong vorge­legten Nutzungsvertrag unter­zeichnen wird. Welche Bedingungen dieser Vertrag im Einzelnen haben soll –- abge­sehen von einer völligen Einräumung aller sach­lich, örtlich, zeit­lich unbe­grenzten Nutzungsrechte – ist jedoch nirgendwo erkennbar.«

Weitere Argumente des BDG auf dieser Seite …


9 Kommentare

  1. mart

    Och ja, der BDG…

    12.000 Dollar sind immerhin ne Stange Geld. Auch ein Drittel davon ist noch eini­ger­maßen ok. Besser jeden­falls als das Preisgeld eines bekannten deut­schen Blogs (Havelkuck oder so ähnlich), das in einem vergleich­baren Wettbewerb sage und schreibe 400 Euro für den Erstplazierten geboten hat.

    Die Mondpreise, die Vereine wie der BDG für ange­messen halten mögen sind ein Grund dafür, das der Werbezunft immer noch Maßlosigkeit vorge­worfen wird – und das nicht immer zu Unrecht.
    Was die Wettbewerbsbedingungen angeht: Die Abtretung von Nutzungsrechten finde ich persön­lich absolut ok, wenn mein Arbeitszeit gut bezahlt wird. Selbst die lang­sa­meren Kollegen dürften, falls ihr Logo genommen wird, im vorlie­genden Fall auf über 1000 Euro pro Arbeitstag kommen. Das mag zwar unter der Tagesgage von Herrn Spiekermann liegen, aber der war ja auch nicht Adressat dieses Wettbewerbs.

    Der zweite, vom BDG monierte Punkt ist aller­dings wirk­lich unglück­lich formu­liert bis daneben. Verständlich, das der Kunde sich gegen Plagiate absi­chern möchte, aber das der Designer auch für jedwede, zufäl­lige Ähnlichkeit mit anderen Keyvisuals haften soll, ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.

  2. H. Erich Fraas

    Dass sich doch immer wieder die (Kollegen) zu Kommentaren hinreißen lassen, die ohnehin Probleme mit längeren zusam­men­hän­genden Texten haben …

    Wenn auch nur ein einziger Punkt solcher Bedingungen nicht akzep­tabel ist, muss ich alles ablehnen! Das ist wie mit dem schwächsten Glied einer Kette. Da muss ich über Geld noch nicht einmal nach­denken! Wie kann jemand so blöd sein und sich selbst ohne Not in eine u.U. sehr kost­spie­lige Haftung begeben?

    Wenn man aber über Geld nach­denkt, gilt die Tatsache, dass nicht ein Auftraggeber einen Gestalter beauf­tragt (und bezahlt), sondern per Wettbewerb ein Vielfaches an Gestaltungsleistung für ein Minimum an Geld „einge­kauft” werden soll. Wenn man einem Wettbewerb schon von Weitem ansieht, dass es um Einsparungen geht, nicht um Qualität, sollte man die Finger davon lassen.

    Ach ja, lieber „mart“, Nutzungsrechte haben nichts mit Arbeitszeit zu tun, sondern mit dem Wert der Arbeit für den Auftraggeber, also, was der damit zu seinem Nutzen (Vorteil) anstellt.
    Solche Dinge bekommt man z.B. als Mitglied eines Berufsverbands wie der BDG einer ist, ganz auto­ma­tisch mit.

    Also doch künftig lieber erst nach­denken und dann Maul aufreißen, oder?

  3. mart

    Gehts auch noch unfreund­li­cher?

    1. Wurde in diesem Blog nicht die recht­liche Situation thema­ti­siert, sondern es ging um die Nutzungsrechte bzw. deren Bezahlung. Was spricht dagegen, genau dazu Stellung zu nehmen?

    2. Sätze wie: „Nutzungsrechte haben nichts mit Arbeitszeit zu tun, sondern mit dem Wert der Arbeit für den Auftraggeber, also, was der damit zu seinem Nutzen (Vorteil) anstellt.” klingen theo­re­tisch gut, sind aber prak­tisch in dieser abso­luten Form Käse. Es scheint ein ange­lernter Reflex von altge­dienten Grafikern zu sein: Egal ob der Kunde dir 100,- oder 100.000,- Euro für eine Gestaltung bietet – Nutzungsrechte kosten extra! Immer!

    Die Praxis sieht anders aus. Selbst bei Mittelständlern (von denen der Grossteil unserer Branche lebt) gibt es immer wieder Leute die nicht verstehen, warum man jemandem, dem man horrende Tagesgagen bezahlt, zusätz­lich noch Knete in den Rachen stopfen soll, wenn man es wagt, die Dinge zu nutzen, die der Kreative geschaffen hat.
    Aber du zahlst sicher auch jedes mal frei­willig Geld, wenn du über deine teure T&A-Anlage Musik hörst, oder?

    Natürlich mache ich auch deut­liche Unterschiede in der Preisgestaltung – je nachdem, ob ich für ein Grossunternehmen, oder einen kleinen Krauter arbeite – aber persön­lich halte ich meine Arbeit nicht um das 100-fache wert­voller, nur weil sie von 100x mehr Menschen ange­sehen wird. Ein Mittelwert tut’s auch.

  4. thomas

    herr fraas, sie machen als offi­zi­eller vertreter des bdg eine sehr unglück­liche figur. ich hoffe sie sind ihren kunden gegen­über sozial kompe­tenter.

  5. Jamiro

    Ich halte die Nutzungsbedingungen für unver­schämt und würde nicht daran teil­nehmen.

  6. Jens

    Das vom BDG kriti­sierte ‘Outsourcing’ von Rechtsrisiken könnte einen Hintergrund haben. Vielleicht sollte man inner­halb der Diskussion doch auch einmal kurz beleuchten, warum Mr. Wong nun ein neues »Maskottchen« braucht:

    http://​www​.spiegel​.de/​n​e​t​z​w​e​l​t​/​w​e​b​/​0​,​1​5​1​8​,​4​9​7​1​5​1​,​0​0​.​h​tml

  7. Nick Blume

    Hier würde man sich, wenn man was dafür gestaltet, recht­lich auf sehr unsi­cherem Eis wagen – genau abwägen. Und sonst kommen hohe Schadenersatzklagen… mal sehen.

  8. JPK

    Retro ist halt cool. Der alte sieht viel besser aus. Aber ich hatte auch nen Scout mit Astronauten und so nem Scheiß drauf und ich fand ihn toll.
    Es entscheiden schließ­lich die Kinder und nicht die Eltern. Gönnen wir ihnen diese Freiheit, denn so oft haben sie die ja nicht.

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