Fontblog Artikel des Jahres 2014

Mit Schriften Geld verdienen? Das geht.

HVD-Fonts-CoverHannes von Döhren weiß wie man’s macht. Er entwirft Schriften, vertreibt Schriften, managed Schriften und admi­nis­triert Schriften. Seine Entwürfe erfreuen sich in Web- und Print- Publikationen großer Beliebtheit. Brandon Grotesk ist Headlinefont von Wired Online oder Textfont in Skype Kampagnen. Pluto ziert das Elle Decor Magazin und das Computer Arts Magazin.

Hannes gehört zu den »Charakterdarstellern« einer jungen Generation von Schriftenentwerfern, wie Jan Middendorp im Vorwort zu Hannes von Döhrens gerade erschie­nenem HVD Fonts Type Book beschreibt. Er meis­tert die zwei so unter­schied­li­chen wie wesent­li­chen Disziplinen Entwurf und Vermarktung.

Eine Schrift,  die über­zeugen (und gekauft werden) will, so Middendorp, muss heute mehr sein als eine Sammlung smarter Ideen und ansehn­li­cher Glyphen. Ihr einziges Ziel, als Schrift ein nütz­li­ches Werkzeug, zu werden, fußt auf der Fähigkeit typo­gra­fi­sche Lücken auszu­ma­chen und der Fertigkeit diese zu schließen.

Ein weiteres Pfund ist Hannes von Döhrens Produktivität, seine Besessenheit die Familien, die er entwirft Schnitt für Schnitt anwachsen zu lassen und die Begeisterung, zu beob­achten, wie der Zuwachs Form annimmt, »sich rundet«, wie er es beschreibt.

I-look-at-type-HVD

So ist HVD Fonts Type Book zunächst eine Übersicht der auf inzwi­schen 358 Fonts ange­wach­senen HVD Schriftenbibliothek: 130 Seiten umfasst der Katalog der Text-Schriften, 100 weitere Seiten zeigen von Döhrens Display-Fonts. 

Der Schriftenkatalog findet sich einge­bettet in die Kapitel zur zweiten wesent­li­chen Disziplin des Schriftenentwerfens: der Schriftenvermarktung. Wie Erik Spiekermann in seinem Intro launig bemerkt:

Allein in Berlin gibt es inzwi­schen mehr Schriftenentwerfer als Polizisten.

Jenseits aller typo­gra­fi­sche Trends und Stilfragen bricht Hannes sein Rezept für den Erfolg als Schriftenentwerfer, Schriftvermarkter und Foundry in hand­liche Tipps auf. 10 steps to become a type desi­gner enthält die Essenz der gesam­melten Versuch-und-Irrtum-Erfahrungen in einer Liste, ange­fangen bei »Find an Idea«, über »Type Foundry vs. Self Publishing« bis »Action on the web«.

Schließlich erhält jeder Käufer des Buchs eine Font-Kostprobe der HVD Fonts Bestseller. Pluto Medium, Brandon Groteque Thin, Supria Sans Bold Italic, Niveau Grotesk Regular und Niveau Serif Medium Small Caps können mithilfe des perso­na­li­sierten Codes auf der letzten Seite kostenlos herun­ter­ge­laden werden.

Brandon-Grotesque-Sample

Wir verlosen unser Rezensionsexemplar. Da es Zeit für Weihnachtskarten ist: Welche Schrift kommt dieses Jahr auf die Karte? Und warum? Stichtag ist Montag, der 24. November, 12:00 Uhr Mittag. Mehr über Hannes von Döhren: im Fontblog-Interview, das wir führten, als seine Foundry HVD Fonts in das FontShop-Angebot aufge­nommen wurde.

Hannes von Döhren: Every Day I Draw at Least One Letter. The HVD Fonts TYPE BOOK | Text englisch, 296 Seiten, davon 24 Seiten auf Zeitungspapier mit 31 Font-Familien mit insge­samt 358 Einzelfonts, Format 17 x 24 cm, inklu­sive 5 Fonts im Wert über 70 Euro zur freien Nutzung | 39,80 € – beim Verlag Hermann Schmidt Mainz bestellen.

– – –
Fotos: Cover ©Verlag Hermann Schmidt Mainz, Innenseiten © Hannes von Döhren


Der 100 beste Plakate 14 Wettbewerb startet

100bp14_logo_web_lila-800pxAm 15. Dezember  schreibt der 100 Beste Plakate e.V. wieder den inter­na­tio­nalen Designwettbewerb »100 beste Plakate des Jahres Deutschland Österreich Schweiz« aus. Plakatgestalter, Auftraggeber und Druckereien aus den drei Ländern sind aufge­rufen, bis 25. Januar 2015 Plakate aller Genres und Gestaltungsmittel einzu­rei­chen, die im Jahr 2014 gedruckt und veröf­fent­licht worden sind.

Der Wettbewerb finan­ziert sich aus den Gebühren der Teilnahme: für ein Plakat 50, bis drei Plakate 90, bis fünf Plakate 130, bis 9 Plakate 150, ab 10 Plakate 200 €. Studierende und Mitglieder des Vereins 100 Beste Plakate e. V. entrichten jeweils die Hälfte.

Die Auswahl erfolgt Ende Februar 2014 in Berlin durch eine vom Vorstand des 100 Beste Plakate e.V. beru­fene inter­na­tio­nale Jury mit Philippe Apeloig (F Paris), Christof Nardin (A Wien), Jiri Oplatek (CH Basel), Ariane Spanier (D Berlin) und Richard van der Laken (NL Amsterdam). Weitere Informationen: www​.100​-beste​-plakate​.de.


Läuft aus! TYPO Berlin 2015 zu dritt für nur je 333 Euro

TYPO voraus. Vom 21. bis 23. Mai 2015 sagt TYPO Berlin der Oberflächlichkeit den Kampf an. Es geht um Charakter. In einer Welt eiliger Produktions-Zyklen und visu­eller Austauschbarkeit zeigen wir Wege zur Erkennbarkeit. Und feiern Haltung. Gemeinsam mit Sprechern und Publikum beleuchtet die 20. FontShop Konferenz das gewisse Etwas in Inhalt, Form, Farbe und dem Buchstäblichen Ganzen (engl. Character) im Design.

Unser  ★ dieser Woche sichert ein güns­tiges Gruppenticket für die Konferenz und gilt nur bis 30. November:TYPO-B15-3er_Fontblog

Als TYPO Sprecher haben wir Persönlichkeiten einge­laden, deren Arbeiten über die inter­na­tio­nale Designszene hinaus Bekanntheit erlangten: Emory Douglas, der die Black Panther Bewegung visuell beglei­tete, nachdem er sein Handwerk  in der Druckerei eines Jugendgefängnisses in Ontario gelernt hatte und dessen Arbeiten inzwi­schen inter­na­tio­nale Museen bevöl­kern. Gemma O’Brien, die auf der TYPO 2008 mit einer kalli­gra­fi­schen Ganzkörper-Inszenierung für Aufsehen sorgte und deren grafi­sche Arbeiten welt­weit für ihren Charme, Witz und ihre Energie gefragt sind. Aaron Draplin, der der Snowboarding-Szene entsprang. Seine Arbeiten versprühen knal­lige Selbstironie voller Leidenschaft. Sein Motto: »Arbeite hart und mach gute Arbeit für gute Leute.«

Ein Sprecherpaar, das beson­deren Aufschluss über die Essenz von Charakter verspricht, sind Manfred Hild und sein huma­no­ider Begleiter Myon, entwi­ckelt am Forschungslabor für Neurorobotik der Berliner Beuth-Hochschule. Die senso­mo­to­ri­schen Regelkreise des Roboters bilden die Strukturen und Neurodynamiken des Gehirns nach. Zur Zeit lernt Myon, was es heißt, mensch­liche Gefühle zu verstehen und sie darzu­stellen. In wenigen Monaten soll er zusammen mit dem deutsch-briti­schen Performancekollektiv Gob Squad auf der Bühne der Komischen Oper Berlin stehen.

TYPO-2014-Foto--Sebastian-WeissIm Haus der Kulturen der Welt dreht sich vom 20. – 23. Mai nächsten Jahres alles um das Thema Character. Das ist noch eine Weile hin, Schnellanmelder können die Zeit nutzen und kräftig sparen. (Foto: Sebastian Weiß, TYPO 2014 – David Carson).

Weitere Sprecher: Tina Roth Eisenberg (Creative Mornings), Josh Higgins (Facebook Front End) , Erik Kessels (Found Footage) , Jon Burgerman (Doodle Kunst), Francesco Franchi (Designing News), Oliver Reichenstein (Information Architect), Luc(as) de Groot (ARD Corporate Font), Johannes Bergerhausen (Digitale Keilschrift) und ständig erhalten wir neue Zusagen.

Moderatoren: Erik Spiekermann @spiekermann, Stephen Coles @stewf, Indra Kupferschmid @kupfers und Sonja Knecht @sk_txet.

Jetzt Kollegen, Weggefährten oder alte Studienfreunde einsam­meln, als 3er-Gruppe für nur 333 Euro pro Person (zzgl. MwSt.) anmelden und bis zu 316 Euro pro Ticket sparen!  Zur Buchung …


Monotype legt Recorder Magazin neu auf

Monotype-Recorder-CoverVor über 110 Jahren, 1902, veröf­fent­lichte Monotype die erste Ausgabe des Recorder-Magazins. Was als Fachpublikation zu den eigenen Druckmaschinen begann, entwi­ckelte sich in den gut 70 Jahren seines Bestehens zu einer festen Magazingröße.

Die Inhalte, breit­ge­fä­chert: Über die Darstellung des mecha­ni­schen Satzes und seiner stän­digen Fortentwicklung bei Monotype- und Linotype- Druckmaschinen. Oder die Veröffentlichung neuer Schriften von Entwerfern wie Stanley Morison oder Eric Gill. Auch der Dokumenation und Bewahrung histo­ri­scher Druck-Fertigkeiten verschrieb sich das Magazin, das beson­ders unter der über 30 Jahre währenden Redaktion von Beatrice Ward als geschätzte Informationsquelle für die Druckindustrie und die entste­hende Grafikbranche galt.

Seinen Lesern war das Magazin ein verläss­li­cher Begleiter durch die wech­sel­hafte Zeit der klas­si­schen Moderne. In der Postmoderne erreicht die Vielfalt an (typo-) grafisch aufbe­rei­teter Information nie gekannte Dimensionen. Und der Monotype Recorder kehrt zurück.

Die Neuauflage des Magazins widmet sich Monotypes heutigem Gut, den Schriften. Die erste neue Ausgabe knüpft am redak­tio­nellen Faden des Vorgängers an: Chefredakteurin Emma Tucker beleuchtet das aktu­elle Schriftengeschehen ebenso wie die Geschichte der Schriften der letzten 100 Jahre.Monotype-Recorder-Innenseite-1696

Sie besucht die AIGA Ausstellung „100 Years of Type in Design“ in New York, spricht mit Bärbel Bold und Ingo Italic von „Letters are my Friends“ dem ersten typo­gra­fi­schen Concept Store in Berlin und sie sucht gemeinsam mit Schriftenentwerfer Gunnar Viljálmsson im Ottomanischen Reich nach den Wurzeln arabi­scher Zeichen.

Traditionelle Wege mit Schrift zu arbeiten, wie Allan Kitchings Poster-Tribut an fünf Grafik-Ikonen, feiert der Recorder ebenso wie  die Vielfalt exis­tie­render Fonts mit einer Tafel aus mehreren 100 Satzpunkten, die Abott Miller für die Wandgestaltung der AIGA-Ausstellung entstehen ließ.

Der Recorder liefert, wie sein Vorbild, eine gut recher­chierte Bestandsaufnahme aus der Welt der Schriften, deren unter­schied­liche Strömungen er liebe­voll illus­triert aufnimmt.

 

Das mit aufwän­diger Goldprägung, Sonderfarben und Centerfold  auf Mohawk Superfine Papier gedruckte Magazin hat 120 Seiten. Gestaltet wurde The Recorder von Luke Tonge und kann für 13,64 Euro, inklu­sive Verpackung und Versand, hier bestellt werden: www​.recor​der​shop​.mono​type​.com.

Die Auflage ist limitiert.


Typografische Termine in Mainz

In der kommenden Woche finden in Mainz gleich zwei Termine für Freunde von Fonts und Typografie statt:

am Mittwoch, 19. November um 19:00 Uhr stellt Johannes Bergerhausen (deco­de­u­ni­code,  Designlabor Gutenberg, FH Mainz) die Publikation »Digitale Keilschrift / Digital Cuneiform« mit einem Vortrag im Gutenberg-Museum vor. Anschließend gibt es einen Umtrunk.

Digitale Keilschrift Bergerhausen

U+12117: Sumerisches Zeichen für Verwirrung aus dem Digitalen Keilschrift Projekt, an dem Johannes Bergerhausen seit 2007  arbeitet.

Für alle, die tiefer eintau­chen möchten: Am Donnerstag, 20. November um 18:00 Uhr ist das Atelier National de Recherche Typographique (ANRT) aus Nancy, Frankreich, zu Gast im Designlabor Gutenberg (IDG) an der Hochschule Mainz. Sowohl Direktor Thomas Huot-Marchand als auch Studenten des ANRT stellen ihre Projekte auf Englisch aus dem Post-Master Studiengang des ANRT vor, in dem fach­über­grei­fend Schriften für wissen­schaft­liche Zwecke gemeinsam mit den Wissenschaftlern gestaltet werden. Pro Jahr werden nur sechs Studierende in diesen Kurs aufgenommen.

Der  Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei. Ort ist der Liebfrauenplatz 5 in Mainz.


Fünf Fragen an Jens Kutilek, FF Font-Techniker

Vermutlich ist Azuro die erste Schriftfamilie, deren Bildschirmverhalten bereits in der Entwurfsphase unter Windows, Mac-OS und Apple iOS uner­müd­lich getestet wurde, Rückwirkung auf den Designprozess inbe­griffen. Daher ist Azuro am Bildschirm und auf Papier in hohem Maße leser­lich (zum Beweis: Azuro als Webfont für diesen Blog oben auswählen). 2011 bei FontShop erschienen, wurde Azuro von Georg Seifert entworfen und von Jens Kutilek gemastert.

Jens_Kutilek-FontShop

Neben seiner Arbeit an vielen FontFonts hat Jens auch dafür gesorgt, daß die Webfonts der Süddeutschen Zeitung am Bildschirm gut aussehen, ebenso wie der Schriftschnitt der Real Text, der Erik Spiekermanns Buch „Hallo, ich bin Erik“ beiliegt

Kommenden Freitag (14. November) spricht Jens  auf dem TYPO Day München darüber, wie sich sorg­sames Mastering auf die Qualität einer Schrift auswirkt. Jens Kutilek studierte Kommunikationsdesign in Braunschweig, grün­dete nach dem Studium mit zwei Freunden das Webdesign-Büro Netzallee und arbeitet seit 2007 als Fonttechniker bei FontShop.

1. Was hat Dich bewogen, Dein Augenmerk auf die tech­ni­sche Seite des Schriftenentwurfs zu legen?

Meine Interessen haben sich schon immer zwischen den tech­ni­schen und künst­le­ri­schen Feldern bewegt. Als Jugendlicher habe ich am C64 program­miert und gepi­xelt, und in der Schule meine Lehrer zum Verzweifeln gebracht, weil ich die Schulstunden damit verbracht habe, in mein Notizbuch zu zeichnen. Ich habe dann, weil ich an der Kunsthochschule nicht genommen wurde, ein Ingenieursstudium begonnen, was eigent­lich von vorn­herein zum Scheitern verur­teilt war. In den vier Semestern begann ich, mich für Serveradministration und Webdesign zu inter­es­sieren, und nicht zuletzt haben die Vorlesungsskripte für Mathematik mit all ihren Formeln mein Interesse für Typografie am Computer entfacht. Die waren offen­sicht­lich nicht mit Word gesetzt, sondern es gab (für mich) geheime, viel mäch­ti­gere Textsatzsysteme.

FF-Comic-Jens

Als Alternative zur allge­gen­wär­tigen Comic Sans veröf­fent­lichte Jens 2008 für den Einsatz in Kindergärten, Vereinen, im Büro und zu Hause  – Comic Jens. Inzwischen erfreut der Creative-Commons Font sich großer Beliebtheit und erhält im kommenden Jahr einen kommer­zi­ellen Nachfolger.

Beim zweiten Versuch bin ich dann an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelandet und habe dort Kommunikationsdesign studiert. Dort enteckte ich Typedesign – meine Professoren befassten sich jedoch mehr mit der Anwendung von Schrift. Diese Richtung habe ich nicht konse­quent weiter­ver­folgt und mich auf Webdesign konzen­triert. Die Erkenntnis, daß sich meine Interessen in der Schrifttechnik fast ideal vereinen lassen, entstand nach dem Studium, und ich hatte das Glück, dies zu meinem Hauptberuf machen zu können.

2. Berlin gilt zur Zeit als Hochburg für Typedesigner. Wo findet man die typo­gra­fi­schen Techniker? Bei GitHub?

Viele span­nende Tools werden aber auch als Auftragsarbeiten für Kunden entwi­ckelt und errei­chen die Öffentlichkeit nicht. Man sieht höchs­tens mal einen Screenshot davon.

Ja, auf GitHub stellen viele aus der neuen Generation der „program­mie­renden Typedesigner“ ihre selbst­pro­gram­mierten Tools freund­li­cher­weise der Allgemeinheit zur Verfügung.

Persönlich treffen kann man viele der im norma­ler­weise im Verborgenen arbei­tenden Fonttechniker aus aller Welt auf Konferenzen wie der Robothon in Den Haag, oder der jähr­li­chen ATypI-Konferenz.

3. Welche tech­ni­schen Anforderungen sollte eine moderne Schriftenfamilie erfüllen?

Zeitgemäße Font-Familien sollten in allen Umgebungen gut funk­tio­nieren, sei es als OpenType-, als Office-, Web- oder App-Font. Das hört sich selbst­ver­ständ­lich an, ist aber nicht ganz einfach zu errei­chen. Bei FontShop haben wir es gut, da wir durch die Automatisierung und unsere eigenen, ständig weiter­ent­wi­ckelten Produktionsstandards viele Klippen ganz auto­ma­tisch umschiffen.

Als „Einzelkämpfer“ ist man da im Nachteil, weil man nie so viele Testsysteme, sowohl hard­ware- als auch soft­ware­seitig, auf aktu­ellem und auch älterem Stand, vorhalten kann, und die Fontproduktion mit viel mehr Handarbeit verbunden ist.

FF-Hertz

Schmale Zeichen und hervor­ra­gende Lesbarkeit, vor allem am Bildschirm – die heraus­ste­chenden Eigenschaften der FF Hertz Textfamilie von Jens Kutilek, die sich zur Zeit im finalen Mastering befindet und Anfang 2015 als FontFont erscheint 

Immer noch wichtig ist auch die Bildschirmoptimierung, trotz ständig stei­gender Bildschirmauflösungen. Da ist die Handarbeit der Automatik immer noch über­legen, und wird es auch in den kommenden Jahren sein.

4. Deine Font-Technik-Tool Top 5?

Mein Schweizer Messer sind sicher­lich die Python-FontTools, mit denen man prak­tisch jedes Bit einer Fontdatei einzeln modi­fi­zieren kann. AnchorOverlayTool-RobofontUnd wenn es eine Funktion nicht gibt, kann man sie sich selbst dazu­pro­gram­mieren. Python hat sich als Programmiersprache der Wahl für alles, was mit Fonts zu tun hat, etabliert.

Ein ähnli­ches Tool, ohne Erweiterbarkeit, dafür mit grafi­scher Oberfläche, ist DTL OTMaster.

Glyphs und RoboFont sind zwei moderne Fonteditoren mit unter­schied­li­chem Konzept. Glyphs nimmt einem viel Arbeit und tech­ni­sche Entscheidungen ab und läßt einen so schnell zum Ziel kommen, RoboFont ist mehr eine Plattform, auf der man sich ein Schriftentwurfs- und -produk­ti­ons­system nach eigenen Vorstellungen detail­liert selbst bauen kann.

ToGA-Animation

Für die Bildschirmoptimierung von Fonts benutze ich immer noch FontLab Studio. Es gibt zwar Programme, die in dem Bereich mehr können, aber das beste Tool ist immer das, was man beherrscht.

– – –

Abb. links: AnchorOverlayTool ist ein Tool, das Jens für RoboFont selbst program­miert hatt, um die Positionen der Akzente als Vorschau sehen zu können. Glyphs enthält diese funk­tion bereits, in RoboFont muss man sie selber program­mieren. Abb. rechts: ToGA (Topographic Glyph Analyzer) ist eines der so genannten „geheimen“ Tools, das charak­te­ris­ti­sche Punkte in nicht inter­po­lier­baren Glyphen iden­ti­fi­zieren kann. Der links ange­klickte gelbe Punkt wird vom Programm im rechten Buchstaben gesucht und dort mit einem blauen Kreis markiert.

5. Welche Deiner gemas­terten Schriften ist Dein persön­li­cher Liebling?

Technisch am span­nendsten sind Schriften, die an die Grenzen der Fonteditoren und Tools gehen, wie etwa Schriften mit mehreren Schreibsystemen. Die Superfamilie FF Amman von Yanone vereint zum Beispiel latei­ni­sche und arabi­sche Buchstaben in sich.

Dort ist man mit FontLab schnell am Ende, und muß sich andere Tools suchen, mit denen man arbeiten kann, oder, wenn es nichts passendes gibt, selbst anfangen zu program­mieren. Die Tools im Dialog mit den zu bear­bei­tenden Schriften weiter­zu­ent­wi­ckeln bringt das tech­ni­sche Know-How in unserem Type Department am meisten voran, glaube ich.

Bei den Webfonts für die Süddeutsche Zeitung, die ich für den Bildschirm opti­miert habe, bin ich stolz auf einen kleinen Hinting-„Trick“: Nachdem die neuen Fonts bei Lesern mit älteren Windowssystemen nicht gut ankamen, habe ich sie so gehintet, daß sie auf den alten Systemen fast nicht von der vorher benutzten Georgia zu unter­scheiden sind.

Auf neuen Systemen sieht die Schrift dagegen deut­lich unter­schied­lich aus, was ja auch der Sinn einer eigenen Hausschrift ist.

Das Mastern der FF Quixo von Frank Grießhammer hat mir großen Spaß gemacht. Vielleicht liegt es nur daran, daß ich Frank persön­lich kenne, aber ich habe in vielen Details der Buchstabenzeichnungen Franks Persönlichkeit und Humor erkannt. Außerdem hat er sehr gute und voll­stän­dige Arbeit gelie­fert, so daß ich nicht mehr viel zu tun hatte und nur noch ein wenig tech­ni­schen Feinschliff anbringen mußte …

Weil Jens nicht nur an den Schriften anderer Leute arbeiten wollte, hat er über die letzten Jahre konti­nu­ier­lich an einer eigenen Handschrift- und einer Textschriftfamilie gear­beitet. Die Familien FF Comic Jens und FF Hertz werden 2015 in der FontFont-Bibliothek erscheinen.


Texta – Sans-Allrounder von Latinotype

Zeitgemäß, offen und viel­seitig präsen­tiert sich die Texta Familie. Die Schriftschnitte Thin, Light, Book, Regular, Medium, Bold, Heavy, Black, und jeweils passende Kursive, stemmen ein Vielzahl typo­gra­fi­scher Aufgaben. Modell für die Familie standen die huma­nis­ti­schen Sans Familien von Adrian Frutiger und Edward Johnston. Zusätzlich flossen bei der Gestaltung der Versalien Schriften von Beschilderungen ein. Texta-Poster FontShop Macht eine gute Figur in den unter­schied­li­chen Gestaltungsräumen: Texta Sans eignet sich für Texte und Headlines ebenso wie für Displays, Poster und Verpackungen Latinotypes Daniel Hernández SánchezMiguel Hernández Montoya konzen­trierten sich beim Entwurf der seri­fen­losen Brotschrift auf den Kontrast aus ratio­naler Formenstrenge der Zeichen und der Dikten der Schriftschnitte. Dazu entwarfen sie einen Alternate-Font, der einer mono­tonen Anmutung entge­gen­wirkt und der für jeden Schriftschnitt geome­tri­sche Alternativen bereit hält. Wie bei allen Schriften von Latinotype sorgen auch bei Texta ausge­feilte Details für Charakter.  Texta-Alternates FontShopClou der Texta-Familie sind die Alternate-Schnitte, die Kleinbuchstaben, zum Beispiel ‚a‘ ‚g‘, oder ‚y‘ mit ihren geome­tri­schen Gegenstücken darstellen Das Texta-Komplett-Paket ist unser ★ der Woche: Für kurze Zeit können wir das Paket mit 32 Fonts für 14,64 statt 183 Euro anbieten. – – – Der Preis versteht sich zzgl. MwSt., Preisänderungen vorbe­halten.  


Geht es Industriedesignern besser als Grafikdesignern?

Eine frühe Zwischenbilanz zum Honorar- & Gehaltsreport 2014 zieht der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Kommunikationsdesigner, Christian Brüning: „Die ersten Tendenzen sind schon erkennbar, die Industriedesigner sind sichtbar besser gestellt als die KDler.“ Bereits zum vierten Mal startet der Verband seine Online-Umfrage zu Honoraren und Gehältern im Design.

Die Umfrage ist bereits frei­ge­schaltet und läuft noch bis zum 16. Dezember 2014. Teilnehmen können alle selb­stän­digen und ange­stellten Kommunikations- und Industriedesigner in Deutschland und Österreich: Hier klicken, um mitzu­ma­chen.

aufmacher_bdg_umfrage

Design wird als bedeu­tender Wirtschaftsfaktor gefeiert, Gestaltung gilt als überaus attrak­tives Berufsfeld. Aber wie lebt es sich als Designer? Gesicherte Existenz oder gerade mal wieder so über die Runden gekommen? Das Klischee malt glanz­volle Altbau-Residenzen wie prekäres Lebenskünstlertum mit dem Laptop im Café. Seriöse Zahlen, die ein realis­ti­sches Bild vermit­teln, sind Mangelware. Änderungen auf poli­ti­scher oder gesell­schaft­li­cher Ebene sind jedoch nur auf Basis seriöser Zahlen zu erzielen.

Erstmalig sind neben den Kommunikationsdesignern auch alle Industrie- und Produktdesigner zur Teilnahme einge­laden. Ebenso die öster­rei­chi­schen Kolleginnen und Kollegen. Sowohl der VDID Verband Deutscher Industrie Designer wie der öster­rei­chi­sche Designverband desi­gnaus­tria sind Kooperationspartner beim dies­jäh­rigen Honorar- & Gehaltsreport.

Der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner will wissen, wie Designer leben und arbeiten, wie viel Geld Sie bekommen und wie Sie damit zurecht kommen. Ob das Geld zur Familienplanung reicht und ob Designer sich fair behan­delt fühlen.

Die mit dieser Umfrage gewon­nenen Zahlen leisten einen wich­tigen Baustein zur Diskussion über die Situation der Kreativwirtschaft und helfen den Verbänden dabei, die Interessen der Designer besser gegen­über der Politik zu vertreten. Im Mai 2015 werden die Ergebnisse dieser Umfrage veröffentlicht.

Die Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen bean­sprucht rund 10 Minuten. Die Teilnahme ist anonym und die erho­benen Daten werden nicht an Dritte weiter gegeben. Lediglich die IP-Adressen der Teilnehmer werden temporär gespei­chert, um verse­hent­liche Doppelteilnahmen zu verhindern.