Fontblog Artikel des Jahres 2014

Heute vorgestellt: Das Berlinale-Plakat 2015

Das offizielle Berlinale Plakat 2015

Es ist ein lange Tradition im Fontblog, alle Jahre wieder einen Blick auf das Plakat der Berliner Filmfestspiele Berlinale zu werfen. Vor wenigen Stunden wurde das Motiv 2015 vorge­stellt, erneut entworfen von der Berliner Agentur Boros. Im kommenden Jahr wird ein sich öffnender Vorhang das Poster der Berlinale zieren. Mit dem aktu­ellen Berlinale Plakat Motiv möchten die Veranstalter jenen »magi­schen Moment« vor dem Kinoerlebnis hervor­heben, in dem der Vorhang falle und den Blick auf die Leinwand frei gebe, wie Festivaldirektor Dieter Kosslick heute bei der Vorstellung der Werbekampagne erklärte. Das Key Visual wird in zahl­rei­chen Abwandlungen für verschie­dene Festival-Ereignisse werben.

Die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 5. bis 15. Februar 2015 statt. Ab Mitte Januar wird das Plakat zunächst rund um den Potsdamer Platz und kurz darauf im Rest der Stadt auf das Festival einstimmen.

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»Apfel i« jetzt als iBook. Nur 0,99 € bis 31. 12.

Das Apfel-i-iBook auf dem iPad Mini

»Apfel i« auf dem iPad Mini (Foto: © Apple, Montage: Fontblog)

Zweimal erschien unser grafi­sches Lehrbüchlein »Apfel i – Die rechte Maustaste« gedruckt: erst­mals im Mai 2005, mit Abreibe-Titel und in Kooperation mit Römerturm (Fontblog berich­tete: Rubbel mein Cover). Dann wieder an Weihnachten 2011, mit gestanztem Cover und noch mehr Inhalten: Ein Apfel vom Nikolaus. Drei Jahre war Apfel i vergriffen, jetzt ist es wieder da. Nun als iBook. Was bedeutet das?

Die ersten beiden gedruckten Auflagen von Apfel i

Die erste Ausgabe von »Apfel i« (Mitte), dahinter die letzte gedruckte Ausgabe, mit gestanztem Umschlag

Die schlechte Nachricht: iBooks sind Bücher in einem proprie­tärem Format, die nur auf Apples iPads und am Macintosh zu lesen sind. Die gute Nachricht(en): die Erstellungssoftware ist kostenlos (iBooks Author), leicht zu bedienen, jeder Font lässt sich einbetten, genauso wie Animationen, Filme, Sounds und Bilder-Galerien. Bezüglich der eBooks leben wir in einer Übergangsphase. Es gibt den weit verbrei­teten Standard ePub, der von fast allen Lesegeräten und Tablets unter­stützt wird, aber nur den kleinsten gemein­samen Nenner an Funktionen abdeckt … damit er auf all diesen Geräten läuft.

Parallel dazu expe­ri­men­tieren Verlage, eBook-Reader-Ingenieure und Tablet-Hersteller mit konkur­rie­renden Formaten, die das Beste aus der Hardware heraus­holen und das Erlebnis des (digi­talen) Lesens auf ein neues Niveau bringen möchten. Eines dieser Formate ist Apples iBooks, ursprüng­lich entwi­ckelt für die Erstellung inter­ak­tiver Hochschul-Lehrbücher. Und weil wir unser Apfel i auf ein neues Niveau bringen wollten, und das iPad in Designkreisen – der Zielgruppe von Apfel i – zum Alltagstool gehört, haben wir uns für iBooks entschieden.

Wer ist eigent­lich wir? Wir, das ist die Apfel-i-Redaktion mit den Kommunikationsdesignern von Fuenfwerken und den Typografie-Experten vom FontShop, inzwi­schen unter den Fittichen von Monotype. Seit der Erstauflage verfassen und bebil­dern wir die Apfel-i-Inhalte und halten sie aktuell. Auch das jetzt erschie­nene iBook ist komplett neu aufge­baut und aktua­li­siert, zum Beispiel mit Themen wie Webfonts, e-Books, Unicode und Bildschirmauflösungen.

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Manche Inhalte sind im digi­talen »Apfel i« über­sicht­li­cher darge­stellt als in der gedruckten Ausgabe. Auf der hier gezeigten Site geht es um die Anatomie der Buchstaben. Mancher Fachbegriff erklärt sich auto­ma­tisch, andere benö­tigen einer Erläuterung. Wer diese braucht, ruft sie sich einfach über den blauen Plus-Button auf. Andere inter­ak­tive Elemente im »Apfel i« sind Lesezeichen, externe Links, Animationen oder Erläuterungsfilme.

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Das Medium der Zukunft ist der Bildschirm. Was liegt also näher, als das Verhalten von Schriften und Bilder direkt auf diesem Medium zu beleuchten. Die oben abge­bil­dete Seite stellt die geläu­figsten digi­talen Bildformate vor, inklu­sive deren Vor- und Nachteile. Ein Fingertipp auf die Abbildungen vergrö­ßert diese auf Vollbild, so dass man die Feinheiten wie auch die Artefakte jedes dieser Formate genau­es­tens studieren kann. Auf den Folgeseiten werden Farbsysteme und -profile, sowie Farbräume und andere Repro-Themen erläu­tert.

Wo gibt es Apfel i? Natürlich im iBooks-Store auf dem iPad und am Mac … Dort liegt auch eine kosten­lose, 16-seitige Leseprobe. Bis zum 31. Dezember 2014 kostet »Apfel i – Die rechte Maustaste« 99 Cent, danach 2,49 €.


Atlas Font Foundry erweitert die Bibliothek

small_foundry-logoimage-69192060Kurz vor dem Jahresende veröf­fent­licht die Berliner Atlas Font Foundry Erweiterungen für die beliebten Superfamilien Novel Collection und Heimat Collection.

Novel Sans Hair enthält 12 Einzelschnitte und passende Kursive. Die Ergänzung eignet sich für alle gestal­te­ri­schen Lebenslagen, die Leichtigkeit erfor­dern und bringt die Novel Sans Superfamilie zu den lange erwar­teten Auszeichnungsschnitten.

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Für Überraschung sorgt die zweite Neuerscheinung. Heimat Didone ist eine klas­si­zis­ti­sche Antiqua, die nach dem Gestaltungskonzept der Heimat entwi­ckelt wurde. Diese kontrast­reiche Variante der Heimat ist um einiges eleganter als die anderen Mitglieder der Heimat Collection, ohne an Konzepttreue und Schärfe einzu­büßen.

Novel Sans Hair

Die Novel Sans Familie wurde um 24 Hairline Fonts für feine Display-Typografie erwei­tert. Somit umfasst die Superfamilie Novel Collection neben den Familien Novel, Novel Sans, Novel Sans Condensed, Novel Mono, Novel Sans Office und Novel Sans Rounded nun die neue Novel Sans Hair.

Die Schnitte sind präzise aufein­ander abge­stimmt, Nummern kenn­zeichnen die Strichstärke. Diese Kennzeichnung ermög­licht ein Gestalten mit verschie­denen Schriftgrößen in exakt der glei­chen Strichstärke, was zum Beispiel im Editorial Design von enormen Vorteil sein kann.

20141212_Fontblog_Novel-Sans-Hair

Auch wenn die Schnitte in erster Linie für Display und Headline Typografie konzi­piert wurden, so lässt sich auch im Text mit ihnen arbeiten. Anfang nächsten Jahres werden mehrere Erweiterungen der Novel Collection folgen — mehr konnten wir zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht erfahren.

Heimat Didone

Die Entwicklung der Heimat Collection hatte ihren Beginn in der 2009 erschie­nenen Heimat Sans. Die rational konstru­ierte und sehr tech­nisch anmu­tende Grotesk bestach durch ihre Konstruktion, welche auf einem ähnlich konse­quent umge­setzten Konzept aufbaute, wie die Futura oder die DIN Schrift. Details wie der Endstrich beim kleinen r und f verstärkten den Charakter der streng umge­setzten Konzeption.

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Kurze Zeit nach Veröffentlichung der Heimat kam die Überlegung auf, wie sich der tech­ni­sche Charakter und die strenge Anmutung viel­leicht verstärken liessen. Als Produkt dieser Überlegung wurde 2012 die Heimat Collection um eine Monospaced Variante und eine Schablonenschrift (Heimat Stencil) erwei­tert.

Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, dass es sich bei der Heimat um eine Monoline handeln könnte, so gibt es eine, wenn auch sehr feine Kontrastachse. Auf dieser basie­rend entstand aus dem Basiskonzept eine klas­si­zis­ti­sche Antiqua, welche die gesamte Heimat Collection um die Note ergänzt, die man ihr vorher nicht hat attes­tieren können: Eleganz.

Wie die anderen Familien inner­halb der Heimat Collection verfügt auch die Heimat Didone über 6 Schriftstärken, jeweils für Roman und Italic. Darüber hinaus werden die Schnitte in 6 opti­schen Größen ange­boten — somit bietet sich die Schrift sowohl für klei­nere, wie auch sehr große Darstellung an, ohne an Charakter einzu­büßen.

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Viele Alternates und Swashes ermög­li­chen einen verspielten Umgang und indi­vi­dua­li­sierte Anwendung der Schrift. Nicht nur in großen Größen erzielt Heimat Didone Wirkung. Auch in Textgrößen über­rascht die Lesbarkeit der charak­ter­voll konstru­ierten Zeichen. Wie die anderen Familien inner­halb der Heimat Collection verfügt auch die Heimat Didone über viele Alternates, mit denen es sich steuern lässt, wie tradi­tio­nell ein Text daher kommt. Bis Heiligabend bieten wir die Heimat Didone Familie mit allen 72 Schriftschnitten für 149 statt 300 Euro an (zzgl MwSt.). Zum Heimat-Didone-Angebot bei FontShop.

Wie die Novel Collection, so wird auch die Heimat Collection wachsen, lässt Atlas-Gründer Christoph Dunst im Gespräch durch­bli­cken.

Zu den Superfamilien von Atlas bei FontShop


Im Dienst der Schriften: FontShop​.com

Endlich! Es ist jetzt möglich auf FontShop​.com Schiften so zu zeigen, wie wir es uns immer gewünscht haben: in ihrem Element, live am Bildschirm und für den Bildschirm opti­miert. Jahrelang zwang uns das Internet, auf der FontShop-Website statt Schriften nur Bilder (GIFs) zu zeigen, die zudem für Drucksachen aufbe­reitet waren. Die Besucher von FontShop​.com können Mustertexte jetzt direkt mit den eigenen Worten über­schreiben, können verschieben, vergrö­ßern, verklei­nern und einfärben. FS.com-Fontblog

Die neue Web-Freiheit haben wir dazu genutzt, Fonts erlebbar zu machen und auf FontShop​.com ein schlankes, leis­tungs­fä­higes Layout-Programm zu inte­grieren

Star der neuen FontShop-Website ist die Schriftfamilie. Jede Familienseite besteht aus inter­ak­tiven Testmodulen, mit denen sich deren Mitglieder auf Herz und Nieren unter­su­chen lassen. Die Font-Entdeckungsreise ist ein Vergnügen. Niemand nervt mit Paketnamen, Font-Formaten oder verwir­renden Detail-Fragen.

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Der Glyphsampler vergleicht die über­ein­ander gelegten Schriftschnitte der Familie, hier FF Clan

Auf der rechten Seite der Familienansicht weist das Discovery Panel mit bis zu drei Icons zurück­hal­tend auf weitere Inspirationsquellen hin, zum Beispiel ähnliche oder verwandte Schriften, eine Bildergalerie mit der gezeigten Familie im Einsatz oder ein Fontlisten-Button, der umge­hend alle Listen aufführt, in denen die Familie auftaucht.

Weitere Editier-Funktionen die unseren Partner-Foundries und -Schriftgestaltern zur Verfügung stehen (Foundry, Designer, …) sorgen dafür, dass die redak­tio­nellen Inhalte auf font​shop​.com stetig wachsen und immer aktuell sind. Also: Mitmachen und immer wieder mal rein­schauen.

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Unser ★ der Woche sind drei FF Franziska™ Fonts, derzeit Lieblingskind der Editorial- und Buchdesigner: Jakob Runges asym­me­tri­sche Serif-Familie, die vor knapp einem Jahr bei FontFont erschien. Mit musku­lösen Versalien und einem tempe­ra­ment­vollen Kursivschnitt verfügt die Familie über viel Charakter und bei hoher Lesbarkeit.

Im neuen FontShop gibt es die Basisfamilie (FF Franziska Regular, Italic, Demi, aus OT-, Web- oder Office-Einzelschnitten) bis Ende Dezember für nur 9,90 € (zzgl. MwSt.).  

 → zum FF Franziska Angebot bei FontShop …


FF Mister K. Station 2014: OpenType Webfont

Seit Kafka sie schrieb und seit ihrer Veröffentlichung als FontFont im Dezember 2008, reist die FF Mister K Familie der finni­schen Schriftgestalterin und Philologin Julia Sysmäläinen umher

Ihr Ursprung: Die Prager Tagebücher des Schriftstellers Franz Kafka (1883–1924) ab 1914. Als die Nationalsozialisten 1939 in Prag einmar­schieren, rettet Max Brod Kafkas lite­ra­ri­sche Aufzeichnungen und mit ihnen Kafkas Handschrift, Station:  Tel Aviv. 55 Jahre später werden Kafkas Tage- und Notizbücher, ihrem Format nach auch Quarthefte genannt, in Frankfurt erst­mals digi­ta­li­siert. 2004 beginnt eine neue Digitalisierung, 2007 die Umwandlung in in Outlines, Station: Berlin. 2010 reist FF Mister K. mit der Ausstellung Travelling Letters nach Lahti, Finnland.FF-Mister-K-Web-OT-Feat-Screen_DEEndlich auf dem Bildschirm wie im Druck verfügbar: FontFont veröf­fent­licht die FF Mister K. Familie von Julia Sysmäläinen als Webfont mit umfang­rei­chen OpenType-Features

Formal gehört FF Mister K. zur Gruppe der Schreibschriften oder Script-Fonts. Wie Kafkas Handschrift kenn­zeichnet Sysmäläinens Mister K. die eigen­stän­dige und viel­fäl­tige, aber gleich­zeitig gut lesbare Formensprache. Der Name Mister K. nimmt die Namen der Hauptfiguren der Romane Der Prozess und Das Schloß auf.

Die aktu­elle Station auf der Reise von Mister K. ist das Web. Erst seit Kurzem ist es möglich Script-Fonts mit komplexen OpenType-Features auch als Webfont einzu­setzen. Alle Browser (ausser Safari) unter­stützen jetzt zum Beispiel Contextual Alternates, wie den Einsatz des „langen S“. Die OpenType Features von FF Mister K. können auf FontShop​.com betrachtet werden.

FF Mister K. Sheep_spread

Die Originalhandschrift aus einem Quartheft von Franz Kafka und Julia Sysmäläinens digi­ta­li­sierte Form. Aus Stop Stealing Sheep, 3. Auflage (2013), Erik Spiekermann, Adobe Press.

Wie die OpenType Layout Features bei Web FontFonts aussehen und welches Kommando welches Feature akti­viert, zeigt die Web FontFont Microsite. Wie der Printer-Font, besteht auch der Webfont aus inzwi­schen sieben Mister-K.-Schriftschnitten Splendid Light, Dingbats, Splendid, Regular, Onstage, Informal, Crossout und Dingbats UI.

Während der Regular Font den Fluss einer weit­ge­hend verbun­denen Handschrift digital simu­liert weist Onstage verstärkt kalli­gra­phi­sche Züge mit über­wie­gend allein stehenden Zeichen auf. Crossout schließ­lich enthält den gesamten Zeichensatz in nach Kafkascher Manier akri­bisch durch­ge­stri­chener Form. Die Schriftschnitte werden durch Mister K Dingbats ergänzt, einem Satz von 600 Piktogrammen, in der Form dem Regular-Font ange­passt.

FF Mister K bei FScom

Direkt auf den Bildschirm kann der FF Mister K. Webfont auspro­biert werden und wandelt sich, je nach geschrie­benem Zeichen in den passenden Anschlussbuchstaben um

Die FF Mister K. OpenType Features ermög­li­chen viel­fäl­tige kontext­be­zo­gene Substitutionen und hauchen dem Zeichenfluss varia­ti­ons­rei­ches Leben ein, indem im Wort- und Satzbild Formwiederholungen vermieden werden. Diese Features sorgen für authen­ti­sches Handschrift-Verhalten:

Standard Ligatures: Substituieren Zeichenfolgen durch zwei, drei oder vier Zeichen verbin­dende Ligaturen und erzeugen verbun­dene Worteinheiten mittels alter­na­tiver Zeichen für hohe, mitt­lere und tiefe Verbindungen

Contextual Alternates: sorgen für Unterstreich- und Durchstreichoptionen, sowie deko­ra­tive Endformen

Stylistic Sets: gene­rieren verein­fachte, nicht verbun­dene Zeichensätze für Abkürzungen, Akronyme und Formeln

Discretionary Ligatures: ersetzen Wörter mit zuge­ord­neten Piktogrammen.

Für FF Mister K. empfing Julia Sysmäläinen ein Certificate of Excellence in Type Design bei der inter­na­tional Modern Cyrillic 09 Competition in Moskau und einen Premier Award der International Society of TypoGrafikdesign Competition in London.


Gut gelaunt: Christmas Icons von LiebeFonts

Hohoho! Spätestens heute, nach dem ersten Adventswochenende, steht Weihnachten unaus­weich­lich vor der Tür. Und passend für alles, was auf den letzten Drücker weih­nacht­lich und char­mant bebil­dert werden muss, unser der Woche: LiebeChristmas Icons. LiebeFonts die Berliner Font-Manufaktur von Ulrike Rausch räumt dem Handwerk im Gestaltungsprozess viel mehr Platz ein. Ergebnis sind kalli­gra­fisch inspi­rierte Lettering Fonts und Dingbats. LiebeChristmas_Socken Nur für kurze Zeit erhalten die feier­li­chen Dingbats einen Endjahres-Rabatt von 25% und kosten als OT- oder Webfont je 11,20 Euro (zzgl. MwSt.). Hier geht es zu den Christmals Icons …


Jubiläum – FF Scala von Martin Majoor wird 25

FontShop: FF Scala Jewel Er brachte die Buchschrift-Tradition mit der Welt der digi­ta­li­sierten Schriften in Einklang: Martin Majoor. Seine FF Scala Familie wurde in dieser Woche 25 Jahre alt. Wir gratu­lieren!

Martin Majoor erin­nert sich: »Dank der Möglichkeiten der neuen digi­talen Design-Technologien genoss ich bei der Gestaltung von Scala große Freiheit und konnte ein verbin­dendes Konzept für Serif- und [1993] die Sans-Version entwi­ckeln. Viele der allge­mein akzep­tierten Ideen erscheinen mir nicht logisch. Als unab­hän­giger Designer war ich zum Glück nicht verpflichtet, ihnen zu folgen.« 

FF-Scala-Oneliner

Obwohl sichtbar durch Elemente ihrer Antiqua-Vorgänger beein­flusst, ist es FF Scala gelungen, ihren unver­wech­sel­baren Stil zu finden

Benannt nach der Mailänder Scala aus dem späten 18. Jahrhundert  wurde FF Scala ursprüng­lich für das Corporate Design des Vredenburg-Konzertgebäudes in Utrecht entworfen. Auch gestal­te­risch reichen die Scala-Wurzeln zurück zu den frühen vertikal-betonten Schriften des fran­zö­si­schen Typografen Pierre Simon Fournier, der 1737 den Punkt als Einheit für die Schriftgröße einge­führt hatte, und der sich an der huma­nis­ti­schen Form von Bembo orien­tierte.

In den späten 80er Jahren, als die ersten Scala-Schnitte entstanden, schlug das Pendel typo­gra­fi­scher Trends gerade in das andere Extrem: »The Grafic Language of Neville Brody« war 1988 erschienen und hatte die Welt der Gestaltung revo­lu­tio­niert

FontShop: FUSE 1: 'State', poster and fonts by Neville BrodyDas neue Schriftenhaus, das Erik Spiekermann mit Neville Brody grün­dete, sollte typo­gra­fi­sche Grenzen ausloten und biegen, um eine moderne, digi­tale Schriften-Bibliothek aufzu­bauen: Schriften verschie­denster Stile und für unter­schied­lichste Zwecke – zeit­ge­nös­sisch, expe­ri­men­tell, unor­thodox und radikal.

←Scala-Zeitgenosse: Poster aus FUSE 1 ‘State’, Neville Brody (Hrsg.), 1991, zur FUSE-Anthologie …

Die FontFont-Bibliothek entstand. Ausgerechnet Martin Major stieß hinzu. Dem FontFont-Schriftenzauber setzte er seine Buchschrift entgegen, die sich an der 500-jährigen Tradition der Renaissance Antiqua orien­tierte. Elegante Lettern mit hoher Wiedererkennbarkeit und belast­barer Satz kenn­zeichnen die FF Scala Schriftart und machte sie zu einem der bis heute belieb­testen FontFonts.

FontShop: FF Scala EntwicklungEntwicklung der FF Scala aus der Renaissance-Bembo über die Form von Fournier aus dem 18. Jahrhundert bis zur FF Scala von 1990

Scala bedeutet auch »Spektrum«, ein weiteres Merkmal der FF Scala, die als eine der ersten Sippen dem Serif-Stamm eine Sans-Familie mit iden­ti­schen Laufeigenschaften hinzu­fügt.

Von Light bis Black, der förm­li­chen bis zur deko­ra­tiven Typografie, bauen alle FF Scala-Schnitte auf dem glei­chen Formprinzip auf.

Aus der Serif-Version entstand durch das Abtrennen der Endstriche und aufwän­diges Anpassen des Kontrasts die Form der Sans-Variante. Die »Knochengerüste« beider Schriften sind absolut iden­tisch, so dass sie sich wunderbar kombi­niert einsetzen lassen.

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Als eine der ersten Schriftenfamilien erhielt die FF Scala einen korre­spon­die­renden Sans-Vertreter, der perfekt mit den Serif-Verandten harmo­niert, ohne die Harmonie des Textes zu beein­träch­tigen

Die ausger­prägten Serifen wurden ursprüng­lich für den zacken­freien 300 dpi Laser-Ausdruck entwi­ckelt. Auch kräf­tige Konturen und geringer Kontrast verhin­dern das Aufbrechen dünner Teile.

Robust meis­tert FF Scala schwie­rige Satzumgebungen wie den Druck auf minder­wer­tigem Papier.

Aus dem glei­chen Grund hat auch der Kursiv-Schnitt starke Serifen, die der Scala Italic einen eigenen »Klang« verleihen.

Der ausge­feilten Konstruktion der Zeichen fügte Martin Majoor einen enormen Zeichenvorrat hinzu, der großen Zeichenumfang des OpenType-Formats vorweg nahm. So verfügt FF Scala über vier Ziffernarten: Versalziffern für Tabellen, propor­tio­nale Versalziffern, Mediävalziffern für Tabellen und propor­tio­nale Mediävalziffern. Ziffern, Ligaturen, bedingte Ligaturen, Ordinalzeichen und Hochstellungen lassen sich heute komfor­tabel über das OpenType-Menü steuern.

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Eine tradi­tio­nelle Antiqua und die perfekt harmo­nie­rende Sans-Variante: Die Scala-Familie berei­chert die FontFont-Bibliothek um einen Buchsatz-Klassiker

Weitere Zeichen – die die Scala zu einer zeit­ge­mäßen Schrift für alle gestal­te­ri­schen Lebenslagen machen – sind Sterne, Rahmenelemente und geome­tri­sche Formen, mit denen man Formulare bauen kann oder die in einer Präsentation als Aufzählpunkt (Bullet) dienen. Eine Kuriosität sind rund 40 Zeigehände, die zu PostScript-Zeiten als sepa­rater Font ange­boten wurden. Seit der OpenType-Ära gehören sie zum Schnitt FF Scala Sans Regular. Zum Auswählen bzw. Aufrufen einer bestimmten Zeigehand leistet in Adobes InDesign das »Glyphen«-Fenster im Schriftmenü beste Dienste.

FontShop: FontFont-Focus No. 1 FF Scala

FF Scala-Pakete: Alle sech­zehn Schriftschnitte der Scala-Familie finden sich im  FF Scala OT Complete Suite Paket oder mit erwei­tertem Zeichenvorrat mit Fremdsprachen-Unterstützung in der FF Scala Pro Complete Suite. Weitere Pakete mit Grundschnitten oder Webfonts zeigt die FF Scala-Übersichtsseite.

Eine ausführ­liche Übersicht bietet die FF Scala FontFont Focus Broschüre (5,1 MB, 50 Seiten).

Scalas Lesbarkeit, ihr Konstruktionsprinzip und ihr Zeichenumfang machen sie zu einer belibten Satzschrift für Bücher und Zeitschriften, mühelos gelingen ihr Corporate-Aufgaben und sie ist sogar als Leitsystem (für die Metro in Los Angeles) im Einsatz. Im Schriftenranking der 100 besten Schriften aller Zeiten belegt FF Scala Platz 34.

FF Scala_handshake–M. Majoor

 

Über den Entwerfer: Seit Mitte der 1980er Jahre entwirft Martin Majoor Schriften. Nach einem studen­ti­schen Praktikum bei URW in Hamburg wech­selte er 1986 als typo­gra­fi­scher Gestalter in die F&E-Abteilung von Océ-Netherlands. Ab 1988 arbei­tete er als Grafikdesigner für das Vredenburg Music Centre in Utrecht, für das er die Schrift Scala für CI-Material entwarf. Zwei Jahre später veröf­fent­lichte FontShop International FF Scala als erste Textschrift in der neu gegrün­deten FontFont-Library.

1994 über­nahm Majoor die typo­gra­fi­sche Gestaltung des hollän­di­schen Telefonbuchs. Er entwarf eigens eine neue Schrift: Telefont. 2000 folgten FF Seria und FF Seria Sans, 2004 FF Nexus in den Versionen Sans, Serif, Mix und Typewriter.


OpenType erobert das Netz

Webtypografie erfährt jetzt durch alle aktu­ellen Browser-Versionen (ausser Safari) OpenType-Unterstützung. Endlich können raffi­nierte OT-Features wie Ligaturen, Schwungbuchstaben, Alternatezeichen und vieles mehr per CSS-Befehl umge­setzt werden. Dazu erscheinen eine Reihe passender Web FontFonts: FF Mister K. Web, FF DIN und FF Duper.

Gleichzeitig online geht der komplett über­ar­bei­tete FontFont-Subsetter, der Web FontFonts auf die Glyphen redu­ziert, die wirk­lich benö­tigt werden. Das sorgt für schlanke Fontdateien, die schnell laden.

Wir feiern diese Entwicklung zur neuen Schriftenvielfalt in online Layouts mit diesem Film, den die FontFont-Bibliothek gemeinsam mit Stark Films entwi­ckelt hat. Mit Mäusen, Ameisen und faulen Hunden.

Wie die OpenType Layout Features der einzelnen Web FontFonts aussehen und welches Kommando welches Feature akti­viert, zeigt die Web FontFont Microsite.


Mit Schriften Geld verdienen? Das geht.

HVD-Fonts-CoverHannes von Döhren weiß wie man’s macht. Er entwirft Schriften, vertreibt Schriften, managed Schriften und admi­nis­triert Schriften. Seine Entwürfe erfreuen sich in Web- und Print- Publikationen großer Beliebtheit. Brandon Grotesk ist Headlinefont von Wired Online oder Textfont in Skype Kampagnen. Pluto ziert das Elle Decor Magazin und das Computer Arts Magazin.

Hannes gehört zu den »Charakterdarstellern« einer jungen Generation von Schriftenentwerfern, wie Jan Middendorp im Vorwort zu Hannes von Döhrens gerade erschie­nenem HVD Fonts Type Book beschreibt. Er meis­tert die zwei so unter­schied­li­chen wie wesent­li­chen Disziplinen Entwurf und Vermarktung.

Eine Schrift,  die über­zeugen (und gekauft werden) will, so Middendorp, muss heute mehr sein als eine Sammlung smarter Ideen und ansehn­li­cher Glyphen. Ihr einziges Ziel, als Schrift ein nütz­li­ches Werkzeug, zu werden, fußt auf der Fähigkeit typo­gra­fi­sche Lücken auszu­ma­chen und der Fertigkeit diese zu schließen.

Ein weiteres Pfund ist Hannes von Döhrens Produktivität, seine Besessenheit die Familien, die er entwirft Schnitt für Schnitt anwachsen zu lassen und die Begeisterung, zu beob­achten, wie der Zuwachs Form annimmt, »sich rundet«, wie er es beschreibt.

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So ist HVD Fonts Type Book zunächst eine Übersicht der auf inzwi­schen 358 Fonts ange­wach­senen HVD Schriftenbibliothek: 130 Seiten umfasst der Katalog der Text-Schriften, 100 weitere Seiten zeigen von Döhrens Display-Fonts. 

Der Schriftenkatalog findet sich einge­bettet in die Kapitel zur zweiten wesent­li­chen Disziplin des Schriftenentwerfens: der Schriftenvermarktung. Wie Erik Spiekermann in seinem Intro launig bemerkt:

Allein in Berlin gibt es inzwi­schen mehr Schriftenentwerfer als Polizisten.

Jenseits aller typo­gra­fi­sche Trends und Stilfragen bricht Hannes sein Rezept für den Erfolg als Schriftenentwerfer, Schriftvermarkter und Foundry in hand­liche Tipps auf. 10 steps to become a type desi­gner enthält die Essenz der gesam­melten Versuch-und-Irrtum-Erfahrungen in einer Liste, ange­fangen bei »Find an Idea«, über »Type Foundry vs. Self Publishing« bis »Action on the web«.

Schließlich erhält jeder Käufer des Buchs eine Font-Kostprobe der HVD Fonts Bestseller. Pluto Medium, Brandon Groteque Thin, Supria Sans Bold Italic, Niveau Grotesk Regular und Niveau Serif Medium Small Caps können mithilfe des perso­na­li­sierten Codes auf der letzten Seite kostenlos herun­ter­ge­laden werden.

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Wir verlosen unser Rezensionsexemplar. Da es Zeit für Weihnachtskarten ist: Welche Schrift kommt dieses Jahr auf die Karte? Und warum? Stichtag ist Montag, der 24. November, 12:00 Uhr Mittag. Mehr über Hannes von Döhren: im Fontblog-Interview, das wir führten, als seine Foundry HVD Fonts in das FontShop-Angebot aufge­nommen wurde.

Hannes von Döhren: Every Day I Draw at Least One Letter. The HVD Fonts TYPE BOOK | Text englisch, 296 Seiten, davon 24 Seiten auf Zeitungspapier mit 31 Font-Familien mit insge­samt 358 Einzelfonts, Format 17 x 24 cm, inklu­sive 5 Fonts im Wert über 70 Euro zur freien Nutzung | 39,80 € – beim Verlag Hermann Schmidt Mainz bestellen.

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Fotos: Cover ©Verlag Hermann Schmidt Mainz, Innenseiten © Hannes von Döhren


Der 100 beste Plakate 14 Wettbewerb startet

100bp14_logo_web_lila-800pxAm 15. Dezember  schreibt der 100 Beste Plakate e.V. wieder den inter­na­tio­nalen Designwettbewerb »100 beste Plakate des Jahres Deutschland Österreich Schweiz« aus. Plakatgestalter, Auftraggeber und Druckereien aus den drei Ländern sind aufge­rufen, bis 25. Januar 2015 Plakate aller Genres und Gestaltungsmittel einzu­rei­chen, die im Jahr 2014 gedruckt und veröf­fent­licht worden sind.

Der Wettbewerb finan­ziert sich aus den Gebühren der Teilnahme: für ein Plakat 50, bis drei Plakate 90, bis fünf Plakate 130, bis 9 Plakate 150, ab 10 Plakate 200 €. Studierende und Mitglieder des Vereins 100 Beste Plakate e. V. entrichten jeweils die Hälfte.

Die Auswahl erfolgt Ende Februar 2014 in Berlin durch eine vom Vorstand des 100 Beste Plakate e.V. beru­fene inter­na­tio­nale Jury mit Philippe Apeloig (F Paris), Christof Nardin (A Wien), Jiri Oplatek (CH Basel), Ariane Spanier (D Berlin) und Richard van der Laken (NL Amsterdam). Weitere Informationen: www​.100​-beste​-plakate​.de.