Fontblog Artikel im Januar 2012

★ der Woche: Lush OT, 1650 Glyphen 46,00 35,00 €

»Lush war zunächst eine stati­sche, formale Schreibschrift im Stil der 40er/50er Jahre« erläu­tert ihr Entwerfer Neil Summerour im Lush-Schriftmuster-PDF (16 S., 700 K), »bis ich mal einen über den Durst getrunken hatte und etwas lockerer wurde.« Dies färbte sich durchaus auf die Schrift ab, so dass eine lockere und trotzdem verbind­liche Schreibschrift entstand, verspielt und mit viel Charme. Letztlich liegt es in der Hand der Benutzer, wie viel Charakter Lush entwi­ckelt: bis zu 15 verschie­dene Varianten stehen für manche Buchstaben zur Verfügung, von neutral bis exzessiv. Und damit ist Lush nicht nur eine der flexi­belsten digi­talen Schreibschriften, sie ist auch ein wahrer Verwandlungskünstler.

Als Stern der Woche bietet FontShop die gut ausge­ar­bei­tete Lush-OpenType-Script für  35 € statt 46 € an (alle Preise zzgl. MwSt.) Einfach beim Bezahlen auf www​.font​shop​.com den Promocode DE_star_2012_05 eingeben (gütig bis 05. Februar 2012).


Supermarktblog und Fontblog: Lebensmittel-Verpackungskritik

»Ständig laufen wir im Supermarkt an Regalen vorbei, die mit den unter­schied­lichsten Verpackungen voll­ge­stopft sind. Manche erkennen wir schon aus der Ferne, weil wir sie immer wieder kaufen; andere über­ra­schen mit neuen Designs und machen uns neugierig auf das, was drin ist; wieder andere würden wir niemals anrühren, bloß weil uns die Schrift oder die Farbe auf der Packung nicht gefallen.« So beginnt die zwei­tei­lige Verpackungskritik des Supermarktblog von der FAZ, die mit Unterstützung vom Fontblog entstand. Teil 1 ist soeben erschienen …


Kulturwende bei Yello Strom?

Nicht von unge­fähr habe ich die Kommunikation von Yello Strom, auch hier im Fontblog, schon mehr­fach gelobt. Es fing alles mit der wunderbar über­sicht­li­chen Rechnung an, die ich im März 2006 erst­mals erhielt (sie erscheint noch heute in derselben Aufmachung): Rechnungsdesign – ein Riesenlob für Yello. Im März 2007 wies ich auf das Yello-Marken-Buch von Bernd Kreutz hin, das dieser noch mal als PDF und kostenlos zum Download anbot. Zuletzt würdigte ich im November 2009 den einst von FontShop modi­fi­zierten Corporate Font von Yello, die  FF DIN – Grund zur FFreude im Büro … Im Privatkreis schwärme ich eimal im Jahr vom bequemen Ablesen und Übermitteln des Stromzählerstands auf www​.mein​-yello​.de, mit sofor­tiger Berechnung meines Jahresverbrauchs und der papier­losen Übermittlung des neuen Abschlags.

Heute kam Post von Yello und ich frage mich, ob im Kölner Hauptquartier eine Kulturbankrott statt­ge­funden hat. In übelstem PR-Sprech will man mir neue AGBs unter den Hintern schieben, was mit blumigster Prosa verklau­su­liert wird: »Als Yello Kunde sind Sie es gewohnt, dass wir Klartext reden. Ob am Telefon, per E-Mail oder auch per Brief – einfache und faire Kommunikation mit unseren Kunden steht für uns an erster Stelle.« Ziemlich hohl, aber rein inhalt­lich kann ich dem nicht wider­spre­chen. »Das gilt auch fürs Kleingedruckte.« Nun regt sich erste Skepsis in mir: Kleingedrucktes ist selten einfach und fair.

»Wir machen’s kurz.« heißt es dann … ich werfe einen Blick auf das zweite Blatt des Briefes, dann wieder auf den ersten Bogen, dann wieder auf den zweiten (zwei­seitig bedruckt), wieder zurück auf den ersten und denke mir: ›Wenn die mir jetzt den Inhalt von Blatt zwei bzw. die Unterschiede in den beiden Spalten auf Blatt zwei mit den verblei­benden drei Sätzen zusam­men­fassen, dann gebührt ihnen eine Goldmedaille für Kommunikation. Ich lese weiter: »Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen – kurz AGB – sind jetzt noch über­sicht­li­cher und leichter verständ­lich.« Soll das ein Witz sein? Seite zwei ist in einer drei Punkt großen Schrift zwei­spaltig, vorne und hinten, komplett voll­ge­druckt – ohne Lupe nicht lesbar? Was soll der Quatsch? Ob die AGB »leichter verständ­lich« sind, kann ich gar nicht nach­prüfen, ohne Lupe.

Drum heißt es jetzt wahr­schein­lich auch: »Für Sie werden diese neuen AGB übri­gens ganz auto­ma­tisch gültig – lehnen Sie sich entspannt zurück. Nur wenn Sie mit der Änderung der AGB nicht einver­standen sind, geben Sie uns bitte bis zum 12. März per Brief oder E-Mail Bescheid.« Hallo?! Darf ich das mal über­setzen? Eigentlich wolltet Ihr doch schreiben: Wir finden es lästig, dass wir recht­lich gezwungen sind, Millionen Kunden mit einem solchen Brief über unsere geän­derten Geschäftsbedingungen zu infor­mieren. Viel lieber wäre uns, wir könnten das »auto­ma­tisch« hinter deren Rücken tun und ein paar Millionen Euro Papier-, Druck- und Portokosten sparen sowie jegli­chen Widerspruch im Kein ersti­cken.

»Haben Sie noch Fragen?« heißt es weiter. Ich denke mir: ›Fragen habe ich keine‹ …, aber ich wünsche mir, das Unternehmen per Gesetzt dazu gezwungen werden, die Änderungen Ihrer Geschäftsbedingungen mit einem Highlighter zu markieren und mir den Grund dieser Änderungen seiten­weise und verständ­lich zu kommen­tieren. »Dann rufen Sie uns einfach kostenlos unter 0800 – 99999978 an oder schreiben Sie eine E-Mail an immerda@yellostrom.de … wie sind gerne für Sie da. Viele Grüße …« und so weiter.

Das werde ich tun. Der E-Mail füge ich eine PDF dieses Blog-Beitrags bei und den Satz »Ich bin mit der Änderung der AGB nicht einver­standen!« Mal sehen, was passiert. Fortsetzung folgt.


Slide-show: Today’s Creative Morning at BER

Hint: To enjoy all caption infor­ma­tions of our Flash-based slide show, press the start-button, choose full-screen view and fade in the Show info window at the top right of your computer screen; choose the slow timing option:


Ausstellung: Umstrittene Straßennamen in Münster

»Ehre wem Ehre gebührt?!« … Absolventen der Fachhochschule Münster entwi­ckelten unter diesem Motto ein Ausstellungskonzept zur aktu­ellen Diskussion über die Umbenennung von Straßennamen in Münster. Sie ist Teil der vom Ältestenrat der Stadt ange­regten Dialog- und Informationsphase, die die Öffentlichkeit über das Leben und Wirken der umstrit­tenen Namenspatrone und ihre Verbindungen zum Nationalsozialismus aufklären soll. Das Ausstellungskonzept haben Philipp Schwerdtfeger und Johannes Vogt, zwei Absolventen der Fachhochschule Münster, auf die Beine gestellt.

Die Ausstellung zeigt – in Form von elf lebens­großen Silhouetten – Personen einer von Experten vorge­schla­genen Namensgeber-ListeListe. Aufgedruckte Texte infor­mieren über die Rolle der Dargestellten im Nationalsozialismus. Eine der Figuren zeigt den Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg, nach dem seit 1927 der größte Platz Münsters benannt ist. Die Kommission empfiehlt dessen Umbenennung – was derzeit den wohl größten Zankapfel in der Diskussion darstellt. Neben Hindenburg zeigt die Ausstellung einige Personen, die vor allem künst­le­risch und kultu­rell tätig waren. Zu ihnen zählt etwa die Dichterin Agnes Miegel, die laut Kommission eine »Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur war und den ›Führer‹ in ihren Werken verherr­lichte«.

Zu sehen ist die öffent­liche Ausstellung bis zum 16. März in der Bürgerhalle des Rathauses.


Gute Kulturplakate im Netz

Der Kulturplakat-Wettbewerb gute​pla​kate​.de geht in die dritte Runde. Auch 2012  startet die Ausschreibung wieder zum 1. Februar. Aufgerufen sind Museen, Schauspiel- und Konzerthäuser, Kulturinstitute, Literaturhäuser, Musikveranstalter, Clubs, Festivals, Stiftungen, kommu­nale und privat­wirt­schaft­liche Kulturinstitutionen, die Ausstellungen und Kunstprojekte, Popkultur, Konzerte, Theater- und Operninszenierungen bis hin zu Performances, Tanz-, Film- und Literaturveranstaltungen bewerben. Absicht der Initiatoren ist es, ein Forum zu bilden, um Anregungen für gute Plakatgestaltung zu gewinnen und um den öffent­lich meist nur temporär wahr­nehm­baren Kulturplakaten eine Stimme im Netz zu geben.

Die Teilnahme ist kosten­frei. Den Gewinnern winken Kultur-Plakatierungen und andere Medialeistungen im Wert von insge­samt 15.000 Euro. Die Website www​.gute​pla​kate​.de ist das zentrale Informationsmedium für den Kulturplakat-Wettbewerb. Hier können Plakatmotive hoch­ge­laden, sortiert und bewertet werden. Das beste Kulturplakat wird im Internet per Online-Voting ermit­telt. Neben dem bundes­weiten Publikumspreis und einem Berlin-Spezial-Preis entscheidet außerdem eine Jury über eine weitere Auszeichnung.

Weitere Informationen sowie Bildmaterial: http://​www​.arte​fakt​-berlin​.de/​a​k​t​u​e​l​l​e​-​p​r​o​j​e​k​t​e​/​g​u​t​e​p​l​a​k​a​t​e​d​e​.​h​tml


»Blaue Stunde« an der Hochschule Augsburg

Unter dem Motto »Blaue Stunde« präsen­tieren die Absolventen des Wintersemesters 2011/12 in der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg am 10.02.2012 ihre Abschlussarbeiten. In den Räumen am Campus am Roten Tor werden Arbeiten aus den Studiengängen Kommunikationsdesign und Interaktive Medien ausge­stellt. Die Vernissage findet am Freitag den 10. Februar um 18.04 Uhr zur blauen Stunde statt. Weiterhin kann die Werkschau am Samstag und Sonntag von 14 bis 20 Uhr besucht werden. Weitere Informationen …


»Licht an!« in Konstanz

Mit einem inter­dis­zi­pli­nären Symposion unter dem Motto »Licht an!« eröffnen die Konstanzer Studiengänge Kommunikationsdesign ihren Neubau auf dem Campus der Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung. »Kommunikationsdesign: Denkmethode und Artistik – Wie Designer Probleme lösen« – über dieses Thema spre­chen am Samstag, 25. Februar, renom­mierte Referenten im Gebäude L der HTWG: Prof. Dr. Uta Brandes, Prof. Dr. Norbert Bolz, Mario Lombardo, Prof. Dr. Arne Scheuermann und Prof. Dr. Peter Heintelbetreten dann das Podium und beleuchten das Thema aus ganz unter­schied­li­chen Perspektiven.

Auftakt der Veranstaltung ist ein Prolog der Konstanzer Professoren, abschlie­ßend hat das Publikum bei einer Podiumsdiskussion Gelegenheit Fragen zu stellen und mitzu­reden. Und bei der »Langen Nacht des Designs« kann manches Gespräch im lockeren Rahmen fort­ge­setzt werden. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro, für Studenten und Schüler 20 Euro.

Zwei Jahre Bauzeit und rund 7 Millionen Euro Baukosten wurden in das Gebäude L der Hochschule inves­tiert. Das Freiburger Architekturbüro Hotz und Architekten hat mit seinem Entwurf für das leuch­tend weiße Gebäude die Grundlage für den licht­durch­flu­teten Bau gelegt. Und im August hatte das Warten dann endgültig ein Ende: Rechtzeitig zum Wintersemester 2011/2012 zogen die Designer um. Studenten haben nun nicht nur Unterrichtsräume mit Blick auf den Seerhein, sondern auch die Möglichkeit, mit einer tech­ni­schen Ausstattung auf dem neuesten Stand zu arbeiten.

Ein bunter Glaskubus sitzt auf dem strah­lend weißen Neubau der Konstanzer Kommunikationsdesigner wie das Tüpfelchen auf dem »i«. Der Münchner Künstler Stefan Eberstadt hat das begeh­bare Kunstwerk mit dem Titel »Freisitz« entworfen. Studenten, Mitarbeitern und Gästen soll es die Möglichkeit bieten, sich heraus­zu­nehmen aus dem Alltag, den Blick schweifen zu lassen, eine andere Perspektive zu gewinnen. Schwindelfrei aller­dings sollten die Besucher schon sein, denn der Freisitz von Stefan Eberstadt ragt auf einer Höhe von 14 Metern über die Gebäudekante hinaus und hat darüber hinaus einen Gitterboden.

 


Penny: mit neuem Design ins Geschäft

Wie der stets gut unter­rich­tete Supermarktblog heute verkündet, hat in einigen Berliner Filialen der Rewe-Tochter Penny der »Umbauschlussverkauf« begonnen. Damit nicht genug: Die ersten neuen Transparente hängen schon an den Fassaden. »Wir verän­dern uns. Frischer. Besser. Überraschend«, verspricht Penny seinen Kunden auf Plakaten, die der Kundschaft den Imagewandel vermit­teln … denn sie muss für eine Woche draußen bleiben.

Laut »Lebensmittelzeitung« sollen 2012 rund 800 Märkte in Deutschland neu gestaltet werden, was mit 150 Mio. Euro zu Buche schlagen wird. »Die radi­kalen Änderungen sind ein mutiger Schritt« schreibt der Supermarktblogger Peer Schader, denn das neue Design sei Welten entfernt »von den Bruchbuden, in denen Penny bisher seine Waren verkauft hat«. Vor allem aber schlage Penny eine völlig andere Richtung ein als die direkte Konkurrenz. Die Läden von Lidl seien zwar in Ordnung, aber kein Design-Highlights; Netto kämpfe immer noch mit der Integration der Plus-Filialen und den übrig geblie­benen oran­ge­far­benen Kassen, »die sich fies mit den eigenen Logofarben gelb und rot beißen«; und Aldi se komplett auf Zweckmäßigkeit einge­stellt.

Das neue, kontrast­reiche Penny-Logo lehnt sich ang an dem der Mutter Rewe an: weiß auf rotem Grund. Das Gelb ist fast komplett verschwunden, nur der Punkt hinter dem Markennamen trägt noch die Farbe und erin­nert ein biss­chen an den Namensgeber, den Pfennig. Die Versalbuchstaben P und Y über­lappen sich nicht mehr mit ihren Nachbarn, aber sie berühren sich noch – was nicht sein müsste und der Wortmarke eine zwei­fel­hafte Eigenständigkeit verleiht. Überhaupt scheint die Spationierung das Hauptproblem des Logos.

(Foto: Supermarktblog, mit freund­li­cher Genehmigung)


»Kommando Otl Aicher«

Ein Buch entsteht. Über das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972, über Terroristen, ihr Design, über Krieg, Goldmedaillen, Filme, Turnschuhe, Politik, Landkarten, Architektur, Logos, Piktogramme und bunte Hunde. Und über Otl Aicher. Es wird viele bisher unbe­kannte Facetten der Ereignisse beleuchten. Ein analy­sie­render Text, der sich wie ein Krimi liest, und reich bebil­dert ist. Der Grundstein für das Buch entstand in 15 Monaten an der Jan Van Eyck Academie in Maastricht, Holland.

Aber: Aufgrund radi­kaler Einschnitte durch die hollän­di­sche Regierung im Kultursektor ist ein Teil des Kommando-Otl-Aicher-Budgets verloren gegangen. Aus diesem Grund wird das Buch jetzt privat finan­ziert, durch Crowdfunding. Die Herausgeber sammeln das Geld von denen, die sich für Otl Aicher, Corporate Design, Olympische Geschichte, den Mittleren Osten oder alles zusammen inter­es­sieren. Mehr hier auf der RocketHub-Seite …