Fontblog Artikel im Oktober 2009

Die neue Ausgabe von »Froh!« ist da …

… und sie gefällt mir sehr gut. Ihr Thema: Wenden. Das 84-seitige Magazin nimmt den 9. November zum Anlass, um von Menschen zu erzählen, bei denen sich alles gewendet hat. Und von Orten, an denen das Wunder passiert und die Geschichte neu geschrieben wird. Die Arbeit an Wenden hat das Redaktionsteam die letzten 5 Monate beschäftigt.

Wie der bereits Titel vermuten lässt, ist Froh! ein lebens­be­ja­hendes Magazin. Dies drückt sich sowohl in den Themenwahl, als auch in der ruhigen Gestaltung aus, die mir ausge­spro­chen gut gefällt. Keine Spur von Eitelkeit und trotzdem selbstbewusst.

Froh! nennt sich »Gesellschaftsmagazin«. Neugierig greift es beson­dere Ereignisse des Jahres auf und beleuchtet Fragen und Themen hinter diesen Anlässen. Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern den Lesern auch neue und über­ra­schende Blickwinkel. Die sorg­fäl­tige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, Spiritualität und nach­hal­tigen Lebenskonzepten sowie die ruhige Gestaltung ergeben ein hoch­wer­tiges Magazin, das nicht nur Froh! heißt, sondern auch froh macht. Hier mehr erfahren: www​.froh​ma​gazin​.de


Google-Karten (typo)grafisch verfeinert

maps_klein

Nach rund 5 Jahren hat Google Maps die Ausarbeitung der Landkarten und Stadtpläne über­ar­beitet. Ziel des Redesigns war, den Informationsgehalt zu erhöhen, ohne die Übersicht zu verlieren. Im Blog des Google-Maps- und -Earth-Teams zeigt der User-Experience-Designer Jonah Jones anhand einiger Beispiele, warum klei­nere Straßen jetzt besser sichtbar sind, dezen­tere Farben mehr Ruhe bringen und die Beschriftungen (fast) auf die weißen bzw- schwarzen Konturen verzichten können. Mehr im Google-Maps- und -Earth-Blog …


Das neue Commerzbank-Logo …

… und seine Vorgeschichte(n).

vor_nach_commerzbank

Die Commerzbank hat heute ihren neuen Markenauftritt vorge­stellt, der Elemente der Commerzbank und der Dresdner Bank sichtbar zusam­men­führt. Aus dem grünen »Band der Sympathie« der Dresdner Bank (siehe auch Fontblog-Beitrag Commerzbank über­nimmt Logo der Dresdner) ist tatsäch­lich ein gelbes, drei­di­men­sio­nales Band geworden. Die Wort-Bild-Marke besteht aus 2 Elementen: dem Namen »Commerzbank« in neuer Schrift (Design: Lucas de Groot) und dem drei­di­men­sio­nalen Band. Je nach Anwendung erscheint darunter zusätz­lich das neue Markenversprechen »Gemeinsam mehr errei­chen«. Verantwortlich für das Rebranding ist MetaDesign, Berlin.

»Eine neue Bank muss auch nach außen erkennbar neue Zeichen setzen. Für uns war es zudem wichtig, dass alle Kunden ihre bishe­rige Bank in der neuen Bank wieder­erkennen. So nutzen wir das Markenguthaben beider Häuser«, sagte Martin Blessing, der Vorsitzende des Vorstands der Commerzbank heute anläss­lich der Premiere in Frankfurt am Main. Man verstehe sich als Hausbank, dazu gehöre, dass das neue Geldinstitut lang­fristig orien­tierte Beziehungen aufbaue.

Alle bishe­rigen Commerzbank- und Dresdner Bank-Filialen werden ab dem zweiten Quartal 2010 unter dem Namen Commerzbank geführt. Die zentralen Serviceleistungen werden dann in allen Filialen ange­boten. Die Kunden werden so prak­tisch keinen Unterschied mehr zwischen ehema­ligen Filialen der Commerzbank und der Dresdner Bank bemerken.

Präsentationen von heute als PDF:
Eine starke Marke defi­niert sich neu
(Richard Lips, Bereichsvorstand Group Communications)
Ein Name, ein Zeichen, eine Bank (Ulrich Sieber, Vorstand)
Pressemitteilung zum neuen Markenauftritt

Die Geschichte der Marke Commerzbank

geschichte_commerz_logosSeit über 30 Jahren prangte das Symbol auf Briefköpfen und Anzeigen, Broschüren und Leuchtreklamen der Bank. Als »Quatre vents«, das heißt vier Windrichtungen, war es einer stili­sierten Windrose nach­emp­funden und bestand aus vier Winkeln, die mit den abge­run­deten Spitzen nach innen wiesen und im Halbrund über einem Kreis ange­ordnet waren.

Entstanden war das Zeichen zu Beginn der sieb­ziger Jahre, als die Commerzbank mit euro­päi­schen Partnerbanken eine Kooperation verein­barte. In mehreren grenzüberschreitenden Untersuchungen schälte sich das von einer fran­zö­si­schen Agentur entwi­ckelte »Quatre vents« als ideales Symbol der neuen Bankengruppe Europartners heraus. Bei seiner Vorstellung erläu­terte die Commerzbank im
Dezember 1972, dass das Zeichen »die welt­of­fene Dynamik unserer Bank und unserer Partnerinstitute gut zum Ausdruck bringt. Darüber hinaus soll es konzen­trierte Kraft und viel­fäl­tigen Kundendienst symbolisieren.«

Als Farbe des Zeichens wählte man damals schwarz oder kobalt­blau auf gelbem Hintergrund, der Hausfarbe der Commerzbank. Dies war eine Konzessionsentscheidung, denn in der dama­ligen Aufbruchstimmung verzich­tete die Commerzbank auf ihr gut einge­führtes Logo: einem C, auf dem sich die Flügel Merkurs befanden. Merkur oder Mercurius war der römi­sche Gott des Handels und des Gewerbes sowie der Diebe, der vor allem in der Spätantike mit dem grie­chi­schen Hermes gleich­ge­setzt wurde. Der Sohn des Zeus und der Nymphe Maia wurde oft als Götterbote mit Flügelschuhen und -helm sowie Heroldsstab abge­bildet. Als Gott war Hermes zuständig für die Reisenden und Kaufleute.

Das C mit den Merkurflügeln hatte die Bank im Jahr 1940 gleich­zeitig mit der Namensänderung in Commerzbank Aktiengesellschaft eingeführt. Während der neue Name ledig­lich der Tatsache Rechnung trug, dass die Bank in der Öffentlichkeit ohnehin bereits so bezeichnet wurde, dürfte die Kreation eines indi­vi­du­ellen Zeichens eine Folge der zuneh­menden Bedeutung des Marketings im Bankensektor gewesen sein. Mit den Merkurflügeln betonte die Commerzbank, die vor allem von Hamburger Kaufleuten und Privatbankiers errichtet worden war, ihre hansea­ti­sche Herkunft und den Zweck ihrer Gründung: die Finanzierung des Handels insbe­son­dere im Dienste mittel­stän­di­scher Unternehmen.

Auch die 1952 entstan­denen drei Nachfolge-Institute der Commerzbank nutzten diese Merkurflügel für ihren öffent­li­chen Auftritt in der Nachkriegszeit. Eines dieser Institute, der Bankverein Westdeutschland in Düsseldorf, warb sogar mit einer Merkur-Statue.

Bei der Suche nach den ersten Logos der Bank, stößt man auf die Kürzel CDB und CPB. Diese leiten sich von den Anfangsbuchstaben der füüheren Bezeichnungen Commerz- und Disconto-Bank (vor 1920) bzw. Commerz- und Privat-Bank (von 1920 bis 1940) ab. Die Buchstaben wurden mitein­ander verflochten und häufig von einem Kreis umschlossen, auf dem der Name der Bank stand. Ursprünglich nutzte man zu Beginn dieses Jahrhunderts die rot-schwarzen Embleme auf Siegelmarken, um Briefumschläge sicher zu verschließen. Im Laufe der zwan­ziger und drei­ßiger Jahre fand die Kombination CPB auch Eingang in die allge­meine Selbstdarstellung der Bank.

Viele Verbraucher dachten bei dem zuletzt verwen­dete Zeichen »Quatre vents« zuerst an die Sonne. Ihre posi­tive Ausstrahlung kam dem Ziel der Bank entgegen, sich als kompe­tenter und sympa­thi­scher Partner der Kunden zu posi­tio­nieren. Daher entstand 1984 in der Werbung der Bank die »Sonnenkampagne«. Das Kobaltblau im Logo verschwand zuse­hends. Neben der Farbe Schwarz wurden beim Logo nun verstärkt Grautöne und vor allem Gelb einge­setzt. Gelb hat sich bereits in den fünfziger Jahren als Hausfarbe der Commerzbank heraus­kris­tal­li­siert, nicht zuletzt weil Gelbtöne über eine hohe Signalwirkung verfügen und insbe­son­dere mit Sympathie und Wärme asso­zi­iert werden.

Alle Abbildungen und Logo-Historie: Commerzbank AG


Herunterhandeln, nein Danke!

Dieses Video ist eine wunder­bare Ergänzung zum Lehrfilm Wenn zu viele in die Gestaltung rein­quat­schen. Außerdem hatte ich schon mal so etwas wie Die 10 häufigsten Ausreden gegen­über Designer veröf­fent­licht, kann es aber partout nicht mehr finden.


Was der Web-Font-Service von Typotheque kostet

typotheque_web_fonts

Mit einem inter­es­santen Servicekonzept lizen­ziert das hollän­di­sche Schriftenhaus Typotheque (Johanna und Peter Bil’ak) seine komplette Font-Bibliothek für die Gestaltung von Internetseiten. Das Abonnementsystem erlaubt den Designern von Webseiten die CSS-Regel @font-face einzu­setzen, durch die alle verwen­deten Fonts (verschlüs­selt) über einen sicheren Typotheque-Server an die Empfänger der Webseiten gelie­fert werden. Da @font-face von fast allen Browsern unter­stützt wird (Internet Explorer, Firefox, Safari und Opera), können über 95 % der Internetgemeinde solche Seiten genau so sehen, wie sie der Entwerfer einge­richtet hat.

Typotheque offe­riert drei Wege der Lizenzierung: Trial (30 Tage; kostenlos), Web und Volllizenz. Die Preise für die Volllizenz entspre­chen den bishe­rigen Lizenzkosten, eine reine Web-Lizenz kostet 1/5 davon. Die monat­liche Bandbreite für den Zugriff auf den Typotheque-Web-Font-Server beträgt 500 MB/Font, das entspricht laut Typotheque ca. 27.700 Seitenzugriffen; mit jeweils 1 € lässt sich die Bandbreite um je 1 GB erweitern.

Ein Rechenbeispiel. Angenommen ich möchte hier im Fontblog die Schriftfamilie Fedra Sans einsetzen und damit keine Drucksachen erstellen, dann kostet die Weblizenz für die komplette Familie (1 User) 138,– € (zum Vergleich: Vollizenz 690 €; alle Preis zzgl MwSt). Meine monat­li­chen Betriebskosten errechnen sich wie folgt:
4 Fonts (Reg, Italic, Bold, Bold Italic), teil­weise einge­bettet für die deut­sche Sprache, ergeben eine durch­schnitt­liche Datenmenge von 20 K/Font (Original-Font-Größe: 490 KB), macht zusammen 4 x 20 = 80 K pro Seitenaufruf. In den zurück­lie­genden 4 Wochen haben Fontblog-Besucher 400.000 Seitenzugriffe verur­sacht. Das entspricht einem @font-face-Traffic von 400.000 x 80 K= 32 GB. Da ich pro Font 500 MB Freivolumen habe, also 2 GB, betrügen meine monat­liche Kosten demnach 30,– €.

Weitere Informationen: typo​theque​.com/​w​e​b​f​o​nts


Passfotos, selbst gemacht [Update]

passfoto_regeln

Es gibt drei Wege, zu einem Passfoto zu kommen: Fotograf/Automat, Internet oder DIY (= Do It Yourself). Ich bevor­zuge Methode drei, vor vier Jahren habe ich sie im Fontblog ausführ­lich geschil­dert: Passfoto-Design: Grinsen verboten!

Clickyourpic [Update, Feb 2014: der Dienst ist einge­stellt], ein Startup von der Freien Universität Berlin, gehört zur Kategorie zwei. Nur drei Klicks und schon hat man mit einer Webcam selbst ein biome­tri­sches Passfoto aufge­nommen … und bekommt es – für rund 6 € – nach Hause geschickt.

clickyourpic_screen

Mit der Webseite clicky­ourpic lassen sich eigene Pass- oder Bewerbungsfotos herstellen

Für die meisten amtli­chen Dokumente reichen selbst­ge­machte Fotos, gedruckt auf einem Tintenstrahl-Printer. Ich habe das zuletzt für meinen Reisepass prak­ti­ziert. Tatsächlich ist die Qualität des Fotos fast irrele­vant für seine Weiterverarbeitung und Anreicherung mit fälschungs­er­schwe­renden Merkmalen: Die für das Auge sicht­bare Komponente verwan­delt sich in eine weich gezeich­nete, über­strahlte Maske.

pass_plus_foto

Die Tools der Bundesdruckerei zum Downloaden: Passbildschablone Erwachsene, Passbildschablone Kind und Fotomustertafel (300dpi).

[Update:] Unter pass​bild​groesse​.de findet man die rich­tige Pixelgröße, um Passfotos selbst auszudrucken.


Die brutale Wahrheit hinter dem Pixar-Intro

Hier ein kleines (typo­gra­fi­sches) Horrorvideo, als Einstimmung auf Halloween: College Humor hat ein histo­ri­sches Filmdokument ausge­graben, das erst­mals öffent­lich zeigt, was tatsäch­lich passierte, als die hüpfende Schreibtischleuchte einst auf den Buchstaben I sprang. Nehmt euch bitte in den nächsten Tagen vor todes­süch­tigen Lampen in acht!

Warum Charlemagne? Galt der Anschlag viel­leicht Trajan, der meist verwen­deten (und gehassten) Schrift in Hollywood? Liegt eine Verwechslung vor? Wer kann das Rätsel lösen?


Veranstaltungstipp: Audio Branding Congress 2009

aba_01_banner

Am 14. November veran­staltet die Audio Branding Academy in Hamburg den Audio Branding Congress und führt erst­mals die Elite der akus­ti­schen Markenführung zusammen. International aner­kannte Experten aus Wissenschaft und Praxis, wie z. B. der briti­scher Musikpsychologe Prof. Dr. Adrian North (Heriot-Watt University, Edinburgh) oder der Komponist des Intel-Audio Logos, Walter Werzowa aus Hollywood, refe­rieren über die neuesten Erkenntnisse, inno­va­tive Ansätze und erfolg­reiche Methoden des Audio Branding.

Eines der Highlights ist eine Podiumsdiskussion, bei der neben Ruth Simmons (sound­lounge, London) und Brigitte Rode (Audio Management A/S, Kopenhagen) auch die zwei Hamburger Audio Branding Pioniere Wilbert Hirsch (audio consul­ting group) und John Groves (Groves Sound Communications) über den Status Quo der akus­ti­schen Markenführung disku­tieren werden. Das Programm, zur Anmeldung …