Fontblog Artikel im Januar 2008

Sound-Logo-Crowdsourcing bei Sennheiser

Was den Grafikern recht, ist den Akustikern billig … Jetzt sucht Sennheiser mittels Wettbewerb ein Logo, genauer: ein Sound-Logo. Wie klingt Sennheiser? »Das möchten wir zusammen mit Musikbegeisterten welt­weit heraus­finden«, betont Susanne Seidel, Geschäftsbereichsleiterin Global Marketing bei Sennheiser. »Unsere Kunden haben ein riesiges Potential an Kreativität«.

Bis zu acht Sekunden lang darf die einge­reichte Sound-Sequenz sein (MP3-Format, Stereo, 128 kBit/s, max. 10 MB). Ab dem 15. August 2008 darf dann das Publikum abstimmen.

Anders als bei Ausschreibungen im grafi­schen Bereich sind für Sennheiser Etat-Positionen wie Honorar und Nutzungsrechte ganz normaler Alltag: es winken 5000 € Honorar und bis zu 30.000 € pauschale Nutzungsvergütung für den welt­weiten Einsatz eines solchen Sound-Logos. Von solchen Wettbewerbsbedingungen können visu­elle Gestalter nur träumen. (Quelle)


Texte analysieren

Wenn ich mir die zuletzt geschrie­benen Texte hier im Blog genauer anscheue, komme ich zu der Erkenntnis: sehr ich-bezogen. Das über­rascht nicht, denn mittels einer Reportage bin ich der neuen Geschäftsidee Musicbon auf den Grund gegangen. Den visu­ellen Beweis meiner Analyse liefert der verblüf­fende Typotransformat. Er zerlegt eigene Texte aber auch die aktu­ellen Nachrichten und baut sie zu einer sinn­ent­leerten Stichwort-Wolke zusammen, die zum Beispiel stilis­ti­sche, ideo­lo­gi­sche oder inhalt­liche Veranlagungen des Geschriebenen hervor­hebt.


Musicbon (Ende): Alles wird gut …

Gestern Abend fand dann der große Augenblick des Downloads statt … und der war gut. Die Musicbon-Seite ist grafisch und tech­nisch vorzüg­lich gebaut. Sie präsen­tiert sich direkt mit der Eingabemaske, ohne mit einer Anmeldeprozedur oder Kleingedrucktem zu nerven. Ich tippe zunächst die 12 Zahlen meines Kassenzettels und dann die 3-stel­lige Prüfziffer auf der Rückseite des Musicbon ein. Es folgt eine kurze Spambot-Sicherheitsabfrage und schon kann ich meine Musik down­loaden.

Das Album landet als 110 MB große Zip-Datei auf meiner Festplatte, ein Doppelklick entpackt die 14 Musiktitel in einem Ordner, den ich anschlie­ßend auf das iTunes-Icon ziehe. Und schon spielt die Musik. Die Metadaten der Songs sind ordent­lich ange­legt, einschließ­lich Titelnummern und Erscheinungsjahr (2008). Geradezu vorbild­lich ist die Behandlung des Album-Artworks: mit einem Klick bekomme ich eine 1400 x 1400 Pixel großes jpg-Datei des Covers gelie­fert, gekenn­zeichnet mit einem Aufkleber »Premium Edition«, die ich auf 700 x 700 Pixel herun­ter­rechne und den Metadaten meiner Songs hinzu­füge (meine Standard-Methode).

In einem zweiten Download-Prozess rufe ich das Bonus-Material ab: zwei zusätz­liche Songs, das digi­tale Booklet (PDF) und ein Musikvideo. Kleiner Wermutstropfen: das Video (Endung .mpg) wird weder von iTunes, noch von Quicktime erkannt, sondern mit der Bemerkung »Die Datei ist keine Filmdatei« igno­riert. Ich habe eine Support-Email an die einzig auffind­bare Adresse auf www​.musi​cbon​.de gesendet, zum Entwickler der Site in die Schweiz. Mal sehen, ob sich da noch etwas tut.

Übrigens könnte ich die Musik noch zweimal vom Server laden. Einzige Voraussetzung ist, dass ich mich zuvor regis­triere. Danach käme ich in den Genuss einer weiteren tech­ni­schen Besonderheit, hätte ich einen PC und keinen Macintosh: Die gekauften Songs lassen sich auch per Stream an einen Computer anhören, zum Beispiel an den Rechner eines Freundes, bei dem ich mich unter www​.musi​cbon​.de einlogge.

Auch die Übertragung der 100 % DRM-freien Musikdaten auf meinen iPod lief übri­gens problemlos (siehe Abbildung oben).

Fazit: Vorne pfui, hinten hui. Der Erwerb eines Musicbon-Prepaid-Download-Passes am Point-of-Sale – driekt neben der regu­lären Musik-CDs – ist eine unsin­nige Vertriebsidee. Das Downloaden kompletter Alben via Zifferncode (DRM-freies MPEG mit 256 kBit/s, hoch­auf­ge­löstes Cover) auf der Musicbon-Webseite ist ein Genuss. Lösungsvorschlag: Zifferncodes online verkaufen, fertig.

Folge 1, Folge 2, Folge 3, Folge 4


Musicbon (4): »Der Kunde ist bereit zu zahlen …«

Um 13:45 kommt der Anruf: »Wir haben das System aufge­spielt, sie können den Musicbon jetzt kaufen. Ich lege ihnen ›Alicia Keys‹ zurück.« Nur 60 Minuten später schwebe ich im gläsernen Aufzug in die 5. Etage des Saturn-Markts im Europa-Center. An der Musiktheke über­gibt mir ein Mitarbeiter das kniff­lige Produkt, gekenn­zeichnet mit einem Notizzettelchen.

An der Kasse im Erdgeschoss läuft alles zunächst wie erwartet: erst den EAN-Code einlesen, dann fordert das System die Seriennummer, die eben­falls als Barcode auf der Verpackung des Musicbon prangt. Doch was ist das: »Karte bereits frei­ge­schaltet. Verkauf fehl­ge­schlagen …« meldet das Display des Computers. Zweiter Versuch, gleiche Meldung. Die Kassiererin ruft ihre »Chefin«, die es noch mal an einem anderen System versucht. Nix da …

Wir gehen gemeinsam in den 1. Stock an jene Kasse, wo gestern bereits der Kauf fehl­ge­schlagen war. Die Mitarbeiterin dort erin­nert sich nicht nur an mich, sondern auch an die gest­rigen Tests ihrer Kollegen aus der Musikabteilung, kurz vor Feierabend … mit zwei Musicbons, einer davon Alicia Keys: »Das hat dann irgend­wann funk­tio­niert«. »Na ja« kombi­niere ich »viel­leicht halten wir eines der gestern verwen­deten Testexemplare in Händen, das bereits frei­ge­schaltet ist.« Ein doppeltes Freischalten wird aus Sicherheitsgründen verhin­dert.

Anders als gestern geplant, gibt es im Saturn Europa-Center nun doch ein spezi­elles Musicbon-Regal … dazwi­schen einsor­tiert die haus­ei­genen Gutschein-Cards – die flexi­blere Alternative zum Musicbon

Das klingt plau­sibel. Also beschließt die Abteilungsleiterin, ein anderes Exemplar des Alicia-Keys-Musicbon aus der 5. Etage zu holen. Zuvor bitte ich sie, auf den Aufdruck »Premium Edition: Album + Bonusmaterial« zu achten, denn das Album liegt in zwei Versionen im Regal, beide zu je 9,99 €.

Nur 3 Minuten später ist sie wieder zurück, und jetzt klappt alles … fast alles. Das System schaltet richtig, weist aber einen Preis von 12,99 € aus. Das über­rascht mich nicht, denn so stand es auch in der Musicbon-Pressemitteilung: Alben mit Bonusmaterial sind 3 Euro teurer als Standard-Alben. Sie ruft wieder in der Musik-CD-Etage an. Es folgt ein längerer Dialog am Telefon, die Stichworte »falsch ausge­preist« und »ist jetzt frei­ge­schaltet« fallen, und mir wird ganz schnell klar: Wenn ich jetzt auf die 9,99 € bestehe, verlasse ich den Markt ein 3. Mal ohne Freischaltcode. Also gebe ich schnell und freund­lich zu verstehen, dass ich gerne die 12,99 € bezahle, so wie sie der Saturn-Zentralcomputer gespei­chert hat. Die beiden Damen an der Kasse zeigen sich erleich­tert und man beendet das Telefonat mit den Worten »Der Kunde ist bereit, den Preis auf dem Kassenbon zu zahlen …«.

Fast etwas stolz verlasse ich den Saturn-Markt … nicht ohne einen prüfenden Blick auf den Kassenzettel zu werfen. Ich vergleiche die ausge­druckte Seriennummer mit der auf der Verpackung und über­fliege das Kleingedruckte: »Innerhalb von 2 Jahren einlösbar« … »In 2 Schritten zum Download …« … »Mit dem Erwerb der musi­cbon-Karte erkl∑rt sich der Kunde …«. OK, geschenkt … darum kümmere ich mich später. Jetzt fahr’ ich erst mal nach Hause und schalte die Musik frei.

Meine (vorläu­fige) Abschlussrechnung: 3 x Anfahrt per PKW (pauschal je 15,00 €) sowie 3 x Parken (4 € + 2 € + 0,50 €) macht zusammen mit dem Musicbon (12,99 €) 64,49 €. Die Alicia-Keys-CD kostet bei Saturn übri­gens 14,99 € – aber ohne Bonusmaterial.

Folge 1, Folge 2, Folge 3Folge 5


Preview des SAT.1-Redesigns auf YouTube?

Seit gestern ist auf YouTube ein SAT.1-Markenwelt-Trailer auf YouTube zu sehen, der ganz offen­sicht­lich einen Vorgeschmack auf das anste­hende Redesign gibt. Die domi­nie­rende Farbe scheint ein tiefes Rot zu werden, wobei gegen Ende des Trailers die Platte der vertrauten SAT.1-Regenbogenfarben noch­mals anklingt. Die Schrift erin­nert an VAG Rounded und hinter­lässt einen posi­tiven Eindruck: neutraler als die tech­noiden Redesigns der letzten Monate (zuletzt Kabel Eins) gleich­wohl eigen­ständig und vor allem robust durch die abge­run­deten Striche.

[Update] Ich lese gerade, dass DWDL weitere Details über den geplanten Relaunch bereit­hält.


Musicbon (3): »Verkauf fehlgeschlagen …«

Seit Freitag sollte die neueste Idee der Plattenindustrie bei Saturn erhält­lich sein: der Musicbon (Fontblog berich­tete). Am Samstag wollte ich eine Exemplar der Prepaid-Download-CD erwerben, doch die Lieferung war noch nicht einge­troffen. Man vertrös­tete mich auf Montag.

Als ich heute gegen 18:00 Uhr in der 5. Etage des Saturn Europa-Center eintreffe, sehe ich die Ware bereits von weitem zwischen den CD-Regalen stehen. Rund 1500 Musicbons von 30 Alben lagern in 4 graue Transportboxen. Eine Mitarbeiterin ist damit beschäf­tigt, diese den regu­lären CDs hinzu­zu­fügen, was mich über­rascht: Ist »die völlig neue Art des Musikkonsums« nicht einzig­artig genug, um ihr zur Premiere ein eigenes Regal zu reser­vieren?

Innerlich freue ich mich über den Containerverkauf, denn umso schneller finde ich ein Musicbon-Album, das mir zusagt. Ich hätte gar nicht die Zeit, alle Regale abzu­klap­pern und Hunderte von Alben daraufhin zu durch­forsten, ob sie zusätz­lich als Prepaid-Version verfügbar sind. Es dauert keine Minute, da habe ich mich für Alicia Keys’ »As I Am« entschieden. Es ist ein Musicbon, der auch das Laden von Bonus-Material einschließt und eigent­lich 12,99 € kosten soll, aber mit 9,99 € ausge­zeichnet ist. Vielleicht ein Einführungspreis.

Meine Freunde über das Schnäppchen währt nicht lange. An der Kasse im 1. Stock gibt es Komplikationen. Das System meldet: »Verkauf fehl­ge­schlagen«. Die Warenwirtschaft von Saturn ist nicht darauf vorbe­reitet, mir einen Kassenbon mit dem 12-stel­ligen Freischaltcode zu gene­rieren. Der Musicbon selbst enthält nämlich ledig­lich eine 3-stel­lige Prüfziffer. Erst beim Bezahlen wird das System durch das Einlesen zweier Barcodes und die anschlie­ßende Generierung des Freischaltcodes »scharf geschaltet«. Das schützt erstens vor Diebstahl und zwei­tens nehme ich an, dass Saturn erst in jenem Moment der Einkaufspreis berechnet wird.

Doch dies allen klappt nicht. Ich gehe zurück in die 5. Etage, wo zwei Mitarbeiter bereits tele­fo­nisch von der Kassiererin vorge­warnt wurden und über eine Lösung des Problems grübeln. Wir einigen uns darauf, den Kauf abzu­bre­chen. Ich lege den Musicbon zurück, hinter­lasse meine Telefonnummer und warte auf einen Anruf, wenn das System funk­tio­niert.

Meine Bemühungen, Deutschlands erster Musicbon-Kunde zu werden scheinen erfolg­reich zu sein. Kleine Zwischenrechnung: 2 x Anfahrt per PKW (pauschal je 15,00 €) sowie 2 x Parkhaus (4 € + 2 €) macht inzwi­schen 36,– €. Macht nix. Noch macht das Experiment Spaß.

Achtung, Ironie: Lesen sie in Folge 4 warum der Download am Macintosh nicht klappt und in Folge 5, warum sich Musicbon-Musik nicht auf einem iPod abspielen lässt.

Folge 1, Folge 2, Folge 4, Folge 5


Fortune-Titelbilder aus den Jahren 1933 bis 1969

Fortune Cover Galerie

Wunderbar illus­trierte Titelseiten aus der Frühzeit des US-Magazins Fortune gibt es in dieser Fortune-Magazine-Cover-Galerie.


Besuch bei Wolff Olins

Die Arbeit der Londoner Markenagentur Wolff Olins wurde noch nie so kontro­vers disku­tiert wie in den vergan­genen Monaten … erst London 2012, dann New York City. Das führende briti­sche Designmagazin Creative Review hat nun den Designberater Adrian Shaughnessy, einen der schärfsten Kritiker des Olympia-2012-Corporate-Designs, zu Wolff Olins geschickt, um die Denk- und Arbeitsweise der Markenstrategen besser zu verstehen. Er lernt unter anderem, dass sich das »moderne Branding wegbe­wegt von netten Regeln und einem ersti­ckenden Diktat … hin zum Flüssigen und Expressiven«.

Doch der Wolff-Olins-Weg könne kein Vorbild für kleine Designbüros sein. »Wolff Olins Methode funk­tio­niert immer dann, wenn es um große, öffent­lich­keits­ori­en­tierte Einrichtungen geht, die ihr Tun ständig messen und über­prüfen. Kleine Designbüros, die sich auf ihre Intuition verlassen und ihre ange­bo­renen ästhe­ti­schen Fähigkeiten, leisten glei­cher­maßen gute Arbeit. Anders ausge­drückt: Auch dort entstehen bril­lante Bausteine für die visu­elle Kommunikation, jedoch ohne die intel­lek­tu­elle Pyrotechnik, die Wolff Olins umgibt. Der große Unterschied, der Wolff Olins Leistungen bemer­kens­wert macht, liegt darin, dass sie ihre Arbeit auf dem öffent­li­chen bzw. indus­tri­ellen Präsentierteller verrichten. Sie müssen ihre Ideen gegen­über dick­köp­figen Managern und öffent­li­chen Einrichtungen verkaufen, die über Etats und Ausschreibungen entscheiden. Kreative Höchstleistungen sind schwer zu erzielen in diesem Umfeld und nur wenigen gelingt das.«

Der Beitrag erscheint in der Februar-Ausgabe von Creative Review und ist hier online zu lesen.


Infografik: Wie sich ein Blog-Beitrag verbreitet

Was passiert, wenn ein Blogger den »Veröffentlichen«-Knopf drückt? Am Beispiel eines Werbeblogbeitrags hat das Infografikbüro Built für Wired veran­schau­licht, wie die Worte in den Blutkreislauf des Internets trans­por­tiert werden. Beeindruckende Flash-Animation. (Via)


Berlinale-2008-Plakat: Der Lochverstärker ist der Star

Er gehört ohne Zweifel zu den ausster­benden Helden des Büroalltags: Der Lochverstärker. Kaum jemand blät­tert noch exzessiv in Akten. Elektronische Daten werden weder gelocht, noch abge­heftet. Wie schön, dass die Veranstalter der Berlinale auf den aktu­ellen Plakaten dem Lochverstärker ein Denkmal setzen.

Die Plakatserie für die Berlinale 2008 wurde von der Grafikerin Antonia Neubacher entwi­ckelt. Sei selbst sagt zu den Motiven: »Grafisch gesehen ist die Plakatreihe eine redu­zierte Variation aus Notwendigem und scheinbar Zufälligem. Man kann die Reihe auch als program­ma­ti­sches Statement sehen, in dem der Berlinale Bär als visu­eller Repräsentant des Festivals ständig in Bewegung ist«. Kann man … muss man aber nicht. Immerhin scheinen diese Worte die Berlinale-Veranstalter über­zeugt zu haben, sonst würde sie diese nicht eigens auf ihrer Seite zitieren.

Nachtrag: Das Hauptstadtblog will im Wettbewerbsplakat (oben links) eine Klobrille entdeckt haben. Es ist schon ein Dilemma, mit dem »Notwendigem und scheinbar Zufälligem«.

Nachlesen: Fontblog über die Berlinale-Plakate 2007 und 2006.