Fontblog Artikel im März 2008

Chaosradio: Die Geschichte der Typografie

Der Chaos Computer Club (genauer: Moderator Tim Pritlove vom Chaosradio) inter­viewt unseren Typo-Stammtisch-Freund Thomas Maier (Entwerfer des Linz-Logos, Fontblog berich­tete) zur »tech­ni­schen Entwicklung des Buchdrucks von Gutenberg bis heute«. Dabei werden eine große Zahl an Themen ange­schnitten: die frühe Entwicklung von Schrift und Schriftzeichen, der Kupferstich als erste Drucktechnik, die Entwicklung der ersten auto­ma­ti­schen Buchdrucktechnik durch Gutenberg, Aufbau und Konstruktion der Buchdruckmaschine, welche tech­ni­schen Eigenheiten die Vorlage für heutige tech­ni­sche Fachbegriffe lieferten, wie der Buchdruck das Copyright hervor­brachte, die Entwicklung der Papierformate, die Ablösung des Handsatzes durch Zeilenguss-Systeme, die Automatisierung von Schriftsatz durch Digitalisierung mit Lochstreifen, die Einführung der Tastatur durch Schreibmaschinen und die Geburt geras­terter Schriftarten durch den Lichtsatz.

Zwei anre­gende Stunden: kompe­tent, konzen­triert und lehr­reich, eine tolle Auffrischung von Fachwissen.


Stefan Sagmeister bei FontShop [Update]

stefan-Sagmeister-Covergalerie

Spiegel Online schrieb gestern: »… Sagmeister bringt seine Weisheiten so amüsant und grafisch groß­artig an den Mann, dass man unbe­dingt sein wunder­schönes Buch-Projekt ›Things I have learned in my life so far‹ haben sollte, das eher ein Buch-Objekt ist. 15 Hefte mit jeweils unter­schied­lich gestal­tetem Einband sind in einem Schuber gesam­melt, der das durch­lö­cherte Gesicht mit den braunen Augen des Designers zeigt. 15 Möglichkeiten für eine ehrliche Haut – je nachdem, welches der Hefte im Schuber vorn liegt, hat Sagmeister Windpocken, ist fahl, geblümt oder pop-art-psychedelisch.«

Dem ist nicht viel hinzu­zu­fügen, außer

• dass Stefan auf der von FontShop veran­stal­teten Konferenz TYPO 2008 spre­chen wird
• dass sein Werk bei Amazon zur Zeit nicht auf Lager ist, wohl aber bei FontShop. Noch 20 Exemplare. Es kostet nur 39,80 €, keine Versandkosten.

[Update] Übrigens gibt es auch eine Mitmach-Internet-Seite zum Buch: things​i​ha​ve​lear​ne​din​my​life​.com


Infotage Design, Schule für Gestaltung Ravensburg

Am 29. und 30. März 2008 stehen Design-Freunden die Türen der Ravensburger Schule für Gestaltung (SfG) offen. Hier bietet sich die Möglichkeit, die Schule und aktu­elle Arbeiten der Studenten zu besich­tigen, sich vor Ort zu infor­mieren und an verschie­denen Vorträgen und Workshops teilzunehmen.

Seit 1984 bietet die SfG ein 8-semes­triges Vollstudium im Bereich Informationsdesign an. Besondere Merkmale der Ausbildung: fami­liäre Atmosphäre (120 Studenten in 4 Semestern), praxis­nahe Ausbildung (die Dozenten der SfG arbeiten alle in – teils eigenen – Agenturen) und das Konzept des »lear­ning by doing« in allen Bereichen der Gestaltung.

Während der drei Infotage (Ein/Ausblick) sind zahl­reiche Studenten vor Ort, um aus dem Studium und von ihren Erfahrungen aus Praktika zu berichten. »Der Beruf des Grafikdesigners ist in den letzten Jahren für viele junge Menschen eine inter­es­sante Option geworden, doch wissen viele nicht, was das Studium für sie bereit­hält.« betont der Mitorganisator Markus Slawik.

»Die Welt der Zeichen«, ein Vortrag mit Prof. Michael Kneidl, ist einer der Programmpunkte am Samstag, den 29. März. Als Koautor von Michael Götte und Martin Krampen, die in den 70er Jahren gemeinsam mit Otl Aicher das Standardwerk »Zeichensystem der visu­ellen Kommunikation« verfasst haben, ist er für das neue Kompendium »Die Welt der Zeichen« verant­wort­lich. Weitee Informationen …


Design-Dschungel an der FH Aachen [Update]

»Growing 48 hours« ist ein drei­tä­giges Design-Experiment an der FH Aachen im Fachbereich Design. Unter der Leitung von Prof. Karel Boonzaaijer und Prof. Ilka Helmig wird in der Ausstellungshalle des Fachbereichs, einem alten Flugzeughangar, in 48 Stunden mit 48 Studenten ein Dschungel entstehen — ein Dickicht aus verschie­denen Materialien und Ideen.

Ziel ist es, aus unge­wöhn­li­chen Gegenständen verschie­denste Gewächse entstehen zu lassen: ohne Pause, ohne Kompromisse und ohne Noten. Es wird Tag und Nacht gear­beitet, bis der Urwald fertig ist. Die Materialien für dieses Designprojekt sind zum großen Teil von Firmen gespendet worden. So werden unter anderen 1500 Dachlatten, 1200 Kartons, 1000 Papprohre oder 2000 Damenstrumpfhosen verarbeitet …

[Update] Die öffent­liche Vernissage findet am 11. April, 16.00 bis 20.00 Uhr statt.


50 Jahre ☮

Am Karfreitag 1958 machte sich eine Gruppe briti­scher Rüstungsgegner auf den 50 Kilometer langen Weg von London zum Atomwaffenlabor Aldermaston. Dabei trugen sie ein eigens für diesen Anlass entwor­fenes Zeichen auf Schildern vor sich her: das inzwi­schen welt­be­kannte Friedenssymbol ☮.

Das umge­drehte V in einem Kreis, der durch eine verti­kale Mittellinie geteilt wird, entwarf der Friedensaktivist Gerald Holtom, im Zivilberuf Textildesigner. Zunächst wollte er ein Kreuz für Plakate und Spruchbänder verwenden. Erst im letzten Moment entschied er sich für ein Symbol ohne reli­giösen Hintergrund. Wie Holtom sich erin­nerte, brachte er das Signet am 21. Februar 1958 zu Papier, wobei es eine ganz banale Bedeutung hatte: Die Striche stellen die beiden Buchstaben N und D im Marine-Winkeralphabet dar – N = zwei Arme unten, D = ein Arm unten, einer oben –, der Kreis rund­herum steht für die Weltkugel. »ND« bedeutet »Nuclear Disarmament«, mit der Weltkugel gemeinsam also die Forderung nach welt­weiter nuklearer Abrüstung.

Das Logo ging vom Ostermarsch 1958 aus um die ganze Welt, unter anderem verbreitet durch Mitarbeiter Martin Luther Kings bei den US-Bürgerrechtsbewegungen. Später wurde es als Symbol des Widerstandes gegen den Vietnamkrieg und der 68er-Bewegung benutzt. Gerald Holtom sah den Siegeszug seines Zeichens mit Genugtuung und Stolz. Um es möglichst weit zu verbreiten, hatte er bewusst darauf verzichtet, es gesetz­lich schützen zu lassen. Auch deshalb wird es bis heute wie kaum ein anderes für kommer­zi­elle Zwecke verwendet.

Das Peace-Symbol ☮ hat im Unicode-Zeichenraum die Position U+262E.


Alphabetisches Pop-up-Buch

Entworfen von Marion Bataille. Es heißt »ABC-3D«. Könnte man es besser präsen­tieren, als in einem YouTube-Filmchen? (Via rake­ten­blog


Diese Woche neu: fonts 10

Diese Woche erscheint Ausgabe 10 des FontShop-Kundenmagazins »fonts«. Auf 28 Seiten stellen wir in einer – hoffent­lich anre­genden – Mischung Neuheiten und Klassiker unseres Schriftangebots vor.

Im Editorial erläu­tert der lang­jäh­riger Leiter Einkauf Christian Köhler, warum die Zahl 10 für ihn eine Glückszahl ist: »Im Fußball ist die 10 der Spielmacher, ohne die 10 gäbe es kein Dezimalsystem und Moses Gesetzestafeln wären unvoll­ständig.« Mit diesem Bewusstsein ist er durch das FontShop-Lager geschritten, um mit beiden Händen die 10 besten Produkte für Schriftfreunde zusam­men­zu­stellen. Ihr findet sie auf den Seiten 4 bis 7 des aktu­ellen fonts-Heftes. Lest auch, warum Köhler die Preise von Font-Bureau-Schriften um 25 % gesenkt hat.

Das neue fonts 10 könnt ihr sofort auf eurem Computer-Bildschirm oder dem iPhone lesen, denn es liegt wieder als PDF zum Download bereit … 4,1 MB groß, kostenlos und ready-to-zoom.

Doppelseite »10 Produkte, die glück­lich machen«: Wir stellen nicht nur die selbst entwi­ckelten Werkzeuge Typomaß und FontBook vor, sondern auch das neue Interstate-Komplettpaket, die viel­spra­chige Nimbus Sans, die neue Sagmeister-Booklet-Box und den nütz­lichsten Pantone-Fächer-Satz.

Unser Schriftentwerfer-Portrait: David Berlow. Vor 30 Jahren stieg er bei Mergenthaler-Linotype ins Font-Business ein. Vier Jahre später schloss er sich der neu gegrün­deten Bitstream an, 1989 grün­dete er mit Roger Black The Font Bureau, Inc. Hier veröf­fent­lichte Berlow in den letzten Jahren über 300 Neuentwürfe und Revivals. Berlow ist Sprecher auf der TYPO 2008. 

Doppelseite »Asiatische Schriften«: FontShops hat sein Angebot asia­ti­scher Schriften in den letzten Monaten stark ausge­baut. Neben den attrak­tiven Neuentwürfen von Morisawa gibt es preis­werte Sampler von DynaFont mit beliebten Klassikern. 

Druckfehler sterben aus. 

Eigentlich eine gute Nachricht, doch sie hat einen trau­rigen Hintergrund für die Fans von Drucksachen. Schon jetzt erreicht FontShop mit dem PDF seines fonts-Magazins mehr Kunden als mit der gedruckten Ausgabe, die nur an eine einge­schränkte Adressbasis versendet wird. Der Vorteil des PDFs: keine Versandkosten, kein Papierverbrauch und die Möglichkeit von Last-Minute-Korrekturen.

Freundliche fonts-10-Leser haben uns schon am Tag des Erscheinens der physi­schen Ausgabe auf die beiden Satzfehler auf Seite 19 (keine Bold-Italic-Darstellung) und Seite 24 hinge­wiesen (Strada statt Rotis); die »Wurst« ohne langes s im Blaktur-Schriftmuster ist übri­gens Absicht, denn sonst hätten wir  den abstrusen »Dirkschneider-Umlaut-Randomizer« nicht demons­trieren können.

Die jetzt frei­ge­ge­bene PDF-Version von fonts 10 enthält diese zitierten Fehler nicht. Steigt damit der Wert der Drucksache noch mal um einige Prozentpunkte, wie man das das von fehler­haften Briefmarken und Münzprägungen kennt? Ganz bestimmt. Es lebe der Druckfehler!


Buch-Cover-Crowdsourcing ist entschieden

coversourcing

Am 15. Dezember letzten Jahres kündigte ich an dieser Stelle das Erste Crowdsourcing für ein Buch-Cover an. Der briti­sche Verlag Random-House rief dazu auf, die UK-Ausgabe seines Buches »Crowdsourcing« – passend zum Thema des Werkes – per Crowdsourcing zu ermit­teln. Bis letzte Woche wurden 300 Vorschläge einge­reicht, 20.000 Besucher stimmten auf der beglei­tenden Website cover​sour​cing​.co​.uk ab. Jetzt steht der Gewinner fest, Hans van Brooklyn.

Tatsächlich ist er, wie bereits in den promi­nenten Beispielen Spreeblick und Spreadshirt, kein über­zeu­gender Gewinner. Der Verlag entschied sich nicht für das Cover mit den meisten Stimmen (»Stecknadeln«), sondern für das im Mittelfeld plat­zierte Motiv »Ameisen«. Angeblich habe der Entwerfer des best­plat­zierten Motivs einen israe­li­schen Kibbuz zum Abstimmen ange­stiftet. Mehr dazu und die kriti­schen Stimmen der Jury auf dem Blog des Mitveranstalters Creative Review: Coversourcing: the winner.

Siehe auch: Die Utopie Design-Crowdsourcing ist tot.