10 Praxistipps zu Lion (1/3)

Warum? Ganz einfach: Ich arbeite seit 1986 an Macs, kenne die Geschichte des Betriebssystems aus dem Effeff, einschließ­lich verloren gegan­gener Funktionen und dauer­hafter Ärgernisse. Und deshalb glaube ich, dass meine 10 Tipss für erfah­rene Mac-Benutzer hilf­reich sein könnten … für Einsteiger sind sie es sowieso.

1. Natürliches Scrollen, Trackpad-Bedienung.

Seit rund einem Jahr verwende ich an meinem MacBook keine Maus mehr, weil die Bedienung über Trackpad-Gesten immer raffi­nierter wurde … voraus­ge­setzt die Voreinstellungen stimmen. Zum Beispiel sollte »Klick durch Tippen« ange­hakt sein und bei »Sekundärklick« die Option »Mit zwei Fingern klicken oder tippen«. Im Ergebnis ergibt dies eine muskel- und gelenk­scho­nende Fingerspitzen-Bedienung, weil man nicht mehr klicken, also das Trackpad nach unten drücken muss.

Mit »natür­li­chem Scrollen« bezeichnet Apple die seit Lion umge­kehrte Laufrichtung des Fensterinhalts nach oben und unten sowie nach links und rechts. Diese entspricht jetzt den Gesten auf den Touchscreens von iPad und iPhone und nicht mehr der Bewegung des Rollbalkens. Dass Rollbalken seit über 30 Jahren in die falsche Richtung laufen, scheint ein Unfall der Computergeschichte zu sein, wenn man diesen neueren Kommentar das Apple-Lisa-Mitentwicklers Larry Tesler richtig inter­pre­tiert.

Wer seinen Mac weiterhin mit der Maus bedient, braucht sich weder um natür­li­ches Scrollen noch um Gesten zu kümmern, sondern sollte das neue Scrollverhalten einfach gemäß der bishe­rigen Gewohnheit zurück­stellen (Einstellungen ➔ Trackpad). Ich empfehle bei dieser Gelegenheit zugleich ein Augenmerk auf die rechte Maustaste (Sekundärtaste) und ihre Funktion zu werfen: das einblend­bare Kontextmenü kommt bei mir jede Minute zum Einsatz, ich kenne aber kaum jemanden, der das benutzt … weil schwer zu entde­cken.

2. Safari oder Chrome oder Firefox oder …

Seit rund einem Jahr setze ich Google Chrome als Browser ein. Und ich tue es weiterhin, obwohl ich Safari mindes­tens einmal in der Woche eine Chance gebe, zuletzt sogar täglich. Die neuste Version hat drei wunder­bare inte­grierte Funktionen, die ich liebend gerne benutzen würde:

  1. den Reader, für das unge­störte Lesen und Drucken von Texten
  2. blitz­schnelles Rückwärtsblättern im Tab-Fenster (Historie) und
  3. die Leseliste (Seiten ablegen zum Späterlesen).

Es hat aber auch drei Defizite in Bereichen, die ich viel häufiger benutze als Readern, Historie und Späterlesen. Und dabei würde mir Safari – über den Tag gerechnet – Minuten meiner Arbeitszeit stehlen:

  1. Das schnelle Schließen zuletzt geöff­neter Tabs durch das Klicken auf eine Stelle – funk­tio­niert in Safari nicht, weil das Schließkreuz auf der linken Seite der Tabs liegt, und sich ständig verschiebt bei dyna­mi­scher Tabbreite
  2. immer wieder Probleme mit essen­zi­ellen Extensions, zur Zeit mit der von 1Password
  3. Die Performance von WordPress ist uner­träg­lich, genau so wie das Öffnen sicherer Seiten.

Fazit: Wer nicht mit WordPress arbeitet, das tabbed Browsing selten benutzt und seine Passwörter nicht mit 1Password verwaltet, wird mit dem aktu­ellen Safari so glück­lich sein wie nie zuvor. Und Firefox? Steckt in einer selbst verschul­deten Sackgasse.

3. Finder: indi­vi­duell sortierte Spaltenansicht

Darauf habe ich seit 10 Jahren gewartet: Dass sich die Spaltenansicht des Dateisystems im Finder indi­vi­duell sortieren lässt (statt alpha­be­tisch). Dass Spalten die schnellste und platz­spa­rendste Navigation darstellen, war bereits kurz nach Erscheinen von OS X klar. Allein die unver­än­der­bare alpha­be­ti­sche Sortierung war Unsinn. Jetzt kann man nach Art. Grüße, Etikett und einigem mehr sortieren lassen, aber das Nützlichste für den Workflow ist schicht und einfach: Änderungsdatum (oder auch zuletzt geöffnet). Damit stehen die Dateien, an denen man gerade arbeitet, immer ganz oben in den Listen/Spalten. Und da diese Sortierung nicht nur im Finder, sondern auch beim Öffnen-Dialog aus einer Anwendung heraus ange­boten wird (z. B. das Laden eines gerade bear­bei­teten Fotos), bedeutet dies gleich doppelte Zeitersparnis beim Suchen weiter zu verar­bei­tender Dateien.


22 Kommentare

  1. René

    Um Tabs zu schließen verwende ich immer schön CMD/Strg + W, geht in meinen Augen am schnellsten, auch unter Windows :-)

  2. Jürgen Siebert

    OK, das wäre dann in Safari ein mehr­fa­ches Cmd + W, wenn man sich im aktu­ellsten (rechten) Tab befindet. Gute Ergänzung, ein Manko weniger :)

  3. Matthias

    Und wenn zu dem Cmd+W auch noch die Shift-Taste drückst, werden alle Tabs im Fenster (also eigent­lich das ganze Fenster) auf einmal geschlossen. So schnell kann man die Maus und das Trackpad gar nicht tippen.

    Die Fehler mit der 1Password erwei­te­rung kann ich nicht nach­voll­ziehen. Bei mir läuft das alles wunderbar. Was hast du da für Probleme entdeckt?

  4. Jürgen Siebert

    Die 1Password-Erweiterung will nach jedem Neustart das Masterpassword (war bisher nicht so, soll auch so nicht sein). Und heute morgen, nach der Installation eines Updates, präsen­tierte sich die Erweiterung ohne Inhalte.

  5. esox

    danke fuer die tips. nur das mit der selbst­ver­schul­deten sack­gasse des ff habe ich nicht verstanden.

  6. Florian

    Man kann auch unter Snow Leopard im Spaltenbrowser nach etwas anderem als nach Alphabet sortieren lassen. Einfach Rechtsklick > Arrange by … . Allerdings funk­tio­niert das nur für alle Spalten, nicht pro Spalte.

  7. Jürgen Siebert

    Inkonsequent, uner­wartet und versteckt, wenn es für Fenster über die Kopfleiste läuft.

    zu Firefox: sehr viele Updates, nur wenig Innovationen.

  8. Mick Jacker

    Um Safari unter Lion daran zu hindern, unge­fragt alle Fenster der letzten Sitzung wieder­her­zu­stellen, wenn er gestartet wird, ohne „Resume“ gleich ganz abzu­schalten, das da im Terminal eingeben:

    defaults write com.apple.Safari ApplePersistenceIgnoreState YES

    und es wird alles gut. Rückgängig nahe­lie­gen­der­weise mit NO.

  9. Joshua K.

    Ich verwende Opera und will dessen Mausgesten nicht mehr missen. Die sind wesent­lich ange­nehmer, als immer genau auf eine kleine Stelle klicken zu müssen, um Tabs zu schließen oder zu navi­gieren.

  10. schui

    »Und Firefox? Steckt in einer selbst verschul­deten Sackgasse.«

    Dazu würde ich gerne eine genauere Ausführung lesen!

  11. Anderer Jürgen

    Eine Frage: Kann Lion nun endlich auch die Spaltenbreiten auto­ma­tisch an den Inhalt anpassen? Ich meine so, das man zumin­dest 50% der Zeichen des Dateinamens erkennen kann? Und falls nicht, kann Lion sich die manu­elle Anpassung bis zum nächsten Aufruf merken?
    Das wär schön!

  12. Weiterer Matthias

    Meine bislang einzige unlieb­same Lion-Überraschung war, dass sich der hier unlängst vorge­stellte Adblocker für Safari ausklinkte. Scheint nur zu passieren, wenn man Safari zuvor im “Privat”-Modus beendet hat. Bislang hilft dann nur Deaktivierung und Neuinstallation des Adblockers.

  13. Mick Jacker

    @Anderer Jürgen: Im Finder? Das ging schon immer per Doppelklick auf die Spalten-Anfasser.

  14. Jürgen Siebert

    Manuelle Anpassung bleibt – äqui­di­stant – erhalten (indi­vi­du­elle Breiten werden zurück­ge­setzt), Doppelklick auf den Spaltentrenner erzeugt Minimalbreite.

  15. Anderer Jürgen

    Danke für die Antwort, aber das Schlüsselwort bleibt “auto­ma­tisch” – die manu­elle Einflussnahme ist mir nicht flüssig genug, von daher hab ich mich noch nie zur Spaltenansicht durch­ringen können – ich arbeite immer noch mit Listendarstellung.

    Eigentlich sollte das OS schon so intel­li­gent sein, die Spaltenbreiten in Abhängigkeit des Inhalts darzu­stellen, wenigs­tens optional.

  16. einziger Kay bisher

    Bin ich eigent­lich der einzige, dem nach dem Upgrade auf Lion Java Runtime fehlte? Der Großteil meines Programme-Ordners war dies­be­züg­lich not amused.

    Und: Es gibt Menschen, die das Kontextmenü des Sekundärklicks nicht kennen?

  17. Stefan

    Hat eigent­lich niemand im Safari das Problem, dass manche Seiten typo­gra­fisch falsch darge­stellt werden? Man sieht anstelle vom Text lauter Kästchen mit nem A drin! Jemand ne Idee?

  18. Jan

    Dankeschön für die Tipps, insbe­son­dere den maus­tipp. Manchmal muss ich an den mac von meinen Arbeitskollegen und muss mich da immer wieder neu zurecht­finden ….

  19. Michael

    Zumindest unter Snow Leopard, ich denke aber auch schon früher, lassen sich die Finder-Fenster auch in der Spaltendarstellung sortieren, und zwar nach Name, Änderungs- und Erstellungsdatum, Größe, Art und Etikett. Das alles im Menü Darstellung –> Ausrichtung. Lediglich nach Grüße kann man nicht sortieren, auf dieses Lion-Feature bin ich ja mal gespannt … ;-)

  20. johannes

    @stefan: ich hatte das problem auch. lag daran, dass mehrere versionen einer schrift akti­viert waren. am besten mal ins font manage­ment programm schauen und nach “konflikten” suchen.

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