Translations 03, live: Lars Müller

Lars Müller,
lars_muellerist 1955 in Oslo geboren, der Norweger lebt seit 1963 in der Schweiz. Nach einer Berufslehre als Grafiker und Lehr- und Wanderjahren in den USA und Holland eröffnete er 1982 sein Atelier in Baden (Schweiz). Seit 1996 ist er Partner der interdisziplinären Designgruppe Integral Concept, die in Paris, Mailand und Baden wirkt. 1983 begann Lars Müller seine Arbeit als Verleger von Büchern zu Typografie, Design, Kunst, Fotografie und Architektur. Seit 1985 lehrt er regelmäßig an verschiedenen Hochschulen. Lars Müller ist Mitglied der Alliance Graphique Internationale.

Der Verlag stellt sein Programm als »Schule des Sehens« vor, als präzise Auswahl aus der unüberschaubaren Flut visueller Ereignisse und versammelt Autoren, Gestalter und Künstler, die Ihrerseits für Qualität und Auseinandersetzung einstehen: Josef Müller-Brockmann, Edgar Reinhard, Jasper Morrison, Peter Zumthor, Thomas Flechtner.

Thema seines Vortrags: »Der Autor als Gestalter«, also er dreht das Thema der Veranstaltung einfach um. Müller spricht deutsch mit Schweizer Akzent. Er fragt das Publikum »Wie politisch fühlen Sie sich heute?« »Werden Sie die gleiche Partei wieder wählen?« Müller glaubt, dass Autorenschaft eine politische Meinung voraussetzt. Das muss nicht militant sein. Müllers politische Initialisierung waren Aktionen in der Schweizer Anti-Atomkraftbewegung. Auch Müllers Lehrer und Vorbilder waren stets politische Autoren: Richard Paul Lohse, Josef Müller Brockmann, Richard Buckminster Fuller und Le Corbusier, der 39 Bücher geschrieben und selbst gestaltet hat.

»Ich bin, wie die Amerikaner sagen, ›the analog guy‹ – der mit dem Buch.« Zwischenfrage von Lars Müller »Warum, zum Teufel, wollen alle Bücher gestalten?« Das Buch ist eine körperbezogene Sache (er zeigt ein Buch, auf dessen Titel schlicht »2 Kilo« steht). Das sei der falsche Ansatz. Sein erstes Buch »Die gute Form« war eher bescheiden angelegt. Es handelte vom Design in der Schweiz der 50er und 60er Jahre, ein Selbstauftrag. Er arbeitete sich mittels Bücher in Inhalte hinein. Sein nächste »Opfer« war El Lissitzky.

Sein Verlagsprogramm spiegelt immer auch seine persönlichen Interessen wider. Bücher können zu Freundschaften führen und umgekehrt: das kann ein Mench sein (Ruedi Baur) oder eine Schrift (Helvetica).

Sein aufwändigstes Cover, ein Relief: Herzog & de Meuron »Naturgeschichte«

Ende der Berichterstattung für heute.


3 Kommentare

  1. drossmedia.com

    Den könntet Ihr auch mal zur Typo einladen.

  2. Phlip

    Was meint Lars Müller, wenn er sagt das Buch sei eine «körperbezogene» Sache?

  3. Jürgen Siebert

    Er meint das Buch als physisches, oft schwergewichtiges Produkt.

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