Städtemarketing aus der Sicht eines Dorfes

Juchhe, endlich mal wieder im Kino, »Hai-Alarm am Müggelsee«. Ich hatte mich Null informiert vorher, wusste nur, dass Henry Hübchen die Hauptrolle spielt und Leander Haußmann & Sven Regener sowohl für das Drehbuch, als auch die Regie verantwortlich sind. Was kann da schief gehen? Antwort: Alles!

Der Film ist selten dämlich und gleichzeitig genial komisch. Aber: Man darf keine Erwartungen haben, so wie in meinem Fall. Sogar die Erwartung eines Kinofilms sollte man am besten zu Hause lassen. Denkt einfach, ihr geht zu einem Laienspiel. Tatsächlich ist dies der dramaturgische Container, in den Haußmann/Regener die 103 Minuten gepackt haben. Zwar sind alle Mitwirkende teils preisgekrönte Profis, aber für Hai-Alarm schlüpften sie erst in die Laienrolle und dann in die Filmrolle. Oder war’s umgekehrt? Egal, die Verweigerung jeglichen Schauspiels ist Programm.

Die Hai-Alarm-Komödie ist prominent besetzt: Henry Hübchen als Bürgermeister, Michael Gwisdek als Schwimmmeister und Detlev Buck als Dorfpolizist

Der Unterhaltung tun diese Allüren keinen Abbruch, nur die gelernten Genrekonventionen geraten völlig durcheinander. Doch auch blinde Hühner im Publikum finden ein Humorkorn. Ich habe mich herrlich an der Entzauberung des Themas Städtemarketing ergötzt. Es zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, denn der (dokumentarisch inszenierte) Handlungsort Friedrichshagen am Müggelsee erhofft sich durch den Hai-Alarm mächtig Auftrieb, sogar ein »Hai-Alarm-Bier« ist bereits gebraut und szenemäßig etikettiert. Dem Filmkomponisten Sven Regener ist es zu verdanken, dass es nun sogar eine Ballade über das Städtemarketing gibt (iTunes-Link).

Bei machen Szenen fühlte ich mich an die wunderbaren Debatten hier im Fontblog erinnerte. Bis vor wenigen Monaten waren die visuellen Neuauftritte von Städte und Regionen unser Lieblingsthema. Denken wir an das Cottbus-Logo, die Otto-Dix-Stadt Gera, Ruhr hoch n, IngolStadtLandPlusBodensee, die Marke Region Stuttgart, Be Berlin, Mein Taunus, und viele andere … Irgendwann stellte ich die Frage: (Ist das) Städtemarketing in der Sackgasse? Hätte ich gewusst, dass jede einzelne dieser Unglücksgeschichten den Stoff für einen Kinofilm in sich birgt, ich wäre vor 5 Jahren Drehbuchautor geworden.

Wer jetzt noch Lust hat, den Hai-Alarm-Trailer zu sehen … hier ist er:


6 Kommentare

  1. gerhard

    Ich bin schon sehr gespannt…

  2. bretton goods

    HAI,

    wenn man so den Trailer anschaut, dann kommt der mir bekannte, schöne Müggelsee darin sogar noch schäbiger und unwirtlicher rüber, als es gewollt sein kann.!?

    Eine Tragik, das inzwischen ambitionierten Hobbyfilmern die technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, jedes miserabel und wurstige, dritt-klassige Drehbuch zu “verarbeiten” und als “großen Film” in Szene zu setzen?

    Insgesamt entspricht dieser Film technisch wie inhaltlich aber gut dem derzeitigen Höchst-Niveau des aktuellen deutschen Filmschaffens, es fehlt darin nur noch Til Schweiger als Protagonist, um die Katastrophe zu kompletTIERen oder stammt das Drehbuch von ihm?
    Aber egal, die inhaltlich bemühte, subtile, Niveauvolle Steilvorlage ist jedoch sicher ihm zu verdanken, oder irre ich?

    Erstaunlich zu sehen, das jetzt nicht mehr für 12-jährige gedreht wird, sondern für neun- jährige, ob das ein Fortschritt ist?

    NUN JA; :

  3. review

    Der Film ist ein Griff in den Müg… – pardon – ins Klo. Er ist langatmig und enthält keinerlei gute Gags. Die Ambitionen so etwas wie unterhaltsamen Trash zu machen, ist leider am Unvermögen der Macher gescheitert.

  4. da_ta

    »hai-alarm« ist ganz bestimmt nicht mit einer til-schweiger-komödie gleichzusetzen! natürlich geht es stellenweise etwas klamaukig zu, aber ich habe trotzdem eine menge guter gags gefunden. komödien im kino sind ein heikles thema – aber beim »hai-alarm« habe ich schon des öfteren gelacht und mich während des ganzes filmes gut unterhalten gefühlt. deshalb kann ich diese vernichtenden kommentare nicht teilen.

  5. Übersetzungsbüro

    Der Trailer verspricht leicht verdauliche Unterhaltung ohne tiefen Sinn. Der Bürgermeister scheint seine Rolle genial zu spielen. Verglichen mit ähnlichen amerikanischen “Klamotten” wird Hai-Alarm sicherlich verdaulicher sein…

  6. Captain Rock

    Der müggelseeische Süßwasserhai? So realistisch wie der Sanddelphin!

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