No Logo in São Paulo

Im Dezember 2006 erließ Gilberto Kassab, Bürgermeister des brasilianischen São Paulo, ein Gesetz, das jegliche Außenwerbung verbietet. Es war die Reaktion der Stadtverwaltung auf mehrere Versuche, die Zunahme von Leuchtreklamen, Billboards, Plakaten und Laufschriften in den Griff zu bekommen … sie alle wurden bis zuletzt ignoriert.

Seit wenigen Tagen greift das neue Gesetz, das von São Paulos Stadtchronist Roberto Pompeu de Toledo als »der seltene Sieg des öffentlichen Interesses über das Private, von Ordnung über das Chaos, der Ästhetik über die Hässlichkeit, von Sauberkeit über Müll« gefeiert wird. Die Werbewirtschaft gab inzwischen zu, dass der Großteil der rund 13.000 Außenwerbeflächen in der 11-Millionen-Stadt illegal seien, fühlt sich dennoch als Sündenbock. »Dieses radikale Gesetz verstößt gegen die Regeln einer Marktwirtschaft«, empört sich Marcel Solimeo, Chef-Ökonom des brasilianischen Werbeverbands.

Der brasilianische Typograf und Schriftentwerfer Tony de Marco hat jetzt auf Flickr Fotos der werbefreien Metropole veröffentlicht: No Logo in São Paulo.

Quellen: pressetext.at, boingboing, werbeblogger


4 Kommentare

  1. Jens

    […]
    Mich erinnert das Ganze an die Aktion von Delete! (http://www.steinbrener-dempf.com/delete/index.html) — die Entschriftung des öffentlichen Raums des Künstlerduos Steinbrener und Dempf, wobei die Verordnung des Bürgermeisters genau das andere Extrem darstellt […]

  2. Benjamin Hickethier

    Wie allerdings auf flickr von ›somebrazilianguy‹ angemerkt – offenbar ein Bewohner São Paolos (der sich selbst als eher Konservativen aus der Werbeindustrie bezeichnet), verbietet das Gesetz nicht ›jegliche Außenwerbung‹, sondern nur die unverfrorenst-lärmende: »Readers must notice that not all ads will be removed, though. Just the blatant huge ones, the “outdoors” that take up the sky and the huge front signs. Some regulated ads will still be ran, and actually expanded, specially on bus stops – they will all be controlled by a single entity, however, which makes the law easier to be enforced.«
    Und sehr schön schließt er später: »I am human before I am a consumer. They’re giving me back my sky, my city texture, my walls, and my trees; how can I not applaud this?«.

    Hatte Frau Klein wohl doch in einigem Recht. Für die Neuauflage ihres Buches kann sie jetzt die photoshop-retuschierten ›NoLogo‹-Illustrationen herausnehmen und durch echte Bilder aus São Paolo ersetzen. Mal sehen, wie lange die Administration in São Paolo durchhält.

  3. stefano picco

    also manchmal wünsche ich mir auch, zumindest einen tag lang durch die straßen gehen zu können ohne werbung zu erleiden … ähm … erblicken

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