Ich fordere leidenschaftliche Typografie

(Aufklärung tut not. Deshalb habe ich in diesem Beitrag eine kleine Adobe-InDesign-Schulung versteckt … Wer ausschließlich typografische Nachhilfe wünscht, gehe einfach nur die Bilder und Bildunterschriften durch. Wer mitdiskutieren möchte, lese die Absätze dazwischen.)

Sagt: Wollen wir mal alle zusammen für bessere Typografie im Land kämpfen? Meine Tochter Marie (15) fragte mich am Wochenende: »Warum sind eigentlich die amerikanischen und englischen Bücher so viel schöner gemacht als die deutschen?« Na weil die typografische Kultur dort weiter entwickelt ist, antwortete ich. Außerdem probieren die gerne mal was Neues aus.

Bleiben wir kurz beim Buch. Selbst ein jahrzehntealter Wettbewerb wie Die Schönsten Deutschen Bücher leistet kaum einen Beitrag zur typografischen Kultur. Er spornt zwar die kleinen Kunst-, Kinder- und Coffee-Table-Buchverlage an, aber auf das große Brot-und-Butter-Verlagsbusiness färbte er nicht ab. Doch …: die Schulbücher sind in den letzten 10 Jahren besser geworden. Aber vergleicht mal einen deutschen Harry-Potter-Band mit den anglo-amerikanischen. Zwischenfazit: Die Kluft zwischen gut gemachten und schlecht gemachten Büchern vergrößert sich im Land.

OpenType-Schriften (.otf) enthalten oft jede Menge typografischer Leckerbissen, wie Kapitälchen, Ligaturen, Schwungbuchstaben oder alternative Zeichen … das Glyphen-Fenster in Adobe InDesign liefert die perfekte Schnellübersicht: Menü Schrift → Glyphen

Jüngst hieß es auf Twitter: Liegt es eigentlich an der unpraktischen OpenType-Bedienung von Adobe, dass kaum jemand im Land die OT-Features nutzt? Nee, es liegt nicht an Adobe, weil: Die britischen und amerikanischen Designer arbeiten mit denselben Programmen wie wir. Es liegt auch nicht an den Schriften, die noch nie seit Gutenberg eine derartige Ausdrucksvielfalt boten wie heute. Es liegt schlicht an der Faulheit und Trägheit einer viel zu großen Zahl von Verantwortlichen, die teils in Verlagshäusern, teils in Designbüros und teils auf Seiten der Auftraggeber anzutreffen sind (die sich jeden Mist andrehen lassen).

Damit dieser Beitrag nicht in der Schublade Eigenwerbung landet, habe ich zur Bebilderung mit einer Schrift gespielt, die es bei FontShop (leider) gar nicht gibt. Sie wurde von der Berliner Designerin Ulrike Wilhelm gezeichnet, manche Fontblog-Leser kennen sie vom monatlichen Berliner Typo-Stammtisch. Ihre Kollektion trägt den sympathischen Namen Liebe Fonts, sehr zu Recht, denn die Alphabete sind mit viel Liebe gezeichnet und programmiert. Ja, programmiert! Moderne OpenType-Fonts sind keine Setzkästen, sondern intelligente, dialogfähige Softwares.

Neben dem Glypen-Fenster (siehe eine Abbildung weiter oben) bietet das OpenType-Menü den Zugang zu vielen typografischen Leckerbissen, vor allem auch Voreinstellungen und Automatiken … zugegeben, es liegt etwas versteckt im Kopf der Zeichen-Palette

Traurig aber wahr: Große Schriftenhäuser wie House Industries, Emigre, Linotype, LiebeFonts und auch FontFont liefern seit Jahren exquisites Rohmaterial, das am breiten Markt vorbei zu zielen scheint. Wenn das PostScript-Type-1-Format (so etwas wie die Glühbirne unter den Schriften) von der Industrie nicht beerdigt worden wäre … so mancher »Typograf« würde auch noch in 10 oder 20 Jahren seine Seiten im ASCII-Laufställchen zusammen basteln. Ich weiß wovon ich rede, weil wir tagtäglich mit Kunden am Telefon und per E-Mail kommunizieren … ich meine kommerzielle Kunden, keine Heimarbeiter und keine Studierenden.

Eines der raffiniertesten OpenType-Features für Schriften, die wie handgezeichnet aussehen möchten, sind kontextbedingte Varianten (einzuschalten im OpenType-Menü), die bei LiebeDoni dafür sorgen, dass sich Doppelbuchstaben unterscheiden

Verlassen wir mal den bibliophilen Bereich. Am Wochenende stieß ich zufällig im Lichthof des Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) auf die Seidentuch-Ausstellung der französischen Luxusmarke Hermès, Titel Seidenblicke. In Kooperation mit dem renommierten US-Künstler, Designer und Szenenbildner Hilton McConnico entstand eine Ausstellung in zehn Räumen, die ein Märchen erzählt, in das sich mit viel Liebe und Geschmack rund drei Dutzend klassische Hermès-Tücher einfügen. Ich kenne das Budget für dieses 5-wöchige Event nicht, schätze es aber auf locker 6-stellig.

Beim Bauen von Headlines oder Logos können alternative Zeichen, zu finden im Glyphen-Fenster oder im OpenType-Menü unter Stylistic Sets, für Überraschungen in Wort oder Zeile sorgen

Als Designinteressierter muss man Luxusmarken mögen, denn wo sonst bilden wertvolle Materialien, schöne Verpackungen und gute Gestaltung einen festen Produktbestandteil? Und wenn ich dann durch eine solch luxuriöse Ausstellung wandere, für die auch noch das Designbüro Undo-Redo einen schönen Leporello entworfen hat, dann schau’ ich mir natürlich aufmerksam die Beschriftung an.

Und dann leide ich meistens … Wieder einmal sind Texte lieblos gestaltet und unleserlich, wieder einmal bestätigt sich meine These: Gute Typografie ist nicht teurer als schlechte*. Es hätte keinen Euro mehr gekostet, bei den Seidenblicke-Ausstellungstafeln (siehe unten) die Silbentrennung einzuschalten und von Blocksatz auf linksbündig zu stellen. Und wenn der Auftraggeber auf echt luxusmäßige, angenehm lesbar Typografie bestanden hätte … ja, es wäre eine Investition zwischen 30 und 80 € nötig gewesen, um die passende Schrift zu finden und zu erwerben. Sollte für Hermès bzw. für Hermès-Partner kein Problem sein.

Enthält eine Schrift seltene oder ausgefallene Ligaturen, die nicht für jeden Text geeignet sind, verbergen sich diese unter dem OpenType-Menüpunkt Bedingte Ligaturen, mit dem man sie ein und ausschalten kann.

*Zwei Fotos von der Ausstellung »Seidenblicke« im KaDeWe:

10 Texttafeln in der Hermès-Ausstellung im Berliner KaDeWe erzählen eine Art Märchen aus 1000 und einer Seidennacht …

… doch die Typografie der Tafeln ist unterirdisch, mit leseunfreundlichem Umbruch und eine beliebigen Schrift (jedenfalls ist sie weder im Hermès-Corporate-Design zu finden, noch im Begleitfaltblatt zur Ausstellung)

Dieser Beitrag soll der Auftakt einer Typografie-Qualitätsoffensive werden. Ich weiß noch nicht, was als nächstes folgt und wie es weiter geht. Erst mal wünsche ich mir ein paar Verbündete. Auch wenn die ausbleiben sollten: Ich werde keine Ruhe geben, bis ich einen Sinneswandel im Land spüre. Danke.

Jürgen Siebert

PS: Vielen Dank an Ulrike Wilhelm und Frank Rausch, die mir nicht nur die Idee für diese Initiative lieferten (unwissentlich), sondern auch die schöne Schrift LiebeDoni sowie (dann auf Anfrage) die Screenshots für den im Beitrag intergierten OpenType-Crashkurs. Und noch was, bevor hier der erste Kommentator über meine Jägerschnitzel-Typografie herzieht: Das ist ein Symbolbild, kein ernst zu nehmender Ratschlag für eine Speisekarten-Gestaltung.


49 Kommentare

  1. Schwalbenkoenig

    Die x-beliebige Schrift scheint mir auf den ersten Blick die Helvetica zu sein. Ansonsten unterstütze ich diesen Beitrag voll und ganz. Man bekommt viel zu oft Augen-Aua, wenn man die lieblos gesetzten Grauwerte sieht, die einem Tag für Tag entgegengeschleudert werden.

  2. philipp

    Lieber Jürgen,
    wir sind dabei!!! Verbündete im Herzen und – vor allem – im Auge ;-)

  3. R::bert

    Feiner Artikel. Und wenn daraus noch eine Serie werden sollte, stehe ich glatt hinter Dir! (Gefällt mir auch, dass Du Ulrikes Arbeit hier hervorhebst. Verdientermaßen wie ich finde. Der Liebe, die sie in Ihre Arbeit steckt, kann man sich in der Tat nur schwer entziehen.)
    Wenn Hermès wüsste, wie sie die gewünschte Kommunikation durch eine derart grobe und lieblose Typografie zerstören … nichts von samtig weicher Seide, geschweige denn osmanisch geheimnisvoller Märchenhaftigkeit. Da überkommt einen lediglich eiskaltes Schaudern, welches in schnelle Flucht zwingt! Fesseln wird dieser Schriftsatz wohl kaum Jemanden.

  4. Christoph

    Danke, Jürgen!
    Du weißt, Typefacts kämpft seit jeher an Deiner Seite an vorderster Front!

  5. arti

    und von Blocksatz auf linksbündig zu stellen

    Ich stelle in meinem Umfeld relativ häufig fest, dass die Leute richtig Angst vor Flattersatz haben und Blocksatz fälschlicherweise als schlichter oder “aufgeräumter” empfinden. Links ‘ne Kante, rechts ‘ne Kante, das ist anscheinend einfacher, da kann man nichts falsch machen.
    Klar ist für schönen Flattersatz auch Handarbeit nötig, aber nach meiner Erfahrung auch nicht mehr als für optisch erträglichen Blocksatz ohne Löcher.

  6. Peter

    Ein »Ja, sehr gerne!« von Studentenseite. Wir stehen bereit und Beiträge wie dieser motivieren definitiv. Danke!

  7. R::bert

    @ arti
    Ich glaube, mit diesem Phänomen bist Du nicht allein. Kleiner Dialog von letzter Woche kurz vor Druckfreigabe von Ausstellungstafeln:

    Kunde:
    Und ich habe noch eine Frage. Haben Sie sich bewusst gegen Blocksatz entschieden?

    Darauf mein Erklärungsversuch:
    Wir sind hier alle generell keine Fans von Blocksatz. Er verringert die Lesbarkeit (Ist wie beim Bergsteigen: an einer glatten Wand haben Sie keinen Halt. Ähnlich ist es hier. Das Auge wünscht sich Stufen um sich besser orientieren zu können.) und reißt oft unschöne Wortabstände (Löcher) in das Textfeld. Daher »Ja!« – bewusste und von uns empfohlene Satzart. Besonders bei Ausstellungsdesign wie diesem, da meist viel Bewegung und Unruhe im Umfeld. Damit auch erhöhter Schwierigkeitsgrad für Konzentration und Lesen.

    Glücklicherweise war es überzeugend.
    : )

  8. Ralf H.

    Aufklärung tut not.

    Deswegen muss ich auch leider immer wieder (nerven und) einwerfen, dass die Formulierung »Opentype (.otf)« zwar nicht falsch ist, aber wie schon in dem Beitrag über die typografischen Milieus den Anwender eher verwirren kann. OpenType geht aus dem TrueType-Format hervor und kann auch die Endung .ttf haben. Und dies ist auch alles andere als eine Seltenheit. »Opentype (.otf)« suggeriert aber, dass OpenType und .otf fest zusammengehören würden und .ttf etwas anderes ist. Dies ist aber nicht der Fall.

    Aber dies nur nebenbei. Ansonsten ein toller Artikel. Du kommst mir knapp zuvor. Eine LiebeDoni-OpenType-Artikel hatte ich auch gerade in Planung. ;-)

  9. Dominik

    Sehr viele amerikanische Bücher sind aber auch nicht leidenschaftlicher gestaltet, sondern schrecklich überfrachtet!

  10. Simon Wehr

    Jürgen, ich kömpfe mit Dir! Ümmer gerne! Seit über 4 Jahren leben wir bei uns im Büro leidenschaftliche Typografie und haben es bis heute nicht bereut. So lasst mich sein, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der – äh – 125ste? Wenn Du Themen für Artikel hast / suchst oder Input brauchst, weißt Du ja, wie Du mich bekommst.

    Aber bei den Büchern mag ich dann doch widersprechen: Mich schaudert es bei dem Anblick und der Haptik der englischen Taschenbücher. Graues Schmuddelpapier, bis an die letzten Ränder in auch nicht originelleren Schriften bedruckt, labberig gebunden. Da nehme ich lieber die deutschen in die Hand. Und bei gebundenen Büchern kommt’s wohl auch eher auf den Verlag an, als das Land.

  11. Marcus

    Der Artikel spricht mir aus der Seele, ich bin schon sehr gespannt was sich aus dieser Offensive entwickelt. Eventuell brauchen wir wirklich ein Bundesministerium für Typographie.

  12. Thomas Hühn

    @Ralf H.: Und aus Postscript. Denkt denn endlich jemand mal an Postscript? ;-)

  13. Florian Hardwig

    Applaus für diesen Beitrag!

    Aber vergleicht mal einen deutschen Harry-Potter-Band mit den anglo-amerikanischen.

    Nachdem ich genau das für die Ausstellung ›Lieblingsbuch‹ gemacht habe, will ich diesen Punkt nicht unkommentiert stehen lassen. Was die Innentypografie angeht, kann sich die deutsche Ausgabe (Beispiel: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Carlsen) nämlich durchaus mit der englischen (… and the Deathly Hallows, Bloomsbury) messen.

    Beide Versionen verwenden Blocksatz ohne optischen Randausgleich. Die englische verzichtet auf Silbentrennungen und ist daher gelegentlich etwas löchrig, was sich aber durch die etwas breitere Kolumne (ca. 70 Zeichen pro Zeile gegenüber ca. 60 in der deutschen) relativiert. Die deutsche Ausgabe ist aus der Bembo gesetzt, und zwar aus jener erträglichen Version, bei der das Bein des R eingekürzt ist. Die Mikrotypografie ist akzeptabel, mit Kerning, Guillemets und richtigen Apostrophen – allerdings ohne Ligaturen. Versalfolgen stehen leicht verkleinert.

    Die englische verwendet die Berkeley Oldstyle. Auch hier wird auf Ligaturen verzichtet, obwohl die Schrift welche bereithält. (Das ist nicht weiter problematisch, da es keine unglücklichen Kollisionen gibt – in beiden Fällen.) Die häufig vorkommenden Versalfolgen sind in Grad und Laufweite unverändert und drängen sich so stärker in den Vordergrund. Für die Kolumnentitel wurden unechte, elektronisch erzeugte Kapitälchen gewählt.

    Insgesamt sind beide Ausgaben weder grottenschlecht noch preisverdächtig. Dass aber die deutsche gegenüber der englischen abfällt, kann ich nicht nachvollziehen.

  14. Jürgen Siebert

    Vielen Dank, Florian.
    Beim direkten Vergleich aus Maries Bücherregal habe ich Harry Potter mit der Twilight-Saga verwechselt. Zum Vergleich habe ich mal den Romanbeginn beider Ausgaben auf den Scanner gelegt: links »Breaking Dawn« (Atom Books, UK), rechts »Biss zum Ende der Nacht« (Carlsen). Mit einem Klick kannst Du die Großdarstellung aufrufen. Die Beurteilung überlasse ich der Leserschaft … ich finde beide ordentlich, aber nur eine leidenschaftlich:

    Zu Harry Potter. Ich habe eben keine englischsprachige Ausgabe zur Hand, kann mich aber sehr gut an die erste Begegnung in einem Buchladen in San Francisco erinnern. Ich war vor allem beeindruckt über die typografische Lobpreisung im Kleingedruckten. die ich auf dieser Website wieder gefunden habe:
    http://www.openmarket.org/2007/08/07/adobe-garamond-in-the-harry-potter-books-not-a-character-but-a-font/

    Und während ich das schreibe fiel mir wieder ein, dass ich vor vier Jahren noch diesen Beitrag im Fontblog geschrieben hatte: Über die Ausstattung der Potter-US-Ausgabe

  15. Ivo

    Du weißt, Typefacts kämpft seit jeher an Deiner Seite an vorderster Front!

    … gemeinsam mit dem Fontwerk natürlich!

    Allerdings sehe ich ebenso die Qualität amerikanischer Typografie nur teilweise im Vorteil. Gerade das oftmals dunklere Papier und die fast immer unbefriedigende Weiterverarbeitung erschwert mir oft das Lesen amerikanischer Bücher. Auch Schriftwahl und Mikrotypografie zeigen regelmäßig Schwächen. Im Magazinbereich scheinen mir die Unterschiede und der Vorsprung schon deutlicher.

    Aber wir brauchen ja nicht unbedingt über den großen Teich zu schauen um festzustellen, dass hierzulande tatsächlich eine Typografie-Qualitätsoffensive Not tut. Ich unterstütze sie zu 100%.

  16. Sven Winterstein

    Der Beitrag kann was. Und die Liebe Doni auch (kommt bei uns bald zum Einsatz).

  17. kunstbanause

    to cool things down…
    die Realität sieht (für mich und viele meiner Bekannten) doch leider ganz anders aus.
    Kleine Agenturen, wenig bis kein Personal, alle müssen alles können oder zumindest machen, von Fotos über Style Sheets bis Schriftsatz alles dabei. Dabei finde ich es nur natürlich (wenn auch jedesmal ärgerlich) dass der ein oder andere Lapsus in vielen Arbeiten steckt. Hinzu kommt, dass Budgets oft keine Hingabe zum Detail/ Produkt ermöglichen, oder: was tun, wenn schon beim Auftraggeber keinerlei Liebe zur Sache drin steckt? Alles absagen geht zumindest nur kurze Zeit.
    Und noch ein völlig anderer Blickwinkel:
    Erfahrungen mache ich am intensivsten durch Fehler. Die sollen auch andere machen dürfen, niemand kennt alle Zaubersprüche gleich, auch Potter musste sich durchs Buch wühlen (und das war eins mit cheats).
    Der dritte Blickwinkel, der mir sofort einfällt ist wahrscheinlich schon fast ketzerisch.
    Was tun, wenn der Zielgruppe die eigene Hingabe egal ist und diese einfach nicht bemerkt wird?
    Das beschäftigt mich oft, Klagen über diese Situation kann ich regelmäßig in von mir frequentierten Blogs finden, nur Lösungsansätze finden sich selten.
    Daher ein intensives Danke für die InDesignTips, für so tolle Seiten wie typolexikon.de und auch für eine so charmante Schrift wie die Doni.

  18. kunstbanause

    und ach:
    Leidenschaft!

  19. Luis M.

    @ Jürgen

    Die Beurteilung überlasse ich der Leserschaft … ich finde beide ordentlich, aber nur eine leidenschaftlich:

    mich wurde interessieren welche du nun leidenschaftlicher findest, ich wurde ehe ein Buch wie »Breaking Dawn« lesen.
    Sonst wünsche ich mir mehr solche Berichte und wann Robert, Ivo, Christoph und andere dabei sind noch besser.
    PS: Ich finde die LiebeFonts klasse, bitte mehr davon LiebeUlrike.

  20. Ben

    Toller Artikel, Jürgen. Manchmal muss einem aber auch wieder ins Bewusstsein gerufen werden, dass es so viele tolle typografische Funktionen gibt. Und sie eigentlich auch leicht zu erreichen sind. Mehr dazu gibt es auch in meinem kleinen Beitrag: http://www.typolution.de/typo-kurs-indesign-4-opentype

  21. Vroni

    Guter Artikel.

    Halte das Typo-/Design-Verhalten z. T. für Software-, Interfacebedingt.
    Der Rest kommt möglicherweise von unserer Liebe zum Cleanen, Technischen.

    Schriftverspieltheit:

    Mir ist aufgefallen, dass sogar amerikanische Websites grundsätzlich verspielter mit Schrift umgehen als wir, nicht nur Bücher. Z. B. unbefangen mehr Unterschnitte einer Schriftfamilie verwenden, wo unsereiner eher streng darauf bedacht sind, nur ja nicht “zuviel des Guten”, und Strenge, Klarheit und Konsequenz einzuhalten.

    Steile Theorie:

    Bei uns wird in der Tendenz ein Design eher gelobt, das “konsequent” ist. Das geht schon in der Ausbildung los. (Frage an die hier mitlesenden Profs: Ist das noch so?). Konsequenz wird dann häufig als asketische Strenge verstanden. Aber natürlich ist eine verspielte Schrift genau mit Ligaturen und Swashes noch dazu verdammt konsequent. Wenn verspielt, dann richtig.

    Ich mag zum Beispiel Dingbats, und auch die bibliophilen Schmuckzeichen sehr, wie sie der Verlag Hermrann Schmidt Mainz sogar in sein Logo gehoben hat. Fein.
    Aber als ich beim Relaunch meiner eigenen Website so eine Richtung anging, bin ich bereits intern wg. arger Verspieltheit zurückgepfiffen wurden :-). Achja, seufz …

  22. koni

    Trotz der Befürchtung es wieder als

    Gemoser

    ausgelegt zu bekommen wage ich es trotzdem, das harmonische Idyll hier grad ein wenig zu stören und zu Bedenken zu geben, daß nicht jeder, der nicht jeden typografischen Schnickschnack bis in’s Letzte ausreizt deshalb typografisch leidenschaftslos, träge oder gar faul wär. So möge man mir verzeihen, daß ich nicht so ganz einstimmen mag in den Chor derer die die LiebeDoni so sehr in den Himmel jubeln sondern sie lieber als nette Spielerei verbuche.

  23. carmen

    Öfter mal leidenschaftlicherer Typografie begegnen – das ist mir doch auch schon lange ein Anliegen. Wie auch immer ich unterstützen kann, ich bin dabei!

  24. Jürgen Siebert

    @kunstbanause
    Damit ich es nicht vergesse: Die Antwort zu Deinem Kommentar wird ein spitzzüngiger eigener Beitrag … vielleicht morgen.

  25. Gerhard Großmann

    Um das noch mal zu abzuklären: Ein sauberer Blocksatz hat doch nichts mit Leidenschaft zu tun, sondern mit Handwerk. Genauso ist es mit korrekter Zeichensetzung („ – “ …). Solche Dinge liegen doch nicht an mangelnder Begeisterung, sondern an Unwissen, oder?
    Ich meine: Jeder, der etwas veröffentlicht, und schon mal die Grundregeln von typokurz (http://www.zvisionwelt.de/downloads.html#typokurz) durchgelesen hat, macht diese Dinge doch nicht mehr falsch. Erneut: Oder?

    Klar darf (Jägerschnitzel-)Typografie mal auf die Pauke hauen, um bewusst zu machen, was man mit etwas Begeisterung erreichen kann und dass es eben nicht reicht, einmal kurz auf »Blocksatz« zu klicken. Wie koni meint (http://www.fontblog.de/ich-fordere-leidenschaftliche-typograe#comment-137311) darf man da aber ruhig unterscheiden zwischen Pflicht und Kür. Die zweite ist optional, die erste darf aber auf keinen Fall fehlen.

  26. Joshua K.

    Ich schließe mich Gerhard Großmann an. Zwei Dinge sollten wir unterscheiden, wenn wir von typographischer Qualität reden: 1. Sauberes Handwerk, beachten der Grundregeln (richtige Zeichensetzung, ordentlicher Blocksatz …) und 2. „Leidenschaftliche“ Typographie, die mehr wagt.

    Im allgemeinen fehlt es schon am ersten Punkt, auf den sollte eine „Offensive“ (wie auch immer die aussehen mag) deshalb vor allem abzielen. Über den zweiten Punkt kann man dann mit denen reden, die ihr Handwerk bereits beherrschen.

  27. Gerd Wippich

    Die Diskussion hier läuft sehr in Richtung angewandte Mikro-Typografie, die Ausgangsfrage war jedoch, warum amerikanische oder englische Buchumschläge oft so viel schöner und origineller sind als deutschsprachige.

    Das liegt m. E. daran, dass man dort begriffen hat, dass ein attraktives Cover den ersten (und oft auch einzigen) optischen Berührungspunkt zum potentiellen Käufer darstellt. Mich wundert es auch, dass sogar Übersetzungen ins Deutsche häufig einen viel weniger attraktiven Umschlag bekommen. Das muss wohl tatsächlich an den Entscheidungsträgern im Verlagswesen liegen?

  28. Vroni

    @ koni
    Leidenschaft muss nicht zwingend verspielt aussehen.
    Man kann auch leidenschaftlich streng sein.
    :-)

    Es ist z. B. ein mittleres Kreuz mit der richtigen Zeichensetzung, wenn man, wie ich auch, hier auf dieser Blogsoftware flugs Kommentare ablaicht … (richtige Anführungszeichen … ) oder man beim Kommentieren mal wieder den Gedankenstrich vergisst und schlamperterweise dafür den Silbenstrich nimmt, Eigennamen wie Verlag Herrmann Schmidt Mainz unkorrekterweise nicht kursiv setzt, falsch zitiert etc.
    hinthint…

    Doch ein Blog ist ein flüchtiges Medium vor dem Herrn und ich halte es für übertrieben vermessen, hier auch die leidenschaftlichen Qualitätskriterien anzulegen, die man bei (hoffentlich gut lektoriertem) Buchsatz anlegt.

  29. Vroni

    @ Gerd Wippich

    Das muss wohl tatsächlich an den Entscheidungsträgern im Verlagswesen liegen?

    Oder vielleicht auch mit am Publikum?
    Ein Henne-Ei-Ding vielleicht?

  30. Gerd Wippich

    @Vroni
    Soweit ich bislang mit Verlegern zu tun hatte, ist mir nicht bekannt, das dort durch A/B-Tests bei der Zielgruppe um den beliebtesten Buchumschlag gerungen wurde. Da entschied der Product Manager oder die Werbeleiterin.

    Oder hat hier im Forum jemand andere Erfahrungen gemacht? Wie läuft so eine Entscheidungsfindung in deutschen Verlagen heutzutage?

  31. HP

    witzig ist, dass es deine fi#ligatur aus der url gehauen hat :-)

  32. Vroni

    Bis dahin zur Kurzweil eine Einlassung aus der FAZ über die Optik , Sinn und Zweck von Buchcovern und wer wie entscheidet: Schau! Mich! An! (Buchmesse 2008)

    Wer weiß, ob ein Kunde, der einen Buchladen betritt, das Werk mit dem Cover im lieblichen Grünstich in die Hand nehmen wird? Den Titel mit den fein gezeichneten bunten Kinderblumen? Oder eher das Buch in schlichtem Weiß mit der serifenlosen Schrift? Niemand weiß es – aber alle rätseln.

  33. Suzu Pahlke

    Findet ihr nicht, dass schon der Text der HERMÈS-Ausstellung merkwürdig klingt? So spricht / schreibt doch niemand literarisch. Es sieht für mich so aus, als ob hier eine französische Ausstellung ins KaDeWe gewandert ist, und dabei jemand den französischen Text 1:1 ins (na ja) Deutsche übertragen und in ein bestehendes Ausstellungskonzept (Text in der Quadratform der Tücher?) gepresst hat.

    (Gute) Typografie fängt ja immer auch beim Text an, und etwas so holpriges ist natürlich auch schwer zu typografieren. Ein guter Übersetzer mit literarischem Gespür hätte sicherlich einen flüssigen Text geschrieben. Blocksatz ist ja auch nicht grundsätzlich schlecht. Wie alle, die hier über guten Blocksatz schreiben ;-) wissen, hat jeder Autor einen eigenen Rhythmus, und es lassen sich immer eine schmale, eine mittlere und eine breite Satzbreite ermitteln, bei den der Text fließt und es nur wenige Trennungen gibt. Wenn für die Ausstellung ein guter Übersetzer-Texter und ein guter Grafiker zusammengearbeitet hätten, hätten sie sicherlich die Vorgaben der Ausstellung (“Text im Quadrat”/quasi Figurensatz) erfüllen können, und es wäre noch eine schöne Sache daraus geworden. Knifflig, aber eine reizvolle Aufgabe, hohe Kunst natürlich, und alles Handarbeit – eben genau wie die schönen Tücher von HERMÈS.

  34. f:de

    Ich kann dem auch nur zustimmen viele Bücher in Deutschland sind wirklich nicht schön gemacht. Man siehe sich nur die aktuellen Bestsellerliste bei Spiegel an. Aber es gibt auch Ausnahmen, Verlage wie die Bücherguilde oder auch Kookbooks liefern immer wieder tolle Bücher.

  35. Gerd Wippich

    Danke für den Link, Vroni. Das ist schon mal interessant: in einem Markt mit jährlich etwa 100’000 Neuerscheinungen weiss anscheinend niemand so genau, warum sich ein Buch nun gut verkauft (oder eben nicht). Bei der Titelgestaltung folgt man lieber allgemeinen Trends und kupfert voneinander ab.

    Auch bei der Stiftung Lesen hab ich zum Thema Kaufentscheid durch gute Gestaltung auf Anhieb nichts gefunden… wer weiss da mehr?

  36. koni

    @vroni: eben!

  37. Simon Wehr

    Wikipedia schreibt zu Leidenschaft: »Leidenschaft ist eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion. Sie umfasst Formen der Liebe und des Hasses, wird aber auch für religiösen, moralischen oder politischen Enthusiasmus benutzt und beschreibt die intensive Verfolgung von Zielen von beispielsweise Kunstliebhabern, Sammlern oder von Tierfreunden.«
    Ich sehe nicht, dass leidenschaftliche Typografie einen Grotesk-Blocksatz ausschließen soll. Eine wirklich angemessene, ordentliche Schrift zu wählen, Zeilenabstand und -breite perfekt auszutarieren, Silbentrennung intelligent anzuwenden und einen feinen Kontrast für die Überschriften zu schaffen etc. Warum soll das nicht leidenschaftlich sein?
    Warum bitte sollte Handwerk und Leidenschaft ein Widerspruch sein? Ich behaupte, dass Leidenschaft eine Vorraussetzung für perfektes Handwerk ist.

  38. Simon Wehr

    @kunstbanause
    ja, die Realität besteht leider wirklich nicht ausschließlich aus 10.000€-Budgets für eine kleine Broschüre. Aber Leidenschaft sollte immer drin sein, meinst Du nicht? Ich denke zwischen einer leidenschaftlich gestalteten Broschüre mit kleinen Makeln und einer lieblos hingeklatschen wird man trotzdem den Unterschied sehen.

  39. Thomas Hesselmann-Höfling

    Spricht mir aus dem Herzen … und wird sofort an meine Mitarbeiter weitergeleitet, als Pflichtlektüre … tja, hoffe nur das ganze predigen bringt auch was.

  40. nora

    :)
    Ich bin dabei! Vielen Dank für den schönen Beitrag Jürgen!
    Wobei ich sagen muss, dass die am schlechtesten gebundenen Paperbacks auch aus den USA kommen. Da habe ich schon mehr als eines ungelesen in die Tonne gedrückt, weil das Aufschlageverhalten so miserabel war. Aber das hat ja jetzt eigentlich gar nichts mit dem Thema der leidenschaftlichen Typografie zu tun … für mich gehört das Finish eben auch immer mit dazu.

  41. Lorer

    Es heißt übrigens kämpfen und nicht kömpfen ;-) Erster Satz unterm Jägerschnitzel. #Rechtschreibnazi

  42. Jürgen Siebert

    Puh, und das gleich im ersten Satz. Ich hab’s korrigiert. Danke für den Hinweis.

  43. Florian Fischer

    »Wenn der Zielgruppe die (typografische) Hingabe egal ist«.

    Hingabe ist immer Selbstzweck. Geben ist Selbstzweck. Nehmen verpflichtet.
    Sorgfalt, Achtsamkeit, Hingabe, die angeblich keiner merkt, hat eine positive Langzeitwirkung, indem Schäden ausbleiben, die sonst sehr merkbar entstehen würden. Schlechte Typografie ist für Augen und Wachheit wie Gift im Essen für Magen und Wohlbefinden. Man merkt es nicht gleich, aber wundert sich irgendwann über Müdigkeit und Unlust und Siechtum. Typografie ist Lebensmittel für die Augen.

  44. R::bert

    Sorgfalt, Achtsamkeit, Hingabe, die angeblich keiner merkt, hat eine positive Langzeitwirkung, indem Schäden ausbleiben, die sonst sehr merkbar entstehen würden. Schlechte Typografie ist für Augen und Wachheit wie Gift im Essen für Magen und Wohlbefinden. Man merkt es nicht gleich, aber wundert sich irgendwann über Müdigkeit und Unlust und Siechtum. Typografie ist Lebensmittel für die Augen.

    Das haben Sie aber schön ausgedrückt!

    PS.: Es gibt auch wundervolle Webfonts – für Augen, die am Bildschirm essen …
    ( ; Die FF Good stünde Ihnen sicher good! : )

  45. R::bert

    Hingabe ist immer Selbstzweck. Geben ist Selbstzweck. Nehmen verpflichtet.

    Ich wage zu bedenken:

    Kommt auf die Haltung an. »Nehmen verpflichtet.« Wenn ich mich nicht beschenken lassen kann, ja. »Geben ist Selbstzweck.« Wenn ich nie beschenkt wurde, ja.

  46. Matthias

    Lässt sich einschätzen, ob Sonderzeichen (»«, –, ’ etc.) von aktuelleren E-Mail-Programmen sinnvoll verarbeitet werden? Via Mac-Mail ist das ja kein Problem, aber oft bekommt man in der Antwort die eigene Mail noch mal in der Windows-Lesart zu sehen – bestenfalls mit Kästchen oder Bruchzahl statt »ö«, schlimmstenfalls mit »freundlichen Gr«. Das bremst die Leidenschaft dann schon ein wenig.

  47. kunstbanause

    zur Schnittmenge der Themen Hermès und Bourdieu:
    http://25.media.tumblr.com/tumblr_lr7r9fjvQv1qz6f9yo1_500.jpg

  48. Wolfgang

    Für mich ist gute Typografie die Leidenschaft, die ich mir persönlich leiste, damit angemessen zu verdienen wird immer schwieriger.

  49. Sara

    Hmm, der Jägerschnitzel-Font ist toll! Wie heißt denn der?

    Viele Grüße
    Sara

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