Willkommen 2012: die kostenlose Erler Dingbats

Hausputz unter den Betriebssystem-Fonts … Nachdem in der vergangenen Woche die millionenfach verbreiteten Verdana und Georgia eine Aktualisierung erfahren haben, gibt es heute gute Nachrichten auf dem Gebiet der Symbol-Fonts: FSI FontShop International leistet einen Beitrag zur Aktualisierung der Bildersprache und stellt ab heute den TrueType-Font Erler Dingbats kostenlos allen Computerschreibern zur Verfügung.

Erler Dingbats ist eine zeitgemäße Symbol-Sammlung, auf die Texter und Social-Media-Tipper seit Jahren gewartet haben, mit moderner Ästhetik und einer gemeinsamen Formensprache. Auch technisch ist der Font auf dem neusten Stand, denn er folgt dem Unicode-Standard-Block Dingbats (Positionen U+2700 bis U+27BF), der »symbolhafte und dekorative Glyphen in Anlehnung an die Gestaltungen von Hermann Zapfs Schrift ITC Zapf Dingbats« definiert (Quelle: Wikipedia). Erler Dingbats kam bereits für das Buch Decodeunicode – Die Schriftzeichen der Welt zum Einsatz (Bergerhausen/Poarangen, Seite 444 und 445), weil es der erste Dingbats-Font ist, der die Unicode-Anforderungen zu 100 % erfüllt. Und um diesen Standard weiter zu stärken, hat sich FSI dazu entschlossen, Erler Dingbats kostenlos für alle Nutzungsarten (privat, kommerziell, Betriebssysteme) frei zu geben.

Genau 191 Symbole bilden den Zeichenvorrat von Erler Dingbats. Die meisten davon sind wertvolle Bausteine für die schnelle visuelle Kommunikation, zum Beispiel Pfeile, Checkboxen, Kreuze und Häkchen, symbolische Satzzeichen, Schreibgeräte sowie drei Ziffernsätze auf runden Flächen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingbats-Sammlungen folgen die Erler Dingbats einem gemeinsamen grafischen Stil und sind zeitgemäß gestaltet. Kein Wunder, denn Erler Dingbats wurde aus dem 800 Zeichen umfassenden FF-Dingbats-2.0-Vorrat entwickelt (erschienen 2009), wobei allerdings über 80 Zeichen neu entworfen und alle bereits vorliegenden grafisch überarbeitet werden mussten.

Die Benutzung von Symbolen in der Kommunikation hat in den letzten Jahren wieder zugenommen, seitdem Browser, Smart-Phones, Social-Media-Apps und Messenger-Programme (z. B. iMessage für iOS) den Unicode-Standard unterstützen. »Seit langem ärgern wir uns beim Twittern und Facebooken darüber, dass die angebotenen Symbole entweder zu filigran sind, oder zu klein, oder einfach nur altmodisch.« sagen die Entwerfer der neuen Dingbats, Johannes Erler und Henning Skibbe gegenüber Fontblog. »Also haben wir uns  einen eigenen Symbol-Zeichensatz gebaut, den wir seit längerem benutzen. Und weil uns schon mehrere Freunde gefragt haben, ob sie den Font haben können, haben wir gemeinsam mit den Font-Technikern von FontFont die Erler Dingbats gebaut, um sie ganz schnell ganz weit zu verbreiten.« Dies geht am besten, indem man sie verschenkt, so dass bald Millionen Anwender weltweit in den Genuss zeitgemäßer Symbole kommen.

Mehr Informationen, eine Broschüre zum Downloaden und den TrueType-Font Erler Dingbats auf www.dingbatsfont.com

Fragen und Antworten

Frage: Was bedeutet der Name »Erler Dingbats«?
Antwort: Die erste Hälfte des Namens ist ein Tribut an den Entwerfer, Johannes Erler. Dingbats ist eine seit Jahrzehnten geläufige englische Onomatopoesie (Lautmalerei), wobei dingbat = printer’s ornament, den Zierrat des Druckers umschreibt.

F: Warum heißt die Schrift nicht FF Erler Dingbats, es ist doch ein FontFont.
A: Sie stammt zwar aus dem FontFont-Stall, verzichtet aber die Markenbezeichnung, weil sie – als free font – den Unicode-Gedanken und die Unicode-Qualität fördern soll.

F: Hat Johannes Erler die neue Dingbats alleine entworfen?
A: Nein, sie entstand mit seinem Partner Henning Skibbe, wobei Johannes Erler die künstlerische Leitung hatte. Erler gründete 1993 das Hamburger Designbüro Factor Design, das er im letzten Jahr verließ, um neue Herausforderungen anzunehmen. Sein Hauptinteresse gilt dem Corporate und dem Editorial Design. Am 1. Januar 2012 wird er Art-Director des Wochenmagazins stern. Henning Skibbe studierte von 2002 bis 2007 an der FH Potsdam, wo er die Typedesign-Kurse von Luc(as) de Groot besuchte. Seine Schrift Haptic gewann 2009 ein Certificate of Excellence in Type Design beim Type-Directors-Club-Wettbewerb.

F: Was genau definiert der Unicode-Block Dingbats?
A: Der Unicode-Block Dingbats (2700–27BF) enthält eine Sammlung symbolhafter und dekorativer Glyphen in Anlehnung an die Gestaltungen von Hermann Zapfs Schrift ITC Zapf Dingbats, die einen industriellen Standard darstellt. Er besteht hauptsächlich aus Pfeilen, ornamentaler Interpunktion und Klammern, eingekreisten Ziffern, Kreuzen, Sternen sowie vermischten Zeichen und Symbolen aller möglichen Themen.

F: Was unterscheidet Erler Dingbats von anderen OS-Dingbats-Fonts?
A: Abgesehen von ihrer 100-%-Unicode-Kompatibilität ist Erler Dingbats vollständig, zeitgemäß entworfen und die enthaltenen Glyphen folgen einer gemeinsamen grafischen Sprache (Strichstärke, Grauwert, Rundungen, Detailtreue, Zeichenbreite, usw.).

F: Kann ich in auf meinem Rechner die Standard Dingbats gegen Erler Dingbats austauschen?
A: Im Prinzip ja, das heißt aber nicht, dass Ihr Betriebssystem Erler Dingbats als Standard akzeptiert. Die OS-Fonts (Mac und Windows) sind von Seiten des Betriebssystems meist »fix verdrahtet«. Das heißt zum Beispiel: Wenn Sie die schreibende Hand aus Erler Dingbats tippen, bei deinstallierter Standard-Dingbats, kommt möglicherweise das passende Unicode-Zeichen U+270D für Writing Hand aus einem vordefinierten OS-Ersatz-Font, zum Beispiel der Arial Unicode, wo es ebenfalls enthalten ist.

F: Wenn Erler Dingbats ein Free Font ist, kann ich sie dann weiter geben oder in einer Free-Font-Kollektion selbst zum Download anbieten.
A: Nein. Bitte verweisen Sie auf die offizielle Download-Quelle www.dingbatsfont.com. Im Falle eines Updates oder eines Rückrufs sollen neue Daten sofort und unter der bekannten Adresse bereit stehen.

F: Warum enthält Erler Dingbats keine zeitgemäßen Symbole wie Handy, WiFi oder Digitalkamera?
A: Da sich Erler Dingbats 100 % am Unicode-Standard orientiert, ist für ergänzende Zeichen kein Spielraum.

F: Welche Zeichen sind in Erler Dingbats enthalten, die in Zapf Dingbats fehlen?
A: Es sind die in den obigen Abbildungen hellgrün dargestellten Zeichen, unter anderem die Glyphen Faust, flache Hand, Funkeln, weißes Ausrufe- und Fragezeichen, einzelne Schleife, doppelte Schleife. Eine detaillierte Übersicht liefert das rechts abgebildete Schriftmuster Erler_vs_Standard.pdf.

F: Warum sieht das Malteserkreuz in Erler Dingbats anders aus als in Zapf Dingbats?
A: Statt des nach Unicode auf der Position U+2720 vorgeschriebenen Malteserkreuzes enthält Zapf Dingbats ein Tatzenkreuz oder Eisernes Kreuz. Erler Dingbats folgt an dieser Stelle der Unicode-Vorgabe.

F: Ich möchte Erler Dingbats auf meinem iPhone benutzen … geht das?
A: Das Betriebssystem iOS bietet zur Zeit 59 Schriftfamilien, das Löschen oder die Installation zusätzlicher Schriften ist – ohne Jailbreak – nicht möglich. Wir haben das bei Apple für die Betreuung der OS-Schriften verantwortliche Team über das Erscheinen von Erler Dingbats in Kenntnis gesetzt, was mit Interesse aufgenommen wurde.

F: Werden die mit OS X Lion eingeführten farbigen Emoji-Symbole bald die Dingbats-Fonts ablösen?
A: Tatsächlich sind die Emoji-Zeichen gemäß Unicode chiffriert und genießen im iOS Vorrang, so dass zum Beispiel ein Tweet mit einem einfarbigem Dingbats-Herz beim Empfänger mit bunten Emoji-Symbol dargestellt wird. Da es im Standard-Dingbats-Font das Herz zweimal gibt – entgegen der Unicode-Vorgabe als Herz und als Spielkartenwert – wundern sich immer mehr iPhone-Twitterer, das ihr Liebe zu etwas mit einer Herz-Spielkarte entstellt wird.