Drei ganz persönliche Geschenktipps

»Schanze, 1980« vom Thomas Henning, 96 Seiten, Junius Verlag

Er war der erste Kreativprofi, dem ich begegnete, als ich 1986 nach Hamburg kam um PAGE zu gründen: der Fotograf und Designer Thomas Henning. Er arbeitete damals für das Schwestermagazin MACup, und ich wurde Zeuge, wie er dort binnen sechs Wochen ein Redesign einführte. Mit Ansagen wie »Du schaffst das schon …« oder »… vorher gehen verlassen wir nicht das Büro.« trieb er unsere Kollegen zu Höchstleistungen an. Er gab nicht eher Ruhe, bis die simplen Programme Freehand 1.0 und PageMaker 1.5 Ergebnisse ausspuckten, die seinen professionellem Anspruch stand hielten.

Und so habe ich mich riesig gefreut, nach über zwei Jahrzehnten wieder mal Arbeiten von Thomas Henning zu sehen, noch dazu aus den 80er Jahren. Sein neues Buch »Schanze, 1980« (19,90 €, Amazon-Link) widmet sich einem Hamburger Stadtteil, der von Fans bis heute abgöttisch geliebt wird. Um 1980 war das Viertel um das Schulterblatt und vor der Sternschanze eine unwirtliche Nachbarschaft. Zwar sorgte das Gewürzwerk Hermann Laue in der Schanzenstraße für gut aromatisierte Luft, doch konnte der Geruch nach gemahlenem Zimt und Nelken den Gestank, der im Sommer vom Schlachthof herüberwehte, nicht überdecken. Draußen zu sitzen war wegen der Geruchsbelästigung und der fehlenden Sitzgelegenheiten nicht üblich.

Es gab auch nicht viel zu gucken im Schanzenviertel, denn noch hatte es die »kreative Szene« nicht erobert. Tagsüber bevölkerten einkaufende Frauen und alte Menschen mit zerfurchten Gesichtern die Straßen. Auf planierten Trümmergrundstücken spielten Kinder vieler Hautfarben. Eine wichtige Funktion erfüllte spät abends der Automatenladen im Abbruchhaus: Er hatte als einziges Geschäft im Viertel nach 19:00 Uhr geöffnet. Thomas Henning hat diese Stimmung mit wunderbaren sozialdokumentarischen Farbbildern festgehalten. Ein Zeitdokument, ohne jede kunstfotografische Prätention, inspiriert von den Protagonisten der amerikanischen New Color Fotography der 1970er Jahre.

»Eat!«, Food-Design-Kalender von Henning Otto und Elisabeth Plass, 124 Seiten, NBVD Verlag

Dieser liebevoll gestaltete Ringbuchkalender zeigt Design und Kunst mit Essbarem. 54 Designer, Künstler und Architekten zeigen visuelle Strömungen und besondere gestalterische Lösungen aus dem Umfeld von Essen, Trinken und Ernährung; in leckeren Appetit-Happen über das ganze Jahr 2012 verteilt. Weil Essen ein Kulturgut ist, liegt der Zubereitung, Inszenierung und Vermarktung von Nahrungsmitteln ein großes ästhetisches Interesse zugrunde. Grund genug dieses Thema im aufwändig produzierten Designkalender »Eat!« in den Mittelpunkt zu stellen.

Die versammelten Arbeiten informieren über Zeitgenössisches aus der Szene und liefern zugleich Inspiration und Anregungen. Kulinarische Kunstinstallationen und -Happenings, interessante Produkte, konzeptionelle Food-Fotografie, Brand- und Grafik-Design rund um das Thema Esskultur. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl der Projekte war, dass sie den Pfad des guten, künstlerischen Geschmacks nicht verlassen; denn mit Essen spielt man nicht.

Der Kalender ist unter anderem direkt beim Verlag, über Amazon sowie im gut sortierten Buchhandel für 17 EUR erhältlich.

»Deutschland – lerne zeichnend Bundesländer…«, Graffiti-Ausmalbuch, 48 Seiten

Besonders interessant für Kleinstädter: Wem die Betonmauern in der Umgebung zu karg sind, könnte dieses preiswerte Buch (6,95 €) dem Jugendzentrum oder Nachbarkindern spenden. Das Graffiti-Ausmalbuch fördert nicht nur das Farbgefühl sondern vermittelt zugleich geografisches Wissen, nämlich die Namen der deutschen Bundesländer und ihrer Hauptstädte – spielerisch. Im Klappentext heißt es: »Graffiti fördert im frühen Alter Kreativität, Farbenlehre und das Lernen von Buchstaben und Typografie! Das Graffiti Ausmalbuch Deutschland soll zum einen dazu beitragen, das einseitige negative Vorurteil gegenüber Graffiti zu relativieren, und gleichzeitig eine etwas coolere Lernhilfe darstellen. Das Malbuch enthält eine Auswahl von Illustrationen der deutschen Bundesländer und Landeshauptstädte von 28 heimischen Graffiti-Künstlern, die in jungen Jahren begonnen haben und mittlerweile ihren Lebensunterhalt in der Kreativ-Industrie bestreiten.« Dieses Buch gibt es sogar auf fontblog.wpengine.com, gemeinsam mit dem Schwestertitel »Graffiti Ausmalbuch: Malen wie die Profis«.


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