Das organisierte Imageproblem, oder …

Warum engagieren sich eigentlich so wenige deutsche Designer für und jenseits ihres täglich Brot?

von Johannes Schardt und Christophe Stoll (precious-forever.com)

Seit einiger Zeit verspüren wir das Bedürfnis, unserer Profession, die wir seit zehn Jahren ausüben, etwas zurückzugeben und unseren Teil dazu beizutragen, dass der Beruf des Gestalters mehr soziale, gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Relevanz erlangt.

Gute Arbeit abliefern, Artikel publizieren, Lehraufträge annehmen, Praktikanten ausbilden, Workshops durchführen, Vorträge halten, seine Fähigkeiten für wohltätige Belange einsetzen… es gibt viele Dinge, die jeder einzelne neben seiner alltäglichen Arbeit als Gestalter tun kann, um sein Fach zu unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit ist das Engagement in größeren Gruppen und Organisationen, sei es nur durch eine Mitgliedschaft oder durch aktive Mitarbeit. Beides war für uns vorstellbar und so informierten wir uns über die verschiedenen Zusammenschlüsse, die es in Deutschland gibt.

Ein kurzes Nachfragen in unserem direkten Umfeld ergab, daß kein Designer Mitglied in irgend einem Verband ist. Manche wussten überhaupt nichts konkretes über AGD, BDG und Co., andere hatten sehr klare Meinungen dazu. Leider keine positiven (»angestaubt, langweilig, bringt nix«).

Beim Sichten der Websites und des angeforderten Infomaterials mussten wir feststellen, daß auch wir uns überhaupt nicht angesprochen fühlten. Thematische Schwerpunkte, Ansprache und nicht zuletzt die gestalterische Umsetzung wirkten auf uns alles andere als einladend. Von einem Designverband hatten wir etwas mehr kreativen Geist erwartet als von der Bäckerinnung.

Nicht nur uns und unseren Bekanntenkreis scheinen die Verbände nicht überzeugen zu können. Denn wie Henning Krause, Präsident des BDG, am 11. Juli 08 auf dieser Seite kommentierte: »Vor diesem Hintergrund möchte ich (mal wieder) darauf verweisen, daß lachhafte 5% der Designer Deutschlands es für nötig befinden, in einem Berufsverband Mitglied zu sein.«

Tatsache ist, dass wir die Relevanz für solche Organisationen durchaus sehen. Dennoch zögern wir mit einem Beitritt. Vielleicht weil es ein Imageproblem gibt? Und selbst wenn viele Designer die Wichtigkeit solcher Verbände erst gar nicht erkennen, bedeutet das nicht letzten Endes, dass es ein Kommunikationsproblem gibt?

Ist es nicht paradox, dass Berufsverbände, die sich mit Kommunikationsdesign befassen, ihre Botschaft nicht vermittelt bekommen? Oder nicht in der Lage sind, ein Bild von sich zu zeichnen, das die ihresgleichen anspricht?

Wenn ein deutscher Verband auch nur halbwegs so rüberkommen würde, wie z. B. die amerikanische AIGA, dann hätten wir schon längst den Mitgliedsbeitrag überwiesen.

Wie wichtig sind Dir die deutschen Design-Organisationenen? Hier geht’s zur Umfrage …


61 Kommentare

  1. thomas junold

    hmm WAS genau ist ein berufsverband? und sind AGD oder der BDG berufsverbände in diesem sinne?

  2. Juli Gudehus

    Ich habe eine grundsätzliche Aversion gegen Vereine und Organisationen, weil, so weit ich das von außen beurteilen kann, soviel Zeit und Energie für deren Selbsterhaltung und Selbstbespiegelung draufgeht und zu wenig für »die Sache«.

    Wenn ich aber zunächst noch dachte, es sei mit den Designverbänden vielleicht nicht (ganz) so, so konnte ich meine Meinung noch einmal konsolidieren, als im Zusammenhang mit meiner Agitation gegen die Mißstände beim Designpreis der Bundesrepublik Deutschland KEINER der Designverbände notwendig fand, sich da zu engagieren. Und ich habe alle darauf angesprochen.

    Viel schlimmer aber noch als einfache Passivität: die Verstrickung bei einigen, also Interessenlagen, die es den Verbänden »verboten«, sich zu exponieren. Und beim AGD die unfaßbare Haltung, man könne »FÜR MICH als Nichtmiglied da nichts tun«. Wie borniert kann man sein – für mich? In meinen Augen war gerade das Thema wie geschaffen für das Engagement von Designverbänden FÜR ALLE DESIGNER. Daß ausgerechnet ich als Einzelperson die Debatte in Gang gebracht habt, finde ich da völlig unerheblich.

    Also trete ich weiterhin keinem Verein und keiner Organisation bei.

  3. Simon

    Ich bin schon Mitglied im Kleintierzüchterverein, im Posaunenchor, beim Hallenhalma und Publizieren für Hobbyblogger das reicht mir eigentlich …

  4. Henning

    Hmm, bei aller Freude darüber, dass jemand den Ball aufnimmt:

    »Wenn ein deutscher Verband auch nur halbwegs so rüberkommen würde, wie z. B. die amerikanische AIGA, dann hätten wir schon längst den Mitgliedsbeitrag überwiesen.«

    ist leider wieder genau die Haltung, die die Verbände in Schwierigkeiten bringt. Es ist diese Lehnstuhlhaltung, dieses Abwarten im Fernsehsessel. Als letzte Rettung für das eigene gute bzw. schlechte Gewissen wird der Fehler bei den Verbänden gesucht. Die Verbände sind, was ihr daraus macht, Leute!

    Wenn nämlich 95 % im Fernsehsessel sitzen und rufen: »Lauf schneller, Du faule Sau«, dann bekommen jene ein Motivationsproblem, die da laufen (Wozu rackern? Für die desinteressierten Kollegen?). Tatsache ist, dass eine sinnvolle politische Vertretung Zeit und Geld kostet. Geld könnte man erstatten, wenn man Mitgliedsbeiträge hätte. Tatsache ist auch, dass sich nicht jeder für politische Spitzengespräche eignet. Das Spitzenpersonal der Verbände wird jedoch unvermeidlich aus den Reihen der Aktiven geschöpft. Weniger Aktive = weniger politische Talente bzw. Idealisten, die regelmässig ein paar Stunden ihrer kostbaren Freizeit opfern. Die Verbände werden durch die Fernsehsessel-Konjuntivitis (»ich würde mitmachen, wenn…«) zu Tode ausgetrocknet.

    Das ist der Status Quo: Zu wenige Leute, die mitmachen, sowie zu wenig Einnahmen, um damit wirklich Großes zu bewegen. Und so erinnert mich die Situation an eine Figur von Kishon: »Erst wecke ich die Kinder und dann schimpfe ich mit ihnen, weil sie noch nicht schlafen«.

    Der Vergleich mit der AIGA hinkt schon deshalb, weil die USA ein klein wenig größer sind als Deutschland.

  5. Jürgen

    Für neuere Fontblog-Leser: Juli Gudehus spricht in ihrem Kommentar von diesem Offenen Brief …

  6. Henning

    Ach, liebe Juli Gudehus, ich kann mich nicht an eine Nachfrage erinnern. Was steckt in dieser Falschbehauptung: »Und ich habe alle darauf angesprochen.«? Ein paar Attribute liegen ja schon als Vorschlag auf dem Tisch des Glashauses.

  7. Henning

    Übrigens war Vereinsarbeit, was den internen Quatsch betrifft, noch nie spannend, aufregend usw. Der Kram ist schlicht vorgeschrieben, um den interessanteren Teil machen zu dürfen: mit Ministerien sprechen, an Gesetzesvorhaben mitwirken usw. Mit diesem Wissen beraten wir dann – unsere Mitglieder.

  8. Peter Marquardt

    Es mag eine gewagte und wacklige These von mir sein, seht es mehr als Denkanstoß:
    Je freidenkender und gespaltener die Gruppe desto weniger Akzeptanz findet ein Verein oder Club. Es gab z.B. für Podcaster mal den Podcastverband und den Podcastclub e.V. und beide haben ihre Arbeit eingestellt, teils wegen mangelnder Teilnahme, teils wegen Aktionen ihrerseits, über die die Podcaster gar nicht so froh waren. Podcaster sind kreativ, eigen und vielfältig.
    Ich als kreatives Individuum habe meine eigenen Vorstellungen, wie dinge ablaufen sollen, wie ich mich selbst organisiert haben möchte und was gutes Design ist. Andere Designer haben andere Vorstellungen, und wieder andere Designer wieder andere Vorstellungen. Es gibt kaum richtig oder falsch beim Thema Grafik-Design, da es so vielfältig ist und auch nicht unwesentlich mit Styling und künstlerischem Schaffen zu tun hat. Man setze mal einen Minimalisten mit einem Dekonstruktivisten in einen Raum ;)

    Ich kenne jetzt leider nur einen Bäcker persönlich, aber da gibt es meiner Ansicht nach sehr viel geregeltere und als richtig betrachtete Abläufe. Es gibt eine gewisse Konsistenz und Form und einen Geschmack, der bei Brötchen besonders gut ankommt, ein Brot kriegt man meistens in 500 oder 1000 Gramm und wenn ein Bäcker bestimmte Backwaren nicht anbietet, die aber jeder andere hat, dann ist es kein guter Bäcker. Da man also viel eher etwas falsch machen kann gehen auch die Meinungen über gutes Brot, die richtige Backzeit und wie eine Brezel auszusehen hat nicht so weit auseinander.

    Könnte es also daran liegen, dass Designer so unterschiedlich sind, so viele verschiedene, bald gegensätzliche Meinungen haben?

    Ich weiß es nicht, aber es könnte ja sein

  9. Johann Peter Werth

    Die Mitgliedschaft bei ADC, TDC, BDG o.s.ä. ist einfach scheiße teuer! Selbst die Teilnahme an Wettbewerben kostet Geld.

  10. Andrea

    Wahrscheinlich ist es als Designer/in leichter und viel effektiver, sich außerhalb eines Design-Verbands zu engagieren (ich mache das jedenfalls so), als zu versuchen, sich in einem der – wie ich finde – fernab der Realität agierenden Design-Organisationen zu engagieren.

    Ich verstehe Design nicht als Elfenbeinturm-Disziplin. Deshalb bin ich eher Mitglied in einem Umweltverband, beim Mieterverein oder sonstwo. Mit den deutschen Design-Verbänden verbinde ich Unaufgeschlossenheit, Intransparenz und ältere Herrschaften. Vielleicht tue ich ihnen damit unrecht, aber es gibt derzeit für mich keinen Anreiz, einen hohen Mitgliedsbeitrag für eine solche Organisation zu zahlen.

    Nur dort, wo ich weiß, dass man selbst etwas mitgestalten kann und wo sich andere tatsächlich EINSETZEN für eine Sache, dort ist für mich ein Mitgliedsbeitrag gut aufgehoben. Ich wünsche mir, dass sich da in Zukunft was tut…

  11. microboy

    @ Peter

    Es geht nicht um spezielle persönliche Interessen sondern um übergeordnete Interessen. Für diese benötigt man eine Vertretung die sich beispielsweise bei staatlichen Stellen einsetzt und im besten Fall auch Einfluss nimmt.

    Derzeit fühle ich mich von den wenigsten Verbänden angesprochen bzw. fehlt das Vertrauen in die Kompetenzen der Verbände.

  12. microboy

    @ Andrea

    Es geht doch nicht um Engagement an sich sondern um berufsspezifisches Engagement was auch nach außen wirkt!

  13. tom

    Wenn ich den Auftrag erhalte das Corporate Design und das Logo von Bayer zu überarbeiten, werde ich es mir auf jeden Fall überlegen einem solchen Verband beizutreten. Und dann stellt sich dann noch die Frage: in welchen?

  14. thomas junold

    tom: solltest du diesen auftrag erhalten kann ich mir gut vorstellen, dass du stark genug aufgestellt bist, das du vielleicht keinen rückhalt eines vereins oder einer verbandes brauchst. ;-)

    ich denke, es ist eher im kleineren maßstab interessant. weil man dort aufgrund seiner »nicht vorhandenen größe« nicht ausreichend ernst genommen wird. in diesem bereich sollte klar gemacht werden, dass die größe einer agentur nur am rande was mit preisgestaltung zu tun hat.

  15. Andrea

    @microboy

    ja, aber es sind zwei Ebenen, die sich gegenseitig bedingen: Einerseits die Mitgliederebene, die ein Interesse an der Arbeit der Organisation haben sollte (sonst wäre man kein Mitglied) und die “Richtung” der Organisation mitgestaltet und/oder durch Mitgliedsbeiträge fördert/legitimiert (genau an dieser Schnittstelle gibt es in sämtlichen Organisationen, seien es Parteien etc., die größten Diskussionen) und andererseits die institutionelle Ebene, die die Interessen der Mitglieder nach außen vertritt.

  16. Christian

    Bei Julis offenem Brief zum Designpreis hätten sich Designverbände gut hinter Juli stellen können. Dass der AGD nur innerhalb seiner Strukturen denkt, zeigt wenig Größe. Dass der BDG dem auslobenden Rat für Formgebung keine schlechte PR bereiten wollte, lässt leider nicht viel mehr hoffen (@ Henning: hätte der BDG nicht von sich aus aktiv werden können? Ich kenne nur wenige Details, aber die Kriterien für den Designpreis waren wirklich unter aller Kanone). Verbandsinterna und Verbindungen, die wenig locken.

  17. Henning Krause

    Liebe Andrea,

    ich weiss ja nicht, wie Deine Alterswünsche so aussehen – ich bin 42. Die meisten meiner Mitstreiter sind ebenfalls in der Altersklasse. Wir haben Frauen im Präsidium und würden uns auch freuen, wenn es mehr würden. Einige der Vorwürfe haben in der Vergangenheit zweifellos zugetroffen. Das war für mich seinerzeit der Anreiz, mich zu engagieren – eben damit sich etwas verändert.

    Lieber Peter Marquardt,

    der Vergleich ist zwar zutreffend – Design ist weitaus heterogener als Bäckereibranche – geht jedoch an den Aufgaben eines Berufsverbandes vorbei. Unser Wirkungsgebiet ist v. A. das politische und rechtliche Umfeld der Branche: Urheberrecht, Steuerrecht, Gesellschaftsrecht, um ein paar Beispiele zu nennen. Hinzu kommt ein gewisses Mass an Einflussnahme auf bildungspolitische Akzente. All das in Abstimmung mit “Geschwisterverbänden”, damit man sich nicht verrennt. Darüber hinaus kann man mit einigen wenigen gezielten Aktionen versuchen, gesellschaftlich Wirkung zu erzielen. All diesen Zielen sind jedoch enge Grenzen gesetzt, finanziell, personell. Es geht jedoch überhaupt nicht darum, den Designern zu erzählen, wie sie ihr Design zu machen haben. Ich glaube, der wesentliche Unterschied zwischen Bäckern und Designern ist, dass Handwerksberufe eine jahrhundertealte Tradition der Organisation in Kammern und Innungen haben (und damit auch durchaus erfolgreich sind), während das relativ junge Berufsbild des Designers sich durch demonstrativen Individualismus auszeichnet, was für den brancheninternen Wettbewerb in Ordnung ist, jedoch die Möglichkeit zur Branchenvertretung nach aussen dabei unmöglich macht. In dieser Frage (der Branchenvertretung) wäre ein gewisses Gemeinschaftsgefühl jedoch nützlich.

  18. Der Sven

    Bin seit einigen Jahren Mitglied in der AGD und habe mir selbst als Freelance-Anfänger den Beitrag dafür leisten können. Rückblickend war es eine gute Entscheidung beizutreten, da ich über die AGD ein gutes und funktionierendes Netzwerk zur Verfügung habe und der ein oder andere Auftrag darüber schon zustande gekommen ist. Und wie viel man von einer Mitgliedschaft im Endeffekt hat, hängt von einem selbst ab. Ich kann entweder das Seminarangebot nutzen, auf die Rechts- und Steuerberatung zurückgreifen und an den Jahrestagungen teilnehmen oder kann auch einfach nur eine passive Nummer sein. Ich jedenfalls empfehle es gerade Neueinsteigern über eine Mitgliedschaft nachzudenken. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es für Kunden gut klingt, wenn man auf seine Mitgliedschaft und das damit verbundene Netzwerk hinweist und weil es mir persönlich auch bei Vergütungsverhandlungen geholfen hat.

  19. kosmar

    die frage ist, was ein verband leisten kann oder soll.
    tarifverhandlungen führen? eher gar nicht.
    freelancejobs vermitteln? wohl auch nicht.
    weiterbilden? das machen schon die oft teuren konferenzen.
    parties bei denen sich die branche selbst preise verleiht? … aha.
    ich bin sehr für selbstorganisation und interessenvertretung. aber wem gegenüber? was machen die mit den mitgliedsbeiträgen? ich klick jetzt mal die liste, da drüben bei der umfrage, durch …

  20. Henning Krause

    Lieber Christian,

    haben wir auch sofort intern diskutiert und uns dann nicht eingeklinkt, weil doch in der Diskussion ohnehin schnell ein Konsens da war (“unter aller Kanone”). Klar, da hätten wir aktiv werden können. Der Rat hatte sich jedoch schon nach Kräften blamiert, was hätten wir da noch beitragen können? Ich sehe es wie Juli und wie ohnehin die meisten – nur: es ist am Rat, etwas daran zu ändern.

  21. Timo

    das eigentliche problem ist doch das diese verbaende zu lobbyistisch und protektionistisch agieren oder zumindest so wirken als wuerden sie.. es scheint als haetten die wenigsten mitglieder begriffen, dass es mehr als eine meinung aber viel zu wenig haltung gibt. warum sollte ich meine zeit damit verbringen an fuer immer geschlossene tueren zu klopfen?

  22. Henning Krause

    Lieber Kosmar,

    ich sehe das so: Der Verband macht, was seine Mitglieder wollen. Unsere Mitglieder wollen häufig einfach beraten werden, und damit wir da auf Ballhöhe sind, müssen wir eben an den politischen Prozessen dran sein. Das ist nicht wirklich sexy, aber für die Leute, denen wir helfen konnten, wirklich wichtig. Dein Champagnerbild kommt möglicherweise von der 100-beste-Plakate-Diskussion (Jürgen, bitte ein Link!), trifft aber in der Breite nicht zu. Die Mitgliedsbeiträge dienen der Finanzierung einer Struktur, die diese Beratung leistet (Geschäftsstelle). Die Amtsträger sind – zumindest bei uns – ehrenamtlich tätig, das bedeutet, sie bekommen zwar ihre Reisekosten erstattet, sonst jedoch nichts.

  23. Henning Krause

    Timo, es ist der Job einer Interessenvertretung, nach Aussen für seine Mitglieder und in der Weiterung “für die Branche” zu sprechen. Man nennt es auch Lobbyismus. Ich sehe nicht, wie es “das eigentliche Problem” des Lobbyisten sein kann, “zu lobbyistisch” zu sein. Ich sehe hier ein Vermittlungsproblem, die Tätigkeit einer Interessenvertretung zu erläutern.

  24. ole

    … man ist gegen Politiker, tritt aber keiner Partei bei, um seine Ideen umzusetzen; man ist gegen Vereine weil diese zu kleinlich sind; man wirft Interessenverbänden Lobbyismus vor … Freunde, das alles ist Kommunikation, nicht weit entfernt von Kommunikationsdesign.

    Der Unterschied zwischen Designer und Bäcker könnte sein, dass der Bäcker jeden Morgen die Brote backt und der Designer verhungert bei dem Versuch die Brotform per Diskussion zu optimieren.

  25. Gonzo

    es ist schon sehr schwach das wir medienmenschen keine anständigen vertreter unseres berufs haben. lieber wird es in kauf genommen überstunden zu machen, sich ausbeuten zu lassen und dann argwöhnisch auf streikende gewerkschafler zu schaun die im durchschnitt mehr verdienen als wir.
    ausserdem, googelt mal und schaut was handwerker verdienen. fast mehr als grafik designer!
    sollten wir dann nicht mehr verdienen für kreative arbeiten?
    handwerker kann jeder werden, aber nicht jeder hat ein gefühl für form und farbe.

  26. microboy

    Handwerker kann beim besten Willen auch nicht jeder werden und ich wäre hier vorsichtig mit solchen Vergleichen!

  27. ole

    … kein Neid, ich halte es für ein Gerücht, dass Handwerker mehr verdienen als Designer und unkreativer sind sie häufig auch nicht. Wenn sich mehr Designer als Handwerker verstünden, denn als Künstler wäre viel erreicht.

  28. Christian

    @ Gonzo: es gibt doch anständige Vertreter, einer diskutiert hier sogar mit.

    Apropos Henning: Hätte der Rat für Formgebung sich nicht von einer Stellungnahme des BDG beeindrucken lassen?

  29. Henning

    Der Rat hat sich schon von der unerwarteten Wucht der Wortmeldungen beeindrucken lassen. Wie gesagt – da hätten wir nichts mehr beitragen können. Danke für die Ehrenverteidigung :-)

  30. Johannes | precious

    @ Henning #4
    Zunächst mal finde ich es sehr klasse, dass du dich gleich an dieser Diskussion beteiligst und als Vertreter des BDG Stellung beziehst.

    Da es den Umfang eines Kommentares hier sprengen würde, haben wir auf unserer Seite nochmal ein paar Gedanken niedergeschrieben, die ein wenig auf das von uns unterstellte “Imageproblem” eingehen.

    http://www.precious-forever.com/2008/08/15/give-me-something-to-believe-in/

  31. Timo

    henning, damit meinte ich das es eher wirkt als wuerdet ihr die wirtschaftlichen intressen einzelner als die haltung aller vertreten.. nichts fuer ungut..

  32. Chris Kojak

    Schauen wir uns doch mal die aktuelle Diskussion an, von der wir alle betroffen sind:
    Auf der einen Seite zwingt die Künstlersozialkasse die Kunden zur Abgabe von Beiträgen, was seine Vor- und Nachteile hat. Dabei wurde definiert, dass davon Leistungen eines jeden betroffen sind, der schaffend/kreativ tätig ist.
    Andererseits gibt es die Mehrwertsteuer-Thematik, die Kreative in Ihren Rechnungen ausweisen.
    Was ist die Diskrepanz? Obwohl wir als Schaffende eingestuft sind, dürfen wir keinen verminderten Mehrwertsteuersatz von 7% ausweisen, wie er nicht nur für Grundnahrungsmittel, sondern auch für kreative Leistungen verlangt werden dürfte. Die Krux ist, dass die Finanzämter die Schaffungstiefe überwiegend nicht anerkennen (Ausnahmen bestätigen die Regel).
    Genau hier setzen die Verbände an, zumindest der AGD. Bei den übrigen wird es ähnlich sein. Hier wird in Lobbyarbeit darum gekämpft, dass die Einstufung auch für alle gesetzlichen Regelungen gültig ist.

    Aber auch die Diskussion mit dem Urheberrecht zeigt, dass viele (wahrscheinlich Nichtmitglieder) ihre Leistungen unter Wert “verkaufen”. Auch hier bieten die Verbände Anhaltspunkte, wie gute Kreative auch gutes Geld verdienen können bzw. wie viel sie verlangen können. Der Beitrag rechnet sich da sehr schnell.
    In Zeiten von “Geiz ist geil”, in denen die Kunden Äpfel mit Birnen vergleichen, kann sich jeder vorstellen, wer den Auftrag bekommt. Das Ergebnis sieht dann aber auch meist so aus.
    Wer also keine Argumente hat, seine Leistungen bereits in der Angebotsphase entsprechend dem Kunden zu verkaufen und den Kunden zu beraten, der wird sich immer mit Laien vergleichen lassen müssen, die Autodidakten sind und sich dann Designer nennen – nach dem Motto: “Ich habe einen Rechner, ich habe Adobe CS3/Quark, also kann ich gestalten/designen.” Ein weit verbreitetes Dilemma, das auch durch wenige Ausnahmen bestätigt wird.
    Dieses Wissen unterscheidet eben die Guten von den Mittelmäßigen und die Verbände vermitteln dieses Wissen.

    Wer also nicht in einem Verband ist oder war, wird wohl kaum abschätzen können, was die Verbände leisten. Also nicht oberflächlich (z.B. nach Aussehen der Website) urteilen!

  33. Henning

    Alles klar Johannes, ich hab noch ein paar Gedanken bei Euch hinterlassen.

    Timo, unser Claim lautet: Haltung, Wissen, Netzwerk. Es geht schon um die Community der Kommunikationsdesigner als Ganzes. Wer bei Haltung an Rückgrat denkt, liegt da sicher nicht ganz falsch … :-)

    Was allen nutzt, nutzt auch dem Einzelnen.

  34. Henning

    Noch ergänzend zu Chris:

    Auch der BDG setzt da an, die KSK-Debatte haben wir übrigens angeführt. In der iDD arbeiten die massgeblichen Designverbände regelmässig an einer abgestimmten Strategie gegenüber der Politik. Ansonsten: full ack.

  35. Johannes | precious

    @ chris #32
    “Wer also nicht in einem Verband ist oder war, wird wohl kaum abschätzen können, was die Verbände leisten. Also nicht oberflächlich (z.B. nach Aussehen der Website) urteilen!”

    Ich urteile ja auch nicht über die Relevanz oder die Qualität der Arbeit eines Verbandes, weil mir die Farbwahl auf der Website nicht gefällt.

    Im Supermarkt gibt’s viele Produkte, deren Verpackung mich nicht anspricht, die aber trotzdem toll schmecken. Dennoch werde ich sie vielleicht nie probieren, weil ich aufgrund der Verpackung das Gefühl habe, dass es nicht gut schmeckt.

    Das mag oberflächlich erscheinen, aber so funktioniert es doch. Und wo, wenn nicht bei den Gestaltern, darf man über genau dieses Thema sprechen? Wir sind die, die Pizzaschachtel so gestalten, dass sie lecker aussehen. Oder eben Websites von Verbänden so konzipieren, dass man dort Mitglied werden möchte.

  36. Johannes | precious

    Das heißt übrigens nicht, dass wir alle deutschen Verbände scheuen, solange wir deren Websites doof finden.

    Uns ist eben nur aufgefallen, dass uns keiner mit seiner öffentlichen Darstellung so wirklich überzeugen konnte. Deswegen aber ja auch diese Diskussion. Wir würden uns ja gerne überzeugen lassen.

  37. Jan Middendorp

    Der Vergleich mit der AIGA hinkt schon deshalb, weil die USA ein klein wenig größer sind als Deutschland.

    Jein. Grösse ist nicht das Entscheidende. Die Niederlande sind noch etwas kleiner als Deutschland und dort funktioniert der BNO prima. Hat eine gute Info-Zeitschrift, informiert über Rechte und verteidigt sie wenn nötig, organisiert national und lokal Veranstaltungen, usw.
    Wichtig ist, wie die Organisation wargenommen wird, wieviel Kredit sie bekommt und ob die Mitglieder sich organisieren.
    In Deutschland herrscht eine lähmende Klagekultur. Kostet etwas Geld, dann ist es zu teuer. Gibt eine Organisation sich Mühe, jemanden zu verteidigen, dann ist sie lobbyistisch. Passiert zu wenig, dann sie die anderen schuld. Passiert viel, dann ist man überfordert.
    Die Freiwilliger der local chapters der AIGA organiseren eine Menge professionelle Veranstaltungen, wofür die Besucher gerne noch einen kleinen Beitrag bezahlen. In Holland machen die Provinz-Abteilungen des BNO dasselbe. Man nimmt die Organisation ernst, und man arbeitet daran mit, eine ernsthafte Organisation zu bauen. So einfach ist es. Also Henning, abgesehen vom AIGA-Zitat oben ;-) gebe ich Dir völlig recht. Und wer nur klagt, hat immer unrecht.

  38. Henning

    «Und wer nur klagt, hat immer unrecht.» Oh, der ist schön, danke Jan.

  39. Johannes | precious

    und jetzt traut sich keiner mehr zu kommentieren, weil es als klagen aufgefasst werden könnte? ;)

    also etwas konstruktiver:

    mich würde interessieren, was sich andere von einem designverband erhoffen. ich finde es auch sehr wichtig, wenn es “lobbyarbeit” in der politik gibt. das oben erwähnte KSK oder mehrwertsteuer-thema ist etwas, das ich durchaus als wichtige aufgabe eines interessenverbandes sehe.

    aber irgendwie ist mir das zu wenig, wenn es sich nur auf diese themen beschränkt. das thema gestaltung hat für mich mehr (und wichtigere) facetten als wirtschaft und politik.

    wie müsste ein verband aussehen, welche ziele müsste er verfolgen, was müsste er anbieten, was tun, damit ihr mitglieder werden wollt. und was würdet ihr gerne selbst innerhalb eines solchen verbandes tun?

  40. Indra

    Mein idealer Gestalterverband ist die Wollmilchsau, die

    – eine Mitgliederzeitung herausgibt wie die Form
    – regionale Treffen, bzw. Stammtische anbietet wie das Forum Typografie
    – eine Konferenz im Jahr organisiert wie die Typo
    – einen Netzwerk für Mitgliedern bietet wie xing
    – einen blog bzw. ein Forum hat wie typophile
    – einen Stellenmarkt wie medienjobs.ch
    – eine Rechtsberatung wie der AGD
    – uns vor Wettbewerben und Designschnicksschnack schützt wie Stiftung Warentest
    – einen Mitgliedsbeitrag hat wie der Deutschen Werkbund (80 Euro)
    – die besten, erfahrensten Gestalter als engagierte Mitstreiter und Vorstände hat wie die AGI
    – und uns alle auch, die wir zusammen Lobbyarbeit für unseren Beruf betreiben

  41. tom

    Mitgliedsausweise wären auch nett, mit denen man kostenlos in Messen und anderen Design Veranstaltungen wie z. B. der Typo rein kommt. :-)

  42. Simon Wehr

    Das Problem aller dieser Verbände und Initiativen ist für mich ein Henne-Ei-Thema.
    Verbände könnten mir viel bringen, vermutlich. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Verbände “cool”, “lecker”, “sexy” etc. sind. Darum sprechen sie mich nicht wirklich an. Deswegen mache ich nicht mit. Weil ich nicht mitmache, ändert es sich auch nicht. Deswegen bleibt es, wie es ist. Deswegen habe ich auch keine Lust mitzumachen. Deswegen …

    Und wer macht jetzt den ersten Schritt?

  43. Indra

    Und wenn wir jetzt mitmachen wollen, woher wissen wir, in welchen Verband wir eintreten sollen?
    Lieber Henning, liebe Hackenbergs, postet doch mal z.B. auf der Seite der Intiative Deutsche Designverbände (www.i-dd.org) Eure »Parteiprogramme« in Stichpunkten, was Euch unterscheidet, was ihr außer Lobbyarbeit noch bietet …

    Wie wäre es mit der Aktion »wenn wir bis Jahresende 500 Mitglieder mehr haben, senken wir den Beitrag auf 200 Euro«.
    Oder »Mitglieder werben Mitglieder«: bei Abschluss eines 2-Jahres Abo bekommt der Werbende ein halbes Jahr umsonst.
    Vielleicht kann man die Mitgliedschaft in einem Verband verpflichtend an die KSK knüpfen. Gerade für alleinarbeitenden Freiberufler ist das ja am wichtigsten und die sind meist in der KSK, die dann die Häfte des Beitrag übernehmen könnte. Aber sorgt auch dafür, dass auch die »coolen, leckeren und sexy« Gestalter im Verband sind.
    · bietet Praxisberichte oder Interview mit alten Hasen und Helden, z.B. »meine größten Anfängerfehler« oder »wie ich mich durchgewurstelt habe«
    · oder Talkshows mit den 5 ältesten und 5 jüngsten Mitgliedern.
    · werdet ein unüberlesbares Forum, bietet den einschägigen blogs und Schreibern eine Kooperation an, wie typo.info, designfragen.de
    · macht Eure websites zur Anlaufstelle für Suchanfragen zu Ausbildung, Berufsbild, Jobs, Adressen, Geld- und Gründungfragen. Studienbewerber haben erschreckend wenig Ahnung, was das Berufsbild der einzelnen Disziplinen heute so aus macht.
    · macht mehr Nachwuchsarbeit ganz unten: listet z.B. alle Ausbildungsstätte und verschiedene Designdisziplinen (aber ausführlicher als der Rat für Formgebung das macht) und dann diskutiert man vielleicht bei Euch und nicht bei precore, wo man sich bewerben soll
    · bietet in den regionalen Gruppen Mappentage an, z.B. gegen 10 Euro Teilnahme eine Meinung von einem erfahrenen Gestalter
    · kooperiert mit einer Zeitschrift wie Page, Design-Report oder Form nicht nur bezüglich magerer Verbilligungen. Für ein paar Euro mehr Mitgliedsbeitrag mehr bekommen alle ein Abo dazu, ähnlich dem Semesterticket für die Bahn.
    · gebt den Mitgliedern die Möglichkeit, eine Visitenkarte/Profil für potenzielle Auftraggeber ins Netz zu stellen
    · werdet eine Plattform für Wettbewerbe und Ausschreibungen. Mich hat neulich ein Amt gefragt, wo sie denn Design-Aufträge vielleicht veröffentlichen könnten, damit sie mehr Leute erreichen. Öffentliche Einrichtungen müssen das oft deutschland- oder europaweit. Und da kann man gleich die Bedingungen prüfen, fiese Wettbewerbskonditionen anprangern, öffentlich machen und Mitgliedern nur faire Wettbewerbe anzeigen.

    oh je, die langen posting sind doch sonst Sachen von HD (ist wohl Urlaub). Mal sehn, ob mir über den Schlaf noch was einfällt.

  44. HD Schellnack

    Nein, Indra – ich war auf einem zweitägigen Phototermin und off the grid.

    Ich finde ja lustig (und gut), dass HIER das Thema, das Mittwoch bei mir in der Soapbox der Vollflop war, gelingt.

    Ich finde, es gibt keine einfache Antwort auf die Problematik. Ich selbst bin im AGD (außerdem ADC und eigentlich TDC, obwohl eventuell nicht, die fordern seit zwei Jahren keine Beiträge mehr…:-D), aber so richtig etwas «davon haben» tue ich selbst nicht und auch für die Branche scheint der AGD nicht zu tun – bei Hennings BDG kann ich es nicht beurteilen, ich liebäugele immer mal wieder beizutreten – aber wozu eigentlich? Es wirkt alles in allem etwas… klein. Guter Wille, gute Leute, wenig Bewegung. Die Tarifvorschläge sind gut gemeint, aber zumindest meine Kunden wäre ich bei den Preisen und wahnsinnig transparenten Lizenzmodellen definitiv los, gerade derzeit wieder.

    Mach man sich nichts vor – entweder, so sehr mir Bürokratie und Funktionärentum mißfällt, hat man eine Kammer – die politischen Druck und Normierungsfakten schaffen kann, die mediale Power hat… und dann muss man auch mit den dazugehörigen Sesselsitzern leben, die realitätsfern Design normieren. Die Ärzte und Architekten kommen damit – stets mosernd – im Endeffekt gut voran. Wann habt ihr das letzte Mal mit eurem Anwalt oder Arzt über seinen Preis gefeilscht? Es gibt eine Norm und fertig.

    Oder man will das alles nicht – Freedom and Creativity und der ganze Jazz -, was uns als Menschen wahrscheinlich kollektiv eher liegt in diesem Beruf (obwohl… sind Architekten also NICHT kreativ?) und dann wird man auch nie mehr als kleine Verbände ohne echte Gestaltungsmacht haben.

    Die UNTERZEILE übrigens bringt mich auf eine ganz andere Schiene: Wie viele Designer arbeiten eigentlich neben dem eigentlichen Job PRO BONO als Gestaltern in sozialen oder karitativen Jobs?

  45. Christian

    @ Indra: Deine Wunschliste erinnert mich an meine inneren Wunschlisten, bevor ich mit einem Erscheinungsbild anfange: Es soll natürlich super werden, neue Wege gehen, verstanden werden und den Zauber der Genialität versprühen, sodass man fragen MUSS, wer das denn gemacht hat. :-)
    Leider ist diese Liste ebensoschnell formuliert wie es lange dauert, das Niveau zu erreichen. Dazwischen liegt – um mit Hape Kerkeling zu sprechen – Arbeit, Arbeit, Arbeit.

  46. Christophe Stoll

    @HD Schellnack: Ja, uns lag das Thema und unsere Fragen bzw. Neugier dazu schon länger am Herzen und zerstückelt in Textfiles auf Festplatten – und Deine kurz vorher stattgefundene “Soapbox” sehr ähnlicher Natur haben wir natürlich erst hinterher entdeckt. Und uns gefreut, daß es noch wer thematisiert hat.

    Ich persönlich habe zuletzt 2005 etwas zum Thema Tierschutz (mit)gemacht – und da war der Ansatz tatsächlich primär, durch gute Ideen und Gestaltung was jenseits der exisitierenden Klischees zum Thema abzuliefern. Traumhaft. Das war inhaltlich so aufwirbelnd und berührend und hat soviel Spaß gemacht – ich denke wir würden sowas sofort machen. Nur haben wir irgendwie nicht die Zeit, oder den Elan, solche Projekte zu *suchen* bzw. selbst Initiative zu ergreifen und angesprochen wurden wir bisher nicht. Ergeben sich solche Gelegenheiten öfter, wenn man Mitglied in einer Design-Organisation ist, da z.B. karitative Organisationen sich u.a. an diese wenden? ;-)

    Als größere, bekannte Agentur wird man ja ständig gefragt, ob man nicht dies und jenes “no budget, für’n Award” machen möchte …

  47. HD Schellnack

    Ich hatte sogar – als ich nach einer (geglückten) OP nach einem Pro-Bono-Kunden suchte, echte Probleme, einen Kunden zu finden, der glaubt, dass es sich nicht um einen dummen Marketing-Gag handelt. Die meisten waren arg misstrauisch. Mit dem schließlichen Partner haben wir bisher allerdings keine Awards gewonnen, es ist keine Ausrede, sich auszutoben sondern echte Arbeit.

  48. Christophe Stoll

    Welcher Partner? Was habt ihr zusammen gemacht? Zeigen! :-)

    Ich meinte auch nicht unbedingt reines “Austoben”, klar ist das sehr viel “echte” Arbeit. Aber wir haben bei o.g. Projekt einfach sehr konzentriert über Design gesprochen, über die Sache und alle Parteien haben einfach daran geglaubt, daß dies der Treiber ist und sein soll. Das klappt irgendwie nicht in vielen Konstellationen.

  49. Christophe Stoll

    Aber sorgt auch dafür, dass auch die »coolen, leckeren und sexy« Gestalter im Verband sind.

    Da ist was dran, und das hat ja auch etwas mit Image zu tun. Die AIGA hat sicherlich auch Zulauf erfahren, als Khoi Vinh dort mehr Verantwortung übernahm.

    Würden tatsächlich mehr Gestalter in einen Verband eintreten, wenn sie wüssten, daß Laurent Lacour, Mario Lombardo, Rikus Hillmann … und Dieter Rams dort aktiv sind bzw. wichtige Positionen bekleiden?

  50. Indra

    Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns dann mehr als Kollegen wahrnehmen und auf Veranstaltungen (des Verbands) eher ins Gespräch kommen, als die Stars nur aus der Ferne zu kulten.

  51. Henning

    Lieber HD, mit Deinen Worten «realitätsfern Design normierender Sesselsitzer» hast Du mich soeben als Freund verloren. Adieu.

  52. Henning

    Für alle anderen:

    Die Wunschliste Indras teilen wir (Bis auf die unrealistischen – «Abos inkludiert» wird echt keiner bezahlen wollen). Der Weg dahin ist noch viel viel mehr Arbeit, wenn man den nach Feierabend geht. Ich habe auch ohne Vereinsarbeit schon eine 50-60-Stunden-Woche, und für die Vereinsarbeit pack’ ich noch mal gut 15-20 Stunden wöchentlich obendrauf. Und weil HD das weiss und mir trotzdem für seinen billigen demagogischen Knalleffekt in die Eier treten musste, ist meine freundschaftliche Beziehung zu ihm nun beendet.

  53. nora

    @ Henning
    Ich denke du tust HD Unrecht. Lies seinen Kommentar nochmals leidenschaftslos. Erstens lobt er dich ( … guter Wille, gute Leute … ), zweitens würden seine sog. „Sesselsitzer” in einem Verband mit großer medialer Macht sitzen, den wir ja noch gar nicht haben … er vergleicht hier mit Ärzte- bzw. Architektenkammer.

  54. Henning

    Hm, Nora, hast wohl recht, mea culpa. War wohl missverständlich, weil die Ärzte sicher nicht «Design normieren». Also HD, bist immer noch mein Freund.

    Trotzdem kann ich diese Aussage auch für die verkammerten Kollegen nicht so stehen lassen. Die arbeiten mit dem gesetzlichen Rückenwind der Verkammerung. Das würden wir auch gern, machen wir uns nix vor. Das heisst aber nicht, dass die weniger arbeiten würden oder fern der Realität stünden. Das kann ich absolut nicht bestätigen, die machen einfach ihren Job. Und die «Normierung» ist für eine Kammer schlicht gesetzlicher Auftrag.

    Dass manche Äußerung im politischen Raum phrasenhaft daher kommt, liegt am politischen Jargon, eine Fachsprache eben. Man muss sie beherrschen, wenn man sich im politischen Raum bewegt. Darin sind die hauptamtlichen Lobbyisten der Kammern sicher routinierter. Andererseits ist das auch ein echter Vorteil meiner rein ehrenamtlichen Betätigung: Die tägliche Arbeit als Designer erdet mich sprachlich. Politdeutsch bleibt für mich Zweitsprache.

  55. Simon Wehr

    Darf ich noch mal lobend erwähnen, Henning, dass Du hier so engagiert dabei bist. Ich habe zwar noch keinerlei Berührung mit dem BDG gehabt, aber es überzeugt mich, dass Du hier mitmischst.
    Wo ist Frau Hackenberg, bzw. ein/e Abgesandte/r des AGD? Lesen die Fontblog? Warum nicht?

    PS: Eine Diskussion wie diese wäre doch auch mal was für eine TYPO o.ä.

  56. HD Schellnack

    Henning – Meister!!!!!
    Ich habe oben geschrieben, dass ich seitdem du beim BDG bist überlege da EINZUTRETEN geh also mal davon aus, dass ich Leute wie dich oder die Hackenbergs gern und absolut als Ausnahmen betrachte – ich sprach aber sowieso nicht von den jetzigen Verbänden, sondern von dem, was unweigerlich entstehen würde, wenn es eine Art Designer-Kammer GÄBE. Solche Einrichtungen ziehen solche Menschen an.

    Wieso fühlst DU dich denn von sowas überhaupt angesprochen???? *Schock*

    Die jetzigen Verbände wie AGD und BDG sind von Machern geprägt und auch wenn es da sicherlich auch Netzwerke und Seilschaften gibt (wo nicht), so finde ich die Arbeit beider Einrichtungen im Rahmen des möglichen sehr gut. Besser geht immer – aber ich sprach von einer Einrichtung wie der Ärzte/Architektenkammer, also eher eine Art Verwaltung mit echtem Einfluss, nicht eine Grupe engagierter Macher, sondern eben (wie bei Gewerkschaften usw auch) ein Apparat, derunweigerlich Pöstchenleute anziehen wird. Damit müsste man dann sicher leben – und das würde uns Designern (auch dir) sicherlich nicht liegen (so wie ja auch viele Architekten eine Hassliebe zur Kammer pflegen). Aber die Vorteile lägen auch auf der Hand – politische und wirtschaftliche Durchsetzungskraft.

    Also, ganz klar: Ging nicht mal ansatzweise in deine Richtung. Durchaus auch nicht in die Richtung etwa von Leuten wie Heide Hackenberg oder Karin Schmidt-Friderichs, die zwar gar keine echte Verbandsdame ist, aber trotzdem eine der Premium-Lobbyistinnen in Sachen Design/Buch. Gott, ich bin dankbar, dass es Leute gibt, die sich in diese Bresche werfen!!!

    Dass du mir so schnell und in der Form die Bekanntschaft kündigst, überrascht mich auch etwas. :-D

  57. HD Schellnack

    @ Christophe… der Partner war die Suchthilfe Essen, die mit Bärbel Marrziniak einen großartigen Ansprechpartner hat. Wir überarbeiten gerade die Site, haben ein paar Flyer gemacht, das CD stand leider schon, obwohl ich davon eigentlich auch nur das Logo verwende. Ganz simple Sache – zumal man nicht immer so intensiv dran arbeiten kann wie man will.
    GANZ GANZ grobe Beta der Überarbeitung: http://www.suchthilfe-direkt.de/beta. Hat aber noch reichlich Bugs. :-D

  58. Torsten

    dann will ich auch mal meinen senf dazugeben.
    ich war jahrelang mitglied im agd. als freelancer wollte ich mich nicht so alleine fühlen und vielleicht auch irgendwie meine situation (auch von kollegen) verbessern. mit situation meinte/dachte ich: neue kontakte zu regionalen kunden oder zu kollegen, altersversorgung (wie bei den ärzten), beratung und unterstützung rund um den berufsstand…
    als ich den verband hätte brauchen können fühlte ich mich doch recht alleine und sollte zusätzlich zu meinem mitgliedsbeitrag, und ich hatte in dieser zeit nicht viel geld, immer kräftig zuzahlen müssen um hilfe/unterstützung zu erhalten. übrig blieb: schöne bunte publikationen über reiche und tolle auftraggeber sowie agenturen ohne nachhaltigen informationscharakter. ein verband der dem selbsterhalt dient und der egopflege – mehr dem image als den täglichen problemen. also: sinnlos!

  59. Malte

    Ich bin jetzt knapp 2 Jahre Mitglied im AGD und muss sagen, dass es mir ähnlich erging, wie vielen meiner Kommilitonen aus dem Bereich Kommunikationsdesign. Ich hatte schon vereinzelt von Designverbänden gehört, doch in der Uni oder beim Praktikum haben diese nie eine Rolle gespielt.

    Ich denke ein verstärkte Kooperation zwischen Verbänden und Unis, bzw. FHs würde schon einiges auf der Nachwuchsebene bewegen.

    Auf mich selbst ist der Funke erst auf der TYPO 2006 übergesprungen. Ich war Kommunikationsdesign-Student des 5. Semsters und habe dort Lutz Hackeberg getroffen. Ich habe ein inspirierendes Gespräch mit ihm geführt zum Thema Selbständigkeit im Bereich Design, nachdem ich mich vor Ort, an einem Stand des AGD über diesen informierte.

    Ich kann es jedem Studenten, der auf dem Weg in die Selbständigkeit ist, nur empfehlen sich einem Design-Verband seiner Wahl anzuschließen und im besten Fall sich dort zu engagieren. Denn wie sagt man doch so schön:

    »Es mangelt nicht an guten Ideen, sondern an Denjenigen, die solche auch umsetzen!«

    Ich selbst habe einen kleinen »Verband« an der FHTW aufgebaut und kann genau nachvollziehen was für Arbeit dahinter steckt. Ich möchte an dieser Stelle ALLEN danken, die sich in irgendeiner Form ehrenamtlich engagieren, egal in welchem Verein oder Verband!

    *DANKE*

  60. Gestalter

    Wäre schön wenn es eine anständige Interessensvertetung für Designer gäbe die unseren WERT ( http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2770&MenuID=8&MagID=105&sid=su9165187495188502&umenuid=1 )so verkauft wie wir Werbung für andere machen. Leider ist es aber nicht so. Erst im Jahre 2008 in einem BLOG (!) darüber zu diskutieren ist zu wenig. Wäred andere von grossen Kuchen der Vergünstigungen immer mehr bekommen schaut der deutsche Designer nur tatenlos zu und verharrt in Duldungsstarre. einfach nur schade :(

  61. andreas

    Ich wäre gerne in einem Designverband. Zu Studienzeiten in Sydney war ich schon Mitglied bei AGDA, der Australian Graphic Design Association. Diese hat nebem einem adequaten Webauftritt auch diverse Themen, die einen Gestalter, sei er noch Student oder schon ein alter Haudegen interessieren können:
    Mappendurchsicht und -verbesserungsvorschläge, monatliche Vorträge von Designern, Werbern, Journalisten und Studenten mit anschliessendem Meet n’ Greet, Organisation von Designkonferenzen, Verzeichnisse für Designschulen, Fortbildungen und Jobs sowie allgemeine Artikel zu Designthemen und vieles mehr.
    Australien hat sicher den Vorteil, dass die Szene geballt in Sydney und Melbourne sitzt und deshalb echte Hotspots daraus werden.

    Ich glaube die Initiative der Designer kommt mit einer interessanten Organisation von alleine. Meine ganz persönliche Meinung ist, die deutsche Designszene ruht sich noch gerne mal auf den alten (Designklassiker-)Loorbeeren aus und ist nicht hungrig genug Neues zu schaffen. Australien ist weit ab vom Schuss uns arbeitet deshalb besonders hart an seiner internationalen Akzeptanz. Da passiert frisches und spannendes Neues.

    http://www.agda.com.au/

Kommentieren

<em>kursiv</em>   <strong>fett</strong>   <blockquote>Zitat</blockquote>
<a href="http://www…">Link</a>   <img src="http://bildadresse.jpg">