— Tipp —


Book of war, mortification and love

Unsere Freunde von Underware haben ein Buch gemacht. Mit »gemacht« meine ich nicht nur gestaltet, sondern sie haben es selbst verlegt und verkaufen es auch selbst. Es ist in ihrer Schrift Fakir gesetzt, die in dem Werk wunderbar zur Geltung kommt. Damit nicht genug. Dem Buch liegt eine CD bei, mit der kompletten Schriftfamilie – das sind immerhin 11 Schriftschnitte im Wert von 250 € (in diesem Fall zum persönlichen Ausprobieren gedacht, keine kommerzielle Nutzung). Doch das Bemerkenswerte an diesem Buch: Es wurde mit dem Blut seines Autors gedruckt.

Das Making-of der Druckfarbengewinnung haben Underware in diesem Film festgehalten (ebenfalls auf der CD-ROM enthalten):

Der Titel des Buches ist übrigens: »Book of war, mortification and love« (Buch vom Tod, Kränkung und Liebe). Sein Autor Ruud Linssen stellt Fragen wie »Warum setzen wir uns freiwillig Leid aus?« oder »Warum entscheiden wir und für Familienleben, eine Mönchszelle oder ein blutgetränktes Schlachtfeld?«. Zwei Jahre arbeitete der holländische Schriftsteller und Journalist an dem Werk, das aus Essays über freiwilliges Leiden besteht. Hier kann man mehr erfahren und es bestellen … (Auflage 2000 Exemplare, handnummeriert)

Ruud Linssen: Book of war, mortification and love, 135 x 210 mm, 96 Seiten, Englisch, Leineneinband mit eingebranntem Titel, gedruckt mit dem Blut des Autoren, CD-ROM, ISBN 978-90-76984-09-4, 24,50 €

Unbedingt vormerken: Webfontday 2010 in München

Am Samstag, den 13. 11.2010 veranstaltet die Typographische Gesellschaft München e.V. (tgm) das weltweit erste Symposium, das sich ausschließlich dem Thema Webfonts widmen wird. Der Webfontday 2010 (kurz: #wbfntdy) bringt Webdesigner, Schriftgestalter und Distributoren zusammen und will mit ihnen herausfinden, wie die Zukunft der typografischen Gestaltung im Web aussehen könnte. Die Teilnehmer erfahren in verschiedenen Vorträgen aktuelle und künftige Trends zu Technik, Gestaltung und Lizenzierung von Webfonts.

Als Referenten zugesagt haben unter anderem: Gerrit van Aaken (praegnanz.de), Tim Ahrens (Just Another Foundry), Erik van Blokland (LettError), Ivo Gabrowitsch (FontFont), Ralf Herrmann (opentype.info), Marc Tobias Kunisch (mindgarden.de, Google), Brian Mason (Typekit), Jörg Schweinsberg (Linotype), Fred Smeijers (Ourtype) und Gerard Unger.

Weitere Informationen zu den Referenten, den Anmeldegebühren, dem Veranstaltungsort und dem vorläufigen Programm auf http://www.webfontday.de/

ATypI in Dublin: schon angemeldet?

Vom 8. – 12. September 2010 trifft sich die Schriftenwelt auf der AtypI in Dublin. Weitere Informationen hier …

Die Twitter-Schrift ›Pico‹

Beliebt ist, was bekannt ist. Und weil Millionen Menschen Tag für Tag auf Twitter herumhängen, hat die Free-Font-Familie Pico (Black, White) enorm an Popularität gewonnen. Sie wurde 2001 vom japanischen Designer Masayuki Sato entworfen (Büro: Maniackers Design, auf Twitter unter @mksdsato aktiv). Auf einer Flickr-Seite beschreibt Sato, die Geschichte seiner Schrift und die Abweichungen im Twitter-Logo. Auf dieser Seite liegt seine Schrift Pico in verschiedenen Formaten zum kostenlosen Download bereit. Es ist sicherlich kein typografisches Meisterwerk (erwartet bitte keine Klothoiden in den Rundungen) … aber für zu Hause ein netter Spaß.

4. Vienna Design Week, 1. – 10. Oktober

Mit über 80 Workshops, Vorträgen, Ausstellungen, Präsentationen und Installationen verwandelt die Wiener Designwoche ihr Stadt Anfang Oktober für 10 Tage zum Mittelpunkt der europäischen Designszene. In diesem Jahr steht der Wiener Bezirk Hernals im Fokus der 4. Vienna Design Week. Hier lädt unter anderem die Mailänder Gruppe Esterni zum Bau von »Everybody’s Bench«, einer in kreativer Interaktion mit den Bezirksbewohnern entstehenden Riesenholzbank. Auch im übrigen Stadtraum wird die Veranstaltung nachhaltige Spuren hinterlassen, ganz im Sinne von Wien Tourismus, der erneut als Partner auftritt … zum Beispiel die Workshops der Gruppe Design°mobil oder die Bustouren des neuen Partners Trafo.K, die in Zusammenarbeit mit Schülern der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt entwickelt wurden; sie bieten Erwachsenen und Jugendlichen Gelegenheit zu spielerischem Erforschen und kritischer Auseinandersetzung.

Auf Einladung der Vienna Design Week kommen auch vier Stars der Designwelt nach Wien, um über eine grundsätzliche Frage zu sprechen: Warum Design? »Für mich ist Design eine Geisteshaltung, eine Art des Beobachtens, des intuitiven Verstehens«, so die Antwort von Gijs Bakker, dem Gründer von Droog Design. Ein weiterer Gast ist  Stefan Sagmeister. Darüber hinaus konnten der deutsche Produktdesigner Konstantin Grcic und die Französin Inga Sempé, Trägerin des Großen Designpreises der Stadt Paris, als Vortragende gewonnen werden.

Der Startschuss zur Wiener Designwoche fällt bereits am 30. September, in den prunkvollen Palais-Räumen des Liechtenstein-Museums. Das Opening gilt als bedeutendes Treffen der österreichischen Kreativbranche. Erstmals wird bei diesem Anlass eine Ausstellung präsentiert: »Barocker Glanz und Stainless Steel«. Drei renommierte Designteams – Studio Makkink & Bey (NL), Claesson Koivisto Rune (SW) und Olgoj Chorchoj (CZ) – inszenieren Tafelkultur mit Vergangenheit und Zukunft.

Weitere Informationen auf www.viennadesignweek.at

Norman Palm: »Easy«

Meine aktuelle Nummer 1 in der ewigen Bestsellerliste (typo)grafischer Musikvideos: Norman Palms »Easy«, gestaltet von Frank Höhne. Danke für den Tipp, der sich in meinem Berg von Urlaubspost befand. Danke auch an die Video-Plattform Vimeo für den neuen Einbettcode, der diesen Clip auch Lesern anzeigt, die Fontblog auf dem iPhone, dem iPod Touch und dem iPad lesen.

[Update: zu früh gefreut … mein iPhone meldet ”Sorry – There is no mobile version available for this video.“ Das liegt aber jetzt nicht an Video, sondern an den Publishing-Einstellungen des Videos, denn auch der direkte Link zur Vimeo-Quellseite … liefert die Fehlermeldung.]

Die 12 häufigsten Satzsünden

Gestern wies ich über Twitter auf das PDF Thirty Four Typographic Sins hin. Nach dem Erik Spiekermann meinen Vermerk weitererzählte (to retweet) mit der Einschränkung »I don’t agree with all of them«, fing die große Verunsicherung an. ›Welchen der 34 Regeln soll ich nun folgen, welchen nicht?« fragten sich sinngemäß viele Leser der Mitteilungen (tweets).

Das Thema ist uralt, es gibt zig Bücher und Checklisten dazu. Trotzdem hat es mir keine Ruhe gelassen, weil gerade durch die neuen Webfonts sich viele User erstmals mit der typografischen Aufbereitung von Texten beschäftigen. Und so habe ich eben mal, wie man so sagt »schnell und schmutzig«, mit Textedit ein paar typografische Todsünden (auf deutsch) notiert. Am Ende wurden es ein Dutzend, was schon mal verdaulicher ist als 34. Außerdem hat der Autor des oben zitierten PDFs meiner Ansicht nach typografische Regeln mit Schreibregeln vermischt: erstere sind Auslegungssache, während über die zweiten nicht diskutiert werden muss (falls doch: gerne unten in den Kommentaren).

Die erwähnten Schreibregeln heißen für die Werkzeuge, mit denen wir täglich schreiben und publizieren, Satzregeln. Der Begriff kommt von setzen (Schriftsatz, einenText setzen) und nicht vom grammatikalischen Satz als Wortgefüge. Zu Bleisatz- und Fotosatzzeiten war das Setzen ein Beruf, heute gibt es den nicht mehr, weil wir alle das mit links bzw. mit unserer Computertastatur selbst erledigen.

Auch wenn das Setzen heute ein Kinderspiel ist, spricht einiges dafür, die Regeln des Schriftsatzes nicht zu vergessen, damit es die Leser unserer Texte leichter haben, diese aufzunehmen und schnell zu verstehen. Seit Jahren wehre ich mich dagegen, die schlampige Satzqualität einer Spiegel-Online-Site als gottgegeben hinzunehmen. Leider halten viele der Typosünden bereits Einzug in den gedruckten »Qualitätsjournalismus«.

Die 12 häufigsten Satzsünden als PDF…

Die CSS-Bausteinschrift »Curtis«

Curtis ist eine geometrische Sansserif von David DeSandro, die er aus seinen FontSruct-Schriften Curtis Heavy and Curtis Pixel 14 hergeleitet hat. Die Form der Curtis-Lettern ist über Cascading Style Sheets (CSS) definiert. Die Buchstaben werden vom Browser berechnet und ergeben sich aus einer Kombination von Hintergrundfarbe, Rahmenweite, Rahmenradius und dem ausgeklügelten Zusammenspiel von absoluten und relativen Positionen. Um eine Idee der Buchstabenkonstruktion zu bekommen, hat DeSandro auf seiner Curtis-Seite den Inspect-Button eingefügt, mit dem sich die Buchstaben röntgen lassen.

Der Buchstabe R zum Beispiel definiert sich wie folgt:

<span class="css_char r">
	R
	<span class="inside split_vert"></span>
	<span class="outside split_vert"></span>
	<span class="stroke"></span>
	<span class="fill"></span>
</span>

Der Curtis-CSS-Font ist ein Experiment und wurde für keinen speziellen Zweck entwickelt. Das Design-Muster veröffentlicht DeSandro unter einer Creative Commons Attribution Lizenz, so dass jeder das Design benutzen und weiter entwickeln kann.

IDZ-Vortrag: Nachhaltige Verpackungsgestaltung

Das Internationale Designzentrum Berlin (IDZ) veranstaltet mit Unterstützung seines Mitglieds Steelcase im Rahmen des Sustainable Design Forum einen Vortragsabend zum Thema »Nachhaltige Verpackungsgestaltung«. Ute von Buch (Creativ Verpacken) geht in ihrem Beitrag »Verpackung als (nachhaltiger) Botschafter« der Frage nach, wo Nachhaltigkeit im Verpackungsdesign anfängt bzw. aufhört, und beleuchtet Aufgaben und Perspektiven von Verpackungen. Nicolas Eilken (Lothar Boehm) gibt im Vortrag »Nachhaltigkeit – Mission und Mehrwert für Marken« Einblick in die Arbeitsweisen seiner Agentur und stellt den Lothar-Böhm-Nachhaltigkeitsreport vor.

Termin: Mittwoch, 14. Juli 2010, 19:00 Uhr, Einlass ab 18:30 Uhr. Für Mitglieder des IDZ ist der Eintritt kostenfrei, ansonsten 7,-/ermäßigt 3,- €. Um Anmeldung wird gebeten unter www.tinyurl.com/idz-sdf .

Brillante Infografik: WM-Popularität gemessen in Klicks

Die New York Times hat eine wunderbare interaktive Infografik erstellt, die den täglichen Popularitätswandel der Fußball-WM-Stars widerspiegelt. Top World Cup Players on Facebook, Day by Day (Flash) registriert die tägliche Anzahl der Erwähnungen von Messi, RonaldoSchweinsteiger und Co auf Facebook-Seiten. Millionen von Menschen äußern in sozialen Netzen ihr Hochachtung aber auch ihre Kritik über Mannschaften und Einzelspieler. Verschiebt man den Datumsregler der Grafik, sieht man den ein oder anderen Star aufblühen und wieder verwelken. Das erste Opfer ist der englische Torhüter Robert Green, dem am 12. Juni ein harmloser Ball des US-Stürmers Clint Dempsey  aus den Händen glitt.

Städtelogos satt

Wilfried Weisenberger ist Leiter der Standort- und Kommunalberatung von GfK GeoMarketing, einer Tochter der Gesellschaft für Konsumforschung, einem der größten und angesehensten Marktforschungsunternehmen weltweit. Weisenberger betreibt ein Hobby, das mit seinem Beruf eng verwandt ist: Er sammelt Städtelogos und ihre Geschichte.

Zu finden ist seine Sammlung unter der Adresse www.stadtlogo-design.de, auf einer ungewöhnlich strukturierten Website, die kein Ende zu haben scheint. Daher fällt es mir auch schwer zu schätzen, wie groß seine Sammlung ist. Eines der Menüs verrät wenigstens, dass er Logos aus rund 30 Ländern zusammengetragen hat. Die Schlagwortsuche erlaubt das Anzeigen visuell ähnlicher Signets, also Logos mit Flüssen (23), Kirchen (10) oder Wäldern (7). Die Zwischenbilanz einer großen Leidenschaft … wir werden das weiter beobachten, Herr Weisenberger … und folgen Ihnen auf Twitter: @stadtlogodesign.

Kerning und Ligaturen unter Safari

Gestern stieß ich auf die Internet-Testseite Cross-browser kerning-pairs & ligatures, deren Überschrift sich übersetzen lässt mit »browserübergreifendes Kerning plus Ligaturen«. Dort heißt es, dass schon einige Browser die metrischen Daten von Fonts unterstützen, zum Beispiel Firefox, Safari 5 und Chrome. Einzige Voraussetzung: die Option optimizeLegibility muss eingeschaltet sein, was nur bei Firefox von Hause aus der Fall ist (für Textgrößen über 20 Pixel).

Auch der Webdesigner Chris Morrell aus Philadelphia stolperte gestern über die Demosite und dachte sich: Für diesen Zweck muss es doch eine Safari-Extension geben. Er suchte, fand keine und schrieb sich selbst die Extension Optimize Legibility (4,64 KB), die er seit heute zum kostenlosen Download auf seiner Seite anbietet.

Ich habe es eben ausprobiert und bin teils begeistert, teils unschlüssig. Mann muss schon eine mit Webfonts gebaute Internet-Seite besuchen, um die Verbesserung der Lesbarkeit zu erleben … denn die Standard-Schriften Verdana, Arial, Georgia und Co enthalten größtenteils weder Kerning, noch Ligaturen.

Den oben gezeigte Vergleich habe ich auf simplebits.com erzeugt, indem ich die Safari-Erweiterung ein- und ausgeschaltet habe (geht wunderbar in Echtzeit mit geöffnetem Voreinstallungsfenster). Weitere Webseiten, auf denen man die Verbesserung der Lesbarkeit gut nachvollziehen kann sind: