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	<title>Fontblog &#187; Schriftgeschichten</title>
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	<description>Täglich News und Meinungen aus der Grafikszene</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Feb 2012 15:55:24 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Superfamilie Novel w&#228;chst weiter, Einf&#252;hrungspreis</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 15:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Novel-Superfamilie w&#228;chst kontinuierlich weiter. Nach der Antiqua Novel, der Novel Sans und der erst vor wenigen Wochen erschienenen Novel Mono, erhielt die Familie soeben einen weiteren wichtigen Zuwachs, die Novel Sans Condensed (12 Schnitte), eine platzsparende Serifenlose. Das Gestaltungskonzept der Novel und der Novel Sans beruht auf klassische Proportionen, was sich in gener&#246;sen Rundungen und schwungvollen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-22287" title="FB_NovelSansCond_01" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2012/02/FB_NovelSansCond_01.png" alt="" width="500" height="500" /></p>
<p>Die Novel-Superfamilie w&#228;chst kontinuierlich weiter. Nach der Antiqua <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/buro_dunst/novel_pro_family_complete_ot/" target="_blank">Novel</a>, der <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/buro_dunst/novel_sans_pro/" target="_blank">Novel Sans</a> und der erst vor wenigen Wochen erschienenen <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/buro_dunst/novel_mono_pro_complete/" target="_blank">Novel Mono</a>, erhielt die Familie soeben einen weiteren wichtigen Zuwachs, die <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/buro_dunst/novel_sans_condensed_pro_complete/">Novel Sans Condensed</a> (12 Schnitte), eine platzsparende Serifenlose.<span id="more-22286"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-22288" title="FB_NovelSansCond_02" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2012/02/FB_NovelSansCond_02.png" alt="" width="500" height="1533" /></p>
<p>Das Gestaltungskonzept der <em>Novel</em> und der <em>Novel Sans</em> beruht auf klassische Proportionen, was sich in gener&#246;sen Rundungen und schwungvollen Diagonalen niederschl&#228;gt. Dieses Gestaltungskonzept ist nat&#252;rlich kaum eins zu eins auf eine Condensed zu &#252;bertragen, da der knapp bemessene Raum &#246;konomischer zu handhaben ist.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-22289" title="FB_NovelSansCond_03" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2012/02/FB_NovelSansCond_03.png" alt="" width="500" height="251" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-22290" title="FB_NovelSansCond_04" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2012/02/FB_NovelSansCond_04.png" alt="" width="500" height="250" /></p>
<p>Trotz des Verzichts auf klassische Proportionen ist die Zugeh&#246;rigkeit dieser Condensed zum den anderen Schriften der Familie offensichtlich. Dies dank der markanten Details, die in allen Schriften der Novel Familie zu finden sind. Die angeschr&#228;gten Endungen von Kurven, Details wie das offene P oder allein die markanten aufrechten und schmallaufenden Italics tragen ihren Teil dazu bei.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-22291" title="FB_NovelSansCond_05" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2012/02/FB_NovelSansCond_05.png" alt="" width="500" height="251" /></p>
<p>Die gesamte Familie wurde f&#252;r Lesetypografie entwickelt und kompakte Headlines w&#228;ren nur eine M&#246;glichkeit, die Vorteile dieser Schrift zu nutzen. Marginal-Spalten, Fu&#223;noten, Kleingedrucktes (AGB, Vetr&#228;ge, …) – an geeigneten Einsatzgebieten f&#252;r diese Schrift wird es nicht mangeln.</p>
<p>Wie alle anderen Schriften der Novel-Familie kommt auch die Novel Sans Condensed ohne Inktraps aus. Dies hat gro&#223;e Vorteile zum Beispiel bei der Implementierung von Typografie in Corporate Designs, da hier die Guidelines um einiges &#252;bersichtlicher gestaltet werden k&#246;nnen, als bei der Implementierung gr&#246;&#223;enoptimierter Schriften. Wahrscheinlich wird sich auch aus diesem Grund die Condensed in der Logo-Gestaltung gr&#246;&#223;ter Beliebtheit erfreuen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-22292" title="FB_NovelSansCond_06" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2012/02/FB_NovelSansCond_06.png" alt="" width="500" height="840" /></p>
<p>Wie bei den anderen Pro-Versionen der Novel-Familie, besteht die Novel Sans Condensed aus 12 Schnitten, verf&#252;gt &#252;ber viele Zahlens&#228;tze, Pfeile, SmallCaps f&#252;r Roman und Italics, zahlreiche OpenType Features, Ligaturen und unterst&#252;tzt viele Sprachen.</p>
<p>Es wird &#252;brigens nicht die letzte Erg&#228;nzung innerhalb der Novel-Familie sein: Bereits f&#252;r den Fr&#252;hling 2012 ist der n&#228;chste Release geplant. Vorher jedoch soll es eine komplette neue Familie aus dem B&#252;ro Dunst geben, die ebenfalls f&#252;r klassische Lesetypografie konzipiert wurde.</p>
<p>Zur Einf&#252;hrung gibt es die <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/buro_dunst/novel_sans_condensed_pro_complete/" target="_blank">Novel Sans Condensed</a> bis zum Dienstag kommender Woche (15. Februar 2012) mit eine, 50 % Nachlass, also f&#252;r <strong>149 €</strong> statt <strong>299 €</strong> (zzgl. MwSt.).</p>
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		<title>Corporate-Font FF Sero: Transparenz und Pr&#228;zision</title>
		<link>http://www.fontblog.de/corporate-font-ff-sero-transparenz-und-prazision</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 15:26:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe viel zu selten die Gelegenheit, f&#252;r die Fontblog-Rubrik Schriftgeschichten einen l&#228;ngeren Beitrag zu verfassen. Die letzten gro&#223;en Portraits liegen Wochen zur&#252;ck und widmeten sich FF Suhmo (Meine aktuelle Lieblingsschrift), FF Amman (Amman: die Stadt, die Schrift, der Film) und der Azuro (Ideal f&#252;r das Lesen am Bildschirm: die neue Azuro). Heute ist es wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="FF_Sero_Sample 1" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-1.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Ich habe viel zu selten die Gelegenheit, f&#252;r die Fontblog-Rubrik <a href="http://www.fontblog.de/category/schriftgeschichten" target="_blank">Schriftgeschichten</a> einen l&#228;ngeren Beitrag zu verfassen. Die letzten gro&#223;en Portraits liegen Wochen zur&#252;ck und widmeten sich <em>FF Suhmo</em> (<a href="http://www.fontblog.de/meine-aktuelle-lieblingsschrift" target="_blank">Meine aktuelle Lieblingsschrift</a>), <em>FF Amman</em> (<a href="http://www.fontblog.de/amman-die-stadt-die-schrift-der-film" target="_blank">Amman: die Stadt, die Schrift, der Film</a>) und der <em>Azuro</em> (<a href="http://www.fontblog.de/azuro" target="_blank">Ideal f&#252;r das Lesen am Bildschirm: die neue Azuro</a>). Heute ist es wieder mal soweit. Ich bin fasziniert von einer Neuerscheinung, &#252;ber die ich berichten m&#246;chte … ja ich bin gezwungen, hier und jetzt &#252;ber diese Schrift zu schreiben: Ein Satzfehler im aktuellen <em>Fonts-16</em>-Mailing veranlasst mich dazu, die Story nicht auf die lange Bank zu schieben.</p>
<p><strong>Das ist <em>Fonts 16:</em></strong></p>
<div><strong><object id="cfeab4db-27d3-e664-64d7-59cce7aa822c" style="width: 500px; height: 380px;" classid="clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000"><param name="movie" value="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v2/IssuuReader.swf?mode=mini&amp;backgroundColor=%23222222&amp;documentId=111109104544-4f7cf349cef0450283f413587e06ad9c" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="menu" value="false" /><param name="wmode" value="transparent" /><embed style="width: 500px; height: 380px;" type="application/x-shockwave-flash" src="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v2/IssuuReader.swf" flashvars="mode=mini&amp;backgroundColor=%23222222&amp;documentId=111109104544-4f7cf349cef0450283f413587e06ad9c" wmode="transparent" menu="false" allowfullscreen="true"></embed></object></strong></div>
<p>Auf Seite 5 wird die neue <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/families/ff_sero/" target="_blank">FF Sero</a> vorgestellt, in der gedruckten Ausgabe leider mit einem vertauschten (= falschen) Text. In der oben eingebetteten Digitalausgabe ist das inzwischen korrigiert.</p>
<p>Kurz nach Erscheinen von <em>Fonts 16</em> am letzten Montag rief ich <em>J&#246;rg Hemker</em>, den Entwerfer von FF Sero an, um mich f&#252;r die Panne zu entschuldigen. Dabei verriet er mir, dass er jede Menge Abbildungen und Hintergrundwissen zu Sero in petto habe, woraus man sicherlich irgendwann eine etwas ausf&#252;hrlichere Vorstellung der Schrift verfassen k&#246;nnte um so die fehlenden Informationen nachzuliefern. »Nicht irgendwann,« beschloss ich im selben Moment, »das machen wir noch diese Woche«. Und hier ist sie …</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-20880" title="FF Sero Sample 1" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-0.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Was mich sofort bei FF Sero fasziniert hat, als ich den Text f&#252;r Fonts 16 schrieb, der aber nie erschien, war die filigrane Abstufung bei den leichten Strichst&#228;rken: Welche andere Schrift bietet schon Schnitte wie <em>Extra Thin, Thin, Extra Light </em>und<em> Light?</em> Und damit sind bereits 50 % des Strichst&#228;rken-Repertoires von Sero aufgez&#228;hlt … Es folgen lediglich noch <em>Regular, Medium, Bold </em>und<em> Black</em>, ohne <em>Semi, Extra </em>und<em> Ultra.</em> Das ist schon sehr ungew&#246;hnlich. Und ich war froh, die Ursache f&#252;r diese Familienarchitektur direkt vom Entwerfer zu erfahren: »Ein besonderes Merkmal der Sero ist die gleichbleibende x-H&#246;he &#252;ber alle Strichst&#228;rken. Bei zunehmendem Gewicht nehmen die Zeichen in den Binnenr&#228;umen an Schw&#228;rze zu. Dadurch bleibt die Schriftgr&#246;&#223;e in allen Fetten durchgehend gleich, und die Zeichen werden in der Black nicht zu breit.«</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-20881" title="FF Sero Sample 3" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-3.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Mit anderen Worten: Eine fette Sero nimmt kaum mehr Platz ein als eine Sero Light, was in der Strichst&#228;rken&#252;bersicht oben recht gut zu erkennen ist. Eine andere Schrift, die &#228;hnlich funktioniert, ist die <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/super_families/ff_fago/" target="_blank">FF Fago</a> von <em>Ole Sch&#228;fer</em>, erschienen 2000.</p>
<p>Die Betonung der leichten Schnitte ist also systemimmanent bei FF Sero, weil die kr&#228;ftigeren Schnitte nach »innen wachsen«, und dieser Raum ist beschr&#228;nkt. J&#246;rg Hemker macht aus der Not eine Tugend, siedelt die H&#228;lfte der Familie unterhalb der Regular-Strichst&#228;rke an und gibt der gesamten Familie im wahrsten Sinne des Wortes <em>Leichtigkeit</em>. In Rahmen einer Corporate Identity k&#246;nnte man die Attribute <em>transparent, klar, zur&#252;ckhaltend </em>oder<em> pr&#228;zise </em>in den Raum werfen … und sp&#228;testens an dieser Stelle werden die ersten Corporate Designer vielleicht sagen: FF Sero f&#252;llt eine L&#252;cke in Bereich der Corporate Typography, wo es im Moment eine gro&#223;e Nachfrage gibt.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-20883" title="FF Sero Sample 3" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-2.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Kommen wir zur &#196;sthetik der Schrift. Als flei&#223;iger Benutzer der FontBook-App, die – anders als das gedruckte FontBook – die Klasse der <em>Sans</em>-Schriften in die Untergruppen Dynamisch (Humanist), Geometrisch, Grotesk, Statisch (Anglo Grotesk) und Grotesk einteilt, fragte ich mich des &#246;fteren: Zu welcher Gruppe geh&#246;rt denn nun Sero? Dass mir die Aufgabe nicht leicht fiel, ist der Antwort von J&#246;rg Hemker zu entnehmen, als ich ihn nach den Wurzeln der Schrift befragte:</p>
<p>»Mein Gedanke hinter der Sero war es, die Eigenschaften einer amerikanischen Grotesk mit denen einer humanistischen Sansserif zu vereinen. Ich untersuchte, welches sind die positiven, welches die negativen Merkmale, wie gehen beide Dinge zusammen und welche sind die richtigen f&#252;r eine neue Schrift.«</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-20884" title="FF Sero Sample 5" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-5.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Die Formen amerikanischer Schriften (zum Beispiel <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/families/itc_franklin_gothic_from_elsner__flake/" target="_blank">Franklin Gothic</a>, <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/families/benton_sans/" target="_blank">Benton Sans</a>, <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/bitstream/news_gothic_family/" target="_blank">News Gothic</a> …) sind geschlossen, da sie auf ein klassizistisches Formenprinzip zur&#252;ckgehen. Hingegen sind die Zeichen einer humanistischen Schrift (<a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/linotype/frutiger_std_vp/" target="_blank">Frutiger</a>, <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/families/ff_meta/" target="_blank">FF Meta</a>, …) offen gehalten, besitzen eher organische als geometrische Merkmale. Sind die St&#228;rken einer Grotesk ihre Plakativ&#228;t, wirkt eine Sans-Serif lesefreundlich in Textgr&#246;&#223;en.</p>
<p>»Meine Sero ist der Versuch, diese entscheidenen Charakteristika zu vereinen. Ein geringer Kontrast schafft einen robusten, warmen Charakter, die betonten Oberl&#228;ngen geben der Schrift spannungsvolle Stabilit&#228;t. Wirkte meine <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/fontfont/ff_zwo_ot_1/" target="_blank">FF Zwo</a> noch recht statisch, f&#228;llt die Sero wesentlich dynamischer aus.« erl&#228;utert J&#246;rg Hemker</p>
<p><img class="zentriert" title="FF Sero Samples 12" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-12.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Und weiter: »Anfangs waren die Buchstabenformen recht expressiv gehalten, was sich jedoch w&#228;hrend des Entwicklungsprozesses abmilderte. Mein wichtigstes Gestaltungskriterium war Sachlichkeit, was bedeutete, dass die Buchstaben neutraler wurden … und feiner. Dadurch gewann die Sero am Ende ein hohes Ma&#223; an <em>Transparenz</em> – wie die Schweizer sagen. Da die Figuren von modischen Elementen befreit sind, wirken sie langlebig … stehen somit f&#252;r Kontinuit&#228;t. Das Schriftbild wirkt sachlich, besitzt aber eine individuelle Auspr&#228;gung.«</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-20887" title="FF Sero Sample 10" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-10.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Das Ziffernsystem von FF Sero ist umfangreich und bietet vielf&#228;ltige typografische M&#246;glichkeiten, wie sie gerade im Corporate Design gefordert sind. Es gibt Ziffern f&#252;r Auszeichnungen, den Texteinsatz und f&#252;r Tabellensatz. W&#228;hrend die Versalziffern auf einen plakativen Einsatz zielen, war das Kriterium f&#252;r die Text- und Tabellenziffern die Differenzierbarkeit der Zeichen. Jede Ziffernart verf&#252;gen &#252;ber jeweils passende W&#228;hrungszeichen. Besonders wichtig f&#252;r Tabellen, Formulare, Rechnungen und Gesch&#228;ftsberichte: In allen Strichst&#228;rken haben Tabellenziffern und W&#228;hrungszeichen gleiche Dikten. Schlie&#223;lich bietet FF Sero komplette Zifferns&#228;tze f&#252;r Z&#228;hler und Nenner, sowie einen Satz an Kreisziffern.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-20899" title="FF Sero Fremdsprachenzeichen" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/fremdsprachen.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Die Sero-Schriftfamilie beherrscht – vom ersten Entwurf an – neben den lateinisch basierenden Sprachen auch Griechisch und Kyrillisch. »Mir erschien dies sehr wichtig«, erl&#228;utert J&#246;rg Hemker diese Vorgehensweise, »weil ich so die spezifischen Eigenarten vermeintlich gleich wirkender Zeichen bereits im Entwurfsprozess ber&#252;cksichtigen konnte.« Au&#223;erdem hatte er von Anfang an den Wunsch, eine Schriftfamilie f&#252;r internationale Corporate-Design-Jobs zu entwickeln. Die Vorteile von FF Sero liegen nicht zuletzt in ihrer Vielsprachigkeit. Vergleichbare Sans-Serif-Familien liegen nur bedingt oder gar nicht in nicht-lateinischen Varianten vor.</p>
<p><img class="zentriert" title="FF Sero Sample 8" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-8.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>Zum Abschluss noch etwas Zukunftsmusik. Um die Schrift auch f&#252;rs Editorial-Design attraktiv zu mache, arbeitet J&#246;rg Hemker bereits an einer schmallaufende Version. »Dar&#252;ber hinaus plane ich eine spezielle Displayvariante (Abb oben), die durch eine gr&#246;&#223;ere x-H&#246;he und geringe Ober- und Unterl&#228;ngen einen plakativen Satz erm&#246;glicht und so neue gestalterische Freir&#228;ume schafft. Spannend hierbei ist es herauszufinden, wie weit die Schw&#228;rze der Zeichen verdichtet werden kann.«</p>
<p><img class="zentriert" title="FF Sero Samples 14" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/FFSeroSamples-14.png" alt="" width="500" height="312" /></p>
<p>FF Sero ist ab sofort auf <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/families/ff_sero/">www.fontshop.com</a> lieferbar, und zwar als <strong><em>OpenType-</em></strong> oder <em><strong>OpenType-Pro</strong></em>-Version (Fremdsprachen), das gleiche f&#252;r den <strong><em>Office</em></strong>-Bereich (Format TrueType) sowie als <em><strong>Webfonts</strong></em> (Formate .woff und .eot).</p>
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		<title>Adrian Frutiger – Der Film</title>
		<link>http://www.fontblog.de/adrian-frutiger-der-film</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 13:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Jahr 2007 f&#252;hrte der Berliner Filmemacher Sebastian Rohner ein langes Interview mit dem Schweizer Schriftentwerfer Adrian Frutiger, der zu den ma&#223;gebenden Sch&#246;pfern der Schweizer Typografie geh&#246;rt. Seine zwei bekanntesten Schriften sind die serifenlose Linear-Antiqua Univers und die f&#252;r den Pariser Flughafen Charles de Gaulle entworfene Roissy, eine fr&#252;he Form der sp&#228;ter ver&#246;ffentlichten und mehrfach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="frutiger" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/11/frutiger.jpg" alt="" width="500" height="281" /></p>
<p>Im Jahr 2007 f&#252;hrte der Berliner Filmemacher <em><a href="http://rfilms.de/RFilms/Willkommen.html" target="_blank">Sebastian Rohner</a> </em>ein langes Interview mit dem Schweizer Schriftentwerfer <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adrian_Frutiger" target="_blank">Adrian Frutiger</a></em>, der zu den ma&#223;gebenden Sch&#246;pfern der Schweizer Typografie geh&#246;rt. Seine zwei bekanntesten Schriften sind die serifenlose Linear-Antiqua <em><a href="http://www.100besteschriften.de/10_Univers.html#a10">Univers</a></em> und die f&#252;r den Pariser Flughafen Charles de Gaulle entworfene <em><a href="http://www.100besteschriften.de/3_Frutiger.html#a3">Roissy</a></em>, eine fr&#252;he Form der sp&#228;ter ver&#246;ffentlichten und mehrfach ausgebauten <em>Frutiger</em>. Daneben entwarf Frutiger die nicht minder beliebten Avenir, Centennial, Iridium, Meridien und Serifa. Seine auf Maschinenlesbarkeit optimierte OCR-B wurde 1973 zum ISO-Standard erhoben.</p>
<p>Rohner &#252;ber Frutiger: »Einer der gr&#246;&#223;ten Designer des 20. Jahrhunderts ist den meisten Menschen vollkommen unbekannt. Dieses Interview soll das &#228;ndern.« schreibt er in der Erl&#228;uterung des nun frei gegebenen Videos auf YouTube. Der aufschlussreiche Film wirft nicht nur ein Licht auf den bedeutenden Schriftentwerfer sondern auf eine Designdisziplin, die kaum exotischer sein k&#246;nnte und doch alle (lesenden) Menschen ber&#252;hrt. Vielen Dank f&#252;r dieses Zeitdokument, Sebastian.</p>

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		<title>Zwanzig Jahre FF Hands</title>
		<link>http://www.fontblog.de/zwanzig-jahre-ff-hands</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/zwanzig-jahre-ff-hands#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 14:31:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Als im Jahr 1991 die beiden Handschriften FF Erikrighthand und FF Justlefthand als erste FontFonts auf den Markt kamen, hatten die beiden Scripts zwei (durchaus beabsichtigte) Geburtsfehler: • Sie wurden als »Hands 1« ver&#246;ffentlicht, es erschien aber nie »Hands 2« • Die zwei Handschriften waren mit hei&#223;er Nadel gestrickt Beide Makel wurden erst heute, nach 20 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="FF Hands gestern und heute" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/hands_ot.gif" alt="" width="490" height="263" /></p>
<p>Als im Jahr 1991 die beiden Handschriften <em>FF Erikrighthand</em> und <em>FF Justlefthand</em> als erste <strong><em>FontFonts</em></strong> auf den Markt kamen, hatten die beiden Scripts zwei (durchaus beabsichtigte) Geburtsfehler:<br />
• Sie wurden als »Hands 1« ver&#246;ffentlicht, es erschien aber nie »Hands 2«<br />
• Die zwei Handschriften waren mit hei&#223;er Nadel gestrickt</p>
<p>Beide Makel wurden erst heute, nach 20 Jahren ausgeb&#252;gelt. Beide konnten auch nicht verhindern, das die Jugendwerke von <em>Erik van Blokland</em> und <em>Just van Rossum</em> zu weltweiten Bestsellern wurden und viele Nachahmer fanden.</p>
<p>Urspr&#252;nglich waren Erikrighthand und Justlefthand als reine Spa&#223;schriften gedacht, als provokante Statements gegen den Perfektionismus, &#228;hnlich wie der Random-Font Beowolf. Ihre Entstehungsgeschichte ist nachzulesen im Buch »Made with FontFont«. Ende 1990 h&#228;lt sich Erik van Blokland in New York, sein Random-Twin Just van Rossum in Berlin auf. Eines Abends f&#228;llt ihnen ein, dass sie auf Wunsch von Joan und Erik Spiekermann  f&#252;r die gerade gegr&#252;ndet FontFont-Bibliothek noch zwei Script-Fonts beisteuern sollen, eine leichte und eine fette. Wegen der Entfernung bzw. der steinzeitlichen &#220;bertragungstechnik (Fax), zeichnet »Erik der Ferne« mit seiner rechten Hand und einem Filzstift kr&#228;ftige Buchstaben auf ein Fax-Formular, Just greift mit seiner linken Hand zu einem Fineliner und tut dasselbe in Light. Anschlie&#223;end verrichten ein Scanner sowie die Software-Programme Photoshop, Streamline und Fontographer ihren Job, und fertig ist das Schriftpaket FF Hands 1 mit 4 Fonts. Es st&#246;&#223;t in die g&#228;hnend leere Marktl&#252;cke der ungek&#252;nstelten Handschriften und werde weltber&#252;hmt.</p>
<p><img class="zentriert" title="FF Erikrighthand 1991 und 2011" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/ft_ot.gif" alt="" width="490" height="342" /></p>
<p>Da ich seit 20 Jahren Mitglied im FontFont-Typeboard bin und somit mitverantwortlich f&#252;r die Ver&#246;ffentlichung neuer Schriften, m&#246;chte ich heute mal einen Traum zerplatzen lassen, den mir Au&#223;enstehende schon h&#228;ufig angetragen haben: Die Vorstellung von der Schriftsch&#246;pfung als Auftragsarbeit. Es ist ein M&#228;rchen zu glauben, das ein Schriftenhaus seine Designersch&#252;tzlinge – wie es ihm gef&#228;llt – Bestseller am Flie&#223;band produzieren lassen k&#246;nne. Das funktioniert nicht. Auch Buchverlagen gelingt dies nur in Ausnahmef&#228;llen, denn den wenigen Serient&#228;tern wie <em>Stephen King</em> oder <em>Joanne K. Rowling</em> steht eine Heerschar von One-Hit-Wondern gegen&#252;ber.</p>
<p>Ihr glaubt gar nicht, in wie vielen der bis heute 55 Typeboard-Sitzungen ich bei Erik van Blokland nachgefragt habe – er ist ebenfalls Typeboard-Gr&#252;ndungsmitglied –, wann denn nun endlich Hands 2 fertig sei. Es sollte eine Display-Version der Grundschriften werden, mit feineren Buchstabenkonturen, und mehr St&#252;tzpunkten. Tats&#228;chlich waren die ersten Fassungen 1991 ja nicht aus Schlampigkeit so grob digitalisiert: Die damalige PostScript-Umgebung (Rechner, Drucker, Adobe Type Manager) lie&#223; es aus Gr&#252;nden der Stabilit&#228;t nicht zu, dass man ausgefranste Script-Glyphen bis in die letzte Ver&#228;stelung digital nachbildete. Die Faustregel damals: mehr als 20 St&#252;tzpunkte/Buchstabe k&#246;nnen daf&#252;r sorgen, dass eine Quark-QPress-Seite abst&#252;rzt oder ein Druckjob nicht ausgef&#252;hrt wird.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-15256" title="Zeichenvorrat" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/glyphen_ot.gif" alt="" width="490" height="379" /></p>
<p>Nun endlich, mit dem Erscheinen des FontFont-Release 54, liegen <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=erikrighthand" target="_blank">FF Erikrighthand</a> und <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=erikrighthand" target="_blank">FF Justlefthand</a> in neuer, verbesserter Qualit&#228;t vor. Verpackungsdesigner, Plakatgestalter, Ladenbeschrifter (typische Anwendungsfelder f&#252;r die beiden Hands) k&#246;nnen aufatmen. Der Grund f&#252;r die &#220;berarbeitung war der Abschied von PostScript. Dieses Format gibt es bei FontFont nicht mehr, sondern nur noch OpenType (als .otf und .ttf). Erik van Blokland und Just van Rossum haben diese Gelegenheit genutzt, ihren Klassiker nun zu &#252;berarbeiten.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/ErikrighthandPro-SpecSheet.pdf"><img class="links" title="Erikrighthand Specsheet" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/erik_spec.gif" alt="" width="235" height="184" /></a>Die beiden Schriftentwerfer aus Den Haag sind weiterhin gut befreundet, arbeiten jedoch nicht mehr so eng zusammen wie vor 10 oder 20 Jahren. Daher haben sie ihr jugendlichen Handschriften mit unterschiedlicher Philosophie &#252;berarbeitet. Erik van Blokland nutzte den Technologiewechsel, so wie er es bei der FF Trixie bereits meisterhaft vorgef&#252;hrt hat (siehe Fontblog-Beitrag Neu: <a href="http://www.fontblog.de/neu-ff-trixie-ot-von-erik-van-blokland">FF Trixie OT, von Erik van Blokland</a>), f&#252;r eine grundlegende &#220;berarbeitung der einzelnen Glyphen. Er verpasst Erikrighthand einen neuen Schwung, der sie noch authentischer nach Filzerschrift aussehen l&#228;sst. Dabei hat sie ihren spontanen Charme behalten, so dass man sie weiterhin als Handschrift-Imitation und endlich auch f&#252;r die gro&#223;dimensionale Gestaltung einsetzen kann.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/JustlefthandPro-SpecSheet.pdf"><img class="rechts" title="Justlefthand Specsheet" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/01/just_spec.gif" alt="" width="235" height="184" /></a> Just van Rossum entschied sich f&#252;r eine werktreue &#220;berarbeitung, keine neue Abmischung … wie die Beatles mit ihrer Musik. Er tastete die einzelnen Glyphen nicht an, baute aber mehrere Hundert Ligaturen und Akzentbuchstaben hinzu, so dass nun auch Justlefthand den modernen Anspr&#252;chen einer OpenType-Typografie gen&#252;gt – in den Features und der Sprachunterst&#252;tzung.</p>
<p>Die einst separat erschienen Schnitte <em>Expert</em> und <em>Small Caps</em> sind selbstverst&#228;ndlich im OpenType-Zeichensatz aufgegangen. Damit werden die Schriften auch leichter bedienbar. Mehr &#252;ber ihre &#196;sthetik und die technische Ausstattung verraten die beiden Steckbriefe (PDF), die sich hinter den Abbildungen links oben und rechts verbergen.</p>
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		<title>Wer ist eigentlich dieser Mister K. Informal?</title>
		<link>http://www.fontblog.de/wer-ist-eigentlich-dieser-mister-k-informal</link>
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		<pubDate>Mon, 25 Jul 2011 15:28:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die wunderbare Schreibschrift FF Mister K von Julia Sysm&#228;l&#228;inen wird unaufh&#246;rlich erweitert. Nachdem im Januar 2010 ein volumin&#246;ses Set an Symbolen und Illustrationen hinzukam (FF Mister K Dingbats, Fontblog berichtete: Mister K ist nicht mehr solo), hat die Familie letzte Woche erneut Zuwachs bekommen. Der Schnitt FF Mister K Informal ist eine &#228;u&#223;erst n&#252;tzliche Erg&#228;nzung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/07/FF_Mister_K_Informal_2_gross.png" rel="lightbox[19152]"><img class="zentriert" title="FF_Mister_K_Informal_2_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/07/FF_Mister_K_Informal_2_klein.png" alt="" width="500" height="250" /></a></p>
<p>Die wunderbare Schreibschrift <a href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/fontfont/ff_mister_k_ot/" target="_blank">FF Mister K</a> von <em>Julia Sysm&#228;l&#228;inen</em> wird unaufh&#246;rlich erweitert. Nachdem im Januar 2010 ein volumin&#246;ses Set an Symbolen und Illustrationen hinzukam (<a href="http://www.fontshop.com/fonts/singles/fontfont/ff_mister_k_dingbats/" target="_blank">FF Mister K Dingbats</a>, Fontblog berichtete: <a href="http://www.fontblog.de/mister-k-ist-nicht-mehr-solo" target="_blank">Mister K ist nicht mehr solo</a>), hat die Familie letzte Woche erneut Zuwachs bekommen. Der Schnitt <strong><a href="http://www.fontshop.com/fonts/singles/fontfont/ff_mister_k_informal_ot_regular/" target="_blank">FF Mister K Informal</a> </strong>ist eine &#228;u&#223;erst n&#252;tzliche Erg&#228;nzung – f&#252;r »alle Gelegenheiten«.</p>
<p>Mit dem Etikett <em>informal</em> werden im englischen Sprachraum Briefe bezeichnet, die das Gegenteil von <em>formal</em> (zu deutsch: <em>f&#246;rmlich</em>) sind, also pers&#246;nliche Schreiben, die mit »Hallo« oder »Lieber Freund« beginnen. Digitalisierte Schriften mit dem Etikett <em>Informal</em> im Namen wollen genau diesem Anwendungszweck dienen, m&#246;chten also sympathisch-pers&#246;nlich wirken. Exakt dies leistet die neue <em>FF Mister K Informal.</em></p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/07/FF_Mister_K_Informal_1_gross.png" rel="lightbox[19152]"><img class="zentriert" title="FF_Mister_K_Informal_1_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/07/FF_Mister_K_Informal_1_klein1.png" alt="" width="500" height="252" /></a></p>
<p>Welcher Natur ist aber nun die urspr&#252;ngiche Mister K? Am besten l&#228;sst sie sich wohl als K&#252;nstlerschrift charakterisieren, denn sie basiert bekannterma&#223;en auf der Handschrift von <em>Franz Kafka</em>. Als solche ist sie jedoch weit mehr als das, n&#228;mlich eine starke, exzentrische Pers&#246;nlichkeit. Einen solchen Font kann man nicht jeden Tag einsetzen, die <em>Mister K Informal</em> dagegen schon. Und genau daf&#252;r wurde sie gemacht. Die <em>Jeden-Tag-ganz-liebe-Gr&#252;&#223;e</em>-Schrift.</p>
<p>Dies &#252;brigens zeigt mein neues <strong>FontBook</strong> zum Stichwort »informal« an:</p>
<p><img class="zentriert" title="informal_fontbook" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/07/informal_fontbook.png" alt="" width="500" height="667" /></p>

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		<title>Ideal f&#252;r das Lesen am Bildschirm: die neue Azuro</title>
		<link>http://www.fontblog.de/azuro</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/azuro#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 May 2011 07:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[FontShop ver&#246;ffentlicht heute seine zweite exklusive Schriftfamilie, nach Axel von Erik Spiekermann – erschienen vor zwei Jahren, siehe Fontblog-Beitrag Axel, die neue Spiekermann. Die Neuerscheinung hei&#223;t Azuro, wurde von Georg Seifert entworfen und von Jens Kutilek gemastert. Azuro ist wahrscheinlich die erste Schriftfamilie, deren Bildschirmverhalten bereits in der Entwurfsphase unter Windows, Mac-OS und Apple iOS unerm&#252;dlich getestet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="Feinarbeit an den Azuro-Lettern im Schrift-Design-Programm Glyphs" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/azuro_aufmacher.jpg" alt="" width="490" height="272" /></p>
<p>FontShop ver&#246;ffentlicht heute seine zweite exklusive Schriftfamilie, nach <strong><em>Axel</em></strong> von <em>Erik Spiekermann</em> – erschienen vor zwei Jahren, siehe Fontblog-Beitrag <a href="http://www.fontblog.de/hier-ist-axel" target="_blank">Axel, die neue Spiekermann</a>. Die Neuerscheinung hei&#223;t <strong><em>Azuro,</em></strong> wurde von <em>Georg Seifert</em> entworfen und von <em>Jens Kutilek</em> gemastert. Azuro ist wahrscheinlich die erste Schriftfamilie, deren Bildschirmverhalten bereits in der Entwurfsphase unter Windows, Mac-OS und Apple iOS unerm&#252;dlich getestet wurde, einschlie&#223;lich R&#252;ckwirkung auf den Designprozess. Und deshalb ist Azuro am Bildschirm <em>und</em> auf Papier in hohem Ma&#223;e leserlich.</p>
<p>Die OpenType-Familie (TrueType flavoured) bietet die Schnitte Regular, Italic, Bold und Bold Italic, enth&#228;lt 589 Zeichen pro Font (inkl. griechisch und kyrillisch) und kommt f&#252;r den Einsatz am Desktop-Rechner (TrueType, 199 €) und im Web (.eot und .woff, 149 €) auf den Markt. Zur Einf&#252;hrung bietet FontShop beide Familien bis 31. Mai 2011 zum unwiderstehlichen Lizenzpreis von je 19,90 € an, nur im Download und nur auf <em><strong><a href="http://fontshop.com" target="_blank">fontshop.com</a></strong><strong>!</strong></em></p>
<p>Erst den ausf&#252;hrlichen Beitrag lesen … oder sofort zu <a title="Azuro Office zum Sonderpreis lizenzieren" href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/fontshop_ag/azuro_office/" target="_blank">Azuro Office</a> oder <a title="Azuro Web zum Sonderpreis lizenzieren" href="http://www.fontshop.com/fonts/downloads/fontshop_ag/azuro_web/" target="_blank">Azuro Web</a> auf fontshop. com …?!</p>
<p><span id="more-17171"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-17269" title="Georg Seifert bei der Arbeit an Azuro" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/georg_arbeitend.jpg" alt="" width="490" height="318" /></p>
<p><strong>Georg Seifert</strong> (<a href="http://schriftgestaltung.de/">schriftgestaltung.de</a>) ist eine schillernde Figur in der internationalen Schriftdesign-Szene. Er studierte an der <em>Bauhaus-Universit&#228;t </em>in Weimar, wo er 2002 mit der Arbeit an seiner ersten Schrift <a href="http://www.fonts.info/info/graublau-sans-pro.htm">Graublau Sans</a> begann, die sechs Jahre sp&#228;ter erschien. Seit 2006 programmiert er unter dem Namen <a href="http://schriftgestaltung.de/"><em>Glyphs</em></a> eine eigene Typedesign-Software, die bereits auf mehreren Konferenzen f&#252;r Aufsehen sorgte. Mit diesem Programm entstand auch Azuro, an der Seifert die letzten beiden Jahre arbeitete. Er entwickelte die Familie aus einer Monospace namens <em>Olivegreen</em>, die er sich einst f&#252;r seine E-Mail-Korrespondenz und die Darstellung von Programmcode entwarf.</p>
<p><strong>Jens Kutilek</strong> studierte Kommunikationsdesign in Braunschweig, gr&#252;ndete nach dem Studium mit zwei Freunden das Webdesign-B&#252;ro Netzallee und arbeitet seit 2007 in der Font-Technik-Abteilung bei <em>FSI FontShop International</em>. Das am h&#228;ufigsten besuchte Highlight der Netzallee-Website ist <em>Comic Jens</em>, eine kostenlose Alternative zur weit verbreiteten Comic Sans. Kutileks Leistung beim Mastering der neuen <em>Azuro</em>-Schriftfamilie wird im zweiten Teil dieses Beitrags n&#228;her beschrieben.</p>
<p><strong>Das Design von Azuro</strong></p>
<p><strong><img class="zentriert" title="Die Unverwechselbarkeit der Zeichen im Vergleich" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/azuro_zeilen_unterscheidung.gif" alt="" width="490" height="128" /></strong></p>
<p>Azuro ist eine serifenlose Schrift f&#252;r das Lesen und Schreiben am Bildschirm. Was unterscheidet sie von anderen hochwertigen Bildschirmschriften wie <em>Arial</em>, <em>Verdana</em> oder <em>Lucida Grande</em>? Azuro hat mehr Charakter … weniger aus &#228;sthetischen Gr&#252;nden als zum Zwecke der Steigerung der Leserlichkeit. Ihre Lettern basieren immer dann auf Antiqua-Formen oder weisen Schreibmerkmale auf (zum Beispiel das Doppeldecker-g, das kursive k, das ausladende Q, Versalh&#246;he kleiner Oberl&#228;nge), wenn dies der Unterscheidbarkeit von Buchstaben dient (siehe Abb. oben). Wie bei anderen Screenfonts sind auch bei Azuro die Innenr&#228;ume der Lettern maximal gro&#223; angelegt und runde Buchstaben so offen wie m&#246;glich. All diese Merkmale und ihre Wirkung hat Georg Seifert bereits in der Entwurfsphase auf seinen Ger&#228;ten getestet, einem Mac, einem PC und einem gehackten iPhone (mehr dazu morgen in einem Interview mit dem Entwerfer).</p>
<p><img class="zentriert" title="Die 4 Schnitte der Azuro-Familie" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/05/azuro_ramburge_korr3.gif" alt="" width="490" height="277" /></p>
<p>Die Azuro-Familie besteht aus den vier Grundschnitten Regular, Italic, Bold und Bold Italic. Der Unterschied zwischen Regular und Bold ist st&#228;rker ausgepr&#228;gt als bei manch anderen Bildschirmschriften (und st&#228;rker als bei Druckschriften sowieso), damit sich fett gesetzte W&#246;rter oder Textpassagen am Bildschirm ausreichend stark gegen&#252;ber dem Grundtext abheben, ganz egal wie stark dir Konturengl&#228;ttung (-vergrauung) bei einem Rechner eingestellt ist.</p>
<p>Die Zeichen-Ausstattung in allen Azur-Schnitten ist &#252;ppig: 589 Glyphen, darunter die kyrillischen und die griechischen Schriftzeichen, sowie Pfeile, jede Menge Br&#252;che, diverse Ziffernarten, mathematische Operatoren und mehr.</p>
<p><img class="zentriert" title="zeichenvorrat_azuro" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/zeichenvorrat_azuro.gif" alt="" width="490" height="268" /></p>
<p><em>Azuro ist ein Sprachtalent, komplett ausgestattet mit griechischen und kyrillischen Schriftzeichen – insgesamt 589 Glyphen pro Font</em></p>
<p>Die nachfolgende Animation zeigt eine E-Mail, die nacheinander in den Schriften <em>Arial, Verdana </em>und<em> Azuro</em> (siehe rotes Schl&#252;sselwort in der Anrede) gesetzt wurde. Auch wenn sich unsere Augen in den letzten Jahren an die allgegenw&#228;rtigen Bildschirmklassiker gew&#246;hnt haben, so ist doch zu erkennen, dass Azuro ein lebendigeres und angenehmer zu lesendes Schriftbild erzeugt. Wie bei jeder Ver&#228;nderung zum Besseren wird dieser Effekt erst richtig deutlich, wenn man sich an die h&#246;here Qualit&#228;t gew&#246;hnt hat und irgendwann die mindere Qualit&#228;t wieder vor Augen erscheint. Im Gespr&#228;ch mit Fontblog erinnert sich der Designer Georg Seifert so an das Ph&#228;nomen: »Die bessere Lesbarkeit der Azuro am Bildschirm zeigte sich immer dann, wenn ich an den Ger&#228;ten von Freunden wieder auf die Standard-System-Fonts blickte. Dann wurde mir unmittelbar bewusst, wie schnell meine Augen die gute Lesbarkeit der Azuro angenommen hatten.«</p>
<p><em><img class="zentriert" title="Schriftvergleich: Azoro vs Verdana und Arial" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/Azuro3Sek.gif" alt="" width="490" height="410" /></em></p>
<p><em>Animation: Der gleiche E-Mail-Text, gesetzt in den Schriften Arial, Verdana und Azuro</em></p>
<p><strong>Das Mastering von Azuro<br />
</strong></p>
<p>H&#228;ufig fragen FontShop-Kunden, was bedeutet eigentlich <em>Font-Technik </em>oder was macht die Technikabteilung bei FontFont? Am Beispiel der Azuro, wo FontShop die Entwicklung hautnah miterlebt hat, soll die Leistung der Technik mal etwas ausf&#252;hrlicher beleuchtet werden.</p>
<p>Beginnen wir mit einer These: Die Rolle der <em>Technik</em> einer Schrift – im Vergleich zu ihrem <em>Design</em> –, ist &#228;hnlich bedeutend wie die Bedeutung der Technik bei einem Automobil – im Vergleich zu dessen Design. Wenn auch nur ein Schr&#228;ubchen falsch sitzt oder ein elektronisches Bauteil streikt, muss ein modernes Fahrzeug in die Werkstatt, weil das Fahren keinen Spa&#223; macht oder sogar gef&#228;hrlich wird. Bei einer Schrift ist dass &#228;hnlich. Zwar h&#228;ngt kein Menschenleben an der Funktionsf&#228;higkeit einer Schrift, bisweilen aber gro&#223;e Werbe- oder Corporate-Design-Budgets. Ist ein Font erst mal unternehmensweit installiert und funktioniert dann nicht einwandfrei, kann dies zu erheblichen (wirtschaftlichen) Sch&#228;den f&#252;hren.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-17268" title="Azuro, Rohversion" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/Azuro_Rohversion.png" alt="" width="490" height="300" /></p>
<p><em>Azuro im Technikcheck: die Computerdiagnose bringt zu pr&#252;fende Zeichen ans Tageslicht (rot), bereits korrigierte Glyphen (gr&#252;n), zusammengesetzte Zeichen (hellblau) und nicht zu beanstandende Zeichen (wei&#223;)</em></p>
<p>Die Karosserie der Azuro (die Rohversion) ging in die H&#228;nde von J<em>ens Kutilek</em>, nachdem Georg Seifert alle Zeichen entworfen und zugerichtet sowie die Kerningklassen angelegt und Kerningpaare definiert hatte. »Es ist immer gut, wenn sich jemand einen ›Rohfont‹ anschaut, der ihn nie zuvor gesehen hat. Manche Fehler fallen dem Sch&#246;pfer oft nicht mehr ins Auge, weil er sich sehr lange mit seiner Schrift besch&#228;ftigt hat.« definiert Jens Kutilek seine Rolle im Prozess der Font-Produktion. »Wenn jemand anderes mit frischen Augen drauf schaut, werden M&#228;ngel pl&#246;tzlich offensichtlich«.</p>
<p>Zu Beginn f&#252;hrt Kutilek eine Art »Eingangstest« durch. Dabei pr&#252;ft er, ob alle ben&#246;tigten Zeichen vorhanden sind, richtig benannt und den richtigen Unicode-Werten zugeordnet sind. Anschlie&#223;end wirft er einen Blick auf die Metriken, also die horizontalen und vertikalen Ma&#223;e der Zeichen. Hier stellen sich Fragen wie: Sind die mathematischen Zeichen dicktengleich und stehen sie auf einer Achse? Sind die Akzentbuchstaben genauso breit wie ihre Basisbuchstaben? Sind Akzente eventuell verrutscht oder fehlen sie bei manchen Zeichen?</p>
<p>F&#252;r den visuellen Vergleich der vier Schriftschnitte bedient sich Kutilek des Tools <a href="http://www.yanone.de/typedesign/autopsy" target="_blank"><em>Autopsy</em> von Yanone</a>. Damit kann man jedes Zeichen aus allen Schriftschnitten nebeneinander stellen und Unregelm&#228;&#223;igkeiten sehr leicht feststellen. Mit Autopsy entdeckte er nicht nur einige falsch platzierte Akzente sondern auch L&#252;cken bei den diakritischen Zeichen, die er beseitigte, um die Sprachunterst&#252;tzung nach dem WGL4-Standard (Windows Glyph List 4) zu gew&#228;hrleisten. Auch die vom Designer angelegten Kerningklassen hat er &#252;berpr&#252;ft und erg&#228;nzt.</p>
<p>Anschlie&#223;end unterzog er die Outlines, also die Umrisskurven, die eine Buchstabenformen beschreiben, einer genaueren Kontrolle. Beim Entwerfen achtet kaum ein Designer zu 100 Prozent exakt auf die technische Korrektheit seiner Kurven, sondern vor mehr auf die Gesamtform eines Zeichens. So kann es passieren, dass in den Kurven kleine Ecken und Beulen oder &#220;berlappungen stehenbleiben, die nun beim Mastering sicher entfernt werden. Au&#223;erdem m&#252;ssen die Kurven bestimmten technischen Anforderungen entsprechen, damit sp&#228;ter die Bildschirmoptimierung einwandfrei abl&#228;uft. Zum Beispiel m&#252;ssen an den Extremwerten der Kurven St&#252;tzpunkte eingef&#252;gt werden, damit die Pixelposition dieser Extrempunkte sp&#228;ter auf dem Bildschirm per Hinting beeinflusst werden kann.</p>
<p><img class="zentriert" title="Die Azuro-5 ohne und mit Extrempunkte" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/azuro_korr_5.gif" alt="" width="490" height="301" /></p>
<p><em>Die Azuro 5 vor und nach der Bearbeitung: rechts mit korrekten Extrempunkten, die f&#252;r die Bildschirmoptimierung von gro&#223;er Bedeutung sind</em></p>
<p>Bis dahin liegen die Konturen der Buchstaben meist im PostScript-Format vor … ganz einfach deshalb, weil die viele Designer im Zeichnen von PostScript-(Bézier)-Kurven ge&#252;bter sind als mit TrueType-Kurven, denen eine andere mathematische Beschreibung zugrunde liegt. Wenn man jedoch einen f&#252;r den Bildschirm optimierten Font produzieren will, f&#252;hrt kein Weg an TrueType vorbei. Die Kurven werden daher im n&#228;chsten Schritt zu TrueType konvertiert. Der neue Typ Font nennt sich dann »TrueType-flavored OpenType«, es ist also ein TrueType-Font, der mittels OpenType-Technik einen erweiterten Zeichenvorrat und typografische Features enthalten kann.</p>
<p>Es folgt das Hinting, das einen gro&#223;en Teil der Mastering-Zeit in Anspruch nimmt. Ohne Hinting s&#228;he die Schrift unter Windows nicht gut aus. Das Macintosh OS X hingegen ignoriert diese »nachtr&#228;gliche« Bildschirmoptimierung. Stattdessen hat Georg Seifert bereits w&#228;hrend des Entwurfsprozesses darauf geachtet, dass die Schrift am Mac gut aussieht – wie oben bereits erw&#228;hnt: eine einzigartige Vorgehensweise bei der Gestaltung einer Schrift f&#252;r das Lesen am Bildschirm.</p>
<p><img class="zentriert" title="akzent_korrektur" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/akzent_korrektur1.png" alt="" width="490" height="301" /></p>
<p><em>Das Programm Autopsy, entwickelt von Yanone, hilft beim schnellen Auffinden systematischer Fehler, zum Beispiel falsch gesetzte Akzente (links)<br />
</em></p>
<p>Azuro ist auf eine Art gehintet, die unter Windows mit <em>aktiviertem ClearType</em> die beste Darstellungsqualit&#228;t erzielt. Wenn man f&#252;r die ClearType-gest&#252;tzte Schriftgl&#228;ttung hintet, reichen weniger TrueType-Instruktionen aus, als wenn man f&#252;r die reine Schwarzwei&#223;-Darstellung optimieren w&#252;rde. Die Font-Dateien werden daher kleiner. Beim Hinting f&#252;r ClearType kommt es vor allem darauf an, die horizontalen St&#228;mme der Buchstaben zu definieren, damit sie am Bildschirm nicht zu d&#252;nn werden und verschwinden, oder parallele Striche durch Rundungsfehler mal mit einem und mal mit zwei Pixeln dargestellt werden. Au&#223;erdem werden die Ober- und Unterkanten der Buchstaben auf gleiche Positionen gebracht, um eine gleichm&#228;&#223;ige Grundlinie, x-H&#246;he und Oberl&#228;nge zu erreichen, aus denen keine Buchstaben nach oben oder unten herausragen. Das Hinting mu&#223; auch schriftschnitt&#252;bergreifend betrachtet werden, damit &#228;hnliche Details nicht in den verschiedenen Fettegraden anders wirken, oder ein Stamm im aufrechten Schnitt noch zwei Pixel, aber im kursiven Schnitt schon drei Pixel breit ist.</p>
<p>Das Optimieren kann mit einem automatischen Hinting beginnen, im weiteren Verlauf m&#252;ssen jedoch alle Zeichen einzeln durchgesehen werden, um &#252;berfl&#252;ssige Instruktionen zu entfernen und von der Automatik nicht gesetzte einzuf&#252;gen. Das Hinting muss zwischendurch immer wieder in verschiedenen Schriftgr&#246;&#223;en gepr&#252;ft und angepasst werden. »Dazu mache ich es mir bequem und h&#246;re Musik. Wenn man sich ins Hinting vertieft, wird das fast ein meditativer Vorgang &#8230;« beschreibt Jens Kutilek seine Gef&#252;hle in dieser Arbeitsphase.</p>
<p>Die vertikalen Metriken, also die Ma&#223;e f&#252;r Oberl&#228;ngen und Unterl&#228;ngen und somit f&#252;r die Zeilenh&#246;he, sind besonders knifflig einzustellen. Wenn man hier nicht aufpasst, weichen nachher die Zeilenabst&#228;nde je nach Betriebssystem ab; der Zeilenabstand darf sich auch nicht &#228;ndern, wenn ein Benutzer vom Normal- auf den Bold-Schnitt wechselt. Weil die einzelnen Browser die Zeilenh&#246;hen unterschiedlich interpretieren, sind die vertikalen Metriken in den Azuro-<em>Webfonts</em> anders eingestellt als in den Desktop-Fonts. Ansonsten w&#228;ren in den verschiedenen Browsern die Grundlinien, auf denen die Buchstaben stehen, unterschiedlich positioniert, was bei einem Browser-Wechsel sofort sichtbar ist.</p>
<p>Die Fonts m&#252;ssen intern korrekt benannt sein, damit die Stilverlinkung auf allen Systemen funktioniert. Bei einer Familie mit nur vier Schnitten ist das aber relativ einfach.</p>
<p>Die technischen Eigenschaften der Fonts, wie zum Beispiel die OpenType-Features, m&#252;ssen genau auf das jeweilige Zielformat zugeschnitten sein. Bei Webfonts ist die Minimierung der Dateigr&#246;&#223;e ein wichtiges Ziel. Alles Unn&#252;tze muss also raus. Der Internet Explorer beherrscht zum Beispiel kein Kerning, also sind die Kerning-Informationen in den EOT-Webfonts gar nicht n&#246;tig. Die Azuro-WOFF-Fonts enthalten OpenType-Kerning, und der Desktop-Font zus&#228;tzlich noch das »altmodische« paarweise Kerning, was zwar die Font-Datei gr&#246;&#223;er macht, daf&#252;r aber das Kerning in &#228;lteren Office-Versionen unterst&#252;tzt. Geringe Dateigr&#246;&#223;en sind das A und O f&#252;r einen schnellen Webseitenaufbau. W&#228;hrend ein Azuro-Office-Font rund 135 K »auf die Waage bringt«, liegt die Gr&#246;&#223;e eines Webfonts bei nur 35 K. Dieser Unterschied verringert den Traffic auf einer Website mit 2 Webfonts, die 1000 mal am Tag besucht w&#252;rde, um 200 MB.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-17277" title="Azuro_Final" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/04/Azuro_Final.png" alt="" width="490" height="296" /></p>
<p><em>Azuro beim Verlassen des Masterings: fehlerfreie Font-Daten</em></p>
<p>»Beim endg&#252;ltigen Generieren der Fontdateien hat man das Problem, dass das verbreitete Programm FontLab Studio eigentlich technisch veraltet ist und keine OpenType-Fonts auf dem aktuellen Stand der Technik erzeugen kann.« res&#252;miert Jens Kutilek am Ende seiner Arbeit. Zum Gl&#252;ck gebe es ein Tool von <em><a href="http://www.fontshop.com/fonts/designer/just_van_rossum/" target="_blank">Just van Rossum</a></em>, das den unscheinbaren Namen »ttx« tr&#228;gt (http://sourceforge.net/projects/fonttools), mit dem er die generierten Fonts in ein XML-Format konvertiert, um anschlie&#223;end manuelle &#196;nderungen direkt im Quellcode der Fonts vorzunehmen. »Das ist aber wirklich nichts f&#252;r schwache Nerven, man muss da schon wissen, was man tut.«</p>
<p>Das Fazit von Jens Kutilek: »Die Azuro-Fonts stammen im wahrsten Sinne des Wortes aus Handaufzucht …«.</p>
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		<title>Graham Short, der Mikrograveur</title>
		<link>http://www.fontblog.de/graham-short-der-miniatur-graveur</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 18:35:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist die Geschichte vom 64-j&#228;hrigen Graveur Graham Short (Hands of Genius) aus Birmingham, der die Zeile »NOTHING IS IMPOSSIBLE« in die Kante einer Rasierklinge gravierte. Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe &#252;ber dieses Kunstst&#252;ck: »Am Ende bedeckten 180 Klingen den Boden seiner Werkstatt. 180 Entt&#228;uschungen. Aber eine Klinge kam fehlerfrei durch. ›Ich danke Euch f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="Graham Short, der Pr&#228;zisionsgraveur in seiner Werkstatt in Birmingham " src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/03/graham_short_portrait.jpg" alt="" width="490" height="735" /></p>
<p>Dies ist die Geschichte vom 64-j&#228;hrigen Graveur <em>Graham Short</em> (<a href="http://thehandsofgenius.com" target="_blank">Hands of Genius</a>) aus Birmingham, der die Zeile »NOTHING IS IMPOSSIBLE« in die Kante einer Rasierklinge gravierte. Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe &#252;ber dieses Kunstst&#252;ck: »Am Ende bedeckten 180 Klingen den Boden seiner Werkstatt. 180 Entt&#228;uschungen. Aber eine Klinge kam fehlerfrei durch. ›Ich danke Euch f&#252;r eure Unterst&#252;tzung‹ <a href="https://twitter.com/#!/HandsOfGenius/status/35831883195617280" target="_blank">schrieb Short auf Twitter</a>, als die Mission erf&#252;llt war. ›Es war &#252;berw&#228;ltigend.‹«</p>
<p>Ich wollte mehr wissen &#252;ber den Pr&#228;zisionsk&#252;nstler. Und vor allem wollte ich gut aufgel&#246;ste Bilder seiner Arbeit. Also schrieb ich eine E-Mail an seine Galerie <a href="http://www.whitespacefineart.com/">White Space</a> in London. Eben kam die Antwort mit faszinierenden Fotos.</p>
<p>Meister <em>Graham Short </em>wurde 1946 in Birmingham geboren, in eine Familie mit Gravur-Tradition. Einer seiner Vorfahren war <em>Sir Francis Short</em>, ein ber&#252;hmter viktorianischer Kupferstecher. Nach einer sechsj&#228;hrigen Lehre beim Graveurmeister <em>Bill Evans</em> im f&#252;hrenden Gravur-Unternehmen der britischen Insel, <em>Efficiency Tool,</em> gr&#252;ndete er 1974 im Juwelierviertel von Birmingham seine Ein-Mann-Werkstatt. Nach wenigen Jahren fanden sich bedeutende Namen auf Shorts Kundenliste, darunter der Royal Household, das Schottische Parlament, die National Gallery, Rolls Royce, die B&#252;chsenmacher von James Purdey &amp; Sons, Chanel und Vivienne Westwood.</p>
<p><img class="zentriert" title="Das Vaterunser auf einem Stecknadelkopf" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/03/vaterunser.jpg" alt="" width="490" height="368" /></p>
<p><em>Das Vaterunser auf einem Stecknadelkopf, aufgenommen mit einem Makro-Objektiv<br />
</em></p>
<p>Irgendwann faszinierte ihn die Idee Gravuren zu erstellen, die mit dem blo&#223;en Auge nicht mehr zu erkennen waren. So entstand sein Meisterwerk, das ihn &#252;ber Nacht weltber&#252;hmt machte: das Vaterunser auf dem goldenen Kopf einer Stecknadel. Lesen kann man den Text nur mit einem starken Mikroskop. Rund 300 Stunden brauchte Graham Short f&#252;r dieses Werk, das aus 1841 separat gravierten Strichen besteht. Zun&#228;chst experimentierte er mit 200 Stahlstiften, doch die Buchstaben platzten weg auf dem spr&#246;den Untergrund. Der Vorteil von Gold: es ist stabil, l&#228;sst sich gut verarbeiten und korrodiert nicht.</p>
<p>F&#252;r seine Miniaturwerke ben&#246;tigt Short allerlei Werkzeuge. Unverzichtbar dabei sind sehr feinen Nadeln die aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen. In den 1980er Jahren kaufte er einen ganzen Satz solcher Nadeln von einem Antiquit&#228;tenh&#228;ndler. Beim Mikrogravieren st&#246;&#223;t er die Nadel nicht, wie es in seinem Beruf &#252;blich ist, sondern er zieht sie, was eine bessere Kontrolle erlaubt. Zuvor erhitzt er sie zweimal.</p>
<p><img class="zentriert" title="Das Vaterunser auf einem Stecknadelkopf" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/03/vaterunser2.jpg" alt="" width="490" height="368" /></p>
<p><em>Das Vaterunser auf einem Stecknadelkopf (unter dem Mikroskop)<br />
</em></p>
<p>Wenn er f&#252;r das britische K&#246;nigshaus graviert, f&#252;hrt Short eine Jahrhunderte alte Arbeitszeit-Tradition der britischen Graveure fort: Er geginnt um 22:00 Uhr und graviert die Nacht durch. Der SPIEGEL hat ihn bei der Arbeit beobachtet: »Nachts fahren kaum Autos, alles ist ruhig, nichts kann ihn ablenken. Um den Hals tr&#228;gt er ein Stethoskop, mit Klebeband auf seinem Herzen fixiert. So wartet er auf den richtigen Moment, auf die vollkommene Ruhe in seinem K&#246;rper, um dann eine winzige Bewegung auszuf&#252;hren, den oberen Querstrich eines F etwa. Short arbeitet zwischen zwei Herzschl&#228;gen, denn auf dem Kopf einer Stecknadel ist kein Platz f&#252;r Fehler.« Der Meister ist topfit, schwimmt t&#228;glich 1000 Metern was zu einem Ruhepuls von 30 Schl&#228;gen pro Minute gef&#252;hrt hat.</p>
<p><img class="zentriert" title="Rasierklinge ©Zen Shui @ZOOM, Fotograf Yves Regaldi" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/03/rasierklinge.jpg" alt="" width="490" height="339" /></p>
<p><em>Auf die Kante einer solchen Rasierklinge gravierte Graham Short die Worte »NOTHING IS IMPOSSIBLE« (Foto: <a href="https://www.fontshop.de/zoomimages/image_detail.htm?imgcode=288679307441216&amp;referredFrom=image_result.htm&amp;MovieClip=true&amp;openNewTab=true&amp;itemsPerPage=40" target="_blank">©Zen Shui @ZOOM, Fotograf Yves Regaldi</a>)</em></p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/03/rasierklinge_gross.jpg" rel="lightbox[16490]"><img class="zentriert" title="Gravur auf der Schnittkante einer Rasierklinge (Klicken zum Vergr&#246;&#223;ern)" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2011/03/rasierkinge.jpg" alt="" width="490" height="653" /></a></p>
<p><em>Die j&#252;ngste Arbeit von Graham Short, »Nichts ist unm&#246;glich«, eingraviert in die Kante einer Rasierklinge … 19 Buchstaben, 80 Zugbewegungen</em></p>
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		<title>Zwischen Neutralit&#228;t und &#220;berschwang: Heimat</title>
		<link>http://www.fontblog.de/zwischen-neutralitaet-und-ueberschwang-heimat</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 11:58:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Schriften in einer Familie Neutralit&#228;t und Ausdrucksst&#228;rke sind auf den ersten Blick zwei Attribute, die sich ausschlie&#223;en. Umso interessanter war es eine Schrift zu gestalten, die mit Hilfe von Alternativbuchstaben zwischen beiden Polen oszilliert – eine extreme und zugleich neutrale Schrift sein will. Christoph Dunst hat diese Herausforderung angenommen und legt nun sein neustes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Zwei Schriften in einer Familie<br />
</em></strong><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-14032" title="Zwei Schriftformen in einer Familie - Heimat" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/heimat_aufmacher.gif" alt="" width="490" height="384" /></p>
<p>Neutralit&#228;t und Ausdrucksst&#228;rke sind auf den ersten Blick zwei Attribute, die sich ausschlie&#223;en. Umso interessanter war es eine Schrift zu gestalten, die mit Hilfe von Alternativbuchstaben zwischen beiden Polen oszilliert – eine extreme und zugleich neutrale Schrift sein will. Christoph Dunst hat diese Herausforderung angenommen und legt nun sein neustes Werk vor, die Schriftfamilie Heimat (<a href="http://www.fontshop.de/fontdetails.htm?fontWrapperPk=3659745598309908736&amp;fontProductPK=289426112491344&amp;openNewTab=true&amp;referredFrom=fontlisting.htm&amp;itemsPerPage=15&amp;currentPage=0" target="_blank">fontshop.de-Link …</a>).</p>
<p>Der Begriff Neutralit&#228;t ist nicht unbedingt mit Vertrautheit gleichzusetzen. Viele Schriftkenner halten beispielsweise Akzidenz Grotesk oder Helvetica f&#252;r neutral, &#252;bersehen aber, dass in den Konstruktionen beider Schriften sehr viel mehr Raffinesse steckt, als dass sich die Formen selber erkl&#228;ren. Was diese Schriften neutral wirken l&#228;sst ist allein ihre Allgegenw&#228;rtigkeit und dass sie deshalb kaum wahrgenommen werden.<span id="more-14031"></span></p>
<p>Anders verh&#228;lt es sich mit der DIN-Schrift, die sich aufgrund ihres pragmatischen Aufbaus weniger &#228;sthetischen Kompromissen beugen musste. Hier beginnt die Entstehung der Heimat. »Seit den Arbeiten an der FF-DIN-Familie, die ich f&#252;r <em>Albert-Jan Pool</em> bereits 2002 begann, habe ich mir oft Gedanken zu der konzeptionellen Gestaltung von konstruierten Groteskschriften gemacht. Ich wollte eine Serifenlose gestalten, deren Formen alle logisch nachzuvollziehen sind, die einen sehr eigenwilligen Charakter hat ohne &#252;ber eine ›Pers&#246;nlichkeit‹ zu verf&#252;gen.« erinnert sich Christoph Dunst an die ersten Konzepte f&#252;r Heimat.</p>
<p>Wichtig war ihm, einen geometrischen Gesamteindruck zu erzeugen, ohne die Buchstaben mit einem Baukastenprinzip zusammenzusetzen, wie dies bei DIN beispielsweise der Fall ist. Allerdings sollte die Schrift nicht zu sehr in Richtung Futura gehen, bei der ein O kreisrund aussieht. Somit konnte weniger mit einem Raster gearbeitet werden, als vielmehr mit einem ideellen Konzept, das auf alle Zeichen zu &#252;bertragen war.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14033" title="Vergleich DIN-Schrift und Heimat" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/04.gif" alt="" width="490" height="294" /></p>
<p>Die DIN-Schrift basiert auf einem relativ einfachen Gestaltungsprinzip von geraden Elementen und Kurven. Sieht man sich die Versalien der Helvetica an, erkennt man, dass es sich in erster Linie um geschlossene Formen handelt. Bei der DIN gibt es sowohl geschlossene wie offene Endungen. Dass die Kleinbuchstaben allesamt offen sind, wirkt sich gut auf die Lesbarkeit aus.</p>
<p>»Da Heimat &#252;ber wenige &#228;sthetische Modifikationen verf&#252;gen sollte und m&#246;glichst streng umgesetzt werden sollte, entschied ich mich, alle runden Endungen geschlossen enden zu lassen.« beschreibt Dunst eines der Heimat-Konstruktionsprinzipien. Der positive Effekt guter Lesbarkeit von offenen Formen sollte jedoch Ma&#223;stab sein, was sich schwer mit geschlossenen Formen erzielen l&#228;sst: Wer einmal ein Buch in Helvetica lesen musste, wei&#223; was gemeint ist. »Nach umfangreichen Studien entschied ich mich daf&#252;r, die Kurven m&#246;glichst flach enden zu lassen, so dass der negative Raum die einzelnen Buchstaben im Satz harmonisch verbindet und somit die Lesbarkeit unterst&#252;tzt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14034" title="Der negative Raum verbindet die Buchstaben und unterst&#252;tzt die Lesbarkeit." src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/05.gif" alt="" width="490" height="191" /></p>
<p>Des weiteren lag es nahe, den Zeichensatz um Alternativzeichen zu erweitern, damit es eine extreme Variante und eine neutrale gibt. Der Grund weshalb bei dieser Schrift die neutraleren Zeichen als Alternate-Belegung und nicht im regul&#228;ren Zeichensatz sind, ist ganz einfach die st&#228;rkere Charakteristik:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14035" title="Die temperamentvollen Alternativzeichen sind Standard, die neutralen Formen das Angebot" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/06.gif" alt="" width="490" height="1056" /></p>
<p>Hanging Figures mit proportionaler Breite f&#252;r den Einsatz im Text:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14036" title="Hanging Figures mit proportionaler Breite f&#252;r den Einsatz im Text" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/07.gif" alt="" width="490" height="264" /></p>
<p>Hanging Figures Monospaced f&#252;r Tabellensatz:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14038" title="Hanging Figures Mono f&#252;r Tabellensatz " src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/08.gif" alt="" width="490" height="300" /></p>
<p>Lining Figures mit proportionaler Breite f&#252;r den Einsatz im Text und in Headlines:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14039" title="Lining Figures Proportional f&#252;r Text und in Headlines " src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/09.gif" alt="" width="490" height="265" /></p>
<p>Lining Figures Monospaced f&#252;r Tabellensatz:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14040" title="Lining Figures Mono f&#252;r Tabellensatz " src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/10.gif" alt="" width="490" height="300" /></p>
<p>Heimat ist eine Gro&#223;familie. Der umfangreiche Zeichensatz bietet die Schnitte ExtraLight, ExtraLight Italic, Light, Light Italic, Regular, Regular Italic, Semibold, Semibold Italic, Bold, Bold Italic, Extrabold, Extrabold Italic und ist aufgrund der vielen Ligaturen und alternativen Glyphen nur im OpenType Format erh&#228;ltlich:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14041" title="Alle Schnitte der Heimat im &#220;berblick" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/11.gif" alt="" width="489" height="563" /></p>
<p>Wer eine frische, gut ausgebaute und vielseitig einsetzbare Schrift sucht, wird mit Heimat gro&#223;e Freude haben. Sie hat sowohl <strong>enorme Displaywirkung</strong> als auch eine <strong>gute Textqualit&#228;t</strong> und l&#228;sst sich somit zum Beispiel f&#252;r Plakate, Leitsysteme und Editorial Design ausgezeichnet einsetzen. Auf den ersten Blick scheint sie durch ihre Eigenwilligkeit die erste Wahl f&#252;r kulturelle Institutionen und Themen, doch warum sollte ein selbstbewusstes Unternehmen oder eine Marke nicht mit Heimat ihren Anspruch betonen?</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14042" title="Musterw&#246;rter unterschiedlicher Gr&#246;&#223;e, gesetzt in Heimat" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/11/01.gif" alt="" width="490" height="810" /></p>
<p>W&#228;hrend der Entwicklung von Heimat gab es viele Diskussionen mit Schriftgestaltern, wie streng eine Schrift sein darf und wann die Lesbarkeit wichtiger ist, als die konsequente Umsetzung eines formalen Konzepts. »F&#252;r mich stand an oberster Stelle, eine Schrift zu gestalten, der einer interessanten Ausgangsidee zu Grunde liegt, die aber nicht weich gekocht wird um am Ende als witzloser Kompromiss dazustehen. Mein Ziel war, eine Displayschrift mit guter Lesbarkeit zu gestalten. Dass sich Heimat auch in kleinen Gr&#246;&#223;en erstaunlich gut lesen l&#228;sst, hatte ich erwartet … und es war trotzdem eine positive &#220;berraschung.« Res&#252;miert Christoph Dunst.</p>
<p>Heimat ist keine Schrift f&#252;r vorsichtige Gestalter, sondern ein Ansporn, typografisch mehr zu wagen.</p>
<p>Den Einzelschnitt Heimat gibt es f&#252;r 49 €, die gesamte Familie (12 OpenType-Schnitte) kostet 350,– €. <a href="http://www.fontshop.de/fontdetails.htm?fontWrapperPk=3659745598309908736&amp;fontProductPK=289426112491344&amp;openNewTab=true&amp;referredFrom=fontlisting.htm&amp;itemsPerPage=15&amp;currentPage=0" target="_blank">Heimat auf www.fontshop.de …</a></p>
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		<title>Amman: die Stadt, die Schrift, der Film</title>
		<link>http://www.fontblog.de/amman-die-stadt-die-schrift-der-film</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/amman-die-stadt-die-schrift-der-film#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Oct 2010 10:38:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ende 2008 besucht der junge deutsche Designer und Multimedia-K&#252;nstler Yanone die jordanische Hauptstadt Amman, um eine zweisprachige lateinisch-arabische Schriftfamilie zu entwickeln. Die Zusammenarbeit mit dem dort ans&#228;ssigen Designb&#252;ro Syntax findet anl&#228;sslich der Vorbereitungen zur 100-Jahr-Feier der Metropole statt. In nur wenigen Wochen gelingt es Yanone Innovationen in die Schriftfamilie zu integrieren, die es bisher in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_yanone_wall.jpg" alt="" width="500" height="281" /></p>
<p>Ende 2008 besucht der junge deutsche Designer und Multimedia-K&#252;nstler <a href="http://yanone.de/" target="_blank"><strong>Yanone</strong></a> die jordanische Hauptstadt <em>Amman</em>, um eine zweisprachige lateinisch-arabische Schriftfamilie zu entwickeln. Die Zusammenarbeit mit dem dort ans&#228;ssigen Designb&#252;ro <a href="http://www.syntaxdigital.com/" target="_blank"><strong>Syntax</strong></a> findet anl&#228;sslich der Vorbereitungen zur 100-Jahr-Feier der Metropole statt. In nur wenigen Wochen gelingt es Yanone Innovationen in die Schriftfamilie zu integrieren, die es bisher in der digitalen arabischen Schriftgestaltung nicht gegeben hat. Heute ist seine Gro&#223;familie die »Corporate-Schrift« von Amman.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-13647" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_city_logo_200px.gif" alt="" width="200" height="183" /></p>
<p><em>Ahmad Humeid</em>, Gr&#252;nder und Gesch&#228;ftsf&#252;hrer von Syntax, und Yanone trafen sich zum ersten Mal 2004 an der <em><a href="http://www.uni-weimar.de/cms/" target="_blank">Bauhaus-Universit&#228;t</a></em> in <em>Weimar</em>. Hier hielt Humeid einen Vortrag und veranstaltete einen Workshop zur kultur&#252;bergreifenden Gestaltung. Kurze Zeit sp&#228;ter lud er Yanone als dritten von zehn Studenten zu einem Praktikum in sein B&#252;ro in Amman ein. Vier Jahre sp&#228;ter, als sich Yanones Studium der Visuellen Kommunikation dem Ende neigte, beschlossen die beiden Designer, f&#252;r Amman eine eigenst&#228;ndige Schriftfamilie zu kreieren. Syntax hatte kurz zuvor den Auftrag erhalten, das &#246;ffentliche Erscheinungsbild von <em>Greater Amman Municipality</em>, der Stadtgemeinde von Amman, zu &#252;berarbeiten. Der neugew&#228;hlte B&#252;rgermeister Ammans, <em>Omar Ma’ani</em>, wollte der Stadt anl&#228;sslich des bevorstehenden hundertj&#228;hrigen Jubil&#228;ums einen neuen Anstrich verleihen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13650" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_signage_500.gif" alt="" width="500" height="265" /></p>
<p>Ahmad Humeid erinnert sich: »Soweit ich wei&#223;, hat es bis dato noch keinen Versuch gegeben, eine exklusive Schrift f&#252;r eine arabische Hauptstadt zu kreieren. Die Idee des St&#228;dtemarketings ist neu in unseren Breitengraden, eine Handvoll Projekte existieren zwar, haupts&#228;chlich in der Golf-Region. Eine Schriftfamilie f&#252;r eine Hauptstadt wie Amman zu entwickeln war zun&#228;chst nur ein Traum. Aber angesichts der nahenden 100-Jahr-Feier standen die Sterne gut f&#252;r ein solches Projekt.</p>
<p>Wir kannten Yanone als talentierten und engagierten Praktikanten durch das Austauschprogramm mit deutschen Bauhaus-Studenten. Au&#223;erdem hatten wir <em>Hussein Alazaat </em>im Boot, ein Designer aus unserem B&#252;ro, mit gro&#223;er Leidenschaft f&#252;r traditionelle arabische Kalligrafie. Zu guter letzt – aber &#252;beraus wichtig –, begegneten wir einem aufgeschlossenen, vorw&#228;rts schauenden Team beim Auftraggeber, der <em>Greater Amman Municipality</em>, angef&#252;hrt von einem B&#252;rgermeister, der Gestaltung und seinen strategischen Wert sch&#228;tzt.«</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13652" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_street_scenery_500.jpg" alt="" width="500" height="499" /></p>
<p><em>Das moderne Amman ist eine junge Stadt, erst 2009 feierte sie ihr 100-j&#228;hriges Bestehen</em></p>
<p>Nebenbei bot sich das Projekt auch als perfektes Thema f&#252;r Yanones Diplomarbeit an der Bauhaus-Universit&#228;t an. »Ich wollte einen gro&#223;en Sprung in die zeitgen&#246;ssische arabischer Schriftgestaltung wagen«, fasst Yanone sein Diplomziel zusammen. Ihm fielen mehrere Aspekte einer gro&#223;en Schriftfamilie ins Auge, die zwar in der westlichen Welt gang und g&#228;be sind, im Arabischen jedoch bis heute nicht zu finden waren. Der augenf&#228;lligste war die Eingliederung zweier Schriftstile in eine Familie: Eine humanistische <strong>Grotesk</strong>, mit gleichm&#228;&#223;iger Strichst&#228;rke und moderner Erscheinung, und eine <strong>Antiqua</strong>, mit einer eher traditionellen Erscheinung; im westlichen Sprachraum spricht man dann auch von einer Schrift<em>sippe</em>.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13654" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_latin_italic_500px.gif" alt="" width="500" height="283" /></p>
<p><em>Die Aufrechte (links) wird in zwei Z&#252;gen geschrieben, die Kursive ohne Absetzen in einem Zug</em></p>
<p>Die wichtigste Innovation ist wom&#246;glich die Integration einer echten arabischen Kursiven. Kursive kommen im westlichen Schriftsatz seit ihrer Einf&#252;hrung durch den Italiener <em>Aldus Manutius</em> 1501 zum Einsatz. Heute werden sie meist als dekorative Komponente verwendet, um W&#246;rter zu betonen oder hervorzuheben, sowie Namen, Zitate oder fremdsprachige Texte zu kennzeichnen. Die lateinische Kursive ist enger als die Aufrechte und nach rechts geneigt. Ihre Formen entstammen der Handschrift: einzelne Buchstaben werden ohne Absetzen der Feder geschrieben (Abb. oben).</p>
<p>Da heutzutage die Textgestaltung im Nahen Osten &#252;berwiegend zweisprachig erfolgt, meist Englisch und Arabisch, ben&#246;tigt das arabische Pendant eines englischen Textes ebenso die M&#246;glichkeit der kursiven Auszeichnung. Die Hersteller von digitalen arabischen Schriftfamilien antworten auf diese Forderung meist mit schiefgestellten Varianten der aufrechten Grundschnitte. Vergleichbares geschah auch in der westlichen Welt in den 1980er Jahren, als viele Satzmaschinen-Hersteller, angetrieben vom Konkurrenzkampf, in Windeseile ihre Blei- und Fotosatzbest&#228;nde digitalisierten, und dabei die Kursive links liegen lie&#223;en. Stattdessen errechneten sie mit Computerhilfe eine schiefgestellte <em>Oblique</em> aus der Aufrechten.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13656" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_arabic_italic_500px.gif" alt="" width="500" height="179" /></p>
<p><em>Die vier arabischen Stile der Amman-Gro&#223;familie: rechts die aufrechten Serif und Sans, links die dazugeh&#246;rigen Kursiven</em></p>
<p>Yanone &#252;bersetzte diese lange Tradition einer echten Kursiven Schrift ins Arabische. Er zeichnete eine digitale Variante des gebr&#228;uchlichen arabischen Handschriftstils <em>Ruq’aa</em>, der die aufrechte Druckschrift <em>Naskh</em> fortan begleiten sollte. Das Ruq’aa ist ein einfacher, kursiver Stil aus dem 9. Jahrhundert. Er hat runde, flie&#223;ende Kurven und enggeschriebene W&#246;rter mit vielen Ligaturen. Es ist der am h&#228;ufigsten verwendete Stil der allt&#228;glichen Handschrift. Der Naskh ist ein schnell geschriebener, runder Stil, hervorragend lesbar, mit kurzen horizontalen Strichen und gleichm&#228;&#223;ig langen Ober- und Unterl&#228;ngen. Es ist der bis heute am h&#228;ufigsten verwendete Schreibstil f&#252;r das Drucken von B&#252;chern und Ver&#246;ffentlichungen, f&#252;r den auch die meisten Bleisatz- und digitalen Schriften zur Verf&#252;gung stehen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13657" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_first_sketch_500px.jpg" alt="" width="500" height="324" /></p>
<p><em>Erste Skizzen f&#252;r Amman Grotesk (oben) und die Antiqua: kantig, lebhaft, kontrastreich</em></p>
<p>Die Konstruktion des Amman-Alphabets reflektiert das »kantige«, unkonventionelle Lebensgef&#252;hl einer jungen, agilen Hauptstadt. Einzelne Formen sind so eckig wie m&#246;glich angelegt, ohne die Lesbarkeit von Texten aufs Spiel zu setzen. Die Linienf&#252;hrung orientiert sich an der vorherrschenden Architektur der Stadt: Rechteckige H&#228;user auf den sieben H&#252;geln und seinen T&#228;lern.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13658" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_lowercase_g_500px.gif" alt="" width="490" height="200" /></p>
<p><em>Die einst&#246;ckigen, eher aus der kursiven lateinischen Schrift bekannten, a und g der Amman Serif (links) und die mehrst&#246;ckigen Pendants aus Stempel Garamond</em></p>
<p>Yanone w&#228;hlte das einst&#246;ckige a und g als Basisformen f&#252;r die lateinische H&#228;lfte der Amman-Gro&#223;familie, die in Antiqua-Druckschriften eher selten verwendet werden (vgl. Abb. oben). Die Formen sollen die Idee des lokalen architektonischen Gef&#252;hls unterstreichen. <em>Hussein Alazaat</em>, Kalligraf und Gestalter bei Syntax, erg&#228;nzt dazu: »Wenn du in arabisch denkst, musst du von rechts nach links denken. Au&#223;erdem musst du die langen horizontalen Linien des Arabischen in Betracht ziehen. Das Lateinische dagegen hat eine deutlich vertikal orientierte Auspr&#228;gung. Die Herausforderung bestand nun darin, die beiden Schreibstile einander anzupassen, ohne die Tradition der einzelnen Alphabete zu negieren. Die Amman-Familie wurde von Anfang an zweisprachig f&#252;r eine arabische Hauptstadt entworfen … ein absolutes Novum. Noch dazu ist es bez&#252;glich des Ausbaus die umfangreichste arabisch-lateinische Schriftfamilie, die ich kenne.«</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13661" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_weights_sketch_500px.jpg" alt="" width="500" height="335" /></p>
<p><em>Anf&#228;nglich waren vier Strichst&#228;rken f&#252;r Amman Sans und drei f&#252;r Amman Serif geplant, was sich in der Praxis als zu wenig erwies … es wurden sieben bei der Sans und vier bei der Serif </em></p>
<p>Ahmad Humeid ist stolz auf das Endergebnis: »Die Amman-Gro&#223;familie ist vielseitig einsetzbar. Stadt-Kommunikation, vor allem f&#252;r eine boomende Metropole wir Amman, deren Identit&#228;t im Wandel begriffen ist, muss sich meist traditionell und ›normal‹ anf&#252;hlen;  zu anderen Gelegenheiten dagegen jung und dynamisch. Mit einer serifenbetonten und einer serifenlosen Version spielen zu k&#246;nnen, ist sehr n&#252;tzlich. Die ›moderne‹ Typografie baut auf die Schnitte mit gleichbleibender Strichst&#228;rke, die f&#252;r arabische Augen geometrisch und vielleicht etwas unverwandt aussieht. Die ›traditionelle‹ Variante sieht kalligrafischer aus, mit starkem Strichst&#228;rkenkontrast und einer weicheren Erscheinung. Unterm Strich unterscheidet sich die Amman-Familie ausreichend vom Mainstream, um hier und da ein Stirnrunzeln hervorzurufen. Trotzdem liegt sie nah genug an der Tradition der arabischen Schrift, um von den Menschen akzeptiert zu werden.«</p>
<p><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_sans_all_weights_500px.gif" alt="" width="500" height="778" /></p>
<p><em>Alle 14 Schriftschnitte der FF Amman Sans OpenType-Schriftfamilie, von Thin bis Black; wer zus&#228;tzlich die arabischen Schriftzeichen einsetzen m&#246;chte, greift zur gleich gro&#223;e ausgebauten FF Amman Sans Arabic</em></p>
<p>Nach Fertigstellung der Amman-Gro&#223;familie hat <em>FSI FontShop International</em> dem Entwerfer angeboten, die Schrift in die angesehene FontFont-Bibliothek aufzunehmen und somit einem gro&#223;en Publikum zug&#228;nglich zu machen. Es wurde die zweite arabische Schriftfamilie in der Bibliothek, nachdem 2009 schon die <em><a href="http://www.fontshop.de/fontdetails.htm?fontWrapperPk=3659744948206851552&amp;fontProductPK=288776036429920&amp;openNewTab=true&amp;referredFrom=globalsearch.htm&amp;itemsPerPage=40&amp;currentPage=0" target="_blank">FF Seria Arabic</a></em> des Libanesen <em>Pascal Zoghbi</em> herauskam. Seine Schriftfamilie entstand im Rahmen des <em>Typographic Matchmaking</em>-Projekts, dass von der Khatt-Stiftung f&#252;r arabische Typografie durchgef&#252;hrt wurde. Ziel war es, zehn arabische Pendants zu bekannten lateinischen Schriftfamilien zu entwerfen. <em><a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=ff%20amman" target="_blank">FF Amman</a></em> erschien im Juni 2010.</p>
<p><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_serif_all_weights_500.gif" alt="" width="500" height="401" /></p>
<p><em>Die 8 Schriftschnitte der FF Amman Serif OpenType-Schriftfamilie, von Regular bis Extra Bold; wer zus&#228;tzlich die arabischen Schriftzeichen einsetzen m&#246;chte, greift zur gleich gro&#223;e ausgebauten FF Amman Serif Arabic</em></p>
<p>Die beste Dokumentation &#252;ber die Schrift, die Stadt und ihr Design enth&#228;lt eine wunderbare 58-seitige Brosch&#252;re, zusammengetragen und gestaltet vom Entwerfer selbst. Sie kann bei Issuu als <a href="http://issuu.com/fontfont/docs/yanone_on_ff_amman" target="_self">Online-PDF</a> betrachtet werden, nach Anmeldung auch heruntergeladen. Zum sofortigen Bl&#228;ttern dient das nachfolgend eingebettete Pr&#228;sentationsfenster (unbedingt Full-screen genie&#223;en):</p>
<div><object style="width:500px;height:320px" ><param name="movie" value="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v1/IssuuViewer.swf?mode=embed&amp;viewMode=presentation&amp;layout=http%3A%2F%2Fskin.issuu.com%2Fv%2Flight%2Flayout.xml&amp;showFlipBtn=true&amp;documentId=101018100824-0937a436bbee44f097b7f1c6ddeefcea&amp;docName=yanone_on_ff_amman&amp;username=FontFont&amp;loadingInfoText=Yanone%20on%20FF%20Amman&amp;et=1287483329735&amp;er=41" /><param name="allowfullscreen" value="true"/><param name="menu" value="false"/><embed src="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v1/IssuuViewer.swf" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" menu="false" style="width:500px;height:320px" flashvars="mode=embed&amp;viewMode=presentation&amp;layout=http%3A%2F%2Fskin.issuu.com%2Fv%2Flight%2Flayout.xml&amp;showFlipBtn=true&amp;documentId=101018100824-0937a436bbee44f097b7f1c6ddeefcea&amp;docName=yanone_on_ff_amman&amp;username=FontFont&amp;loadingInfoText=Yanone%20on%20FF%20Amman&amp;et=1287483329735&amp;er=41" /></object>
<div style="width:500px;text-align:left;"></div>
</div>
<p><strong>Amman: der Film</strong></p>
<p>In den vergangenen Wochen hat Yanone seiner Schrift ein audiovisuelles Denkmal gesetzt. Er produzierte in Jordaniens Hauptstadt einen 20-min&#252;tigen Dokumentarfilm mit allen am Schriftprojekt beteiligten Personen.</p>
<p><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_ffilm_poster_500px.jpg" alt="" width="500" height="500" /></p>
<p>Eigentlich gibt es zwei Filme. Der 21-min&#252;tige Hauptfilm tr&#228;gt den Titel »New (type) face for Amman« und f&#252;hrt sowohl in das Schriftprojekt, als auch die Lebensart der jordanischen Designer ein. Dabei schildern die Designer <em>Ahmad Humeid, Ahmad Sabbagh, Roba Al-Assi, Zeina Darwatsah, Ibrahim Owais</em> und <em>Yanone</em> ihre Gedanken zum Corporate Design ihrer Heimatstadt und die Rolle der Exklusivschrift. Zwischendurch f&#252;hren sie idie Zuschauer zu markanten Orten und Sehensw&#252;rdigkeiten. Anschlie&#223;end fassen <em>Ivo Gabrowitsch</em> und<em> Andreas Frohloff</em> ihre Begeisterung f&#252;r FF Amman zusammen:</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/15051589?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0&amp;color=f39200" width="500" height="281" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Der kurze »Part II« des Amman-Film-Projekts besteht aus einer wilden, einmin&#252;tigen Handkamerafahrt &#252;ber die Hauptverkehrsstra&#223;e der jordanischen Hauptstadt. Unter Lebensgefahr quetscht sich der Regisseur zwischen die anfahrenden PKWs vor einer Ampel auf der Rainbow Street. Dabei schnappt das Mikrofon Musik- und Sprachfetzen auf, die durch die heruntergelassenen Seitenscheiben nach au&#223;en dringen und sich zu einer Symphonie der Gro&#223;stadt zusammenf&#252;gen. So hat noch niemand f&#252;r eine Schrift geworben:</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/15050129?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0&amp;color=f39200" width="500" height="281" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Auf der Webseite zum Film (<a href="http://amman-the-ffilm.com" target="_blank">amman-the-ffilm.com</a>) befindet sich weiteres Bonusmaterial, darunter das komplette Interview mit dem vorausschauenden Designer <em>Ahmad Humeid</em>, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des Designb&#252;ros Syntax und Initiator der Schrift <em>FF Amman</em>. Dieser Fim und 16 weitere FontShop-FontCasts k&#246;nnen auch &#252;ber iTunes geladen bzw. abonniert werden: <a href="http://itunes.apple.com/de/podcast/fontcast-by-fontshop/id342552087" target="_blank">zu den iTunes-FontCasts …</a></p>
<p><strong>Weiterf&#252;hrende Informationen und Links:</strong></p>
<ul>&#220;ber Amman: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Amman">http://en.wikipedia.org/wiki/Amman</a><br />
&#220;ber Jordanien: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jordan">http://en.wikipedia.org/wiki/Jordan</a><br />
Yanone’s Projektseite: <a href="http://www.yanone.de/typedesign/amman/">http://www.yanone.de/typedesign/amman</a><br />
Stadt Amman: <a href="http://www.ammancity.gov.jo/en/gam/index.asp" target="_blank">http://www.ammancity.gov.jo/en/gam/index.asp</a><br />
Hunderjahrfeier Amman: <a href="http://ammancity100.gov.jo/en">http://ammancity100.gov.jo/en</a><br />
Khatt Foundation: <a href="http://www.khtt.net/">http://www.khtt.net</a><br />
Arabische Schrift: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Arabic_script">http://en.wikipedia.org/wiki/Arabic_script</a><br />
Lateinische Schrift: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Latin_script">http://en.wikipedia.org/wiki/Latin_script</a><br />
Italic Type: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Italic_type">http://en.wikipedia.org/wiki/Italic_type</a>
</ul>
<p><strong>&#220;ber Yanone:</strong></p>
<p>Yanone wurde 1982 als Jan Gerner in Dresden geboren. Er ist ein junger Gebrauchsgrafiker und Schriftgestalter, Multi-Media-K&#252;nstler, DJ und Sound-System-Operator. Nachdem er neun Jahre seiner Kindheit und Jugend mit der Familie in Addis Abeba, Hauptstadt des ostafrikanischen &#196;thiopiens lebte, kehrte er 1997 ins wiedervereinigte Deutschland zur&#252;ck und schloss seine Schulbildung am Gymnasium in Dresden ab. Sein Vater lehrte ihm mit 14 Jahren die Programmiersprache Pascal. Das zum Hobby gewordene Programmieren sollte fortan sein Berufswunsch sein. Fr&#252;he Erfahrungen im Web-Design und das Gestalten der Abi-Zeitung seines Jahrgangs verschoben den Fokus allerdings schnell auf die Gebrauchsgrafik, und die Schriftgestaltung im Speziellen.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_yanone_totale.jpg" rel="lightbox[13643]"><img class="aligncenter size-full wp-image-13680" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_yanone_totale.jpg" alt="" width="500" height="750" /></a></p>
<p>2002 nahm er das Studium der <em>Mediensysteme</em> an der Bauhaus-Universit&#228;t in Weimar auf, wo er 2004 ins Fach <em>Visuelle Kommunikation</em> wechselte. Ein Freund brachte ihm damals das Gef&#252;hl f&#252;r das Gestalten einzelner Buchstaben und die ben&#246;tigte Software bei, was sein Interesse in Schriftgestaltung erneuerte. Seine sieben Universit&#228;ts-Jahre brachten ihn u.a. auch zu einem Praktikum nach Amman, Jordanien, in das dort ans&#228;ssige Gestaltungsb&#252;ro <em>SYNTAX</em>, und nach Berlin zum Schriftenhersteller <em>FontShop International</em>. Dort lernte er das Verst&#228;ndnis und den notwendigen Durchblick zum Herstellen professioneller Schriften.</p>
<p>Im September 2010 wird Yanone den Type]Media Master-Studiengang an der K&#246;niglichen Akademie der bildenden K&#252;nste in Den Haag antreten, um seine kalligrafischen und schriftgestalterischen F&#228;higkeiten auszubauen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>About Syntax:</strong></p>
<p>Over the past decade, Syntax has evolved into one of the Middle-East‘s largest independent branding and design focused companies and one of the region’s leading independent brand, design and media consultancies. Today, Syntax is entrusted with the creation and re-invention of major corporate and institutional brands. Destination and city branding have also become one of Syntax’s strengths. In 2008, Syntax was commissioned with the creation of the first comprehensive citizen-focused branding program for Amman, Jordan’s capital city. Syntax’s team culture is driven by progressive strategists, designers, writers, media specialists, technologists and project managers. Ultimately Syntax aspires to be its clients’ innovation partner. Its unique blend of services and disciplines enables it to deliver “positive transformations”: distinctive brands, informative media, inspiring environments and engaging experiences.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-13682" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/10/amman_syntax_mission_500.gif" alt="" width="500" height="521" /></p>
<p><strong>Yanone-Portraitfotos:</strong> <em>Daniel Scholz</em> (Black Overall, <a href="http://fotura.com">fotura.com</a>), <em>Michael Ott</em> (White Overall, <a href="http://dasschmott.de">dasschmott.de</a>)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Meine aktuelle Lieblingsschrift</title>
		<link>http://www.fontblog.de/meine-aktuelle-lieblingsschrift</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/meine-aktuelle-lieblingsschrift#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 15:49:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer sich an meine PDF-best&#252;ckten Beitr&#228;ge Die 12 h&#228;uﬁgsten Satzs&#252;nden und die Berliner-Schriftausstellung-Treppe erinnert, wird bemerkt haben, dass ich im Moment mit einer Lieblingsschrift gestalte. Es ist die neue FF Suhmo, entworfen von Alex R&#252;tten. Weil Suhmo alle Charakteristika einer Korrespondenzschrift aufweist, hatte ich sie auch Oliver Reichenstein f&#252;r (die gestern erschienene) App iA Writer vorgeschlagen, wobei ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_0_gross.jpg" rel="lightbox[13313]"><img class="zentriert" title="ff_suhmo_0_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_0_klein.jpg" alt="" width="490" height="387" /></a></p>
<p>Wer sich an meine PDF-best&#252;ckten Beitr&#228;ge <a href="http://www.fontblog.de/die-12-haeufigsten-satzsuenden" target="_blank">Die 12 h&#228;uﬁgsten Satzs&#252;nden</a> und die <a href="http://www.fontblog.de/welt-aus-schrift-ausstellung-und-katalog" target="_blank">Berliner-Schriftausstellung-Treppe</a> erinnert, wird bemerkt haben, dass ich im Moment mit einer Lieblingsschrift gestalte. Es ist die neue <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=suhmo" target="_blank">FF Suhmo</a>, entworfen von <em>Alex R&#252;tten</em>. Weil Suhmo alle Charakteristika einer Korrespondenzschrift aufweist, hatte ich sie auch <em>Oliver Reichenstein</em> f&#252;r (die gestern erschienene) App <em>iA Writer</em> vorgeschlagen, wobei ich heute sagen muss: <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=nitti%20ot" target="_blank">Nitti Light</a> von <em>Bold Monday</em> ist exakt der richtige Zeichensatz f&#252;r den spartanischen Writer, FF Suhmo w&#228;re zu verspielt gewesen.</p>
<p>Ich wollte mehr wissen, &#252;ber FF Suhmo und habe mir letzte Woche ein paar Informationen bei ihrem Sch&#246;pfer eingeholt. Die erste Skizze f&#252;r die Schrift entstand bereits 2004 – im Aufenthaltsraum einer Jugendherberge in Frankfurt am Main. Zu diesem Zeitpunkt ging die Form der Buchstaben noch stark in Richtung Graffiti: Die Zeichen wirkten in der kr&#228;ftigsten Strichst&#228;rke wie aufgepustet. Die Formen waren gleichzeitig noch sehr konstruiert. »Die Proportionen erinnern bisweilen an Eurostyle, obwohl das unbeabsichtigt war. Mit dem ersten Ansatz bin ich leider lange Zeit nicht weitergekommen. Und so habe ich die Papiere erst mal zur Seite gelegt.« erinnert sich Alex R&#252;tten heute.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_1_gross.jpg" rel="lightbox[13313]"><img class="zentriert" title="ff_suhmo_1_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_1_klein.jpg" alt="" width="490" height="526" /></a></p>
<p>Zwei Jahre sp&#228;ter setzte er f&#252;r einen Plakatentwurf die »American Typewriter« ein und war &#252;berrascht von ihren Qualit&#228;ten als Headline-Schrift. Als kurz darauf Sony-Ericsson die gleiche Schrift f&#252;r seine Handy-Reklame entdeckte, kam er erstmals auf die Idee, seine Suhmo in diese Richtung weiter zu entwickeln. Und so kramte Alex R&#252;tten die Skizzen aus der Jugendherberge wieder aus, um sie nach und nach mit dem Typewriter-Design zu mixen. »Ich fand dass Ergebnis brauchbar. Die Zeichen wurden organischer, die x-H&#246;he gr&#246;&#223;er und die Slab-Serifen brachten Klarheit und Ruhe im Textfluss.« so sein Urteil in der R&#252;ckschau.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_2_gross.jpg" rel="lightbox[13313]"><img class="zentriert" title="ff_suhmo_2_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_2_klein.jpg" alt="" width="490" height="331" /></a></p>
<p>»Zu jener Zeit begann ich mich sehr f&#252;r alte Neon-Reklame Schrift in Berlin zu Interessieren.« f&#228;hrt R&#252;tten fort. Besonders an italienischen Restaurants aus den 60er und 70er Jahren fand er bemerkenswerte Schriftz&#252;ge, die h&#228;ufig durch ihre skurrilen Schlaufen auffielen. Dieses Element nahm er schlie&#223;lich mit in das Konzept von Suhmo auf. Vor allem in den Italic-Schnitten finden sich heute einige solcher Details wieder.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_4_gross.png" rel="lightbox[13313]"><img class="zentriert" title="ff_suhmo_4_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/ff_suhmo_4_klein.jpg" alt="" width="490" height="661" /></a></p>
<p>Abschlie&#223;end hatte ich noch einige Fragen an Alex R&#252;tten, die er mir in einem kurzen Gespr&#228;ch beantwortete:</p>
<p><strong>Fontblog: Wie w&#252;rdest du einem Laien den Charakter von FF Suhmo beschreiben?.<br />
</strong><br />
<em> R&#252;tten: Ihr Charakter ist aus meiner Sicht verspielt, aber gleichzeitig funktional. Alle Details sind so dosiert, dass sie in kleineren Textgr&#246;&#223;en nicht zu sehr aus dem Textbild rausstechen oder den Lesefluss st&#246;ren. Ansonsten ist Suhmo freundlich, etwas launisch, in den Italics hat sie etwas Botanisches.</em></p>
<p><strong>Wie hat sich das Aussehen der Schrift w&#228;hrend des Designprozesses ver&#228;ndert?</strong></p>
<p><em>Im Designprozess hat sich vor allem durch das unerm&#252;dliche Feedback von Christoph Koeberlin bei FSI einiges getan. Viele Details, die zu unpraktikabel oder zu eigensinnig waren, sind weggefallen. Zum Beispiel hatte das Q eine extravagante Schlaufe, oder das J unten noch eine Serife, die der Grundlinie gef&#228;hrlich nah kam. Eine andere &#196;nderung war das Herausarbeiten des Wechselstrichs, da am Anfang die Horizontale noch zu stark war, so dass sie optisch zu dick wirkten. Auch die Verj&#252;ngung in den &#220;berg&#228;ngen war zu gering. Die Lesbarkeit und die Proportionen der Zeichen zueinander wurden mit der Zeit immer besser. Einige Gro&#223;buchstaben waren noch zu schmal, andere Zeichen liefen zu breit.</em></p>
<p><strong>Hattest Du schon fr&#252;h das Modell einer Korrespondenzschrift im Kopf?</strong></p>
<p><em>Den Ausdruck Korrespondenzschrift h&#246;re ich jetzt von Dir zum ersten Mal, von daher kann ich die Frage verneinen. Wenn ich das jetzt richtig nachgeschaut habe, versteht man unter einer Korrespondenzschrift eine Schrift f&#252;r den Briefverkehr, also eine Erg&#228;nzung zur Hausschrift, oder? Wird da nicht meistens Arial genommen?</em></p>
<p><strong>OK, wieder etwas gelernt: So tickt die neue Generation von Schriftentwerfer. Welcher Buchstabe ist dein Liebling?</strong></p>
<p><em>Vor allem mag ich das e, mit dem Unterbiss. Und mit der Form des a bin ich ebenfalls sehr zufrieden. Mein Liebling ist vielleicht das g mit diesem hochgeklappten Ohr, das wie eine Baseballcap aussieht. F&#252;r mich haben diese Zeichen einen eigenen Charakter. Wenn ich mir die Schrift jetzt anschaue, fallen mir besonders die Ligaturen noch angenehm auf.</em></p>
<p><strong>Vielen Dank f&#252;r das Gespr&#228;ch und die tolle Schrift, Alex.</strong></p>
<p><img class="zentriert" title="suhmo_damals_und_heute" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/suhmo_damals_und_heute.jpg" alt="" width="490" height="469" /></p>
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		<title>Sport und Typograﬁe</title>
		<link>http://www.fontblog.de/sport-und-typografie</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 11:59:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ich in den folgenden Abs&#228;tzen von Sport spreche, wird es nicht um Spiele, Kampf, Tore, Punkte, Sieg oder Niederlage gehen. Ich betrachte den Sport (leider nur) als Produkt, und dies – soweit es mir m&#246;glich ist – wertfrei. Gerne w&#252;rde ich &#252;ber Fragen diskutieren wie »Darf man die Namen von Fu&#223;ballstadien verkaufen?«, »Muss Wimbledon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="allianz_arena" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/allianz_arena.jpg" alt="" width="490" height="315" /></p>
<p>Wenn ich in den folgenden Abs&#228;tzen von <em>Sport</em> spreche, wird es nicht um Spiele, Kampf, Tore, Punkte, Sieg oder Niederlage gehen. Ich betrachte den Sport (leider nur) als <em>Produkt,</em> und dies – soweit es mir m&#246;glich ist – wertfrei. Gerne w&#252;rde ich &#252;ber Fragen diskutieren wie »Darf man die Namen von Fu&#223;ballstadien verkaufen?«, »Muss Wimbledon werbefrei werden?« oder »Warum sieht man beim Handball vor lauter Firmenlogos das Spielfeld nicht mehr?« Das sind Themen f&#252;r Fans und Funktion&#228;re. Designer helfen gerne dabei, neue ethische Werte visuell umzusetzen. Im Moment stecken viel zu viele Sportarten bis zur Unkenntlichkeit in den Klauen des Kommerzes. Meine Meinung. Ende.</p>
<p>Warum ist der Sport ein m&#228;chtiger Wirtschaftsfaktor? Drei Gr&#252;nde sind hierf&#252;r verantwortlich:</p>
<ul>
<li>die breiten, teils gefilterten Zielgruppen,</li>
<li>die hohe mediale Pr&#228;senz und</li>
<li>das positive Image von Sportlichkeit.</li>
</ul>
<p>Hieraus ergibt sich ein gro&#223;es Potential f&#252;r den Einsatz von Sport im Rahmen einer Marketingkommunikation. Trotzdem eignet sich Sport nicht f&#252;r jede Marke oder jedes Produkt als Werbefundament. Das Profitieren von seiner Aufmerksamkeit ist verlockend, doch Zielgruppen, Image, Etats, Medien und Gestaltungsdimensionen wollen wohl untersucht sein.</p>
<p>Typografie begegnet uns im Sport auf zwei Ebenen:</p>
<ul>
<li>bei der (zweckdienlichen) Ausstattung des Sportes selbst, also beispielsweise in Form von R&#252;ckennummern, Anzeigetafeln, Leitsystemen, Merchandising und dergleichen</li>
<li>bei der Selbst- und Fremdvermarktung, zum Beispiel beim Sponsoring, der klassischen Werbung, im Event -Maketing, auf Messen, in der Direktkommunikation und vielem mehr.</li>
</ul>
<p>Wer durch eine deutsche Fu&#223;g&#228;ngerzone schlendert, wird sich kaum der Kommunikation mit und &#252;ber den Sport entziehen k&#246;nnen. Junge Fu&#223;ballfans tragen die Trikots mit dem Namen ihrer Helden, Gutverdiener zieren sich mit Golf- und Segelsport-Accessoires, auf Basecaps  begegnen wir den Logos der Formel-1-Sponsoren … von den j&#228;hrlich wechselnden Schuhmoden der Sporthersteller ganz zu schweigen. Auch Lebensmitteln haftet das Etikett <em>sportlich</em> an, selbst wenn sie nicht auf dem Ern&#228;hrungsplan eines Athleten stehen, wie zum Beispiel Alkoholika, S&#252;&#223;waren oder Zigaretten. Sport ist &#252;berall.</p>
<p><img class="zentriert" title="torfabrik" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/torfabrik.jpg" alt="" width="490" height="300" /></p>
<p>Aus diesem Grund ist die Frage von gestern durchaus berechtigt: <em>Gibt es sportliche Schriften?</em> Freilich kann man im Prinzip fast jede Schrift f&#252;r die Sportkommunikation einsetzen … es geschieht aber nicht. Ganz im Gegenteil. Als g&#228;be es eine geheime Absprache unter den Artdirektoren in den Werbemetropolen dieser Welt … ihre Schriftwahl scheint einem gemeinsamen Beuteschema zu folgen: geometrisch, fett, eng, schr&#228;g gestellt – die 4 typischen Eigenschaften einer sporttauglichen Schrift.</p>
<p>W&#252;rde man den Sport alleine aus der Sicht eines Typografen beurteilen, m&#252;sste die Quintessenz lauten: extrem r&#252;ckst&#228;ndige Angelegenheit. Sicherlich hat der Sport eine stark konservative Komponente, wenn man an die teils hunderte Jahre alten Spielregeln denkt, die Struktur der nationalen Ligen oder die Tradition der stetig wiederkehrenden j&#228;hrlichen, zweij&#228;hrlichen oder vierj&#228;hrlichen Turniere. Dagegen sprechen sich wandelnde Trainingsmethoden, neue Materialien und Ger&#228;te, atemberaubend gestaltete neue Sportst&#228;tten und der Hunger nach Vermarktung – mit allen damit verbundenen Ideen, Kampagnen, Stars und Sternchen.</p>
<p>Sportbegeisterte Typografen leiden wie Hunde, wenn sie ihre Nationalmannschaft mit dilettantisch entworfenen Schriften aufs Spielfeld einlaufen sehen. Einer von ihnen ist der holl&#228;ndische Designer <em>Sander Neijnens</em> (<a href="http://www.letterbeeld.nl/" target="_blank">Letterbeeld</a>). Bereits vor der WM 2006 beklagte er sich hier im Fontblog &#252;ber die furchtbaren Ziffern auf den Trikots der Oranjes: <a href="http://www.fontblog.de/files/trikot_typografie_2.html" target="_blank">Rote Karte f&#252;r die WM-Trikot-Ziffern</a>. Er schrieb sogar einen Kommentar zu dem Thema (<a href="http://www.fontblog.de/files/gastkommentar_sander.html" target="_blank">Die Angst des Schr&#228;gstrichs beim Elfmeter</a>), in dem er die Ziffern auf dem R&#252;cken der Nationalspieler als »Klopapier«-Gestaltung brandmarkte. Ein Jahr sp&#228;ter legte er seinen Unmut &#252;ber die schlechte Sporttypografie in einem TYPO-Vortrag dar und richtete die Website <a href="http://www.shirtnumbers.nl" target="_blank">www.shirtnumbers.nl</a> ein. Es half alles nichts: Auch in diesem Jahr bei der WM in S&#252;dafrika traten die Holl&#228;nder mit den gleichen naiven R&#252;ckennummern an.</p>
<p><img class="zentriert" title="demichelis" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/demichelis.jpg" alt="" width="490" height="277" /></p>
<p>Vielleicht sind manche Sportberater, Modedesigner und Beschrifter tats&#228;chlich der Auffassung, eine geometrische, technoide Schrift sei sowohl sportlich, als auch zeitgem&#228;&#223;. Drohen Auftr&#228;ge, sollten Designer diese Auffassung nicht gleich widersprechen. Doch neben manierierten, unlesbaren Techno-Monstern (siehe Abb. oben links) g&#228;be es zeitgem&#228;&#223;e Alternativem (siehe Abb. oben rechts), die sich aufgrund ihrer gestalterischen Qualit&#228;t bei den Fans nicht nur tiefer einpr&#228;gen w&#252;rden, sondern auch noch besser lesbar w&#228;ren. Auch die Merchandising-Crew w&#252;rde sich angesichts einer bezaubernden Fanshirt-Beschriftung vor Freude in die Arme fallen …</p>
<p>Dies sind FontShops Schriftvorschl&#228;ge f&#252;r eine ansehnliche, nicht-exklusive Sporttypografie – abl&#246;sefrei, geringe Transfergeb&#252;hr:</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/FontShop_Sportfonts_09_2010.pdf"><img class="aligncenter" title="FontShop_Sportfonts_09_2010" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/09/FontShop_Sportfonts_09_2010.png" alt="" width="490" height="853" /></a></p>
<p>. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .</p>
<p><strong>Werbung:</strong></p>
<p>Die hier gezeigten 15 Schriften zur <em>Steigerung der Schriftkultur im Sport</em> gibt es zur Zeit auf <a href="http://www.fontshop.de" target="_blank">www.fontshop.de</a> mit einem Rabatt von 15 %. <a href="http://www.fontshop.de/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.fontname=Sport" target="_blank">Ausw&#228;hlen und zugreifen …</a></p>
<p>Fotos: Fontblog (2), adidas (1); Schriftmuster: Fontblog</p>
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		</item>
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		<title>Technik, Design und Erotik der FF-DIN-Rundschrift</title>
		<link>http://www.fontblog.de/technik-design-und-erotik-der-ff-din-rundschrift</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 13:07:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor sich Fontblog am kommenden Freitag f&#252;r zwei Wochen in den Urlaub verabschiedet, m&#246;chte ich noch eine etwas ausf&#252;hrlichere Schriftgeschichte erz&#228;hlen, die mir am Herzen liegt – als Naturwissenschaftler und Typograf. Dabei versuche ich die Sachverhalte so exakt wir n&#246;tig und so unterhaltsam wie m&#246;glich darzulegen, denn es geht um eine der sch&#246;nsten Sachen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="50 verschiedene Rundungen in FF DIN Round" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_round_1.jpg" alt="" width="490" height="297" /></p>
<p>Bevor sich Fontblog am kommenden Freitag f&#252;r zwei Wochen in den Urlaub verabschiedet, m&#246;chte ich noch eine etwas ausf&#252;hrlichere Schriftgeschichte erz&#228;hlen, die mir am Herzen liegt – als Naturwissenschaftler und Typograf. Dabei versuche ich die Sachverhalte so exakt wir n&#246;tig und so unterhaltsam wie m&#246;glich darzulegen, denn es geht um eine der sch&#246;nsten Sachen der Welt … um <em><strong>Rundungen</strong></em>. Motorradfahrer assoziieren etwas anderes mit ihnen als Schriftentwerfer, verliebte Menschen wiederum widmen sich ihnen auf andere Art als Stra&#223;enbauer. Und doch geht die Faszination aller auf eine gemeinsam Eigenschaft jener weichen Kurven zur&#252;ck, der ich heute auf den Grund gehen m&#246;chte.</p>
<p><span id="more-12541"></span></p>
<p><strong>Die Geschichte der sanften Kurve<br />
</strong><br />
<img class="alignleft" title="»Gravity Pleasure« Switchback Railway, Coney Island 1884" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_coney.jpg" alt="" width="250" height="250" />Unsere Betrachtung beginnt im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten, genauer in Ohio, der Heimat des 15-j&#228;hrigen Sch&#252;lers <em>Marcus Thompson</em>. In den Sommerferien des Jahres 1863 besucht er f&#252;r 3 Wochen seine Gro&#223;mutter in <em>Mauch Chunk</em>, einem Arbeiternest im Carbon County (Pennsylvania), wo seit Jahrzehnten Kohle abgebaut wird. Auf einem stillgelegten, h&#252;geligen Gel&#228;nde spielen Marcus und seine Freunde fast t&#228;glich mit einer ausrangierten Lore der Minenbahn. Die meiste Zeit verbringen sie damit, den Wagen im Schwei&#223;e ihres Angesichts auf eine Anh&#246;he zu hieven, um anschlie&#223;end binnen Sekunden ungebremst ins Tal zu rasen. Im Stillen tr&#228;umen die Jungs von einer minutenlangen, sanften Schussfahrt – ruhig etwas langsamer, aber mit scharfen Kurven.</p>
<p>Wieder zu Hause in Ohio t&#252;ftelte Marcus Thompson an einer L&#246;sung, die er nach mehreren Urlauben im Carbon County zur Reife entwickelt: die Schwerkraft-betriebene Achterbahn. Nach dem Ende seines Ingenierstudiums widmet er sich ausschlie&#223;lich dieser Idee. 1884 ist er am Ziel: Auf dem Vergn&#252;gungsgel&#228;nde von Coney Island feiert seine »Gravity Switchback Railway« Premiere, benannt nach der Bergwerkbahn in Mauch Chunk. In den darauffolgenden Jahren meldet Thompson 30 Patente zur Achterbahntechnik an und geht als »Father of Gravity« (Vater der Schwerkraft) in die Geschichte ein. Eines seiner Patente beschreibt ausget&#252;ftelte Kurven und B&#246;gen, die den Passagieren &#252;berm&#228;&#223;ige Querbeschleunigungen ersparen und die Fahrt gleicherma&#223;en »swinging and prickling« machen: schwungvoll und kribbelig.</p>
<p><strong>Spinnkurve und Klothoide</strong></p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_cornu_gross.png" rel="lightbox[12541]"><img class="alignright" title="din_cornu" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_cornu.png" alt="" width="250" height="250" /></a> Was Marcus Thompson nicht wusste: Bereits 10 Jahre vor der Erfindung seiner sanften Achterbahn hatte der franz&#246;sische Physiker <em>Marie Alfred Cornu</em> den Verlauf eines weichen &#220;bergangsbogens exakt berechnet. Er nannte ihn »Spinnkurve«, da der Graph, der von einem Konvergenzpunkt zum anderen l&#228;uft, einer Garnrolle &#228;hnelt, die »umgesponnen« wird. Sp&#228;ter ging sie als <em>Cornu-Spirale</em> oder <em>Klothoide</em> (v. griechisch κλώθω ›spinnen‹) in die wissenschaftliche Literatur ein. Erst 1937 wurde die Mathematik dieser Kurve in Industrie und Technik eingesetzt, zun&#228;chst f&#252;r den Stra&#223;enbau. Ein umfassendes Tafelwerk machte die Klothoide f&#252;r Trassierungs- und Absteckungsarbeiten allgemein zug&#228;nglich. Heute ist die numerische Berechnung von Klothoiden in der Programmbibliothek einer jeden CAD-Software enthalten.</p>
<p>Der Kr&#252;mmungsradius einer Spinnkurve ist umgekehrt proportional zur L&#228;nge des Bogens:</p>
<dl>
<dd><img src="http://upload.wikimedia.org/math/1/3/c/13c849f8d0c81d8d3100905801964291.png" alt="r=\frac{a^2}{l},\quad a&gt;0," /></dd>
</dl>
<p>wobei <em>r</em> der Kr&#252;mmungsradius, <em>l</em> die L&#228;nge des Bogens und <em>a</em> eine Konstante ist.</p>
<p>Die Gleichung der Klothoide lautet in Parameterform:</p>
<dl>
<dd><img src="http://upload.wikimedia.org/math/a/8/1/a81170bc1f42f48338afe55f34bb7a35.png" alt="\begin{pmatrix}x\\y\end{pmatrix}= a\,\sqrt{\pi}\,\int_0^t \begin{pmatrix} \cos{\frac{\pi\,\xi^2}{2}}\\ \sin{\frac{\pi\,\xi^2}{2}} \end{pmatrix}\ \mathrm{d}\xi,\quad t=\frac{l}{a\,\sqrt{\pi}}," /></dd>
</dl>
<p>wobei <em>l</em> die L&#228;nge der Kurve von <img src="http://upload.wikimedia.org/math/5/4/9/5492aa4f927af3a38cbba760c06ad148.png" alt="\left(0,0\right)^T" /> bis <img src="http://upload.wikimedia.org/math/7/c/c/7cc097a56908ea3745e71c00ddaf2198.png" alt="\left(x,y\right)^T" /> ist. Wer sich tiefer in die Mathematik der Spinnkurve einarbeiten m&#246;chte, erf&#228;hrt auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klothoide" target="_blank">Wikipedia</a> alles zu diesem Thema.</p>
<p><strong>Vom Stra&#223;enbau zur Schriftgestaltung</strong></p>
<p>Im Verkehrswegebau wird bei der Berechnung der Linienf&#252;hrung einer Verkehrsader die Klothoide als &#220;bergangselement zwischen zwei Kurvenelementen mit konstanter aber unterschiedlicher Kr&#252;mmung eingesetzt. Jeder Reisende erlebt im t&#228;glichen Verkehr mit dem Auto oder der Bahn auf Stra&#223;en und Schienenwegen Klothoidenabschnitte, zum Beispiel auf einer Autobahnabfahrt oder beim Passieren einer Weiche.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-12575" title="din_vgl" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_vgl.jpg" alt="" width="490" height="111" /></p>
<p>Geometrisch gesehen <em>verrundet</em> eine Klothoide die Linienf&#252;hrung einer &#220;bergangskurve. Ohne &#220;bergangsbogen wirkt ein Kr&#252;mmungswechsel wie ein Knick in der Achse. Die Klothoide sorgt daf&#252;r, dass eine Kurve als »weich« wahrgenommen wird. In seinem Buch »Digital Formats of Typefaces« (1987) beschrieb der Physiker <em>Peter Karow</em>, Mitbegr&#252;nder des Schriftenhauses URW in Hamburg, erstmals dieses Ph&#228;nomen aus der Sicht eines Typografen. Die von ihm entwickelte Ikarus-Software beherrschte den &#220;bergangsbogen mathematisch genau, um damit gerundete Schriften automatisch zu generieren.</p>
<p><em>Paul Renner</em>, der <a href="http://www.100besteschriften.de/5_Futura.html#a5" target="_blank">Sch&#246;pfer der geometrischen Futura</a>, wies bereits 1939 in »Die Kunst der Typographie« auf die optische T&#228;uschung in der Buchstabenkontur hin: »Wenn ein mit dem Zirkel gezogener Kreisbogen in die Tangente &#252;bergeht, gibt es, geome­trisch betrachtet, keine Ecke. F&#252;r das Auge aber, hat dieser &#220;bergang etwas zu J&#228;hes, er zeigt geradezu einen st&#246;renden Knick. Das Auge erwartet einen allm&#228;hlicheren &#220;bergang aus der geraden Richtung in die Kurve  …. Deshalb hat das … konstruierte U beim &#220;bergang vom Bogen in die Gerade scheinbar Ecken und ebenso die Wellenlinie beim &#220;bergang von einem Halbkreis zum andern.«</p>
<p><strong>Somebody is perfect</strong><br />
<img class="alignleft size-full wp-image-12567" title="din_pool2" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_pool2.jpg" alt="" width="250" height="360" />Seit mehreren Jahren wird beim Herausgeber der FontFonts, <em>FSI FontShop International, </em>&#252;ber die Ver&#246;ffentlichung einer <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=ff%20din%20round" target="_blank">FF DIN Round</a> (FontShop-Link) gesprochen … doch lange Zeit passierte nichts. Es gab drei gute Gr&#252;nde daf&#252;r, &#252;ber die FSI und der Designer <em>Albert-Jan Pool</em> heute zum ersten mal sprechen.</p>
<p>Der erste: Pool f&#252;hrt eine enge Regie in Sachen DIN-Schrift und l&#228;sst sie sich – zu Recht – nicht aus der Hand nehmen. Seit bald 20 Jahren widmet sich der Entwerfer mit wissenschaftlicher Akribie der Geschichte deutscher Normschriften und schuf 1995 den FF-DIN-Grundstein. Bis heute durchforstet er Museen, Archive und Bibliotheken, um alles &#252;ber diese Schriftart zu erfahren – ihre Vorl&#228;ufer, Verwandten, Mischformen und »unehelichen Kinder«. Inzwischen greift selbst das Deutsche Institut f&#252;r Normung (DIN) in Berlin auf sein Fachwissen zur&#252;ck.</p>
<p>Zweitens ist Pool ein Perfektionist. Schon lange ist ihm klar, dass seine international beliebte FF DIN ohne eine gerundete Erg&#228;nzung immer unvollst&#228;ndig bleiben w&#252;rde. Dass es bis heute dauerte liegt an seinem Qualit&#228;tsanspruch, denn die Erwartungen wuchsen mit jedem Jahr nicht nur auf Seiten der Kundschaft, sondern auch beim Herausgeber FSI. Mehr als 5 Jahre widmete sich Pool immer wieder der DIN Round und verwarf ungez&#228;hlte Zwischenstufen. Mit der tatkr&#228;ftigen Unterst&#252;tzung des FSI-Technikteams und neuer Tools gelang es schlie&#223;lich, die Familie in vollendeter Form fertigzustellen.</p>
<p><img class="zentriert" title="Reinzeichnung der Eisenbahnschrift von 1897" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_vorlaufer.jpg" alt="" width="490" height="210" /></p>
<p><em>Ausschnitt einer Reinzeichnung der gerundeten k&#246;niglich-bayerischen Eisenbahnschrift von 1897<br />
</em><br />
Drittens entstammt Albert-Jan Pool einer Schriftkaderschmiede, wie es sie seit l&#228;ngerem nicht mehr gibt. Er wuchs mit dem <em>Ikarus</em>-Schriftentwurfs- und -produktionssystem auf, 1975 von <em>Peter Karow</em> erfunden (siehe oben) und auf der ATypI-Konferenz in Warschau erstmals vorgestellt. In den 80er Jahren wurden praktisch alle Schriften von Unternehmen wie <em>Linotype, Berthold, ITC</em> oder <em>Monotype</em> mit der pr&#228;zisen Ikarus-Software vektorisiert. Sie war darauf spezialisiert, bestehende Schriften weitgehend automatisch (und trotzdem optisch korrekt) umzurechnen, zum Beispiel mit Rundungen oder einem Schatten zu versehen. Das System arbeitete mit einer Genauigkeit, wie es sie heute nicht mehr gibt.</p>
<p><strong>FF DIN Round: Die ersten Versuche</strong></p>
<p>Bevor FF DIN Round ihre endg&#252;ltige Form erhielt, wurden verschiedene Prototypen entwickelt. Den ersten Anlauf unternahm der Auszubildende <em>Christoph Dunst</em> (inzwischen <a href="http://www.burodunst.com/" target="_blank">B&#252;ro Dunst</a>). W&#228;hrend seiner Ausbildung als Kommunikationsdesigner absolvierte er bei Albert-Jan Pool in Hamburg ein Praktikum. Die erste Vorgabe lautete damals, dass es zwischen FF DIN und FF DIN Round m&#246;glichst wenig Unterschiede geben sollte. F&#252;r jedes Zeichen entwickelte Dunst zun&#228;chst eine individuell gerundete Version.</p>
<p><img class="zentriert" title="FF DIN Round – erste Entw&#252;rfe" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_dunst.png" alt="" width="490" height="306" /></p>
<p>Das erste Problem, das gel&#246;st werden musste, war das der Diagonalen, zum Beispiel in A, V, W usw. Die f&#252;r die Strichenden von beispielsweise H und T vorgesehene Formen lie&#223;en sich nicht einwandfrei auf beliebige Winkel drehen. Das grobe Koordinatensystem der damaligen Post­Script-Type-1-Technologie (die Kegelh&#246;he entspricht 1000 Einheiten) f&#252;hrte dazu, dass nach dem Drehen immer wieder neue Rundungsfehler ausgeb&#252;gelt werden mussten. Ausserdem brauchte man f&#252;r die weiche Rundung doppelt so viele Punkte als die Automatik vorschlug. In den leichten Schnitten standen diese sehr dicht aneinander, so dass es kaum m&#246;glich war, eine akzeptable Datenqualit&#228;t zu erzielen. Christoph Dunsts Praktikumszeit ging bald zu Ende und leicht entmutigt lie&#223; Albert-Jan Pool das Projekt in der Schublade verschwinden.</p>
<p><strong>Der zweite Anlauf</strong></p>
<p>Mit der Abl&#246;sung des PostScript-Standards durch die OpenType­-Technologie verschwand die technische Notwendigkeit, eine Schrift auf 1000 x 1000 Einheiten zu zeichnen. Durch eine Verdopplung der Aufl&#246;sung konnten die Rundungen der FF DIN Round in der gew&#252;nschten Qualit&#228;t gezeichnet werden. Mitte 2006 entwickelte Pool einen zweiten Prototyp, bei dem die fragw&#252;rdigen Geraden an M, Z usw. verschwanden. Wieder assistierte Christoph Dunst, dieses Mal als freier Mitarbeiter. Diese zweite Version erlebte 2007 ein kurzfristiges Dasein als Hausschrift f&#252;r das Symposium »Dialog der Schrift«. Die Veranstaltung wurde orga­nisiert von der Studentengruppe <em>Ultrazinnober</em> aus der Typografie­klasse von <em>Prof. Klaus Detjen</em> an der <em>Muthesius</em> Kunsthochschule in Kiel. Christoph Dunst hatte inzwischen Geschmack am Schriftentwerfen bekommen und bewarb sich f&#252;r den Masterstudiengang Type &amp; Media an der K&#246;nigliche Akademie in Den Haag.</p>
<p><img class="zentriert" title="Vorversion der FF DIN Round im Einsatz 2007" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_detjen.jpg" alt="" width="490" height="232" /></p>
<p><em>Zweiter Prototyp der FF DIN Round aus dem Jahr 2007, u. a. mit mangelhaftem Kerning<br />
</em><br />
Die h&#246;here Aufl&#246;sung machte Albert-Jan Pools Arbeit um einiges leichter. Die Kurven konnten nahezu verlustfrei gedreht werden. Neue Technologien f&#252;r die Darstellung von Schriften am Bildschirm wie Anti-Aliasing und Subpixel-Rendering weckten die Hoffnung, dass die sorgf&#228;ltig gerundeten Buchstaben bald in bisher nicht gekannter Qualit&#228;t dargestellt werden k&#246;nnen. Gleichwohl konnte man f&#252;r bestimmte Arbeitsumgebungen auf das aufw&#228;ndige manuelle TrueType-Hinting nicht verzichten. Hierzu ist es n&#246;tig, alle Konturen mit Extrempunkten zu versehen. Eine Form wie das unten links abgebildete runde Strichende braucht solche Extrempunkte aus gestalterischer Sicht eigentlich nicht. Im Gegenteil: Eine perfekte Symmetrie ist viel schwerer zu erzielen, wenn die Ankerpunkte unsymmetrisch zur Achse stehen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-12584" title="Extrempunkte definieren f&#252;r das TrueType-Hinting" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_extrempunkte.png" alt="" width="490" height="243" /></p>
<p><em>Links: Rundes Strichende, mit symmetrisch angeordneten Ankerpunkten (an den x-­ bzw. y-­Extremen befinden sich keine Ankerpunkte); rechts: Rundes Strichende mit sog. Extrempunkten (siehe ← und ↑ an den x-­ bzw. y-­Extremen)</em></p>
<p>Die von FSl durchgef&#252;hrten Tests best&#228;tigten, dass man auf die Extrempunkte nicht verzichten kann. F&#252;r eine gute Darstellungsqualit&#228;t von kleinen Schriftgr&#246;&#223;en am Monitor sind sie auch in den kommenden Jahre notwendig. Somit stand erneut einer &#220;berpr&#252;fung und Bearbeitung aller Rundungen an.</p>
<p><strong>Kyrillische Zeichen, rationale Winkel<br />
</strong><br />
Inzwischen war die Entscheidung gefallen, FF DIN Round gleich bei ihrer Premiere als <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=ff%20din%20round%20pro" target="_blank">Pro-Variante</a> mit kyrillischen Zeichen zu ver&#246;ffentlichen (ein weiterer Grund f&#252;r das versp&#228;tete Erscheinen der Schriftfamilie). Obwohl einige kyrillische Zeichen von den lateinischen abgeleitet werden k&#246;nnen, drohte sich die Anzahl der zu bearbeitenden Rundungen zu verdoppeln. Trotzdem strebten Albert-Jan Pool und sein Team an, bei der Gestaltung systematisch und rationell vorzugehen. Pool entschied mich dazu, die Anzahl der Rundungen m&#246;glichst gering zu halten. Entscheidend dabei war folgende Erkenntniss: Mit Bezierkurven kann der Anschluss von einer Kurve an eine Gerade nur dann glatt sein (bzw. eine Tangente darstellen), wenn der Griff (der Anfasser) exakt in Flucht mit den Ankerpunkten an beiden Enden der Gerade liegt. Die Winkel, die sich hieraus ergeben werden, in der Mathematik als »rationale Winkel« bezeichnet.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-12587" title="Die rationalen Winkel der Diagonalen" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_winkel.png" alt="" width="490" height="370" /></p>
<p><em>Die Winkel der Diagonale wurden auf wenige rationale Winkel reduziert; behutsam angewendet, unterst&#252;tzt dies den technischen Charakter der DIN-Schrift</em></p>
<p>Im n&#228;chsten Schritt hat Pool alle Winkel vermessen. Viele davon waren bereits ann&#228;herend rationale Winkel, schlie&#223;lich war die DIN-Schrift urspr&#252;nglich auf einem groben Raster, einem sog. Hilfsnetzgitter, gezeichnet worden. Hieraus erkl&#228;ren sich &#252;brigens auch einige ungew&#246;hnliche Proportionen der DIN Schrift, wie beispielsweise das relativ schmale X. Die meisten Winkel konnten ohne gr&#246;&#223;ere Zugest&#228;ndnisse am Charakter der Schrift vereinheitlicht werden. »Ich h&#228;tte die Anzahl der Winkel noch weiter reduzieren k&#246;nnen, aber dann h&#228;tten einige Zeichen deutlich von der FF DIN abgewichen.« beschreibt Pool in der R&#252;ckschau seine Entscheidung von damals. »Der Charakter der DIN-Schrift wird gerade dadurch gepr&#228;gt, dass sie einerseits eine technisch anmutende Ungelenkheit besitzt, andererseits ein m&#246;glichst harmonisches Schriftbild aufweisen sollte. Diese Art Gleichgewicht musste unbedingt erhalten bleiben.«</p>
<p><img class="aligncenter" title="einige wenige FF-DIN-Rundst&#252;cke, von &#252;ber 50" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_rundungen.png" alt="" width="490" height="103" /></p>
<p><em>8 von 50 verschiedenen »Rundst&#252;cken« der FF DIN Round<br />
</em><br />
FF DIN Round ist zwar eine Sansserif, aber die Gestaltung der Strichenden erwies sich f&#252;r Albert-Jan Pool und die Techniker von FSI aufw&#228;ndiger als die Konstruktion einer Serifenschrift. Da wo es sinnvoll erschien wurden Winkel und Strichst&#228;rken vereinheitlicht, damit die Schrift mit m&#246;glichst wenig Bauteile gestaltet werden konnte. Weil jedes Kind einen Namen haben sollte, nennt Pool sie »Rundst&#252;cke«. Das ist eine in Hamburg gel&#228;ufige Bezeichnung f&#252;r Br&#246;tchen, die den Berliner Schrippen &#228;hneln und in S&#252;ddeutschland und &#214;sterreich »Semmel« genannt werden.</p>
<p>In der Zwischenzeit wurde Pool die 100-prozentige Unterst&#252;tzung von <em>Inka Strotmann</em> zugeteilt, eine der erfahrensten Font-Technikerinnen bei FSI FontShop International. Beide optimierten die Rundst&#252;cke und interpolierten sie f&#252;r die Zwischenschnitte in den Strichst&#228;rken Regular, Medium und Bold. Anschlie&#223;end baute Strotmann unter Ber&#252;cksichtigung aller Winkel und Ma&#223;e praktisch jedes Zeichen von Light bis Black von Grund auf neu. »Mit Engelsgeduld korrigierte sie Unmengen von Rundungsfehler und bem&#252;hte sich, auch die kleinsten Abweichungen aufzusp&#252;ren und auszugleichen.« (Pool)</p>
<p><img class="zentriert" title="Die Perfektion der FF DIN Round …" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_round_2.jpg" alt="" width="490" height="256" /></p>
<p>Damit die technische Perfektion nicht in Langeweile endet, verpasste das Duo der FF DIN Round kleine &#220;berraschungen, zum Beispiel spitze Enden bei den Guillemets (siehe Farbbild oben) und den Pfeilen. Ansonsten orientiert sich FF DIN Round stark an den mit Trichterfeder bzw. Tuschef&#252;ller und Schriftschablone geschriebenen Normschriften des 20. Jahrhunderts. Diese wurden mit einheitlicher Strichst&#228;rke geschrieben, was DIN Round konsequent aufgreift. Der etwas rigide Charakter der Schrift wird auf diese Weise best&#228;rkt.</p>
<p><strong>FF-DIN-Superfamilie</strong></p>
<p>Mit FF DIN Round hat FF DIN endlich ihr rundes Gegenst&#252;ck bekommen. F&#252;r die typografische Gestaltung von heute bedeutet dies, dass die industrielle Gradlinigkeit der DIN-Schrift jetzt mit einer Variante kombiniert werden kann, die weiche, emotionale Aspekte verk&#246;rpert. Hierf&#252;r muss kein Wechsel zu einer anderen Schriftfamilie vorgenommen werden. Je mehr Aspekte eine Super-Schriftfamilie abdeckt, um so einfacher wird die Handhabung umfangreicher Designprojekte.</p>
<p><img class="zentriert" title="FF DIN kyrillisch" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/din_kyrillisch.png" alt="" width="490" height="207" /></p>
<p>Nicht zu vergessen die elegante, &#228;sthetische Sprachunterst&#252;tzung. Auch bei den kyrillischen Zeichen bietet DIN Round nicht einfach nur kyrillische Formen, sondern raffinierte Alternativen an. F&#252;r die Zeichen ж (Zhe), к (Ka), я (Ya) und ѵ (Izhitsa) steht neben der schlicht und technisch anmutenden Standardform eine geschwungene Variante zur Verf&#252;gung. In der DIN Round wurde die Alternativform dieser Zeichen anders gel&#246;st als bei der kantigen DIN. Die Kombination von geschwungenen Strichen und runden Strichenden h&#228;tte in der FF DIN Round insgesamt zu verspielt gewirkt. Vor allem in den fetteren Schnitten werden die begradigten Alternativzeichen dem sachlichen Schriftbild der FF DIN Round besser gerecht. Die horizontalen Strichenden der Alternativzeichen ж, к, я und ѵ bewirken die traditionelle horizontale Betonung dieser Zeichen, womit sie dichter den Lesegewohnheiten folgen.</p>
<p>Und so ist es Albert-Jan Pool wieder gl&#228;nzend gelungen, eine scheinbar perfekte Schrift mit dem gewissen Etwas an Unsch&#228;rfe zu verzaubern. Genau daf&#252;r werden die Benutzer die <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=ff%20din%20round" target="_blank">FF DIN Round</a> genauso lieben wie seine klassische FF DIN.</p>
<p>Zur weiteren Besch&#228;ftigung mit der neuen Familie dient die 32-seitige Brosch&#252;re <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/ff_din_round_german.pdf">FF DIN Round – Digitale Blockschrift</a>, die heute erschienen ist. Ihr k&#246;nnt sie euch auf Issu anschauen (siehe n&#228;chstes Fenster; Vollbildmodus einschalten!), oder &#252;ber den obigen Link auf den eigenen Rechner laden.</p>
<div><object style="width:500px;height:375px" ><param name="movie" value="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v1/IssuuViewer.swf?mode=embed&amp;viewMode=presentation&amp;layout=http%3A%2F%2Fskin.issuu.com%2Fv%2Fcolor%2Flayout.xml&amp;backgroundColor=FFFFFF&amp;autoFlip=true&amp;autoFlipTime=6000&amp;documentId=100802095801-3bca913c7f8a4602953a7d6fcce6151a&amp;docName=ff_din_round_german&amp;username=FontFont&amp;loadingInfoText=FF%20DIN%20Round%20-%20Digitale%20Blockschrift&amp;et=1280810758408&amp;er=34" /><param name="allowfullscreen" value="true"/><param name="menu" value="false"/><embed src="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v1/IssuuViewer.swf" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" menu="false" style="width:500px;height:375px" flashvars="mode=embed&amp;viewMode=presentation&amp;layout=http%3A%2F%2Fskin.issuu.com%2Fv%2Fcolor%2Flayout.xml&amp;backgroundColor=FFFFFF&amp;autoFlip=true&amp;autoFlipTime=6000&amp;documentId=100802095801-3bca913c7f8a4602953a7d6fcce6151a&amp;docName=ff_din_round_german&amp;username=FontFont&amp;loadingInfoText=FF%20DIN%20Round%20-%20Digitale%20Blockschrift&amp;et=1280810758408&amp;er=34" /></object>
<div style="width:500px;text-align:left;"><a href="http://issuu.com/FontFont/docs/ff_din_round_german?mode=embed&amp;viewMode=presentation&amp;layout=http%3A%2F%2Fskin.issuu.com%2Fv%2Fcolor%2Flayout.xml&amp;backgroundColor=FFFFFF&amp;autoFlip=true&amp;autoFlipTime=6000" target="_blank">Open publication</a></div>
</div>
<p><em>Abbildungen: Marc Eckardt (Portrait A.-J. Pool), Wikipedia (Coney-Island-Stich, Formelsatz) und FSI (Schriftmuster); Text: J&#252;rgen Siebert und Albert-Jan Pool</em></p>
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		<title>Die unglaubliche Reise des Mister K.</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 11:17:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Julia Sysm&#228;l&#228;inen ist genial. Ich muss das mal so simpel formulieren, auch auf die Gefahr hin, dass es als Floskel abgetan wird. Doch anders kann ich mir die Signale nicht mehr erkl&#228;ren, sie sie in den letzten Monaten aussendet. Und wenn man einen Menschen pl&#246;tzlich nicht mehr versteht, aber fasziniert ist von dem was er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="sanides_iso_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/sanides_iso_klein.jpg" alt="" width="490" height="701" /></p>
<p><em>Julia Sysm&#228;l&#228;inen</em> ist genial. Ich muss das mal so simpel formulieren, auch auf die Gefahr hin, dass es als Floskel abgetan wird. Doch anders kann ich mir die Signale nicht mehr erkl&#228;ren, sie sie in den letzten Monaten aussendet. Und wenn man einen Menschen pl&#246;tzlich nicht mehr versteht, aber fasziniert ist von dem was er tut … kann es einen unstrittigeren Beweis f&#252;r Genialit&#228;t geben?</p>
<p>Wer ist Julia Sysm&#228;l&#228;inen? Eine sympathische finnische Designerin, die vor einigen Jahren nach Deutschland kam und <a href="http://edenspiekermann.com/de/about/people/julia-sysmalainen" target="_blank">bei Edenspiekermann arbeitet</a>. Fontblog-Leser werden sie als Sch&#246;pferin der Schrift <a href="http://ffmisterk.com/" target="_blank">FF Mister K</a> kennen, eine digitalisierte Schreibschrift mit OpenType-Zaubereien, inspiriert von der Handschrift <em>Franz Kafkas</em>, erschienen im Oktober 2008 (siehe <a href="http://www.typografie.info/typoforum/viewtopic.php?f=17&amp;t=6005" target="_blank">typografie.info</a>). Eigentlich h&#228;tte die Verbindung zu dem r&#228;tselhaften Schriftsteller, dessen Texte eine sirenenhafte Faszination aus&#252;ben, bereits eine Vorwarnung sein sollen.</p>
<p><a href="http://twitter.com/ffmisterk/status/17478128055" target="_blank"><img class="zentriert" title="ffmisterk_tweet" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/ffmisterk_tweet.gif" alt="" width="490" height="196" /></a></p>
<p>Seit kurzem l&#228;sst  Sysm&#228;l&#228;inen ihre Schrift unter der Identit&#228;t <a href="http://twitter.com/ffmisterk" target="_blank">@ffmisterk</a> twittern. Als Kurzbiografie ist dort vermerkt: »Multilingual Talking Typeface. CAUTION: Not always polite.« In einer Art typografischen Kunstsprache macht ffmisterk seit Wochen Branchenvertreter oder Prominente von der Seite an. Das liest sich zum Beispiel so:</p>
<p><a href="http://twitter.com/stewf" target="_blank">@stewf</a> K-EHDOTUS: More INFORMATION-DENSE depiction for discussed topic !  <a href="http://twitpic.com/1wtnlf" target="_blank">http://twitpic.com/1wtnlf</a></p>
<p>oder so:</p>
<p><a href="http://twitter.com/BarackObama" target="_blank">@BarackObama</a> FULLY understand! When things become НЕУДОБНО later on — use:  <a href="http://twitpic.com/1vyn2u" target="_blank">http://twitpic.com/1vyn2u</a></p>
<p>Oder die Schrift spricht mit ihrer Entwerferin, wie vor einer Stunde:</p>
<p><a href="http://twitter.com/juliasys" target="_blank">@juliasys </a>ME &amp; cookbook ?! Just cut spicy ASCENDERS – best PERPETUALS + mix in СЛАДКИЕ ОСТАТКИ after CLOSING T <a href="http://twitpic.com/22w31h" target="_blank">http://twitpic.com/22w31h</a></p>
<p>Vor drei Wochen erhielt ich eine E-Mail von Julia zu einer Ausstellung im finnischen Lathi mit dem Titel »Travelling Letters &#8211; Letters in Art Tour« (18. Juni &#8211; 5. September 2010). Ich verstand zun&#228;chst nur Bahnhof. Nach stundenlangem Klicken durch finnische Kunst-Websites bat ich sie um eine verst&#228;ndliche Erl&#228;uterung, was dort genau geschehe. Sie schrieb: »<a href="http://www.lahdenmuseot.fi/main.php?id=108&amp;tiedotusvalineille" target="_blank">Travelling Letters</a> ist eine Serie von Ausstellungen zeitgen&#246;ssischer Kunst und Design mit wechselnden Standorten in Nordost Europa. Kontinuierliches Rahmenthema ist das Verh&#228;ltnis von Text, Schrift, Design und visueller Kunst. Die erste Ausstellung fand 2008 in St. Petersburg statt, gefolgt von Vilnius 2009 und Lahti 2010. Initiiert wurde das Projekt von der Vilnius Academy of Fine Arts zusammen mit dem Lahti Institute of Design.«</p>
<p>Die hier verlinkte Seite enth&#228;lt eine <a href="http://www.lahdenmuseot.fi/main.php?id=108&amp;tiedotusvalineille" target="_blank">Liste der 41 teilnehmenden K&#252;nstler</a>, darunter der Schriftentwerfer <em>Sami Kortem&#228;ki</em> (Underware), die uns durch TYPO-Konferenzauftritte bekannten <em>Philippe Apeloig, Ken Barber</em> (House Industries) und S<em>tefan Sagmeister</em> sowie das Duo <em>J&#252;rgen Sanides &amp; Julia Sysm&#228;l&#228;inen</em> mit ihrem Werk »Mister K: Means of Transport (yksityiskohta)«.</p>
<p><img class="zentriert" title="TravLett_K" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/TravLett_K.jpg" alt="" width="490" height="632" /></p>
<p>Das Exponat von Sanides/Sysm&#228;l&#228;inen basiert auf der durch Kafkas Handschrift inspirierten »FF Mister K«, als Bestandteil einer Installation. Diese besteht aus Drucken, dreidimensionalen Wandtexten und einer Fahrrad-Typoplastik. Sysm&#228;l&#228;inen &#252;ber ihr Werk: »Es versinnbildlicht die Wiederbelebung des literarischen ›K‹ Franz Kafkas als digitalisierte Schreibschrift, die begonnen hat, ihre eigenen Geschichten zu erz&#228;hlen.«</p>
<p>Vollkommen ratlos aber fasziniert m&#246;chte ich zum Schluss dieses Beitrags mit den Lesern einen Blick auf ein Blatt werfen, das mir Julia als PDF sendet: »The Real Travels of Mister K«:</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/Ks_Travels.pdf"><img class="zentriert" title="Ks_Travels_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/Ks_Travels_klein.gif" alt="" width="490" height="648" /></a></p>
<p>Abschlie&#223;end noch eine Abbildung aus der Ausstellung und meine dringende Empfehlung, <a href="http://twitter.com/ffmisterk">@ffmisterk</a> zu folgen um in den Genuss einer wunderbar surrealen Twitter-Freundschaft zu kommen.</p>
<p><img class="zentriert" title="Mister K travel" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/07/fahrrad_totale.jpg" alt="" width="490" height="328" /></p>
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		<title>Stefan George und die Schrift</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 16:05:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Der deutsche Schriftsteller Stefan George (1868 – 1933) z&#228;hlt zu den bedeutendsten Lyrikern des Symbolismus und der sp&#228;teren Neuromantik. H&#228;ufig trat er, im priesterlichen Gewand gekleidet, vor ausgesuchten H&#246;rern zu Lesungen auf. Anschlie&#223;end empfing er einzelne Zuh&#246;rer zu Audienzen in einem Nebenzimmer. Georges B&#252;cher waren au&#223;ergew&#246;hnlich gestaltet und zun&#228;chst nur in intellektuellen Kreisen gefragt. Auffallend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/01/Dasjahrderseele.jpg" rel="lightbox[12024]"><img class="alignleft size-full wp-image-12025" title="Dasjahrderseele" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/06/Dasjahrderseele.jpg" alt="" width="200" height="277" /></a>Der deutsche Schriftsteller <em>Stefan George</em> (1868 – 1933) z&#228;hlt zu den bedeutendsten Lyrikern des Symbolismus und der sp&#228;teren Neuromantik. H&#228;ufig trat er, im priesterlichen Gewand gekleidet, vor ausgesuchten H&#246;rern zu Lesungen auf. Anschlie&#223;end empfing er einzelne Zuh&#246;rer zu Audienzen in einem Nebenzimmer.</p>
<p>Georges B&#252;cher waren au&#223;ergew&#246;hnlich gestaltet und zun&#228;chst nur in intellektuellen Kreisen gefragt. Auffallend war das Schriftbild seiner B&#252;cher. Die Texte waren in gem&#228;&#223;igter Kleinschreibung gesetzt, also Versalien nur f&#252;r Versanf&#228;nge, Eigennamen und Betonungen. Ab 1904 erschienen Georges Drucke in einer eigenen Schrifttype, der St.-G.-Schrift, die angeblich auf seiner eigenen Handschrift basierte. Sie war serifenlos mit optisch gleichbleibender Strichst&#228;rke.</p>
<p>Seit 2003 gibt es eine <a href="http://www.textkritik.de/technik/stefan_george_schrift.htm" target="_blank">digitalisierte Version der George-Schrift</a>. Als Vorlage diente eine Schriftmuster-Sammlung des Berliner Verlags <em>Otto von Holten</em> von 1907. Die St.-G.-Schrift, wie sie dort abgek&#252;rzt bezeichnet wurde, gab es damals in insgesamt vier Schnitten. Das Schriftmusterbuch blieb durch einen gl&#252;cklichen Zufall erhalten (Berliner Stadtbibliothek), Verlag und Druckerei wurden Ende des Zweiten Weltkriegs zerst&#246;rt.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/06/george_schriftprobe.jpg" rel="lightbox[12024]"><img class="zentriert" title="Stefan George Schriftprobe" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/06/george_schriftprobe.jpg" alt="" width="490" height="292" /></a></p>
<p>Alle k&#252;hnen Eigent&#252;mlichkeiten dieser Muster wie das Hochkomma und die fremdartigen Anf&#252;hrungszeichen wurden in die digitale Schrift &#252;bernommen. Zugleich nimmt der &#252;berarbeitete Zeichensatz die f&#252;r die Gesamtausgabe von 1927ff. charakteristischen Buchstaben wie die neuen versalen A, L, V, T auf und erg&#228;nzt den Zeichensatz durch fehlende bzw. alternative Zeichen (&amp;, @, l, langes s, …).</p>
<p>Auf der Seite <a href="http://www.textkritik.de/technik/stefan_george_schrift.htm" target="_blank">www.textkritik.de</a> kann die digitalisierte George-Schrift zum Preis von 25 € bestellt werden.</p>
<p><img class="zentriert" title="george_2" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/06/george_2.jpg" alt="" width="490" height="258" /></p>
<p>Diese Geschichte dient allerdings nur der Einleitung zu einigen Zitaten, die mir heute unterbreitet wurden und meines Wissens in der Welt der Typografne und Schriftentwerfer noch nicht angekommen sind. Sie stammen vom Bildhauer <em>Frank Mehnert</em>, der in Georges drei letzten Lebensjahren dessen st&#228;ndiger Begleiter war. Mehnert gr&#252;ndet Mitte der 1930er Jahre mit dem Germanisten <em>Rudolf Fahrner</em> und dessen Freundin <em>Gemma Wolters</em> den Delfin-Verlag, der sp&#228;ter Texte von Freunden Georges publiziert.</p>
<p>Besonders viel Energie steckte Mehnert in die Neuauflage einer Stefan-George-Drucktype. Sie sollte erneut aus Georges Handschrift gesch&#246;pft werden und die in allen B&#228;nden gebr&#228;uchliche »Delfinletter«, die Schrift des Delfin-Verlags, abl&#246;sen. Sorgf&#228;ltig w&#228;hlte Mehnert die sch&#246;nsten Lettern aus Georges Handschrift aus, verma&#223; ihre L&#228;ngen und Breiten, ihre Strichst&#228;rken, Zwischenr&#228;ume und Wortabst&#228;nde, versuchte Schriftbreite und Versl&#228;nge des Georgeschen Werks aufeinander abzustimmen. Von einigen Handschriften Georges l&#228;sst er Vergr&#246;&#223;erungen anfertigen, um aus den Buchstaben Lettern f&#252;r den Druck zu gewinnen. Sogar als Soldat im Feld setzt er diese Arbeit fort. »Ich glaube ja immer mehr«, schreibt er mit der Feldpost aus Russland, »dass die schrift auch einer jener hebel ist die ganz unabsehbar viel in bewegung setzen k&#246;nnen.«</p>
<p>Die Leiterin des George-Archivs in Stuttgart <em>Ute Oelmann</em> (<a href="http://www.antiquare.de/cms/index.php?id=129" target="_blank">»F&#252;rs sch&#246;nheit verlangende Auge«</a>, Sonderausstellung im Rahmen der 3. Stuttgarter Antiquariatsmesse 2009) zitiert Mehnert wie folgt: »Die gr&#246;&#223;ten Revolutionen des Menschengeistes gehen auf Letternf&#252;&#223;en einher. Kein anderer K&#252;nstler n&#228;hert sich der Welt in so subversiver Absicht wie der Erfinder einer neuen Schrift. Indem er die Tr&#228;ger der Transmission zu seinem prim&#228;ren Material macht, greift er ins R&#228;derwerk der intellektuellen Konventionen. Als metallische Glieder eines geschmeidigen K&#246;rpers sind die Lettern minimale Konstanten endloser Variation – caractères, wie die Franzosen sagen: Atome, Gene und Merkzeichen des Intellekts. Nirgends zeigt sich dieser unverh&#252;llter, nirgends verbirgt er sich besser als unter den zwei, drei Dutzend schwarzer Kiesel, &#252;ber die der lesende Geist springt, wenn er das Flussbett der materiellen Welt durchquert.«</p>
<p>Klaus Mehnert f&#228;llt, bevor sein Werk einer neuen StG-Schrift vollendet ist. »Die geplante Auferstehung des Meisters in der Schrift findet nicht statt.« (Oelmann)</p>
<p>(Abb 1: »Das Jahr der Seele«, Titelblatt, Quelle <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Dasjahrderseele.jpg&amp;filetimestamp=20060721004441" rel="lightbox[12024]">Wikipedia</a>; Abb 2: St.-G.-Schriftmuster, Quelle <a href="http://www.textkritik.de/technik/stefan_george_schrift.htm">www.textkritik.de</a>; Textquelle: Ulrich Raulff, Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben, 2. Aufl., M&#252;nchen 2010, S. 200 f.)</p>
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		<title>Der Hadopi-Krimi, ungek&#252;rzt und in Deutsch</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 10:41:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Peters</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einer Woche sprach ich eine dringende Leseempfehlung aus: die Recherche unseres Kollegen Yves Peters im FontFeed &#252;ber den Einsatz einer geklauten Schrift im Corporate Design der franz&#246;sischen Anti-Piracy-Organisation Hadopi. Ich bedauerte, den Beitrag nicht in &#252;bersetzter Form hier im Fontblog ver&#246;ffentlichen zu k&#246;nnen. Unser Leser Alexander Ihle sprang sofort ein und sendete mir wenige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fontblog.de/dringende-leseempfehlung-der-hadopi-krimi" target="_blank">Vor einer Woche</a> sprach ich eine dringende Leseempfehlung aus: die <a href="http://fontfeed.com/archives/french-anti-piracy-organisation-uses-pirated-font-in-ownlogo/" target="_blank">Recherche</a> unseres Kollegen <em>Yves Peters</em> im <em>FontFeed</em> &#252;ber den Einsatz einer geklauten Schrift im Corporate Design der franz&#246;sischen Anti-Piracy-Organisation <strong><em>Hadopi</em></strong>. Ich bedauerte, den Beitrag nicht in &#252;bersetzter Form hier im Fontblog ver&#246;ffentlichen zu k&#246;nnen. Unser Leser <a href="http://www.naeon.de/" target="_blank"><em>Alexander Ihle</em></a> sprang sofort ein und sendete mir wenige Stunden sp&#228;ter den deutschen Text.</p>
<p style="text-align: left;">Vielen Dank Alexander, dass wir die Geschichte nun alle schnell und verst&#228;ndlich lesen k&#246;nnen. Als Dankesch&#246;n geht noch heute der unbezahlbare Kalender <a href="http://wehrundweissweiler.de/weblog/carte-blanche-3-jetzt-online-blaettern" target="_blank">Carte Blanche</a> an dich raus, konzipiert und mit 10 Druckfarben gestaltet von <a href="http://wehrundweissweiler.de/" target="_blank">Wehr &amp; Weissweiler.</a> Den gibt es nirgendwo zu kaufen, er ist inzwischen vergriffen … 5 Exemplare allerdings liegen auf meinem Schreibtisch, ein Geschenk von W&amp;W f&#252;r verdiente Fontblog-Aktivisten. Danke an Euch beide.<em></em></p>
<p style="text-align: right;"><em>J&#252;rgen Siebert</em></p>
<p><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/hadopi_header.png" alt="" width="490" height="245" /></p>
<p>Es ist eher selten, dass typografische Themen in den Abendnachrichten landen. Ein Beispiel ist <a href="http://www.farhill.nl/" target="_blank">Peter Verheuls</a> eigens f&#252;r die niederl&#228;ndische Regierung angepasste Schriftfamilie <a href="http://www.fontshop.be/details.php?entry=341" target="_blank">Rijksoverheid</a>, die Gegenstand der nationalen Fernsehnachrichten war. Keine breite &#214;ffentlichkeit bekamen die heftigen Reaktion der Designerszene auf den <a href="http://www.fontblog.de/ikea-katalog-2010-verdana-ersetzt-futura" target="_blank">Wechsel Ikeas zur Allerweltsschrift Verdana</a> oder die Entr&#252;stung der Typogemeinde &#252;ber den Einsatz der abgedroschenen <a href="http://www.fontshop.com/fontlist/alternatives/papyrus/" target="_blank">Papyrus</a> in James Camerons Blockbuster <a href="http://www.avatarmovie.com/" target="_blank">Avatar</a> (mehr dar&#252;ber in der n&#228;chsten Ausgabe von <a href="http://fontfeed.com/archives/tag/movie-posters/" target="_blank">ScreenFonts</a>).</p>
<p>Beide F&#228;lle waren nur Insidern bekannt. Der j&#252;ngste Fall eines Font-Fails Mitte Januar verbreitete sich jedoch wie ein Lauffeuer im franz&#246;sischen Internet, wurde von den gro&#223;en Nachrichtenmedien aufgegriffen und bekommt mittlerweile sogar internationale Aufmerksamkeit. Warum? Weil sich mit Sicherheit sagen l&#228;sst, dass die Geschichte um das Hadopi-Logo in die Kategorie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=cilLKufYOhE">»epic Fail«</a> einzuordnen ist – dieser Ausdruck steht im Internet-Slang f&#252;r die am&#252;sante Kombination aus Versagen aufgrund mangelnder Kompetenz (oder gesundem Menschenverstand) auf der einen Seite und bitters&#252;&#223;er Ironie auf der anderen. Die vielf&#228;ltigen Ebenen des Versagens machen den Hadopi-Fall zu einer besonders tragische Geschichte.</p>
<p><span id="more-8443"></span></p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/mtv_anti-piracy.jpg" alt="" width="500" height="620" /></p>
<p>Beginnen wir mit ein paar Hintergrundinformationen. Seit dem 1. Januar ist das kontroverse Download-Gesetz <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hadopi" target="_blank"><strong><em>Hadopi</em></strong></a> in Frankreich in Kraft. Die Abk&#252;rzung steht f&#252;r »Haute Autorité pour la Diffusion des Œuvres et la Protection des Droits sur Internet« … &#252;bersetzt bedeutet dies ungef&#228;hr »Hohe Beh&#246;rde f&#252;r die Verbreitung von Werken und den Schutz der Rechte im Internet«. Die Initiative folgt den Fu&#223;stapfen Gro&#223;britannien, dessen <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/8366255.stm" target="_blank">»Digital Economy Bill«</a> sehr &#228;hnlich ausgerichtet ist.</p>
<p>Nach einem aufsehenerregenden und kontroversen Verfahren und nach langen Debatten wurde das Hadopi-Gesetz letztes Jahr verabschiedet. In anderen L&#228;ndern sind vergleichbare Gesetze unter dem »Three Strikes«-Modell bekannt. Danach werden Menschen, die urheberrechtlich gesch&#252;tzte Werke illegal herunterladen zweimal gewarnt, bevor ihre Internet-Anbindung auf unbestimmte Zeit abgeschaltet wird. Dabei wird nicht nur der gesamte Haushalt vom Netz genommen, sondern er landet zus&#228;tzlich auf eine Liste mit Adressen, die keinen Internetzugang mehr erhalten d&#252;rfen. Um wieder in den Kreis der Surfer aufgenommen zu werden, muss sich der Rechtsbrecher die Installation von Spyware auf seinem Computer gefallen lassen.</p>
<p>Obwohl das Europ&#228;ische Parlament und andere Interessensgruppen sich auf Grundrechte berufen um gegen solche Ma&#223;nahmen zu protestieren, scheint es, als k&#246;nnten &#228;hnliche Gesetzgebungen weltweit als Resultat von geheimen Verhandlungen &#252;ber den Schutz von geistigem Eigentum eingef&#252;hrt werden. Unn&#246;tig zu erw&#228;hnen, dass die franz&#246;sische Hadopi, die f&#252;r die Umsetzung des neuen Anti-Raubkopier-Programms verantwortlich ist, nicht wirklich beliebt ist. Die Beh&#246;rde wird von ihren Gegnern scharf unter die Lupe genommen, die begierig nach jeder Art von Schmutz suchen.</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/hadopi_official-logo.png" alt="" width="500" height="184" /><br />
<em>Das urspr&#252;ngliche Logo, wie es am Freitag, den 8. Januar 2010 pr&#228;sentiert wurde</em></p>
<p style="text-align: left;">Am fr&#252;hen Abend des 9. Januars, dem Tag nachdem die Hadopi-Beh&#246;rde offiziell ihre Arbeit aufnahm, stie&#223; ich auf einen <a href="http://twitter.com/opto/status/7556351882" target="_blank">Tweet</a> von <em><a href="http://www.opto.fr/" target="_blank">Jean-Baptiste Levée</a></em>. Mir war Hadopi zu dem Zeitpunkt gar kein Begriff, aber der Inhalt seines Tweets lie&#223; mich den enthaltenen Fotolink sofort aufrufen:</p>
<ul>
<li>French copyright law Hadopi has an unauthorized use of custom font Bienvenue in its logo http://tweetphoto.com/8293377</li>
</ul>
<p><small><strong>J E A N - B A P T I S T E  L E V É E</strong></small> | »Ich habe einen Twitter-Alarm f&#252;r das Wort ›Logo‹ eingerichtet. Ich erinnere mich nicht mehr, welcher Tweet mich genau auf die Pr&#228;sentation des Hadopi-Logos aufmerksam machte. Die urspr&#252;ngliche Ank&#252;ndigung auf der Webseite des <a href="http://www.culture.gouv.fr/">›Ministère de la Culture et de la Communication‹</a> enthielt einen Link zu einem PDF, dass die Geburt des neuen Logos bekannt gab. Heute braucht man da nicht mehr nachzuschauen: Seit dem Ausbruch des Skandals wurde der Link von der Seite entfernt und wenn man versucht die URL mithilfe des Google-Caches zu &#246;ffnen, bekommt man nur eine 404-Fehlerseite. Als ich das Dokument &#246;ffnete, erkannte ich sofort die Schriftart im Logo als <em>›Bienvenue‹</em>. Ich arbeitete bis Fr&#252;hling 2008 f&#252;r zwei Jahre mit <em>Jean-François Porchez</em> zusammen, also kenne ich seine Schriftentw&#252;rfe ziemlich gut. ;)</p>
<p>Es war Jean-Baptistes Kommentar auf einen <a href="http://graphism.fr/post/324943193/hadopi-se-dote-dun-logo-et-quel-logo" target="_blank">Blog-Eintrag</a> auf <a href="http://graphism.fr/" target="_blank">Graphism.fr</a>, das Weblog des Grafikdesigners <em>Geoffrey Dorne</em>, der best&#228;tigte, dass die Schriftart im Hadopi-Logo tats&#228;chlich <em>Bienvenue</em> war … und das brachte den Stein ins Rollen.</p>
<p>Mancher Leser mag sich nun fragen: Wo ist das Problem? Die Schriftart f&#252;r ein Logo muss doch nicht individuell erstellt werden. Nat&#252;rlich lassen sich kommerzielle Schriften zur Konstruktion von Logos verwenden, entweder in ihrer urspr&#252;nglichen Form oder modifiziert, um den Anspr&#252;chen der Form oder des Bildes gerecht zu werden. Wenn so etwas durch die EULA (End User Licence Agreement) abgedeckt ist, warum die Aufregung?</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/france-telecom_shopfront.jpg" alt="" width="500" height="394" /></p>
<p><em>Die Schrift Bienvenue (Design: </em><em>Jean-François Porchez) im Einsatz, an einem France</em>-<span> Télécom-Laden</span></p>
<p><img src="http://fontfeed.com/wp-content/uploads/2010/01/france-telecom_poster.jpg" alt="" width="500" height="333" /><span> </span></p>
<p><em>Bienvenue in einem</em><em> France</em>-<span> Télécom-Gro&#223;fl&#228;chenplakat</span></p>
<p>Das ist der Grund f&#252;r die Aufregung: <em>Bienvenue</em> ist eine <strong>exklusive Unternehmensschrift</strong>. Sie wurde 2000 von <a href="http://www.fontshop.com/fonts/designer/jeanfrancois_porchez/" target="_blank"><em>Jean-François Porchez</em></a> f&#252;r <a href="http://www.francetelecom.com/en/" target="_blank">France Télécom</a>, dem franz&#246;sischen Marktf&#252;hrer im Bereich Telekommunikation gestaltet. Die Schriftfamilie wurde in Zusammenarbeit mit <a href="http://www.landor.com/" target="_blank"><em>Landor Associates</em></a> entworfen, die die Corporate Identity neu gestalteten. Ihr Einsatzgebiet sollte die gesamte Kommunikation und Werbung von France Télécom abdecken. Die Schrift besteht aus einer Familie mit vier Schnitten, plus einer Corporate-Version, einer semiserifen Titelsatz-Schrift und einem Piktogramm-Font. Bienvenue wurde 2001 f&#252;r die Trophée d’Or de la Typographie nominiert.</p>
<p>Mit anderen Worten: <em>Bienvenue</em> ist Eigentum der France Télécom und f&#252;r die exklusive Benutzung innerhalb des Unternehmens lizenziert und <strong>keineswegs daf&#252;r gedacht, den Weg in die &#214;ffentlichkeit zu finden.</strong> France Télécom besitzt die weltweiten Exklusivrechte, zeitlich unbegrenzt.</p>
<p>Gleichwohl fand die Schrift irgendwie ihren Weg auf die Piraten-Seiten und zu den Schrift-Tauschern und avancierte seitdem zu einem illegalen Favoriten. Tats&#228;chlich hatte ich vor einigen Jahren ernsthafte Schwierigkeiten, einem franz&#246;sischen Mode-Giganten klar zu machen, dass Bienvenue, die von ihrer Agentur f&#252;r eine der Marken ausgesucht wurde, nicht verwendet werden darf, da es die Exklusivrechte der France Télécom verletzt h&#228;tte.</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/ptfbienvenue.png" alt="" width="500" height="580" /></p>
<p><em><span>Bienvenue-Schriftmuster, zur Verf&#252;gung gestellt von Jean François Porchez</span></em></p>
<p><img src="http://fontfeed.com/wp-content/uploads/2010/01/hadopi_bienvenue_screen.jpg" alt="" width="500" height="344" /></p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/hadopi_bienvenue_jfp.png" alt="" width="500" height="366" /><br />
<span><em>Simulation des Hadopi-Logos von Jean François Porchez mit der Original-Bienvenue</em><br />
</span></p>
<p>Ende vorletzter Woche verbreitete sich die Geschichte wie ein Fl&#228;chenbrand und am Montag war sie sogar <a href="http://www.wat.tv/video/quand-hadopi-joue-pirates-239vx_mvui_.html" target="_blank">Gegenstand der Nachrichten</a> bei <a href="http://lci.tf1.fr/" target="_blank">LCI</a>, dem Nachrichtenkanal des privaten franz&#246;sischen Senders TF1. Sie m&#252;ssen sich die Ironie der Geschichte mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Beh&#246;rde, die die neue Anti-Raubkopier-Haltung Frankreichs durchsetzen soll, verwendet einen raubkopierte, gesch&#252;tzte Schriftart im eigenen Logo. Dies demonstrierte schmerzhaft die St&#252;mperhaftigkeit und Ahnungslosigkeit der beh&#246;rdlichen Kommunikationsberater und r&#252;ckt die verantwortliche Agentur <a href="http://www.plancreatif.fr/" target="_blank">Plan Créatif</a> in ein schlechtes Licht. Dss in Paris ans&#228;ssige und sich selbst als »Militante Agentur« titulierende B&#252;ro entwickelte das Logo als Gewinner eines Wettbewerbs, der vom franz&#246;sischen Ministerium f&#252;r Kultur und Kommunikation durchgef&#252;hrt wurde. Um zu beweisen, dass es sich wirklich um <em>Bienvenue</em> handelt, erstellte <a href="http://graphism.fr/" target="_blank"><em>Geoffrey Dorne</em></a> auf Anfrage seines Bruders <a href="http://www.korben.info/logo-hadopi-la-conclusion.html" target="_blank"><em>Korben</em></a> das nachfolgende animierte GIF, das die um 110% verbreiterte Demi-Variante der Schrift mit dem Hadopi-Logo &#252;berlagert.</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/hadop_bienvenue_overlay.gif" alt="" width="500" height="267" /><br />
<em><span>Animierter Bienvenue-&#220;berleger auf dem Original-Hadopi-Logo</span></em></p>
<p>Inzwischen wanden sich <em>Hadopi</em> und <em>Plan Créatif</em> verzweifelt, um den Schlamassel zu richten. Am Montag, den 11. Januar, versendete Plan Créatif E-Mails, in denen der Fehler zugegeben und behauptet wurde, dass das vor dem Wochenende pr&#228;sentierte Logo nur ein »Entwurf« sei:</p>
<ul>
<li>Logotype HADOPI: À la suite d’une erreur de manipulation informatique, une esquisse de logotype qui avait été écartée lors des phases traditionnelles de vérification de similitude, a été malencontreusement présentée comme solution graphique définitive. Cette erreur vient d’être réparée.</li>
</ul>
<p>In der &#220;bersetzung las sich das so:</p>
<ul>
<li>HADOPI-Logo: Als Folge falscher digitaler Handhabung wurde eine Entwurfs-Version des Logos, die w&#228;hrend der &#252;blichen Verifikations-Prozeduren ausgeschieden war, ungl&#252;cklicherweise als finales Design pr&#228;sentiert. Dieser Fehler wurde korrigiert.</li>
</ul>
<p>Die sogenannte finale Version des Logos war an die E-Mail angeh&#228;ngt:</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/hadopi_nowlogo.png" alt="" width="500" height="194" /></p>
<p>In der Tat sieht das Logo etwas anders aus. Die Schriftart ist dieses Mal <a href="http://www.fontsmith.com/fonts/fs-lola.cfm?tab=detail&amp;">FS  Lola</a>, eine Arbeit von <a href="http://www.fontshop.com/fonts/designer/philip_garnham/">Phil  Garnham</a> f&#252;r <a href="http://www.fontshop.com/fonts/foundry/fontsmith/">FontSmith</a>. Die grunds&#228;tzlichen Ma&#223;e des Logos unterscheiden sich ebenfalls: die neue Version ist schmaler. Nur ein Element blieb unver&#228;ndert, der in rot gesetzte, volle Name in <a href="http://www.typography.net/">Jeremy Tankard</a> beliebter <a href="http://www.typography.net/type/font/bliss_pro">Bliss</a>.</p>
<p>Man k&#246;nnte nun meinen, die Geschichte ende hier. Von wegen, es kam noch schlimmer. Die interessante Frage stand im Raum, ob dem urspr&#252;nglich pr&#228;sentierten Logo in der Tat ein Fall von falscher digitaler Handhabung zugrunde lag oder ob das neue Logo eine Hintert&#252;r-Manipulation war, ein Deckmantel, um den Fehler zu vertuschen. Wie auch andere Blogger kontaktierte ich sowohl <em>FontSmith</em> als auch <em>Jeremy Tankard</em>. Sie best&#228;tigten, dass sowohl FS Lola als auch Bliss am Montagmorgen, den 11. Januar, per Express bestellt wurden, also an genau jenem Tag, an dem das neue Logo vorgestellt wurde.</p>
<p>Wie man es auch dreht und wendet, das neue Logo verletzte schon wieder mindestens zwei Lizenzen. Offensichtlich wurde Bliss, die in beiden Versionen zum Einsatz kommt, sowohl f&#252;r den ersten Entwurf wie auch zur Erstellung der zweiten Logo-Version nicht von Plan Créatif lizenziert … und auch FS Lola nicht.</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/hadopi_inpi.png" alt="" width="500" height="606" /></p>
<p>Das Finale kommt jetzt erst. Eine simple Suche auf der <a href="http://www.inpi.fr/" target="_blank">INPI</a>-Webseite, dem »Institut National de la Propriété Industrielle« oder auch <em>Nationales Institut f&#252;r Geistiges Eigentum</em>, enth&#252;llt, dass das urspr&#252;ngliche Logo welches die <em>Bienvenue</em> verwendete vor fast zwei Monaten, <a href="http://bases-marques.inpi.fr/Typo3_INPI_Marques/marques_fiche_resultats.html?index=1" target="_blank">am 16. November 2009, registriert</a> und an Weihnachten ver&#246;ffentlicht wurde. Dies beseitigt jeglichen Zweifel, dass das Bienvenue-Logo als finales Design gedacht war und dass die hastig zusammengeschusterte Version von diesem Montag nichts weiter als Augenwischerei ist. Wir k&#246;nnen mit Sicherheit folgern, dass dieses wahrlich epische Versagen die viel geschm&#228;hte Hadopi noch f&#252;r eine ganze Weile verfolgen wird.</p>
<p><img src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/jeanfrancoisporchez_imageolivierroux2.jpg" alt="" width="500" height="250" /><span> </span></p>
<p><em><span>Jean François Porchez, fotografiert von <a href="http://www.olivierroux.fr">Olivier Roux</a></span></em></p>
<p>Obwohl er Details noch nicht verraten darf, hat <em>Jean-François Porchez</em> verlauten lassen, dass seine Anwaltsb&#252;ro <a href="http://www.kga.fr/index.php4?langue=2" target="_blank">KGA Avocats</a>, das diesen Fall betreut, alle Beteiligten mit dem Ziel kontaktiert, das Problem so bald wie m&#246;glich zu l&#246;sen. Weitere Informationen wird er ver&#246;ffentlichen, wenn eine L&#246;sung in Sicht ist. Verst&#228;ndlicherweise verfolgt die <a href="http://www.alliance-francaise-des-designers.org/" target="_blank">Alliance Française des Designers</a> (Franz&#246;sische Allianz der Designer) diesen Fall genau und unterst&#252;tzt die Schritte der <a href="http://www.fontshop.com/fonts/foundry/porchez_typofonderie/">Porchez  Typofonderie</a>.</p>
<p>Was lehrt uns diese verworrene Geschichte? Porchez gab dazu einen kurzen Kommentar im oben erw&#228;hnten <a href="http://www.wat.tv/video/quand-hadopi-joue-pirates-239vx_mvui_.html" target="_blank">Beitrag von LCI</a> ab:</p>
<p><small><strong>J E A N  F R A N Ç O I S  P O  R C H E Z</strong></small> | »Hier haben wir ein klassisches Beispiel daf&#252;r, wie die Institution, die Kreative sch&#252;tzen soll, meine Arbeit klaut. Es bringt mich zum Schmunzeln, aber gleichzeitig m&#252;ssen wir die bestm&#246;gliche L&#246;sung f&#252;r dieses Problem finden.«</p>
<p>Die eigentliche Lehre aus dieser Sache ist, dass jeder pers&#246;nlich f&#252;r jede einzelne Schriftart verantwortlich ist, die er oder sie auf dem Rechner gespeichert hat. Designer m&#252;ssen sich bewusst sein, woher ihre Schriften kommen und vorsichtig mit Free- oder Shareware umgehen. Einige sind v&#246;llig in Ordnung – f&#252;r private Zwecke eignen sich sowieso alle –, aber im Job, beim gesch&#228;ftlichen Einsatz haben sie nichts zu suchen.</p>
<p><span>Diese Geschichte auf <a href="http://www.boingboing.net/2010/01/12/frances-anti-piracy.html">BoingBoing.</a></span></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schriften sind Schauspieler des geschriebenen Wortes</title>
		<link>http://www.fontblog.de/schriften-sind-schauspieler-des-geschriebenen-wortes</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/schriften-sind-schauspieler-des-geschriebenen-wortes#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 12:54:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht immer f&#228;llt es Experten leicht, ihr Tun einem Laien zu erl&#228;utern. Kann sein, dass es Handwerkern eher gelingt als Dienstleistern, doch ganz sicher ist das Feld Design f&#252;r Au&#223;enstehende ein unsagbar abstrakter Kosmos, vor allem die Sparte Kommunikationsdesign und Typografie. Manchmal helfen Analogien aus vertrauten Branchen weiter. Die aktuelle Imagekampagne Was uns antreibt der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/BVR_3motive_gross.jpg" rel="lightbox[8372]"><img class="aligncenter size-full wp-image-8377" title="BVR_3motive_klein" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/BVR_3motive_klein.jpg" alt="BVR_3motive_klein" width="490" height="173" /></a></p>
<p>Nicht immer f&#228;llt es Experten leicht, ihr Tun einem Laien zu erl&#228;utern. Kann sein, dass es Handwerkern eher gelingt als Dienstleistern, doch ganz sicher ist das Feld <em>Design</em> f&#252;r Au&#223;enstehende ein unsagbar abstrakter Kosmos, vor allem die Sparte Kommunikationsdesign und Typografie.</p>
<p>Manchmal helfen Analogien aus vertrauten Branchen weiter. Die aktuelle Imagekampagne <a href="http://www.was-uns-antreibt.de/">Was uns antreibt</a> der <a href="http://www.bvr.de/public.nsf/index.html?ReadForm" target="_blank">Volks- und Raiffeisenbanken</a> (VR) regt mich zur Br&#252;cke an, Schriften als Schauspieler zu betrachten. W&#228;hrend die menschlichen Darsteller das <em>gesprochene</em> Wort auf die B&#252;hne (oder ins H&#246;rbuch) bringen, inszenieren Schriften das <em>geschriebene</em> Wort.</p>
<p><img class="zentriert" title="bvr_ganzseitige" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/bvr_ganzseitige.jpg" alt="bvr_ganzseitige" width="490" height="690" /></p>
<p>Es gibt m&#228;nnliche und weibliche Schauspieler. Schriften haben kein Geschlecht, aber eine Ausstrahlung, der man durchaus das Etikett m&#228;nnlich oder weiblich anheften m&#246;chte (vgl.: <a href="http://www.fontblog.de/die-neue-ff-yoga-spannung-balance-elastizitaet" target="_blank">»Die neue FF Yoga: eine Schrift f&#252;r M&#228;dchen?«</a>). Manche Schriften verkleiden sich, andere wollen allen gefallen und geben sich gerne geschlechtslos (vgl.: <a href="http://www.100besteschriften.de/1_Helvetica.html" target="_blank">»Helvetica … die Schrift ohne Eigenschaften.«</a>).</p>
<p>Spricht eine Schrift laut, ist sie gro&#223; gesetzt. Fl&#252;stert sie, k&#246;nnen wir den Text kaum lesen, so klein ist er gedruckt. Die einen sind stark geschminkt, die anderen verr&#252;ckt angezogen. Es gibt sexy Schriften, unauff&#228;llige, extrovertierte, falsch besetzte und eingebildete Schriften. Zum Gl&#252;ck brauchen sich die Leser (Zuschauer) keine Gedanken um die Besetzung oder die Qualit&#228;t eines Schriftschauspiels zu machen: Wenn es gef&#228;llt, geben sie Applaus und empfehlen die Auff&#252;hrung weiter.</p>
<p><img class="zentriert" title="bvr_doppel" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/bvr_doppel.jpg" alt="bvr_doppel" width="490" height="344" /></p>
<p>Um so bedauerlicher ist es – und da unterscheiden sich die Designer und ihre Auftraggeber ein wenig von den Regisseuren und Theatermachern –, dass viele »Experten« die Rolle der Schrift nicht kennen oder schlicht missachten. Ihnen ist es egal, welcher Schauspieler die mit M&#252;he und Sorgfalt geschriebenen Worte in Szene setzt. Man heuert den n&#228;chstbesten Darsteller an, egal ob er sich f&#252;r die Rolle eignet oder seine Ausstrahlung dem Stil des Hauses entspricht.</p>
<p>Viel zu oft passt in der kommerziellen Typografie nicht zusammen was zusammen geschn&#252;rt wird. Manche Provinzb&#252;hne gibt sich mehr M&#252;he bei der Besetzung einer Kom&#246;die als ein Gro&#223;unternehmen bei der Wahl seiner Haus- oder Kampagnensschrift. Konsequenz: Die Zuschauer schauen weg, bzw. blenden misslungene typografische Inszenierungen einfach aus. Diese Abkehr l&#228;sst sich leider viel schwerer messen als ein unausgelastetes Theater.</p>
<p><img class="zentriert" title="bvr_heimat" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/bvr_heimat.jpg" alt="bvr_heimat" width="490" height="667" /></p>
<p>Die Imagekampagne der Volks- und Raiffeisenbanken wurde von der Berliner Agentur <a href="http://www.heimat-berlin.com/" target="_blank">Heimat</a> im Mai 2009 auf die Schienen gesetzt (kreative Leitung: <em>Matthias von Bechtolsheim</em> und <em>Guido Heffels</em>). Inzwischen existieren &#252;ber 80 Bild/Schrift-Motive, wobei sich die Zahl stets &#228;ndert, weil die regionalen Banken – das sind 1200 eigenst&#228;ndige Institute – selbst eigene Motive nach dem Layoutrahmen der Agentur mixen. Um typografische Beliebigkeit zu vermeiden, sehen die CD-Richtlinien f&#252;r eigenproduzierte Motive als Fallback die hauseigene Frutiger VR vor.</p>
<p>Die inzwischen mehrfach preisgekr&#246;nte Kampagne (Horizont, New Business, ADC)  ist ein verst&#228;ndliches Beispiel daf&#252;r, wie Schrift schauspielt. Selbstverst&#228;ndlich darf sie nicht als Empfehlung missverstanden werden, eine Serie von Anzeigenmotiven mit 3 Dutzend verschiedener Schriften aufzusetzen. Es ist Teil des Konzepts der VR-Kampagne, diesen Weg zu beschreiten … kopieren zwecklos!</p>
<p>In dem ein oder anderem Fall h&#228;tte ich mir eine weniger naheliegende daf&#252;r aber raffiniertere Schriftwahl gew&#252;nscht (nicht immer Veronica Ferres oder Heino Ferch), auch auf die Anf&#252;hrungszeichen h&#228;tte ich verzichtet … doch das sind <em>Peanuts</em>, um mal im Bankenjargon zu bleiben. Die Kampagne hat hohe Qualit&#228;t.</p>
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		<title>Die neue FF Yoga: eine Schrift f&#252;r M&#228;dchen? Interview!</title>
		<link>http://www.fontblog.de/die-neue-ff-yoga-spannung-balance-elastizitaet</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/die-neue-ff-yoga-spannung-balance-elastizitaet#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 13 Jan 2010 15:32:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview mit dem Schriftentwerfer Xavier Dupré Die neue Schriftfamilie FF Yoga von Xavier Dupré wurde schon bejubelt, bevor sie erschienen war. Einige vorab ver&#246;ffentlichte Buchstaben und Musters&#228;tze reichten aus, um Schriftexpert(inn)en in Entz&#252;cken zu versetzen. Zum Beispiel Indra Kupferschmid: »Heute habe ich meine neue typografische Liebe gefunden – eine Schrift f&#252;r M&#228;dchen?«. FF Yoga ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="yoga_schriftmuster" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/yoga_schriftmuster.jpg" alt="yoga_schriftmuster" width="490" height="269" /></p>
<p><strong>Interview mit dem Schriftentwerfer Xavier Dupré</strong></p>
<p>Die neue Schriftfamilie FF Yoga von <em>Xavier Dupré</em> wurde schon bejubelt, bevor sie erschienen war. Einige vorab ver&#246;ffentlichte Buchstaben und Musters&#228;tze reichten aus, um Schriftexpert(inn)en in Entz&#252;cken zu versetzen. Zum Beispiel <a href="http://twitter.com/kupfers/status/6668081084" target="_blank">Indra Kupferschmid</a>: »Heute habe ich meine neue typografische Liebe gefunden – eine Schrift f&#252;r M&#228;dchen?«.</p>
<p>FF Yoga ist eine Schriftsippe, bestehend aus je 4 Schnitten Sans und 4 analogen Schnitten Serif. Interessant ist ihre Entstehungsgeschichte. Während vergleichbare Konzepte meist mit einer fertigen Serif-Familie beginnen, aus der eine Sans abgeleitet wird (z. B. FF Scala, FF Quadraat, &#8230;), entwickelte Dupré beide Varianten parallel. Warum diese Vorgehensweise f&#252;r ihn besser funktioniert und wieso das Endergebnis anders wird, erklärte mir Xavier Dupré in einem Interview, das ich f&#252;r das Magazin Design Made in Germany f&#252;hrt. Dort liegt das Interview auch in gestalteter Form als <a href="http://www.designmadeingermany.de/magazin/pdf/dmig3_yoga-story.pdf" target="_blank">PDF</a> (10 S., 1,5 MB) laden, nat&#252;rlich gesezt aus FF Yoga.<br />
––––––––––––––––––––––––––––––––<br />
<strong>„Der Körper eines Buchstabens ist mit dem eines Menschens vergleichbar — und beide interessieren mich brennend.“</strong> (Xavier Dupré)</p>
<p><a href="http://www.designmadeingermany.de/magazin/pdf/dmig3_yoga-story.pdf" target="_blank"><img class="rechts" title="yoga_spannung" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/yoga_spannung.jpg" alt="yoga_spannung" width="160" height="226" /></a><em><strong>Fontblog: Wann und mit welcher Intention hast du die Schrift Yoga entworfen?</strong></em></p>
<p>Xavier Dupré: Meine Arbeit an Yoga begann vor rund zwei Jahren mit dem Ziel, eine nüchterne und vielseitige Schriftfamilie zu entwerfen, die Originalität und Balance verbindet. Sie sollte noch besser für Mengentexte geeignet sein als meine <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=malaga" target="_blank">Malaga</a>, jedoch gleicherma&#223;en ausdrucksstark, dank kräftiger Serifen und raffiniertem Kontrast.</p>
<p><em><strong>Was inspirierte dich zu Yoga?</strong></em></p>
<p>Mein gesamtes Schaffen ist vom humanistischen Stil beeinflusst, also vor allem vom holländischen und zeitgenössischen amerikanischen Typedesign. Und natürlich schwingt immer meine Leidenschaft für die Kalligrafie mit. Bei FF Yoga haben mich wahrscheinlich Gerard Ungers und Fred Smeijers’ Arbeiten am meisten beeinflusst.</p>
<p><strong><em>Was bedeutet es, eine Sans und eine Serif parallel zu entwickeln?</em></strong></p>
<p>Für mich ist es einfacher und interessanter, beide gemeinsam zu entwerfen, weil ich ständig umschalten kann zwischen Sans und Serif. Wenn ein Baustein im einen oder anderen Fall nicht funktioniert, kann ich ihn gleich über Bord werfen. So habe ich immer einen Überblick über das gesamte Werk.</p>
<p><strong><em>Worin siehst du die Stärke der FF-Yoga-Familie?</em></strong></p>
<p>Die Stärke der Familie ist ihre ausgezeichnete Lesbarkeit, gepaart mit kuriosen Details, die ihr Persönlichkeit geben. Die Sans hat ein recht lineares Design, vergleichbar einer Gill Sans. Doch in Kombination mit der Serif ergibt sich ein Spannungsbogen zwischen neutral und persönlich. Die kräftigen Serifen helfen beim Lesen kleinerer Texte und verleihen dem Schriftbild einen Bleisatzeffekt.</p>
<p><strong><em>Planst du Erweiterungen für die Sippe?</em></strong></p>
<p>Ja. Meine ursprüngliche Idee war die Ent- wicklung eines Schriftsystems für alle Anfor- derungen. Ich habe bereits mit dem Entwerfen optischer Grö&#223;envarianten für die Yoga Serif begonnen und mit Display-Fassungen der Yoga Sans. Aber ich brauche noch Zeit. Au&#223;er- dem arbeite ich parallel an zu vielen anderen Schriftfamilien.</p>
<p><em><strong>Warum hast du die Schrift Yoga genannt?</strong></em></p>
<p>Ich kam auf den Namen, weil ich vor einem Jahr das Yoga in Indien kennengelernt habe und es noch heute jeden Morgen nach dem Aufstehen praktiziere. Yoga hilft, dem Körper Elastizität, Balance und Spannung zu geben, Eigenschaften, die ich auch beim Schriftdesign als wichtig erachte. Der Körper eines Buchstabens ist durchaus mit dem eines Menschens vergleichbar – und beide interessieren mich brennend.</p>
<p><strong><em>Vielen Dank.</em></strong></p>
<p><a href="http://www.fontshop.de/fontdetails.htm?fontProductPK=289058628249152&amp;referredFrom=cart_inc&amp;openNewTab=true&amp;itemsPerPage=15&amp;currentPage=0" target="_blank">FF Yoga Pro auf fontshop.de …</a></p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/YogaProSteckbrief.pdf"><img class="zentriert" title="yoga_pro_steckbrief" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/yoga_pro_steckbrief.jpg" alt="yoga_pro_steckbrief" width="490" height="389" /></a></p>
<p><em>Der Yoga-Steckbrief (PDF; klicken zur Vergr&#246;&#223;erung): Schriftmuster, Familien&#252;bersicht, OpenType-Feature-&#220;bersicht und Klassifizierung</em></p>
<p><a href="http://www.fontshop.de/image_detail.htm?imgcode=288679539296464&amp;referredFrom=cart_inc&amp;MovieClip=true&amp;openNewTab=true&amp;itemsPerPage=40&amp;referredPK=&amp;realm=&amp;agency=" target="_blank">SW-Foto: Matthieu Spohn (© PhotoAlto)</a></p>
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		<title>Bestenlisten 2009 von Fontwerk und Typefacts</title>
		<link>http://www.fontblog.de/bestenlisten-2009-von-fontwerk-und-typefacts</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 10:50:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die renommierten Font-Experten Ivo Gabrowitsch (Fontwerk) und Christoph Koeberlin (Typefacts) haben vor wenigen Minuten zeitgleich ihre beiden Schrift-Bestenlisten 2009 ver&#246;ffentlicht. Obwohl die zwei im richtigen (Arbeits-)Leben eng zusammenarbeiten, gibt es kaum &#220;berschneidungen, denn die LIsten entstanden nat&#252;rlich in ihrer Freizeit. Ivo hat mir verraten, dass er &#252;ber die Feiertage fast 2 Wochen in die Recherche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="zentriert" title="typefacts_fontwerk_header" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2010/01/typefacts_fontwerk_header.jpg" alt="typefacts_fontwerk_header" width="490" height="132" /></p>
<p>Die renommierten Font-Experten <em>Ivo Gabrowitsch</em> (Fontwerk) und <em>Christoph Koeberlin</em> (Typefacts) haben vor wenigen Minuten zeitgleich ihre beiden Schrift-Bestenlisten 2009 ver&#246;ffentlicht. Obwohl die zwei im richtigen (Arbeits-)Leben eng zusammenarbeiten, gibt es kaum &#220;berschneidungen, denn die LIsten entstanden nat&#252;rlich in ihrer Freizeit.</p>
<p>Ivo hat mir verraten, dass er &#252;ber die Feiertage fast 2 Wochen in die Recherche und die Bebilderung seines Rankings gesteckt hat. Er lie&#223; sich alle nominierten Fonts im Original zustellen und untersuchte sie mit der Akribie eines Warentesters. Am Ende entschied er sich f&#252;r 10 Gewinner, darunter Schriften von den <em>Typejockeys, B&#252;ro Dunst, Primetype, Typotheque</em> und <em>Phospho</em>. Sehr anregend!</p>
<p>Christoph Koeberlin steckte ebenfalls eine Menge in die Pr&#228;sentation seiner 12 Siegerschriften. Alle Abbildungen lassen sich mit der Flash-Lupe detektivisch genau untersuchen. Die Wahl fiel ihm nicht leicht, denn es war seiner Ansicht nach »ein sehr ergiebiges Jahr mit sehr vielen wunderbaren Schriften!« Am Ende entschied er sich unter anderem f&#252;r Sch&#246;nheiten von <em>Bold Monday, Linotype, Optimo, Enschedé, Restalten, Re-Type</em> und <em>HVD-Fonts</em>. Tolle Entdeckungen!</p>
<p>Mein unbedingter Lesetipp f&#252;r diese Woche:<br />
<a href="http://www.fontwerk.com/927/die-besten-schriften-2009/">Die besten Schriften 2009</a> von Fontwerk<br />
<a href="http://typefacts.com/news/die-besten-fonts-2009" target="_blank">Die besten Fonts 2009</a> von Typefacts:</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Aus der Zeitungsspalte ins Fontmen&#252;: FF Dagny</title>
		<link>http://www.fontblog.de/aus-der-zeitungsspalte-ins-fontmenue-ff-dagny</link>
		<comments>http://www.fontblog.de/aus-der-zeitungsspalte-ins-fontmenue-ff-dagny#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 09:08:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Peters</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 4. Teil und letzte unserer FontFont-Neuvorstellungen* widmet sich FF Dagny, die urspr&#252;nglich f&#252;r die gr&#246;&#223;te Schwedische Morgenzeitung Dagens Nyheter (»Nachrichten des Tages«) entwickelt wurde. Wie sie entstand, warum sie heute anders aussieht und wo es den kostenlosen OpenType-Probierfont FF Dagny Thin gibt &#8230; alles in diesem Beitrag. Seit ihrer Gr&#252;ndung ist die FontFont-Schriftenbibliothek nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/20090917_Nyheter_p1_gross.jpg" rel="lightbox[6131]"><img class="zentriert" title="Dagens Nyheter p 1 Sep 17th 2009" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/20090917_Nyheter_p1_klein.jpg" alt="Dagens Nyheter p 1 Sep. 17th 2009" width="490" height="340" /></a></p>
<p>Der 4. Teil und letzte unserer <strong><em>FontFont</em></strong>-Neuvorstellungen* widmet sich <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=dagny">FF Dagny</a>, die urspr&#252;nglich f&#252;r die gr&#246;&#223;te Schwedische Morgenzeitung <strong><a href="http://www.dn.se/">Dagens Nyheter</a></strong> (»Nachrichten des Tages«) entwickelt wurde. Wie sie entstand, warum sie heute anders aussieht und wo es den <strong>kostenlosen OpenType-Probierfont </strong><em>FF Dagny Thin</em> gibt &#8230; alles in diesem Beitrag.<br />
<span id="more-6131"></span><br />
Seit ihrer Gr&#252;ndung ist die <strong>FontFont</strong>-Schriftenbibliothek nicht nur darum bem&#252;ht, die <em>Sch&#246;pfer</em> der Neuver&#246;ffentlichungen vorzustellen, auch die Designkonzepte vieler FontFonts werden in Brosch&#252;ren, auf Webseiten und in B&#252;chern erz&#228;hlt – seit einiger Zeit auch im <a href="http://fontfeed.com">FontFeed</a> und hier im Fontblog. Seit 2007 gibt es die <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/FF_OTF_user_guide.pdf">FontFont-OpenType-Benutzerbrosch&#252;re</a> (PDF, 58 S., 720 K) mit einer allgemeinen Einf&#252;hrung in die OpenType-Technik sowie der FontFont-Philosophie zur Unterst&#252;tzung von OT-Features und Fremdsprachen. Sie geh&#246;rt genauso zum Lieferumfang wie die Font-spezifische Infobrosch&#252;re, in der Schriftmuster sowie Design- und technische Informationen zu finden sind (Beispiel: <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/DagnyPro1.pdf">FF-Dagny-Infobrosch&#252;re</a>, PDF, 12 S., 220 K). Ganz neu sind die <strong>FontFont-Steckbriefe</strong> (Abbildung unten), das sind einseitige designbezogene Informationen mit gestaltetem Schriftmuster. Auch zur FF Dagny gibt es eine solche Karteikarte: <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/Steckbrief_FF_Dagny.pdf">FF-Dagny-Steckbrief</a> (PDF, 1 S., 250 K). Weitere Steckbriefe: Am Ende dieses Beitrags*.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/Steckbrief_FF_Dagny.pdf"><img class="zentriert" title="ff_dagny_steckbrief" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/ff_dagny_steckbrief.jpg" alt="ff_dagny_steckbrief" width="490" height="390" /></a></p>
<p>Die Geburtsstunde der <em>FF Dagny</em> geht zur&#252;ck ins Jahr 2002, als sich <em>Dagens Nyheter</em> dazu entschloss, vom Nordischen Format zum kleineren Tabloid-Format zu wechseln. Die liberale »DN« wurde 1864 von <em>Rudolf Wall</em> mit der Unterst&#252;tzung des Verlegers <em>Albert Bonnier</em> gegr&#252;ndet und ist noch heute Eigentum der Medien-Familie Bonnier.</p>
<p>Die Verkleinerung des Layouts, betreut von <a href="http://www.barkdesign.se/">Bark Design</a>, hatte unmittelbare Folgen f&#252;r die Redakteure, das Rektorat und die Typografie. Nur zwei Jahre zuvor erlebte DN das letzte Redesign, betreut von dem erfahrenen <em>Mario R. García</em> (<a href="http://garciamedia.com/">García Media</a>) – Besucher der <strong>TYPO-Konferenz</strong> kennen ihn als charmanten Redner. Bei diesem Projekt lernte García auch den schwedischen Schriftentwerfer <em>&#214;rjan Nordling</em> kennen, Kreativdirektor von <a href="http://www.pangeadesign.se/">Pangea Design</a> in Stockholm, der bereits seit 1996 f&#252;r Dagens Nyheter arbeitete. Nachdem sie die Aufgaben f&#252;r eine neue, robuste Zeitungsschrift definiert hatten, schuf Nordling 1999 die DN Bodoni, exklusiv f&#252;r die Stockholmer Zeitung.</p>
<p>Auch 2002 wurde Pangea in das Redesign f&#252;r das Tabloid-Format eingebunden. Die neue kompakte Gestaltung erforderte eine robuste, platzsparende Schrift, sicherlich eine Sansserif – der Ansto&#223; f&#252;r die Entwicklung der <em>DN Grotesk</em>.</p>
<p><img class="zentriert" title="ff-dagny_design_team" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/ff-dagny_design_team.jpg" alt="ff-dagny_design_team" width="490" height="347" /><em> </em></p>
<p><em>Das Pangea-Design-Team mit &#214;rjan Nordling (links) und G&#246;ran S&#246;derstr&#246;m (Mitte) pr&#252;ft mit Fredrik Anderson (Dagens Nyheter) erste Probedrucke von DN Grotesk</em></p>
<p>Die Verwendung serifenloser Schriften auf den Seiten von Dagens Nyheter hat in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich zugenommen. Meist war es die <em>Akzidenz Grotesk</em>, zun&#228;chst  in Verbindung mit<em> Bauer Bodoni</em> (bis 1996), danach <em>Berthold Bodoni</em> (1997–2000) und sp&#228;ter die hauseigene <em>DN Bodoni</em>. Die <em>DN Grotesk</em>, deren Mittell&#228;nge mit der von DN Bodoni &#252;bereinstimmt, wird bis heute f&#252;r &#220;berschriften, Sublines und Introtexte eingesetzt. Verantwortlich f&#252;r den Ausbau der Familie waren zwei Designer, n&#228;mlich <em>&#214;rjan Nordling</em> und <em>G&#246;ran S&#246;derstr&#246;m</em>.</p>
<p>&#214;rjan N&#246;rdling, geboren 1958, studierte zun&#228;chst an der <em>»Konstfack«</em> in Stockholm, danach an der Schule f&#252;r Gestaltung Basel (1983–85). Nach der Gr&#252;ndung von Pangea Design spezialisierte er sich auf die Entwicklung von Corporate Schriften. 2004 erhielt er den Berling Preis f&#252;r seine <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=Berling%20Nova"><em>Berling Nova</em></a>. G&#246;ran S&#246;derstr&#246;m, geboren 1974, ist Schriftentwerfer (Autodidakt) und Font-Entwickler. Seit 2007 arbeitete er bei Pangea Design. Den gr&#246;&#223;ten Teil seiner Freizeit verbringt er mit dem Entwerfen eigener Schriften (zum Beispiel die kuriose Metall-Script <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=Flieger%20Pro">Flieger Pro</a>).</p>
<p><img class="zentriert" title="ff_dagny_inspirations" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/ff_dagny_inspirations.jpg" alt="ff_dagny_inspirations" width="490" height="333" /></p>
<p><em><strong>Links:</strong> Specimen Book, Printing Types H.W. Caslon &amp; Co., Ltd, London, 1902: Doric No. 6 60 pt, 48 pt, 42 pt, 36 pt, 30 pt; <strong>Rechts:</strong> Wilhelm Woellmer’s Schriftgie&#223;erei, Berlin, 1926: Halbfette Consul 1, klassische Form No 1788 – No 1799</em></p>
<p>Die Wurzeln der FF Dagny reichen freilich weiter zur&#252;ck als ins Jahr 2002. Tats&#228;chlich ist sie von Schriftproben aus den 1920er Jahren beeinflusst, unter anderem von den Gie&#223;ereien <em>Caslon and Son</em>, <em>Wilhelm Woellmer</em> und Proben aus der Dagens-Nyheter-Hausdruckerei. Das Design-Team wollte eine Schrift mit st&#228;rkerem Kontrast, dynamischeren Konturen und eine gro&#223;en Mittell&#228;nge. <em>Doric Grotesk</em> brachte alle diese Eigenschaften mit sich. Sie kam einst bei der britischen Gie&#223;erei<em> Stephenson Blake</em> heraus und basierte auf einer fr&#252;hen Sansserif von <em>William Caslon IV</em>, der 1816 zum ersten mal serifenlose Buchstabenformen zu Schriftfamilien ausbaute. Mit ihren kr&#228;ftigen, fast fetten Versalien, einheitlich spationierten Gemeinen und der gro&#223;er Mittell&#228;nge ist die Schrift ideal f&#252;r widrige Druckbedingungen und klein gesetzte Texte, zum Beispiel Kleinanzeigen in Tageszeitungen.</p>
<p>Eine andere Inspirationsquelle war <em>Consul Grotesk</em> der Gie&#223;erei Woellmer, die – gemeinsam mit anderen deutschen Schriften – gerne in schwedischen Verlagen eingesetzt wurde. Die Schrift lieferte einige Ideen f&#252;r Details, mit der die neue DN-Sansserif eigenst&#228;ndig und unverwechselbar werden konnte, zum Beispiel das kleine f mit seiner zur&#252;ckgelehnten Bogen, die charakteristischen g und b sowie die »kursivischen« An- und Abstriche bei a, c, e und s.</p>
<p><img class="zentriert" title="ff_dagny_first_sketch" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/ff_dagny_first_sketch.jpg" alt="ff_dagny_first_sketch" width="490" height="255" /></p>
<p><em>Erste Bleistiftzeichnungen der DN Grotesk, sp&#228;ter FF Dagny, dienten dazu, die Design-Richtung der Schrift festzulegen. Das f mit dem gekr&#252;mmten R&#252;cken ist schon dabei, wie auch der »kursivische« Anstrich beim a und das charakteristische hochstehende g.</em></p>
<p><em><img class="zentriert" title="ff_dagny_sketch3" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/ff_dagny_sketch3.jpg" alt="ff_dagny_sketch3" width="490" height="343" /><br />
</em></p>
<p><em>Ein erster Probesatz der DN Grotesk mit Anmerkungen und Korrekturvorschl&#228;gen<br />
</em></p>
<p><img class="zentriert" title="ff_dagny_sketch4" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/ff_dagny_sketch4.jpg" alt="ff_dagny_sketch4" width="490" height="466" /></p>
<p><em>Ungez&#228;hlte Verbesserungsvorschl&#228;ge auf einem Korrekturbogen w&#228;hrend der Entwicklung der DN Grotesk</em></p>
<p><img class="zentriert" title="dn_grotesk_full_suite" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/dn_grotesk_full_suite.jpg" alt="dn_grotesk_full_suite" width="490" height="300" /></p>
<p><em>Die gesamte DN-Grotesk-Familie des Jahres 2002 im &#220;berblick</em></p>
<p>Am Ende flossen verschiedene Ideen aller historischer Vorlagen in die Entwicklung der DN Grotesk ein. Dabei ist es &#214;rjan Nordling und G&#246;ran S&#246;derstr&#246;m gelungen, eine harmonische Familie aufzubauen. Ein besonderes Merkmal der DN Grotesk ist die gro&#223;e Mittell&#228;nge, die rund 10 % &#252;ber der von Akzidenz Grotesk liegt. Sie garantiert, dass die Schrift auch in kleinen Graden gro&#223; wirkt und gut lesbar bleibt. In der allgemeinen Anmutung ergibt sich eine leicht-schmale Schrift mit offenen Buchstabenformen. Auch die Ober- und Unterl&#228;ngen sind knapp bemessen, so dass die Zeilen enger gesetzt werden k&#246;nnen. Die kursiven Schnitte – eigentlich nur schr&#228;g gestellt Grundformen – wurden selten in Dagens Nyheter eingesetzt.</p>
<p><img class="zentriert" title="dn_grotesk_ff_dagny_comparison" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/09/dn_grotesk_ff_dagny_comparison.jpg" alt="dn_grotesk_ff_dagny_comparison" width="490" height="614" /></p>
<p>Damit die ungew&#246;hnliche Sansserif ihren Platz in der FontFont-Bibliothek finden konnte, unternahmen die Entwerfer einige &#196;nderungen und Erweiterungen. Zun&#228;chst entfernten sie Ungereimtheiten in den Buchstabenformen, die sich &#252;ber mehrere Schnitte erstreckten. Dies r&#252;hrte daher, dass DN Grotesk nicht in einem Aufwasch entstanden war. Zun&#228;chst zeichneten Nordling und S&#246;derstr&#246;m nur der Heavy-Schnitt f&#252;r den Sportteil von DN. Erst sp&#228;ter arbeiteten sich die beiden »r&#252;ckw&#228;rts« an die leichteren Schnitte von <em>Bold</em> bis <em>Thin</em> heran, was keine leichte Aufgabe ist.</p>
<p>F&#252;r die <em>FF Dagny</em> wurde die Strichst&#228;rkenabstufung korrigiert und die Kontraste in den einzelnen Schnitten verringert, so dass sie nicht nur als Headline-Schrift sondern auch als Textschrift einsetzbar ist. Viele Buchstaben wurden in Absprache mit dem FontFont-Tech-Department &#252;berarbeitet oder korrigiert. Die Kursive ist nun eine <em>echte</em> Kursive, die sich erstmals &#252;ber alle Strichst&#228;rken erstreckt. Schlie&#223;lich wurde die Schrift technisch so ausgestattet, dass sie nicht nur auf Papier sondern auch am Bildschirm gut aussieht (Hinting).</p>
<p>Schon kurz nach ihrer Vorstellung vor 3 Wochen verzauberte FF Dagny die ersten Kenner. Yves Peters sieht in der Familie eine Br&#252;cke zwischen dem Grotesque-Stil (z. B. Akzidenz Grotesk) und den amerikanischen Gothics (z. B. Franklin Gothic). Er schrieb im Fontfeed: »Ihr Design begann als Grotesque und sie weist viele typische Eigenschaften dieser Schriftklasse auf, was man bei den Buchstaben a, c, e und s gut sehen kann. Das kaufm&#228;nnische &amp; erinnert mich total an News Gothic/Benton Sans. Die Ziffern scheinen von Franklin Gothic beeinflusst. Die nostalgischen Details wie das gekr&#252;mmte f und die dorischen Q und R stellen einerseits einen Bezug zu den historischen Vorbildern dar, auf der anderen Seite geben sie der Schrift – im Kontext – eine zeitgem&#228;&#223;e Designnote. FF Dagny ist eine Cross-over-Sans, die sicherlich neue typografische Wege &#246;ffnet.«</p>
<p>Zur Namensgebung: Dagny steht einerseits als Abk&#252;rzung f&#252;r Dagens Nyheter, ist aber auch ein alter nordischer weiblicher Vorname, der als »neuer Tag« &#252;bersetzt werden kann.</p>
<p>Wen es nun juckt, die gut ausgebaute Dagny OpenType mit dem kompletten Zeichenvorrat selbst zu testen, sollte sich den kostenlosen Probierfont <strong>FF Dagny™ Thin</strong> von der <a href="http://www.fontshop.de/Schaufenster/Bereich/Schriften/kostenloser%20Probierfont/FF%20Dagny">FontShop-Probierfont-Seite</a> laden.</p>
<p>Zum <strong>Kennenlernen aller Dagny-Schnitte</strong> einfach unsere Flash-Schreibmaschine unten stehenden Fenster benutzen … eigenen Text eingeben, die Dagny-Schnitte beliebig wechseln und die Schriftgr&#246;&#223;e nach Wunsch &#228;ndern:</p>
<p><object width="490" height="350"><param value="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/ff-dagny.swf" name="movie" /><embed width="490" height="350" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/ff-dagny.swf?inputtext=Hallo, ich bin FF Dagny – schreib mit mir und meinen Schwestern ... [eingeschr&#228;nkter Zeichensatz] |"></embed></object></p>
<p>*siehe auch:<a href="http://www.fontblog.de/kaffeesahne-von-yanone-die-neue-ff-kava"><br />
Die neue FF Kava</a> und hier den <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/Steckbrief_FF_Kava.pdf">Kava-Steckbrief downloaden …</a><br />
<a href="http://www.fontblog.de/mein-buchstabenkarussell-dreht-groessere-runden">Martin Wenzel &#252;ber seine FF Duper</a> und hier den <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/Steckbrief_FF_Duper.pdf">Duper-Steckbrief downloaden …</a><br />
<a href="http://www.fontblog.de/wie-die-neue-unit-slab-schriftfamilie-entstand">Wie Unit-Slab entstand</a> und hier den <a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/2009/Steckbrief_FF_Unit_Slab.pdf">Unit-Slab-Steckbrief downloaden</a> …</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.fontblog.de/aus-der-zeitungsspalte-ins-fontmenue-ff-dagny/feed</wfw:commentRss>
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		<title>Wie die neue Unit-Slab-Schriftfamilie entstand</title>
		<link>http://www.fontblog.de/wie-die-neue-unit-slab-schriftfamilie-entstand</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 10:32:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Siebert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schriftgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Achtung, dies ist nur ein raffiniertes Unit-Slab-Schriftmuster im Schablonen-Look (klicken zum Vergr&#246;&#223;ern), entworfen von Alexander Roth bei FSI, &#8230; tats&#228;chlich ist eine echte Unit Slab Stencil weder lieferbar, noch entworfen Gestern erschien die neue Spiekermann/Schwartz/Sowersby-Schriftfamilie FF Unit Slab im FontShop. Zur schnellen Orientierung stelle ich einfach mal die Frage: Wie ist sie einzuordnen? Ihre Entwerfer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_aufmacher_gross.gif" rel="lightbox[5697]"><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_aufmacher_klein.jpg" alt="" /></a></p>
<p><em>Achtung, dies ist nur ein raffiniertes Unit-Slab-Schriftmuster im Schablonen-Look</em><em> (klicken zum Vergr&#246;&#223;ern)</em><em>, entworfen von Alexander Roth bei FSI, &#8230; tats&#228;chlich ist eine echte <strong>Unit Slab Stencil</strong> weder lieferbar, noch entworfen</em></p>
<p>Gestern erschien die neue <em>Spiekermann/Schwartz/Sowersby</em>-Schriftfamilie FF <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=Unit%20Slab"><strong>Unit Slab</strong> im FontShop</a>. Zur schnellen Orientierung stelle ich einfach mal die Frage: <em>Wie ist sie einzuordnen?</em> Ihre Entwerfer formulieren die Verwandtschaft so: »Wenn FF Unit die gro&#223;e Schwester von FF Meta ist, dann sind Unit Slab und Meta Serif Gro&#223;cousinen.« W&#228;hrend Meta Serif die spleenigen Windungen des Sans-Originals aufgreift, sind die Endstriche der Unit Slab kraftvoll und selbstbewusst angelegt. Das stabile, n&#252;chterne Auftreten der Grundform ruft nach einem massiven Serifenmodell. Zum Teil erinnert das Ergebnis an Schreibmaschinentypen der 50er und 60er Jahre, speziell jene Formen, deren linke Serifenh&#228;lfte aus Platzmangel amputiert wurde.</p>
<p><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_slab_abb_1.gif" alt="" /></p>
<p>Ihre Vorpremiere feierte Unit Slab bereits im Fr&#252;hjahr 2009, als Hausschrift des frisch gegr&#252;ndeten Designunternehmens Edenspiekermann (<a href="http://www.edenspiekermann.com/de/">Startseite</a>, mit Unit Slab im Einsatz). Doch die Entwicklung der Schriftfamilie begann bereits vor mehr als 2 Jahren.</p>
<p>Als <em>Erik Spiekermann</em> und <em>Christian Schwartz</em> mit dem Entwurf von Meta Serif begannen, spielten sie bereits mit Ideen f&#252;r eine Unit Slab, die entweder parallel oder kurz nach der Ver&#246;ffentlichung von Meta Serif begonnen werden sollte. Weil FF Meta und FF Unit so viele Gemeinsamkeiten haben, lag es n&#228;mlich nahe, die beiden Serif-Versionen der Basisschriften so anzulegen, das sie sowohl mit der einen als auch der anderen Sans harmonieren k&#246;nnten.</p>
<p>Meta, die starke humanistische Z&#252;ge aufweist, musste zu einer traditionellen Antiqua f&#252;hren, w&#228;hrend Unit die perfekte Ausgangsbasis f&#252;r eine Egyptienne (Slab Serif) in sich tr&#228;gt, zumal das i und das j mit ihren Halbserifen bereits die Anlagen in sich trugen. Mit diesem Background machten sich <em>Kris Sowersby</em> und <em>Christian Schwartz</em> daran, die ersten Serif-Testw&#246;rter f&#252;r beide Schriftsippen parallel auszuarbeiten. Unit Slab war bereits halbfertig, als Meta Serif im November 2007 herauskam. Dann begann die Feinarbeit.</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_slab_abb_2_gross.gif" rel="lightbox[5697]"><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_slab_abb_2.gif" alt="" /></a></p>
<p>Der folgende Protokollausschnitt vermittelt eine Vorstellung des Abstimmungsprozesses zur kursive Version der Unit Slab:</p>
<p><em>1. Sogar das f scheint bei dieser Strichst&#228;rke etwas zu ›schwer‹ am Kopf.<br />
2. Bogenform: siehe Sans Italic.<br />
3. Gr&#246;&#223;erer Winkel bei Thin, Black, Ultra oder weniger bei Regular. Ich bevorzuge Black &amp; Ultra, glaube aber, dass sie etwas extrem sind. Lass sie etwas &#252;berh&#228;ngen und verringere den Winkel an diesem Zeichen – oder mach etwas, was f&#252;r dich am besten aussieht.<br />
4. Etwas weicher und am Ende ein bisschen mehr hochziehen. Ich m&#246;chte den Winkel eher auf dieser Seite der Innenform sp&#252;ren.<br />
5. Schau Dir die Alternates in den .vfb-Dateien an und wende es auf alle Strichst&#228;rken an. Und: Wenn du in der Roman keinen Schnabel hast, warum in der Italic?<br />
6. Siehe Sans Italic.<br />
7. Den Bogen etwas tiefer? Siehe Sans Italic.</em></p>
<p>Und so sehen die Testw&#246;rter heute aus, gesetzt aus <em>Unit Slab Light Italic</em> und <em>Unit Slab Regular Italic</em> (klicken zum Vergr&#246;&#223;ern):</p>
<p><a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_slab_abb_3_gross.gif" rel="lightbox[5697]"><img class="zentriert" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/Unit_slab_abb_3.gif" alt="" /></a></p>
<p>Die Arbeit an Unit-Slab dauerte schlie&#223;lich fast 3 Jahre, nicht zuletzt, weil sie – neben ihren 7 Strichst&#228;rken (Thin, Light, Regular, Medium, Bold, Black, Ultra) plus 7 Kursive plus 7 Small Caps – zu einem exquisiten OpenType-Familie ausgebaut wurde, mit breiter Sprachunterst&#252;tzung (OT Pro) und Features wie: Ligaturen, historische Formen, Kapit&#228;lchen, Kapit&#228;lchen aus Versalien, kontextbedingte Varianten, Versalspationierung, Versalziffern, Proportionalziffern, Tabellenziffern, Br&#252;che, Z&#228;hler, Nenner, Ordnungszahlen, wissenschaftliche Tiefstellung, Hochstellung, Tiefstellung sowie einem Dutzend stilistischer Varianten.</p>
<p><img class="rechts" src="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/cover_unit_slab_brosch.gif" alt="" /> Das gesamte Leistungsspektrum der Schrift sowie ihre Entstehungsgeschichte, dazu ungez&#228;hlte Schriftmuster und Hintergrundinfos liefert das von FSI konzipierte und gestaltete 28-seitige Schriftmuster-PDF <strong><em>FF Unit Slab</em></strong> (<a href="http://www.fontblog.de/wp-content/uploads/ff_unit_slab_schriftmuster.pdf">PDF, 28 S, 4,5 MB</a>).</p>
<p>Die Korrekturen und Diskussionen &#252;ber das Aussehen der Schrift sind auf 4 Seiten dokumentiert. Eine Doppelseite widmet sich ausf&#252;hrlich den Kombinationsm&#246;glichkeiten von Unit Slab mit der Meta- und der Unit-Sippe. Fazit: Unit Slab wirkt &#252;berzeugend stark in Headlines (Pr&#228;sentationen, Corporate Design, Editorial, Packaging, &#8230;) und eignet sich bestens als Auszeichnungsschrift in Texten gesetzt aus FF Meta, FF Unit und sogar FF Meta Serif (hier zum Beispiel als kontrastreiche, robuste Kursive). Auf weiteren 3 Seiten kommen die OpenType-Features der Schrift zur Sprache, dargestellt mit anschaulichen Beispielen. Den Abschluss der Brosch&#252;re bilden Informationen &#252;ber den Sprachausbau, von Afrikaans bis Yiddish.</p>
<p>Die Flexibilit&#228;t der FF Unit Slab dr&#252;ckt sich auch in der <em>Vielfalt der Produkte</em> im FontShop aus: 21 Pakete bieten sich an, schon heute – fast ma&#223;geschneidert – typografische Kommunikationsaufgaben zu l&#246;sen. Einzelschnitte gibt es ab 46,– €. Zur <a href="http://www.fontshop.de/Schriften/fontfamilylisting.htm?font.qsearch.keyword=Unit%20Slab">FF Unit Slab im FontShop &#8230;</a></p>
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