— Rote Karte —


Logo für Kunstschule gegen Besuch im Phantasialand

Die nordrhein-westfälische Stadt Brühl, zwischen Köln und Bonn gelegen, sucht ein Logo … für ihre Kunst- und Musikschule (KuMs). Zu diesem Zweck wendet sie sich nicht an ein Designbüro, sondern an ihre Bürger. Offensichtlich betrachtet die Stadt, in der Max Ernst geboren wurde, das Gestalten eines Logos und die damit zusammenhängenden Corporate-Design-Recherchen als Hobbysache. Das zeigt auch die in Aussicht gestellte Honorierung:

1. Preis: einen Musik- oder Kunstworkshop nach Wahl
2. Preis: zwei Eintrittskarten für das Phantasialand
3. Preis: zwei Eintrittskarten für das städtische Schwimmbad

Damit nicht genug. Brühls Bürgermeister Michael Kreuzberg und der neue KuMs-Leiter Bernhard Löffler scheuen sich nicht, den zukünftigen Gewinner – ein Kind ihrer Stadt – in eine juristische Falle zu locken. Nicht genug, dass der Sieger sämtlicher Nutzungsrechte beraubt wird … sollte es urheberrechtliche Probleme mit dem neuen Logo geben, was sogar erfahrenen Gestaltern bisweilen passiert, »haftet der Teilnehmer/die Teilnehmerin für alle Schäden, welche der KuMs – Kunst- und Musikschule der Stadt Brühl hierdurch entstehen.« Nachzulesen im PDF mit dem Titel Ausschreibung Logo-Wettbewerb KuMs – Kunst- und Musikschule der Stadt Brühl.

Hände Weg von diesem Logo-Wettbewerb!

Peinliche ß-Schusseligkeit bei Dr. Schüßler Salze DHU

Vielleicht ist es einfach nur die gerechte Strafe dafür, wenn ein Firmenname ohne Not in Versalien geschrieben wird. Denn eigentlich hat Dr. Schüßler Salze DHU ein ordentliches, einprägsames Logo, gesetzt aus einer durchaus passenden Schreibschrift:

Doch seit einigen Wochen »glänzen DHU Schüßler-Salze in einem neuen Packungsdesign« (Schüßler über Schüßler). Und das im wahrsten Sinne des Wortes, »denn unter dem auffallend großen Logo verläuft eine elegante Goldlinie. Sofort wird klar: Es handelt sich um ein Qualitätsprodukt der DHU, und um die beliebtesten Schüßler-Salze Deutschlands.« Im auffallend großen Logo befindet sich jedoch ein peinlicher Schreibfehler, denn der in Versalien gesetzte Firmenname lautet SCHÜßLER, statt SCHÜSSLER. Sofort wird klar: Hier wurde geschlampt. So was kann fatale Folgen für das Vertrauen in die Marke haben.

Freunde des Versal-ß werden jetzt einwerfen: »Mit Eszett-Großbuchstaben wäre das nicht passiert.« Doch. Wer die Benutzung des gewöhnlichen ß nicht beherrscht, wird auch am Versal-ß scheitern.

Danke an Ben für die Entdeckung. In seinem Blog Typolution zeigt er mehr Bilder und beleuchtet auch die Rückseite der Dr-Schüßler-Tuben.

Warum Steve Jobs ein Kontrollfreak war …

… nein: Warum jeder visuell anspruchsvolle Mensch ein Kontrollfreak sein sollte … beweist der Schutzumschlag der deutschen Ausgabe von »Steve Jobs by Walter Isaacson« (oben links, rechts das britische Cover, das mit dem US-amerikanischen identisch ist). Wer sich ein bisschen mit den Verdiensten des kalifornischen Unternehmers auskennt – das könnte man bei einer Buchcover-Gestaltung voraussetzen, die sicherlich an einem Mac verrichtet wird –, sollte Jobs’ jahrzehntelange Vorliebe für die Schrift Helvetica kennen. Sie ist seit der Geburtsstunde des Apple Macintosh Bestandteil des Betriebssystems und die Display-Schrift des iPhones (seit iPhone 4 und iOS 4: Neue Helvetica).

Diese biografische Tatsache kümmert die Verantwortlichen bei C.Bertelsmann wenig, genau so wenig wie die Proportionen des Titelfotos, das vertikal gestaucht wurde, damit eine weitere Textzeile über dem Portrait Platz findet. Dass sich die Biografie eines Weltstars nicht selbst erklärt sondern in Deutschland mit einer zusätzlichen Zeile gekennzeichnet werden muss liegt möglicherweise am »niedrigen Bildungsstand« (Zitat Schlecker) der Kunden. Ach ja, und wieder einmal bestätigt sich meine These, dass gute Typografie schneller und billiger geht als schlechte.

OPETUTTGART: Das Logo mit dem Paukenschlag

Die Oper Stuttgart gehört zu den Staatstheater Stuttgart, eine Drei-Sparten-Spielstätte für Oper, Schauspiel und Ballett in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Bis zum 17. September baut die Oper Stuttgart an einem neuen Internet-Auftritt, ein neues Logo scheint jedoch bereits gefunden, wie mir heute ein Freund des Hauses schreibt, dem es beim Blick in den PDF-Spielplan unangenehm aufgefallen ist. »Die Entwerfer (und Auftraggeber!) scheinen der Meinung zu sein, Oper sei Lärm.« lautet das Fazit in seiner E-Mail.

Es stimmt einiges nicht, an diesem Logo, und wir können nur hoffen, dass es sich um einen Platzhalter handelt, eingefügt von einem Scherzbold.

Deutsche WM-Schweinebauch-Typografie

Für uns Typografen eigentlich nur von hinten interessant: Das DFB-Frauen-Trikot-Home-2011 (Foto: Wolfgang Kumm, dpa. Danke!)

Vorgestern habe ich mir im Fernsehen das Eröffnungsspiel der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ angesehen. Es war eine Quälerei für meine Augen … nicht wegen des Spiels der beiden Mannschaften, das hat mich richtig begeistert, wie 14 Millionen andere Zuschauer in Deutschland offensichtlich auch, sondern wegen der Beschriftung des DFB-Frauen-Trikots.

Das Dress trägt im Kragen das stolze Zitat »Blüh im Glanze dieses Glückes« und wurde vor 100 Tagen von Adidas und dem Deutschen Fußball Bund in Frankfurt vorgestellt. Bei solchen Premieren werden die Hemden zwar mit Ziffern, aber meist ohne Namenszüge präsentiert, so dass es für die Begutachtung der Beschriftung keine Grundlage gibt. Wobei man im aktuellen Fall sowieso gedacht hätte, es handele sich um eine Skizze der Schneiderin, weil die endgütigen Ziffern zur Pressekonferenz nicht fertig geworden waren.

Die Fußball-WM hätte so schön werden können, und die deutschen Trikots ein Verkaufsschlager … zum Beispiel mit Unit Rounded Medium und Bold, der Einzelschnitt für 59 € … für den Trikothersteller eine zumutbare Investition

Nun, mit dem Start der WM, entfaltet die DFB-Trikot-Typografie ihr ganzes Elend. Wie Preisschilder auf dem Wochenmarkt sind unsere Fußballfrauen beschriftet, das Kilo Bartusiak 3 €, eine Steige Garefrekes 18 €, Angerer pro Stück 1 €. … die Medien- und Werbebranche spricht in dem Zusammenhang gerne von SchweinebauchdesignComic Sans lässt grüßen … doch leider ist die Schrift auf den Damen-Trikots nicht nur genauso ungeeignet wie Comic Sans, sie ist grottenschlecht gestaltet. Erschwerend hinzu kommt, dass die Versalschrift unfassbar stümperhaft gesetzt ist: Lena Goeßling trägt den Erstklässler-Fehler Nr. 1 auf dem Rücken, das gemeine ß mitten im Namen (GOEßLING), bei Spielerinnen wie Alexandra Popp und Birgit Prinz sind die Lettern handbreit gesperrt. Wer macht so was – ohne Not? Der Schuhwart?

Wie jubelten Adidas und der DFB damals bei der Vorstellung: »Die amtierenden Welt- und Europameisterinnen werden zum ersten Mal ein Jersey tragen, das von Frauen für Frauen entworfen wurde. Der leicht taillierte Schnitt und die runden und eleganten Rückennummern sorgen für ein feminines Design. Als Hingucker findet man im Kragen der Trikots die Zeile ›Blüh im Glanze dieses Glückes‹, die der deutschen Nationalhymne entstammt. … Das Heimtrikot ist traditionsgemäß weiß gehalten. Die Hosen sind schwarz.« Wenn diese Rückennumern »elegant« sind, dürfte man Willi Lippens ab sofort nicht mehr »Ente« nennen sondern »Schwan« … die Geschichte der 1. Bundesliga und die der Typografie müssten neu geschrieben werden.

Auch nicht schlecht, und typisch deutsch: die FF DIN Round, Medium und Bold … nicht gerade originell, aber solide und rund

Entworfen wurden die Trikots von der Designerin Annette Kres. Zu ihrer jüngsten Kreation erklärte sie: „Inspirieren ließ ich mich von den schnellen und dynamischen Bewegungen des Fußballs. Diese Eigenschaften sind in kleinen Designelementen im Trikot wieder zu finden.« Die 29-Jährige studierte Mode-Design in Trier, sie lebt in Fürth und arbeitet beim Sportartikel-Hersteller Adidas in Herzogenaurach. Unter ihrer Leitung entwickelte erstmals ein Designteam der Abteilung Frauenfitness das Trikot für die Damen-Auswahl.

Die authentische Filzstift-Schrift FF Duper, von Martin Wenzel, mit drei Varianten pro Buchstaben (siehe A und A) … aber gehört eine Edding-Schrift auf ein Fußball-Trikot? Eher weniger …

Seit dem Wochenende ist die Schrift der Damen-Nationalmannschaft auch im Internet ein Thema, zum Beispiel auf Twitter. Der Westen, das Portal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, schreibt: Schrifttyp auf den deutschen Trikots sorgt bei Frauen-WM für Häme. Was die Leser des Fontblog schon lange wissen, nämlich seit den letzten beiden Fußball-WMs 2006 und 2010, kann die Redakteurin des Westen nur bestätigen: »Die Kritik prallt an Adidas, dem Hersteller der Trikots, ab.« Welche Schrift die Designerin verwendet hat, wolle sie nicht verraten. Muss sie auch nicht, denn mein Blogger-Kollege Michael Preidel, freier Art-Direktor und Autor von Esse est percipi, hat das längst herausgefunden: Trikot-Typografie.

Ach wär’s wenigstens Comic Sans … (Eer hätte gedacht, dass ich mich auch nur einmal hier im Fontblog nach dieser Schrift sehne.)

Die Beschriftung der Trikots wurde mit einem lausigen Free Font namens Action Man zusammen gefummelt, den man zum Beispiel auf dieser Seite laden kann: http://www.iconian.com. Macht das ruhig mal und scheut euch mal die Fontdaten an. Bei den 10 Fonts handelt es sich um einen Grundschnitt, dessen Varianten ohne jegliche optische Korrektur automatisch generiert sind, also verschrägt (statt kursiviert), horizontal verzerrt (statt extended), maschinell gefettet und schattiert … eine abscheuliches Typomonster.

Der scheußliche Free-Font ›Action Man‹, mit dem die Trikots unserer Fußball-Frauen verunstaltet sind; ihr müsst die Namen in dieser Schrift übrigens in Kleinbuchstaben setzen, um die Original-DFB-Ästhetik zu erreichen

Ronald W. ist sauer auf uns Typografen

Im November letzten Jahres habe ich ihn (selbstverständlich scherzhaft) im Rahmen meiner Fontnäpfchen-Kolumne »Schriftverbrecher« genannt. Eben hat Ronald W. den Beitrag entdeckt und kommentiert: »Habt Ihr Vögel nichts anderes zu tun, als Euch über irgendeine Schrift aufzugeilen? An einem Werbeschild kann ich doch wohl mit der Schrift machen was ich will. Sucht Euch endlich Arbeit, vielleicht als Werbegrafiker, dann könnt Ihr auch mal sehen was man alles mit Schriften anstellen kann. Übrigens wurde es in Corel gemacht. Viel Spaß noch, Ihr Klugscheisser. Ronny.«

Eine Google-Suche führte mich dann zu Ronnys Firma Wisdesign, in Berlin-Neukölln. Zum Glück hat sie eine Website mit vielen schönen Beispielen ihrer Arbeit, und ich muss sagen: Da gibt es eine Menge zu entdecken, zum Beispiel Deppen-Apostrophe (Ossi´s Bistro), oder Deppen-Gänsefüßchen (Lecker-”Bäcker”), auch falsche Akzente und fehlende Bindestriche (Back und Stehcafè), darüber hinaus tolle Schatten- und Buchstabeneffekte. Dieses Corel will ich auch haben.

Schriftverbrecher

Vielleicht finden das manche schon wieder geil … gleich drei Schwerverbrechen an einer wunderbaren Schrift, gesehen heute morgen in Berlin Schöneberg, Bundesallee (vgl. Fontnäpfchen 19 auf Twitter):

  • falsche Schriftart (Bell Centennial für Kleingedrucktes)
  • mechanisch verschrägt
  • um über 50 % horizontal gestaucht

Es war gar nicht leicht für mich, diesen Mist zu verbocken. Erst in Word die Bell Centennial Bold Listing künstlich schräg gestellt, dass als PDF gespeichert, in Photoshop geöffnet und verzerrt. Die wunderbare Geschichte der Originalschrift, entworfen von Matthew Carter, ist auf 100besteschriften.de nachzulesen.

Schlechter lesbar = besseres Lernen?

Der Österreichischer Rundfunk (ORF) berichtet auf seiner News-Site von einer Studie an der psychologischen Fakultät der Universität Princeton, nach der wissenschaftliche Texte in einer mühsam zu lesenden Schrift um 14 Prozent erfolgreicher aufgenommen würden als mit einer gut lesbaren.

Lukas Zimmer, vom ORF erläutert: »Für ihre Tests verfassten die Psychologen fiktive Biologietexte über Außerirdische. Damit sollte ausgeschlossen werden, dass die Resultate durch Vorwissen der Versuchspersonen verfälscht werden. Eine Gruppe bekam die Texte in der Schriftart Arial, eine andere in den oft geschmähten Schriften Comic Sans und Bodoni. Die Tests … ergaben regelmäßig, dass die Gruppe mit den schlechter lesbaren Texten sich mehr gemerkt hatte, sogar wenn Schriften wie Haettenschweiler, Monotype Corsiva und Comic Sans Italicised zum Einsatz kamen.«

Der Leiter der Untersuchung, Prof. Daniel Oppenheimer, erklärt das Ergebnis mit der gesteigerten Mobilisierung des Geistes: »Wer sich beim Zuhören oder Lesen anstrengen muss, denkt intensiver, was sich auf allen Ebenen auswirkt.« Sein britischer Kollege Dylan Wiliam zweifelt nicht an den Ergebnis der Studie, zieht jedoch einen anderen Schluss: »Wir brauchen keine schlechte Druckqualität, sondern bewussteres Lesen«.

Ich zweifle an der Fähigkeit der Psychologen, eine gute lesbare von einer schlecht lesbaren Schrift zu unterscheiden. Im Sinne der Zeichenerkennung ist Comic Sans eine gute lesbare Schrift, verglichen mit Arial, was man in der Abbildung oben am ersten Wort gut beobachten kann. Im übrigen erinnert das kurz geschlossene Oppenheimer-Resüme an die Trainingsmethode Magath (die ebenfalls ein Märchen ist): Medizinball-Drill ergibt zwar kräftige Sportler, aber noch lange keine gute Fußballmannschaft.

Abb: Fontblog; Schriften, von oben nach unten: Arial, Haettenschweiler, Monotype Corsiva und Comic Sans Italicised

Das Wunder von Mittweida

Du bist Deutschland war eine kontrovers diskutierte, auf ein neues deutsches Nationalgefühl zielende Social-Marketing-Kampagne im Jahr 2005. Sie wurde von 25 Medienunternehmen ins Leben gerufen und von Bertelsmann koordiniert. Im Zentrum stand ein 2-minütiger TV-Spot, der auf fast allen großen TV-Kanälen lief (Musik: Alan Silvestri aus »Forrest Gump«). Die Kritik an der Kampagne reichte vom verunglückten Logo (schwarz-rot-goldener Schei…haufen), über die anbiedernde Duzerei bis hin zur Blutleere der beteiligten Prominenten.

Was die Kampagne nicht hin bekam, leistete ein halbes Jahr später die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Sie war alles andere als blutleer, dafür ehrlich, mitreißend und begeisterte Millionen. Zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg fand in Deutschland eine freiwillige flächendeckende Nationalbeflaggung statt – in Form von Autowimpeln, unverkrampft und augenzwinkernd.

Ganz und gar nicht unverkrampft geriet so manche Kopie der Du bist Deutschland-Kampagne. Dazu zähle ich sowohl die »Du bist Terrorist«-Aktion aus dem Jahr 2009, als auch das Mitarbeiter-Motivationsvideo »Du bist Audi« und das unfreiwillig komische »Du bist der Rettungsdienst«. Auch die Hochschule Mittweida ließ sich zu einer schlecht gemachten Kopie hinreißen. Dieser Fall ist umso tragischer, weil das Video an der Fakultät Medien entstand, unter Mitwirkung des Rektors Prof. Dr.-Ing. Lothar Otto, der Kanzlerin Dr. Sylvia Bäßler und vieler Angestellter. Ich kann nur hoffen, dass sie das Filmchen nie zur Abnahme vorgelegt bekamen und dass es – inzwischen als privat gekennzeichnet – nur gegen ihren Willen auf YouTube zu finden ist.

Hallo?! Hamburg ist jetzt Designmetropole!

Heute erfuhr ich zum ersten Mal von der Webseite hamburgunddesign, initiiert von der Behörde für Kultur, Sport und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg. Warum hat mich keiner meiner langjährigen Hamburger Freunde auf diese Site aufmerksam gemacht? PAGE, zum Beispiel, oder Factor Design, oder Peter Schmidt Group, Einsatz?

Angeblich repräsentiert dieser Internetauftritt 2200 Hamburger Designer und Designbüros. Könnte bitte mal eines dieser 2200 Büros von der Behörde beauftragt werden, die Website gestalterisch auf professionelles Niveau zu bringen! Wenn nicht, erwarte ich wenigstens, dass die Hälfte der 2200 Designer und Designbüros der Hansestadt das Abschalten dieser Site fordert – wegen Rufschädigung.

Als Kommentare wünsche ich mir – zwecks Orientierung für die Behörde – entweder Links zu gut gestalteten Hamburger Sites oder zu Sites designed in Hamburg.

Wie Europa seine Designer aushungert …

Das European Institute for Gender Equality (EIGE, Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen) sitzt in Vilnius, der Hauptsadt Litauens, und wurde 2007 von der Europäischen Union ins Leben gerufen. Ausgestattet mit einem Etat von 52,5 Mio. € für den Zeitraum von 2007 bis 2013 soll die »Agentur« (!) EU-Einrichtungen und die Mitgliedsstaaten dabei unterstützen, für die Gleichheit von Frau und Mann zu werben und geschlechtliche Diskriminierungen anzuprangern. Das Institut hat also eine ernste Kommunikationsaufgabe.

An seiner Spitze herrscht eine Lenkungsgruppe von 18 Staatsrepräsentanten (plus 18 Vertretern), die alle 3 Jahre neu gewählt wird. Ein weiteres Gremium ist das Expertenforum, dem Delegierte aus 27 Mitgliedsstaaten angehören (plus 27 Vertreter), 2 Abgeordnete der EU (plus 2 Vertreter) und 3 Repräsentanten der Europäischen Kommission (plus 3 Vertreter ); 20 Angestellte schmeißen das Büro – alle Informationen aus Wikipedia und von der EIGE-Seite.

Angesichts der vielen aufmerksamen Augen im hochkarätig besetzten Verwaltungsapparat scheint es verwunderlich, dass der Agentur erst nach dreieinhalb Jahren auffällt ohne Logo zu kommunizieren. Vielleicht will die frisch gewählte Lenkungsgruppe mehr Dynamik in den Apparat bringen. Möglicherweise hat sich auch der Millionenetat bereits wegverwaltet. Jedenfalls ruft EIGE jetzt einen Logo-Wettbewerb aus, bei dem es nicht nur 1000,– (1. Platz), 750,– (2. Platz) oder 500,– € (3. Platz) zu gewinnen gibt, sondern gleich 3 Flüge nach Vilnius, denn die Sieger werden auf 3 offiziellen Zeremonien gefeiert – Ende 2010.

Jeder kann mitmachen, nicht nur Design-Studenten und Design-Profis … nein, jeder Bürger der in einem Mitgliedsland der Europäischen Union lebt, auch Kinder (»… open to all citizens living in any of the Member States of the European Union. … There is no age limit.«). Ja, das EIGE versteht etwas von Gleichberechtigung …und von Geschäftsreisen … Drei Jahre haben wir auf diesen Wettbewerb gewartet. Seid hungrig, Designer Europas!

BR stellt deutsche Flagge zur Disposition

Die Fußball-WM benebelt alle. Ausgerechnet der Bayerische Rundfunk stellt jetzt die Frage »Braucht Deutschland eine neue Fahne?« und lässt darüber abstimmen. Die Deutschlandflagge sei »antiquiert, statisch, unsympathisch«, behauptet der Design-Dozent Johannes Hoyer von der Hochschule Ansbach und kreierte eine neue Fahne. Diese ist nun gewellt und hat oben links ein paar Europa-Sternchen. Die Farben Schwarz-Rot-Gold hat Hoyer beibehalten, aber etwas weicher gemischt, wodurch das Rot nicht mehr ganz so leuchtend ist und das Gelb einen leichten Stich ins Orange bekamen.