Fontblog Reportage

Das Berlinale-Plakat 2016

66. Berlinale Plakat

Es ist Tradition im Fontblog, alle Jahre wieder einen kurzen Blick auf die Plakatserie der Berliner Filmfestspiele zu werfen. Kurz vor Weihnachten wurden die Motive für die 66. Berlinale vorgestellt, die vom 11. bis 21. Februar 2016 stattfinden wird. Nachdem der prestigeträchtige Job in den vergangenen fünf Jahren von der Berliner Agentur Boros betreut wurde, wechselte das Festival nun den Werbepartner.

Das Schweizer Designbüro Velvet.ch schuf die 6 Motive und schlägt eine komplett neue Richtung für die Werbung des Filmfestival ein. Während jahrzehntelang Muster, Wörter, Abstraktes und Buchstaben die Berlinale-Poster dominierten, setzt Velvet auf formatfüllende Fotos. Diese erzählen von »flüchtigen Begegnungen einzelner Nachtschwärmer mit den Bären in der Stadt, … eingeklemmt zwischen Realität und Fiktion.« (Pressetext). Jedes Motiv ist in eine eigene Farbwelt getaucht. Allen gemein ist der fett in weiß gesetzte Veranstaltungsname plus Datum oben links, dazu an der rechten Seite gestürzt der Hashtag #Berlinale … alles gesetzt in ITC Avant Garde Gothic.

»›Der Bär ist los‹, so könnte das Motto unserer diesjährigen Plakatmotive heißen. Auf ihnen schwärmt der Bär aus und ist, wie das Festival selbst, nicht nur am Potsdamer Platz, sondern auch in den verschiedenen Kiezen unserer Stadt zu sehen.« Mit diesen Worten umschreibt Festivaldirektor Dieter Kosslick seine eigenen Assoziationen beim Betrachten der neuen Berlinale-Kampagne. Was er nicht verrät sind die Hintergründe für die visuelle Kehrtwende sowie für zwei visuelle Details, die um so mehr unsere Fantasie anregen.

1. Der Hashtag. Da die Berlinale nicht nur ein Industrie-, sondern auch ein Publikum-Festival ist, haben sich die Veranstalter dazu entschlossen, die Fans mit einem amtlichen Hashtag zum Mitreden einzuladen. Wer in den sozialen Medien zu Hause ist weiß natürlich schon lange, dass dort sowohl die Stars als auch die Journalisten fleißig Informationen liefern (und natürlich auch sammeln). Frischer als im Netz kommt man nicht an Festival-Infos. Mehr live geht nicht.

2. Das RGB-Muster. Wer sich den neuen Plakaten nähert stellt fest, dass die Fotos mit einem Pixel-Raster verfremdet sind, das sie wie Screenshots aussehen lässt, genauer: wie vom Bildschirm abfotografiert. Dieser Effekt ist ungewöhnlich für ein Festival zum Thema Film, einer Industrie, die zwar weitgehend digitalisiert ist, aber letztlich ihr Geld mit dem Versprechen einer ungetrübten (= pixelfreien) optischen Bildqualität verdient. Andererseits deutet der Screen-Effekt an, dass die Zukunft des Films nicht alleine an der Kinokasse entschieden wird. Digitale Plattformen, die Filme verkaufen, verleihen oder streamen, werden in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle für den Zugang zur Filmkunst spielen.

Beide Details betonen, dass die Berlinale ein publikumsnahes Festival ist und dass sie sich darum bemüht, so viele Menschen wie möglich dem Medium Film näher zu bringen. Unter diesem Blickwinkel sind die neuen Plakate inhaltlich passend und grafisch gelungen.

(Abbildungen: Velvet Creative Office © Internationale Filmfestspiele Berlin)


Fünf Fragen an Johannes Bergerhausen

Nach dem Kommunikationsdesign-Studium 1993 ging er nach Paris, Prof. Johannes Bergerhausen, Jahrgang 1965. Dort arbeitete er für so unterschiedliche Projekte wie für das Centre Pompidou, für Arbeitsloseninitiativen und bei den Gründern des Grafikerkollektivs Grapus, Paris-Clavel und Pierre Bernard. 1998 erhielt Johannes Bergerhausen das begehrte Stipendiat des Centre Nationale des Arts Plastiques.

Aus dem geplanten Jahr in Frankreich wurden an Ende sieben. 2002 berief die Hochschule Mainz Bergerhausen als Professor für Typografie und Buchgestaltung. 2004 startete er das vielfach ausgezeichnete Projekt decodeunicode, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

TYPO-Berlin-15-05-22-Gerhard-Kassner-Monotype-0822Er spannte die Entwicklung der  Zeichen von der Keilschrift bis zu den Emojis: Johannes Bergerhausen, bekannt auch als Mr. Unicode, im Mai auf der TYPO Berlin. Foto: Gerhard Kassner/Monotype

Seitdem hält er zahlreiche Vorträge weltweit, ist Mitglied im ATypI und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.  Mit Kollegen in Mainz gründete er 2004 das Institut Designlabor Gutenberg. 2011 veröffentlichte er gemeinsam mit Siri Poarangan decodeunicode — Die Schriftzeichen der Welt, 2012 gab es dafür den Designpreis der Bundesrepublik in Gold. Seine aktuelle Publikation: Digitale Keilschrift mit Keilschrift-Font.

Fontblog: Was hat Dich bewogen, Dein Augenmerk auf Schriftzeichen zu legen?

Die seltsame Welt der »Sonderzeichen«, also alles was über das übliche A bis Z und 0 bis 9 hinausgeht. Jeder typografische Laie hat heute Zugang zu weit mehr Zeichen als es Gutenberg jemals hatte. Dabei ist vielen nicht klar, welcher Schatz sozusagen unter der Tastatur verborgen ist.

Bergerhausen Unicode1

Unicode ist ein internationaler Standard, der für jedes sinntragende Schriftzeichen oder Textelement aller bekannten Zeichensysteme und Schriftkulturen einen Code festlegt

Wir verwenden täglich Zeichen wie »€« oder das Komma — aber kaum bekannt ist, wer sie »erfunden« hat oder wo sie herkommen. Unicode hat sich dabei im letzten Jahrzehnt zu einer Sammlung der Schriftzeichen der Menschheit entwickelt. Fast jede Schriftkultur ist dort vertreten und damit haben wir einen neuen, globalen und vergleichenden Blick auf die typografischen Zeichen.

Fontblog: Mainz gilt als Wiege des Buchdrucks. Wo kann man in Mainz heute auf den Spuren Gutenbergs wandeln?

Natürlich im Gutenberg-Museum. Keine 500 Meter von unserer Hochschule Mainz entfernt finden sich nicht nur zwei Exemplare der Gutenberg-Bibel in einem eigenen Raum mit Panzerschranktüren, sondern auch viele Wiegendrucke oder Originale von Rodtschenko. Die Bibliothek ist sehr gut sortiert und Forscher können dort auf Anfrage auch mal einen Originaldruck von Gutenbergs Mitarbeiter Peter Schöffer begutachten. Dort laufen auch sehr gute Ausstellungen wie der Call for Type aus denen Publikationen wie die »Texte zur Typografie« oder »Neue Schriften« meiner Kolleginnen Eisele und Naegele hervorgegangen sind. Das Museum betreibt einen eigenen Bereich in dem man Buchdruck-Workshops machen kann. Auch die Mainzer Kinder lernen hier drucken.

Übrigens gibt es kein authentisches zeitgenösssiches Portrait Gutenbergs, obwohl wir alle das Bild des bärtigen Patriziers im kollektiven visuellen Gedächtnis haben.

Fontblog:  Du widmest Dich seit vielen Jahren dem Unicode-Projekt, dem internationalen Standard für Schriftzeichen für alle Sprachen der Welt. Hast Du ein persönliches Lieblingszeichen?  

Unicode ist voll skurriler, interessanter Zeichen. Der französische Gestalter Pierre Bernard sagte einmal: »Alle Farben sind schön.« Nehmen wir diese beiden Zeichen:

¤ U+00A4: CURRENCY SiGN: Als der (amerikanische) ASCII-Code in den 1960er Jahren international werden sollte, weigerten sich Vertreter der osteuropäischen Gremien, den Dollar, das Zeichen des Kapitalismus, darin aufzunehmen. Im Kommunismus wirkte es wohl damals wie das Zeichen des Teufels. Also schlug man vor, ein allgemeines Zeichen für »Währung« zu entwerfen. Gesagt, getan: so entstand ¤. Es soll eine Münze darstellen, die im Sonnenlicht glänzt. Jeder Type-Designer muss heute ein Currency Sign entwerfen, dabei wurde es praktisch nie verwendet. In Japan soll es Teenager geben, die es jetzt als ein Zeichen für »Kuss« per SMS verwenden.

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Lieblingszeichen: Relikt aus dem kalten Krieg, das blockübergreifende Currency Zeichen und das aus einem alten japanischen Zeichen entlehnte Postal Mark Sign

U+3020 POSTAL MARK FACE, das Maskottchen der japanischen Post. Es widerspricht eigentlich der Unicode-Regel, keine Logos aufzunehmen. Da es aber aus einem alten japanischen Zeichencode stammt wollte man Kompatibilität herstellen, deshalb wurde es doch aufgenommen. Es trägt im oberen Bereich das Zeichen U+3012 POSTAL MARK, das Logo der japanischen Post. Und das wiederum geht auf U+30C6 KATAKANA LETTER TE zurück, das Silbenzeichen für /te/, was sich wiederum aus dem japanischen Wort »teilshin« für »Kommunikation« ableitet.

Fontblog:  Vor einem Jahr enthielt der Unicode-Standard 113.021 Zeichen. Gibt es ein Zeichen, dass dort fehlt? Und eine Sprache, die für Unicode noch erschlossen werden muss?

Unicode codiert keine Sprachen (es gibt ungefähr 7.000 weltweit; Tendenz stark fallend), sondern Schriftsysteme (davon gibt es rund 200). Nach nun bald 25 Jahren Arbeit des Unicode Konsortiums fehlen immer noch ein paar Dutzend Schriftsysteme. Dies sind die sogenannten »Minority Scripts«, die nur von kleinen Schreiber-Gruppen verwendet werden oder gar ausgestorben sind. Peu à peu sollen sie in den nächsten Jahren aufgenommen werden.

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Minority Scripts Teil 1: Der Font DecodeCuneiform von J. B., Andrea Krause, Stefan Pott, Institut Designlabor Gutenberg, Hochschule Mainz, 2014

Auch die ausgestorbenen Schriftsysteme müssen in den Unicode, damit diese Texte auch eines Tages digitalisiert vorliegen können. Wenn wir alle Schriftstücke der Menschheit digitalisieren wollen, dann sollten z. B. die Texte der rund 500.000 Tontafeln in Keilschrift nicht fehlen. Deshalb haben wir letztes Jahr im Institut Designlabor Gutenberg (IDG) bei uns an der Hochschule Mainz eine digitale Keilschrift entwickelt, ein typografischer Font für die rund 1.000 Keilschriftzeichen.

Die Script Encoding Initiative (SEI) der Linguistin Dr. Deborah Andersons in Berkeley, USA unterstützt seit Jahren die Codierung der noch fehlenden Schriftsysteme. Diese Arbeit braucht noch mehr Unterstützung!

Fontblog: Auf Mobilgeräten wird immer häufiger mit Zeichen statt Worten kommuniziert. Sind Emojis die kommende Schriftsprache?

Logogramme (Wortzeichen) wie die Emojis sind erstaunliche Wesen. Sie können sowohl als Piktogramm als auch als Ideogramm fungieren. So steht das »« als Piktogramm (Bildzeichen) für das, was man sehen kann: das physische Objekt »Herz«. Aber als Ideogramm (Begriffszeichen) steht das gleiche Zeichen »« für den nicht sichtbaren Begriff »Liebe«. Wie beim unsterblichen Claim I♥NY von Milton Glaser von 1977. Übrigens wurde das 2011 als erstes Pikto in das ehrwürdige Oxford English Dictionary aufgenommen.

Bergerhausen Unicode4Minority Scripts Teil 2: Zwei Glyphen des Schriftsystems Bamum, es wird in Kamerun von ca. 215.000 Schreibern verwendet. Jetzt auch im Unicode.

Heute haben erst zwei von sieben Milliarden Menschen einen Internetzugang. In den nächsten Jahren soll mindestens eine Milliarde aus den sogenannten Schwellenländern dazu kommen, die meisten über Smartphones. Je mehr Menschen die Emojis entdecken, desto eher könnte es Zeichen geben, die internationale Karriere machen, wie die analoge Geste »okay«. Der Daumen nach oben wird heute weltweit verstanden. Den haben ja schon die römischen Kaiser verwendet.

Ich glaube aber nicht, dass die Emojis die Alphabete wie das Lateinische verdrängen werden. Die Emojis sind eben keine komplette Schriftsprache. Es gibt solche Gags wie »Emoji Dick« (Moby Dick als Text aus Emojis), das ist einen Tag lustig, aber das kann ja kein Mensch wirklich lesen! Sehr viele Emojis werden nur als Kommentar auf einen geschriebenen Text verwendet.

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Johannes Bergerhausen veröffentlichte über Schriftzeichen und Zeichensysteme im Verlag Hermann Schmidt Mainz:

Am Freitag kommender Woche (26. Juni) spricht Johannes Bergerhausen auf dem TYPO Day Zürich.


Wenn Schriften altern: Grimoire und Sadness

von Felix Braden

Gerade sind Felix Braden’s Erstlingswerke Sadness und Grimoire in der Neuauflage bei Myfonts erschienen. Nach dem traurigen Ende der Fountain Type Foundry musste er sich die Frage stellen, ob seine 20 Jahre alten Entwürfe noch eine Existenzberechtigung haben.

felix_braden

Ziemlich genau zur Jahrtausendwende gründete ich die Freefont Domain Floodfonts. Ich hatte mich mit zwei Freunden selbstständig gemacht, und um ein wenig Presse zu bekommen, entschieden wir uns, die während des Studiums entstanden Schriftprojekte zum kostenlosen Download anzubieten. Kaum hatten wir eröffnet, meldete sich Peter Bruhn aus Schweden mit der Frage, ob wir die Schriften nicht lieber über sein Label Fountaintype vertreiben möchten, statt sie zu verschenken. Aus den insgesamt 10 Schriften von Floodfonts wählte Peter drei aus, die daraufhin überarbeitet und auf den umfangreichen Zeichensatz von Fountain ausbaut wurden. Peter unterstützte uns mit vielen wichtigen Infos und Korrekturen und nach einem knappen Jahr wurden Sadness und Grimoire bei Fountain veröffentlicht. Leider habe ich Peter nur ein einziges Mal persönlich getroffen. Aber letztendlich verdanke ich ihm viel, denn er hat in mir den Gedanken geweckt, dass Schriftgestaltung für mich mehr werden könnte als nur ein Hobby.

Nach Peters tragischem und unerwartetem Tod im letzten Jahr musste ich mich der Frage stellen, wie er nun mit den Schriften weiter geht. Lotta Bruhn, Peters Frau, hatte sich entschieden, die Fountain Website im Netz zu lassen, wollte aber die Foundry nicht weiterführen. Mir gefiel der Gedanke, Peters Lebenswerk zu ehren. Aber Sadness und Grimoire sind während meines Studiums entstanden und mittlerweile fast 20 Jahre alt. Haben diese Schriften heute noch eine Existenzberechtigung? Wenn mich Leute fragen, was mich an Type Design so begeistert, nenne ich als Argument stets auch Zeitlosigkeit. Wenn man bedenkt, dass die Garamond aus dem 16. Jahrhundert heute noch die meist gelesene Buchschrift ist, würde das bedeuten, zum Beispiel übertragen aufs Modedesign, dass wir mit Ritterrüstungen oder Brustharnischen herumlaufen und in Pferdekutschen zur Arbeit fahren. Der Gedanke, dass ein Designkonzept über 500 Jahre bestand haben kann, übt auf mich eine unglaubliche Faszination aus. Nicht, dass ich meine Schriften für derart bahnbrechende Entwürfe halte, aber im Type-Design ticken die Uhren eben anders und verglichen mit einem halben Jahrhundert sind die 20 Jährchen von Grimoire und Sadness ja nur ein Wimpernschlag.

Also entschloss ich mich, die beiden in die Jahre gekommenen Fonts dezent zu überarbeiten und noch einmal auf den Markt zu bringen. Ich habe die Hoffnung, dass man damit auch heute noch zeitgemäßes Design machen kann und bin sehr gespannt auf die ersten Anwendungen.

Sadness basiert auf Experimenten mit der ›Blendfonts‹-Funktion von Fontographer, einer Typedesign-Software, mit der Zwischengrößen von Schriften errechnet werden können, um den Gestaltungsaufwand bei großen Schriftfamilien zu minimieren. Dabei wurden völlig unterschiedliche Schriften eines befreundeten Designers interpoliert, was in der Regel nur funktioniert, wenn die Konturen der Schriften ähnlich aufgebaut sind. An einigen Stellen konnte das Programm neue Outlines errechnen, doch die Ergebnisse waren sehr fragmentarisch. Daraus wählte ich die charakteristischsten Elemente aus und gestaltete damit eine neue Schrift.

Grimoire lebt von dem Gedanken, zwei stark kontrastierende Konstruktionsprinzipien zu verbinden: Den zeichnerischen, technischen mit dem kalligrafisch, schreiberischen Schriftgestaltungsansatz. Die Schrift basiert auf einem modularen System, simuliert aber dennoch eine Schreibschrift. Die Idee hat mich seitdem so fasziniert, dass ich viele Schriften nach diesem Konzept gestaltet habe, wie z.B. die bei Volcanotype veröffentlichte Bikini. Auch meine jüngste Schrift, die mehrfach ausgezeichnete FF Scuba lebt von diesem Konzept allerdings bin ich mit zunehmenden Alter weniger experimentierfreudig und will weniger exzentrische als vielseitig einsetzbare Schriften gestalten.

Beide Schriften, Grimoire und Sadness, sind bei Myfonts bis zum 19. Mai 2015 mit einem Einführungsrabatt von 80 Prozent erhältlich.


FontFonts für die Page: Redesign in Print und Web

PAGE_Cover

Kreative und Profis in Design, Werbung und Medien schätzen die PAGE seit ihrer Gründung, 1986, in der Frühzeit des Dekstop-Publishings. Nach der Entwicklung einer Magazinschrift durch Ole Schäfer 2007 (siehe Fontblog-Beitrag vom November 2007) ist PAGE in das neue Jahr 2015 mit dem Relaunch des Online-Auftritts samt neuer Webfonts gestartet und setzt gleichzeitig neue Print-Schriften im Heft ein.

Redaktion und Agenturen wählten für den Fließtext der Print-Ausgabe FF Quadraat. Es warFred Smeijers moderner Satzschrift-Klassiker den die Page-Redaktion in einem Magazin entdeckt und der sie so beeindruckt hatte, dass sofort beschlossen wurde, sie für den Fließtext einzusetzen. FF Quadraat ist eine digital erstellte Schrift, ihre Ausgangsbasis waren jedoch unzählige Zeichnungen von Hand. Die Familie sollte gleichzeitig neu aussehen und an altbewährte Vorbilder anknüpfen, zum Beispiel Garamond, Times oder Plantin. Die fast senkrechten Kursiven dagegen, legte Smeijers ausgesprochen eigenwillig und originell an – sie wurden zu einer Art Markenzeichen der Quadraat.

Für die Auszeichnung und online zusätzlich als Text- (Web-)Font kommt Hannes von Döhrens  FF Mark zum Einsatz. Als zusätzliche Auszeichnungs-Antiqua entschied man sich für Ingeborg, eine Familie von Michael Hochleitner für sein Wiener Schriftenhaus Typejockeys.

PAGE_13 Headline Subline

Spannung durch Kontrast: FF Mark Headline mit Ingeborg Italic Subline

FF Mark ist eine moderne geometrische Sans. Sie entstand in einem zweijährigen Gemeinschaftsprojekt zwischen Hannes von Döhren, Christoph Koeberlin und dem FontFont-Technik-Team, begleitet von Erik Spiekermann. Ende 2013 wurde die Großfamilie mit 10 Strichstärken (von Hairline bis Black) und die dazugehörigen Kursiven (= 20 Fonts) veröffentlicht, wobei die extremen Schnitte für den Einsatz in Headlines optimiert, und die mittleren auf Textleserlichkeit getrimmt wurden.

PAGE_10 Headline und Text

Geometrische Sans mit Bauhaus Anklängen und Neu-Antiqua: FontFonts FF Mark und FF Qudraat als Headline und im Fließtext im Page Layout

Relaunch und Redesign der Page entstanden in Zusammenarbeit mit den Agenturen digitalmobil und SQUIECH. Besucher der Page-Site können der Umstellung auf WordPress weiterhin online beiwohnen.

Fotos: Alexander Roth


»Kreativität lässt sich trainieren …«

Fontblog-Interview mit Mario Pricken

Vor 15 Jahren entwickelt der österreichische Berater Mario Pricken ein neues Kreativitätsmodell: Ideen sind kein Zufall, sie lassen sich systematisch herleiten, Kreativität trainieren auf Basis von rund vierzig Prinzipien. Sein Buch »Kribbeln im Kopf« verkaufte sich weltweit in sieben Sprachen über 135.000 mal. Jetzt kommt die iPad-App zum Buch. Sie heißt »Trigger me« und stellt drei Kreativmethoden zur Verfügung. Fontblog sprach mit Mario Pricken über Genie, Zufall und Bodybuilding.

Kreativberater Mario Pricken in seinem Wiener Büro

Fontblog: Herr Pricken, wie kommt man auf die gewagte Behauptung, dass jeder Mensch Ideen entwickeln kann wie einst David Ogilvy oder Steve Jobs?

Mario Pricken: Anfang der …

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Fünf Fragen an Jens Kutilek, FF Font-Techniker

Vermutlich ist Azuro die erste Schriftfamilie, deren Bildschirmverhalten bereits in der Entwurfsphase unter Windows, Mac-OS und Apple iOS unermüdlich getestet wurde, Rückwirkung auf den Designprozess inbegriffen. Daher ist Azuro am Bildschirm und auf Papier in hohem Maße leserlich (zum Beweis: Azuro als Webfont für diesen Blog oben auswählen). 2011 bei FontShop erschienen, wurde Azuro von Georg Seifert entworfen und von Jens Kutilek gemastert.

Jens_Kutilek-FontShop

Neben seiner Arbeit an vielen FontFonts hat Jens auch dafür gesorgt, daß die Webfonts der Süddeutschen Zeitung am Bildschirm gut aussehen, ebenso wie der Schriftschnitt der Real Text, der Erik Spiekermanns Buch “Hallo, ich bin Erik” beiliegt

Kommenden Freitag (14. November) spricht Jens  auf dem TYPO Day München darüber, wie sich sorgsames Mastering auf die Qualität einer Schrift auswirkt. Jens Kutilek studierte Kommunikationsdesign in Braunschweig, gründete nach dem Studium mit zwei Freunden das Webdesign-Büro Netzallee und arbeitet seit 2007 als Fonttechniker bei FontShop.

1. Was hat Dich bewogen, Dein Augenmerk auf die technische Seite des Schriftenentwurfs zu legen?

Meine Interessen haben sich schon immer zwischen den technischen und künstlerischen Feldern bewegt. Als Jugendlicher habe ich am C64 programmiert und gepixelt, und in der Schule meine Lehrer zum Verzweifeln gebracht, weil ich die Schulstunden damit verbracht habe, in mein Notizbuch zu zeichnen. Ich habe dann, weil ich an der Kunsthochschule nicht genommen wurde, ein Ingenieursstudium begonnen, was eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt war. In den vier Semestern begann ich, mich für Serveradministration und Webdesign zu interessieren, und nicht zuletzt haben die Vorlesungsskripte für Mathematik mit all ihren Formeln mein Interesse für Typografie am Computer entfacht. Die waren offensichtlich nicht mit Word gesetzt, sondern es gab (für mich) geheime, viel mächtigere Textsatzsysteme.

FF-Comic-Jens

Als Alternative zur allgegenwärtigen Comic Sans veröffentlichte Jens 2008 für den Einsatz in Kindergärten, Vereinen, im Büro und zu Hause  – Comic Jens. Inzwischen erfreut der Creative-Commons Font sich großer Beliebtheit und erhält im kommenden Jahr einen kommerziellen Nachfolger.

Beim zweiten Versuch bin ich dann an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelandet und habe dort Kommunikationsdesign studiert. Dort enteckte ich Typedesign – meine Professoren befassten sich jedoch mehr mit der Anwendung von Schrift. Diese Richtung habe ich nicht konsequent weiterverfolgt und mich auf Webdesign konzentriert. Die Erkenntnis, daß sich meine Interessen in der Schrifttechnik fast ideal vereinen lassen, entstand nach dem Studium, und ich hatte das Glück, dies zu meinem Hauptberuf machen zu können.

2. Berlin gilt zur Zeit als Hochburg für Typedesigner. Wo findet man die typografischen Techniker? Bei GitHub?

Viele spannende Tools werden aber auch als Auftragsarbeiten für Kunden entwickelt und erreichen die Öffentlichkeit nicht. Man sieht höchstens mal einen Screenshot davon.

Ja, auf GitHub stellen viele aus der neuen Generation der „programmierenden Typedesigner“ ihre selbstprogrammierten Tools freundlicherweise der Allgemeinheit zur Verfügung.

Persönlich treffen kann man viele der im normalerweise im Verborgenen arbeitenden Fonttechniker aus aller Welt auf Konferenzen wie der Robothon in Den Haag, oder der jährlichen ATypI-Konferenz.

3. Welche technischen Anforderungen sollte eine moderne Schriftenfamilie erfüllen?

Zeitgemäße Font-Familien sollten in allen Umgebungen gut funktionieren, sei es als OpenType-, als Office-, Web- oder App-Font. Das hört sich selbstverständlich an, ist aber nicht ganz einfach zu erreichen. Bei FontShop haben wir es gut, da wir durch die Automatisierung und unsere eigenen, ständig weiterentwickelten Produktionsstandards viele Klippen ganz automatisch umschiffen.

Als „Einzelkämpfer“ ist man da im Nachteil, weil man nie so viele Testsysteme, sowohl hardware- als auch softwareseitig, auf aktuellem und auch älterem Stand, vorhalten kann, und die Fontproduktion mit viel mehr Handarbeit verbunden ist.

FF-Hertz

Schmale Zeichen und hervorragende Lesbarkeit, vor allem am Bildschirm – die herausstechenden Eigenschaften der FF Hertz Textfamilie von Jens Kutilek, die sich zur Zeit im finalen Mastering befindet und Anfang 2015 als FontFont erscheint  

Immer noch wichtig ist auch die Bildschirmoptimierung, trotz ständig steigender Bildschirmauflösungen. Da ist die Handarbeit der Automatik immer noch überlegen, und wird es auch in den kommenden Jahren sein.

4. Deine Font-Technik-Tool Top 5?

Mein Schweizer Messer sind sicherlich die Python-FontTools, mit denen man praktisch jedes Bit einer Fontdatei einzeln modifizieren kann. AnchorOverlayTool-RobofontUnd wenn es eine Funktion nicht gibt, kann man sie sich selbst dazuprogrammieren. Python hat sich als Programmiersprache der Wahl für alles, was mit Fonts zu tun hat, etabliert.

Ein ähnliches Tool, ohne Erweiterbarkeit, dafür mit grafischer Oberfläche, ist DTL OTMaster.

Glyphs und RoboFont sind zwei moderne Fonteditoren mit unterschiedlichem Konzept. Glyphs nimmt einem viel Arbeit und technische Entscheidungen ab und läßt einen so schnell zum Ziel kommen, RoboFont ist mehr eine Plattform, auf der man sich ein Schriftentwurfs- und -produktionssystem nach eigenen Vorstellungen detailliert selbst bauen kann.

ToGA-Animation

Für die Bildschirmoptimierung von Fonts benutze ich immer noch FontLab Studio. Es gibt zwar Programme, die in dem Bereich mehr können, aber das beste Tool ist immer das, was man beherrscht.

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Abb. links: AnchorOverlayTool ist ein Tool, das Jens für RoboFont selbst programmiert hatt, um die Positionen der Akzente als Vorschau sehen zu können. Glyphs enthält diese funktion bereits, in RoboFont muss man sie selber programmieren. Abb. rechts: ToGA (Topographic Glyph Analyzer) ist eines der so genannten „geheimen“ Tools, das charakteristische Punkte in nicht interpolierbaren Glyphen identifizieren kann. Der links angeklickte gelbe Punkt wird vom Programm im rechten Buchstaben gesucht und dort mit einem blauen Kreis markiert.

5. Welche Deiner gemasterten Schriften ist Dein persönlicher Liebling?

Technisch am spannendsten sind Schriften, die an die Grenzen der Fonteditoren und Tools gehen, wie etwa Schriften mit mehreren Schreibsystemen. Die Superfamilie FF Amman von Yanone vereint zum Beispiel lateinische und arabische Buchstaben in sich.

Dort ist man mit FontLab schnell am Ende, und muß sich andere Tools suchen, mit denen man arbeiten kann, oder, wenn es nichts passendes gibt, selbst anfangen zu programmieren. Die Tools im Dialog mit den zu bearbeitenden Schriften weiterzuentwickeln bringt das technische Know-How in unserem Type Department am meisten voran, glaube ich.

Bei den Webfonts für die Süddeutsche Zeitung, die ich für den Bildschirm optimiert habe, bin ich stolz auf einen kleinen Hinting-„Trick“: Nachdem die neuen Fonts bei Lesern mit älteren Windowssystemen nicht gut ankamen, habe ich sie so gehintet, daß sie auf den alten Systemen fast nicht von der vorher benutzten Georgia zu unterscheiden sind.

Auf neuen Systemen sieht die Schrift dagegen deutlich unterschiedlich aus, was ja auch der Sinn einer eigenen Hausschrift ist.

Das Mastern der FF Quixo von Frank Grießhammer hat mir großen Spaß gemacht. Vielleicht liegt es nur daran, daß ich Frank persönlich kenne, aber ich habe in vielen Details der Buchstabenzeichnungen Franks Persönlichkeit und Humor erkannt. Außerdem hat er sehr gute und vollständige Arbeit geliefert, so daß ich nicht mehr viel zu tun hatte und nur noch ein wenig technischen Feinschliff anbringen mußte …

Weil Jens nicht nur an den Schriften anderer Leute arbeiten wollte, hat er über die letzten Jahre kontinuierlich an einer eigenen Handschrift- und einer Textschriftfamilie gearbeitet. Die Familien FF Comic Jens und FF Hertz werden 2015 in der FontFont-Bibliothek erscheinen.


30 Tage Kunst im Orangelab, Berlin

30 Tage Kunst im Orangelab (Foto: Chloë Litchfield)

30 Tage Kunst, eine Veranstaltung des Orangelab (Foto: Chloë Litchfield)

Zum fünften Mal findet in diesem November die Veranstaltungsreihe 30 Tage Kunst statt, im Orangelab, das seit 3 Jahren auch die Heimat des Creative Morning Berlin ist. Die Idee für das einmonatige Kunst-Event stammt vom Leiter des Orangelab, dem Schauspieler Hans Brückner. »Ursprünglich wollte ich in meiner Wohnung Lesungen im Stile der Salons des frühen 20sten Jahrhunderts anbieten.« erinnert sich Brückner an die erste Idee. Doch seine Wohnung war zu klein dafür. 2009 lernte er Marc Maximilian Doege kennen, der am Kurfürstendamm gerade die Galerie POPUP 195 eröffnet hatte. Und genau dort fand am 1. November 2009 die Premiere von 30 Tage Kunst statt: Hans Brückner trug Edgar Allan Poe vor, am Flügel begleitet von Marco Maria. Fotos von diesem Abend gibt es keine, aber einen Blogbeitrag von Hans Brückner …

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Hans Brückner in seiner Spielstätte, dem Orangelab, wo er ab morgen 30 Tage Kunst anbietet (Foto: Robert Schatton)

Übermorgen, am Halloween-Freitag, startet also die fünfte Saison, mit einem Aufwärmabend unter dem launigen Motto: »Meet the artist in person. Stehrumchen mit Film.« Gezeigt werden die Film »Am Savignyplatz«, von Caterina Woj, und die 30-minütige Reportage »Von 6 bis 6 am Savignyplatz«. Im Programm heißt es: »Der Savignyplatz gehört den Bohemiens. Den Bildungsbürgern, Literaten, Künstlern und solchen, die sich dafür halten. Leute, die gern lange schlafen und spät ins Bett gehen. Lange ausharren. In den vielen guten Kneipen am Bermudadreieck der bürgerlichen Piazza. Zum Beispiel im ›Zwiebelfisch‹. … Hier ist die Zeit stehen geblieben. Die Stammgäste altern mit. Auch Zappa, der Kneipenkater, verbringt hier lange Nächte.«

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Wenn der Verleger Klaus Wagenbach und der Chef des Buchhändlerkellers in der Carmerstrasse über ihren geliebten Platz erzählen, gibt es viel zu schmunzeln. Und zu lernen. Über die berüchtigten 70er Jahre. Wie das alles hier einmal war. Beide Filme vermitteln ein Bild vom Savignyplatz, das viele Altberliner vergessen haben und Neuberliner noch nicht kennen. Künstler und Verleger, Literaten und Schauspieler erzählen und führen in ihre Welt. Der Eintritt ist frei.

Am Samstag erwartet uns eine Veranstaltung, die auch bei Grafikern und Editorial-Designern auf Interesse stoßen sollte. Es geht um die Zeitschrift »Das Magazin«, und die Devise lautet: 90-60-90 – ein maßloser Abend mit dem Magazin. Die einen nennen das Heft »New Yorker des Ostens«, die anderen eine monatliche Wundertüte. Gegründet 1924, erfindet sich Das Magazin immer wieder neu und hat mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Journalismus und Literatur seit Jahrzehnten Erfolg.

Viel Platz, zentrale Lage, angenehme Atmosphäre: Das Orangelab, auch die Heimat des Creative Morning Berlin (Foto: Fabian Hamacher)

Viel Platz, zentrale Lage, angenehme Atmosphäre: Das Orangelab, auch die Heimat des Creative Morning Berlin (Foto: Fabian Hamacher)

Am ersten »amtlichen« Abend von 30 Tage Kunst erzählen die Macher des Magazins Stories und Skurriles aus 90 Jahren Redaktionsarbeit. Hierzu begrüßt Hans Brückner Pierre Sanoussi-Bliss und Franziska Arnold, sowie die Magazin-Kolumnisten Kirsten Fuchs und Stefan Schwarz. Es singt Pascal von Wroblewsky. Eintritt: 12,50 €.

Das Programm der folgenden Tage ist bereits online, was die Planung der Novemberabende ungemein erleichtert. Hier alle Events von 30 Tage Kunst 2014. Karten online reservieren nicht vergessen!


Schreibschrift lebt!

Im Fontblog ist sie Stammgast: Die Schreibschrift. Totgesagt in der Schule. Digital wiederbelebt. Diskutiert, erklärt. Erst im Sommer griff FontShops Type Talk im Berliner Apple Store das Motto auf. Andreas Frohloff, gelernter Schildermaler, Kalligraf – heute typografischer Direktor der FontFont-Schriftbibliothek, zeigte, wie die Schreibschrift mittels zunehmend ausgefeilter digitaler Kalligrafie auf Computer und Pad Einzug hält.

Schriftenhäuser veröffentlichen Schreibschriften – auch Scriptfonts genannt – mit sehr unterschiedlichen Konzepten zur technischen Umsetzung unter Bewahrung des Script-Charakters. Hier eine Zusammenstellung:

FontShop Schreibschriften 3FF Pepe, Feel Script, Kinescope (von oben nach unten): Das Genre Schreibschrift enthält Vertreter, wie sie kaum unterschiedlicher ausfallen könnten

FF Pepe entwarf der spanische Designer Pepe Gimeno 2002. Was kaum jemand weiß – Andy Warhol lieferte die Vorlage für Pepe: Das Langspielplatten-Cover einer Lesung von Tennessee Williams aus dem Jahr 1952 zierte die unregelmäßige Schreibschrift der Pop-Art-Ikone. Allerdings ist sich die Fachwelt nicht einig, ob Andy die Kringelbuchstaben selbst zu Papier brachte oder seine Mutter Julia Warhola schreiben ließ, die in der frühen Phase seines Künstlerdaseins öfters für ihn zur Feder griff (mehr zu Warhols Frühphase bei Wikipedia).

Kinescope ist die Neuinterpretation einer US-Pinselschrift aus den 40er Jahren, die Mark Simonson (Bookmania, Proxima Nova) im Comic ‘Fleischer Brothers’ Superman’ gefunden hat. Die OpenType-Technik sorgt automatisch dafür, das sich immer die zueinander passenden Buchstaben anschließen; hierfür hat der Entwerfer 6 stilistische Varianten angelegt (Formatsätze). Mehr Informationen und Anwendungsbeispiele im liebevoll gestalteten Kinescope-User-Guide-PDF (5 Seiten, 2 MB).

Feel Script greift amerikanische Schreibschriften zwischen 1935 und 1955 auf. Mit Stift, Feder, Stahlstich und Reprokamera entstanden neue Script Fonts mit dem Beginn des Fotosatzes und durch die Entwicklung des Fernsehens. Im aufrechten und gut gelaunten Feel Script Font, der hervorragend für Auszeichnungen, Verpackungen oder Poster eingesetzt werden kann, stecken 1200 Zeichen raffinierteste OpenType-Technologie. Mehr über Ale Paus Recherchen bei der Entwicklung der Feel Script im Feels-Good-Post.

Font-Pakete

• FF Pepe Multiformat | 1 Font | ab 39 Euro
• Kinescope OT und Web | 2 Fonts | ab 25 Euro
• Feel Script OT und Web | 1 Font | je 72,50 Euro

Mehr Schreibschriften - FontShop

Hipster Script, P22 Zaner (rechts), MeMimas & MeMimas Dots, Baka (von oben nach unten): Gekratzt, beschwingt oder sogar gepunktet – Schreibschriften sind Blickfänger mit Persönlichkeit

Hipster Scripts Entstehung beschreibt Alejandro Paul so: „Hipster Script schließt meine zahlreichen Versuche, die Kluft zwischen manueller und digitaler Schrift ein Stück weiter. Ich griff diesmal zum Pinsel, brachte den Schriftzug auf Papier und legte mein Augenmerk darauf, die Zeichen ebenso fließend in den Computer zu bekommen.“ 1851 Hipster-Glyphen später, belohnte der Type Directors Club Pauls Bemühungen mit der Wahl unter die besten Schriften 2012.

P22 Zaner ist eine Federschrift, die auf der Handschrift des einflussreichen amerikanischen Schreiblehrer, Charles P. Zaner basiert, der 1888 das Zanerian Art Center gründete. Mit den beiden OpenType-Fonts (entwickelt von Paul D. Hunt) lassen sich ausgeklügelte kalligrafische Schriftzüge konstruieren, wahlweise mit mehr oder weniger Zierschwüngen, floralen Elementen und weiterem Zierrat (enthalten in einem zweiten Font). Ideal für Urkunden, Etiketten, Packaging und festliche Drucksachen. Mehr über die Geschichte von Zaner und Anwendungsbeispiele im Zaner-PDF.

Baka bedeutet auf japanisch Dummkopf. Was als Schreibexperiment auf Papier begann, gefiel Neil Summerour so gut, dass er Baka digital in eine perfekte Form brachte. Mehr als 1000 Zeichen wurden von ihm auf Baumwollpapier entworfen und in die beiden Zeichensätze Baka und Baka Too überführt. Er zeichnete die Lettern übrigen nicht mit einem Pinsel, sondern mit einen Füllfederhalter, dessen Spitze er abgeschrägte.

MeMimas Dots von Joan BarjauJosé Manuel Urós ist der Star der MeMimas-Familie. Sorgfältig platzierte Punkte machen die Skript zu einem absoluten Hingucker und ermöglichen ein weites Spektrum von Effekten — allein oder in Kombination mit weiteren Schnitten aus der umfangreichen MeMimas-Familie. Wie bei Type-Ø-Tones Standard, verfügen alle Mitglieder der MeMimas-Familie einen üppigen Zeichenvorrat: einen Schriftschnitt mit Alternatebuchstaben und einen mit Ligaturen und Endbuchstaben.

Font-Pakete

• Hipster Script OT Pro und Web | Font | je 58 Euro
• P22 Zaner Pro Set OT und Web | 12 Fonts | ab 333,50 Euro, Font ab 24,95 Euro
• MeMimas Familie OT und Web | 12 Fonts | 392 Euro, Font ab 42 Euro
• Baka OT | Font | 16  Euro

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Foto: Shutterstock (modifiziert), Schriftmuster: FontShop Plugin, Preise zzgl. MwSt., Preisänderungen vorbehalten.


»Mann trifft Frau« von Yang Liu ist erschienen

Mann zieht sich aus: krank, Frau zieht sich aus: sexy

coverBeim Creative Morning im April (Thema: Sex) mussten wir den Ball flach halten, denn der ursprüngliche Veröffentlichungstermin des Büchleins wurde vom Verlag überraschend auf den Spätsommer verschoben. Doch immerhin bekam Yang Liu die Erlaubnis, viele Bilder aus dem Büchlein zu zeigen. Sogar eine Ausstellung war möglich, einen Monat später auf der TYPO Berlin. Doch in unserem Creative-Mornings-Video durften wir leider keine großen Abbildungen hineinschneiden (»wegen der Raubkopierer«), sondern nur die Leinwand abfilmen. Das mindert aber nicht den Reiz der gesprochenen Worte, mit denen die (hochschwangere) Autorin die Beweggründe und Gedanken zu ihrem Buch schilderte:

Inzwischen ist das Baby da. Es trägt den schönen Namen »Immi«. Und das Buch ist auch erschienen. Werfen wir mal einen ausführlicheren Blick hinein. Sein Stoff ist zeitlos. Das Ringen für die Gleichstellung von Frau und Mann ist in allen Industriestaaten ein Dauerthema. Und so hat sich die politische und gesellschaftliche Ungleichheit beider Geschlechter in den letzten Jahrzehnten tatsächlich kaum verringert. Was bleibt sind Vorurteile und tatsächlich abweichende Verhaltensmuster, die wir lieben oder an denen wir uns reiben.

waffe

In ihrem neuen Buch wirft die deutsch-chinesische Designerin Yang Liu (Ost trifft West) einen unbefangenen Blick auf unser Verhalten. Weit entfernt von Stereotypen decken ihre Piktogramm-Paare die feinen Differenzen zwischen männlichem und weiblichem Verhalten auf: beim Shoppen, beim Rendezvous, in der Familie, am Arbeitsplatz. Blättert wir eine Seite weiter, begegnet uns plötzlich dasselbe Verhaltensmuster beim anderen Geschlecht.

Die Wegbeschreibung von Frauen und Männer

Diese Doppeldeutigkeiten sind es, die unseren Blick auf das andere Geschlecht und auf uns selbst neu justieren. Frauen sind auch nur Männer, und umgekehrt … das ist die verblüffend simple Erkenntnis von »Mann trifft Frau«, und damit bietet Yang Liu einen amüsanten Grundkurs in Sachen Verständnis und Toleranz.

Gehaltsverhandlungen von Mann und Frau unterscheiden sich

Yang Liu wurde in Peking geboren und lebt seit 1990 in Deutschland. Sie studierte an der University of the West of England (Bristol) und schloss ihr Studium mit einem Master an der Berliner Universität der Künste ab. Sie arbeitete mit Derek Birdsall und Thomas Manss (London, Berlin), bei Chermayeff & Geismar (New York), bevor sie 2004 ihr eigenes Büro Yang Liu Design in Berlin gründete. Seit 2010 ist Yang Liu Professor und Leiterin des Fachbereichs Kommunikationsdesign an der TU Berlin. Sie gewann verschiedene internationale Preise und veröffentlichte mit dem Buch »Ost trifft West« einen ersten Bestseller.

Das Kaufverhaten von Mann und Frau

Weitere Informationen zu Mann trifft Frau beim Verlag ….

Mann trifft Frau, Verlag Taschen, Hardcover, 13 x 13 cm, 128 Seiten, € 12