— Reportage —


Warum 2012 doch ein bisschen wie 1984 ist

Apple scheint in Sachen Kommunikation auf dem Weg der Besserung. Das Unternehmen hat gemerkt, dass es sich heute, angesichts einer Kundenzahl von einer Milliarde, etwas gesprächiger zeigen muss als gegenüber zehn Millionen Fanboys in den 80er Jahren. Malware im App-Store, die Knebel-EULA bei iBooks Author, die Übermittlung vertraulicher Adressbuch-Daten, die Arbeitsbedingungen bei Foxconn …  neuerdings dauert es nur noch wenige Stunden, bis Apple einen Missstand abstellt oder zumindest ein paar Sätze dazu sagt.

Der ABC-Journalist Bill Weir wurde nun in Absprache mit Apple zu Foxconn geladen, um für das Nachrichtenmagazin Nightline einen Blick in die Produktion von iPhone und iPad zu werfen (Video der 15-Minuten-Sendung). Die Fabrik im chinesischen Shenzhen beschäftigt 240.000 Arbeitskräfte. Lohnarbeiter aus der Provinz übernachten und essen auf dem Werksgelände, um anschließend wieder für 12 Stunden ihren Arbeitsplatz einzunehmen.

Eine Szene in der faszinierenden Reportage erinnerte mich unmittelbar an den legendären Macintosh-Werbespot aus dem Jahr 1984 (Abbildung oben), der nur einmal – beim Super-Bowl – ausgestrahlt wurde, aber in die Geschichte der Werbung eingegangen ist. Eine Foxconn-Managerin informiert die Arbeitskräfte ihrer Abteilung per Lautsprecher über die Essenspause, worauf zig Arbeitskräfte wie gleichgeschaltet den Weg zur Kantine antreten, weiter begleitet von der blechernen Mikrofonstimme:

Markus Hanzer »Genesis«, kostenloses iBook [Update]

Wahrscheinlich ist es das erste iBook im Selbstverlag, das von einem professionellen Gestalter mit der neuen Macintosh-Software iBooks Author erstellt wurde, die Apple vor 2 Wochen vorgestellt hat … Der österreichische Designer und mehrfache TYPO-Berlin-Sprecher Markus Hanzer hat es gestern veröffentlicht. Unter dem Titel »Genesis« setzte er sich auf der TYPO Berlin 2011 mit den Veränderungen in seinem Beruf auseinander. Der viel beachtete Vortrag lieferte nun den Inhalt für sein kostenloses e-Book, das im iTunes-Store zum Download bereit liegt.

Das Buch beleuchtet die unterschiedlichen Vorstellungen, die sich im Laufe der Geschichte über den Mensch als Gestalter entwickelt haben und fragt danach, welche dieser Ansätze noch von Bedeutung sind. In jedem Diskurs über Gestaltung taucht früher oder später die Frage auf : Wer hat die Zügel in der Hand? Wer hat die Welt in ihrer uns erfahrbaren Form geschaffen? Ist das Werk gelungen? In welchem Rahmen sind Veränderungen denkbar und wer hat das Recht ein Urteil zu fällen?

Je mehr Gestaltungsarbeit sich von traditioneller Handarbeit entfernt, indem wir mit Programmen und vorgefertigten Templates und Designelementen von der Stange arbeiten, desto komplexer wird die Rechtslage, die uns vorgibt, wie weit unsere Handlungsspielräume noch reichen, welche Rechte den so genannten Urhebern eingeräumt werden, wer, was als sein geistiges Eigentum bezeichnen darf, und somit auch, welche Schranken und Grenzen der Gestaltung gesetzt werden. Wer hat das Recht die Welt umzugestalten und wer darf wann andere zur Kasse bitten, wenn diese vorgefundene Gestaltungselemente benutzen wollen?

Es zeigt sich, dass Gestaltung nach wie vor der gemeinschaftlichen Konstruktion eines Weltbilds dient. Beim Design werden zentrale Fragen verhandelt, zum Beispiel wie wir zu unserer Umwelt stehen, wie wir unser Zusammenleben ordnen und welchen Zielen wir unsere Lebensenergien widmen? Es geht gar nicht mehr darum, jeden denkbaren Raum mit Zeichen zu füllen, sondern einen Raum zu schaffen, in dem sich Zusammenleben entfalten kann. Oder wie die von Markus Hanzer zitierten Hans-Joachim Gögl und Josef Kittinger meinen: »Veränderung führt über das Erlebnis der Alternative. Wandel benötigt sinnlich erfahrbare Modelle anderer Realitäten; Prototypen einer anderen Wirklichkeit. Denn wir verwandeln uns in das, was wir betrachten, da die Energie der Wahrnehmung folgt. Wir sind somit verantwortlich für unsere Aufmerksamkeit.«

Fazit: Das in den letzten Jahrzehnten gewachsene Heer an Gestalterinnen und Gestaltern wird dringend gebraucht, sollte es gelingen, dass jene die Hilfe suchen, diese auch finden.

Ich sprach mit Markus Hanzer über die Produktion seines e-Books:

Fontblog: Markus, wie hast Du das e-Book produziert?

Hanzer: Ich habe die Datei mit iBooks Author generiert … und – um ehrlich zu sein – sogar eines der angebotenen Templates benutzt.

Wie aufwendig war das für dich?

Nach dem ich mit Keynote sehr vertraut bin, bewege ich mich hier auf gewohntem Terrain. Unmittelbare Benutzung ohne jede Gebrauchsanweisung ist überhaupt kein Problem. Das Programm macht vielleicht Designer die sich primär mit QuarkXPress und Indesign beschäftigen nicht sehr glücklich, da Feinjustierungen in diesem Umfang nicht vorgesehen sind. Aber so schnell etwas veröffentlichen zu können, finde ich revolutionär.

Was kostet die Software?

Das Programm ist kostenlos, der Vertrieb meines Buches über den iTunes-Book-Store ebenso.

Was hat Apple davon?

Apple will damit jede Menge Publikationen in seinen Store spülen und damit auch den Verkauf des iPads voran treiben. Die Möglichkeiten die das iPad bietet sind durchaus berauschend und wir stehen ja hier absolut noch in den Anfangstagen.

Wo werden wir demnächst iBooks sehen?

Vor allem im Bildungsbereich, in dem Apple auch mächtig Gas gibt, sehe ich einschneidende Möglichkeiten Unterricht spannender, lebendiger, einprägsamer und individueller zu machen.

Brechen auch für Autoren neue Zeiten an?

Ob es für Autoren auf diesem Weg leichter wird, ein Publikum zu finden, sei dahingestellt … Die Zeit wird es weisen.

[Update: 2 weitere Fragen]

Hat Apple Dein Buch geprüft?

Ich habe keine Ahnung ob Apple das Buch geprüft hat. Sie haben mit mir in keiner Weise kommuniziert. Ich habe auch kein Bestätigungsmail oder sonst ein, wie immer geartete Nachricht bekommen.

Wie lange dauerte die Freigabe?

Ein paar Stunden. Falls man bei Apple in die Datei schaut, was ich annehme, hängt die Bearbeitung sicher davon ab, wie viele Uploads in einem bestimmten Zeitraum erfolgen.

Neue Volksbank-Spots setzen auf Geschriebenes

Vor genau zwei Jahren habe ich hier im Fontblog die  typografische »Was-uns-antreibt«-Printkampagne der Volksbanken Raiffeisenbanken vorgestellt: Schriften sind Schauspieler des geschriebenen Wortes. Auch die neuen Werbespots inszenieren den besonderen, auf die Wünsche der Kunden und Mitglieder bezogenen Ansatz der genossenschaftlichen Banken, erneut mit dem geschriebenen Wort.

Nachdem sich die Schöpfer der  erfolgreiche »Antriebskampagne« häufiger mit Nachahmungen konfrontiert sahen, musste freilich eine neue, eigenständige Stilistik gefunden werden, die in den Grundelementen mit der alten erkennbar verwandt ist. Nun baut die Kampagne nicht mehr auf fertige Satzschriften, sondern die Wörter bilden sich aus Handschriften, Objekten, Stop-Motion-Blumenarrangements oder aus Gebasteltem. Die Spots werden ab heute in privaten und öffentlichen Sendern geschaltet.

Auf der neuen Was-uns-antreibt.de-Homepage sind seit gestern alle sechs 30-Sekunden-Clips zu sehen, zum Beispiel der über Franz Donnerbauer, Nutzfahrzeuge-Fan aus Leidenschaft. Mit dieser im Rücken gründet der bayerische Geschäftsmann ein Unternehmen und hängte damit die Konkurrenz ab.

Ebenfalls sehenswert: Das Rentner-Ehepaar Kurt und Gertrud Stümer. Nach 60 Ehejahren führen sie einen amüsanten Dialog über ihr Alter. Sie wollen in die »Villa Emma« ziehen, ein generationenübergreifendes Wohnprojekt in Bonn, und dafür verkaufen sie ihr Haus:

Agentur: Heimat, Berlin
Produktion: Trigger happy production, Berlin
Künstlerische Leitung: Johann Kramer  (er stellte auch als Kurator die Arbeiten der einzelnen Künstler zusammen, die Inszenierungsideen für die verschiedenen Spots wie Lotte, Donnerbauer, Netter oder Stürmer lieferten)

Mein Nachtrag zum Typotag München

Am Freitag, auf dem Typotag in München, hatte ich die Ehre, unsere FontBook-App einem ausgesprochen aufgeschlossenen Publikum vorzustellen. Schon vor dem Betreten der Bühne war mir klar, dass die Ouvertüre meiner Präsentation unpassend konzipiert war. Ich hatte mir eine Strategie zurechtgelegt, mit der ich bibliophile Besucher auf »The End of Print« einstimmen wollte. Das war gar nicht nötig, wie mir eine Besucherin später auch bestätigte: »Das gedruckte FontBook ist mir schon lange viel zu unhandlich … es steht nur bei mir im Regal herum«. (weiterlesen …)

Erster, Erster, … Weihnachtskartenkritik 2011

Sie liegt vier Jahre zurück, doch noch immer erinnern sich viele Fontblog-Leser an meine Weihnachtskartenkritik von 2007. In den letzten Jahren merkte ich das an beigelegten Zetteln zur Jahresendpost, auf denen teils um Gnade oder ausdrücklich um eine Kritik hier im Blog gebeten wurde. Ich bin noch nicht sicher, ob ich dieses Jahr – nach langer Pause – erneut die Gunst der Stunde ergreife, und die (ausschließlich berufliche) Weihnachts- und Neujahrspost öffentlich zur Schau stelle.

Vor 4 Jahren hatte ich meine Aktion bereits im Sommer angekündigt, so dass es ausreichend Vorlauf gab, um die 10 peinlichsten Weihnachtsgrußfehler zu vermeiden. Trotzdem tappten viele in die alten Fallen … Für eine Vorwarnung ist es nun zu spät, also mache ich es von meinem Feingefühl bzw. einer Ansage abhängig: Wer Kritik wünscht, bekommt sie.

So wie Stefan aus Köln. Seine Post erreichte mich am vergangenen Freitag und erfüllte damit das selbst gesteckte Ziel: Es war der erste Gruß zum neuen Jahr. Wörtlich schreibt Stefan »Lieber Jürgen, ich hoffe, ich bin tatsächlich diesmal der erste, der dir ein frohes neues Jahr wünscht. Ich warte schon wieder gespannt auf die diesjährige Bilanz der Weihnachtsaussendungsauswertung.«

Stefans Post besteht aus einer Ansichtskarte mit dem Motto »Erster! Erster.« Das Thema ist Programm, und zwar im doppelten Sinn: Stefan will Erster sein und er grüßt zum 1. 1. Aus diesem Grund enthält die beiliegende Musik-CD auch nur 1 Song mit genau diesem Titel »Erster Erster«, komponiert, getextet und vorgetragen von unserer Lieblingsband Erdmöbel, entnommen dem Album »Krokus«, erschienen 2010 (iTunes-Link).

Urteil: Prima gemacht, Stefan. Ich bin sicher, dass du die Rechte für das Brennen der CD(s) geklärt hast … die Gestaltung ist ordentlich, das Thema perfekt getroffen, Mission erfüllt, Schulnote 2+.

Eine deutsche Geschichte, zum 9. Nov [Update]

[To all english speaking Fontblog readers: My colleague Steven Heller has just published the same story here …]

Im vergangenen Jahr wies ich im Fontblog auf die Plakate von Blotto Design hin, auf denen historische Werke der Weltliteratur in 3,2 Punkt gesetzt sind: Weltliteratur, auf einem einzigen Blatt Papier. In der aktuellen PAGE gibt es die Fortsetzunggeschichte zu der Poster-Literatur mit Namen All The World’s A Page.

Vor einigen Wochen erinnerte sich Thilo von Debschitz, TYPO-Sprecher und Koautor des Buchs Fritz Kahn: Maschine Mensch, an das Mikroschrift-Projekt, weil ihm »ein Stück deutscher Geschichte in die Hände gefallen« war, genauer gesagt handelt es sich um sieben Zettelchen. Sie lagerten im Haus eines Bekannten, von dem er nur wusste, dass er mit seiner Familie einst einen missglückten Fluchtversuch aus der DDR unternommen hatte. »Irgendwann konnte ich meine Neugier nicht zügeln und fragte nach den Umständen der Flucht. Nachdem er mir seine lange, bewegende Geschichte erzählt und (für mich erstmalige) Einblicke in eine Stasi-Akte gewährt hatte, holte er eine kleine Kartonbox hervor. Darin befanden sich sieben kleine Zettel, beschrieben mit mikroskopisch kleiner Handschrift. Ich habe es ausgemessen – die Schriftgröße beträgt 4 Punkt.« schreibt Thilo von Debschitz.

(weiterlesen …)

Gestaltung des Hybridmediums TagesWoche


»Schneller und näher am Leser« … das möchte die gerade lancierte TagesWoche aus Basel sein. Die Berliner Designer Matthias Last und Manuel Bürger erarbeiteten in Zusammenarbeit mit der Schweizer Redaktion ein Nachrichtenkonzept der neuen Generation, ein Hybridmedium, das tägliche Nachrichten im Netz und wöchentlich ausführliche Hintergrundberichte auf Papier herausbringt. Dabei setzten die Gestalter auf eine starke CI, die der Marke auf den Kanälen Online, Print und Mobile einen klaren Wiedererkennungswert gibt. Mit der Verknüpfung der Kanäle und vor allem einer starken Einbindung der Online-Community wird eine crossmediale Dichte erreicht.

Ich hatte vorhin die Gelegenheit, mehr über das Projekt zu erfahren …

Fontblog: Welche speziellen Anforderungen ans Design ergaben sich bei der TagesWoche?

Matthias Last: Die Anforderungen an das Design waren: Ein modulares, visuelles System bereit zu stellen, dass von einer kleinen Redaktion (30 Köpfe) schnell und praktikabel eingesetzt werden kann. Das Layout musste dynamisch sein, um verschiedenste Themen aufzufangen und Rhythmus in der mit 56 Seiten kalkulierten Zeitung zu erzeugen. Die visuelle Identität und Repräsentation von Zeitung und Website sollte hoch sein, das heißt beide Medien sollen aus einem Guss kommen … was meines Wissens die wenigsten Zeitungen im Moment leisten.

Grundschrift ist die allgegenwärtige Georgia … wie lässt sich mit ihr Unverwechselbarkeit sicherstellen?

Matthias Last: Ja, das angefertigte visuelle System zeichnet sich vor allem durch die limitierte Schriftwahl aus. Als Grundschrift wurde sowohl für Web als auch Print die Georgia gewählt. Identiätsbildend ist aber die Kombination von Georgia und Founders Grotesk, einer Schrift von Kris Sowersby (Klim Type Foundry). Die Founders Grotesk vermittelt – neben ihrer seriösen Ausstrahlung – eine gewisse junge Haltung, was man in etwas »schrägen« und »handgemachten« Details sieht. Das Logo der TagesWoche ist mit der Founders Grotesk gesetzt und hat die markante grüne Unterstreichung, welches auf die starke Einbindung der Community verweist: Jeder User der Website ist ebenfalls grün unterstrichen.

Warum haben Sie sich für das selten in Zeitungen eingesetzte Grün entschieden.

Matthias Last: Die Farbe Grün steht für das engagierte Verhalten der Zeitung. Dabei wurden für Web und Print verschieden Grüntöne gewählt, um jeweils das eindrucksvollste Ergebnis zu erzielen, eine mutige, aber dennoch moderne und zeitgemäße Art, eine (Un)corporate zu betreiben.

Welche Rolle spielt das grüne Dreieck?

Matthias Last: Es ist ein weiteres wichtiges Merkmal der TagesWoche und eine wichtige Komponente des visuellen Systems. Das Dreieck steht für Einmischen und Anecken und symbolisiert die aktive Teilnahme der Leser/User an der Zeitung. Die visuelle Verbindung von Print und Web der TagesWoche sind durch solche reduzierten und markanten Merkmale der CI gewährleistet.

Zeitung und Website machen einen sehr flexiblen Eindruck …

Matthias Last: Das Layout der Zeitung besteht aus wenigen simplen Bausteinen, die je nach Artikel zusammengesetzt werden können. Mit wenigen Mitteln und der Komposition von Bild und Text können so die Artikel abwechslungsreich gestaltet werden. Die TagesWoche verfügt zusätzlich über 2 Fließtextgrößen um dem Leser Abwechslung und Entspannung zu bieten.

Vielen Dank für die Informationen.

Weitere Beispielseiten auf matthiaslast.com und natürlich bei www.tageswoche.ch

InDesign: Weicher Umbruch, weiche Trennung

Heute morgen schrieb mir Stefan Brunner: »Fontblog begleitete mich durch mein Studium als Kommunikationsgestalter und hat mich stets zur Lösung von Problemen angeregt. Nun, da ich mein Studium beendet habe, stehe ich wieder mal vor einer Herausforderung, für die ich, trotz intensiver Recherche, noch keine Antwort gefunden habe. Es geht um weiche Umbrüche und Trennung im InDesign.

Flattersatz ist ja nicht gleich Flattersatz. Ein wirklich guter Satz kostet viel Zeit und Leidenschaft, da ist es umso ärgerlicher, wenn man Anpassungen vornimmt, die bei weiteren Änderungen nicht berücksichtigt werden. Angenommen ich habe folgenden Absatz (ein beliebiges Beispiel):

So gefällt er mir allerdings besser:

Heißt also, ich muss das »soll« mit Hilfe eines harten Umbruchs in die nächste Zeile bringen und dort bleibt es auch, egal ob der Text oben noch kürzer wird oder nicht. Ähnlich verhält es sich bei Trennungen. Passt ein Wort definitiv in die Zeile, kann ich es nur umbrechen, indem ich einen Bindestrich einfüge und wiederum hart umbreche. Besonders ärgerlich, da, sofern das Wort wieder in die Zeile hoch rutscht, der Trennstrich im Wort bleibt.

Nun gibt es bestimmt Möglichkeiten, das irgendwie hinzutricksen, beispielsweise durch geschützte Leerzeichen, durch geschützte oder bedingte Trennstriche, aber wirklich sauber ist das auch nicht und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass so eine grundlegende Funktion in InDesign nicht vorhanden sein soll. Bisher konnte man mir lediglich sagen, dass dies alles im Quark und Freehand wohl kein Problem sei, aber wie das im InDesign funktioniert, bleibt mir unklar.«

Vielleicht kennen einer der Fontblog-Leser eine einfache, praktische Methode. Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen.

Adidas Laces: Orientierungssystem, Interior Design

Bewegte Buchstaben, schwingende Schrift
Text: Büro Uebele und Zieglerbürg, Fotos:  Werner Huthmacher, Christian Richters

Die englische Bezeichnung »laces« (Schnürsenkel oder Spitzen) bildet die Metapher für die gebaute Kommunikation eines weltweit agierenden Unternehmens, das in der Entwicklung von Sportartikeln und Sportmode führend ist. Das Wesen des Sports ist Bewegung, und sie bestimmt auch die grafische Sprache, bewegte Typografie durchzieht das neue Adidas Design Center (Architektur: kadawittfeldarchitektur). Sie zeigt sich selbst in der Schrift des Orientierungssystems: leicht und schnell schwingt sie sich über Wände und Geländer, vibrierend verändert sie ihre Form.

Worte bezeichnen Orte, werden zu Farbflächen, Reliefs und Skulpturen. Laces ist der Entwicklung und dem Design gewidmet. Es ist ein sachlicher Ort in Schwarz und Weiß, der den Mitarbeitern einen neutralen Raum für die bunten Produkte bietet. In den Besprechungszonen der oberen Etagen ist die weiße Schrift, scheinbar mitten in der Bewegung, zu einem Wandrelief erstarrt. Auf den Glasbrüstungen der Stege, die das Innere des Gebäudes durchziehen, wirken die Buchstaben wie aus einem hauchdünnen, durchsichtigen Vlies ausgestanzt. Die Konturen bestehen aus hochspiegelnder Folie und erzeugen so ein flirrendes Bild. An besonderen Orten verdichten sich die Schriftzeichen zu abstrakten Flächen oder bilden Paravent, Empfangstresen und Mitarbeitereingang. In den Untergeschossen werden die reliefartig wirkenden Wandbilder der Besprechungszonen, die Namen diverser Unternehmensprodukte tragen und den Räumen ihre unverwechselbare Identität geben, in zweidimensionalen Farbklängen ausgebildet. Zusätzlich werden Wände, die der Orientierung dienen, durch die Farben Blau, Rot, Gelb, Grün und Schwarz markiert.

Orientierungssystem

Das Haus bildet eine räumliche Schleife. Freischwebende Stege überspannen ein Atrium und schnüren den Baukörper, ähnlich den Schnürsenkeln eines Sportschuhs, zusammen. Sie verbinden die einzelnen Abteilungen des Gebäudekomplexes und sorgen so für kurze Wege und vermeiden störenden Verkehr in den Büros. Das Orientierungssystem unterstützt diesen Gedanken, indem es an Knotenpunkten über die Lage der Gebäudeteile informiert. Auf den gläsernen Brüstungen sind die Namen der Besprechungszonen zu sehen, die beim Blick durch die Halle ein bewegtes, aber zurückhaltendes Bild erzeugen und den Besuchern den Weg weisen.

Die Hausschrift, eine Entwicklung auf Basis der FF DIN, ist aufgelöst. Die Konturlinien der Buchstaben und der Pfeile werden, vertikal versetzt, rhythmisch wiederholt: daraus entwickelt sich der Eindruck einer sportlichen Bewegung. Die schillernden – wie im Zeitraffer erstarrten Zeichen – werden zu wechselnden Mustern kombiniert und bieten dem Betracher ein abwechslungsreiches, laces-typisches »Schnürmuster«.

Um eine gute Lesbarkeit zu gewährleisten wird jeweils ein Buchstabe und ein Pfeil der Sequenz von einer dicken Konturlinie überlagert. Als Zielbestätigung wird ein alphabetischer Code vor den Eingängen zu den Abteilungen gezeigt. Im Erdgeschoss und im Hof ist diese Zielbestätigung überdimensional in die paraventartige Fassade aus dünnen Stahlröhren integriert. Sie sind von jedem Standpunkt der Halle zu sehen und bieten eine selbsterklärende Orientierungshilfe. Das Motiv der bewegten Schrift bildet interessante Muster wie gehäkelte Spitzen – laces. Die – auf den ersten Blick abstrakten Muster – geben deutliche Hinweise auf die verschiedenen Räumlichkeiten, wie Konferenzraum, Restaurant, Athlete Services und Brand Archive.

Interior Design

Die Lounges, die als Besprechungsräume mit angrenzenden Teeküchen dienen, sind für die Entwicklung des Produktdesigns wichtige informelle Zonen. Ihre Bedeutung wird durch eine signaletisch prägnante Ausformung der Wände unterstützt. Die Reliefs mit den Schriftzügen berühmter Produktpersönlichkeiten geben diesen offenen Räumen nicht nur den Namen, sondern auch eine unverwechselbare Identität und Orientierungshilfe. Beispielsweise sind sämtliche Oberflächen der Teeküche in einem Buntton gehalten. Die Farbe leuchtet durch die Ausgabetheke in die weiße Welt der Besprechungszonen und unterstützt die unterbewusste Orientierung. Auch die Vorhänge der Besprechungsräume sind innen farbig und außen weiß. Das Bunte kann, wenn es als störend empfunden wird, zur Seite geschoben werden. Die kräftigen Töne folgen einem sportlichen Prinzip. Der äußerst sparsame Einsatz von Farben setzt in der schwarz-grau-weißen Skala einen frischen Akzent. Die leuchtende Buntheit kommuniziert den Unternehmenszweck: Sport.

Hat das Tonbuch Zukunft?

Welch wunderbare Geschäftsidee: vertonte E-Books … nicht zu verwechseln mit Hörbüchern. Ein vertontes E-Book liest man selbst, doch dies geschieht nicht in aller Stille sondern wird von einem Soundtrack begleitet. Dass wir uns jetzt richtig verstehen: Es geht nicht um Lesegeräusche, etwa das Rascheln von Papier oder Blätter-Sounds. Nein, hier ist die Rede von einer Vertonung wie wir sie vom Film kennen, also Hintergrundgeräuschen, Sound-Effekten und Begleitmusik. Klingt irgendwie komisch, bereitet mir aber gerade einen Riesenspaß. Während ich dass hier schreibe knistert auf meinem iPad der Kamin von Seite 3 des kostenlosen Demo-Buchs Sherlock Holmes – Speckled Band. Wird das stumme E-Book bald ein abgeschlossenes Kapitel in der Geschichte des Lesens sein, so wie der Stummfilm für das Kino?

Die Lautstärke der drei Tonspuren für Stimmung, Sound-Effekte und Musik lässt sich individuell regeln

Die Entwickler von Booktrack sind gut aufgestellt. Hauptinvestor ist Peter Thiel, Mitbegründer und Ex-Geschäftsführer von PayPal. Seine Partner arbeiten in New York, Hong-Kong und Neuseeland. Sony/ATV stellt sein Musik- und Sound-Archiv zur Verfügung, HarperCollinsPublishing liefert den literarischen Content und falls maßgeschneiderte Begleitmusik gewünscht wird, steht das New Zealand Symphony Orchestra zur Verfügung.

An wen wendet sich das Tonbuch? Möglicherweise ist es geeignet, bei einem bestimmten Typ Leser die Aufmerksamkeit bzw. die Leseausdauer anzufachen. Leseunwillige dagegen lassen sich auch mit Booktracks kaum kurieren. Vielleicht entsteht eine neu Art Buch, bei der eine Klangidee der Ausgangspunkt ist und die geschriebenen Worte erst später folgen. So könnte ich mir zum Beispiel ein raffiniertes E-Book über die Geschichte von Motown-Records vorstellen oder die Biografie von Mick Jagger. Ich bin gespannt, wie das erweiterte Medium Buch von der Leserschaft aufgenommen wird.

Im nachfolgenden Werbevideo wird die Booktrack-Idee vorgestellt und erläutert:

Mobiles Grafikdesign in der Provinz

Seit Ende Juni ist die Berliner Designerin Eva Kretschmer mit ihrem gelben Hupe Design-Bus in Brandenburg unterwegs und bietet kleinen Unternehmern und Firmen ihre Dienste an. »Mein Angebot ist offen für jegliche Art von visueller Gestaltung. Ich überarbeite Speisekarten, entwerfe Ladenschilder, entwickele Logos und benenne Imbissbuden um. Darüber hinaus lasse ich mich gern auf individuelle Vorstellungen ein. Die ›Bezahlung‹ soll als Tauschgeschäft funktionieren, kann aber auch mit finanziellen Mitteln geschehen. Wichtig ist die Deckung des täglichen Bedarfs wie Essen, Benzin, Strom, Internet und Stellplatz.« Mit diesen Sätzen hat sie ihr Projekt in einem PDF formuliert, das sie zu Beginn ihrer Diplomprojekt an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Prof. Alex Jordan übergab, der sie im Fachbereich Visuelle Kommunikation betreut.

Durch das Herumfahren und mittels Empfehlungen versucht die Designerin an neue Aufträge zu gelangen. Wochenweise lädt sie darüber hinaus immer wieder Gäste zu sich ein – Illustratoren, Fotografen, Architekten, Literaten und ähnliche – , die als »Special offer« ihr Angebot bereichern. Nebenbei möchte sie auf ihren Fahrten interessante und engagierte (Geschäfts-)Ideen ausfindig machen und dokumentieren. »Brandenburg ist geprägt durch Wirtschaftsschwäche und Zersiedelung, dennoch entwickeln gerade dort die Menschen interessante und ungewöhnliche Überlebensstrategien.« schreibt sie in ihrem Blog. Diese Menschen möchte sie kennenlernen und interviewen. Ihr eigenes Geschäft wird auf diese Art Mittel zum Zweck, um diesen Menschen nahe zu kommen und ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen zu kommunizieren.

»Es geht darum herauszufinden, ob ihre Überlebensstrategien wirken, was ihnen an ihrer Arbeit wichtig ist und was sie dafür in Kauf nehmen. Gleichzeitig hinterfrage ich meine Rolle als Grafikdesigner: kann ich überhaupt nützlich sein, wofür werde ich gebraucht und welche Kompromisse bin ich bereit dafür einzugehen. Diese Auseinandersetzung gibt mir die Möglichkeit, über Arbeits- und Identitätssuche beider Seiten zu reflektieren.« so beschreibt die Designerin das Ziel ihrer Diplomarbeit. Es werde interessant sein zu erfahren, welche Wertschätzung man für seine Arbeit oder Leidenschaft erfährt, also auch wie viel Auftraggeber bereit sind zu zahlen.

Nach den ersten Aufträgen in Zempow fuhr Eva Kretschmer weiter nach Heimland. Dort gestaltet sie im Moment Infotafeln für das Ferienland Luhme. »Der Mitinhaber und Linken-Stadtverordnete Freke Over hat sie außerdem gebeten, das Willkommensbild zu malen, dass seit gestern Reisende am Bahnhof der Prinzenstadt begrüßt. Es verdeckt ein Nazi-Graffito.« weiß die Märkische Allgemeine zu berichten. Auch andere Lokalzeitungen sind bereits auf das interessante Projekt aufmerksam geworden.

10 Praxistipps zu Lion (2/3)

(Meine OS-X-Lion-Tipps 1 – 3sind hier zu finden …)

4. Ein PDF handschriftlich signieren

Der Homo Digitalis hat kein Faxgerät zu Hause, und Briefmarken befinden sich allenfalls im Sammelalbum. Konsequenterweise verlassen Bestellungen, Kündigungsschreiben und Briefe an Behörden den Arbeitsplatz als PDF, per E-Mail – ohne Transportkosten und minutenschnell erledigt. Das einzige Problem: Wie kriege ich eine handgeschriebene Unterschrift auf digitale Formulare? Nur Photoshop-Experten wissen eine Handschriftzug zu scannen, freizustellen und auf transparenten Hintergrund zu stellen. Selbst wer eine solche digitalisierte Signatur auf seiner Festplatte als .png-Datei vorrätig hat verzweifelt spätestens dann, wenn er sie in einem Word-Dokument oder einem PDF platzieren möchte.

Apples OS X Lion bietet jetzt eine verblüffend einfache Methode, ein PDF im Programm Vorschau mit einer sicheren Unterschrift zu versehen, und zwar über die eingebaute FaceTime-Kamera. Zunächst öffnet man das zu signierende PDF im Programm Vorschau (wenn ein Dokument noch nicht als PDF vorliegt, lässt es sich ganz einfach über den Drucken-Dialog in ein solches verwandeln). Ein Klick auf den Stift-Button (»Anmerkungen«) in der Vorschau-Symbolleiste klappt eine zweite Werkzeugleiste auf, in der sich das Signatur-Werkzeug befindet (ein S auf einer Grundlinie). Wenn man darauf klickt, erscheint die Option »Signatur von FaceTime-HD-Kamera (integriert) erstellen …«. Wählt man diese Option, schaltet sich die Kamera an und ein Fenster öffnet sich mit einer kleinen Anleitung: »Schreiben Sie Ihren Namen mit schwarzer Tinte auf ein kleines Blatt Papier«. Genau das habe ich getan, anschließend das Blatt vor die Kamera gehalten, so dass es auf der blauen Hilfslinie steht, und schwupp … wurde die Signatur eingelesen und für immer gespeichert.

Diese Signatur lässt sich nun mit drei weiteren Klicks platzieren, skalieren und sogar einfärben – und natürlich liegt sie auf transparentem Grund. Warum meine im Original zugelaufenen Innenräume der beiden e in der digitalen Version geöffnet wurden weiß nur Apple und deutet damit an, dass in diesem kniffligen Prozess, der so leicht zu bedienen ist, eine Menge Know-how und Patente stecken.

5. Den User/Library-Ordner wieder sichtbar machen

Der Library-Ordner ist so etwas wie die Abstellkammer des OS-X-Betriebssystems. Hier landet all das, was den Benutzer nicht interessieren muss. Nur wenn es wirklich mal hakt, in einer Anwendung oder mit einer Voreinstellung, muss man doch in die Library, um zum Beispiel Plug-ins zu löschen oder den Application-Support-Ordner auszumisten. Designer schauen auch gerne mal hinein, um im Fonts-Ordner aufzuräumen.
Dummerweise hat Apple den Library-Ordner seit Lion unsichtbar gemacht. Mit der folgenden Befehlszeile, eingegeben in Terminal-Programm, wird er wieder sichtbar:

  • chflags nohidden ~/Library

Um diesen Vorgang wieder rückgängig zu machen, gebe man folgenden Befehl ein:

  • chflags hidden ~/Library

Wer nicht im Terminal herumfummeln möchte, kommt im Finder über das Menü »Gehe zu« in den Library-Ordner, indem er beim Aufruf des Menüs die alt-Taste gedrückt hält.

6. Die neue Rechtschreibkontrolle

Die Autokorrektur in Lion zeigt jetzt Korrekturvorschläge unter einem Wort an, ähnlich wie auf iPhone und iPad. Tippt man den Wortabstand, wird die vorgeschlagene Änderungen übernommen; um die aktuelle Schreibweise beizubehalten klickt man auf das x.

Akzentbuchstaben lassen sich in Lion leichter eingeben als je zuvor: Man hält einfach den Grundbuchstaben gedrückt (zum Beispiel das s um ein š zu finden), worauf eine kleine Dialogblase mit allen Alternativen und Sonderzeichen aufspringt. Das gewünschte Zeichen kann dann durch Klicken ausgewählt werden; wer die Hand nicht von der Tastatur nehmen möchte, verwendet die Pfeiltasten und Enter.

Ebenfalls neu ist das direkte Nachschlagen im Mac-Wörterbuch (das sich Lexikon nennt) über das Trackpad. Je nachdem mit welchen Büchern es bestückt ist (es gibt im Internet tolle kostenlose Wörterbücher für das Lexikon zu laden), hilft einen das Lexikon dabei ein Wort zu übersetzen (Deutsche-Englisch und umgekehrt), eine ähnliches Wort (Thesaurus) zu finden oder die Rechtschreibung zu überprüfen. Um das Lexikon-Fenster aufzurufen, einfach ein Wort mit drei Fingern doppelt antippen.

7. Mit dem Kalender auf Du und Du

Wen schon immer das kleinkarierte Formular zum Anlegen eines Kalendereintrags abgeschreckt hat, sollte dem neuen Lion-Kalender eine neue Chance geben. Der versteht nämlich jetzt Umgangssprache. Zum Anlegen eines Eintrags klickt man auf das Pluszeichen oben links und gibt einfach ein paar passende Wörter zum Ereignis ein, wie beispielsweise »Peters Geburtstagsfeier um 20 Uhr« oder »Mittagessen mit Jan am Donnerstag«, und überlässt iCal den Rest. Der eingegebene Text wird mit hoher Treffsicherheit in ein Ereignis mit Name, Uhrzeit und Ortsangabe verwandelt, und wenn was nicht stimmt, lässt es sich sofort leicht nachbessern.