Fontblog Persönliches

TV-Sender sortieren, aber wie?

Es gibt Menschen, denen die Reihenfolge der TV-Stationen auf ihrer Fernbedienung komplett egal ist: Sie speichern die Programme so ab, wie sie vom Receiver gefunden werden. Ich gehöre zu der anderen Gruppe, die versucht, dem Sender-Chaos irgendwie eine Ordnung zu geben. Dieses Verhalten könnte angeboren sein, oder eine Sucht … die praktische Komponente am Sortieren ist Bequemlichkeit: Ich will einfach die mir wichtigen Programm auf den 10 Nummerntasten der Fernbedienung ansteuern können. Der unwichtige Kram, den ich nie ansehe, soll ganz hinten hin.

Nach welchen Kriterien sortiere ich nun? Es ist eine Mischung aus Popularität, Neugier und inhaltlichen Kriterien. Einige Sender stehen aus mnemotechnischen Gründen da, wo sie hingehören, zum Beispiel ProSieben. Aber nicht: Das Vierte.

Die nachfolgende persönliche Sortierung bezieht sich auf die in Berlin über TVB-T empfangbaren Sender.

Platz 1 bis 3 müssen bei Sortierfanatikern in meinem Alter, die zu einer Zeit TV gesehen haben, als es nur einen einzigen Kanal gab, historisch sortiert sein:

1. ARD (1950)
2. ZDF (1963)
3. RBB Berlin (1964)

Anschließend gilt es, eine Ordnung in die privaten Sender zu bringen. Bei mir ist es eine Mischung aus Bedeutung (Marktanteil) und Merkbarkeit. Seit einigen Jahren sortiere ich so:

4. RTL
5. Sat.1
6. Vox
7. ProSieben

Arte hat sich bei mir – trotz anderer Prophezeiung (siehe: Warum die arte-Werbung ein Rohrkrepierer ist) – auf Platz 8 eingebrannt:

8. arte

Bevor ich den ARD-Regionalprogrammen einen ganzen Block widme, folgen einige öffentlich-rechtliche Qualitätssender, für die ich seit Jahrzehnten ehrlich meine GEZ-Gebühren zahle:

9. 3sat
10. extra
11. KiKa/ZDF_neo

Dann die Regionalprogramme, sortiert von Nord nach Süd

12. NDR
13. RBB Brandenburg
14. WDR
15. HR
16. mdr
17. SWR
18. BR

Nun die Nachrichtensender:

19. ZDF.info
20. n-tv
21. phoenix
22. Eurosport
23. tv.berlin
24. Euronews/Channel21
25. N24

Dann die »billigen« Privaten:

26. Kabel Eins
27. Super RTL
28. RTL II
29. Tele 5
30. Sixx
31. Music 1
32. Servus TV
33. Anixe
34. Spreekanal/Juwelo
35. Das Vierte
36. bibel.tv

Ganz am Ende die Shopping-Kanäle:

37. QVC
38. HSE24

Wie sortiert ihr?


Yello kann’s doch noch …

… gut kommunizieren, meine ich. Vor zwei Tagen zweifelte ich an der gelben Markenkultur (Kulturwende bei Yello Strom?), gesten dann die leicht verständliche Lösung, per Mail, gesendet von Sonja Wester (vom Yello Bloghaus), die meinen Beitrag bereits kommentiert hatte. Nachfolgend die Erläuterungen im Wortlaut … das sollte genauso öffentlich sein wie mein Lamento. Und noch was Gutes: Habe eben meinen Privatvertrag auf Ökostrom von Yello umgestellt (siehe Abbildung unten; FontShop läuft schon seit 2005 auf regenerativer Energie).

»Erst mal zu unseren neuen AGB.
Viel hat sich dabei eigentlich nicht geändert. Neben ein paar Formulierungen und Formatierungen (z.B. statt € 2,50 schreiben wir jetzt 2,50 €) ohne inhaltliche Auswirkungen haben wir vor allem diese Punkte angepasst:

Punkt 7: Preisänderungen.
Ändert sich Ihr Preis, erhalten Sie mindestens 6 Wochen vorher eine E-Mail mit den Details von uns. Bisher waren es 8 Wochen vorher. Hier haben wir uns an der aktuellen Gesetzeslage für den Strommarkt orientiert.

Punkt 15: Bonitätsprüfung.
Wir arbeiten jetzt mit der Firma Infoscore Consumer Data GmbH zusammen. Außerdem haben wir den Abschnitt etwas leichter verständlich formuliert.

Punkt 18: Rechte beim Umzug.
Ziehen Sie um, können Sie Ihren Vertrag einen Monat zum Ende des Kalendermonats kündigen. Vorher galten 4 Wochen zum Auszugsdatum.

Jetzt zu unserem Ökostrom Angebot:
Wie schon im Blog angekündigt kostet unser Ökostrom 0,3 Cent mehr pro Kilowattstunde. Wären bei Ihnen also statt 21,48 Cent mit Ökostrom 21,78 Cent. Der Grundpreis bleibt gleich.
Die Umstellung können Sie in Ihrem Mein Yello Bereich – den Sie ja auch schon kennen- unter „Daten ändern“ erledigen. Wenn Sie sich beeilen, klappt’s sogar noch mit dem 1. März.

Wenn Sie noch Fragen haben, schreiben Sie mir einfach eine E-Mail.«

Vielen Dank für die schnelle Aufklärung.


Kulturwende bei Yello Strom?

Nicht von ungefähr habe ich die Kommunikation von Yello Strom, auch hier im Fontblog, schon mehrfach gelobt. Es fing alles mit der wunderbar übersichtlichen Rechnung an, die ich im März 2006 erstmals erhielt (sie erscheint noch heute in derselben Aufmachung): Rechnungsdesign – ein Riesenlob für Yello. Im März 2007 wies ich auf das Yello-Marken-Buch von Bernd Kreutz hin, das dieser noch mal als PDF und kostenlos zum Download anbot. Zuletzt würdigte ich im November 2009 den einst von FontShop modifizierten Corporate Font von Yello, die  FF DIN – Grund zur FFreude im Büro … Im Privatkreis schwärme ich eimal im Jahr vom bequemen Ablesen und Übermitteln des Stromzählerstands auf www.mein-yello.de, mit sofortiger Berechnung meines Jahresverbrauchs und der papierlosen Übermittlung des neuen Abschlags.

Heute kam Post von Yello und ich frage mich, ob im Kölner Hauptquartier eine Kulturbankrott stattgefunden hat. In übelstem PR-Sprech will man mir neue AGBs unter den Hintern schieben, was mit blumigster Prosa verklausuliert wird: »Als Yello Kunde sind Sie es gewohnt, dass wir Klartext reden. Ob am Telefon, per E-Mail oder auch per Brief – einfache und faire Kommunikation mit unseren Kunden steht für uns an erster Stelle.« Ziemlich hohl, aber rein inhaltlich kann ich dem nicht widersprechen. »Das gilt auch fürs Kleingedruckte.« Nun regt sich erste Skepsis in mir: Kleingedrucktes ist selten einfach und fair.

»Wir machen’s kurz.« heißt es dann … ich werfe einen Blick auf das zweite Blatt des Briefes, dann wieder auf den ersten Bogen, dann wieder auf den zweiten (zweiseitig bedruckt), wieder zurück auf den ersten und denke mir: ›Wenn die mir jetzt den Inhalt von Blatt zwei bzw. die Unterschiede in den beiden Spalten auf Blatt zwei mit den verbleibenden drei Sätzen zusammenfassen, dann gebührt ihnen eine Goldmedaille für Kommunikation. Ich lese weiter: »Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen – kurz AGB – sind jetzt noch übersichtlicher und leichter verständlich.« Soll das ein Witz sein? Seite zwei ist in einer drei Punkt großen Schrift zweispaltig, vorne und hinten, komplett vollgedruckt – ohne Lupe nicht lesbar? Was soll der Quatsch? Ob die AGB »leichter verständlich« sind, kann ich gar nicht nachprüfen, ohne Lupe.

Drum heißt es jetzt wahrscheinlich auch: »Für Sie werden diese neuen AGB übrigens ganz automatisch gültig – lehnen Sie sich entspannt zurück. Nur wenn Sie mit der Änderung der AGB nicht einverstanden sind, geben Sie uns bitte bis zum 12. März per Brief oder E-Mail Bescheid.« Hallo?! Darf ich das mal übersetzen? Eigentlich wolltet Ihr doch schreiben: Wir finden es lästig, dass wir rechtlich gezwungen sind, Millionen Kunden mit einem solchen Brief über unsere geänderten Geschäftsbedingungen zu informieren. Viel lieber wäre uns, wir könnten das »automatisch« hinter deren Rücken tun und ein paar Millionen Euro Papier-, Druck- und Portokosten sparen sowie jeglichen Widerspruch im Kein ersticken.

»Haben Sie noch Fragen?« heißt es weiter. Ich denke mir: ›Fragen habe ich keine‹ …, aber ich wünsche mir, das Unternehmen per Gesetzt dazu gezwungen werden, die Änderungen Ihrer Geschäftsbedingungen mit einem Highlighter zu markieren und mir den Grund dieser Änderungen seitenweise und verständlich zu kommentieren. »Dann rufen Sie uns einfach kostenlos unter 0800 – 99999978 an oder schreiben Sie eine E-Mail an immerda@yellostrom.de … wie sind gerne für Sie da. Viele Grüße …« und so weiter.

Das werde ich tun. Der E-Mail füge ich eine PDF dieses Blog-Beitrags bei und den Satz »Ich bin mit der Änderung der AGB nicht einverstanden!« Mal sehen, was passiert. Fortsetzung folgt.


Drei ganz persönliche Geschenktipps

»Schanze, 1980« vom Thomas Henning, 96 Seiten, Junius Verlag

Er war der erste Kreativprofi, dem ich begegnete, als ich 1986 nach Hamburg kam um PAGE zu gründen: der Fotograf und Designer Thomas Henning. Er arbeitete damals für das Schwestermagazin MACup, und ich wurde Zeuge, wie er dort binnen sechs Wochen ein Redesign einführte. Mit Ansagen wie »Du schaffst das schon …« oder »… vorher gehen verlassen wir nicht das Büro.« trieb er unsere Kollegen zu Höchstleistungen an. Er gab nicht eher Ruhe, bis die simplen Programme Freehand 1.0 und PageMaker 1.5 Ergebnisse ausspuckten, die seinen professionellem Anspruch stand hielten.

Und so habe ich mich riesig gefreut, nach über zwei Jahrzehnten wieder mal Arbeiten von Thomas Henning zu sehen, noch dazu aus den 80er Jahren. Sein neues Buch »Schanze, 1980« (19,90 €, Amazon-Link) widmet sich einem Hamburger Stadtteil, der von Fans bis heute abgöttisch geliebt wird. Um 1980 war das Viertel um das Schulterblatt und vor der Sternschanze eine unwirtliche Nachbarschaft. Zwar sorgte das Gewürzwerk Hermann Laue in der Schanzenstraße für gut aromatisierte Luft, doch konnte der Geruch nach gemahlenem Zimt und Nelken den Gestank, der im Sommer vom Schlachthof herüberwehte, nicht überdecken. Draußen zu sitzen war wegen der Geruchsbelästigung und der fehlenden Sitzgelegenheiten nicht üblich.

Es gab auch nicht viel zu gucken im Schanzenviertel, denn noch hatte es die »kreative Szene« nicht erobert. Tagsüber bevölkerten einkaufende Frauen und alte Menschen mit zerfurchten Gesichtern die Straßen. Auf planierten Trümmergrundstücken spielten Kinder vieler Hautfarben. Eine wichtige Funktion erfüllte spät abends der Automatenladen im Abbruchhaus: Er hatte als einziges Geschäft im Viertel nach 19:00 Uhr geöffnet. Thomas Henning hat diese Stimmung mit wunderbaren sozialdokumentarischen Farbbildern festgehalten. Ein Zeitdokument, ohne jede kunstfotografische Prätention, inspiriert von den Protagonisten der amerikanischen New Color Fotography der 1970er Jahre.

»Eat!«, Food-Design-Kalender von Henning Otto und Elisabeth Plass, 124 Seiten, NBVD Verlag

Dieser liebevoll gestaltete Ringbuchkalender zeigt Design und Kunst mit Essbarem. 54 Designer, Künstler und Architekten zeigen visuelle Strömungen und besondere gestalterische Lösungen aus dem Umfeld von Essen, Trinken und Ernährung; in leckeren Appetit-Happen über das ganze Jahr 2012 verteilt. Weil Essen ein Kulturgut ist, liegt der Zubereitung, Inszenierung und Vermarktung von Nahrungsmitteln ein großes ästhetisches Interesse zugrunde. Grund genug dieses Thema im aufwändig produzierten Designkalender »Eat!« in den Mittelpunkt zu stellen.

Die versammelten Arbeiten informieren über Zeitgenössisches aus der Szene und liefern zugleich Inspiration und Anregungen. Kulinarische Kunstinstallationen und -Happenings, interessante Produkte, konzeptionelle Food-Fotografie, Brand- und Grafik-Design rund um das Thema Esskultur. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl der Projekte war, dass sie den Pfad des guten, künstlerischen Geschmacks nicht verlassen; denn mit Essen spielt man nicht.

Der Kalender ist unter anderem direkt beim Verlag, über Amazon sowie im gut sortierten Buchhandel für 17 EUR erhältlich.

»Deutschland – lerne zeichnend Bundesländer…«, Graffiti-Ausmalbuch, 48 Seiten

Besonders interessant für Kleinstädter: Wem die Betonmauern in der Umgebung zu karg sind, könnte dieses preiswerte Buch (6,95 €) dem Jugendzentrum oder Nachbarkindern spenden. Das Graffiti-Ausmalbuch fördert nicht nur das Farbgefühl sondern vermittelt zugleich geografisches Wissen, nämlich die Namen der deutschen Bundesländer und ihrer Hauptstädte – spielerisch. Im Klappentext heißt es: »Graffiti fördert im frühen Alter Kreativität, Farbenlehre und das Lernen von Buchstaben und Typografie! Das Graffiti Ausmalbuch Deutschland soll zum einen dazu beitragen, das einseitige negative Vorurteil gegenüber Graffiti zu relativieren, und gleichzeitig eine etwas coolere Lernhilfe darstellen. Das Malbuch enthält eine Auswahl von Illustrationen der deutschen Bundesländer und Landeshauptstädte von 28 heimischen Graffiti-Künstlern, die in jungen Jahren begonnen haben und mittlerweile ihren Lebensunterhalt in der Kreativ-Industrie bestreiten.« Dieses Buch gibt es sogar auf fontblog.wpengine.com, gemeinsam mit dem Schwestertitel »Graffiti Ausmalbuch: Malen wie die Profis«.


Eine Werber-Bilderbuchkarriere

Lieber Bernd Kreutz,

da ist es also, das telefonisch angekündigte »Werk«. Sie sprachen von einem »Familienalbum«. Doch was ich gestern auspackte, sieht auf den ersten Blick wie eine Mao-Bibel im XXL-Format aus: knallroter, typografischer Einband, 956 Seiten schwer. Allein der kapitalistische Aufkleber konterkariert den sozialistischen Einband: »Beta-Version, 99,90 €«. Ich dachte erst, das sei ein Witz. Aber nach dem 2-minütigen Ober-Buchchecker-Check (Impressum, Barcode, Amazon) merkte ich: Es ist Ihr Ernst. Das fand ich dann richtig witzig.

Ich nahm den »Backstein« abends mit nach Hause, legte ihn erst Mal auf meinen Schreibtisch. Fünf Minuten später stehe ich schon wieder davor, um ihn in die Hand zu nehmen. Eigentlich keine Überraschung für mich, als Physiker ist mir das Phänomen der Massenanziehung bekannt. Noch vor dem Abendbrot mit der Familie habe ich das erste Drittel Ihrer Chronik durchforstet. Das zweite Drittel folgte nach der Tagesschau, heute morgen der Rest.

Worum ich Sie beneide:

  • die Sperrsitzkarte für das Beatles-Konzert 1966 im Krone-Bau
  • ein ordentliches Auto mit 30 Jahren
  • die schönen Werbemädels Ende der 60er Jahre
  • Ihr ausgeprägtes Kinn und natürlich
  • den aufrechten Gang nach 40 Jahren Werbung

Ich hoffe, Sie haben immer die Wahrheit geschrieben ;-) Auf Seite 581 steht »Ich rauche nicht mehr« … das Buch roch allerdings nach Zigarettenqualm (wahrscheinlich der DHL-Bote, die paffen ungeniert in Ihren Fahrzeugen).

Conclusio: Ich gratuliere zu einer deutschen Bilderbuchkarriere. Hab’ viele alte Bekannte gerne wieder gesehen, aus einer Zeit, als die Werbung bei uns zu Recht mehr Ansehen genoss.

Jürgen Siebert


Der (Reklame-)Himmel steht wieder offen

Es war eine deprimierende Nachricht, am 24. Dezember 2007, als der frische und erfrischende Werbeblogger Bernd Kreutz (kreutzundpartner.de) nach 200 Tagen, wie angekündigt, sein Internet-Tagebuch Reklamehimmel schloss. Kreutz machte Yello Strom unverwechselbar, er ist einer der genialsten Markenexperten im Land. Er weiß was gut ist und was schlecht (unerreicht seine Abrechnung mit der dilettantischen Markenführung der Telekom 2001: Die Farbe Magenta und das Verhältnis von Macht und Recht), und dass man, frei nach Stephen Fry (siehe meinen Kommentar zum letzten Beitrag), Form und Funktion genauso wenig trennen kann wie Stil und Inhalt. Dieser Bernd Kreutz also regt sich über den verkorksten Steve-Jobs-Schutzumschlag bei C.Bertelsmann genau so auf wie ich (»… eine Schande für das deutsche Verlagswesen«), und hat deshalb seinen Reklamehimmel wieder geöffnet … Herr Kreutz, es gibt ausreichend Gründe, ihn so schnell nicht wieder zu schießen. Weitermachen!


Der Typograf

Bei aller Popularität von iMac, iPod, iPhone und iPad: Die erste Industrie außerhalb der Computerbranche, die Steve Jobs revolutionierte, war die Druckvorstufe – 500 Jahre nach Gutenberg. Dies war Anfang 1985, als er mit seinem Unternehmen Apple und den Partnerfirmen Adobe, Linotype und Aldus das Desktop Publishing (DTP) erfand. An den Apple-Computern Lisa und Macintosh war es erstmals möglich, professionelle Drucksachen auf dem Schreibtisch zu gestalten und auf Offsetfilm zu belichten. Nebenbei befreite DTP die typografische Gestaltung, durch WISIWYG-Darstelllung (What You See Is What You Get) und endlich frei verfügbare Schriftarten, die zuvor an Satzmaschinen gebunden waren. Auf einmal enstanden die ersten unabhängigen »Gießereien« für digitalisierte Schriften (Emigre, The Font Bureau, Alphabets) und die Anbieter solcher Fonts, auch FontShop.

Spätestens seit seiner Rede vor Studenten in Stanford 2005 ist Jobs’ Leidenschaft für Typografie einem breiteren Publikum bekannt. Er berichtet, dass im Reed College hervorragende Kalligrafie-Kurse angeboten wurden, in denen er alles über Serifen und serifenlose Schriften lernte, zum Beispiel was passiert, wenn man den Abstand zwischen einzelnen Buchstaben verändert, und was gute Typografie ausmacht. Wörtlich resümierte er: “None of this had even a hope of any practical application in my life. But ten years later when we were designing the first Macintosh computer, it all came back to me, and we designed it all into the Mac. It was the first computer with beautiful typography. If I had never dropped in on that single course in college, the Mac would have never had multiple typefaces or proportionally spaced fonts, and since Windows just copied the Mac, it’s likely that no personal computer would have them.”

Die Verdienste des genialen Unternehmers aus Cupertino werden häufig auf die Stichworte Marketing und Design reduziert. Wer den Erfolg Apples richtig verstanden hat weiß, dass es weit mehr ist. Doch die visuelle Gestaltung war immer die sichtbare Komponente des Apple-Erfolgs, bei der sich Jobs oft persönlich einmischte. Ob beim Produktdesign, mit seinen Keynotes, der Architektur der Apple-Stores oder dem iOS auf dem Retina-Bildschirm: exquisites Grafikdesign und eine vorzügliche Typografie gehören zu den Kernqualitäten der Apple-Kommunikation und -Strategie. In den Worten der Typografie: Der Raum zwischen den Dingen und ihre Beziehung zueinander sind mindestens so wichtig wie die Dinge selbst.

Meine berufliche Laufbahn fußte von Anfang an auf dem, was sich der Visionär Steve Jobs ausdachte, um die Welt zu verbessern. Als Wissenschaftsjournalist kam ich 1986 nach Hamburg zum MACup-Verlag, Herausgeber des ersten europäischen Mac-Magazins. Im September desselben Jahres gründeten wir PAGE, eine Zeitschrift fürs Desktop Publishing, die wir selbstverständlich auch mit diesem Verfahren produzierten. 1991 holte mich Erik Spiekermann nach Berlin in den FontShop, dem ersten Handelshaus für Schriften. Es folgten weitere Meilensteine … FontFont, FontBook, FUSE, FontBook fürs iPad … die auf dem basierten, was Steve Jobs der Medienindustrie bis zuletzt (iPad 2) persönlich in die Wiege legte. Vielen Dank dafür, Steve.

»Keiner will sterben«, sagte Jobs am Ende der oben zitierten Stanford-Rede, »selbst Leute, die in den Himmel möchten, wollen nicht sterben, um dahin zu kommen. Und doch ist der Tod das Ziel, das wir alle gemein haben.« Ohne Dramatik fügte er an: »Und das ist so, wie es sein sollte, denn der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens. Er bewirkt den Wandel. Er entrümpelt das Alte, um Platz zu machen für das Neue. Und das Neue seid Ihr.«

© Abbildung oben (Danke an Sebastiaan de With (Cocoia) für die Abdruckgenehmigung): das iPhone zeigt die Apple-Homepage von heute morgen ab ca. 03:00 MEZ
© Abbildung unten: Standbild aus dem Video des Apple Special Event vom 4. Okt. 2011, in dem mehrfach der reservierte Sessel für den Firmengründer eingeblendet wurde


Baumann & Baumann haben geschillert

Wenn ich Post von Baumann & Baumann bekomme, kann ich mit gleichermaßen unterhaltsamen wie staatstragenden Nachrichten rechnen. Diese Woche schreiben mir Barbara und Gerd: »Lieber Jürgen, ›Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit‹ … wir schließen uns dieser Feststellung Karl Valentins an und freuen uns umso mehr über den Red Dot Design Award für unser Corporate Design und Orientierungs-Projekt auf der Marbacher Schillerhöhe. In prominenter Gesellschaft mit David Chipperfields Literaturmuseum der Moderne, dem Schiller Nationalmuseum und dem Deutschen Literaturarchiv hoch oben über dem Neckartal verbinden und markieren unser Schiller-S und unser Ideen- und Gestaltungskonzept diese literarischen Orte und beziehen die neue Stadthalle von 4a Architekten mit ein.«

Die Schillerhöhe ist ein Park- und Museenareal im Zentrum der Stadt Marbach am Neckar. Sie ist benannt nach dem berühmtesten Sohn der Stadt, Friedrich Schiller. Neben dem Deutschen Literaturarchiv und der Marbacher Stadthalle befindet sich auf der Schillerhöhe das älteste Denkmal des Dichters. Mit seinen bis zu hundert Jahre alten Bäumen und der herrlichen Sicht ins Neckartal ist der Park auf der Schillerhöhe ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher und Gäste.

Wie wir es aus der wegweisenden Arbeit der Baumanns für den Bonner Bundestagsbau her kennen, Mitte der 80er Jahre, spielen auch auf der Schillerhöhe Zitat eine tragende Rolle. Ob Scheiben, Holzvertäfelungen, Wände oder Decken … wenn es passt, verknüpft das Designerpaar eine inszenierte Weisheit mit einem Nutzen. Einfach nur beschriften reicht nicht, und dafür lieben wir die Baumanns. Danke für die tolle Arbeit und Danke an einen mutigen Auftraggeber.

(Ich werde euch als Sprecher auf die TYPO Berlin 2012 sustain einladen, denn ich kenne kein beständigeres deutsches Designbüro als Baumann & Baumann)


Warum ich diesen HP-Drucker liebe …

(Ich bekomme keinen Cent für diesen Beitrag … will einfach nur meine Zufriedenheit über ein Gerät mitteilen, das mir und meiner Familie täglich Freude bereitet).

Wer einen Universal-Tintendrucker für zu Hause sucht, der anstandslos Printjobs von Computer, iPhone und iPad verarbeitet, sollte sich mal mit den HP-Photosmart-Modellen beschäftigen. Bei uns zu Hause werkelt seit einem halben Jahr der rund 170 € teure Photosmart Premium plus Fax, mit folgenden Funktionen:

  • 5 getrennte Druckpatronen (XL)
  • 2 Papierfächer (Fotopapier, A4-Normalpapier)
  • automatischer Dokumenteneinzug (auch doppelseitig)
  • doppelseitiges Drucken, Fotokopieren und Scannen
  • Fotos duplizieren ohne Computer
  • drahtlos Drucken und Scannen
  • scannen bis 1200 dpi, 48 Bit
  • faxen

Da der Drucker (über die eigene WiFi-Karte) nicht nur im lokalen Netz verfügbar ist, sondern darüber auch mit dem Internet verbunden sein kann, lassen sich von unterwegs PDFs, ein Fotos oder Formulare (einfach per E-Mail) an den Drucker senden, der diese dann umgehend zu Papier bringt (HP ePrint). Das Fax lässt sich so konfigurieren, dass der Printer zwar automatisch sendet, aber nur empfängt, wenn man es manuell zulässt (Fax-Spamfilter). Das Drucken von Websites (Safari Reader), Mails oder Fotos aus Apple-iOS-Geräten wird mit der nativen Print-Funktion erledigt (AirPrint, auch doppelseitig). Eine zusätzliche App wie ePrint gestattet individuelle Druck-Einstellungen. Die Kinder freuen sich über das Ausdrucken von Linienpapier, Ausmalbildern und ähnlichem aus dem Internet, bereitgestellt vom HP-Server.

 


Zwischenbilanz: 25.000 Mails an George Clooney

Das nenne ich vorbildliche, zeitnahe Kommunikation … Am Montag hatte ich hier im Fontblog auf die gelungene Nespresso-Werbe-Parodie aufmerksam gemacht (Nespresso-Engagement fällt auf George zurück), der Auftakt einer Petition von Solidar Swiss. Eben schreibt mir Christian Engeli von Solidar:

»Guten Morgen Jürgen Siebert. Herzlichen Dank! Vor drei Tagen haben wir die Kampagne für fairen Nespresso lanciert. Dank Ihnen und vielen Tausend weiteren Menschen wird die Aktion zum Erfolg! Bis jetzt wurden 25’000 E-Mails an George Clooney geschickt! Der Spot wurde auf Youtube mehr als 400’000 mal angesehen – unglaublich! Gemeinsam haben wir die Diskussion über fairen Handel weltweit(!) in die Medien gebracht.

Nespresso verweist in seiner Antwort auf unsere Kampagne auf das ›Nespresso AAA+ Sustainability Programm‹. Dieses firmeneigene Label erachten wir als ungenügend. Unsere Kritik am AAA-Programm finden Sie hier. … Nespresso hat uns für morgen, Freitag, zu einem ersten Treffen eingeladen. Wir haben die Einladung angenommen. Wenn wir jetzt den Druck aufrecht erhalten, wird fairer Nespresso schon bald Realität.«

Gern geschehen und weiterhin viel Erfolg.