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Traditionsbruch: das neue Warsteiner-Logo

warsteiner_signet

Noch ist es die »Königin unter den Bieren«. Oder »das einzige Wahre?« Beim Claim herrscht durchaus Verwirrung, doch das soll 2014 anders werden. Die »Königin« verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Signet und in den Werbeauftritten der westfälischen Biermarke. Stattdessen rücken Jahreszahl und ein vergrößerter Schriftzug ins Blickfeld der Konsumenten. Allerdings werden sich deutsche Schriftkenner wenig über das Facelifting freuen, denn Warsteiner bricht auch mit den Satzregeln für die gebrochenen Schrift. Leserlichkeit geht vor …

Wie das Branchenorgan W&V heute berichtet, hätte der Markenname vor allem im Ausland zu Verständnisproblemen geführt, weil die Menschen mit dem langen deutschen s nicht zurechtkämen und meistens Warfteiner statt Warſteiner läsen. Um die Modulation der Buchstabenkette im Logo zu erhalten, griff der für die Marke verantwortliche Designer John Wiebelitz zu einem typografischen Trick: Er verwendet in der Wortmitte das (an dieser Stelle falsche, aber) besser lesbare Schluss-s und vergrößert zusätzlich das t nach oben und unten. Clever gemacht, aber nicht gern gesehen, wie der Kommentar von Ralf Herrmann auf Twitter zeigt:

warsteiner_vorher

Ergänzend heißt es bei W&V: »Der Slogan ›Eine Königin unter den Bieren‹ wird durch einen anderen Hinweis ersetzt: ›Familientradition seit 1753‹ – dafür ließ Warsteiner eine eigene Schriftart anfertigen. Hiermit will das Unternehmen die eigene Geschichte stärker betonen.« Die neue Schrift für den Markennamen »Warsteiner« und der verkürzte Claim tauchen in Flächen außerhalb des Signet auf (siehe Abbildung unten). Der zweite typografische Eingriff wirkt eher unbeholfen. Aus den einst stabilen Antiqua-Kapitälchen entstanden Versalien mit Stummelserifen, mit Buchstaben im Ungleichgewicht (W, S) und teils amputierten Körperteilen. Die Deformationen irritieren nicht nur beim Lesen, man könnte sie auch als Indiz werten, dass ihr Designer Buchstabenberührungen nicht in den Griff bekommen hat.

warsteiner_nachher

Die Warsteiner Gruppe ist eines der ältesten und bekanntesten Brauereiunternehmen Deutschlands. Zum 1753 gegründeten Familienunternehmen zählen heute weltweit rund 120 Einzelfirmen. Groß geworden ist die Warsteiner Gruppe mit ihrer Stammmarke Warsteiner.

Wie jetzt, Lange Nacht der Wissenschaften …!?

Die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin und Potsdam ist eine Erfolgsgeschichte. Im kommenden Jahr findet sie zum 13. Mal statt. Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsinstitute und rund 70 technologieorientierte Unternehmen in Berlin und Potsdam wollen in der »klügsten Nacht des Jahres» einen Besucherrekord aufstellen. Ein neues Corporate Design soll der heterogenen Veranstaltung ein klares Profil verleihen. Hierfür gibt es eine Ausschreibung, die in Designerkreisen für Entsetzen sorgte.

Der Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG) rät ab von Wettbewerben, die keine Jury bekanntgeben, kein Gesamtbudget und keine Entscheidungskriterien nennen. Allein das Beschaffen der Unterlagen für die Vorauswahl braucht zwei Tage und niemand weiß, wer danach und warum eingeladen wird. Und dann mal schnell die kreative Aufgabe lösen, ohne Honorar?!

Erik Spiekermann twitterte gestern: »Kostenlose Konzepte! Nicht mitmachen!«

Gegenüber Fontblog äußert er: »Ein Skandal! Wer sich die Mühe macht, endlose Fakten beizubringen, der wird eingeladen. Unter den Eingeladenen entscheidet dann eine ›Entscheidungsstelle‹, die natürlich zusätzlich zum finanziellen Angebot auch gleich ein ›Grobkonzept‹ mit Skizzen will. Über den Honorarumfang der vom Gewinner zu erwartenden Leistungen wird kein Wort verloren.«

Was meinen die Fontblog-Leser?

Samy Deluxe »Poesiealbum« [Update]

Tut mir auch leid, liebe EMI, dass ich hier das wunderbare (typografische) Video von Samy Deluxe nicht zeigen kann. Daniel Meyer hat es mir ans Herz gelegt (vielen Dank dafür). Er schreibt: »Für einen Typofan ein leckerer Augenschmaus, das neue Video von Samy Deluxe, falls unbekannt, auf http://www.samy-deluxe.de/ einsehbar. Für die Umsetzung u. a. die ›Typeholics‹ aus Hamburg verantwortlich.«

Ich hätte gerne noch ein bisschen mehr darüber geschrieben, aber dieser kleinkarierte Urheberrechtskrieg zwischen YouTube (die Beklagte; praktisch fürs plattformübergreifende Video-Einbetten), der GEMA (die Klägerin) und den Major-Musikfirmen (die Orientierungslosen) hat mir die Laune verdorben. Vielleicht geht es Samy Deluxe und den Video-Produzenten ähnlich und sie haben deswegen ein Making-of-Video produziert und auf YouTube hochgeladen. Immerhin haben sich das schon 31.000 Samy-Deluxe-Fans angesehen. Ist das jetzt die Zukunft, liebe Musikindustrie, das Angucken wie man Musik und Videos produziert, also der Konsum von Metainformation?

[Update]
Tape-TV hat mir inzwischen einen Embedding-Code gesendet, den ich gemeinsam mit diesem Backlink veröffentlichen darf: Mehr von Samy Deluxe gibt es auf tape.tv – Treppe Hoch!

Wie fliegen mehr Spaß machen könnte …

Vorher:

Nachher:

Als der Washingtoner Designer Tyler Thompson im Dezember 2009 seinen Kollegen Dustin Curtis in New York City besuchte und wieder zurück nach Seattle flog, ärgerte er sich dermaßen über die Bordkarte, dass er noch im Flieger Ideen für ein Redesign in seinem Moleskine-Buch festhielt. Daraus entstand im Januar die dazugehörige Website Boarding Pass/Fail, auf der sich inzwischen ausgezeichnete Redesign (inkl. Downloads) und Kommentare angesammelt haben. Eine Entdeckung von Spreeblick.

Bitte Provider-Logo nachbessern, Telekom.de

Vor 2 Tagen bekam ich eine SMS von der Telekom auf mein iPhone: »Lieber Kunde, T-Mobile und T-Home wurden in der Telekom Deutschland GmbH zusammengeführt. Die Anzeige in Ihrem Handydisplay ändert sich nach Neustart des Handys in Kürze auf “Telekom.de”.«

Ich war zwei Tage gespannt, wie das wohl gehen soll, 10 Schriftzeichen auf einer Fläche unterzubringen, die bereits mit 8 Zeichen gut gefüllt ist, wobei i und l in Helvetica nur sehr wenig Platz benötigen. Nun ist das neue Provider-Logo da, es heißt kurz ›Telekom‹ statt ›Telekom.de‹ und trotzdem drängeln sich die Buchstaben auf unschöne Art. Sie scheinen auch größer als zuvor.

Fontnäpfchen (17): Telekom-Preisliste [Neu]

So ist es richtig: Tele Grotesk Normal, die Exklusivschrift der Deutschen Telekom in einem Archiv-PDF

So ist es falsch: Ersatzschrift Adobe Sans mit der Metrik von Tele Grotesk, weil diese nicht ins PDF eingebettet wurde (Stand: April 2010)

Das ist es ganz falsch: Fantasieschrift aufgrund eines eigenmächtigen Austauschs der Macintosh-OS-X-Vorschau (Stand April 2010)

[Neu: Da das Thema ›Schriften richtig in PDFs einbetten‹ nicht unwichtig ist, habe ich diesen Beitrag von gestern Abend nicht gelöscht, sondern umgeschrieben. Er war auch nicht prinzipiell falsch, nur ungenau formuliert. So konnten wir alle aus dem Fehler der Telekom lernen. Vielen Dank für die klugen Kommentare.]

Liebe Telekom,

was ist nur mit der »Preisliste für Mobilfunktarife« (Stand April 2010) passiert (PDF)? Statt in der Exklusivschrift Tele Grotesk erscheint die 60-seitige Broschüre auf unseren Bildschirmen in einer Ersatzschrift. Dies passiert, wenn die Originalschrift nicht richtig ins PDF eingebettet wurde. Manche Reader behelfen sich dann mit der Ersatzschrift Adobe Sans, die Macintosh-Programme Vorschau und Safari kommen zu besonders eigenwilligen Lösungen auf Basis einer verunstalteten Helvetica. Bitte korrigieren.

Wir danken an Benjamin für den Hinweis und freuen uns über eine zügige Korrektur.

Dein Fontblog

Aufpassen, Bund Deutscher Kriminalbeamter [Update]

Im Juni 2009, auf dem 14. Deutschen Präventionstag in Hannover, stellte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sein Projekt Web-patrol vor, eine Art 110-Notruf fürs Internet. Das Informationsportal soll zielgruppenorientiert über Fragen der Sicherheit und des Verhaltens im Netz informieren. Parallel dazu gibt es eine kleine Software, über die verdächtige Inhalte direkt an eine »unabhängige Clearingstelle« gemeldet werden können.

Der Hamburger Vielsurfer Hanno Zulla (@hzulla) hat jetzt festgestellt, dass es der BDK möglicherweise mit dem Urheberrecht nicht so genau nehme. Gegenüber Nerdcore fragt er sich, ob der Bund Deutscher Kriminalbeamter möglicherweise Anschluss zur Remix-Kultur suche: »Man vergleiche das Logo auf dem (sehr merkwürdigen) offiziellen BDK-Blog mit diesem Bild des Silver Surfers« (Abbildung oben). Die zitierte Vorlage ist eine Illustration des Bosnischen Künstlers Adi Granov und entstand 2003 für das Cover eines Marvel-Comic-Heftes.

Natürlich wissen wir nicht 100 Prozent, ob sich der BDK vielleicht doch um eine Lizenz für die Konturzeichnung bemüht hat. Nötig wäre sie sicherlich.

[Update: Das Logo wurde inzwischen von der Webseiten des Bund Deutscher Kriminalbeamter entfernt. In diesen PDFs ist es noch zu finden:

Vortragsmanuskript Web-Patrol
Flyer-Web-patrol]

Aus Agip wird Eni

Seit genau 50 Jahren bietet Agip (Azienda Generale Italiana Petroli) Automobil-Kraftstoff unter dem Zeichen eines feuerspeienden sechsbeinigen Hundes an. Legendärer Claim: »Wir reißen uns sechs Beine für Sie aus«. Nun steht ein Namenswechsel an, doch das Bild bleibt.

Statt unter Agip firmiert die Marke in Zukunft unter Eni (Ente Nazionale Idrocarburi), so nämlich heißt der italienische Agip-Mutterkonzern. In Deutschland betreibt Eni ca. 600, in der Schweiz 240 und in Österreich 180 Tankstellen. Europaweit sind es 6441 Tankstellen, davon 4390 in Italien, womit Eni der größte Tankstellennetz-Betreiber des Landes ist. Der Konzern verspricht sich von der Aktion ein international einheitliches Auftreten.

Der Hund symbolisiert, nach einer Erklärung aus den 50er Jahren, die vier Autoreifen plus die Beine des Fahrers und steht für die moderne Art des Transports in Form einer Symbiose zwischen Mensch und Maschine. Weitere Informationen zum neuen Logo auf der Eni-Site …

Ubuntu jetzt weniger bunt

Ubuntu ist eine Linux-Distribution, also eine Zusammenstellung des Linux-Kernels mit diverser Software, um hieraus ein Betriebssystem zu bilden. Der Name bedeutet auf Zulu »Menschlichkeit« und bezeichnet eine afrikanische Philosophie, die den Markenkern von Ubuntu widerspiegelt: ein einfach zu installierendes und leicht zu bedienendes Betriebssystem mit aufeinander abgestimmter Software.

Die kommende Version 10.04 des beliebten Linux-Betriebssystems mit Codenamen »Lucid Lynx« nimmt Abschied vom traditionellen Human-Theme in Erdtönen. An seine Stelle tritt das Light-Theme, mit dem auch gleichzeitig das Ubuntu-Logo einen neuen Anstrich bekommt (Abb unten). Mehr zum neuen Theme und dem Redesign auf der Ubuntu-Wikiseite ›Brand‹. Verantwortlich für die Ausarbeitung der neuen Markenwerte ist ein kleines Team um Mark Shuttleworth, das seit 2009 kontinuierlich am Redesign der Marke arbeitet.

Siehe auch: Mark Shuttleworth über Ubuntu 10.04 Lucid Lynx

Frischer Wind bei Germania

Die Berliner Fluggesellschaft Germania geht in den kommenden Tagen mit einem frischen Markenauftritt an den Start. Neues Erkennungsmerkmal der unabhängigen Airline ist ein weiter entwickeltes Logo (Abb. unten), das mehr Dynamik ausstrahlten und das kontinuierliche Wachstum der Fluggesellschaft unterstreichen soll. Das Logo zeigt eine sich drehende, glänzende Kugel in »Germania-Grün«. »Der Unternehmensname wird künftig in einer eigens für Germania entwickelten Schriftart dargestellt« teilt das Unternehmen gegenüber der Presse mit; tatsächlich wurde das »Gerüst« des alten Schriftzugs (Abb. oben), gesetzt aus Frutiger Black Italic, kaum verändert, bis auf die abgerundeten Ecken. Design: die Hamburger Agentur gudella, barche.

Wichtiger Teil des neuen Markenauftritts ist eine komplett überarbeitete Website, die durch eine verbesserte Benutzerfreundlichkeit überzeugen und die Kunden einfacher und schneller durch die Angebote navigieren soll. Mit der neuen Webseite stärkt die Fluggesellschaft den Einzelplatzverkauf, der künftig stärker als bislang über das Internet abgewickelt werden soll. Die neue Webseite von Germania wird noch im März unter www.flygermania.de online gehen.

Unsere Nachbarn in der Bergmannstraße

Das echte Leben spielt dort, wo die Menschen sind: auf der Straße. Das dachte sich auch das Team um die Dokumentarfilmerin Bettina Blümner, als es bei uns hier in der Bergmannstraße den zufällig vorbeikommenden Passanten ein paar Fragen stellte. Zum Beispiel: »Was wollten Sie immer schon mal machen?« oder »Was ist ihnen lieb und teuer?« Aus den Antworten zimmerte Jung von Matt/Alster, unter dem Kreativdirektor Fabian Frese, eine Imagekampagne für die Deutschen Versicherer: vier Werbeclips, gedreht in vier deutschen Städten mit stark-dokumentarischem Charakter. Gut gemacht, toll geschnitten, und zumindest für den Drehort Bergmannstraße können wir bestätigen: Die gezeigten Personen leben hier, wir kennen die meisten vom Sehen.

Das Berlinale-2010-Plakat im Praxistest

Da sage ich jetzt nichts zu … und warte lieber auf Eure Kommentare (siehe auch Fontblog-Beitrag vom 26. Januar 2010, Das offizielle Plakat der 60. Berlinale)